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  1. Buddhaland Forum
  2. void

Posts by void

  • Ich bin der Baum, den ich wahrnehme?

    • void
    • May 8, 2026 at 10:04 AM
    Quote from Igor07
    Quote from void

    Unsere Geburt führt dazu, dass wir aus der Mutter rausgeflutscht sind, dass wir Altern und Sterben, liebgewonnenes verlieren und Widriges erfahren.

    Zu pessimistisch, scheint mir:


    Quote
    Quote

    Und so lang du das nicht hast,
    dieses Stirb und Werde,
    bist du nur ein trüber Gast
    auf der dunklen Erde.

    West-östlicher Divan, Buch des Sängers, Selige Sehnsucht

    "Ich" lebe weiter: in meinen Kindern, meinen Enkeln, so ist das Leben.

    Die goldene Mitte oder der mittlere Weg.

    Display More

    Viel unsere Sehnsucht nach Verbundenheit ist ja ein Wunsch nach Geborgenheit und Bestätigung durch andere. Was ha oft erfüllt ist: Man findet eine liebenden Partner, hat eine Familie, findet Freunde, hat einen erfüllenden Job.


    Es gibt Verbindungen aber sie sind beschränkt, ein großer Teil des Universums ist uns nicht "freundlich verbunden". Du zitierst da ja einen Teil eines Gedichts, wo es um das Annehmen des "Stirb und Werde" geht. Es ist wahrscheinlich eher selten, dass dieses Gedicht dazu herangezogen wird, um Optimismus das Wort zu reden, da es ja als eines von Goethes düstersten, rätselhaftesten und verstörenden Werk gilt.


    Du zutiefst ja nur die letzte Strophe, wo man ja nicht merkt dass es um eine Motto geht, deren Begierde sie ihn die Flammen einer Kerze treibt:

    Quote from Selige Sehnsucht

    Sagt es niemand, nur den Weisen,
    Weil die Menge gleich verhöhnet,
    Das Lebend'ge will ich preisen,
    Das nach Flammentod sich sehnet.


    In der Liebesnächte Kühlung,
    Die dich zeugte, wo du zeugtest,
    Überfällt dich fremde Fühlung
    Wenn die stille Kerze leuchtet.


    Nicht mehr bleibest du umfangen
    In der Finsternis Beschattung,
    Und dich reißet neu Verlangen
    Auf zu höherer Begattung.


    Keine Ferne macht dich schwierig,
    Kommst geflogen und gebannt,
    Und zuletzt, des Lichts begierig,
    Bist du Schmetterling verbrannt.

    Display More

    Das "Stirb und Werde" das man annehmen soll, umfasst also nicht nur "Happy familes" sondern die Natur enthält auch Verstörendes und Widersinniges. Und ein Annehmen dessen ist eben nicht nur ein Annehmen des Angenehmen sondern gerade auch dessen was uns sehr gegen den Strich geht, das "Absurde" bzw Dukkha.


    Nur durch das Annehmen kommen wir zu Friede und Verbundenheit .

  • Ich bin der Baum, den ich wahrnehme?

    • void
    • May 7, 2026 at 10:46 PM
    Quote from Igor07

    .

    SWAN hatte es aber echt ungeschickt ausgedrückt, also: alles ist Eins. Besser wäre: alles ist mit allem verbunden.

    "Entstehens in Abhängigkeit" bedeutet, kein Phänomen existiert aus sich selbst sondern in Abhänigkeit von anderem. Damit ein Baum wächst braucht es ja Erde, Sonne und Wasser und die Evolution des Baumes ist ja eine ganz lange Geschichte, die mit Urmeer, Einzelkern zu tun hat, mit Bienen, Säugetieren und Bakterien, mit Pilzen, Vögeln usw. Aber auch wenn der Baum in seinem Entstehung und Bestehen von ganz vielen abhängig ist, hat genau das eben auch Unabhängigkeiten und Abgrenzungen hervorgebracht. Wenn der eine Baum gefällt wird, bleibt der andere Baum stehen.


    Einer "romantischen, schwärmerischen Idee von Verbundenheit" widerstrebt dies. Ihr wäre es lieb, wenn die Welt sich uns freundlich zuneigen würde wie eine liebende Mutter. In vielen New Age Strömungen wird so eine "emotionale Verbundenheit" beschworen - menschliche Bedürfnisse nach Geborgenheit werden auf den Kosmos projiziert. Aber unsere Nicht Verbundenheit ist ja auch selber eine Art von Abhängigkeit von Bedingungen.


    Unsere Geburt führt dazu, dass wir aus der Mutter rausgeflutscht sind, dass wir Altern und Sterben, liebgewonnenes verlieren und Widriges erfahren.

  • Ich bin der Baum, den ich wahrnehme?

    • void
    • May 7, 2026 at 2:41 PM
    Quote from SWAN

    In einem Buch heißt es, dass im Grunde Alles Eins ist. Und dass diese Ununterschiedenheit bedeutet, dass ich der Baum bin, den ich wahrnehme.

    Wenn man in Entitäten denkt, dann ist es doch recht klar, dass ich kein Baum bin. Ich habe Finger, er hat Blätter. Er ist grün, ich eher rosa.


    Aber man muß nicht in Entitäten denken, sondern kann auch in Prozessen denken. Irgendwann entstanden Pflanzen, die Sauerstoff produzierte, was dann drohte die Atmosphäre zu vergiften, was dann Wesen forderte die diesen einatmen. In einem Jahr atme ich eine Tonne Sauerstoff ein - während der Baum diesen ausatmen Lunge und Blätterdach sind Teil eines Systems. Weil ich ohne Sauerstoff nicht lange leben würde, bin ich zutiefst von Pflanzen abhängig. Wie so ein Hundefloh zutiefst von Hunden abhängig ist. Man kann sie nicht vollkommen getrennt betrachten. Sie sind zutiefst verbunden.


    Aber ist ein Floh ein Hund? Eher nicht. Flöhe können weder Bälle noch Stöckchen holen und ihr Wert als Haustier ist beschränkt

  • Ich bin der Baum, den ich wahrnehme?

    • void
    • May 6, 2026 at 9:27 PM
    Quote from SWAN

    mooncake Ich habe den Post nach den ersten paar Seiten zuletzt von "Stille des Geistes" von Alan Watts geschrieben.

    Alan Watts repräsentiert ja nicht so die oft auch schlichte und trockene Zen Tradition sondern er war eher so ein phantasievoller und charismatischer kultureller Brückenbauer dessen Verdienst es war der 68 iger Generationen mit faszinierenden Konzepten aus Daoismus, Avaita Vendata und Zen bekannt zu machen.


    In buddhistische Konzepte von Verbundenheit an geht es in erster Linie darum , dass nicht aus sich selbst besteht und "alles in Abhängigkeit entsteht". Watts setzt da aber noch den Hippie Vibe sei er Zeit drauf - so einen New Age Soundtrack der tiefe romantische Sehnsucht nach Einheit und Verbundenheit.

  • Ich bin der Baum, den ich wahrnehme?

    • void
    • May 6, 2026 at 6:10 PM

    Viele religiöse Konzepte sind eher von ihrer Funktion her zu verstehen, als dass sie ( wie wissenschaftliche Aussagen) dazu dienen uns verlässliches über die Natur der Welt zu vermitteln. Es ist einfach nicht ihr Job.


    Alles ist vergänglich:

    So zielt die Aussage "Alles ist vergänglich" darauf, dass es um heilsam ist an etwas anzuhaften, weil ja vieles sich verändert.

    Wenn man "alles ist vergänglich" als eine physikalische Aussage auffassen würde dann würde man es als Hypothese darüber sehen, wie lange bestimmte Strukturen so halten. Und während da natürlich vieles eher kurz hält, hält anderes eher lang. So besteht die meiste (normale) Materie ja aus Wasserstoffatomen und auch wenn diese ja z.B in Sternen transformiert werden ist ihre Lebenserwartung mehrere Milliarden Jahre. So besonders vergänglich sind sie nicht.


    Alles ist verbunden:

    Ähnlich zielt die Aussage "Alles ist verbunden" darauf dass es unheilsam ist sich selber als eine von der Welt unabhägige Instanz zu sehen. Wenn man die Aussage "Alles ist verbunden" als eine physikalische Aussage verstehen will, würde man natürlich auf den Grad der Verbindung schauen. Denn natürlich übe ich sogar auf die Andromedagalaxie Gravitation aus, aber der Effekt ist vollkommen minimal. Absolut vernachlässigbar.


    Während wissenschaftliche Aussagen etwas über die Welt erzählen wollen, haben religiöse Aussagen mehr eine Funktion. Sie ist eher in dem Sinne "wahr" dass man ihr wie einer Medizin vertrauen kann.


    • Sich Vergäglichkeit bewusst zu machen hilft dabei weniger anzuhaften


    • Sich Verbundenheit bewusst zu machen, hilft weniger bei der Idee eines von den Dingen der Welt unabhängigen Ego zu verweilen.

    Beides sind sinnvolle Übungen. Trotzdem sind Wasserstoffatome reichlich haltbar und meine Interaktion mit der Andromedagalaxie winzig.

  • "Die Himalaya Rasse stinkt" Nydahl und Sebastian Lipp

    • void
    • May 1, 2026 at 8:58 AM
    Quote from Qualia

    Persönliche Freiheit kann sogar gelebt werden, ohne dass man groß aneckt. Man trifft für sich Entscheidungen und findet passende Ausreden für die Umwelt. Die Übung ist, seine Gier und seinen Hass und den Belehrungsdrang in den Griff zu bekommen. Dann fällt der Umwelt nicht auf das man persönliche Freiheit lebt.

    Es geht doch genau um die Definition von Freheit.


    Wenn man sie als die Fähigkeit seinen Willen gegen äußere Widerstände durchzusetzen, dann ist das ja in sich unsymmetrisch weil die Freheit des einen die Unfreiheit des anderen ist.


    Wenn wir im Buddhismus Freheit als die Freheit von Gier, Hass und Verblendung ist, dann ist es ja automatisch eine Freheit die nicht übergriffig ist.


    Anecken kann man immer: Es gibt sogar eine Geschichte wo jemand sich einfach über die Anwesenheit von Buddha aufregt, weil für ihn alle Asketen eher ein arbeitsscheues Gesindel waren.

  • "Die Himalaya Rasse stinkt" Nydahl und Sebastian Lipp

    • void
    • May 1, 2026 at 12:09 AM

    Von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey gibt es das Buch "Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus" in dem die Autoren versuchen nachzuzeichnen, dass Autoritarismus nicht unbedingt aus einer sehr konservativen,"spießigen Haltung" erwachsen muß, sondern dass auch eine ganz bestimmte Sicht auf individuelle Freheit - wenn gekränkt - in Autoritarismus umschlägen kann


    Denn normalerweise sah man das ja umgekehrt: Hier der autoritäre, bevormundende Staat, der alle zu bloßen "Zahnräder in der Maschine" reduzieren will und dort, dass unkonventionelle, aufmüpfige Individuum, das eben aus den Konventionen ausbrechen will und für individuelle Freheit und Selbstverwirklichung steht für Rebellentum und Selbstständigkeit. Aber da gab es schon immer so Fragezeichen: Nietzsche setzte heroische Herrenmoral gehen christliche Sklavenmoral, Mussolini war ein ehemaliger Anarchist und vor einiger Zeit outet sich der Sex Pistols Sänger Johnny Rotten als Trump Fan - weil letztere ja durchaus "unkonventionell" und "Individualistisch" agiert.


    Ole Nydahl ist ein gutes buddhistisches Beispiel für die These der Autoren. Er pflegte ja genau den Habitus des "souveränen Individuums" - derjenige der sich vom "braven Bürger" abgrenzt und das Risiko sucht: Grenzerfahrungen durch Drogen, Risikosportarten, polyamoröse Beziehungen und auch religiös bereit zum äußersten zu gehen. Einer vermeintlich verlogenen, moralisierenden Gesellschaft wird Authenzität entgegen gehalten. Sich nicht verbiegen, sich nicht unterwerfen.


    Der Kern ist eine bestimmtes Konzept von Freheit, das Freheit primär als Abwesenheit von äußeren Einschränkungen empfindet. Und wenn diese dann durch Fremde und Andere bedroht wird, schwingt das Pendel und jedes Mittel wird Recht um die Freheit zu bewahren.


    Dies führt dann auch zu einer Umwertung des Buddhismus. Der eben nicht als Weg zu Demut und Anpassung gesehen wird sondern als ein heroischer Weg für starke Geister, die sich von der Masse der drögen Schlafschafe abheben.


    Von daher ist es für Ole Nydahl vielleicht ein schreckliches Karma, jetzt eben kein heroischer Individuum, kein stärker Geist zu sein, sondern schwach, dröge und abhängig von anderen zu sein.


    Ich kann auch viele seiner Anhänger verstehen, die seine positiven Qualitäten - Mut Unabhängigkeit, Charisma und "Wille zur Freiheit" schätzen und es ist tragisch, dass das dann zu so viel Intoleranz und Abwertung mit sich brachte. Aber so lange die Anhaftung an ersteres aufrecht erhalten wird, folgt ihr letzteres wie ein Schatten.


    Wir müssen eine Freheit die die nur Freheit ist sich durchzusetzen aufgeben.

  • Das Leid der Anderen

    • void
    • April 28, 2026 at 6:54 PM

    Mir hat es geholfen, den Blick von der Person auf die Situation zu verschieben. Wenn man den Blick auf die Person richtet, dann kann man sich diese ja in ganz unterschiedlichen Situationen vorstellen und das führt dann dazu dass das Leid "sehr beleibig" und von daher sehr unnötig erscheint. Eine "Tante" mit 54 kann man sich ja auch ganz gesund, oder in Thailand oder so vorstellen. Während die Situation "tödliches Pankreaskarzinom" ja schon gegeben ist und man gar nicht mehr die Wahl hat. Und sich vielleicht noch jemand vorstellen kann, der Unterstüzung und Geduld hat und wer dem es an einen oder anderen mangelt. Von daher ist vielleicht die Phantasie, die vorschnell etwas weg denkt, das was da so einen schrecklichen Kontrast erzeugt. Buddhistisch gesehen also vielleicht das Anhaften an falschen, unvollständigen Bildern.


    Für dich ist es bestimmt ja dein ganzes Bild das du von dir hattest zerbrochen. Das ist ja fast wie bei Kafkas "Die Verwandlung". Auf einmal wacht man auf und sieht sich in etwas verwandelt, was enorme Kraft braucht um es anzunehmen.

  • Das Leid der Anderen

    • void
    • April 25, 2026 at 10:38 AM
    Quote from Anna Panna-Sati

    Zum Schluss möchte ich noch eine Erfahrung schildern, die ich selbst letzten Sommer machte, als es mir ziemlich mies ging (also aus der Perspektive des/der Leidenden) und die veranschaulicht, wie schädlich "Mitleid" sein kann:


    Anfang letzten Jahres erhielt ich, mit 62 Jahren, die Diagnose einer schweren, unheilbaren Autoimmunerkrankung ("GPA") und wurde wochenlang im Krankenhaus immunsuppressiv behandelt (Cortison ohne Ende + Chemotherapie).

    Die Auswirkung: Ich überlebte :D, allerdings mit zunächst stark verändertem Körper, das Gesicht aufgedunsen vom Cortison, welches sehr langsam reduziert wurde.


    Drei Monate später besuchten mich meine Eltern und meine Brüder zu Hause. Ich musste - wegen Infektionsgefahr - eine FFP 2-Maske tragen, nahm diese aber auf Wunsch der Familie ganz kurz ab, als wir uns begrüßten....

    Das Gesicht meines 90-jährigen (!) Vaters, als er mich ansah, werde ich wohl nie wieder vergessen: Schmerzlich verzogen, mühsam Tränen unterdrückend, wandte er sich (wie angeekelt) von mir ab und stieß dabei halblaut - mehr zu sich selbst - hervor: "Sie ist ENTSTELLT!".


    Leider konnte ich nicht verhindern, dass sich bei mir in diesem Moment (lange ungeweinte) Tränen lösten, ja, genau, ich war ENTSTELLT! :sick:

    Diese "Hamsterbacken" hatte ich bis dato einfach hingenommen, sogar darüber gewitzelt - erst durch den Schmerz im Gesicht meines Vaters wurde mir so richtig bewusst, wie es auf Andere wirkte (und dass es mir wohl DOCH auch etwas wehtat)....

    Mein Bruder "rettete" mich, indem er mich spontan in den Arm nahm (Mitgefühl!), wodurch ich mich schnell wieder "fing" und (nicht ohne einen gewissen trotzigen Triumph!) sagte: "Aber ich LEBE noch!!!"


    Am Ende versuchte ich dann, meinen Vater zu trösten (:, der sichtlich litt - auch unter der Tatsache, dass ich einige Zeit einen Rollstuhl benötigte - es sei "furchtbar" für IHN, SEINE "Tochter im Rollstuhl zu sehen"...

    (Während ich den Rolli als nützliches Werkzeug betrachtete und dankbar war, damit auch in die Natur hinauszukommen.)

    Display More

    Oh, klingt ja schrecklich. Wenn sich Leute, von denen man eigentlich Liebe erwartet erstmal "angeekelt" weg drehen, dann multipliziert das ja das Leid noch. Daraus folgt dann dann, das man erstmal das Leid dass das "Leid des anderen" in einem auslöst,annehmen können sollte um ihm dann geduldig und freundlich gegenüber treten zu können.

  • Das Leid der Anderen

    • void
    • April 23, 2026 at 9:16 PM

    Wenn ich an Dukkha denke, dann denke ich zunächst an mein Leiden und da hilft mir der Buddhismus damit umzugehen.


    Aber wenn es Leuten um mich herum auf einmal ganz schlecht geht - wenn ihre Welt zusammenbricht - dann habe ich zunächst den Impuls für sie da zu sein und ihnen zu helfen, was nur bis zu einem gewissen Punkt geht. Aber dann auszuhalten, dass ich Leute um mich zerbrechen und ich nichts tun kann. fällt mir schwer. Mir kommt es so vor als kommt da zu einem Mangel an Geduld noch etwas anderes dazu.

    Aber ich kann es nicht recht fassen.


    Es ist mehr die Hilflosigkeit. Denn für mich selber kann ich ja z.B "Widriges annehmen". Für den anderen nicht. Versteht ihr was ich meine?

  • Sinn des Zazen/eine Sammlung

    • void
    • April 22, 2026 at 8:53 PM
    Quote from Qualia
    Quote from Monikamarie

    "Versuche Dein Dich jetzt Unangenehmes anzunehmen"

    Das Sichhingeben an das Unangenehme ist genau die falsche Einstellung, die das Leiden noch verstärkt. Das Unangenehme muss aktiv beendet werden, egal welche Folgen sich mein Verstand ausdenkt.

    Wenn Monikamarie von "versuchen" redet dann redet sie von einer Praxis der Geduld. Eine Praxis der Geduld ist eine in der Wünsche wie es sein soll, losgelassen werden. Das ist ja eine Praxis des aktiven Beenedens.


    Während du von einer Einstellung redest. Eine Einstellung ist keine Praxis sondern eine Haltung zu Objekten. Und da ist es doch so, dass wenn ich den Wunsch "Ich will eine Zigarette rauchen" den Wunsch "Ich will keine Zigarette rauchen wollen" ich dem einen Wunsch einen zweiten Wunsch wie alles zu sein hat oben drauf setzte.


    Für mich spricht Monikamarie aber von einer Praxis des Sichhingebens und nicht rein von einer Einstellung.

  • Sind Konvertiten fanatischer?

    • void
    • April 22, 2026 at 4:38 PM

    Im Christentum ist ja Konversion das Wort für Bekehrung und diese hat eine zentrale Bedeutung weil schon die richige Bekenntnis zu Gott und Kirche oft als etwas gesehen wurde was über "ewige Seligkeit" oder "ewige Verdammnis" entscheidet.


    Es macht nicht unbedingt diese Idee von Bekehrung auf andere Religionen zu übertragen.

    Im Buddhismus sind es die Taten die über Heil oder Leid entscheidet und nicht so sehr das Bekenntnis. Wenn ein thailändischer Mafiachef zweimal im Jahr im buddhistischen Kloster ins Retreat geht,diesem Geld spendet und Buddha, Dharma und Sangha bekennt ist das reichlich egal, so lange er Leute umbringen lässt. Und umgekehrt kann ja jemand nie von Buddha gehörte haben, aber in seinen Taten viel vom edlen achtfachen Pfad abbilden - was auch ohne Bekenntnis heilsam ist.

  • Angststörungen durch Religionsverlust?

    • void
    • April 21, 2026 at 8:08 PM
    Quote from mooncake

    Mir erklärt sich hier nicht, wie man von aktuell zunehmenden Angststörungen bei Jugendlichen auf Religionsverlust schliessen kann.

    Es geht doch um die obige Studie, die ja erstmal untersuchen wollte, ob es bei einer "unabhängigkeitsorientierter Sozialisation" mehr Ansstörungen gibt als bei eine "beziehungsorientiert Sozialisation. Das klingt doch erstmal logisch: Wenn man innige Beziehungen hat,neigt man vielleicht weniger Angst als wenn man allein gelassen wird. Und vielleicht eben auch bei Gesellschaften: Ein fiktives "Italien" mit Großfamilie, Kirchengemeinschaft, Vereinen und Festen hat mehr sozialen Kitt als so ein individualistische Land wo jeder seiner Wege stackst, nicht grüßt und keinen kennt.


    Und diese "beziehungsorintierte Sozialisation" wollten sie messen und ein naheliegender Weg für die Autoren war so Antworten auf die Frage, welche Werte Kinder mitgegeben werden sollte. Man nimmt manchmal halt das, was man wo findet.


    Und da war einer der Werte eben die Frage ob Religion wichtig ist und die haben da so eine "kleinen Effekt" gefunden, den es hat wenn die Mutter Religion als für wichtug genommenen Wert angibt. Allerdings haben sie damit nur bewiesen dass es einen Zusammenhang gibt, der allerdings so schwach ist, dass sie das kaum nachweisen können.


    Während es ja andere Faktoren ( Genetik, Angststörung der Eltern, Armut, Mobbing) oder auch soziale Isolation viel größen und von vielen belegten Effekt gibt.


    Die Aussage dass Angstörung auf Religionsverlust zurückzuführen ist wird nicht getroffen - dazu müßte man einen hammermäßig großen Einfluß messen. Und es wird auch nicht gesagt, dass Religion ein wichtiger Einfluss auf Angsstörung ist. Von daher ist die Überschrift "Angststörungen durch Religionsverlust?" die da einen engen Zusammenhang suggeriert eher als Diskussionsanregung zu verstehen. Die Autoren sind froh rausgefunden zu haben, dass es überhaupt irgendwie zusammenhängt.


    Aber vielleicht sind religiöse Mütter einfach häufiger Hausfrauen und verbringen etwas mehr Zeit mit ihren Kindern. Das Ganze ist ein eher fragiles Gebäude.

  • Angststörungen durch Religionsverlust?

    • void
    • April 21, 2026 at 3:30 PM

    Von dem französischen Soziologen Alain Ehrenberg gibt es ja die interessante These des "erschöpften Selbsts".


    Sein Ausgangspunkt ist eben der Wandel der gesellschaftlichen Normen von einer Disziplinargesellschaft (geprägt durch Verbote und Gehorsam) hin zu einer Gesellschaft der Autonomie. Also genau oben genannter Übergang vom Starren und Hierarchischen hin zum Individuellen.


    Und da argumentiert er in seinem Buch "Das erschöpfte Selbst" , dass die moderne Forderung nach permanenter Initiative und Eigenverantwortung das Individuum überfordert.


    Er betrachtet die Depression von daher eben nicht rein als biologische Krankheit, sondern als sozialen Ausdruck dieser Überforderung - sozusagen als Kehrseite der Freiheit.


    Wer ständig "er selbst" sein muss und scheitert, reagiert mit depressiver Erschöpfung. Eine Ironie dabei ist, dass gerade dadurch dass Psychologie und Psychiatrie nicht als Ausdruck einer gesellschaftlichen Situation sehen sondern als Funktionsstörungen des Gehirns oder der Motivation - ist es wieder eine "Sache des Individuums" und der Druck auf dieses wird noch zusätzlich erhöht.

  • Angststörungen durch Religionsverlust?

    • void
    • April 20, 2026 at 9:43 PM

    Die Studie vergleicht ja eine"unabhängigkeitsorientierte" Sozialisation, wo Menschen beigebracht wird sich als unabhängige Individuen zu sehen mit einer "beziehungsorientierte" Sozialisation, wo man die Beziehung zu anderen betont.


    Die Idee dass Individualismus, dem Individuum viel aufbürdet und dass zu psychischen Problemen führen kann, halte ich für plausibel


    Aber die Gleichsetzung Religion=Kollektivistisch und Moderne=Individualistisch fühlt sich für uns vielleicht nur deswegen naheliegend an, weil sich bei uns historisch eine individualistische säkulare Gesellschaft aus einer hierarchisch verbundenen religösen Gesellschaft entwickelt hat.


    Weil die Verbundenheit die wir verloren haben eine religiöse war, setzten wir das leicht gleich.


    Aber es stimmt nicht:

    • Kollektivismus ohne Religion: Zum Beispiel ist ja die chinesische Gesellschaft sehr beziehungsorientiert - Zusammenhalt ist wichtiger als das Individuum ohne dass sie deswegen religiös wäre.


    • Individualismus ohne Moderne: Und die Anthroplogin Mary Douglas gibt auch Beispiele für sehr individualistische und kompetetive traditionelle Gesellschaften wie z.B die melanesische Gesellschaft in Mt. Hagen wo das Ideal das war, ein "Big Man" zu werden und den Göttern möglichst viel Schweine zu opfern oder die Komantschen, wo jeder dauernd unter dem Druck stand der größere Krieger zu sein.

    Auch heute gibt es ja gerade in der USA eine Koexistenz zwischen Individualismus und Religion oftmals mit der kalvinistischen Idee, dass der E rfolgreiche von Gott gesegnet ist. Ich kann mir auch eine ganz gottlose, kollektivustische Anarcho-Kommune vorstellen.


    Die Idee die Moderne zu heilen in dem man mehr Kreuze an die Klassenzimmer nagelt ist leicht naiv.

  • Meditation der Grundpfeiler der buddhistischen Praxis ?

    • void
    • April 19, 2026 at 9:27 PM
    Quote from Matthie

    Ist die buddhistische Praxis nicht zwangsläufig verknüpft mit der Meditation?

    Wie das Beten der Christen ?

    Der Weg zur Befreiung ist der edle achtfache Pfad:

    1. Rechte Ansicht:
    2. Rechte Gesinnung:
    3. Rechte Rede:
    4. Rechtes Handeln:
    5. Rechter Lebenserwerb:
    6. Rechte Anstrengung:
    7. Rechte Achtsamkeit:
    8. Rechte Sammlung


    Und da ist es ja der letzte Punkt "Rechte Sammlung" die mit Meditation assoziiert wird. Aber es ist halt nur ein Punkt von 8.


    Sammlung lässt sich unterschiedlich erreichen. Sicher durch formale Meditation, aber eben auch durch andere achtsame Tätigkeiten. Aber umgekehrt muß "Sammlung" nicht per se "recht" sein. Ein fokussierter Geist ist nicht nur für Extremsportler hilfreich, sondern auch für Krieger oder Manager. Die Idee Meditation sei per se heilsam oder buddhistisch ist ein Mythos

  • Sind Konvertiten fanatischer?

    • void
    • April 18, 2026 at 5:20 PM

    Wenn man sich mit einer anderen Religion beschäftigt, erstmal von deren Idealen ausgeht während wenn man mit etwas aufgewachsen ist, man dieses mehr mit der gelebten Realität identifiziert. Eine Freundin von mir ist Japanerin, und für die war der lokale buddhistische Priester ein eher dubiose und fauler Typ der mit dem Motorrad rumknatterte und Geschäfte mit der lokalen Yakuza machte. Das ernüchtert

  • Buddhismus und ökologisches Handeln und Buddhismus als ökologische Politik

    • void
    • April 18, 2026 at 2:01 PM

    Dukkha bezeichnet ja von seiner Etymologie her einen Zustand der Reibung - etwas läuft nicht glatt. Es ist die Reibung zwischen dem Streben und seiner Vereitelung durch die Welt. Auch dies ist für mich etwas, was ganz tief Eigenschaft des Lebendigen ist. Pflanzen drängen danach zu wachsen und zu wachsen aber die Welt "frustriert" ihren Drang durch Dürre, Tiere und Parasiten. Alle Lebewesen sind letztendlich von dem Drang getrieben am Leben zu bleiben und dieser Lebensdurst hat sie dazu gebracht sich anzupassen um nicht weggefegt zu werden. Jeder will sein trockenes Plätzchen des Gedeihens - wo es keine Feinde aber Futter im Überfluss gibt.


    Gerade bei Phänomenen wie dem Durst sieht man ja gut, wie die ganz basale Ebene des sich nach Wasser strecken der Pflanzen, zum Trinktrieb einfacher Tiere, oder zum Wunsch komplexeren Tiere wird. Und dann bei mir zu so etwas sprachlichen wie "Ich will mir ein Glas Wasser holen". Sowohl Dukkha als auch Anhaftung haben ganz tiefe Wurzeln.

  • Buddhismus und ökologisches Handeln und Buddhismus als ökologische Politik

    • void
    • April 18, 2026 at 11:34 AM
    Quote from Qualia

    Darauf kann und darf ich nicht antworten, selbst diese Entscheidung bekanntzugeben, ist schon zu viel, aber notwendig. Danke!

    Als ich dich kennenlernt hast, warst du sehr von I Ching und Daoismus geprägt. Und da gibt es ja die Vorstellung, dass Tiere noch im Einklang mit dem Dao (dem natürlichen Fluss) leben, ohne zu streben oder zu urteilen. Und der Mensch sich gerade durch sein Planen und Herrschen aus dem müheloses, spontane Handeln verabschiedet hat. Dieser Gegensatz zwischen Natur und Künstlichkeit durchzieht ja die daoistische Literatur wie z.B Zhuangzi:

    Quote from Zhuangzi

    Der Herr des Südmeeres war Hastewas, der Herr des Nordmeeres war

    Kannste, und der Herr der Mitte war Ungestalt. Hastewas und Kann-

    ste trafen sich oft im Land von Ungestalt, und Ungestalt begegnete

    ihnen stets äußerst zuvorkommend. Hastewas und Kannste wollten

    Ungestalt seine Freundlichkeit entgelten und sagten sich: »Alle Leute

    haben sieben Löcher zum Sehen, Hören, Essen und Atmen. Ungestalt

    allein hat keins. Wir wollen ihm ein paar Löcher bohren.« So bohrten

    sie jeden Tag ein Loch, und am siebten Tage starb Ungestalt. (7.7)

    Display More

    Dieses Denken wurde dann ja eben auch im chinesischen Buddhismus aufgegriffen. So z.B in der "Hongaku-Lehre im Tiendai:

    Quote from encyclopedia.com

    Die Lehre von der ursprünglichen Erleuchtung (japanisch: Hongaku) prägte den Tendai-Buddhismus vom etwa elften bis zum frühen siebzehnten Jahrhundert und beeinflusste die mittelalterliche japanische Religion und Kultur tiefgreifend. Diese Lehre besagt, dass Erleuchtung oder der ideale Zustand weder ein zu erreichendes Ziel noch ein zu verwirklichendes Potenzial ist, sondern der wahre Zustand aller Dinge. Nicht nur Menschen, sondern auch Ameisen und Grillen, ja sogar Gräser und Bäume, offenbaren die angeborene Buddhaschaft, so wie sie sind. In seiner wahren Erscheinungsform betrachtet, ist jeder Aspekt des täglichen Lebens – Essen, Schlafen, ja sogar die eigenen verblendeten Gedanken – das Verhalten des Buddha.

    Gerade im Zen ergibt sich ein Denkweise, bei der Natur und Buddhanatur zusammen gedacht werden. Während der "künstliche" Mensch im Erinnern und Planen irrt, ist das Tier näher am natürlichen Fließen des "Hier und Jetzt".


    Aber es gibt da einen großen Unterschied schied zu den von dir geäußerten Ideen. Für Zhuangzi ist nicht der Mensch als "Sapiens" aus der Natur herausgefallen, sondern der Mensch ist durchaus zunächst ein "natürlicher Mensch", der Teil der Natur ist - auch als Bauer der demütig dem Lauf von Yin und Yang folgt - und erst durch zu viel Kultur und zu viel Technik wird er zum künstlichen Menschen der das Unbewusste kaputt bohrt.


    Von daher ist vielleicht der zentrale Punkt an der Stelle der Gegensatz zwischen "Hier und Jetzt" und dem "Woanders und Wann anders" des planenden Denkens.

  • Sind Konvertiten fanatischer?

    • void
    • April 17, 2026 at 8:49 PM
    Quote from catflap08

    Geht es nur mir so oder ist das ein allgemeines Phänomen, dass auch jene die zum Buddhismus konvertieren, oftmals fanatischer ihren Glauben praktizieren – und auch andere davon überzeugen wollen, als jene die damit durch kulturelle Gegebenheiten aufgewachsen sind?

    Ich glaube das hat mit Religion selber gar nichts zu tun, sondern dass es erstmal eine starke Motivation braucht, nicht mit dem Strom zu schwimmen und was anders zu machen:


    Wenn ein Urbayer auf einmal FC Köln Fan ist, dann vermutlich meist ein starker. So wie es umgekehrt eher die "sehr begeisterten" Hamburger zum Wintersport in die Alpen treibt. Die weniger motivieren bleiben beim naheliegenden.

  • Buddhismus und ökologisches Handeln und Buddhismus als ökologische Politik

    • void
    • April 17, 2026 at 8:03 PM
    Quote from Qualia

    Das macht wirklich Spaß, wie Menschen auf wunderbare Weise die Kernaussage umgehen und relativieren. Dabei kann meine Kernaussage noch auf einen weiteren Grundpunkt zurückgeführt werden. Als der Mensch Feuer beherrschte, trennte er sich von der allgemeinen Evolution und ging den Weg der Menschenevolution.

    Ich glaube unsere Diskussion wäre besser, wenn ich verstehen könnte, warum du diese krasse Trennung brauchst. Für mich korreliert die Idee von einem "entfremdeten Menschen" der es geschafft hat sich ganz starke außerhalb der Natur zu stellen sehr mit der Vorstellung eines "Autnomen Ichs" - einer Seele, einem Atman, das nicht mehr mit der Welt verbunden ist. Eine heimatlose "res cogitans" inmitten von "res extensa". Tränen im Regen. Und von daher ist das Anhaften an der Sonderstellung des Menschen für mich eine Spielart der Anhaften am Selbst. Tränen sind auch nur Salzwasser.


    Wenn ich verstehen würde, warum dir die Sonderstellung des Menschen so wichtig ist, würden wir weniger aneinander vorbei reden.


    Quote from National Geographic

    In Interviews, Beobachtungen und Zeremonien aus über 100 Jahren finden sich Belege dafür, dass die Ureinwohner des Northern Territory in Australien eine Gruppe von Vögeln, die sie „Firehawks“ nennen, für diverse Brände verantwortlich machen. Diese Vögel würden die Flammen kontrollieren, indem sie brennende Zweige in ihrem Schnabel oder ihren Klauen davontragen und damit an anderen Stellen Brände verursachen.

    Angeblich nutzen die Greifvögel die Brände, um sich eine Mahlzeit zu ergattern – die Insekten und Kleintiere, die panisch vor den Flammen fliehen, sind für die aufmerksamen Vögel leichte Beute.

    Natürlich ist der Mensch eine sehr einzigartige und eigenartige Spezies. Wir haben Feuer und Lohnsteuer, Beton, Sprache und soziale Medien. Aber auch im klassischen Buddhismus gibt es ja die 6 Daseinsbereiche: Götter auf Wolken, waffenklirrende Asuras, darbende Geister und jede Menge Tiere. Aber am Ende des Tages sind wir alle samsarische Wesen. Fühlende Geschöpfe die wegen ihrer Gier und ihrem Hass leiden und wie Steinzeitmenschen und Feuer-Milane auch mal Brände legen um die lokale Fauna zum BBQ zu machen.


    Ich schätze die Breite des Buddhismus gerade gegenüber einem biblischen Bild wo der Mensch im Zentrum steht und alles andere nur Hintergrund und Requisite ist.

  • Buddhismus und ökologisches Handeln und Buddhismus als ökologische Politik

    • void
    • April 16, 2026 at 10:48 PM
    Quote from Qualia

    Aber kein Tier hat die Macht, sich die Erde untertan zu machen, wozu auch: Für ein Tier ist alles so, wie es eben ist, nicht zu viel und nicht zu wenig. Macht euch die Erde untertan, aber versklavt sie nicht.

    Die Bibel denkt an einen Schöpfer der alles mit einem Plan konstruiert hat und auch der Mensch als sein Ebenbild ist ein Schöpfer - der nach seinem Plan Felder und Städte anlegt.


    Während die Bibel in einer kargen Gegend entstand, in der Leben mühsam gehegt werden muß, wuchs Buddha Skakyamuni in einem Indien auf, das von dem mächtigen Monsun bestimmt ist und wo die Natur in vielen Teilen wild wuchert und auch gierig Bahn bricht .


    Und so wie der Dschungel - pflanzlich und tierisch - nach Mehr und Mehr wuchert und giert auch der Mensch nach mehr und mehr. Wie ein Pilz in einer Nährlösung wuchern auch die menschlichen Reiche, die menschlichen Ansiedlungen, die menschlichen Bedürfnisse.


    Das man da andere versklavt und auslöscht ist vielleicht im Ausmaß anders aber nicht von der Natur her. Wenn es Ratten auf eine Insel verschlägt wo es bisher nur Vögel gab, schwingen sie sich zur dominanten Macht auf und schaffen es vielleicht die Vögel auszulöschen. Als die Maori nach Neuseeland kamen, metzelten sie nach und nach die riesigen Moas nieder und löschten sie aus - so wie der Mensch schon lange vor der Sesshaftigkeit überall die Megafauna erlegte. Man folgt seinen Geistesgiften keinen göttlichen Ordnungsplan.


    Da einen Gegensatz zu sehen, kommt aus einem Weltbild dass eher vom biblischen Menschenbild geprägt ist, wo ein kluger Schöpfer den "klugen Menschen" als seinen Stadthalter einsetzt um klug zu walten. Wenn man so denkt, dann hat einem der Mensch versagt und sollte wieder zu seiner urspünglichen "Klugheit" zurückkehren. Ich würde sagen, nach Buddha gab es so etwas nie. We sah den Menschen immer als Sklaven von Gier, Hass und Verblendung und es als sehr schwer dieser Grundkonstitution zu entkommen.


    Eine buddhistische Ökologie braucht nicht dem biblischen oder aufklärerischen Menschenbild und der Rückkehr zum guten "Klugmensch" folgen. Man kann ihn als wiederlegten Mythos abtun und spart sich damit viel an Trauerarbeit um den gefallenen Sapiens.

  • Buddhismus und ökologisches Handeln und Buddhismus als ökologische Politik

    • void
    • April 16, 2026 at 1:52 PM
    Quote from Qualia

    Sapiens hat sich mit seiner eigenen Evolution (Sesshaftigkeit, Besitz von Dingen und Menschen) von der Evolution abgekoppelt.

    Der Mensch fügt sich gut in die Katastrophengeschichte der Welt ein. Die Idee der "Abkopplung" ergibt sich nur weil der Mensch Teil von gleich zwei Sprüngen sind, die der Status Quo zersprengen.


    Solche Sprünge sind zwar selten, aber durchaus legitimer Teil der Evolution. Der Evolutionsbiolog Stephen Jay Gould hat ja die Idee des Punktulismus populär gemacht, nach sich Evolution sich zwar manchmal in stetigen kleinen Schritten vollzieht aber es auch kurze Phasen gibt, in denen zu großen Umbrüchen kommt. So hat ja z.B die Erfindung der Photosynthese dazu geführt, dass die ganze Atmosphäre mit Sauerstoff vergiftet wurde. Und der Landgang der Pflanzen hat dann noch einmal so eine Katastrophe ausgelöst.


    Für den Menschen gibt es zwei solche Sprünge. Erstens der Übergang zur Landwirtschaft und zweitens ser Übergang zu fossilen Energiequellen.


    Erstere Geschichte fing ja mit dem aufkommen der blühenden Pflanzen an, die statt wahllos Pollen herumzuwerfen, anfingen Tiere für ihre Vermehrung ( zur Bestäubung und zur Verbreitung durch Früchte) Dies führte zum Aufstieg von Insekten, Vögeln und Säugetieren. Und darauf dann zum Aufstieg von ultasozialen Insekten wie Bienen und Ameisen ( die ja seit 66 Millionen Jahren Pilze anbauen)


    Menschen als ultrasoziale Säugetiere sind da die logische Folge und wenn man die Geschichte aus der Sicht von Reis, Weizen und Mais betrachtet, haben sie mit der Domestikation des Menschen gerade hinsichtlich der Biomasse einen riesigen Erfolg eingefahren.


    Aber noch wichtiger war der Sprung mit der Nutzung fossiler Energie. Hätte auch wer anders machen können. Hätte auch ein Ölwurm entwickelt, der durch spezielle Bakterien gut Ol verdauen kann und auch super graben kann, dann hätte dieser die Ölfelder leergeschluckt und die Atmisphäre mit alten CO2 ruiniert. Vielleicht etwas langsamer als wir.

  • Reaktion auf Aussagen anderer

    • void
    • April 14, 2026 at 4:48 PM
    Quote from Michael Haardt

    Ich denke vor der Frage, was Du hättest besser machen können, steht die Frage, warum es dich so getroffen hat.

    Das erinnert mich an eine Stelle im Akkossa Sutta wo ein Mann Buddha hefti beleidigt dieser aber ruhig und gelassen bleibt.


    Buddha fragt den Mann, was mit einem Geschenk passiert, das der Empfänger nicht annimmt. Der Mann antwortet, dass das Geschenk dann beim Schenkenden bleibt.


    Buddha erklärt, dass er die Beleidigungen nicht annimmt, sie also beim Absender bleiben. Ich finde da ist viel dran. Wenn mich jemand als "Giraffe" oder "Kippschalter" bezeichnen würde, wäre ich wohl nicht beleidigt, weil das so absurd ist dass ich das nicht auf mich beziehe


    Wenn dagegen jemand so tut als wäre ich voll das Arschloch oder komplett blöd, dann würde mich das deswegen mehr stören, weil das was daran stimmt größer 0 ist. Im Gegensatz zum Kippschalter.

  • Reaktion auf Aussagen anderer

    • void
    • April 13, 2026 at 2:32 PM
    Quote from Gylfie

    Wie kann ich auf Aussagen reagieren, die im totalen Gegensatz zu meiner Meinung und meiner Wertvorstellung stehen?

    Ich glaube man findet nicht so sehr andere Meinungen und Wertevorstellungen schlimm sondern die Infragestellung der eigenen Meinung und der eigenen Wertevorstellung.


    Kann man ja testen, wie man auf den Satz "Deine Meinung und deine Wertevorstellungen sind total egal!" reagiert. Er löst so eine gewisse Hilflosigkeit aus.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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