Der entmystifizierung wäre ja schon geholfen wenn man den unfassbar schwammigen Begriff "Erleuchtung" nicht mehr benutzen würde..
Dann könnte man auf Begriffe wie Stromeintritt und Erwachen zurückgreifen. Ich finds auch durchaus spannend, dass man selten von entsprechenden Leuten hört "hab den Stromeintritt erreicht aber nicht bodhi". Ich denke das liegt daran, dass es das Ego-Ankratzt nicht vollständig "erleuchtet" und "erwacht" zu sein.
Am Ende sind das eben auch alles Etiketten, unzuverlässig und unbeständig.
Bevor man Begriffe entmystifizieren kann, muss man erst einmal die Bedeutung dieser Begriffe kennen. Sonst weiß man ja nicht von welchen Fehldeutungen (Mystifizierungen) man sie bereinigen sollte. Den Begriff aufgeben ist keine Entmystifizierung und hilft nicht weiter.
Die Bedeutung der Begriffe liegt ja nicht in ihnen selbst und sie entsteht auch nicht aus dem eigenen subjektiven Verständnis. Die Bedeutung eines Begriffes ergibt sich daraus wie er in einem bestimmten Kontext definiert wird. Also muss man sich schon mal die Definition genau anschauen anstatt eigenen Vermutungen zu folgen.
Der Begriff Erleuchtung ist keineswegs unfassbar schwammig, denn er ist definiert. Er bedeutet im Kontext des Dharma die Befreiung aus Samsara von der es zwei Formen gibt. Mit gleicher Bedeutung werden auch die Begriffe Befreiung und Erwachen verwendet. Wenn einem der Begriff Erleuchtung - aus welchen Gründen auch immer - nicht gefällt, kann man ja stattdessen die Begriffe Erwachen oder Befreiung verwenden. Man wird dann immer noch von den Dharmapraktizierenden verstanden, die den Begriff Erleuchtung anwenden.
Stromeintritt und Erwachen sind nicht dasselbe. Der Stromeintritt ist die erste Stufe der Heiligkeit nach dem Sravakayana und das Erwachen ist das Resultat, das man dann durch die Praxis auf den Stufen der Heiligkeit erlangt, die Arhatschaft.
Begriffe sind nicht einfach Etiketten. Sie haben eine inhaltliche Bedeutung, die im Zusammenhang mit ihrer Benennungsgrundlage steht und mit der Definition klar benannt ist. Begriffe sind aber auch beständige Phänomene, die sich nicht von Moment zu Moment verändern.
Unser oft flapsiger Umgang mit Begriffen im Alltagsleben kann natürlich zu der Auffassung führen, dass sie nur auswechselbare bedeutungslose Etiketten seien und deshalb unzuverlässig sind. Aber das ist eben nur unser oberflächliches Alltagsdenken.