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  1. Buddhaland Forum
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Beiträge von void

  • Hans-Günter Wagner über Leere

    • void
    • 7. September 2026 um 12:40

    Adorno kritisierte an Heidegger, dass dieser Sätze ( "das Nicht nichtet") brachte, die eher durch den Nimbus der sakralen Tiefgründigkeit und poetische Kraft bestachen als durch inhaltliche Fassbarkeit. Einen "Jargon der Eigentlichkeit" nannte er das.


    Von daher ist mir gerade bei Sätzen wie "Die Nase ist leer von Nicht-Nase.Die Nicht-Nase ist leer von Nase." die durch Schönheit und Symmetrie bestechen wichtig, klar nachzufragen, was sie inhaltlich bedeuten. Also dass man am Ende nicht so mit etwas Schönen aber potentiell Inhaltslosen dasteht.


    Von daher mein Versuch, von der Abstraktion und der Schönheit wegzugehen und konkret ( und eher nicht so erfolgversprechend) zu versuchen, die Abhängigkeiten aufzurollen und aufzuzählen. Also erstmal vom Wort "Nase" zu den Funktionen auf die es verweist ( Atmen, Riechen) und dann auf die ganze Geschichte der Nasen - all der vielen Bedingungen die sie gestaltet haben. All die Medien ( Wasser, Atmosphäre) all das was gerochen werden muß ( Essen, Feinde, Sexualpartner) Und es hat mit Wasserverlust in der Wüste zu tun, mit dem Wettlauf mit Löwen und Gazellen. Dem Rückzug von Oberkiefer und Unterkiefer der durch das Kochen möglich wurde und im Gegensatz zu Schimpansen die Nase spitz hervorlugen lässt.


    Klar ist das im Detail sicher ein endloses Unterfangen - auf einmal steht man mit Gazellen, dem Kochen, Fischen, Knorpelgeschichten, Löwen und all dem da. Man zieht an einem Faden und hat den ganzen Teppich am Wickel. Und auf dem Weg zur Befreiung sicher ein nicht so arg nötiger Umweg so vom hundertsten ins Tausendste zu kommen.


    Aber der Versuch, die Nase hervorbringenden Prozesse zu umreißen zeigt auf der anderen Seite was Nicht-Nase bedeuten kann. Eben nicht ein ominöses metaphysisches Konstrukt - eine philosophische Blase wie die Adorno so an Heidegger nervt, sondern um eine vielgestaltige, verworrene Verkettung von Bedingungen handelt. Eine sehr konkrete Geschichte.


    "Die Nase ist leer von Nicht-Nase.Die Nicht-Nase ist leer von Nase."


    Hat also etwas von einem Puzzelteil, das mit seinem Rest ( Gegenstück) ein Ganzes formt.

  • Hans-Günter Wagner über Leere

    • void
    • 7. September 2026 um 11:06
    Wetering:

    Was ist der Unterschied in der Bedeutung zwischen

    "Ohr ist leer, die Nase ist leer...“

    und

    „Kein Ohr, keine Nase…“

    ?

    Man muß das alles mit dem Anfang des Herzsutra in Beziehung setzten. Dort heißt es ja

    1. Form ist nicht anderes als Leerheit;
    2. Leerheit ist nichts anderes als Form


    Die erste Richtung ist das die Dinge frei von Eigenexistenz sind, was ja Qualia schon gesagt hat.


    Aber der zweite Satz ist nicht einfach nur eine Wiederholung sondern er gibt eine Gegenrichtung an.Wenn im Prinzip alles leer ist, kann die Vielfalt der Phänomene ja selber als Ausdruck von Leerheit gesehen werden. Leerheit ist selber leer. Es gibt sie nicht jenseits des Konkreten und die Dinge z.B die Nase entstehen und Bestehen aus ihr.


    Dies klingt ja erstmal etwas abgehoben und philosophisch.


    Ich selber sehe es so dass diese Richtung ( das " kein" - das Mū des Herzsutra ) über das Verneinen hinaus geht und auf die Schwester der Leerheit - das "Entstehen in Abhängigkeit" - verweist.


    Im Bezug auf die Nase würde ich es so sehen dass man nicht einfach bei dem "die Nase hat keine Eigenexistenz" stehen bleibt sondern die Bedingung der Möglichkeit für "Nase" betrachtet. Früher wusste man das ja nicht im Detail aber heute können wir ja sehen, dass die Nase einfach eine Momentaufnahme komplexer evolutionärer Prozesse ist in der viele Funktionen ( Riechen, Atmen) und Regionen ( Meer, Steppe) eine Rolle spielten. Die Leerheit der Nase ist nichts anderes als die ganze Geschichte ihrer Abhängigkeit. Milliarden von Jahren an Geschichte mitten im Gesicht.


    Kann aber sein, dass das schon zu viel an eigenwilliger Interpretation ist und andere da auf einer eher philosophischen Ebene verweilen würden.

  • Hans-Günter Wagner über Leere

    • void
    • 7. September 2026 um 09:01

    ""Ohr ist leer, die Nase ist leer...“ bedeutet wie

    Qualia sagt , dass beide leer von inhärenter Existenz sind.


    Im Herzsutra steht:

    Herzsutra:

    „Daher existiert in der Leere keine Form, kein Fühlen, Wahrnehmen, Wollen oder Denken. Nicht Auge noch Ohr, Nase, Zunge, Körper oder Geist.

    Den zweiten Teil könnte man auch als "Kein Ohr, keine Nase" übersetzten aber man muß es zum vorher Gesagten beziehen: "In der Leerheit gibt es kein Ohr und keine Nase" In der Sanskrit Version sieht man das besser:

    Herzsutra:

    tasmāc chāriputra śūnyatāyāṃ na rūpaṃ na vedanā na saṃjñā na saṃskārā na vijñānāni na cakṣuḥśrotraghrāṇajihvākāyamanāṃsī.


    Deshalb, Shariputra, gibt es in der Leere keine physische Gestalt, keine Empfindung, Wahrnehmung, mental-emotionales Gedächtnis oder Objekt-Bewusstsein;weder Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper noch Denk-Organ

  • Der intellektuelle Buddhist – muss das sein?

    • void
    • 6. September 2026 um 17:39

    Die Geschichte war ja eine der Filterung.


    Es war ja erstmal so, dass sich da so aufklärerische Indologen mit buddhistischen Texten befassten und da dann das abfeuerten was philosophisch und Intektuelle war. Während sie über die eher bodenständigen Formen die Nase rümpften und es als Verfallsform und Volksreligion abtaten. Was ankam war ein Professoren Buddhismus.


    Und die Buddhisten in den Herkunftsländern betonten eben dann auch die hochstehenden, abstrakten Aspekte um bei den Kolonialherren Respekt zu finden und nicht als dumpfe Eingeborene abgetan zu werden. Die Message war : Buddhismus ist nicht einfach sondern zivilisatorisch ausgefeilt.


    Und später dann mußte man betonen dass der Buddhismus gut mit Moderne, Zivilisation und Psychologie zusammen passt. Weil es immer darum bei bikdungs-bürgerlichen Eliten zu landen, kam dann nach all den Filterungen teilweise so ein aufgeklärter Bildungsbürger-Buddhismus heraus. Wo dann viele das Gefühl haben, dass sie nicht gemeint sind.


    Blöd gelaufen.

  • Warum bezeichnen die Tibetaner Oral Verkehr als sexuellem Fehlverhalten? ( Ernste Frage)

    • void
    • 1. September 2026 um 13:19
    Samadhi1876:

    Die anderen Tiere außer Sapiens brauchen das glaube ich auch nicht.


    Warum … die anderen Tiere nicht täglich rum…

    Man muß auf die Funktion sehen.


    Wie KarmaHausmeister ja schreibt, dachte man früher, dass Sexualität hauptsächlich dazu dient sich fortzupflanzen. Inzwischen weiß man, dass es viele andere Aufgaben hat. Gerade bei unsere nächsten Verwandten, den Bonobos kann man das gut sehen. Hier ist es so etwas wie der Kitt der Gesellschaft. Gibt es Spannungen z.B bei der Konkurrenz um Nahrung gibt es Versöhnungssex verschiedenster Art.


    Beim Menschen ist es ein wenig anders. Hier ist eines der Hauptprobleme dass, das es so unglaublich lange dauert um Jungtiere ( Kinder+ Jugendliche) aufzuziehen und es von daher stabile soziale Beziehungen braucht. Diese werden von Sexualität aufrechterhalten. Eltern mit drei Kindern haben viel häufiger Sex als drei mal. Und um nicht dauernd neue Kinder zu haben ist es gut dass es Formen der Sexualität gibt die von Fortpflanzung entkoppelt sind.


    Allerdings ist es häufig so, dass in der Konkurrenz zwischen Ländern so ist, dass es entscheidend ist, wer mehr Soldaten hat. Und von daher gab es da immer eine starke Neigung (gerade bei Frauen)Sexualität auf die Fortpflanzung hin zu lenken, die sich dann in diversen Normen äußerte.

  • „45 Min Standardfenster“

    • void
    • 1. September 2026 um 10:47

    Im Palikanon ist davon die Rede, die Praxis in den vier Körperhaltungen zu üben.

    SATIPATTHᾹNA:

    Und weiter noch, o Mönche: Gehend weiß da der Mönch: <Ich gehe>; stehend weiß er: <Ich stehe>; sitzend weiß er: <Ich sitze>; liegend weiß er: <Ich liege>. Wie auch immer seine Körperstellung ist, so eben weiß er es. So weilt er nach innen beim eigenen Körper in Betrachtung des Körpers; oder er weilt nach außen beim Körper (anderer) in Betrachtung des Körpers; oder er weilt nach innen und außen beim Körper in Betrachtung des Körpers. Die Dinge in ihrem Entstehen betrachtend, weilt er beim Körper; die Dinge in ihrem Vergehen betrachtend, weilt er beim Körper; die Dinge in ihrem Entstehen und Vergehen betrachtend, weilt er beim Körper. <Ein Körper ist da>, so ist seine Achtsamkeit gegenwärtig, eben nur soweit es der Erkenntnis dient, soweit es der Achtsamkeit dient. Unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt ist er angehangen.

    Und dem entsprechend ist Kinhin eine Praxis im Gehen.

    Wikipedia:

    In Zen Buddhism, kinhin is often done in between stretches of sitting meditation (zazen) as a break from prolonged sitting. The idea is to maintain the same meditative Zen mind throughout the walking period

  • „45 Min Standardfenster“

    • void
    • 1. September 2026 um 10:02
    Samadhi1876:

    Mir ist hingegen aufgefallen das oft „nur 35 min“ am Stück praktiziert wird. Zb im Za Zen. Zwei mal 35 min unterbrochen von Kinhin.

    Kinhin ist eine Meditation im Gehen. Auch wenn es schwerer ist den Geist im Gehen gesammelt zu halten als im Sitzen ist Kinhin von der Denkweise her keine Unterbrechung der Meditation. Auch wenn es das praktisch für viele ist.

  • Warum bezeichnen die Tibetaner Oral Verkehr als sexuellem Fehlverhalten? ( Ernste Frage)

    • void
    • 31. August 2026 um 20:04
    Phillip:

    Sie haben mit Ihrer messerscharfen Intuition eine der faszinierendsten und gleichzeitig umstrittensten Dynamiken der Religionsgeschichte genau auf den Punkt gebracht.

    Hier sieht man gut wie KI funktioniert. Erstmal ist sie auf Amerikaner ausgelegt, dass heißt sie schmeichelt und beugt dazu, Meinungen die man hat zu bestätigen. Und sie neigt dazu, den Kontext den man kommt aufzusaugen. Wenn man Colin Goldner erwähnt, dass schießt sich KI auf dessen Denkweise ein. Und bekommt keine ausgewogene Sicht.


    Es ist nicht so dass KI das nicht könnte, aber man muß es ihr explizit sagen, dass sie nicht schmeichelerisch sein soll, dass sie einen nicht bestätugen soll, dass sie eine Ausgewogene Sicht bringen soll. Gerade wenn man psychisch krank ist, ist KI voll gefährlich. Es kann den depressiven in seiner Depression bestärken und den Paranoiden in seinem Verfolgungswahn.

  • Working Class Dharma

    • void
    • 30. August 2026 um 20:47

    Zum "Meditieren an Brennpunkten" fällt mir Muhō Nölke ein, der nach seiner Ausbildung in Antaiji als Obdachloser im Schlosspark von Ōsaka zu leben, wo er für ein halbes Jahr ein Zengruppe leitete, bis er nach dem Tod seines Lehrers zu dessen Nachfolger berufen wurde.


    Unter den frühen Anhängern Buddhas war die Oberschicht ( Brahmanen und Kashtriya) wohl überrepräsentiert aber einer der Hauptschüler Buddhas war Upāli, der als Barbier der Shudra-Kaste angehörte - der Arbeiterkaste also - und als er Buddha rasierte erlangte er dabei Arhatschaft.

    Wikipedia:

    Bevor er dem Orden beitrat, arbeitete er als Barbier der Shakya. Er fragte den Buddha, ob jemand mit einer „niederen Stellung von Geburt an“ (Kaste) dem Orden beitreten könne. Der Buddha ordinierte ihn noch vor den Prinzen und bat die Prinzen, dem nun Heiligen Upali Ehrerbietung zu erweisen. Upali war ein Als-Hörer-Erwachter (Pali: savakabuddha) oder Arhat geworden, er erlangte Buddhaschaft (Befreiung von allen zehn Fesseln: Persönlichkeitsglaube, Zweifel an der Lehre, Hängen an Regeln und Riten, sinnliches Begehren, Ärger, Begehren nach formhaftem Dasein, Begehren nach formlosem Dasein, Stolz, Zerstreutheit) durch das Hören einer Lehrrede des Buddha, als er ihn rasierte.

    Ein echter "Workingclass-Arhat".

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 26. August 2026 um 07:22

    Hier noch Honins Text nach Shodo Harada Roshi.

    Honin:

    V. Die Zähmung des Ochsen

    Wenn auch nur der kleinste Gedanke auftaucht, dann folgt ein anderer. Mit dem Erwachen wird alles zur Wahrheit; aber wenn du in Unwissenheit verweilst, ist alles unwirklich. Die Dinge entstehen nicht wegen der objektiven Welt, sondern wegen des Geistes. Halte das Seil fest im Griff und schwanke nicht.


    Strophe:

    Lass Peitsche, noch Leine, keinen Augenblick fallen, damit der Ochse nicht zu Staub und Begierde zurückwandert. Zähme den Ochsen und er wird rein und sanft sein. Dann wird er ohne Fesseln oder Ketten, von selbst folgen.


    Waka:

    Die Tage sind gezählt, und selbst der wilde Ochse wird der Schatten werden, der sich an meinen Körper schmiegt. Wie erfreulich!


    Kommentar angelehnt an Shodo Harada Roshi:

    Den Ochsen zu zähmen ist die Erfahrung von Zazen in Aktion. Wir sollten uns die Frage auseinandersetzen, wie wir mit sozialen Problemen umgehen, wie wir unser Leben mit Integrität leben, Mitten in dieser Geschäftigkeit, mit so vielen Dingen, die wir tun und über die wir nachdenken, können wir lernen unsere Mitte und unsere Konzentration aufrecht zu erhalten. Dies wird Samadhi in Aktion genannt.

    Wir können reifen, bis es überhaupt keine Trennung mehr zwischen uns und den Dingen gibt. Es ist dieser Geist, der oft mit einem Spiegel verglichen wird. Wenn etwas vor einen Spiegel kommt, wird es genauso reflektiert, wie es ist. Etwas kommt, es wird reflektiert; etwas geht, es ist weg. Vom Ursprung her gibt es nichts. Es gibt nichts, was man hinzufügen könnte, und es gibt nichts, was man wegnehmen könnte. Wenn eine Blume vor einem Spiegel gezeigt wird, wird der Spiegel nicht schöner; wenn Hundekot reflektiert wird, wird er nicht schmutziger, kommt ein Mann, erscheint ein Mann, kommt eine Frau erscheint eine Frau. Bei der Zähmung des Ochsen geht es nicht darum, etwas zu erreichen oder zu versuchen, etwas zum Laufen zu bringen, denn ursprünglich hat uns nie etwas gefehlt. Wir müssen den ursprünglichen Geist kennen, wir müssen ihn direkt berühren; doch wenn wir ihn nicht tatsächlich aus eigener Einsicht heraus wahrnehmen, wenn wir nicht die wahre Sache davon sehen, dann werden unsere Worte nur leere Diskussionen und leere Erklärungen sein. Die Zähmung des Ochsen bedeutet- wenn wir in die Essenz geschaut haben, diese reifen lassen und aufrechterhalten. Wenn unsere Gedanken auftauchen, dann abschneiden, aber dann kommen wieder welcher hervor, und noch mehr und wieder und schon die Nächsten. In einer ruhigen Zeit, in einer einfachen Situation, mag es uns gut gehen, aber mitten in einer Krise - zum Beispiel, wenn es keinen Platz gibt, um auf die Toilette zu gehen, oder keine Möglichkeit, sich in einer kalten Nacht zu wärmen, oder es kein Essen gibt, wenn Krankheit kommt, oder ein Erdbeben, dann stecken wir fest mit unseren Gedanken- Oder, wenn Menschen, die wir kennen, gestorben sind- plötzlich verschwunden sind- dann stecken wir mit unseren Gedanken fest-und wir stricken weiter und weiter- Es wird es extrem schwierig, diesen Geist der feststeckt-- zu zügeln. In solchen Augenblicken ist es besonders schwer den klaren Geist, ohne Gedanken ohne weiter zu stricken, aufrecht zu halten.

    Obwohl die Welt auf mehr als eine Weise gesehen werden kann, gibt es nur eine wirkliche Welt. Wir können lernen diese Welt klar zu sehen, nicht als dualistische Welt, nach als Vorstellung. Die Welt kann in einem Moment als etwas erscheinen, das uns herunterzieht, und im nächsten Moment wird sie als etwas klares und wahres wahrgenommen.

    Wir können sollten mitfühlend sein. Wir sollten für andere Dasein. Anderen helfen. Aber sobald wir uns damit beschäftigen und darüber nachdenken, wie gut wir sind, werden unsere Bemühungen nur zu einer Belastung. Wir können lernen, in jeder Situation zu erkennen, was zu tun ist. Wie fließendes Wasser, dass sich von einem hohen Ort zu einem niedrigen Ort bewegen, können wir lernen ganz natürlich dorthin zu gehen, wo wir gebraucht werden, ohne unnötige sich aufdrängende Gedanken. Wie der Spiegel, der reflektiert und dann loslässt, was er reflektiert hat, reflektieren wir in jedem Moment und an jedem Ort, ohne jemals von dem, was reflektiert wird, beeinflusst zu werden. Um uns als unsere Buddha-Natur zu manifestieren, sollten wir mit Zazen fortfahren, bis wir ind jeder Lage auf ganz natürliche Weise wissen, was zu tun ist-- Wie ein tiefes Gefäß auf eine tiefe Weise und ein flaches Gefäß auf eine flache Weise, ohne Widerstand des Denkens- das ist die Zähmung des Ochsen.

    -Quelle wie oben

    Alles anzeigen

    Hier erscheint es so, als als steht der Ochse für den Geist, was aber dann für beide Lesarten offen ist. Einerseits wird gesagt, dass der Geist von seiner Grundlage her spiegelgleich ist - also nicht verblendet - Buddhanatur. Und mit dieser soll man sich nicht nur in der Meditation vertraut machen sondern sie uns Leben holen. Aber wenn es heißt "Lass Peitsche, noch Leine, keinen Augenblick fallen, damit der Ochse nicht zu Staub und Begierde zurückwandert" dann ist hier ja eben ein verblendet Geist gemeint und dies passt dann zu wiederum eher zu biophil Sicht.

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 25. August 2026 um 17:26
    biophil:

    Genau. So unkompliziert wie möglich heißt ich halte mich an Dinge, die nachvollziehbar sind. Am Körper, am Unterbewussten etc. Der Tipp, die Spuren zu verfolgen statt etwas Uminöses zu erreichen wie die Buddhanatur ist doch sehr praktisch, einfach genial, wenn ich mich kurz selbst loben darf.

    Der Sinn von Buddhanatur erscheint mir nicht als Aussage über irgendein metaphysischen Ding, sondern als Ausdruck einer bestimmten Herangehensweise.


    Es gibt ja das Kinderbuch "Wer hat angefangen" in dem sich zwei Monster an unterschiedlichen Seiten des Berges drum streiten, ob der Tag geht oder die Nacht kommt. Ein Beispiel für unterschiedliche Sichten auf das Gleiche.


    Genauso kann man Buddhismus von verschiedenen Seiten aufziehen. Man kann darin einen Weg von Samsara zu Nibbana sehen, indem man seine "Befleckungen" nach und nach verliert. Oder man kann wie Zen davon ausgehen, dass unter dem Dreck alles sauber ist und hinter den Wolken ein strahlender Sonnenhimmel ist. Es ist also mehr eine methodische Wahl als eine ontologische. Das Wort Buddhanatur verweist einfach auf eine ungewohnte Weise auf das Ziel des Buddhismus - die Freheit von Gier, Hass und Verblendung. Und weil diese Erlebbar sind ist auch ihre Anwesenheit kein Mummenschanz.


    Erst wenn man es verdinglicht, wenn man fragt ist die Buddhanatur hier oder dort, hat ein Hund sie, wirkt sie dadurch "ominös".

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 25. August 2026 um 14:15
    biophil:

    Du vergisst, dass ich aus dieser Praxis komme. Ich sehe das Bodenständige als Innovation.

    Bodenständig bedeutet für mich, dass etwas so unkompliziert wie möglich ist ohne abgehobene Konzepte zu benötigen. Im Palikanon gibt es die Geschichte von Śuddhipanthaka, der als der begriffstutzigste Schüler Buddhas galt, der sich keine Sutren merken konnte. Lau der Überlieferung gab Buddha ihm die Anweisung den Boden zu fegen und dabei die Worte "Staub entfernen, Schmutz beseitigen“ und indem er das auf den Staub seiner Verblendungen anwendet, erreichte er Arhatschaft. Die Praxis im Zen ist ja in gewisser Weise das "Polieren des Spiegel" auf den sich kein Staub setzen soll erscheint mir als eine Variante dieses "Buddhismus für Dummies und Straßenkehrer". Dem gegenüber sind doch Begriffe wie "Kontakt mit den den Tiefen Schichten des Unternbewußtseins aufnehmen und mit diesem eine werden" hochabstrakte Beschreiben bungen von außen wo Śuddhipanthaka eher "Häh, was Unterdigsschicht?" sagen würde.

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 25. August 2026 um 11:33

    Viele religiöse Konzepte ziehen nur aus der Praxis in der sie eine Rolle spielen ihre Bedeutung. So wie bestimmte Begrifflichkeiten wie "Strafraum" "Abseits" nur innerhalb des Fussballspiels eine Bedeutung haben -ohne Spiel ist da nur Rasen.


    In der Zen Praxis ist es eben so dass Befreiung nicht als etwas Fernes zu dem man erst hingelangen muß, gesehen wird. Sondern hier ist die Herangehensweise die, dass Befreiung quasi schon da ist, und man bei ihr verweilt, statt jeden Moment Verblendungen entstehen zu lassen. Im Endeffekt ist das nichts anderes als überall im Buddhismus eine Praxis die der Entstehung von Gier, und Hass entgegenwirkt.


    Und im Kontext dieser Praxis haben dann Begriffe wie "Buddhanatur" ihren Sinn und diese wiederum drückt dich dann in Erzählungen wie den Ochsenbildern aus.


    Jenseits dieser konkreten Praxis macht das alles wenig Sinn. Man kann die Herangehensweise "Befreiung ist schon da" für sich ablehnen, und denken, dass es zu einer Faulheit verführt, oder "Buddhanatur" zu sehr nach Atman aussieht. Dann sollte man eben eine andere Praxis wählen - ohne Zen, Buddhanatur und Ochsen dran. Aber da der "Ochse" eine Metapher Buddhanatur ist, macht die Metapher ohne das Konzept und die zugehörige Praxis keinen Sinn.

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 24. August 2026 um 20:34

    Es vor drei Jahren einen sehr interessanten Thread zu den Ochsenbildern der Honin initiiert wurde:

    Honin:

    Was sind sie?

    Die Ochsenbilder sind historisch überlieferte Zentexte die von Kakuan Shion geschrieben wurden, die historischen Bilder fügte sein Enkelschüler Gion dazu.

    Dies ist die Geschichte der Zähmung eines Ochsen, sie erzählt davon, wie ein wilder Ochse gefangen und gezähmt wird. Das Fangen und Zähmen des wilden Ochsen wird in der Praxis mit dem Prozess einer Person auf ihren Weg verglichen. Warum ein Ochse? Warum ist die Geschichte der Zähmung eines Ochsen? In Indien galten Ochsen als sehr wertvoll und wurden sorgfältig gepflegt. Sie werden als Boten Gottes gesehen, und überall gehen Ochsen und Kühe frei und mischen sich mit Menschen, als Gleichberechtigte. In Indien wurde ein Ochse als Vertreter eines Ideals als Metapher für das Training benutzt. Aber in China wurden die Idee und die Sache nicht als getrennt angesehen. Vielmehr repräsentierte in China ein Ochse den Geist selbst direkt – keine Vorstellung vom Geist, sondern den Geist, wie er ist. Für uns heute sind Ochsen Tiere, sie sind wild. Aber in dieser Wildnis gibt es auch eine Qualität, die über den Dualismus hinausgeht.

    In der Zen Tradition geht es um um die Überwindung von Trennung hin zu dem einen Geist. Es ist ein Weg der Integration in das Ganze, in dem Subjekt und Objekt aufgehoben sind.


    Während deine Deutung ganz andere Denkweisen und Begriffe einführt: Den einer "inneren Grundlage", eines "Unterbewussten", "tiefere Schichten der Psyche" , ein "innerer Kern". Dies entspricht am ehesten dem Ansatz von C.G.Jung, wo man sich mit dem Schatten der unterdrückten Anteile konfrontiert und diese dann zu einem ganzheitlichen balancierte Selbst zusammenfügt und ein Hinausgehen über den Menschen - die Auflösung des Gegensatzes von Subjekt und Objekt nicht anstrebt und "Leere" sogar als destruktive Auflösung fürchtet. Nicht das selbst wird in den Ochsen integriert, sondern der Ochse in das Selbst.

    Dein Denken scheint mir nahe bei Jung und Hesse und weit weg von dem was die Autoren der Ochsenbilder sagen wollten.

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 24. August 2026 um 18:12

    Im Dantabhūmi Sutta im Palikanon vergleicht Buddha den Weg zu Befreiung mit der Zähmung eines wilden Elefanten. Hier passen die Metaphern: Der Elefant steht für die tiefen, ungezähmten Schichten der Psyche - des Unterbewusstseins, und Buddha erklärt wie ein geschulter Elefantenzähmer vorgehen kann, um von "wild" zu "zahm" - von Samsara zu Nibbana zu kommen. Die rohe Natur muß durch Disziplin und ethische Zügelung (sila) umgeformt werden.


    biophil:

    Für mich sind die Ochsenbilder etwas, was den Zenweg als Weg zeichnet, und ihn am Ende entsorgt. Es widerlegt Samsara = Nirvana (es gibt nichts zu tun) und damit die zentralen Lehren dieser Schulen.

    Die Ochsenbilder erzählen jetzt nicht einfach diese Geschichte nach - halt mit Ochse statt Elefant sondern der Ochse steht hier eben nicht für die zu überwindenden tiefen Schichten ( wie der Elefant des Dantabhūmi Sutta sondern eben für die Buddhanatur.


    Zen ist ja nicht so sehr ein anderer Weg, sondern es ist der gleiche edle echtfache Pfad sondern in einer anderen Art und Weise erzählt.

  • Die Zehn Ochsenbilder [Unheilig Version]

    • void
    • 24. August 2026 um 17:21

    Der Unterschied ist nicht so sehr der zwischen "heilig" und "unheilig" sondern ein anderer.


    Der Witz an den Ochsenbildern ist ja dass sie versuchen, möglichst einfach zu sein - ohne den Rückgriff auf komplexe Begriffe und Unterscheidungen aufzukommen. Dies entspricht einer Zen Herangehsweise die eben nicht analytisch/zerlegen sondern einfach und integrierend ist.


    Es gibt ja einen Cartoon wo Geflügelzüchter ein Huhn mit Tofu Geschmack züchten, um den Vegetariermarkt zu gewinnen. Und so unternimmst du biophil den heroischen Versuch diese wichtige Zen-Gschichte nicht-zennig zu erzählen, sondern Begriffen und Unterscheidungen ( "das Ich", "das Unterbewusstsein", "die Psyche und ihre Schichten" , "innerer Kern" , "Triebe", "Charakter") hinzu zu fügen.

  • Raffiniertes Ego

    • void
    • 18. August 2026 um 18:16
    ambi:

    Anfangs kann ich nach einer Zeit wo ich mein Selbst stärker spüre und dann das Ego langsam wieder im Vordergrund ist, meiner Wahrnehmung schwer trauen - ich merke es fühlt sich schwer an aber irgendwie bin ich mir nicht sicher und das Ego sagt mir so in der Art "Nein nein alles gut - du kannst auf mich vertrauen".....

    Das Konzept eines "Ego" kam auf, weil einige frühe Pioniere des Buddhismus wie z.B D.T. Suzuki es als eine gute Idee empfanden, den Buddhismus in die Sprache der Tiefenpsychologie zu kleiden.


    Das hat damals sicher geholfen, den Buddhismus bei einem gebildeten Publikum anschlußfähig zu machen, aber insgesamt halte ich es für nicht so hilfreich. Weil es in eine Richtung führt, wo man nicht so sehr schaut wie genau bestimmte Selbstkonzepte entstehen, an denen angehaftet wird, sondern man quasi mit ihnen ringt.


    Aber das Ankämpfen gegen ein Selbst hat ja viel mit den Anhaften an ein Selbst zu tun. Man verrennt sich in Kämpfen mit sich selbst. Wenn man dem Wunsch "ich will das" einen Wunsch "ich will den Wunsch nicht haben" dann setzt man ja dem einen Wunsch einen zweiten drauf.

  • Mani

    • void
    • 17. August 2026 um 18:13
    Werner Stepan:

    Hallo zusammen

    Ich meditiere zur Zeit über das Mani, und bin überzeugt dass, das Om :om: gemein ist, wenn vom Edelstein im Lotus ( gängige Interpretation ) philosophiert wird.

    Der Sinn eines Mantra ist ja nicht Philosophie sondern Transformation.


    Eine Grundidee im Vajrayana ist ja die, das dass was einen Befreiten ausmacht ( die Buddhanatur) in bestimmte Aspekte aufgeteilt werden kann. Der Aspekt der Entsagung - also Begierde nicht nachzugeben. Oder Geduld - der Wut nicht nachzugeben oder eben der Aspekt des Mitgefühl. Diese Aspekte werden in verschiedenen Buddhaspekten verkörpert denen wiederum Mantren zugeordnet sind. Und es wird angenommen, dass einen die Rezitation eines Mantras einem den zugehörige gen Buddhaspekt näherbringt - einen auf ihn einschwingt..


    Es macht nicht so viel Sinn das Mantra als eine Aussage zu sehen und nach der "verborgenen Bedeutung" zu fragen. Sondern ein Mantra ist ein Hilfsmittel das auf die entsprechenden geistigen Qualitäten deutet und hilft zu ihnen zu gelangen.


    Insignien wie Lotus oder Juwel sind dabei alte Bilder aus der indischen Kultur. So ist ja die Lotuspflanze wegen des Lotuseffekt berühmt. Obwohl der Lotus im Schlamm zu finden ist, sind seine Blätter durch einen Nanoeffekt dreckabweisend. Von daher würde das schon früh damit in Verbindung gebracht, dass der Buddha inmitten der Welt Befreiung erlangte.


    Der Lotus deutet auf eine konkrete Geistesqualität ( "Sei sauber auch wenn du mitten in der Scheiße stehst" ) und gerade weil so viele Leute in irgendwelcher Scheisse stecken ist es ja schade, das rein als sowas mystisch vequastetes zu behandeln.

  • Mani

    • void
    • 17. August 2026 um 13:36

    Avalokiteshvara ist ja eine Verköperung des universellen Mitgefühls. Es geht also darum. "Bodhicitta" zu erwecken:

    Study Buddhism:

    Wir haben ein kostbares menschliches Leben, das mit allen Ruhepausen und Bereicherungen ausgestattet ist, die es uns erlauben, dem Pfad des Dharma zu folgen. Diese Ruhepausen und Gelegenheiten werden allerdings nicht für immer gegeben sein. Deshalb müssen wir die Gelegenheiten, die wir haben, voll ausnutzen.

    Die beste Art, unser kostbares menschliche Leben zu nutzen, ist eine Bodhichitta-Ausrichtung zu entwickeln. Eine Bodhichitta-Ausrichtung besteht darin, dass man mit seinem Geist und seinem Herzen auf die zukünftige Erleuchtung konzentriert ist, die man später in der Fortsetzung des eigenen geistigen Kontinuums erlangen wird. Sie wird von zwei Intentionen begleitet: diese Erleuchtung so schnell wie möglich zu erreichen und hierdurch allen Wesen Nutzen zu bringen.

    Und um auszudrücken, wie zentral Bodhicitta ist, wird es in vielen Texten mit einem wunscherfüllenes Juwel (Chintamani) verglichen - einem mystischen Gegenstand der einem jeden Wunsch erfüllt.


    Das Zentrale was ausgedrückt werden soll ist Bodhicitta.

  • Schmerzen (Probleme) um anderer Willen auf sich nehmen als Weg, das Leiden zu überwinden.

    • void
    • 15. August 2026 um 18:19
    Sodann:

    Wieso man glaubt, dass die Christen sich seit 2000 Jahren im Leid suhlen, wird mir nicht ganz schlüssig.

    Wenn ein Christ einen Jesus am Kreuz betrachtet, dann symbolisiert das einerseits das erlösende Opfer Jesus aber auch das Gott auch im größten Leid immer da ist. Es ist ein Symbol der Hoffnung.


    Für viele asiatische Buddhisten ist das sehr fremd. In einem Buch über Buddhismus und Christentum schreibt Thich Nhat Hanh dass die Christen statt Jesus immer am Kreuz darzustellen, eher so eine friedvolle, lächelnde Darstellung wählen sollten. Weil so eine Darstellung im Betrachter eher Liebe und Zuversicht erzeugt, statt ihn mit Angst, Schmerz und Leid zu konfrontieren. Die Darstellung von Leid erscheint unnötig.

  • Körper,Geist und Seele

    • void
    • 12. August 2026 um 09:55
    mukti:

    Was ist dasjenige, von dem es erkannt werden kann?

    Ich denke, es macht vielleicht Sinn in Den einzelnen Handlungen zu denken.


    Eine Frage dabei wäre "Ist Erkennen von Identität abhängig". Wenn jemand z.B etwas Mathematisches erkennt z.B das es negative Zahlen gibt, ist es dann wichtig ob es sich bei dem Erkennenden um ein Kind, einen Erwachsenen, einen Amerikaner, einen Außerirdischen handelt? Eher nicht. Und die Emotionen, also ob derjenige zusätzlich auf Klo muß, wütend ist oder sonst was ist für das Erkennen auch egal.


    Erst im Nachhinein wird das Ich des Erkennens mit den anderen Identitäten zusammengeworfen.

  • Körper,Geist und Seele

    • void
    • 5. August 2026 um 09:35
    Matthie:

    Interessant finde ich wie negativ viele den Begriff Seele sehen.

    Iris fühlte sich sogar befreit mit der Aussage Ihr seid seelenlos.

    Es ist schwer.


    • Im Buddhismus ist das "Anhaften an einem Selbst" - die Idee man habe einen inneren Kern auf den man sich gründen kann - das Ich und mein - die Grundlage für alle Probleme.Und Seele wird als Übersetzung für diesen Wesenskern an dem wir haften gesehen.
    • Im Christentum bedeutet aber der Begriff "Seele" eher etwas das von Gott kommt und von daher die Beziehung zu diesem erhellt. Es ist das Gegenteil davon sich auf sich selbst zu gründen.
    • Und ursprünglich ist das Wort "Seele" mit "See" verwandt. Es gab die Idee das man nach dem Tod über Seen in eine Anderswelt gelangt. Platsch.

    Die Idee, um den Buddhismus zu verstehen, ihn in verwandte Begriffe zu übersetzten ist ein ne Schnapsidee die eher zu Mißverständnissen führt.


    Jeder sagt Seele und der eine denkt an das was den Dingen Bedeutetung gibt, der andere an einen Atman und wieder ein anderer, dass es ein gutes Wetter wäre um an den See zu gehen.

  • Körper,Geist und Seele

    • void
    • 4. August 2026 um 20:36
    Marterra:

    Diese spezielle Darstellung würde sich für mich aber nicht decken mit dem Zustand des " Blick des Löwens " bzw. "Panoramablick. Dieser kann nur durch "Nichtwollen" erreicht werden und währenddessen wird nichts gewertet, fokussiert oder gedacht. Das Ego ist dabei nicht anwesend. Wenn es dann doch dabei ist wieder präsent zu werden, reißt man sich automatisch aus dem Zustand wieder schlagartig heraus da das Ego wieder aktiv wird… So "erlebe" ich es auf jeden Fall subjektiv :shrug:

    Auf dem Weg vom Einzeller zum Menschen ist viel passiert. Es hat viel damit zu tun nicht wie ein Automat zu reagieren sondern in gewisser Weise freier von der eigenen Wahrnehmung zu werden. Also nicht zu Ergreifen ( Upadana). "Luft" zwischen Wahrnehmen und Handeln zu bringen.

  • Körper,Geist und Seele

    • void
    • 4. August 2026 um 20:00

    Der Begriff der Psyche geht hauotsächluch auf Aristoteles zurück. Materie ( hyle) ist das was rein passiv ist, die Psyche ist aber das, was dafür sorgt, dass etwas was tun kann. Eine Pflanze kann "wachsen", sie kann "sich ernähren" , die kann "sich fortpflanzen". Auch Wasser kann fließen, aber der Unterschied für Aristoteles ist, dass das Wasser rein auf äußere Umstände reagiert, während die Pflanze selber das Vermögen hat.Psyche bezeichnet also ein bestimmtes Organisationsprinzip des Lebendigen. Die Pflanzen-Psyche ist hier also die ( von der Struktur nicht zu trennende) Software der Pflanze.


    Lebewesen können so etwas wie innere Zustände haben, die zu Handeln führen. Ein Käfer könnte in einem Zustand des Durstes sein, der ihn nach Wasser suchen lässt. Er könnte in einem Angriffsmodus sein, der ihn besonders aufmerksam nach Feinden macht. Oder in einem Paarungsmodus der ihn empfänglich für sexuelle Reize macht und den Feind übersehen läßt.


    Im Buddhismus haben wir ja mit den Skandha eine Kategorisierung innerer Zustände. So besteht das Skandha vedanā einzig aus der Kategorisierung in angehm oder unangenehm. Es gibt einen primitiven Organismus - ein Geiselierchen das nur aus einem Sensor besteht der den Nährstoffgehalt des Wassers bestimmt und wenn dieser gering wird, wird die Geisel ( der Außenbortmotor angenommen. Dies ist die einfachste Innenwelt: Ein Regler von Wohl und Wehe. Der Käfer hat eine komplexere Welt - er kann Partner, Futter und Feinde unterscheiden und kommt so zu seinen unterschiedlichen Handlungen. Die Innenwelt des Menschen verhält sich dazu natürlich wie ein Palast zu einem Nest. Er hat zahlreiche innere Zustände - komplexe Gedankengebäude und Gefühlswelten und zahlreiche Möglichkeiten des Handelns


    Für einen Buddhisten gibt es von daher den Unterschied zwischen dem ersten Skandha ( Körperlichkeit/rūpa) und den anderen vier die man als geistige Zustände beschreiben kann.


    Dies ist aber vereinfacht. Weil jeder Akt der Wahrnehmung in sich schon Anlagen für Objekt, Subjekt und Handlung hervorbringt. Wahrnehmungen sind nicht Abbildungen sondern beinhalten den Impuls zum "eigenen" Handeln. Sie bauen an der Idee einer Ich-Instanz mit, der die Handlungen und Wahrnehmungen zugeschrieben werden.

  • Körper,Geist und Seele

    • void
    • 4. August 2026 um 13:15
    Matthie:

    Alles nur Wörter.

    Mich interessiert wie Ihr und der Buddhismus diese Trinität ( insofern sie eine ist )

    Von Körper, Geist und Seele seht.

    Es sind Begriffe die so ähnlich in vielen Kulturen vorkommen. Die Kernidee der Trennung.. kommen denke ich hauptsächlich aus der Erfahrung des Todes. Jemand ist gestorben und man denkt:

    • "die Seele - das was jemand lebendig macht und ihn handeln lässt ist weg"


    • "Und der Geist ist weg - er kann nicht mehr denken der Arme".


    • "Was übrig bleibt ist der Körper und er müffelt schon".

    Und dann versucht man dies miteinander in Beziehung zu setzten und stellt sich so Sachen vor wie dass der Körper ein Gefäß für Geist/Seele ist aus dem diese manchmal entfleucht z.B in Traum oder Tod. Aus dem Traum weiß man ja das man da so eine Art geistigen Körper hat und man rumschweben kann. Von daher gibt es in fast allen Kulturen die Idee von Gespenstern - Geist ohne Körper.


    Vorstellungen die intuitiv einleuchten können aber auch ganz falsch sein. So haben wir ja die Intuition, dass sich die Sonne um die Erde dreht und eher klein ist. Und im Meer untergeht ohne nass zu werden.


    Und auch wenn ein Auto auf einmal nicht mehr fährt könnte man ganz intuitiv/primitiv denken: "Die Seele des Autos ist weg, es bewegt sich nicht mehr. Jemand sollte die Seele einfangen zurück in die Karosserie tun!" Ein Automechaniker würde sich da am Kopf kratzen. Er hätte da eine ganz andere Sicht, in der Worte wie "Seele" , "Geist";und "Körper" keine Rolle spielen und es eher darum geht, was wie funktioniert oder nicht. Welche Prozesse es gibt und wo diese fehlschlagen können..


    Ich würde sagen, die buddhistische Sich der Skadha ähndelt eher der des "Automechaniker" und betrachtet die unterschiedlichen Prozesse die in ihrem Zusammenspiel möglich machen das jemand lebt, fühlt und denkt.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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