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Beiträge von Helmut

  • Tod und Vergänglichkeit

    • Helmut
    • 29. Oktober 2026 um 15:43
    pano:

    Der entmystifizierung wäre ja schon geholfen wenn man den unfassbar schwammigen Begriff "Erleuchtung" nicht mehr benutzen würde..


    Dann könnte man auf Begriffe wie Stromeintritt und Erwachen zurückgreifen. Ich finds auch durchaus spannend, dass man selten von entsprechenden Leuten hört "hab den Stromeintritt erreicht aber nicht bodhi". Ich denke das liegt daran, dass es das Ego-Ankratzt nicht vollständig "erleuchtet" und "erwacht" zu sein.


    Am Ende sind das eben auch alles Etiketten, unzuverlässig und unbeständig.

    Bevor man Begriffe entmystifizieren kann, muss man erst einmal die Bedeutung dieser Begriffe kennen. Sonst weiß man ja nicht von welchen Fehldeutungen (Mystifizierungen) man sie bereinigen sollte. Den Begriff aufgeben ist keine Entmystifizierung und hilft nicht weiter.


    Die Bedeutung der Begriffe liegt ja nicht in ihnen selbst und sie entsteht auch nicht aus dem eigenen subjektiven Verständnis. Die Bedeutung eines Begriffes ergibt sich daraus wie er in einem bestimmten Kontext definiert wird. Also muss man sich schon mal die Definition genau anschauen anstatt eigenen Vermutungen zu folgen.


    Der Begriff Erleuchtung ist keineswegs unfassbar schwammig, denn er ist definiert. Er bedeutet im Kontext des Dharma die Befreiung aus Samsara von der es zwei Formen gibt. Mit gleicher Bedeutung werden auch die Begriffe Befreiung und Erwachen verwendet. Wenn einem der Begriff Erleuchtung - aus welchen Gründen auch immer - nicht gefällt, kann man ja stattdessen die Begriffe Erwachen oder Befreiung verwenden. Man wird dann immer noch von den Dharmapraktizierenden verstanden, die den Begriff Erleuchtung anwenden.


    Stromeintritt und Erwachen sind nicht dasselbe. Der Stromeintritt ist die erste Stufe der Heiligkeit nach dem Sravakayana und das Erwachen ist das Resultat, das man dann durch die Praxis auf den Stufen der Heiligkeit erlangt, die Arhatschaft.


    Begriffe sind nicht einfach Etiketten. Sie haben eine inhaltliche Bedeutung, die im Zusammenhang mit ihrer Benennungsgrundlage steht und mit der Definition klar benannt ist. Begriffe sind aber auch beständige Phänomene, die sich nicht von Moment zu Moment verändern.


    Unser oft flapsiger Umgang mit Begriffen im Alltagsleben kann natürlich zu der Auffassung führen, dass sie nur auswechselbare bedeutungslose Etiketten seien und deshalb unzuverlässig sind. Aber das ist eben nur unser oberflächliches Alltagsdenken.

  • Unbeständigkeit und Freundschaft

    • Helmut
    • 12. Oktober 2026 um 17:39
    Kaiman:

    Hallo,


    Durch die Unbeständigkeit und den Wechsel der Bedingungen und Gedanken. Ist es eigentlich doch auch gar nicht so wirklich möglich zu sagen dies ist ein Freund dies ist eine Feind. Alles kann sich schlagartig ändern und Freunde können sich ändern feinde können sich ändern.

    Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach. Würdet ihr sagen in dieser Sichtweise liegt ein funken Weisheit. Oder bleibt wahre Freundschaft von der Unbeständigkeit unberührt. Was meint Ihr dazu.


    Viele Grüße Kaiman

    Alles anzeigen

    Da alle Phänomene unbeständig sind, sind auch Freundschaften unbeständig. Dies bedeutet zunächst ja nur, dass sie sich verändern, dem Wandel unterliegen. Monika hat das ja in Beitrag #4 beschrieben. Weil Freundschaften dem Wandel unterliegen, können sie natürlich auch zu Ende gehen, sich auflösen.


    Der Funken Weisheit besteht meines Erachtens in der Erkenntnis, dass niemand aus sich heraus ein Freund oder aus sich heraus ein Feind ist. Wir bezeichnen aufgrund vieler Bedingungen eine bestimmte Person als meinen Freund. Aber mein Nachbar kann diese Person ganz fürchterlich finden. Genauso ist es mit dem Feind. Wir betrachten aufgrund vielfältiger Bedingungen eine bestimmte Person als Feind, als jemanden, der uns Übles antun will, aber andere erfassen ihn als Freund.


    Der Funken Weisheit besteht darin zu erkennen, niemand ist von seiner Seite her, aus sich heraus ein Freund oder ein Feind. Aufgrund verschiedener Bedingungen bezeichnen wir eine Person als Feind und eine andere als Freund. Würde eine Person aus sich heraus ein Feind sein, dann müssten alle Menschen ohne Ausnahme diese Person als Feind auffassen. Das gilt genauso für den Freund.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 10. Oktober 2026 um 15:50
    JoJu91:
    Helmut:

    Dass das Bewusstsein der Raum ist in dem die Möbel stehen und ihr Spiel spielen: Seit wann befinden sich denn deine Möbel in deinem Bewusstsein? Sitzt du in deinem Bewusstsein, wenn zu am Wohnzimmertisch sitzt und ein Buch liest?

    Diese von mir genannte Variante ist natürlich nur eine Analogie.

    Wenn das Bewusstsein wach, aber ohne Gedanken ist, ist es dann tot oder bewusst-los ? Bleibt vom Bewusstsein etwas übrig, wenn seine Inhalte verschwunden sind ?

    Es gibt ja zwei Arten gültiger Erkenntnis:

    • Gültige Erkenntnis in Form einer unmittelbaren Wahrnehmung
    • Gültige Erkenntnis in Form einer Schlussfolgerung

    Die erstere gültige Erkenntnis ist frei von Begrifflichkeit, es arbeitet nicht mit sprachlichen oder gedanklichen Begriffen. Nur weil ein Bewusstsein frei von Begrifflichkeit ist, ist es weder tot noch bewusstlos. Wenn wir mit unseren Sinneswahrnehmungen unmittelbare, unbegriffliche Wahrnehmungen haben, hört unser Bewusstsein ja nicht auf zu existieren. Wir sind sehr bewusst bei diesen Sinneswahrnwahmungen und keineswegs bewusstlos.


    Ein wahrnehmendes Bewusstsein gibt es nicht unabhängig von einem wahrgenommenen Objekt. Das Objekt oder der Inhalt eines Bewusstseins kann begrifflich oder unbegrifflich sein. Entsprechend gibt auf der Seite des Bewusstseins begriffliche bzw. unmittelbare Erkenntnisse. Bewusstsein und Objekt bedingen einander. Das eine gibt es nur in Abhängigkeit vom anderen und das gilt in beide Richtungen.


    Weil es Bewusstsein gibt, gibt es immer auch Objekte und weil es Objekte gibt, gibt es stets Bewusstsein.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 10. Oktober 2026 um 15:25
    JoJu91:
    Helmut:

    Die Aussage "Die Phänomene sind Projektionen des Bewusstseins..." drückt ja keine Beziehung zwischen zwei unterschiedlichen Phänomenen aus

    Wie würdest Du die Beziehung zwischen dem Bewusstsein eines Träumenden im gewöhnlichen Nacht-Traum und den Phänomenen, die er dabei im Traum erlebt, ausdrücken ?

    Wie würdest Du die Beziehung zwischen dem Bewusstsein eines Menschen im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein und den Phänomenen, die er dabei im Alltag erlebt, ausdrücken ?

    Gibt es da einen Unterschied ?

    Das Bewusstsein eines Träumenden und das was er in seinem Traum erlebt existiert gleichzeitig. Es ist ja nicht so, dass da zuerst ein Träumender mit seinem Traumbewusstsein ist und wenn er dann seinen Traum erlebt er dann als Träumender nicht mehr existiert.


    Genauso ist es beim Alltagsbewusstsein. Wenn ich mit einem Sinnesbewusstsein ein Phänomen wahrnehme, dann existieren das wahrnehmende Sinnesbewusstsein und das von ihm wahrgenommene Bewusstsein gleihzeitig.


    Wenn sie nicht gleichzeitig existieren würden, dann würde ja keine Beziehung zwischen ihnen bestehen.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 8. Oktober 2026 um 15:25
    JoJu91:
    Helmut:

    Es gibt also eine Beziehung zwischen beiden. Es gibt zwei Möglichkeiten wie diese Beziehung sein kann:

    Zwischen wahrgenommenem Phänomen und Bewusstsein besteht eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
    Zwischen wahrgenommenem Phänomen und Bewusstsein besteht eine gegenseitige Abhängigkeit.

    Es gibt für den denkenden Geist noch mehr Möglichkeiten:

    • Die Phänomene sind Projektionen des Bewusstseins, ähnlich wie im Nacht-Traum
    • Bewusstsein ist der leere Raum, in dem die Phänome ihr Spiel spielen. Der Raum ist nicht Ursache der Möbel, die in ihm stehen.

    Die Aussage "Die Phänomene sind Projektionen des Bewusstseins..." drückt ja keine Beziehung zwischen zwei unterschiedlichen Phänomenen aus. Sie ist eine allgemeine Definition mit der ausgedrückt wird was ein Phänomen im Wesentlichen ist. Insofern ist sie keine weitere Aussage über Beziehungen, die meine beiden Aussagen hierzu ergänzen würden. Man kann sich natürlich weiterhin fragen: wie ist die Beziehung zwischen dem Phänomen und seiner Eigenschaft, eine Projektion zu sein. Dann ist die Antwort: Sie existieren in gegenseitiger Abhängigkeit, also gleichzeitig. Der zweite Fall trifft also zu, der erste aber nicht.


    Dass das Bewusstsein der Raum ist in dem die Möbel stehen und ihr Spiel spielen: Seit wann befinden sich denn deine Möbel in deinem Bewusstsein? Sitzt du in deinem Bewusstsein, wenn zu am Wohnzimmertisch sitzt und ein Buch liest?

  • Was würde ein Arahant/Bodhisattva denken, wenn sie/er die Bergpredigt liest?

    • Helmut
    • 6. Oktober 2026 um 18:58

    Ich denke, sie werden die Bergpredigt als eine tiefgründige spirituelle Lehrrede ansehen in der die Grundlagen des Christentums dargelegt werden. Sie werden auch sehen, dass es diverse Übereinstimmungen mit den Lehren des Dharma gibt und deshalb sei es gut, sich mit ihr befassen. Für den buddhistisch-christlichen Dialog ist es absolut notwendig, sich mit ihr zu befassen. Diesen Dialog sollten wir auch dann anstreben, wenn wir noch keine Arahants bzw. Bodhisattvas sind.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 6. Oktober 2026 um 15:57
    mukti:
    Helmut:

    Eine Definition ist: "Die Phänomene sind leer von wahrhafter Existenz". Wahrhafte Existenz bedeutet, dass die Phänomene getrennt, losgelöst vom wahrnehmenden Bewusstsein existieren. Diese Auffassung von wahrhafter Existenz wird mit der angegebenen Definition von Leerheit verneint.

    Ist das so zu verstehen, dass es außerhalb des wahrnehmenden Bewusstseins keine Phänomene gibt?

    Die Definition muss wohl doch etwas genauer erklärt werden. Alle Phänomene sind leer von wahrhafter Existenz, weil sie ausschließlich in Abhängigkeit existieren. Bei dieser Definition wird dies speziell auf die Beziehung von wahrgenommenen Phänomen und wahrnehmendem Bewusstsein bezogen.


    Würden die wahrgenommenen Phänomene wahrhaft existieren, dann würden sie getrennt, losgelöst vom wahrnehmenden Bewusstsein existieren. Es gäbe zwischen beiden keine Beziehung, sie könnten nicht aufeinander wirken. Das widerspricht aber unserer eigenen Erfahrung.


    Es gibt also eine Beziehung zwischen beiden. Es gibt zwei Möglichkeiten wie diese Beziehung sein kann:

    • Zwischen wahrgenommenem Phänomen und Bewusstsein besteht eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
    • Zwischen wahrgenommenem Phänomen und Bewusstsein besteht eine gegenseitige Abhängigkeit.

    Die erste Möglichkeit trifft nicht zu. Wäre das wahrgenommene Phänomen die Ursache für das Bewusstsein, das es wahrnimmt, dann könnte das wahrgenommene Phänomen nicht mehr existieren, wenn die Wahrnehmung von ihm entstanden ist. Zwischen Ursache und Wirkung gibt es eine zeitliche Abfolge. Solange die Ursache existiert, existiert die Wirkung noch nicht. Wenn die Wirkung entstanden ist, gibt es es die Ursache nicht mehr.


    Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass das wahrgenommene Phänomen auch dann noch existiert wenn wir es wahrgenommen haben. Deshalb trifft die zweite Möglichkeit zu.


    Wahrgenommenes Phänomen und wahrnehmendes Bewusstsein bestehen in gegenseitiger Abhängigkeit. Das heißt sie bestehen gleichzeitig. Deshalb sind sie nicht getrennt voneinander. Auf der weltlichen Ebene ist es vergleichbar mit der Beziehung von dem Ganzen und seinen Teilen, die auch immer gleichzeitig bestehen. In den Dharma-Schriften wird diese Beziehung unterschiedlich beschrieben:

    • Die wahrgenommenen Phänomene und das sie wahrnehmende Bewusstsein sind nicht getrennt voneinander, weil gleichzeitig aus einer gemeinsamen Ursache entstehen.
    • Das wahrgenommene Phänomen wird durch das wahrnehmende Bewusstsein bestätigt und das wahrnehmende Bewusstsein wird durch das wahrgenommene Phänomen bestätigt.

    Die Phänomene sind leer von wahrhafter Existenz, sie existieren nicht getrennt von dem wahrnehmenden Bewusstsein, weil zwischen beiden eine gegenseitige Abhängigkeit besteht.

    mukti:

    Ist das so zu verstehen, dass es außerhalb des wahrnehmenden Bewusstseins keine Phänomene gibt?

    Die wahrgenommenen Phänomen wie Autos, Flugzeuge, Bäume, Häuser usw. existieren natürlich außerhalb des Bewusstseins und nicht innerhalb des Bewusstseins. Im Bewusstsein gibt es nur geistige Repräsentationen der äußerlichen Phänomene. Aber sie existieren in gegenseitiger Abhängigkeit und jeweils nicht für sich, getrennt voneinander,

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 4. Oktober 2026 um 17:54
    Werner Stepan:

    Und ja, auch die "Leerheit" ist nur ein Begriff für etwas das wir nicht begreifen können, da bedingt entstanden.

    Wenn man sagt, etwas ist bedingt entstanden, dann hat man schon etwas erkannt. Man hat begriffen was es bedeutet zu sagen, ein Phänomen ist bedingt entstanden. Man hat das abhängige Entstehen dieses Phänomens verstanden.


    Natürlich kann man auch begreifen was der Begriff Leerheit ausdrückt, was seine Bedeutung ist, denn der Begriff hat eine Grundlage in der Realität und ist somit ebenfalls ein abhängiges Phänomen und erkennbar. Die Bedeutung des Begriffes Leerheit ist nicht ganz einfach zu verstehen; unter anderem auch weil er für uns kein so geläufiger Begriff ist wie Auto, Flugzeug, Haus usw.


    Leerheit (skr. sunyata) ist ein schwieriger philosophischer Begriff, der sich nicht von selbst erschließt. Er ist ein Begriff der Mahayana-Philosophie und in den Mahayana-Lehrmeinungen gibt es unterschiedliche Definitionen. Wenn man sich mit einer von ihnen kontinuierlich beschäftigt, dann erkennt man nach und nach die Bedeutung der Definition und was mittels Leerheit verneint wird.


    Eine Definition ist: "Die Phänomene sind leer von wahrhafter Existenz". Wahrhafte Existenz bedeutet, dass die Phänomene getrennt, losgelöst vom wahrnehmenden Bewusstsein existieren. Diese Auffassung von wahrhafter Existenz wird mit der angegebenen Definition von Leerheit verneint.

  • Vipassana Meditation

    • Helmut
    • 4. Oktober 2026 um 16:39
    mukti:

    Den Begriff Vipassana, der auch mit "Hellblick" übersetzt wird, gibt es bereits in einigen Lehrreden, z.B. in A.IV.170:

    Zitat

    Da, ihr Brüder, entfaltet ein Mönch den Hellblick mit vorangehender Geistesruhe (samathapubbaṅgamaṃ vipassanaṃ)

    Da entfaltet ein Mönch die Geistesruhe mit vorangehendem Hellblick (vipassanāpubbaṅgamaṃ samathaṃ)

    Da entfaltet ein Mönch Geistesruhe und Hellblick zum Paare verbunden (samathavipassanaṃ)

    Hierbei geht es ja um Konzentration und Weisheit. Das Ziel ist die Verbindung von Konzentration und Weisheit, sie zum Paare verbinden wie es in der dritten Zeile heißt.


    Samatha (Konzentration) und Vipassana (Weisheit) müssen miteinander verbunden werden, weil Konzentration ohne Weisheit wie blind ist und Weisheit ohne Konzentration recht kraftlos ist.


    Samatha und Vipassana kann man nicht gleichzeitig, sondern nur nacheinander entwickeln. Dem Zitat aus A.IV.170 kann man entnehmen, dass es hierfür keine definitiv festgelegte Reihenfolge gibt. Entscheidend ist, dass man das in der dritten Zeile des Zitates formulierte Ziel erreicht.


    Die Verbindung von Samatha und Vipassana ist eine notwendige Voraussetzung für den Stromeintritt, sie ist also eine notwendige Bedingung dafür, ein ariya -puggala zu werden.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 2. Oktober 2026 um 15:46
    Werner Stepan:

    Helmut

    Form ist Leerheit, Leerheit ist Form...ersetzte Form mit Fülle...

    Es ist das selbe,nur anders bezeichnet. MfG Werner

    Form und Leerheit sind nicht dasselbe. Form ist ein viel umfassenderer Begriff als Fülle. Form umfasst alle materiellen Phänomene, Fülle dagegen nicht. Fülle kann allenfalls ein besonderer Fall von Form sein.

    Werner Stepan:

    Ps: es gibt keinen Unterschied von Leerheit und/oder Fülle, ...

    Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Leerheit und Fülle.


    Leerheit ist ein Negation. Sie verneint etwas, nämlich die Auffassung, dass die Phänomene inhärent existieren würden.


    Fülle hingegen ist keine Verneinung. Sie ist eine Bestätigung. Das heißt Fülle drückt aus, dass es etwas gibt, nämlich Fülle; egal welche Bedeutung man dem Begriff Fülle konkret gibt.


    Weil Verneinungen und Bestätigungen somit in einem direkten logischen Widerspruch zueinander stehen, gibt es einen grundlegenden Unterschied.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 30. September 2026 um 16:51
    Qualia:

    Der Atta-Ich-bin-Pol ist unvermeidlich, sogar in der tiefsten Meditation. Der Anatta-Pol ist reines Gedankenspiel.

    Das sind sogar zwei verkehrte Sichtweisen.


    Den Atta-Ich-Pol gibt es nicht, weil man für Atta keine gültige Benennungsgrundlage in der Realität aufzeigen kann. Es gibt zwar die Vorstellung von Atta, sie ist sogar weit verbreitet, aber sie ist verkehrtes Bewusstsein.


    Anatta ist kein reines Gedankenspiel. Anatta so aufzufassen ist ebenfalls verkehrtes Bewusstsein, weil Anatta ein Daseinsmerkmal ist, das man an den Phänomenen korrekt aufzeigen kann.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 29. September 2026 um 16:15
    mukti:

    Für mich ist eher noch Theorie, was der Buddha sagt: Ich bin, bin nicht, bin und bin nicht, weder bin ich noch bin ich nicht - das trifft alles in Wirklichkeit nicht zu.

    Das ist eine Kurzform mit der die Beziehung zwischen Selbst/Ich und den Khandhas beschrieben wird. Man kann diese vier aussagen zu dreien zusammenfassen, weil die letzten beiden gleichbedeutend sind.


    Wir finden diese Formulierung in vielen Suttas, zum Beispiel in SN 22.45:


    "... was vergänglich ist, das ist leidvoll; was leidvoll ist, das ist Nicht-Ich ..."


    Hier bezieht sich vergänglich und leidvoll auf die Khandhas. Diese Khandhas sind nicht das Selbst/Ich-


    Dann heißt es im Sutta weiter:


    "... was Nicht-Ich ist, davon gilt: 'Dies gehört mit nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst' "


    Das Nicht-Ich sind die Khandhas. Nun werden drei denkbare Beziehungen zwischen den Khandhas und dem Selbst/Ich negiert:

    • Das Selbst/Ich ist nicht der Besitzer der Khandhas.
    • Das Selbst/Ich ist nicht die Khandhas.
    • Die Khandhas sind nicht das Selbst/Ich.

    In dem Sutta betont der Buddha durch Negation:


    "So ist dies d Wirklichkeit gemäß mit rechter Weisheit zu verstehen."


    Durch diese Weisheit "wird der Geist entsüchtet und ohne Anhangen befreit von den Trieben."


    Dieses Sutta ist Bhikkhus gelehrt worden. Deshalb ist es nicht unbedeutend für uns. Wenn wir es schaffen, die drei genannten verkehrten Ansichten bezüglich der Beziehung zwischen dem Selbst/Ich und den Khandhas zumindest in Zweifel zu ziehen, dann trägt das schon dazu bei, Hindernisse für die Befreiung zu schwächen. Ziel ist natürlich, diese Verblendungen aufzugeben.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 25. September 2026 um 16:49

    Was die Bestehensweise von Samsara und Nirvana angehr, so gibt es zwischen ihnen diesbezüglich keinen Unterschied. Sie sind beide leer von inhärenter Existenz, weil sie in Abhängigkeit existieren. Es gibt bei beiden nichts Absolutes, weil sie abhängig existieren.


    Aber nur in ihrer Bestehensweise unterscheiden se sich nicht. Wenn wir ihre charakteristischen Merkmale betrachten, gibt es grundlegende Unterschiede und sie erweisen sich als Widersprüche. Samsara und Nirvana sind keine äußeren Orte, sondern Qualitäten des eigenen Geistes.


    Steht der eigene Geist unter der Macht der Geistesgifte Unwissenheit, Gier und Hass, dann erleben wir Samsara. Haben wir unseren Geist von diesen Geistesgiften mittels des achtfachen Pfades befreit, erleben wir Nirvana, die Befreiung als Arhat.


    Werner Stepan:

    Wenn es aber nichts Absolutes jenseits der bedingten Phänomene gibt, wer ist dann derjenige, der die Erleuchtung erlangt, und wo soll diese Erleuchtung in der Zukunft gefunden werden?

    Das ist ein weit verbreiteter Einwand hier im Westen und er hat seine Wurzeln sowohl in der Philosophie als auch in der christlichen Lehre. Dieses Absolute hinter den Phänomenen gibt es aber nicht. Gäbe es dieses Absolute hinter den Phänomenen, dann könnten wir unseren Geist nicht umwandeln und Befreiung erlangen, weil absolut immer auch unabhängig, beständig und unwandelbar bedeutet.


    Befreiung aus Samsara erleben wir selber, wenn wir mittels des achtfachen Pfades die wahren Beendigungen in unserem Geist verwirklicht haben. Wir selber erleben dies, weil wir als Person nicht absolut, aus sich selbst heraus existieren. Wir werden die Erleuchtung nicht irgendwann in der Zukunft irgendwo außerhalb von uns selber finden wie wir einen äußeren Schatz finden können, denn sie befindet sich nicht außerhalb von uns.

  • Majjhima Nikāya 55, Jīvaka Sutta

    • Helmut
    • 13. September 2026 um 17:54
    Upasaka Dhammavicayo:

    Gut ist, du tötest nicht selbst, du lässt nicht für dich töten, du ermutigst nicht dazu. Das ist schon viel. Halte das sauber. Schau aber, ob im Herzen ein kleines „ich bin besser“ steckt. Das tut weh, ohne dass es nötig ist.

    Das lese ich nicht als oberlehrerhaftige Belehrung. Upasaka Dhammavicao Aussage ist ein wichtiger Hinweis. Derartige Hinweise habe ich schon öfters von meinen Lehrern gehört und sie haben ihre Berechtigung.


    Unsere Leidenschaften haben viele subtile Ausprägungen, die nicht leicht zu erkennen sind. Solange wir in Samsara sind und deshalb von Leidenschaften geprägt sind, ist die Gefahr gegeben, dass wir einen gewissen Stolz entwickeln, weil wir dieses oder jenes aufgegeben haben, während andere es noch nicht getan haben. Da kann ganz schnell unbemerkt die Haltung entstehen "Ich bin besser".


    Deshalb ist Upasaka Dhammavicayos Hinweis hilfreich, weil er motiviert, denn eigenen Geist diesbezüglich zu untersuchen. Stellen wir dann fest, dass es diese Haltung "Ich bin besser" in unserem Geist nicht gibt, dann ist das sehr gut und wir können uns darüber freuen. Stellen wir fest, wir haben diese Einstellung in unserem Geist, dann verhilft uns Upasaka Dhammavicayo Hinweis dazu, diese Haltung zu erkennen und dann können wir entsprechende Gegenmittel anwenden, um diese Einstellung zu überwinden.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 10. September 2026 um 13:57

    Die beiden Freunde sollten erst einmal ihre Begriffe klären. Was ist die Bedeutung von Leerheit und was ist die Bedeutung von Fülle? Dann kann man klären, ob die Bedeutungen der beiden Begriffe dasselbe bezeichnen. Sind die Bedeutungen verschieden, dann muss man beide Begriffe nebeneinander bestehen lassen.


    Die Bedeutung der Begriffe steckt aber nicht in ihnen selbst. Sie ergibt sich, wie wir seit L. Wittgenstein wissen, daraus, in welchem Kontext sich der Begriff auf welche Benennungsgrundlage bezieht. Deshalb hilft das Weglassen der Begriffe nicht weiter, da dadurch nichts wirklich geklärt wird.


    Der Punkt ist also: Haben Fülle und Leerheit dieselbe Benennungsgrundlage? In Beitrag#9 habe ich die Position vertreten, dass die Begriffe Leerheit und Fülle nicht die gleiche Bedeutung haben, weil sie unterschiedliche Benennungsgrundlagen haben.

  • Bedeutung

    • Helmut
    • 9. September 2026 um 12:23
    Werner Stepan:

    Also um es einmal klar ausdrücken:


    a) Form – Leerheit; Leerheit – Form. Form ist nicht getrennt von Leerheit; Leerheit ist nicht getrennt von Form. (Was Form hat, das hat Leerheit; was Leerheit hat, das hat Form).


    b) Jenes ist Fülle, dieses ist Fülle.Aus der Fülle entspringt die Fülle.Wenn von der Fülle die Fülle genommen wird,bleibt immer nur Fülle übrig.


    Bedeutung: Es drückt den Übergang von der Illusion zur Erleuchtung aus. Quelle study buddhism.

    Diese Bedeutungen sind für mich identisch, warum wird dann ein solches Tamtam von den verschiedenen Religionen ( Buddhismus/Hinduismus ) daraus gemacht ???

    MfG Werner

    Alles anzeigen

    Ich würde es nicht gleichsetzen, denn Leerheit ist eine Verneinung, während fülle eine Bestätigung ist.


    Leerheit verneint die Ansicht von Eigenexistenz, denn es gibt keine Phänomene, die aus sich heraus existieren, weil sie in ausschließlich in Abhängigkeit existieren.


    Auch wenn es im Herzsutra zunächst heißt:


    Form ist leer,
    Leerheit ist Form,
    Leerheit ist nichts anderes als Form,
    und Form ist nichts anderes als Leerheit.


    dann sollte man die folgenden Zeilen nicht übersehen:


    Gleichermaßen sind Gefühl,
    Unterscheidung,
    gestaltende Faktoren
    und Bewusstsein leer.


    Leerheit bezieht als nicht nur auf Form/Körper, sondern auf alle abhängigen Phänomene.

    Werner Stepan:

    b) Jenes ist Fülle, dieses ist Fülle.Aus der Fülle entspringt die Fülle.Wenn von der Fülle die Fülle genommen wird,bleibt immer nur Fülle übrig.

    Aus Leerheit entspringt aber keine Leerheit so wie aus Fülle die Fülle entspringt. Leerheit ist weder eine Ursache von sich selbst oder anderem. Sie bewirkt nichts im Sinne der Ursache-Wirkungs-Kausalität


    Wesentlich ist der Zusammenhang von Leerheit und abhängigem Entstehen. Weil Leerheit Selbstexistenz der Phänomene ausschließt, können die Phänomene in Abhängigkeit von ihren Ursachen, Teilen und Benennungen existieren. Weil die Phänomene abhängig existieren, sind sie leer von Selbst- oder Eigenexistenz.

  • Hans-Günter Wagner über Leere

    • Helmut
    • 7. September 2026 um 18:21
    Schneelöwin:

    Und ich frage mich, ob wir das Verstehen der Leerheit für ein Erwachen wirklich benötigen?

    Das Verstehen der Leerheit von inhärenter Existenz der Person und der Phänomene ist notwendig für die Befreiung aus Samsara, weil dieses Verstehen das direkte Gegenmittel gegen unsere Unwissenheit, unser Greifen nach einem Selbst ist, die uns an Samsara fesseln.

  • Hans-Günter Wagner über Leere

    • Helmut
    • 7. September 2026 um 14:22
    Qualia:

    Die Nase = Form: endlich, bestimmbar, einzigartig, unterscheidbar.

    Die Nicht-Nase = Leere: unendlich, unbestimmbar, ohne Selbstheit, ununterscheidbar.


    Die Nase ist leer von Nicht-Nase.

    Form ist Leere.

    Die Nicht-Nase ist leer von Nase.

    Leere ist Form.


    Leere und Form sind unabhängig bedingte Erscheinungen.

    Alles anzeigen

    Die Nase ist nicht leer oder frei von Nicht-Nase, weil die Nase aus vielen Teilen besteht, die nicht die Nase selbst sind, aber mit ihr zusammen existieren. Auch trifft es nicht zu, dass Nicht-Nase leer oder frei von Nase ist, denn der menschliche Körper, der ja keine Nase ist, besitzt aber eine Nase als einen seiner Teile mit dem er gleichzeitig existiert.


    Das Wort ist in Form ist Leere und Leere ist Form suggeriert, dass beide identisch sind. Das sind sie aber nicht. Die beiden Sätze aus dem Herzsutra drücken aus zwei unterschiedlichen Perspektiven aus, dass die Form oder das Körper-Skandha und deren Leerheit (sunyata) in gegenseitiger Abhängigkeit und somit gleichzeitig existieren ohne zu einem einzelnen Phänomen zusammenzufallen. Die Aussage der beiden Sätze ist: das abhängig entstandene Phänomen existiert nur, weil es leer ist von inhärenter Existenz. Weil ein Phänomen leer ist von inhärenter Existenz, kann es überhaupt in Abhängigkeit von Ursachen, Bedingungen und Teilen existieren.


    Die Form und ihre Leerheit (sunyata) sind auch keine unabhängig bedingten Phänomene, denn etwas Bedingtes ist niemals unabhängig.

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • Helmut
    • 25. August 2026 um 17:43
    void:

    Das Wort Buddhanatur verweist einfach auf das Ziel des Buddhismus - die Freiheit von Gier, Hass und Verblendung.

    Indem der Begriff Buddhanatur auf das Ziel hinweist, macht er auch deutlich, dass wir als Menschen das Potenzial besitzen, dieses Ziel erreichen zu können. Und wir erreichen diese Ziel indem wir unsere Buddhanatur, dieses Potenzial in uns, durch die Dharmapraxis zur Reife bringen. Indem wir es zur Reife bringen überwinden wir die drei Geistesgifte und erlangen die Freiheit von Gier, Hass und Verblendung. Diese Freiheit ist gleichbedeutend mit einem dauerhaften Glück. Diese Freiheit ist die Befreiung oder das Nirvana von dem im Buddhadharma gesprochen wird.

  • Schmerzen (Probleme) um anderer Willen auf sich nehmen als Weg, das Leiden zu überwinden.

    • Helmut
    • 13. August 2026 um 20:30
    Monikamarie:

    In Asien wird Buddha als Gott um Hilfe gebeten


    _()_

    So wie viele pauschale Aussagen meist nicht zutreffen so trifft auch deine pauschale Aussage nicht zu.

  • Schmerzen (Probleme) um anderer Willen auf sich nehmen als Weg, das Leiden zu überwinden.

    • Helmut
    • 13. August 2026 um 13:35
    Thorsten Hallscheidt:

    ... sondern dadurch, dass man sie um anderer willen auf sich nimmt."

    Das ist lediglich eine Vorstellung, die ein Teil von Tonglen, das Austauschen von Selbst und Anderen, ist. Faktisch ist das nämlich nicht möglich.

  • Candrakirti Madhyamakavatara

    • Helmut
    • 8. August 2026 um 14:07

    Das ist ein lesenswerter Kommentar zu Candrakirtis Madhyamakavatara.

  • BODHICITTAVIVARANA Erläuterung des Erleuchtungsgeists (verfasst von Nagarjuna)

    • Helmut
    • 25. Juli 2026 um 17:41

    tao88


    Schön, dass du diesen Text in deutscher Übersetzung hier eingestellt hast. Ich nehme gerade an einem Jahreskurs zum Bodhicittavivarana teil. Dieser komprimierte Text ist tiefgründig und vielschichtig. Kennst du deutschsprachige Erklärungen bzw. Kommentare zu diesem Text von Nagarjuna?

  • Gibt es Buddhismus trotz philosophischem Matetialismus?

    • Helmut
    • 23. Juli 2026 um 19:26
    interessiert:

    In letzter Zeit interessiert mich das Thema Buddhismus wieder, somit wäre meine Frage an euch: Gibt es unter euch Materialisten, die Buddhisten sind?


    Ist das vereinbar? Ist das Quark?:lol:

    Um deine Frage beantworten zu können, müsste erst einmal geklärt werden, was du unter Materialismus verstehst.


    Der Materialismus als westliche philosophische Tradition hat ja unterschiedliche Ausprägungen. Meinst du mit Materialismus den der alten Griechen oder den Materialismus des Karl Marx oder eine dazwischen liegende Ausprägung? Oder meinst du Materialismus in der Form, dass Materie der Ursprung aller Phänomene ist?

  • Buchempfehlungen gesucht

    • Helmut
    • 21. Juli 2026 um 19:13

    Michael von Brück, Einführung in den Buddhismus, Verlag der Weltreligionen, 2007.


    Das Buch behandelt den indischen Buddhismus recht ausführlich. Der Autor geht dabei auch auf die Umstände ein unter denen sich die Lehre Buddhas in Indien entwickelt hat.


    Darüber hinaus behandelt er den Buddhismus in China, Japan Tibet und im Westen.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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