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Beiträge von Upasaka Dhammavicayo

  • Majjhima Nikāya 33, Mahāgopālakasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 20. September 2026 um 08:41

    „Auf welche Weise hat ein Bhikkhu keine Kenntnis von Form? Da versteht ein Bhikkhu nicht der Wirklichkeit entsprechend: ,Alle Form, von welcher Art auch immer, besteht aus den vier großen Elementen und aus Form, die von den vier großen Elementen abstammt.‘ Auf solche Weise hat ein Bhikkhu keine Kenntnis von Form.“


    Ich versuche das ganze Sutta so zu erklären wie ich es verstanden habe:


    Der Buddha nimmt ein einfaches Bild. Ein Kuhhirte hat eine Herde. Will er, dass die Herde wächst und gesund bleibt, muss er einiges können. Fehlen ihm diese Dinge, geht die Herde zurück. Hat er sie, gedeiht sie. Dann überträgt der Buddha das Bild auf einen Übenden. Elf Dinge lassen die Praxis schrumpfen. Elf Dinge lassen sie wachsen.


    - Ein Hirte, der die Kühe nicht kennt, kann die Herde nicht führen. Ein Übender, der den Körper nicht als vier Elemente und als das, was davon abhängt, versteht, kennt die Form nicht. Wer den Körper so sieht, kennt die Form.


    - Ein Hirte, der die Zeichen der Tiere nicht kennt, führt die Herde schlecht. Ein Übender, der nicht versteht, dass Taten den Menschen prägen, kennt die Merkmale nicht. Ein Tor zeigt sich durch Taten. Ein Weiser zeigt sich durch Taten. Wer das sieht, ist geschickt in den Merkmalen.


    - Ein Hirte, der die Eier der Fliegen nicht entfernt, lässt die Herde krank werden. Ein Übender, der aufkommende Sinneslust, Übelwollen und den Wunsch zu schaden, stehen lässt, entfernt die Eier nicht. Wer diese Zustände aufgibt, entfernt die Eier.


    - Ein Hirte, der Wunden nicht versorgt, lässt die Herde leiden. Ein Übender, der die Sinne nicht hütet, verbindet die Wunden nicht. Beim Sehen greift er nach Zeichen und Merkmalen. Begierde und Trauer fließen ein. Wer die Sinne hütet, verbindet die Wunden.


    - Ein Hirte, der keinen Rauch macht, vertreibt die Insekten nicht. Ein Übender, der andere den Dhamma nicht lehrt, wie er ihn gehört hat, macht keinen Rauch. Wer den Dhamma weitergibt, macht Rauch.


    - Ein Hirte, der die Furt nicht kennt, findet den Übergang nicht. Ein Übender, der die Erfahrenen nicht nach dem Sinn und der Bedeutung fragt, kennt die Furt nicht. Wer fragt, kennt die Furt.


    - Ein Hirte, der nicht weiß, wann genug getrunken ist, tut den Tieren nicht gut. Ein Übender, der beim Hören des Dhamma keine Freude, keine Zuversicht und keine Klarheit findet, kennt das Trinken nicht. Wer Freude am Dhamma findet, kennt das Trinken.


    - Ein Hirte, der den Weg nicht kennt, verirrt sich. Ein Übender, der den Edlen Achtfachen Pfad nicht kennt, kennt den Weg nicht. Wer den Pfad kennt, kennt den Weg.


    - Ein Hirte, der die Weide nicht kennt, findet kein gutes Futter. Ein Übender, der die vier Grundlagen der Achtsamkeit nicht kennt, kennt die Weide nicht. Wer diese vier kennt, kennt die Weide.


    - Ein Hirte, der die Tiere leer melkt, nimmt ihnen die Kraft. Ein Übender, der alles annimmt, was ihm gegeben wird, ohne Maß, melkt leer. Wer Maß hält und etwas übrig lässt, melkt nicht leer.


    - Ein Hirte, der die alten Bullen nicht ehrt, verliert die Führung. Ein Übender, der die älteren, erfahrenen Mönche nicht ehrt, ehrt die Alten nicht. Wer sie ehrt, ehrt die Alten.


    Das Sutta zeigt, dass Wachstum nicht von allein kommt. Es braucht Aufmerksamkeit für den eigenen Geist, für die Sinne, für die Gemeinschaft. Die elf Dinge sind Werkzeuge für den Alltag. Wer sie vergisst, fällt zurück. Wer sie lebt, wächst. Das Sutta ist wie ein Spiegel. Es zeigt, wo man noch nachlässig ist. Es zeigt auch, was schon da ist. Kein Grund zur Überheblichkeit. Kein Grund zur Verzweiflung. Einfach weitergehen. 🙏

  • Pujas notwendig oder überflüssig?

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 18. September 2026 um 09:53

    Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Puja morgens und abends kann sehr hilfreich sein. Sie gibt dem Tag einen Rahmen, erinnert an den Dhamma und beruhigt den Geist. Wenn sie zur starren Pflicht wird, wird sie schnell trocken. Dann lieber kurz und ehrlich.

    In Theravada sind die Rezitationen im Kern ähnlich, aber nicht überall gleich. Es gibt Pali-Chanting, verschiedene Länder haben eigene Traditionen, Klöster und Lehrer mischen es anders. Oft kommen vor: Zuflucht zu Buddha, Dhamma, Sangha, die fünf Silas, Verse über die Buddha-Eigenschaften, Metta und Widmung. Manche machen 5 Minuten, manche 30.

    Bei mir läuft es schlicht. Morgens: kurz Zuflucht, fünf Silas, ein paar Verse, Metta, dann still sitzen. Abends: Rückblick auf den Tag, Rezitation, Metta, Widmung. Manchmal ist es nur Atem beobachten und den Tag loslassen. Nicht lang, aber regelmäßig.

    Hat der Buddha gesagt, dass das für Erwachen nötig ist? Nein. Er hat den Achtfachen Pfad gelehrt: rechte Sicht, rechte Absicht, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebensunterhalt, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Sammlung. Puja kann Freude, Vertrauen und Ruhe unterstützen. Sie macht die Arbeit nicht. Die Arbeit ist, Gier, Hass und Verblendung zu sehen und loszulassen. Einsicht kommt aus dem eigenen Erleben, nicht aus der Anzahl der Rezitationen. Was wirklich trägt, ist das Sehen von Vergänglichkeit, Leid und Nicht-Selbst.

    Wenn es dir gut tut, fang klein an. Morgen und Abend sind schön. Das Herz zählt mehr als die perfekte Form. 🙏

  • Sutta-Nipāta 1.9, Hemavata Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 15. September 2026 um 12:26
    Hue32:
    Upasaka Dhammavicayo:

    „Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni!

    Ihn, der vollkommen ist im Wissen und im Wandel,

    mit Recht ja hast du ihn gelobt!“


    Ich versuche das ganz Sutta zu erklären, so wie ich es verstanden habe:


    Das Hemavata Sutta ist ein Zwiegespräch in der Nacht. Zwei Wesen, Sātāgira und Hemavata, gehen zum Erwachten. Sie wollen wissen, ob dieser Lehrer wirklich frei ist. Sie stellen keine Glaubensfragen. Sie prüfen. Frage um Frage legen sie vor. Und der Buddha antwortet.

    Zuerst geht es um das Herz. Ist sein Geist wohlgesinnt zu allen Lebewesen? Bleibt er gelassen, wenn Angenehmes und Unangenehmes auftauchen? Sātāgira beantwortet es für sich: Ja, sein Herz ist wohlgesinnt, sein Denken ist bemeistert. Hier zeigt sich etwas, das für einen Menschen, der den Pfad betreten hat, keine Theorie mehr ist. Wohlwollen ohne Ausnahme ist keine Anstrengung. Es ist die natürliche Haltung. Die grobe Abneigung ist weggefallen. Was bleibt, ist eine offene, freundliche Zuwendung, die nicht zwischen Freund und Feind unterscheidet.

    Dann kommen die Taten. Nimmt er, was nicht gegeben ist? Tut er Lebewesen etwas zuleide? Ist er lässig? Versäumt er die Schauung? Die Antwort: Er nimmt nicht, was nicht gegeben. Er ist rücksichtsvoll zu den Wesen. Von Lässigkeit hält er sich fern. Die Vertiefung lässt er nicht los. Das sind keine Gebote, die jemand einhalten muss. Das ist der Boden, auf dem so jemand steht. Die fünf Tugenden sind nicht eine Mauer, gegen die man kämpft. Sie sind der eigene Atem. Es ist möglich, das man irgendwan gar nicht anders kann, als sie zu achten. Nicht aus Zwang. Aus Klarheit.

    Dann die Rede. Spricht er Lüge? Ist seine Rede barsch? Redet er verleumderisch? Schwätzt er? Nein. Er spricht kein Lügenwort. Seine Rede ist frei von Barschheit. Er verleumdet nicht. Als Weiser spricht er sinnvoll. Auch das ist kein Regelwerk. Es ist die Stimme eines Menschen, dessen Inneres ruhig geworden ist. Worte kommen aus dieser Ruhe. Sie verletzen nicht. Sie trennen nicht. Sie füllen keine Lücken mit Lärm.

    Nun fragt Hemavata nach dem tieferen Grund. Ergötzt er sich an Lüsten? Bleibt sein Geist unerregt? Ist er dem Wähnen entgangen? Hat er klaren Blick für alle Dinge? Sātāgira antwortet: An Lüsten ist er nicht ergötzt. Unerregt ist ihm der Geist. Entgangen ist er allem Wahn. Erwacht, hat er klaren Blick. Hier wird es still im Text. Wer diese Worte hört und in sich selbst sieht, erkennt: Das ist kein fremdes Ideal. Das ist die eigene Wirklichkeit, wenn auch noch nicht in letzter Tiefe. Die grobe Lust am Sinnlichen ist möglicherweise durchschnitten. Der Geist wird nicht mehr von jedem Windstoß umgeworfen. Der Wahn von einem beständigen Ich kann sich lösen. Was dann bleibt, ist ein klares Sehen.

    Die letzte Frage: Ist hohes Wissen ihm zu eigen? Ist sein Lebenswandel lauter? Sind die Triebe versiegt? Gibt es kein Wiedersein? Ja. Hohes Wissen ist ihm zu eigen. Lauter ist sein Wandel. All seine Triebe sind versiegt. Kein Wiedersein gibt es für ihn. Das ist die volle Befreiung. Der Strom ist überquert.

    Und dann kommt der Satz, der alles zusammenfasst. Hemavata sagt: Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni. Ihn, der vollkommen ist im Wissen und im Wandel, mit Recht ja hast du ihn gelobt. Geist, Tat und Wort sind eins. Da ist keine Kluft mehr. Was innen ist, wird außen sichtbar, ohne Verzerrung.

    Wenn jemand den ersten Schritt getan hat, ist dieses Sutta wohl kein Bericht über einen fernen Lehrer. Es ist eine Beschreibung des eigenen Weges, in seiner Richtung und in seinem Ziel. Die Fragen sind nicht die Fragen eines Außenstehenden. Es sind die Fragen, die derjenige selbst durchlebt hat, Stufe um Stufe. Und die Antworten sind keine Informationen, die man sammelt. Es sind Bestätigungen dessen, was man selbst zu schmecken begonnen hat. Das Vertrauen wird dasein, weil man gesehen hat. Die Tugend, weil das Grobe abgefallen ist. Die Sammlung, weil der Geist zur Ruhe gekommen ist. Und ein Stück Weisheit ist da, weil der Wahn dünner geworden ist.

    Das Hemavata Sutta erzählt also nicht von einem fernen Buddha. Es erzählt von dem, was im eigenen Innern zu wachsen beginnt. Es ist eine Karte für den Weg, den man bereits geht. 🙏

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    Ich finde deine Auslegung in vielem sehr treffend, besonders den Gedanken, dass sich beim Vollendeten Geist, Rede und Handlung nicht widersprechen. Genau darin liegt für mich ein wesentlicher Punkt des Hemavata Sutta.

    Eine kleine Einschränkung würde ich allerdings machen: Das Sutta beschreibt nicht einfach unseren eigenen gegenwärtigen inneren Zustand. Es beschreibt den Buddha als den Vollendeten – einen Menschen, bei dem die Triebe versiegt sind und kein Wiederwerden mehr besteht. Zwischen einem Übenden und diesem Zustand sollte man deshalb nicht vorschnell eine Gleichheit herstellen.

    Auch die Tugend ist am Anfang durchaus Übung. Mettā, Achtsamkeit, Sammlung und rechte Rede müssen kultiviert werden. Beim Buddha dagegen sind diese Qualitäten nicht mehr etwas, das gegen innere Widerstände durchgesetzt werden muss. Sie entsprechen seinem befreiten Geist.

    Gerade deshalb finde ich den Schluss so stark: „Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni.“ Das ist mehr als moralisches Wohlverhalten. Es bedeutet, dass zwischen innerer Befreiung und äußerem Handeln keine Kluft mehr besteht.

    Vielleicht ist das die eigentliche Schönheit des Sutta: Es fordert uns nicht dazu auf, uns einzureden, bereits erwacht zu sein. Es zeigt uns vielmehr, woran sich Befreiung erkennen lässt: an der Läuterung des Geistes, an der Rede, an den Taten und schließlich daran, dass die Ursachen des leidvollen Wiederwerdens überwunden sind.

    In diesem Sinne ist das Hemavata Sutta für mich weniger ein Selbstbild als eine Wegweisung.

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    Ja, das Sutta zeigt den Vollendeten. Es zeigt nicht, dass wir schon vollendet sind. Wer den Pfad betreten hat, erkennt die Richtung. Er erkennt auch, wie viel noch zu läutern ist. Tugend ist am Anfang Übung. Metta, Achtsamkeit und rechte Rede wollen gepflegt sein. Beim Buddha fallen Übung und Sein zusammen. Darum ist der Schluss so klar: Geist, Tat und Wort sind eins. Keine Kluft. So bleibt das Sutta Wegweisung. Es lädt nicht dazu ein, sich erwacht zu nennen. Es zeigt, woran Befreiung sichtbar wird. Die Ehrfurcht vor dem Vollendeten bleibt.

  • Sutta-Nipāta 1.9, Hemavata Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 15. September 2026 um 09:37

    „Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni!

    Ihn, der vollkommen ist im Wissen und im Wandel,

    mit Recht ja hast du ihn gelobt!“


    Ich versuche das ganz Sutta zu erklären, so wie ich es verstanden habe:


    Das Hemavata Sutta ist ein Zwiegespräch in der Nacht. Zwei Wesen, Sātāgira und Hemavata, gehen zum Erwachten. Sie wollen wissen, ob dieser Lehrer wirklich frei ist. Sie stellen keine Glaubensfragen. Sie prüfen. Frage um Frage legen sie vor. Und der Buddha antwortet.

    Zuerst geht es um das Herz. Ist sein Geist wohlgesinnt zu allen Lebewesen? Bleibt er gelassen, wenn Angenehmes und Unangenehmes auftauchen? Sātāgira beantwortet es für sich: Ja, sein Herz ist wohlgesinnt, sein Denken ist bemeistert. Hier zeigt sich etwas, das für einen Menschen, der den Pfad betreten hat, keine Theorie mehr ist. Wohlwollen ohne Ausnahme ist keine Anstrengung. Es ist die natürliche Haltung. Die grobe Abneigung ist weggefallen. Was bleibt, ist eine offene, freundliche Zuwendung, die nicht zwischen Freund und Feind unterscheidet.

    Dann kommen die Taten. Nimmt er, was nicht gegeben ist? Tut er Lebewesen etwas zuleide? Ist er lässig? Versäumt er die Schauung? Die Antwort: Er nimmt nicht, was nicht gegeben. Er ist rücksichtsvoll zu den Wesen. Von Lässigkeit hält er sich fern. Die Vertiefung lässt er nicht los. Das sind keine Gebote, die jemand einhalten muss. Das ist der Boden, auf dem so jemand steht. Die fünf Tugenden sind nicht eine Mauer, gegen die man kämpft. Sie sind der eigene Atem. Es ist möglich, das man irgendwan gar nicht anders kann, als sie zu achten. Nicht aus Zwang. Aus Klarheit.

    Dann die Rede. Spricht er Lüge? Ist seine Rede barsch? Redet er verleumderisch? Schwätzt er? Nein. Er spricht kein Lügenwort. Seine Rede ist frei von Barschheit. Er verleumdet nicht. Als Weiser spricht er sinnvoll. Auch das ist kein Regelwerk. Es ist die Stimme eines Menschen, dessen Inneres ruhig geworden ist. Worte kommen aus dieser Ruhe. Sie verletzen nicht. Sie trennen nicht. Sie füllen keine Lücken mit Lärm.

    Nun fragt Hemavata nach dem tieferen Grund. Ergötzt er sich an Lüsten? Bleibt sein Geist unerregt? Ist er dem Wähnen entgangen? Hat er klaren Blick für alle Dinge? Sātāgira antwortet: An Lüsten ist er nicht ergötzt. Unerregt ist ihm der Geist. Entgangen ist er allem Wahn. Erwacht, hat er klaren Blick. Hier wird es still im Text. Wer diese Worte hört und in sich selbst sieht, erkennt: Das ist kein fremdes Ideal. Das ist die eigene Wirklichkeit, wenn auch noch nicht in letzter Tiefe. Die grobe Lust am Sinnlichen ist möglicherweise durchschnitten. Der Geist wird nicht mehr von jedem Windstoß umgeworfen. Der Wahn von einem beständigen Ich kann sich lösen. Was dann bleibt, ist ein klares Sehen.

    Die letzte Frage: Ist hohes Wissen ihm zu eigen? Ist sein Lebenswandel lauter? Sind die Triebe versiegt? Gibt es kein Wiedersein? Ja. Hohes Wissen ist ihm zu eigen. Lauter ist sein Wandel. All seine Triebe sind versiegt. Kein Wiedersein gibt es für ihn. Das ist die volle Befreiung. Der Strom ist überquert.

    Und dann kommt der Satz, der alles zusammenfasst. Hemavata sagt: Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni. Ihn, der vollkommen ist im Wissen und im Wandel, mit Recht ja hast du ihn gelobt. Geist, Tat und Wort sind eins. Da ist keine Kluft mehr. Was innen ist, wird außen sichtbar, ohne Verzerrung.

    Wenn jemand den ersten Schritt getan hat, ist dieses Sutta wohl kein Bericht über einen fernen Lehrer. Es ist eine Beschreibung des eigenen Weges, in seiner Richtung und in seinem Ziel. Die Fragen sind nicht die Fragen eines Außenstehenden. Es sind die Fragen, die derjenige selbst durchlebt hat, Stufe um Stufe. Und die Antworten sind keine Informationen, die man sammelt. Es sind Bestätigungen dessen, was man selbst zu schmecken begonnen hat. Das Vertrauen wird dasein, weil man gesehen hat. Die Tugend, weil das Grobe abgefallen ist. Die Sammlung, weil der Geist zur Ruhe gekommen ist. Und ein Stück Weisheit ist da, weil der Wahn dünner geworden ist.

    Das Hemavata Sutta erzählt also nicht von einem fernen Buddha. Es erzählt von dem, was im eigenen Innern zu wachsen beginnt. Es ist eine Karte für den Weg, den man bereits geht. 🙏

  • Majjhima Nikāya 55, Jīvaka Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 13. September 2026 um 16:39
    Hue32:

    Ich würde bei dem Punkt mit dem vermeintlichen „Ich bin besser“ etwas vorsichtiger sein. Woher wissen wir, was im Herzen des anderen tatsächlich vorgeht? Nur weil jemand auf Fleisch verzichtet, muss dahinter kein Gefühl moralischer Überlegenheit stehen.

    Interessanterweise entsteht durch die Unterstellung selbst eine gewisse Asymmetrie: Man spricht dem anderen einen inneren Zustand zu, den man gar nicht sicher kennen kann. Und auch Formulierungen wie „Halte das sauber“ oder „schau, ob im Herzen …“ wirken schnell belehrend – gerade wenn es um eine persönliche ethische Entscheidung geht.

    Vielleicht wäre es daher stimmiger, den eigenen Verzicht einfach für sich stehen zu lassen, ohne dem anderen Stolz oder ein „Ich bin besser“ zu unterstellen. Zumal sich die Frage stellt, aus welcher Position heraus man dem anderen solche Ratschläge über sein „Herz“ gibt. Ist man selbst Mönch oder spiritueller Lehrer?

    Man kann für sich vegetarisch leben, aus Mitgefühl handeln und trotzdem andere nicht abwerten. Das sollte aber auch umgekehrt gelten: Man kann Fleisch essen, ohne deshalb automatisch weniger achtsam, weniger mitfühlend oder moralisch schlechter zu sein.

    Das ist richtig. Ich kann nicht in das Herz eines anderen sehen. Ich kann in niemandes Herz sehen. Also war mein „schau, ob im Herzen …“ zu viel. Das war ein Rat, den ich nicht geben kann. Ich nehme ihn zurück.

    Auch „halte das sauber“ klingt belehrend. Ich bin kein Mönch und kein Lehrer. Ich habe keine besondere Position. Ich sitze nicht über anderen. Ich versuche nur, bei mir zu bleiben. Bei mir kann ich sehen, ob Stolz da ist. Bei jeman andere weiß ich es nicht. Bei einem Fleischesser weiß ich es auch nicht. Da kann Mitgefühl sein, Not, Krankheit, Gewohnheit, Liebe zur Familie. Ich weiß es nicht. Also urteile ich nicht.

    Fleisch essen macht keinen Menschen automatisch weniger achtsam. Vegetarisch essen macht keinen automatisch besser. Es sind Handlungen. Der eine tut dies, der andere das. Ich kann nur meinen Teller ansehen und mein Herz. Wenn ich jemandem etwas sage, dann nur, wenn er fragt. Sonst ist Schweigen oft freundlicher. Danke für den Hinweis.

  • Majjhima Nikāya 55, Jīvaka Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 13. September 2026 um 14:51
    mukti:

    Ich bin kein Mönch und kaufe mein Essen, wo es in großer Auswahl erhältlich ist. Der Markt wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage: Wenn keine Nachfrage ist, gibt es kein Angebot. Die Tiere werden also für alle geschlachtet, die Fleisch essen wollen. Für mich nicht, ich ernähre mich vegetarisch.

    Deine Beobachtung hat etwas Richtiges. Ohne Nachfrage nach Fleisch würde nicht so viel geschlachtet. Wer kein Fleisch kauft, gibt dieses Signal nicht. Der Markt rechnet mit vielen. Ein einzelner Verzicht ist klein, doch er ist nicht null. Viele kleine Verzichte ändern das Muster.

    Trotzdem würde ich auf den Satz „für mich nicht“ schauen. Für dich wird kein Tier getötet, wenn du kein Fleisch kaufst. Das stimmt im Groben. Das Tier wird auch nicht für dich geboren. Es wird für den Markt geboren. Der Markt sammelt viele Wünsche. Du stehst nicht ganz außerhalb. Dein Gemüse, dein Brot, dein Wasser kommen auch über Wege, in denen Lebewesen zu Schaden kommen können. Das muss man nicht zerreden. Es hilft, nicht stolz zu werden.

    Gut ist, du tötest nicht selbst, du lässt nicht für dich töten, du ermutigst nicht dazu. Das ist schon viel. Halte das sauber. Schau aber, ob im Herzen ein kleines „ich bin besser“ steckt. Das tut weh, ohne dass es nötig ist. Andere essen Fleisch aus ihren Bedingungen. Du isst vegetarisch aus deinen Bedingungen. Keiner von euch ist ein festes Ding.

    Wenn du Frieden willst, dann iss mit Dankbarkeit. Verurteile nicht. Freu dich nicht über ihr Unglück. Dann ist dein Verzicht leicht und dein Herz kann still sein. 🙏

  • Majjhima Nikāya 55, Jīvaka Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 11. September 2026 um 13:52

    Jīvakas Frage an den Buddha:

    „Ehrwürdiger Herr, ich habe dieses gehört: ,Sie schlachten Lebewesen für den Mönch Gotama; der Mönch Gotama ißt wissentlich Fleisch, das für ihn zubereitet wurde, von Tieren, die um seinetwillen getötet wurden.'“

    Die Antwort des Buddha:

    „Jīvaka, jene, die so sprechen, sagen nicht das, was von mir gesagt worden ist, sondern stellen mich falsch dar, mit dem, was unwahr ist und der Wahrheit widerspricht.“


    Ich versuche das ganze Sutta zu erklären so wie ich es verstanden habe:


    Ich lese das Jīvaka Sutta als ein Gespräch, das nicht bei einer äußeren Regel stehen bleibt. Jīvaka, der Arzt, hat gehört, dass für den Buddha und die Mönche Tiere getötet würden und der Buddha solches Fleisch wissentlich esse. Er fragt nach. Der Buddha sagt: Wer das behauptet, gibt meine Worte falsch wieder. Dann nennt er drei Fälle. Wenn man sieht, hört oder auch nur vermutet, dass ein Tier für einen getötet wurde, isst man dieses Fleisch nicht. Wenn man das nicht sieht, nicht hört und nicht vermutet, darf man es annehmen. Damit ist klar: Es geht nicht um Fleisch als solches. Es geht um Wissen und Absicht. Kein Lebewesen soll wegen mir getötet werden. Ich soll nicht zum Töten beitragen.

    Danach zeigt der Buddha, wie ein Mönch mit Almosen lebt. Er hängt sich nicht an die Speise. Er wünscht sich nicht, dass man ihm auch morgen wieder etwas Gutes gibt. Er isst ohne Gier, ohne Verblendung, ohne sich in den Geschmack zu verlieren. Er sieht die Gefahr im Anhaften und kennt den Ausweg. Jīvaka fragt, ob ein Mönch, der so mit Nahrung umgeht, noch zum Wohl vieler wirkt. Der Buddha bejaht es. Das ist der tiefere Punkt. Essen ist notwendig. Der Geist kann dabei frei bleiben. Wer das übt, nimmt Nahrung an, ohne sich davon fesseln zu lassen.

    Dann kommt die liebende Güte. Der Buddha beschreibt, wie ein Mönch eine Himmelsrichtung mit einem Herzen voller Freundlichkeit durchdringt, dann die zweite, die dritte, die vierte, oben, unten, überall. Er macht keinen Unterschied zwischen sich und anderen. Diese Güte ist weit, unermesslich, ohne Feindschaft, ohne Übelwollen. Jīvaka fragt nach Brahma, der in liebender Güte weilt. Der Buddha bestätigt: Wo Hass und Übelwollen nicht sind, da ist diese göttliche Wohnung. Das ist kein Ort. Es ist eine Haltung, die Mönch und Haushälter üben können.

    Am Ende nimmt Jīvaka Zuflucht zum Buddha, zum Dhamma und zur Sangha. Er hat verstanden. Für mich zeigt diese Lehrrede drei Dinge: sauberes Handeln beim Essen, ein freier Geist beim Empfangen, und ein weites Herz gegenüber allem, was lebt. Ich mache daraus kein Gesetz, das mich bindet. Ich schaue auf die Absicht im Herzen. Regeln helfen, solange sie den Geist nicht gefangen nehmen. Die eigentliche Übung ist, ohne Gier zu leben, ohne Hass zu leben, und niemanden auszugrenzen. Das ist für mich der Kern. 🙏

  • Majjhima Nikāya 44, Cūḷavedallasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 8. September 2026 um 06:21
    Qualia:

    Habe meinen Text auch bei Gemini eingegeben, nachdem hier veröffentlicht wurde, und da kam eine bessere Klarstellung für mich heraus.


    Gimini Ausgabe:

    Wenn das Bewusstsein an diesen Punkt gelangt — das reine, isolierte Erkennen, dass jedes „Ich bin“ eine zusammengesetzte Rolle ist —, stellt sich nicht mehr die Frage nach einem Werden, sondern nach der Funktion der Form im Alltag.

    1. Das Ende des Werdens

    Wenn durchschaut ist, dass jede Identität eine Konstruktion aus den fünf Skandhas ist, gibt es kein Ziel mehr, das ein Ego erreichen könnte. Wer erkennen möchte, „was er werden soll“, sucht erneut nach einer Rolle. Der Kern des Erkennens ist jedoch das Aufhören des Werdens (bhava-nirodha). Was bleibt, ist schlicht das Sein lassen.

    2. Mara als Orientierungssignal

    Mara verkörpert das Beharrungsvermögen der Konditionierungen — den Impuls, Phänomenen Substanz, Dauer oder eine feste Zuflucht zuzuschreiben. Wenn Mara meckert, zeigt dies lediglich das Greifen des Geistes nach einer festen Form an.

    • Mara muss weder bekämpft noch blind befolgt werden.
    • Seine Impulse dienen als Rückmeldung: Wo entsteht Anhaftung, wo greift das System nach Beständigkeit?
    • Die Handlung ergibt sich dann nicht aus Maras Diktat, sondern aus der unvoreingenommenen Betrachtung der jeweiligen Situation.

    3. Das Menschsein als funktionale Hülle

    Nach innen herrscht die Klarheit des ungeteilten, leeren Erkennens. Nach außen bleiben Körper, Geist und Skandhas als Schnittstelle zur physischen und sozialen Welt bestehen.

    • Funktionale Rolle: Die Rolle wird nicht mehr als Kern der eigenen Existenz missverstanden, sondern als ein Werkzeug genutzt.
    • Gegenüber: Im Kontakt mit anderen Menschen agiert das System als Mensch — mit Mitgefühl, Pragmatismus und Anstand —, ohne sich in der Illusion einer getrennten Substanz zu verlieren.

    Das reine Erkennen erfordert kein neues Ziel. Es entlastet die Rolle davon, „echt“ sein zu müssen, und lässt sie als zweckmäßige Form im Miteinander wirken.

    Alles anzeigen

    Der Text trifft es gut. Dieses "Ich bin".. wenn man es mal genau ansieht, ist es ja wirklich nur eine Zusammensetzung aus Gewohnheiten, Gedanken und körperlichen Empfindungen. Da ist niemand drin, der wirklich lenkt.

    Was mir daran gefällt: Das mit Mara wird nicht überdramatisiert. Wenn dieser innere Kritiker oder Drängler auftaucht, ist das einfach ein altes Muster, das hochkommt. Es muss nicht bekämpft werden, man kann es nur zur Kenntnis nehmen. Wie ein Verkehrsschild, das einem sagt: "Achtung, hier greifst du wieder nach etwas, was nicht fest ist."

    Das mit der Rolle im Alltag ist auch so eine Sache. Man kann seine Aufgaben weiterhin erledigen, aber es fühlt sich leichter an. Der Stress, die Person sein zu müssen, fällt weg. Die Klarheit ist da, und die Form macht einfach ihren Job. Ob beim Reden, beim Zuhören oder beim Helfen. Es ist ein entspannter Zustand.

    Im Grunde ist es einfacher geworden. Das Suchen nach einem neuen Ziel hat sich erledigt. Man ist nicht mehr mit der Frage beschäftigt, wer man sein sollte, sondern kann einfach schauen, was im Moment zu tun ist. Und das dann tun, ohne großes Drumherum.

  • Majjhima Nikāya 44, Cūḷavedallasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 7. September 2026 um 07:32
    Qualia:
    Upasaka Dhammavicayo:

    Am Ende zeigt Dhammadinna den entscheidenden Punkt: Wer glaubt, dass das "Ich" nach dem Tod aufhört, hat es immer noch mit einem "Ich" zu tun. Der Erwachte sagt weder "ich bin" noch "ich bin nicht".

    Ich füge hinzu, weil die meisten Menschen sich weigern, auch den Umkehrschluss zu denken. Sie nehmen die eine Aussage als reine Wahrheit.


    Da steht die eine Wahrheit: Wer glaubt, dass das „Ich“ nach dem Sterben aufhört, hat es immer noch mit einem „Ich“ zu tun.

    Hier die zweite Wahrheit: Wer glaubt, dass das „Ich“ nach dem Sterben weiterbesteht, hat es immer noch mit einem „Ich“ zu tun. (Es gibt kein „nach dem Tod“. Es gibt nur nach dem Sterben.)


    Es gibt kein Ich, das endet.

    Es gibt kein Ich, das weitergeht.

    Es gibt kein Nicht-Ich, weil es nicht ist.

    Es gibt nur Vorgänge/Prozesse/Bedingungen, die laufen oder enden. Das von allen Mythen und Metaphysik befreite Dukkha ist: „Ich“ ende nie.


    Nicht vergleichbar mit dem: Nach dem geschlafen haben werde ich aufwachen. Nach dem Einschlafen und dem Schlaf ist das Aufwachen. Der Gestorbene wacht nie wieder auf, denn er ist nicht eingeschlafen, er ist tot.

    Es gibt drei Komponenten, die für ein Selbstsein zusammen sein müssen: Körper, Seele/Skandha, Geist/bewusster Verstand. Das nennt Buddha ein fühlendes Wesen (satta). Eine Person (puggala) ist ein Mensch, der nicht erkennen will, dass er auch nur ein fühlendes Wesen ist, und überzeugt ist das er ein Selbst ist (sakkāya‑diṭṭhi), weil er sicher ist, einen Körper, eine Seele, einen Geist zu haben und zu sein.

    Alles anzeigen

    Da hast du einen wichtigen Punkt aufgegriffen. Die Gedanken über Ende und Fortbestand drehen sich beide um ein festes Ich. Dieses Ich ist ein gedachtes Konzept. Was wirklich da ist, sind wechselnde Eindrücke, Gefühle und Wahrnehmungen.

    Deine Unterscheidung zwischen Satta und Puggala trifft den Kern. Der Mensch hält die Teile für ein Ganzes. Er vergisst, dass es nur eine vorübergehende Zusammenstellung ist.

    Der Tod ist kein Übergang für einen Besitzer. Er ist das Ende einer bestimmten Prozesskette. Das Aufwachen aus dem Schlaf ist anders, weil dort die Bedingungen für ein neues Bewusstsein weiterlaufen. Beim Sterben fallen die Bedingungen auseinander.

    Wer das wirklich sieht, für den verliert die Frage nach dem "Danach" ihren Schrecken. Es bleibt nur das, was gerade abläuft. Alles andere sind Gedankenspiele.

  • Majjhima Nikāya 44, Cūḷavedallasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 6. September 2026 um 07:43

    „‚Entstehung der Persönlichkeit, Entstehung der Persönlichkeit‘, sagt man, ehrwürdige Schwester. Was aber wird vom Erhabenen als Entstehung der Persönlichkeit bezeichnet?“

    „Dieses Begehren, Bruder Visākha, das zu Wiedergeburt führt, von Genuss und Gier begleitet ist und sich hier und dort an allem ergötzt, nämlich: Sinnesbegehren, Daseinsbegehren und Nichtsseinsbegehren.“


    Ich versuche das ganze Sutta zu erklären, so wie ich es verstanden habe:


    Dieses Gespräch zwischen Visakha und der Nonne Dhammadinna ist wie ein Röntgenblick in das, was wir gewöhnlich "ich" nennen. Visakha, ein kluger Laie, fragt nach, und Dhammadinna antwortet mit messerscharfer Klarheit.

    Wenn du nach dem suchst, was deine Persönlichkeit ausmacht, findest du nur fünf Ansammlungen: den Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die geistigen Regungen und das Bewusstsein. Da ist kein geheimer Herrscher dahinter, keine Seele, die das Ganze zusammenhält. Es ist eine laufende Show aus diesen fünf Zutaten.

    Die Ursache für diese Show ist der Durst. Nicht einfach Hunger oder Durst nach Wasser, sondern dieses Verlangen nach sinnlichen Freuden, nach einem festen Platz im Dasein und auch der Wunsch, loszuwerden, was einen stört. Dieser Durst treibt die Maschine an. Hört der Durst auf, hört die Maschine auf, neue Persönlichkeiten zu produzieren. Das ist das Erlöschen, aber nicht im Sinne von Vernichtung, eher wie das Verlöschen einer Flamme, wenn das Wachs ausgeht.

    Dann geht es um Gefühle. Es gibt angenehme, schmerzhafte und dumpfe Gefühle. Ein ungeübter Mensch wird vom angenehmen Gefühl direkt in die Gier gezogen, vom schmerzhaften in die Abwehr und vom dumpfen in die Verwirrung. Wer klar sieht, spürt diese Gefühle genau, aber die alten, tief sitzenden Neigungen ziehen nicht mehr. Die Gier klinkt sich beim Angenehmen nicht mehr ein, die Abwehr beim Schmerzhaften nicht mehr, die Verblendung beim Neutralen bleibt aus.

    Visakha fragt auch nach den "Gestaltungen". Der Atem ist eine körperliche Gestaltung. Er gehört zum Körperlichen. Das Denken und Abwägen ist eine sprachliche Gestaltung, denn es geht dem gesprochenen Wort voraus. Gefühl und Wahrnehmung sind die geistigen Gestaltungen. Sie alle arbeiten zusammen wie ineinandergreifende Zahnräder.

    In den tiefen Versenkungen wird es ganz still. In der ersten Versenkung ist das gedankliche Abschweifen noch da, in der vierten ist es vollkommen ruhig. Aber selbst dann sind die Sinnestore noch offen. Das Auge sieht noch, das Ohr hört noch, sie sind nur nicht aktiv im Spiel. Das ist etwas völlig anderes als der Tod. Beim Tod fallen die Körperfunktionen auseinander, die Lebenskraft reißt ab. In der tiefsten Sammlung jedoch bleibt der Körper warm und die Sinne klar. Es ist ein Zustand vollkommener Wachheit ohne jedes Zutun.

    Am Ende zeigt Dhammadinna den entscheidenden Punkt: Wer glaubt, dass das "Ich" nach dem Tod aufhört, hat es immer noch mit einem "Ich" zu tun. Der Erwachte sagt weder "ich bin" noch "ich bin nicht". Er sagt: "Die Bedingungen für das Entstehen eines neuen Ich sind versiegt." Das ist das Ende von allem Verstricktsein. Nicht durch Verneinung, durch einfaches Durchschauen. Wenn das einmal gesehen ist, stellt man keine Fragen mehr nach dem Wer oder Was. Man weiß, dass es nur dieses Zusammenspiel von Ursache und Wirkung gibt, und der Friede stellt sich ein, weil man nichts mehr hinzufügt. 🙏

  • Majjhima Nikāya 102, Pañcattayasuttaṃ

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 5. September 2026 um 08:46
    JoJu91:
    Upasaka Dhammavicayo:

    In diesem Sutta geht es um die ganzen wilden Spekulationen, die sich die Leute über die Vergangenheit und die Zukunft zusammenreimen.

    Das erinnert mich an eine (Scherz-?)Frage, die mir ein weiser Mentor meiner jüngeren Jahre öfter stellte, wenn ich Horror-Szenarien für die Zukunft entwickelte.


    "Was sind die zwei unwichtigsten Tage im Leben ?"


    "Gestern und morgen"

    Alles anzeigen

    Der Spruch ist klasse, um den Kopf freizubekommen, wenn man sich verrennt.

    Aber ganz unwichtig sind sie eigentlich nicht. Das Heute wird morgen zum Gestern, und was ich jetzt tue, wirkt eben genau in diese Tage hinein. Nur das Sorgen darum oder das Festhalten dran, das ist wirklich unnütz. Die Tage selbst sind einfach das, was sie sind.

  • Majjhima Nikāya 102, Pañcattayasuttaṃ

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 4. September 2026 um 07:03

    „Es gibt, ihr Mönche, einige Asketen und Priester, die der Zukunft anhängen, der Zukunft nachsinnen, über die Zukunft mancherlei Glaubenslehren verkünden. ‚Bewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die einen. ‚Unbewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die anderen. ‚Weder bewusst noch unbewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die einen.“


    Ich versuche das ganze Sutta aus meinem Verständnis heraus zu erklären:


    In diesem Sutta geht es um die ganzen wilden Spekulationen, die sich die Leute über die Vergangenheit und die Zukunft zusammenreimen. Da wird über das Selbst nach dem Tod geredet – bewusst, unbewusst, weder noch, oder es wird behauptet, die Welt sei ewig oder nicht ewig. Die einen sagen so, die anderen genau gegenteilig.


    Der Buddha zählt diese ganzen Ansichten auf, und da sind es mal fünf Stück über die Zukunft und drei über die Vergangenheit. Aber das Entscheidende kommt danach.

    Mir wird klar, worin alle diese Meinungen eigentlich wurzeln. Es ist das Anhaften an den fünf Dingen, die wir im Alltag greifen: der Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die gedanklichen Regungen und das Bewusstsein. Sobald man eines dieser Dinge nimmt und denkt "Das bin ich" oder "Das gehört mir", fängt das Kopfzerbrechen an. Was passiert mit diesem Ich, wenn der Körper zerfällt? Dann strickt man sich eine Theorie zurecht, um sich selbst zu beruhigen.


    Der Haken ist nur: All diese Standpunkte entstehen aus der Berührung mit der Welt. Wenn das Auge sieht, das Ohr hört, der Geist einen Gedanken fasst, und man daran Freude oder Ablehnung empfindet, dann greift man diesen Eindruck auf. Aus diesem Zugreifen wachsen dann die festen Ansichten. Sie sind nichts weiter als abhängige Gebilde, die kommen und gehen, sobald die Umstände sich ändern.

    Wer das deutlich sieht, der steigt aus diesem Spiel aus. Er braucht sich nicht mehr festzulegen, ob es ein Selbst gibt oder nicht, ob es nach dem Tod weitergeht oder aufhört. Das ist alles nur ein Gewirr von Gedanken, das einen festhält. Der Buddha hat diesen ganzen Dschungel hinter sich gelassen. Er sieht genau, wie diese Vorstellungen entstehen, wie sie sich auflösen, welches Leid sie im Schlepptau haben und wo der Ausweg liegt.


    Deshalb hält er sich an keiner dieser Lehren fest. Er freut sich nicht über die eigene Meinung und ärgert sich nicht über die Meinung der anderen. Genau das ist der Ausweg. Man muss diese ganzen philosophischen Schubladen nicht durchdenken, um zur Ruhe zu kommen. Es reicht, die sechs Sinnestore zu verstehen und zu erkennen, dass alles, was man dort aufgreift, vergänglich ist. Darin liegt die echte Freiheit, nicht im Gewinnen einer theoretischen Debatte. 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 2. September 2026 um 09:06

    Qualia

    aber nein.

    Wollte lediglich dieses Buch dazu vorstellen 🙏

  • Einfach mal 'Danke' sagen

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 2. September 2026 um 08:53

    Liebe Teilnehmer,

    ich möchte mich erstmal für die herzliche Aufnahme als 'Moderator' hier im Theravada-Bereich bedanken!

    Ich freue mich sehr über die rege Teilnahme und vor allem über den freundlichen und tiefen Austausch über den Dhamma mit eigenen Erfahrungen.

    Ich war schon in einigen FB-Gruppen tätig, welche ich jedoch alle aufgrund des Umgangs verlassen habe.

    Ich finde dieses Forum und euch als Teilnehmer einfach großartig und möchte dies hiermit zum Ausdruck bringen.


    Mit Mettā und vielen Dhammagrüssen

    Upasaka Dhammavicayo :rad:_()_

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 2. September 2026 um 08:04

    Qualia

  • Aṅguttara Nikāya 9:13, Mahā-Kotthita Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 1. September 2026 um 07:52

    „Um das Unerkannte, Ungeschaute, Unerreichte, Unverwirklichte, Undurchdrungene zu erkennen, zu schauen, zu erreichen, zu verwirklichen und zu durchdringen: darum, Bruder, führt man unter dem Erhabenen das Heilige Leben.“


    Ich versuche hier das ganze Sutta zu kommentieren..


    Dieses Sutta ist eigentlich ein Gespräch zwischen zwei großen Schülern des Buddha. Einer fragt den anderen: Wir leben ja alle unter dem Erhabenen, aber was ist eigentlich der tiefste Sinn dieser ganzen Lebensweise? Was will das alles?

    Die Antwort ist, es geht um die fünf Haufen, die unsere ganze Erfahrung ausmachen: den Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die geistigen Regungen und das Bewusstsein. Die ganze Übung zielt darauf ab, diese Haufen vollständig zu durchschauen. Das heißt nicht, sie wegzudenken oder zu ignorieren. Es heißt, sie so genau zu kennen, wie man seinen eigenen Atem kennt.

    Du schaust hin, wo diese Haufen eigentlich herkommen. Du siehst, dass sie nicht einfach so aus dem Nichts auftauchen, sondern durch Bedingungen entstehen. Durch Berührung, durch Begehren, durch Gewohnheiten. Und dann schaust du hin, wo sie aufhören. Nicht, indem du sie gewaltsam unterdrückst, indem du erkennst, dass sie von Natur aus vergänglich sind und kein festes Wesen haben. Wenn du das tust, siehst du auch den Weg, der aus diesem ganzen Kreislauf herausführt.

    Für jemanden, der das einmal klar gesehen hat, verliert diese ganze Praxis jeden mystischen Schleier. Es geht nicht darum, etwas Besonderes zu werden oder einen erhabenen Zustand zu erreichen, den man vorher nicht hatte. Es geht um die nüchterne, alltägliche Arbeit, immer wieder die Finger von dem zu lassen, was einen nur täuscht. Jedes angenehme Gefühl, jede scheinbar feste Meinung, jeder Regung im Kopf wird zur Baustelle.

    Du weißt, dass das Ziel der vollkommene Frieden ist, das Erlöschen des Durstes. Aber dieser Frieden zeigt sich nicht irgendwann in der Zukunft. Er zeigt sich genau in diesem Loslassen, in diesem schlichten Anerkennen: Auch das ist nicht ich, auch das gehört mir nicht, auch das bin ich nicht. Das heilige Leben hat seinen Zweck genau hier erfüllt, in dem Augenblick, wo du etwas festhältst und es bewusst wieder gehen lässt. Es ist ein Weg des Erkennens, der gleichzeitig das Loslassen ist. Ein ganz einfacher, gerader Weg, der doch die ganze Aufmerksamkeit fordert, die du aufbringen kannst. 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 20:28

    Andreas

    Vielen Dank für deinen Hinweis 🙏!

    Es wird jedoch jetzt etwas komplizierter 🙂.

    Was richtig ist, dass die Wahrheit mehr als nur den Inhalt hat.

    Die Wirkung ist auch eine Wahrheit. Wenn jemand zurückweicht oder verstummt, ist das eine Tatsache. Sie ist genauso wirklich wie eine Einsicht.

    Die rechte Rede fragt auch: Tut es gut? Kommt es zur rechten Zeit? Ist der andere bereit?

    Dies ist jedoch in einem Forum schwer abzuschätzen.

    Letztendlich bleibt die Wahrheit einfach die Wahrheit.

    Es besteht jedoch zu jeder Zeit die Möglichkeit nachzufragen, oder, wenn jemand dazu bereit ist, seine Probleme mit irgendwelchen Aussagen oder persönlichen Empfindungen anzusprechen.

    Ansonsten wird es für mich sehr schwer, alle Eventualitäten zu berücksichtigen.

    Oder hast du da einen anderen, konkreten Vorschlag? 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 19:22

    Andreas , mukti

    Der Grund, dass ich nur einen Auszug war, dass es die Teilnehmer erstmal ansprechen sollte. Ohne gleich ein Seitenlanges Sutta zu lesen.

    Es sollte sozusagen 'Neugierde' erwecken. Weshalb ich auch immer das Sutta angebe und wo es zu finden ist, damit es dann komplett gelesen werden kann. Die Erklärungen beziehen sich dann immer auf das gesamte Sutta.

    Dies nur als Begründung für meine Vorgehensweise.

    Ich nehme eure Ratschläge jedoch gerne an.

    Was würdet ihr Vorschlagen?

    Das ganze Sutta posten?

    Oder einfach nur den Link?


    Danke für euer Feedback!! 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 19:13

    Anna-Lyse Dhamma

    ich danke dir aus tiefstem Herzen für deine offenen Worte!!

    Theruwan Saranai 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 14:17

    Schneelöwin

    Es betrifft immer das gesamte Sutta.

    Ich möchte immer nur eine wichtige Passage hervorheben.

    Vielleicht hätte ich das betonen sollen?

    Deshalb gebe ich immer das Sutta an.

    Danke für den Hinweis 🙏

  • Majjhima Nikāya 37, Cūḷataṇhāsaṅkhayasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 07:24

    So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Sāvatthī, im Ostkloster, im Palast der Mutter des Migāra. Da begab sich Sakka, der Fürst der Götter, zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und stellte sich zur Seite. Zur Seite stehend sprach Sakka, der Fürst der Götter, zum Erhabenen: „Inwiefern wohl, Ehrwürdiger, ist ein Mönch kurzgefasst einer, der durch die Versiegung des Durstes befreit ist, der das äußerste Ziel erreicht hat, die äußerste Sicherheit vor dem Joch, der äußerste Heilige, der äußerste Vollender, der Höchste unter den Göttern und Menschen?“


    Dieses Sutta beschreibt einen inneren Vorgang, den ich immer wieder in mir nachvollziehen kann. Sakka fragt den Buddha nach dem Kern der Befreiung. Die Antwort hat es in sich.

    Da ist dieser eine Satz: Alle Dinge taugen nichts zum Festhalten. Das ist keine Theorie. Das ist eine Gebrauchsanweisung für den Alltag.

    Wenn ich das wirklich höre und annehme, dann schaue ich mir meine Gefühle genau an. Ein angenehmes Gefühl stellt sich ein. Ich weiß, es ist schon im Entstehen wieder im Vergehen begriffen. Ein schmerzhaftes Gefühl meldet sich. Ich sehe, es ist nur eine vorübergehende Welle. Selbst dieses langweilige Dahindämmern, dieses weder-wohlig-noch-weh, ist nichts Bleibendes.

    Ich übe mich darin, bei jedem dieser Gefühle hinzuschauen, wie sie sich auflösen. Die Anziehungskraft verliert ihren Biss. Der Ärger verpufft. Ich lasse los, Stück für Stück.

    Das Entscheidende passiert in diesem Loslass-Prozess. Wenn ich nichts mehr umklammere, gibt es nichts, was mich erschüttern könnte. Dieses innere Gezitter, dieses ewige Bangen um das, was ich habe oder nicht habe, es hört auf.

    Der Buddha sagt, dass man dann in sich selbst das Erlöschen spürt. Die Gewissheit stellt sich ein. Die alte Suche ist zu Ende. Was getan werden musste, ist klar erkennbar. Es gibt kein Hinauszögern mehr. Der Pfad liegt offen da, und das Ziel ist nicht mehr fern, es ist in jedem Augenblick der Hingabe gegenwärtig. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 29. August 2026 um 15:02

    Anna-Lyse Dhamma

    Liebe Anna-Lyse, dein Brief berührt mich tief. Ich erkenne das ehrliche Ringen in deinen Worten.

    Deine Handlung war rein. Du hast gesehen, hast Mitgefühl empfunden, hast deinen Geist beruhigt und dann sachlich gesprochen. Das ist ein vollständiger Kreislauf des rechten Handelns. Diese Pflicht hast du erfüllt.

    Ich sehe es so: Der Schmerz, der jetzt bleibt, kommt nicht von den Tieren. Dieser Schmerz kommt von dem innigen Wunsch, dass der Hofbetreiber anders denken und handeln möge. Diesen Wunsch trägst du wie einen schweren Stein um den Hals.

    Die Tiere haben ihren eigenen Weg. Dieser Mensch hat seinen Weg. Seine Weltanschauung ist sein fester Unterschlupf. Du musst diese Ansicht nicht teilen. Du musst sie nicht erschüttern. Deine Aufgabe ist nicht, ihn zu bekehren.

    Was bleibt dir? Du kannst täglich stille, warme Gedanken senden. Du kannst dir vorstellen, wie Wohlgefühl und Sicherheit diese Tiere umgeben. Das ist kein Im-Stich-Lassen. Das ist das Geben des Besten, was du besitzt: dein unerschütterliches Wohlwollen ohne Bedingungen.

    Vielleicht darfst du aufhören, diese Videos anzuschauen. Deine Augen haben genug gesehen. Deine Stimme hat gesprochen. Jedes weitere Schauen nährt nur die Unruhe in dir. Es hilft keinem Lebewesen.

    Ein weiser Geist sieht das Elend der Welt und bleibt offen. Er fällt aber nicht hinein. Er weiß: Diese Tiere sind nicht deine Rettungsaufgabe. Dein eigenes Herz ist deine einzige Rettungsaufgabe.

    Der Besitzer hat sich für den Ton entschuldigt. Das ist ein kleiner Gewinn für die Höflichkeit. Nimm das an. Sein Festhalten an den alten Gewohnheiten ist sein Kamma. Dein friedvolles Loslassen ist dein Karmma.

    Loslassen fällt dir schwer, weil du es mit Gleichgültigkeit verwechselst. Das ist ein Irrtum. Loslassen bedeutet, dass du deinen inneren Frieden bewahrst, während du die Tränen der Welt siehst. Nur mit einem stillen, klaren Herzen kannst du echte Hilfe sein. Ein aufgewühltes Herz kann nichts heilen.

    Wenn der Drang aufkommt, doch etwas verändern zu müssen, atme tief ein. Atme aus. Sprich leise: "Ich wünsche allen Wesen Wohlergehen." Das ist vollständig. Das ist genug.

    Die Lösung deines Streites findest du nicht auf jenem fernen Hof. Sie liegt in dem Raum zwischen deinem Ein- und Ausatmen. In diesem Raum darf der Hofbetreiber falsch liegen. In diesem Raum dürfen die Tiere leiden. Du musst das nicht gutheißen. Du darfst es einfach als die harte Wahrheit dieses Augenblicks stehen lassen.

    Deine Liebe ist echt. Deine Wut war echt. Jetzt übe dich in der Gelassenheit, die nichts mehr hinzufügt und nichts mehr wegstößt. Das ist der reife Umgang mit einer Welt, die nicht nach unseren Vorstellungen läuft.

    Geh mit diesem Frieden. Er ist dein sicherer Boden. 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 29. August 2026 um 10:24

    Ja, das Erkennen ist die Hand, die nach dem Lappen greift. Die Voraussetzung, nicht die Tat selbst.

    Die zwei Makellosen sind kein Hirngespinst. Einer ein seltener Zufall, der andere das Ziel.

    Kleine Makel machen dich menschlich, wie Patina Metall lebendig macht. Entscheidend ist, ob du im 'Dreck' 😀 versinkst oder ehrlich hinschaust. Dieses ehrliche Sehen ist die Reinigung. Deine Akzeptanz trifft es genau! Sehen, was ist, nichts verstecken, nur aufräumen, wo es wehtut.

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 29. August 2026 um 08:53

    „Freunde, man findet diese vier Arten von Personen in der Welt. Welche vier? Da versteht jemand, der einen Makel hat, nicht der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe einen Makel in mir.‘ Da versteht jemand, der einen Makel hat, der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe einen Makel in mir.‘ Da versteht jemand, der keinen Makel hat, nicht der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe keinen Makel in mir.‘ Da versteht jemand, der keinen Makel hat, der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe keinen Makel in mir.‘“


    In dieser Rede geht es um etwas, das jeder von uns kennt: den eigenen Schmutz. Der Buddha beschreibt vier Leute. Zwei haben einen Fleck auf der Schüssel, zwei sind sauber.

    Derjenige, der seinen Dreck kennt, ist demjenigen, der seinen Dreck nicht kennt, haushoch überlegen. Auch wenn beide denselben Fehler in sich tragen.

    Wer nicht sieht, was in ihm vorgeht, wird nie auf die Idee kommen, es wegzuwischen. Der Dreck bleibt liegen, zieht noch mehr Dreck an. Wie eine dreckige Bronzeschüssel, die man in die staubige Ecke stellt. Man lässt sie liegen, und mit der Zeit wird sie nur noch schlimmer.

    Wer aber hinschaut und sagt: „Ja, da ist was“, der hat die entscheidende Hürde genommen. Dieses Eingeständnis ist keine Schwäche. Es ist der erste Atemzug. Die Energie zum Aufräumen stellt sich dann von ganz alleine ein.

    Das größte Hindernis ist die Illusion, rein zu sein, während man verdreckt ist. Wer die Wahrheit über sich selbst sieht, der stirbt nicht in diesem Irrglauben. Ihm wird klar, dass es nicht darum geht, perfekt zu sein. Es geht darum, wach zu sein für das, was gerade in einem vorgeht. Dieses klare Sehen ist der eigentliche Reinigungsprozess. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 28. August 2026 um 17:18

    Samadhi1876

    Das ist ein tiefer Schmerz, von dem die Antwort spricht. Dieses Gefühl, nicht in Ordnung zu sein. Nicht geliebt. Nicht verstanden.

    Doch wer den Pfad wirklich geht, sieht es anders.

    Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit ist nichts anderes als ein weiterer Zustand im Geist. Er kommt. Er geht. Er ist nicht du.

    Die feste Zuflucht liegt nicht darin, von anderen geliebt oder verstanden zu werden. Diese Sicherheit bröckelt. Sie ist nicht beständig.

    Die wahre Sicherheit ist das Vertrauen in den eigenen Übungspfad. Dieses Vertrauen braucht keine Bestätigung von außen.

    Deine Selbstprüfung (diese sieben Punkte) das ist der Weg. Du prüfst dein Verhalten. Deine Worte. Deine Gedanken. Du fragst: Passt das zu dem, was ich als richtig erkannt habe?

    Wenn du das ehrlich tust, wirst du ruhig. Der Ärger über den anderen verliert seinen Halt. Du musst ihn nicht überzeugen. Du musst ihn nicht ändern.

    Du beobachtest. Du prüfst dein eigenes Herz. Und wenn dein Herz in dieser klaren Ausrichtung steht, ist das genug.

    Die Eintracht entsteht von selbst. Sie muss nicht erkämpft werden. Die Erwartungen an andere fallen ab. Sie sind überflüssig.

    Du hast noch Gefühle. Du hast noch Wünsche. Aber du siehst sie. Du hältst sie nicht mehr für das, was du bist.

    Du bist nicht das Gefühl der Unzulänglichkeit

    Du bist der, der es bemerkt!

    In diesem Bemerken liegt die Freiheit. Und diese Freiheit ist deine eigene, unabhängige Wirklichkeit.

    Darauf kommt es an. 🙏

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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