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  1. Buddhaland Forum
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Kontrollverlust

  • Thorsten Hallscheidt
  • 21. November 2025 um 08:42
  • Zum letzten Beitrag
  • Thorsten Hallscheidt
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    • 21. November 2025 um 08:42
    • #1

    Ich habe gemerkt, dass ein zentraler Punkt (zumindest für mich) das völlige Durchdringen und Anerkennen von Anicca ist. Solange ich auch nur unterbewusst davon ausgehe oder wünsche, dass etwas nicht veränderlich, nicht vergänglich ist, mir nicht wie Sand zwischen den Händen zerrinnen wird, ist der Versuch von Kontrolle da, denn Anhaftung oder Ablehnung sind Formen der Kontrolle oder des Wunsches danach. Die Ablehnung, die Angst vor der Möglichkeit von Unglück, großem und kleinem, von Krankheit, Krieg, Klimakatastrophe, Jobverlust, sich plötzlich anwendende Partner oder Freunde, Tod, Unfall, etc. bedeutet im Umkehrschluss Dukkha. Angst ist ein anderes Wort für das Geistesgift der Ablehnung.


    Wenn ich nun versuche, mir mit der buddhistischen Praxis einen "sicheren" Raum aus Meister, Sangha, Lehre und Ritualen zu schaffen, so ist das zumindest am Anfang auch eine Form der Abkehr von der "normalen" Welt, mit dem Ziel, dem Schrecken von Dukkha und Anicca zu entgehen. Eine Abkehr, oft aus Angst oder Frustration, ein Begehren nach Zuflucht und Sicherheit.


    In der Praxis wird aber irgendwann deutlich, dass der buddhistische Weg Anicca und Dukkha nicht beseitigen kann, im Gegenteil. Denn sie sind neben Anatta die zentralen Charakteristika der Grundfesten der Wirklichkeit, denen man nicht entkommen kann. Man nimmt also Zuflucht in ein System, um vielleicht etwas Schutz und Kontrolle gegenüber den disruptiven Eigenschaften der Vergänglichkeit zu finden, Schutz vor Dukkha, um dann zu erkennen, dass es keinen Schutz geben kann, solange Kontakt zur Wirklichkeit besteht, die von den fünf Skandha gebildet werden. Solange ich versuche, Glück oder Sicherheit oder Frieden in irgendeiner Weise auf den Skandha zu gründen – und sie sind die ganze Welt, mit allen Dingen, Gefühlen, Gedanken, Motivationen – werde ich immer wieder scheitern. In diesem Sinne ist die Welt hoffnungslos, denn Anicca ist nicht einfach nur „Unbeständigkeit“, sondern die Unmöglichkeit, irgendeinen Zustand zu stabilisieren.


    Aber es gibt einen Punkt, an dem diese vollkommene Hoffnungslosigkeit (m.E. ein anderes Wort für existenzielles, totales Loslassen oder Aufgeben oder Hingeben) umkippt – von einem Dagegen-Stemmen in ein Fließen: Der Kampf hört auf, der Versuch, sich gegen Anicca zu stellen, all das Streben, Eifern, Wollen, Schützen, Vorsorgen, Absichern, Planen, Festhalten etc. endet, und Ruhe kehrt ein. Die Wirklichkeit wird sehr klar und deutlich, und der Wunsch nach dauerhafter Sicherheit oder dauerhaftem Glück oder Frieden in der Welt verschwindet komplett, ohne Bedauern zurückzulassen. Nach ein paar Minuten geht der Irrsinn in alter Frische wieder los.

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

  • Qualia
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    • 21. November 2025 um 10:29
    • #2

    Unwissenheit bedingt Angst.

    Angst bedingt Unsicherheit.

    Unsicherheit bedingt Zweifel.

    Zweifel bedingt Entscheiden.

    Entscheiden bedingt annehmen, ablehnen, glauben.

    Ohne diese Erscheinungen ist kein Leben in Gemeinschaft möglich.

    Alles ist im Fluss von Ergreifen und Loslassen.

    Einzig wichtig ist, Unwohl zu vermindern.

    Nicht Wohlsein zu erreichen, das erzeugt Dukkha.


    Dukkha will den Fluss verhindern, etwas festhalten.

    Dukkha im Sinn des Buddha ist Festhalten an den Meinungen, die durch Verwässerung erscheinen:

    annica verwässern: Es gibt Unvergängliches.

    Karmapatha verwässern: Es gibt Erscheinungen, die keine Ursache haben, und solche, die Eigennatur besitzen.

    anatta verwässern: Es gibt einen unvergänglichen, ungeborenen, alles erschaffenden Geist.


    Karmapatha = Karma-: von Handlung abhängig. patha: in gegenseitiger Wechselwirkung.

    Bedingt durch Handlung und Wechselwirkung aller Teile erscheinen Objekte/Gedanken, die nicht durch Absichten der Teile entstehen.


    Kein Teil eines Objektes hat Absichten, also auch nicht das Objekt. Absichten und Eigenschaften erscheinen immer von außerhalb hinzugefügt durch die Handlung eines Denkenden.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (21. November 2025 um 10:35)

  • Samadhi1876
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    • 21. November 2025 um 10:44
    • #3
    Thorsten Hallscheidt:

    Nach ein paar Minuten geht der Irrsinn in alter Frische wieder los.

    Das ist ja auch der bekannte Affengeist. Er kann oft einfach nicht anders.

    Hat auch mehr oder weniger viel damit zu tun, wie meine Lebensumstände gerade sind: Einfach oder Schwierig.


    Selbst wenn alles einfach ist, erscheint, oder einfacher als vorher ist, erscheint, beginnt der Affengeist sich zu lamgweilen:


    Denn er sucht beständig nach neuer „Nahrung“…

    Er kann nicht anders…


    Und zum Teil muss er auch so sein, um uns zu helfen, am Leben zu bleiben…


    Man kann den Affengeist höchstens immer wieder beruhigen….


    Also zB Meditation


    Ich habe mir deshalb auch die Urvölker mal genauer angeschaut.

    Bzw. auch die, die wirklich noch autark leben in kleinen funktionierenden Gemeinschaften.


    Und die hatten, oder haben diesen Affengeist wie wir ihn kennen, anscheinend noch nicht gehabt, oder haben ihn:


    Weil viel von dem Affengeist eben menschen gemacht ist.

    Er hat sich sozusagen selbst in die Bedrouille gebracht.


    Man wir in ein Wirtschaftssystem geboren, in dem man eine komplexe Funktion zu erfüllen hat, man kann sich nicht mehr selbst eine Hütte aus Holz irgendwo zimmern, oder nach Nahrung jagen oder suchen.


    Wie schnell ein Mensch süchtig werden kann, kann man auch sehen:

    Die Teenies werden mit dem Smartphone geboren und kommen nur noch schwer davon loslassen.

    Den Ureinwohnern wurde als Tauschmittel Alkohol angeboten und sie fingen an zu trinken und davon abhängig zu werden.


    Man kann das Ganze also durchschauen.

    Versuchen von dem was schadet best möglich wieder loszulassen.


    Letztendlich bleibt einem Leid aber nie erspart.

    Auch den Ureinwohnern nicht.

    Und auch den zukünftigen Bewohnern nicht.

    2 Mal editiert, zuletzt von Samadhi1876 (21. November 2025 um 11:12)

  • void
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    • 21. November 2025 um 10:48
    • #4

    Ich habe das Gefühl, dass der Begriff Anicca implizit von einer Beständigkeit ausgeht und dann sozusagen von dort aus auf dessen Scheitern blickt. Ich bin frustriert, wenn mein Körper verfällt, meine Sicherheiten zerfallen usw.


    Aber dieser Standpunkt ist ja schon dubios. Das was mich jeden Moment erzeugt sind ja alle Arten von Prozesse. Das Blut dass durch meine Adern fließt ist ja auch Unbeständigkeit. Jeder Atemzug ist Unbeständigkeit und es wäre das Gegenteil - der Versuch den Atem anzuhalten, was mir den Tod bringt. Sogar das Wort "Sterben" kommt ja von "starr werden" Der Tote - gut sieht man das ja bei Mumien - können über Jahrtausends relativ beständig sein.


    Von daher leben wir doch aus einer positiven Unbeständigkeit heraus. Unbeständigkeit ist kein Feind, sondern der Fluß der uns trägt. So ein positives Bild von Unbeständigkeit gibt es ja z.B im Daoismus mit dem Dao. Im Buddhismus gibt es dies vielleicht im ehesten in der Idee der Freheit - dem Nicht Anhaften. Alles fließt.

  • Thorsten Hallscheidt
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    • 21. November 2025 um 11:00
    • #5
    Qualia:

    anatta verwässern: Es gibt einen unvergänglichen, ungeborenen, alles erschaffenden Geist.

    Ja, genau, das ist so ein Konstrukt.

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

  • Samadhi1876
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    • 21. November 2025 um 11:11
    • #6

    Ich finde den Aspekt der Selbstliebe und des Selbstmitgefühls dabei auch sehr wichtig:


    Ohne dem beginne ich mich vielleicht irgend wann selbst nur noch zu verurteilen.
    „Das ich zB etwas nicht besser hin bekomme“.


    Liebe und Mitgefühl für andere(s):


    Sonst verstehe ich nicht wirklich warum „andere so sind“.
    Und wünsche sie mir zuviel anders.

    Oder meine sie könnten nie anders sein.


    Als wäre Alles nur noch hoffnungslos


    Auch wenn gewisse Potenziale nicht oder nicht von allen genutzt werden.


    Sonst sieht man die „Welt“ auch zuviel schwarz oder weiss.

    Und nicht mehr grau.

  • mukti
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    • 21. November 2025 um 11:31
    • #7
    Thorsten Hallscheidt:

    In der Praxis wird aber irgendwann deutlich, dass der buddhistische Weg Anicca und Dukkha nicht beseitigen kann, im Gegenteil. Denn sie sind neben Anatta die zentralen Charakteristika der Grundfesten der Wirklichkeit, denen man nicht entkommen kann.

    .....

    Aber es gibt einen Punkt, an dem diese vollkommene Hoffnungslosigkeit (m.E. ein anderes Wort für existenzielles, totales Loslassen oder Aufgeben oder Hingeben) umkippt – von einem Dagegen-Stemmen in ein Fließen: Der Kampf hört auf, der Versuch, sich gegen Anicca zu stellen, all das Streben, Eifern, Wollen, Schützen, Vorsorgen, Absichern, Planen, Festhalten etc. endet, und Ruhe kehrt ein. Die Wirklichkeit wird sehr klar und deutlich, und der Wunsch nach dauerhafter Sicherheit oder dauerhaftem Glück oder Frieden in der Welt verschwindet komplett, ohne Bedauern zurückzulassen. Nach ein paar Minuten geht der Irrsinn in alter Frische wieder los.

    Weil auf die Erfahrung der vollkommenen Hoffnungslosigkeit nicht das vollkommene Loslassen folgt, geht der Irrsinn wieder los. Es ist sehr schwer alles sofort aufzugeben, aber die Praxis des achtfachen Pfades ermöglicht eine schrittweise Loslösung.

    Ohne Lehre wäre ich kaum darauf gekommen, dass der wahre Halt im Haltlosen liegt, in diesem Punkt der Ruhe und Klarheit, der das Nibbana erahnen lässt.

    Mit Metta, mukti.


  • Qualia
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    • 21. November 2025 um 13:32
    • #8

    Das Loslassen lernt man durch das Überhandnehmen des Leidens in seinem Leben.

    Erst dann beginnt die Übung des achtfachen Weges, das Nichtwiederverfallen auf Festhalten von Vergangenem oder Zukünftig Gewolltem.


    Nirvana ist genau dazwischen.

    Der nachdenkfreie Raum schafft Platz für das Nichtfesthalten des Ergriffenen, bemerken die nur Zuhörenden nicht.

    Erkennen, dass Ergreifen notwendig ist, Festhalten ist Leiden.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Anna Panna-Sati
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    • 21. November 2025 um 13:48
    • #9

    Lieber Thorsten, herzlichen Dank für diesen Thread. _()_:heart::like:

    (Wieso gibt's hier eigentlich kein "WOW"- Emoji? ;))


    Du hast m.E. die seltene Gabe und Fähigkeit, Dinge in wunderschöne Worte zu fassen, für die es (oft) keine Worte zu geben scheint.

    Thorsten Hallscheidt:

    Aber es gibt einen Punkt, an dem diese vollkommene Hoffnungslosigkeit (m.E. ein anderes Wort für existenzielles, totales Loslassen oder Aufgeben oder Hingeben) umkippt – von einem Dagegen-Stemmen in ein Fließen: Der Kampf hört auf, der Versuch, sich gegen Anicca zu stellen, all das Streben, Eifern, Wollen, Schützen, Vorsorgen, Absichern, Planen, Festhalten etc. endet, und

    Ruhe kehrt ein.

    Die Wirklichkeit wird sehr klar und deutlich, und der Wunsch nach dauerhafter Sicherheit oder dauerhaftem Glück oder Frieden in der Welt verschwindet komplett, ohne Bedauern zurückzulassen.

    Ja, DAS ist es, was wir uns zutiefst wünschen, nämlich, nichts mehr zu wünschen (wunschloses Glück, tiefer Frieden).

    Thorsten Hallscheidt:

    Nach ein paar Minuten geht der Irrsinn in alter Frische wieder los.

    Ja - wenn es nicht so schmerzlich wäre, könnte man darüber lachen....(::erleichtert:

    Vor allem auch über diese Beständigkeit des Unbeständigen - wie gewonnen, so zerronnen...:shrug:8)


    Es braucht Geduld (auch mit der Ungeduld), zu ertragen, dass auf das Loslassen ( = eine Art des "lustvollen Kontrollverlustes"?) immer wieder das Ergreifen folgt, womöglich noch mit (längerem) Festhalten. :hug:


    Mindestens zwei Realitäten scheinen allerdings beständig zu sein:


    -Der (physische) TOD

    (aus biologischer Sicht - aus religiösem Blickwinkel kann er auch als "Übergang" gesehen werden, also wieder anicca, wobei das Ende, der Zerfall des Körpers ja offensichtlich ist)

    -und Nibbana/Nirvana

    (zumindest gemäß der Theravada- buddhistischen Lehre).


    Der Tod, sofern einmal - endgültig - eingetreten, ist irreversibel und ewig beständig.


    Nibbana, da unbedingt, ungeboren, ungeschaffen ebenso.


    Zu Kontrollverlust kommt es in beiden Fällen....


    mukti:

    Weil auf die Erfahrung der vollkommenen Hoffnungslosigkeit nicht das vollkommene Loslassen folgt, geht der Irrsinn wieder los.

    Das Problem besteht darin, dass sich eben auch das Loslassen (wenn es nicht "vollkommen" ist?) als unbeständig erweist und Dukkha erneut Fuß fassen kann.

    mukti:

    die Praxis des achtfachen Pfades ermöglicht eine schrittweise Loslösung.

    _()_"schrittweise" ...


    Die Fähigkeit der (radikalen) Akzeptanz dessen, was nicht zu ändern ist, der (widerstandslosen) Annahme aller Gegebenheiten, auf dem Achtpfad zu entwickeln, wird - nach und nach - dazu führen, dass der "Irrsinn" sich irgendwann graduell verändert und schließlich verflüchtigt, auflöst....:sunny:


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • mukti
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    • 21. November 2025 um 14:14
    • #10
    Anna Panna-Sati:
    mukti:

    Weil auf die Erfahrung der vollkommenen Hoffnungslosigkeit nicht das vollkommene Loslassen folgt, geht der Irrsinn wieder los.

    Das Problem besteht darin, dass sich eben auch das Loslassen (wenn es nicht "vollkommen" ist?) als unbeständig erweist und Dukkha erneut Fuß fassen kann.

    Hauptsache das Üben ist beständig, bis Sotapanna erreicht ist, dann gibt es kein Zurückfallen mehr.

    Mit Metta, mukti.


  • Monikamarie
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    • 21. November 2025 um 14:51
    • #11

    Ob Zurückfallen oder Festsitzen - egal.


    Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass ich (wieder einmal) nicht akzeptiere, WAS IST.


    Da erinnerte ich mich an vor ca. 35 Jahren, als ich begriffen hatte, dass "nur" der Widerstand wehtut.

    Damals war dann immer wieder mein Mantra "kein Widerstand".


    Das mache ich jetzt auch wieder - und Mitgefühl mit meinen Schwierigkeiten - sie sind nicht MEIN.


    :heart:_()_

  • Hotte
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    • 21. November 2025 um 14:56
    • #12
    Thorsten Hallscheidt:

    Aber es gibt einen Punkt, an dem diese vollkommene Hoffnungslosigkeit (m.E. ein anderes Wort für existenzielles, totales Loslassen oder Aufgeben oder Hingeben) umkippt – von einem Dagegen-Stemmen in ein Fließen: Der Kampf hört auf, der Versuch, sich gegen Anicca zu stellen, all das Streben, Eifern, Wollen, Schützen, Vorsorgen, Absichern, Planen, Festhalten etc. endet, und Ruhe kehrt ein.


    Warum immer wieder dagegenstemmen, wenn doch die Lösung im Loslassen und Annehmen liegt?

    DON'T HATE, MEDITATE.

    4 Mal editiert, zuletzt von Hotte (21. November 2025 um 15:23)

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    • 21. November 2025 um 15:16
    • #13

    Hotte, weil es immer wieder neue Heraus-Forderungen sind.

    Durch Übung besteht die Chance, dass das ERKENNEN schneller funktioniert.

    _()_:heart:

  • Beitrag von void (21. November 2025 um 15:27)

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht (21. November 2025 um 18:17).
  • Thorsten Hallscheidt
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    • 24. November 2025 um 12:54
    • #15
    Anna Panna-Sati:

    Die Fähigkeit der (radikalen) Akzeptanz dessen, was nicht zu ändern ist, der (widerstandslosen) Annahme aller Gegebenheiten, auf dem Achtpfad zu entwickeln, wird - nach und nach - dazu führen, dass der "Irrsinn" sich irgendwann graduell verändert und schließlich verflüchtigt, auflöst.... :sunny:

    Ja, dieses "schrittweise" ist ein zentraler Punkt. Wo gibt es die Möglichkeit der Kontrolle, was bedeutet: Inwiefern habe ich Spielraum, mich für Heilsames zu entscheiden? Denn das Heilsame ist die Zuflucht, von der aus ich versuchen kann, das Nicht-Kontrollierbare zunehmend zu sehen und zu akzeptieren. An den Haaren aus dem Sumpf ziehen...

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

  • Helmut
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    • 24. November 2025 um 16:16
    • #16
    Thorsten Hallscheidt:
    Anna Panna-Sati:

    Die Fähigkeit der (radikalen) Akzeptanz dessen, was nicht zu ändern ist, der (widerstandslosen) Annahme aller Gegebenheiten, auf dem Achtpfad zu entwickeln, wird - nach und nach - dazu führen, dass der "Irrsinn" sich irgendwann graduell verändert und schließlich verflüchtigt, auflöst.... :sunny:

    Ja, dieses "schrittweise" ist ein zentraler Punkt. Wo gibt es die Möglichkeit der Kontrolle, was bedeutet: Inwiefern habe ich Spielraum, mich für Heilsames zu entscheiden? Denn das Heilsame ist die Zuflucht, von der aus ich versuchen kann, das Nicht-Kontrollierbare zunehmend zu sehen und zu akzeptieren. An den Haaren aus dem Sumpf ziehen...

    In Bezug zu den Menschen mit denen man kontinuierlich zu tun hat, Angehörige, Familie, Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen usw., hat man die Möglichkeit, sich darin zu schulen, heilsam zu handeln und Unheilsames zu unterlassen. In Bezug zu ihnen kann sich darin schulen, seinen Ärger usw. zu überwinden und stattdessen Freigebigkeit, Ethik, Geduld usw. zu entwickeln.


    Es kann nicht, wie Anna Panna-Sati im obigen Zitat schreibt, darum gehen, radikal zu akzeptieren, was nicht zu ändern sei. Aufgrund des abhängigen Entstehens verändert sich alles. Ob ich mit meinem Handeln etwas verändern kann, hängt natürlich von vielen Umständen und Bedingungen ab und solange die nicht vollständig gegeben sind, werde ich nicht viel verändern können. Man kann sich damit abfinden, aber man kann sich auch bemühen, die Fähigkeiten und Qualitäten zu entwickeln, die es einem ermöglichen, bestimmte Dinge zu verändern.


    In einem Kommentar zum Bodhicaryavatara von Santideva schrieb der Dalai Lama: Der Friede beginnt in dir. Solange wir uns selbst nicht verändern, wird sich auch in der Welt nur das verändern was andere Menschen beeinflussen können. Aber auch dies ist nichts Unveränderliches. Uns erscheint es wahrscheinlich so, aber das liegt doch nur daran, dass wir selbst zu wenig oder nichts tun und uns mit dem angeblich Unvermeidlichen abfinden.

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • mooncake
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    • 24. November 2025 um 19:10
    • #17
    Thorsten Hallscheidt:

    Solange ich versuche, Glück oder Sicherheit oder Frieden in irgendeiner Weise auf den Skandha zu gründen – und sie sind die ganze Welt, mit allen Dingen, Gefühlen, Gedanken, Motivationen – werde ich immer wieder scheitern. In diesem Sinne ist die Welt hoffnungslos, denn Anicca ist nicht einfach nur „Unbeständigkeit“, sondern die Unmöglichkeit, irgendeinen Zustand zu stabilisieren.

    So lange Du die Unbeständigkeit der Welt nur auf Dich, als festes Individuum beziehst und nicht auf die allgemeine permanente Veränderung, die der Buddha als Daseinsmerkmal erkannt hat, wird die Welt wahrscheinlich hoffnungslos. Anatta bedeutet ja auch, dass Dein eigener, vermeintlich fester Wesenskern veränderlich ist. Ich verstehe es so, dass die Akzeptanz dieser Daseinsmerkmale Dukkha verringert. Da sehe ich die Hoffnung.

  • NamoAdidaphat88
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    • 24. November 2025 um 21:21
    • #18
    Thorsten Hallscheidt:

    In der Praxis wird aber irgendwann deutlich, dass der buddhistische Weg Anicca und Dukkha nicht beseitigen kann, im Gegenteil. Denn sie sind neben Anatta die zentralen Charakteristika der Grundfesten der Wirklichkeit, denen man nicht entkommen kann.

    Zuflucht suchen, um Sicherheit zu finden, erzeugt das paradoxe Leiden, denn echte Sicherheit gibt es im Bedingten nicht. Völlig richtig.Dazu gehört auch die anfangs schwere Praxis mit dem jederzeit möglichen Todes seiner Partner , Kinder , liebsten Angehörigen und Freunde und dem eigenen Tod gelassen und erwartend dessen ins Auge zu blicken. Im Chan gibt es dazu den Spruch „stirb bevor du stirbst“Viele haben Angst vor dieser Praxis, weil sie denken:

    „Wenn ich mich dem Tod stelle, werde ich hart oder kalt.“


    Aber in Wirklichkeit geschieht das Gegenteil: Die Angst wird weniger, die Wertschätzung wird größer, die Liebe wird klarer, die Abhängigkeit wird geringer und das Mitgefühl wird natürlicher. Es ist eine emotionale Reifung, nicht ein Abstumpfen.


    Ich denke , dass ich schon recht weit darin bin und dies leider von Außenstehenden als Gleichgültigkeit oder Kälte missverstanden wird. ( z.B. dass nicht weinen und wehklagen auf Beerdigungen naher Familienmitglieder).


    Sowas kann einem schnell Wut und Abneigung anderer bringen. Man wird als gefühlskalt und desinteressiert gesehen ….

  • Monikamarie
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    • 24. November 2025 um 21:35
    • #19

    Ja, zu recht wirst Du missverstanden. Zumal Du Dich "als weit darin siehst".


    Nicht weinen bedeutet noch lange nicht Befreiung.

    Wenn ein geliebter Mensch stirbt, sind Schmerz und Tränen natürliche Reaktion.


    Alles andere sind Programme und Vorstellungen.


    Befreiung bedeutet wirklich zu SEIN.

    _()_

  • Qualia
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    • 24. November 2025 um 22:07
    • #20
    NamoAdidaphat88:

    Ich denke , dass ich schon recht weit darin bin und dies leider von Außenstehenden als Gleichgültigkeit oder Kälte missverstanden wird. ( z.B. dass nicht weinen und wehklagen auf Beerdigungen naher Familienmitglieder).

    Ich denke das nicht mehr, ich habe es erfahren.

    Für gleichgültig und kalt gehalten zu werden, hat den unbeschreiblichen Vorteil, die Menschen zu erkennen und sich selbst von Leiden zu befreien. Heuchelei ist nicht mein Ding und genau das halten die Affengeister für Heuchelei. Echt klasse, das schafft Abstand von schlechten Freunden, und wichtiger: Sie halten Abstand von mir, in ihren Augen der Pferdegeist.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Anna Panna-Sati
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    • 24. November 2025 um 23:54
    • #21

    Das menschliche Grundbedürfnis nach Kontrolle, Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit macht es schwer, Kontrollverlust zu akzeptieren -

    EIN Problem, das bei der buddhistischen Praxis auftreten kann...


    Gleichzeitig ist es aber auch anstrengend, für alles (selbst)verantwortlich zu sein, (sich) kontrollieren zu "müssen".

    Dann setzt man sich äußerst diszipliniert, in kontrollierter, aufrechter Haltung, auf's Meditationskissen und lässt (alles) los....Fallenlassen ins Ungewisse...


    Normalerweise kann Kontrollverlust u.U. nicht nur als beängstigend, sondern auch als etwas Beschämendes erlebt werden, ein Ausgeliefertsein gegenüber psychischen und/oder physischen Prozessen, allgemein den Daseinsmerkmalen, insbesondere Anicca.

    Die "Krone der Schöpfung" als "Immer-wieder-Opfer" der diversen Begehrlichkeiten, des Verlangens nach Beständigkeit von Gutem, Angenehmem und Schönem...:shrug:

    Thorsten Hallscheidt:

    Ich habe gemerkt, dass ein zentraler Punkt (zumindest für mich) das völlige Durchdringen und Anerkennen von Anicca ist.

    Damit stehst du wahrlich nicht alleine....

    Wer Anicca wirklich (auf Dauer) durchdringt, ist befreit, weil mit der Erkenntnis und Durchschauung von Anicca die Ernüchterung kommt, gefolgt von Abwendung und schließlich Loslösung - lehrt der Buddha im Palikanon.

    Zitat

    S.22.59. Die Merkmale des Nicht-Ich - 7. Anattalakkhaṇa Sutta


    .....13. Was meint ihr, o Mönche, ist die Körperlichkeit unvergänglich oder vergänglich?" -

    "Vergänglich, o Herr." - "Was aber vergänglich ist, ist das leidig oder freudig?" - "Leidig, o Herr." - "

    Was nun vergänglich, leidig, wandelbar ist, kann man dies mit Recht so ansehen: 'Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst'?" - "Gewiß nicht, o Herr."


    14.-17. "Sind Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewußtsein unvergänglich oder vergänglich?" -

    "Vergänglich, o Herr." - "Was aber vergänglich ist, ist das leidig oder freudig?" - "Leidig, o Herr." -

    "Was nun vergänglich, leidig, wandelbar ist, kann man dies mit Recht so ansehen: 'Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst'?" - "Gewiß nicht, o Herr." .....


    https://www.palikanon.com/samyutta/sam22_060.html#s22_59

    Alles anzeigen

    Das wiederholte, direkte Sehen von Anicca ist also ein elementarer Schritt auf dem Weg und führt zur Erkenntnis:

    Was vergänglich ist, ist leidhaft, was leidhaft ist, ist nicht-Selbst.


    Zitat

    S.22.28. Genuß III - 7. Tatiyaassāda Sutta

    ....19. Wenn aber, ihr Mönche, die Wesen bei diesen fünf Gruppen des Anhangens den Genuß als Genuß, das Elend als Elend, das Entrinnen als Entrinnen der Wirklichkeit gemäß verstanden haben, dann weilen die Wesen in dieser Welt mit ihren guten Geistern, mit Māra- und Brahma-Göttern, mit Asketen und Priestern, mit ihren Scharen von Göttern und Menschen

    als Entronnene, Entfesselte, Befreite, mit schrankenlosem Geiste."


    https://www.palikanon.com/samyutta/sam22_030.html#s22_15

    Es geht immer ums Verstehen (der Wirklichkeit gemäß), welches sich schrittweise, aber auch mal schlagartig einstellen kann.

    (Die Frage ist, ob dieses dann tatsächlich anhaltende Wirkung zeigt oder ob z.B. tiefe seelische Erschütterungen wieder ins Leiden zurückfallen lassen...:?:shrug:)


    Thorsten Hallscheidt:

    Anicca ist nicht einfach nur „Unbeständigkeit“, sondern die Unmöglichkeit, irgendeinen Zustand zu stabilisieren.

    "Auf Dauer" zu stabilisieren, würde ich (ergänzend) sagen wollen, denn manche Zustände halten sich - unter entsprechenden Bedingungen - , zumindest scheinbar, eine gewisse Zeit einigermaßen stabil, in einer Art Balance.


    Aber grundsätzlich hast du natürlich recht und jeder, der z.B. einen freudvollen Zustand länger aufrechterhalten oder steigern/intensivieren will, wird merken, dass es nicht (lange) funktioniert.

    (Dazu gibt es ein Sprichwort: "Die Freuden, die man übertreibt, verwandeln sich in Schmerzen.")


    Thorsten Hallscheidt:

    Solange ich auch nur unterbewusst davon ausgehe oder wünsche, dass etwas nicht veränderlich, nicht vergänglich ist, mir nicht wie Sand zwischen den Händen zerrinnen wird, ist der Versuch von Kontrolle da, denn Anhaftung oder Ablehnung sind Formen der Kontrolle oder des Wunsches danach.

    Ja, das kann ich (nur allzu) gut nachvollziehen....

    Im Tibetischen Buddhismus werden ja von Mönchen oft wunderschöne Mandalas geschaffen, die - nach kurzer Freude daran - wieder zerstört werden, um Anicca besser zu verstehen und zu akzeptieren...

    Dieses Ritual erfolgt -wie alle Rituale- sehr kontrolliert:


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    Thorsten Hallscheidt:

    Man nimmt also Zuflucht in ein System, um vielleicht etwas Schutz und Kontrolle gegenüber den disruptiven Eigenschaften der Vergänglichkeit zu finden,

    Vielleicht hilft es gelegentlich, sich ab und zu auch die positiven Seiten der Vergänglichkeit/Unbeständigkeit vor Augen zu führen, die es zweifelsohne gibt?


    Thorsten Hallscheidt:

    Wo gibt es die Möglichkeit der Kontrolle, was bedeutet:

    Inwiefern habe ich Spielraum, mich für Heilsames zu entscheiden?


    Denn das Heilsame ist die Zuflucht, von der aus ich versuchen kann, das Nicht-Kontrollierbare zunehmend zu sehen und zu akzeptieren.

    _()_

    Du hast dich ja schon für etwas Heilsames entschieden - die buddhistische Praxis - jetzt geht es "nur" noch ums Durchhalten... und die Anwendung des Erkannten/Gelernten im Alltag - dabei finde ich Achtsamkeit (in Verbindung mit Metta) sehr hilfreich.

    Sati ermöglicht Gewahrsein dessen, was im eigenen Geist vor sich geht und mit einem Grundton von liebender Güte (Metta), wird die Aufmerksamkeit weicher, der "innere Kontrolleur" entgiftet.


    Kontrolle, im Sinne von "Ich muss das im Griff haben/in den Griff bekommen!", steigert Dukkha wohl eher...


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

    Einmal editiert, zuletzt von Anna Panna-Sati (25. November 2025 um 00:03)

  • pano
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    • 25. November 2025 um 07:12
    • #22

    Ich glaube es gibt eine Verwechslungsgefahr zwischen einer buddhistischen Gefasstheit, in der man in emotional anstrengenden Situationen nicht Sklave seiner Emotionen wird und reaktiv in unheilsame Emotionen abdriftet (Geistesgifte) und so etwas wie Trägheit und Stumpfheit (sloth and topor).


    Wichtig ist auf einer Beerdigung erstmal, dass Begierde, Hass, Unwissenheit, Stolz und Neid nicht auftauchen. Ein paar Tränen mit der Trauergesellschaft zu verdrücken ist kein Makel. In gewisser Weise ein Zeichen gelebter Empathie.


    Natürlich gibt es überbordende Trauer die leidvoll ist, ich will also niemandem absprechen, dass ein starker Fokus auf Gleichmut der persönlich richtige Weg sein kann. Aber ich halte es nicht für ein allgemeingültiges Ideal.

  • Qualia
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    • 25. November 2025 um 09:48
    • #23

    Wenn eine Beziehung beginnt, geht diese noch geistige Gemeinschaft langsam in den Körper ein, er gewöhnt sich daran.

    Der Körper reagiert auf die Gefühle des Geistes mit Wohlfühlen. Je länger die Beziehung dauert, desto mehr verbindet sich der Körper mit dem anderen. Auch wenn der Geist schon in Trennung ist, bleibt die körperliche Beziehung erhalten. Bis eine Beziehung fest, und körperlich wird, braucht es einige Zeit, die gleiche benötigt er nach der geistigen Trennung.


    Der Körper unterscheidet nicht zwischen Lebewesen und Objekten, für ihn zählt nur das Lieben des Geistes. Stirbt das Lieben des Geistigen, kommt es zur Trauer im Geistigen und Körperlichen. Beide weinen und klagen. Der Geist kann sich schneller von Trauer befreien, zur Liebe zum Verlorenen zurückkehren, im Wissen, dass es real verloren, vergangen ist.


    Das kann der Körper nicht, denn seine Trauer besteht aus neuronalen Verbindungen, die nur langsam abgebaut werden können, weil die reale Anwesenheit des anderen sie nicht mehr erhalten kann.

    Ich glaube nicht, dass sie vollständig abgebaut werden. Ich sehe ein Foto und spüre die Trauer des Körpers. Erinnere ich mich durch einen Zufall an mein erstes Buch, Auto, Tier, einen geliebten Menschen, spüre die Trauer des Körpers.


    Wenn ich dieses Wahrnehmen der Trauer durch Kontrolle verhindere, nehme ich (mein Geist) mir die Freude und das Mitgefühl für meine einzig REALE körperliche Welt.


    Kontrollverlust erscheint durch den Überschwang des Geistes über das wirklich körperliche Gefühl. Bei einem Foto in Vorstellungen von Verlust verfallen, die nicht vom Körper gestützt werden. Wie erkenne ich meinen Überschwang? Das Geist-Weinen/Lachen wird zu einer körperlichen Überanstrengung, mein Gesicht und Hals schmerzen.


    Kontrolle und Kontrollverlust sind beides Handlungen, die von Mara mit Leidenschaft geschaffen werden. So wirklich wahr, dass man glaubt: ES IST REAL.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Thorsten Hallscheidt
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    • 25. November 2025 um 10:25
    • #24

    Ich habe noch einen guten Vortrag gefunden, der dieses Thema ausführlich bespricht:

    https://muttodaya.org/mediathek/2013/13-07-20_ergreifen_als_weg_cattamalo.mp3

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

  • mukti
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    • 25. November 2025 um 13:28
    • #25

    Kontrolle ist notwendig, aber zu welchem Zweck? Man kann ja darauf achten ob sie das Ego erhöht ('Ich bin der Kontrollierende') oder ob sie am Ende zu der Einsicht führt, dass man keine Kontrolle über Vergängliches hat.


    Das ist nicht wirklich paradox - wenn man den Zustand der Begierdelosigkeit erreichen will, muss man eben etwas dafür tun. Das besagt meines Erachtens das Gleichnis vom Floß - man muss ein Floß bauen und rudern, um das andere Ufer zu erreichen. Deshalb hat der Buddha Regeln für Ordinierte und Laien aufgestellt und den achtfachen Pfad gelehrt.

    Mit Metta, mukti.


Ausgabe №. 134: „Keine Angst vor der Angst"

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