„Um das Unerkannte, Ungeschaute, Unerreichte, Unverwirklichte, Undurchdrungene zu erkennen, zu schauen, zu erreichen, zu verwirklichen und zu durchdringen: darum, Bruder, führt man unter dem Erhabenen das Heilige Leben.“
Ich versuche hier das ganze Sutta zu kommentieren..
Dieses Sutta ist eigentlich ein Gespräch zwischen zwei großen Schülern des Buddha. Einer fragt den anderen: Wir leben ja alle unter dem Erhabenen, aber was ist eigentlich der tiefste Sinn dieser ganzen Lebensweise? Was will das alles?
Die Antwort ist, es geht um die fünf Haufen, die unsere ganze Erfahrung ausmachen: den Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die geistigen Regungen und das Bewusstsein. Die ganze Übung zielt darauf ab, diese Haufen vollständig zu durchschauen. Das heißt nicht, sie wegzudenken oder zu ignorieren. Es heißt, sie so genau zu kennen, wie man seinen eigenen Atem kennt.
Du schaust hin, wo diese Haufen eigentlich herkommen. Du siehst, dass sie nicht einfach so aus dem Nichts auftauchen, sondern durch Bedingungen entstehen. Durch Berührung, durch Begehren, durch Gewohnheiten. Und dann schaust du hin, wo sie aufhören. Nicht, indem du sie gewaltsam unterdrückst, indem du erkennst, dass sie von Natur aus vergänglich sind und kein festes Wesen haben. Wenn du das tust, siehst du auch den Weg, der aus diesem ganzen Kreislauf herausführt.
Für jemanden, der das einmal klar gesehen hat, verliert diese ganze Praxis jeden mystischen Schleier. Es geht nicht darum, etwas Besonderes zu werden oder einen erhabenen Zustand zu erreichen, den man vorher nicht hatte. Es geht um die nüchterne, alltägliche Arbeit, immer wieder die Finger von dem zu lassen, was einen nur täuscht. Jedes angenehme Gefühl, jede scheinbar feste Meinung, jeder Regung im Kopf wird zur Baustelle.
Du weißt, dass das Ziel der vollkommene Frieden ist, das Erlöschen des Durstes. Aber dieser Frieden zeigt sich nicht irgendwann in der Zukunft. Er zeigt sich genau in diesem Loslassen, in diesem schlichten Anerkennen: Auch das ist nicht ich, auch das gehört mir nicht, auch das bin ich nicht. Das heilige Leben hat seinen Zweck genau hier erfüllt, in dem Augenblick, wo du etwas festhältst und es bewusst wieder gehen lässt. Es ist ein Weg des Erkennens, der gleichzeitig das Loslassen ist. Ein ganz einfacher, gerader Weg, der doch die ganze Aufmerksamkeit fordert, die du aufbringen kannst. 🙏