Erfahrungsaustausch sollte sich nicht in Beurteilung oder Diagnose der Erfahrungen oder Berichte der anderen erschöpfen. Zu viele "Wissende" hier, Analytiker, weise Meister, zum Dauer-Dokusan berufen, Abgeklärte, Angekommene... zu wenige die aus dem Weg heraus ihre Probleme, Ideen, Durchbrüche und Zweifel berichten. Das kulminiert in der kommunikativen Totalblockade, dass es eine Erfahrung des Erwachens nicht geben könne, weil dann niemand mehr da sein würde, der eine Erfahrung haben und dann davon berichten könne. Diese Argumentation macht jeden Austausch unmöglich und erzeugt eine Position, die so unfruchtbar wie unangreifbar ist. Zugleich bleibt der Prozess des Erwachens so abstrakt wie dunkel.
Dadurch entsteht eine Atmosphäre des Auf-der-Hut-Seins oder des Auf-der-Jagd-Seins.
Persönlich weiß ich nicht, ob ich "das Erwachen" je erlebt oder erfahren habe. Sicher habe ich aber durch die buddhistische Lehre in verschiedener Intensität und Tiefe etwas für mich ungeheuer Wichtiges erlebt, das mein Leben sehr verändert und sehr viele Fragen und Zweifel aufgeworfen hat.
Vor allem hat es mir zu Bewusstsein gebracht, wie tief ich in dem, was der Buddha Dukkha genannt hat, verstrickt bin. Ich sehe klarer als vorher die Abhängigkeit von Gier, Hass und Verblendung – auch schon im Kleinsten – als Ursache für Enge, Wut und Angst, in denen ich oft mein Leben lebe. Wie eng es tatsächlich ist, habe ich bemerkt, als mal gar nicht mehr eng war. Das hat den Maßstab extrem verschoben. Zugleich habe ich durch diese Erlebnisse erfahren: Es gibt tatsächlich einen Ausweg! Und ich merke, dass das, was der achtfache Pfad fordert, wozu er aufruft und als Übungsfeld ermöglicht, mich langsam freier macht – langsam, mit vielen Rückschlägen, mit Erkenntnissen, mit Zweifeln, mit Unglück – vor allem mit spontanen Schlaglichtern auf meine eigene kognitive Dissonanz zwischen Es-besser-wissen und etwas Gegenteiliges tun.
Die Sila sind für mich trotz allem, was ich glaube, erfahren zu haben, wichtige Leitplanken, weil ich (noch?) nicht in der Lage bin, aus mir selbst heraus ein freundlicher Mensch zu sein. Auch das sehe ich etwas besser, seit es einmal nicht mehr eng war.
Diese für mich wichtigen Erlebnisse haben mir vor allem gezeigt, wo ich stehe, woran es eigentlich mein Leben lang schon hapert. Und damit habe ich dann den Salat – und erstmals ein Gefühl dafür wie anders es überhaupt sein kann.