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Beiträge von Upasaka Dhammavicayo

  • Majjhima Nikāya 44, Cūḷavedallasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 6. September 2026 um 07:43

    „‚Entstehung der Persönlichkeit, Entstehung der Persönlichkeit‘, sagt man, ehrwürdige Schwester. Was aber wird vom Erhabenen als Entstehung der Persönlichkeit bezeichnet?“

    „Dieses Begehren, Bruder Visākha, das zu Wiedergeburt führt, von Genuss und Gier begleitet ist und sich hier und dort an allem ergötzt, nämlich: Sinnesbegehren, Daseinsbegehren und Nichtsseinsbegehren.“


    Ich versuche das ganze Sutta zu erklären, so wie ich es verstanden habe:


    Dieses Gespräch zwischen Visakha und der Nonne Dhammadinna ist wie ein Röntgenblick in das, was wir gewöhnlich "ich" nennen. Visakha, ein kluger Laie, fragt nach, und Dhammadinna antwortet mit messerscharfer Klarheit.

    Wenn du nach dem suchst, was deine Persönlichkeit ausmacht, findest du nur fünf Ansammlungen: den Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die geistigen Regungen und das Bewusstsein. Da ist kein geheimer Herrscher dahinter, keine Seele, die das Ganze zusammenhält. Es ist eine laufende Show aus diesen fünf Zutaten.

    Die Ursache für diese Show ist der Durst. Nicht einfach Hunger oder Durst nach Wasser, sondern dieses Verlangen nach sinnlichen Freuden, nach einem festen Platz im Dasein und auch der Wunsch, loszuwerden, was einen stört. Dieser Durst treibt die Maschine an. Hört der Durst auf, hört die Maschine auf, neue Persönlichkeiten zu produzieren. Das ist das Erlöschen, aber nicht im Sinne von Vernichtung, eher wie das Verlöschen einer Flamme, wenn das Wachs ausgeht.

    Dann geht es um Gefühle. Es gibt angenehme, schmerzhafte und dumpfe Gefühle. Ein ungeübter Mensch wird vom angenehmen Gefühl direkt in die Gier gezogen, vom schmerzhaften in die Abwehr und vom dumpfen in die Verwirrung. Wer klar sieht, spürt diese Gefühle genau, aber die alten, tief sitzenden Neigungen ziehen nicht mehr. Die Gier klinkt sich beim Angenehmen nicht mehr ein, die Abwehr beim Schmerzhaften nicht mehr, die Verblendung beim Neutralen bleibt aus.

    Visakha fragt auch nach den "Gestaltungen". Der Atem ist eine körperliche Gestaltung. Er gehört zum Körperlichen. Das Denken und Abwägen ist eine sprachliche Gestaltung, denn es geht dem gesprochenen Wort voraus. Gefühl und Wahrnehmung sind die geistigen Gestaltungen. Sie alle arbeiten zusammen wie ineinandergreifende Zahnräder.

    In den tiefen Versenkungen wird es ganz still. In der ersten Versenkung ist das gedankliche Abschweifen noch da, in der vierten ist es vollkommen ruhig. Aber selbst dann sind die Sinnestore noch offen. Das Auge sieht noch, das Ohr hört noch, sie sind nur nicht aktiv im Spiel. Das ist etwas völlig anderes als der Tod. Beim Tod fallen die Körperfunktionen auseinander, die Lebenskraft reißt ab. In der tiefsten Sammlung jedoch bleibt der Körper warm und die Sinne klar. Es ist ein Zustand vollkommener Wachheit ohne jedes Zutun.

    Am Ende zeigt Dhammadinna den entscheidenden Punkt: Wer glaubt, dass das "Ich" nach dem Tod aufhört, hat es immer noch mit einem "Ich" zu tun. Der Erwachte sagt weder "ich bin" noch "ich bin nicht". Er sagt: "Die Bedingungen für das Entstehen eines neuen Ich sind versiegt." Das ist das Ende von allem Verstricktsein. Nicht durch Verneinung, durch einfaches Durchschauen. Wenn das einmal gesehen ist, stellt man keine Fragen mehr nach dem Wer oder Was. Man weiß, dass es nur dieses Zusammenspiel von Ursache und Wirkung gibt, und der Friede stellt sich ein, weil man nichts mehr hinzufügt. 🙏

  • Majjhima Nikāya 102, Pañcattayasuttaṃ

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 5. September 2026 um 08:46
    JoJu91:
    Upasaka Dhammavicayo:

    In diesem Sutta geht es um die ganzen wilden Spekulationen, die sich die Leute über die Vergangenheit und die Zukunft zusammenreimen.

    Das erinnert mich an eine (Scherz-?)Frage, die mir ein weiser Mentor meiner jüngeren Jahre öfter stellte, wenn ich Horror-Szenarien für die Zukunft entwickelte.


    "Was sind die zwei unwichtigsten Tage im Leben ?"


    "Gestern und morgen"

    Alles anzeigen

    Der Spruch ist klasse, um den Kopf freizubekommen, wenn man sich verrennt.

    Aber ganz unwichtig sind sie eigentlich nicht. Das Heute wird morgen zum Gestern, und was ich jetzt tue, wirkt eben genau in diese Tage hinein. Nur das Sorgen darum oder das Festhalten dran, das ist wirklich unnütz. Die Tage selbst sind einfach das, was sie sind.

  • Majjhima Nikāya 102, Pañcattayasuttaṃ

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 4. September 2026 um 07:03

    „Es gibt, ihr Mönche, einige Asketen und Priester, die der Zukunft anhängen, der Zukunft nachsinnen, über die Zukunft mancherlei Glaubenslehren verkünden. ‚Bewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die einen. ‚Unbewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die anderen. ‚Weder bewusst noch unbewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die einen.“


    Ich versuche das ganze Sutta aus meinem Verständnis heraus zu erklären:


    In diesem Sutta geht es um die ganzen wilden Spekulationen, die sich die Leute über die Vergangenheit und die Zukunft zusammenreimen. Da wird über das Selbst nach dem Tod geredet – bewusst, unbewusst, weder noch, oder es wird behauptet, die Welt sei ewig oder nicht ewig. Die einen sagen so, die anderen genau gegenteilig.


    Der Buddha zählt diese ganzen Ansichten auf, und da sind es mal fünf Stück über die Zukunft und drei über die Vergangenheit. Aber das Entscheidende kommt danach.

    Mir wird klar, worin alle diese Meinungen eigentlich wurzeln. Es ist das Anhaften an den fünf Dingen, die wir im Alltag greifen: der Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die gedanklichen Regungen und das Bewusstsein. Sobald man eines dieser Dinge nimmt und denkt "Das bin ich" oder "Das gehört mir", fängt das Kopfzerbrechen an. Was passiert mit diesem Ich, wenn der Körper zerfällt? Dann strickt man sich eine Theorie zurecht, um sich selbst zu beruhigen.


    Der Haken ist nur: All diese Standpunkte entstehen aus der Berührung mit der Welt. Wenn das Auge sieht, das Ohr hört, der Geist einen Gedanken fasst, und man daran Freude oder Ablehnung empfindet, dann greift man diesen Eindruck auf. Aus diesem Zugreifen wachsen dann die festen Ansichten. Sie sind nichts weiter als abhängige Gebilde, die kommen und gehen, sobald die Umstände sich ändern.

    Wer das deutlich sieht, der steigt aus diesem Spiel aus. Er braucht sich nicht mehr festzulegen, ob es ein Selbst gibt oder nicht, ob es nach dem Tod weitergeht oder aufhört. Das ist alles nur ein Gewirr von Gedanken, das einen festhält. Der Buddha hat diesen ganzen Dschungel hinter sich gelassen. Er sieht genau, wie diese Vorstellungen entstehen, wie sie sich auflösen, welches Leid sie im Schlepptau haben und wo der Ausweg liegt.


    Deshalb hält er sich an keiner dieser Lehren fest. Er freut sich nicht über die eigene Meinung und ärgert sich nicht über die Meinung der anderen. Genau das ist der Ausweg. Man muss diese ganzen philosophischen Schubladen nicht durchdenken, um zur Ruhe zu kommen. Es reicht, die sechs Sinnestore zu verstehen und zu erkennen, dass alles, was man dort aufgreift, vergänglich ist. Darin liegt die echte Freiheit, nicht im Gewinnen einer theoretischen Debatte. 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 2. September 2026 um 09:06

    Qualia

    aber nein.

    Wollte lediglich dieses Buch dazu vorstellen 🙏

  • Einfach mal 'Danke' sagen

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 2. September 2026 um 08:53

    Liebe Teilnehmer,

    ich möchte mich erstmal für die herzliche Aufnahme als 'Moderator' hier im Theravada-Bereich bedanken!

    Ich freue mich sehr über die rege Teilnahme und vor allem über den freundlichen und tiefen Austausch über den Dhamma mit eigenen Erfahrungen.

    Ich war schon in einigen FB-Gruppen tätig, welche ich jedoch alle aufgrund des Umgangs verlassen habe.

    Ich finde dieses Forum und euch als Teilnehmer einfach großartig und möchte dies hiermit zum Ausdruck bringen.


    Mit Mettā und vielen Dhammagrüssen

    Upasaka Dhammavicayo :rad:_()_

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 2. September 2026 um 08:04

    Qualia

  • Aṅguttara Nikāya 9:13, Mahā-Kotthita Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 1. September 2026 um 07:52

    „Um das Unerkannte, Ungeschaute, Unerreichte, Unverwirklichte, Undurchdrungene zu erkennen, zu schauen, zu erreichen, zu verwirklichen und zu durchdringen: darum, Bruder, führt man unter dem Erhabenen das Heilige Leben.“


    Ich versuche hier das ganze Sutta zu kommentieren..


    Dieses Sutta ist eigentlich ein Gespräch zwischen zwei großen Schülern des Buddha. Einer fragt den anderen: Wir leben ja alle unter dem Erhabenen, aber was ist eigentlich der tiefste Sinn dieser ganzen Lebensweise? Was will das alles?

    Die Antwort ist, es geht um die fünf Haufen, die unsere ganze Erfahrung ausmachen: den Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die geistigen Regungen und das Bewusstsein. Die ganze Übung zielt darauf ab, diese Haufen vollständig zu durchschauen. Das heißt nicht, sie wegzudenken oder zu ignorieren. Es heißt, sie so genau zu kennen, wie man seinen eigenen Atem kennt.

    Du schaust hin, wo diese Haufen eigentlich herkommen. Du siehst, dass sie nicht einfach so aus dem Nichts auftauchen, sondern durch Bedingungen entstehen. Durch Berührung, durch Begehren, durch Gewohnheiten. Und dann schaust du hin, wo sie aufhören. Nicht, indem du sie gewaltsam unterdrückst, indem du erkennst, dass sie von Natur aus vergänglich sind und kein festes Wesen haben. Wenn du das tust, siehst du auch den Weg, der aus diesem ganzen Kreislauf herausführt.

    Für jemanden, der das einmal klar gesehen hat, verliert diese ganze Praxis jeden mystischen Schleier. Es geht nicht darum, etwas Besonderes zu werden oder einen erhabenen Zustand zu erreichen, den man vorher nicht hatte. Es geht um die nüchterne, alltägliche Arbeit, immer wieder die Finger von dem zu lassen, was einen nur täuscht. Jedes angenehme Gefühl, jede scheinbar feste Meinung, jeder Regung im Kopf wird zur Baustelle.

    Du weißt, dass das Ziel der vollkommene Frieden ist, das Erlöschen des Durstes. Aber dieser Frieden zeigt sich nicht irgendwann in der Zukunft. Er zeigt sich genau in diesem Loslassen, in diesem schlichten Anerkennen: Auch das ist nicht ich, auch das gehört mir nicht, auch das bin ich nicht. Das heilige Leben hat seinen Zweck genau hier erfüllt, in dem Augenblick, wo du etwas festhältst und es bewusst wieder gehen lässt. Es ist ein Weg des Erkennens, der gleichzeitig das Loslassen ist. Ein ganz einfacher, gerader Weg, der doch die ganze Aufmerksamkeit fordert, die du aufbringen kannst. 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 20:28

    Andreas

    Vielen Dank für deinen Hinweis 🙏!

    Es wird jedoch jetzt etwas komplizierter 🙂.

    Was richtig ist, dass die Wahrheit mehr als nur den Inhalt hat.

    Die Wirkung ist auch eine Wahrheit. Wenn jemand zurückweicht oder verstummt, ist das eine Tatsache. Sie ist genauso wirklich wie eine Einsicht.

    Die rechte Rede fragt auch: Tut es gut? Kommt es zur rechten Zeit? Ist der andere bereit?

    Dies ist jedoch in einem Forum schwer abzuschätzen.

    Letztendlich bleibt die Wahrheit einfach die Wahrheit.

    Es besteht jedoch zu jeder Zeit die Möglichkeit nachzufragen, oder, wenn jemand dazu bereit ist, seine Probleme mit irgendwelchen Aussagen oder persönlichen Empfindungen anzusprechen.

    Ansonsten wird es für mich sehr schwer, alle Eventualitäten zu berücksichtigen.

    Oder hast du da einen anderen, konkreten Vorschlag? 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 19:22

    Andreas , mukti

    Der Grund, dass ich nur einen Auszug war, dass es die Teilnehmer erstmal ansprechen sollte. Ohne gleich ein Seitenlanges Sutta zu lesen.

    Es sollte sozusagen 'Neugierde' erwecken. Weshalb ich auch immer das Sutta angebe und wo es zu finden ist, damit es dann komplett gelesen werden kann. Die Erklärungen beziehen sich dann immer auf das gesamte Sutta.

    Dies nur als Begründung für meine Vorgehensweise.

    Ich nehme eure Ratschläge jedoch gerne an.

    Was würdet ihr Vorschlagen?

    Das ganze Sutta posten?

    Oder einfach nur den Link?


    Danke für euer Feedback!! 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 19:13

    Anna-Lyse Dhamma

    ich danke dir aus tiefstem Herzen für deine offenen Worte!!

    Theruwan Saranai 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 14:17

    Schneelöwin

    Es betrifft immer das gesamte Sutta.

    Ich möchte immer nur eine wichtige Passage hervorheben.

    Vielleicht hätte ich das betonen sollen?

    Deshalb gebe ich immer das Sutta an.

    Danke für den Hinweis 🙏

  • Majjhima Nikāya 37, Cūḷataṇhāsaṅkhayasutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 30. August 2026 um 07:24

    So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Sāvatthī, im Ostkloster, im Palast der Mutter des Migāra. Da begab sich Sakka, der Fürst der Götter, zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und stellte sich zur Seite. Zur Seite stehend sprach Sakka, der Fürst der Götter, zum Erhabenen: „Inwiefern wohl, Ehrwürdiger, ist ein Mönch kurzgefasst einer, der durch die Versiegung des Durstes befreit ist, der das äußerste Ziel erreicht hat, die äußerste Sicherheit vor dem Joch, der äußerste Heilige, der äußerste Vollender, der Höchste unter den Göttern und Menschen?“


    Dieses Sutta beschreibt einen inneren Vorgang, den ich immer wieder in mir nachvollziehen kann. Sakka fragt den Buddha nach dem Kern der Befreiung. Die Antwort hat es in sich.

    Da ist dieser eine Satz: Alle Dinge taugen nichts zum Festhalten. Das ist keine Theorie. Das ist eine Gebrauchsanweisung für den Alltag.

    Wenn ich das wirklich höre und annehme, dann schaue ich mir meine Gefühle genau an. Ein angenehmes Gefühl stellt sich ein. Ich weiß, es ist schon im Entstehen wieder im Vergehen begriffen. Ein schmerzhaftes Gefühl meldet sich. Ich sehe, es ist nur eine vorübergehende Welle. Selbst dieses langweilige Dahindämmern, dieses weder-wohlig-noch-weh, ist nichts Bleibendes.

    Ich übe mich darin, bei jedem dieser Gefühle hinzuschauen, wie sie sich auflösen. Die Anziehungskraft verliert ihren Biss. Der Ärger verpufft. Ich lasse los, Stück für Stück.

    Das Entscheidende passiert in diesem Loslass-Prozess. Wenn ich nichts mehr umklammere, gibt es nichts, was mich erschüttern könnte. Dieses innere Gezitter, dieses ewige Bangen um das, was ich habe oder nicht habe, es hört auf.

    Der Buddha sagt, dass man dann in sich selbst das Erlöschen spürt. Die Gewissheit stellt sich ein. Die alte Suche ist zu Ende. Was getan werden musste, ist klar erkennbar. Es gibt kein Hinauszögern mehr. Der Pfad liegt offen da, und das Ziel ist nicht mehr fern, es ist in jedem Augenblick der Hingabe gegenwärtig. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 29. August 2026 um 15:02

    Anna-Lyse Dhamma

    Liebe Anna-Lyse, dein Brief berührt mich tief. Ich erkenne das ehrliche Ringen in deinen Worten.

    Deine Handlung war rein. Du hast gesehen, hast Mitgefühl empfunden, hast deinen Geist beruhigt und dann sachlich gesprochen. Das ist ein vollständiger Kreislauf des rechten Handelns. Diese Pflicht hast du erfüllt.

    Ich sehe es so: Der Schmerz, der jetzt bleibt, kommt nicht von den Tieren. Dieser Schmerz kommt von dem innigen Wunsch, dass der Hofbetreiber anders denken und handeln möge. Diesen Wunsch trägst du wie einen schweren Stein um den Hals.

    Die Tiere haben ihren eigenen Weg. Dieser Mensch hat seinen Weg. Seine Weltanschauung ist sein fester Unterschlupf. Du musst diese Ansicht nicht teilen. Du musst sie nicht erschüttern. Deine Aufgabe ist nicht, ihn zu bekehren.

    Was bleibt dir? Du kannst täglich stille, warme Gedanken senden. Du kannst dir vorstellen, wie Wohlgefühl und Sicherheit diese Tiere umgeben. Das ist kein Im-Stich-Lassen. Das ist das Geben des Besten, was du besitzt: dein unerschütterliches Wohlwollen ohne Bedingungen.

    Vielleicht darfst du aufhören, diese Videos anzuschauen. Deine Augen haben genug gesehen. Deine Stimme hat gesprochen. Jedes weitere Schauen nährt nur die Unruhe in dir. Es hilft keinem Lebewesen.

    Ein weiser Geist sieht das Elend der Welt und bleibt offen. Er fällt aber nicht hinein. Er weiß: Diese Tiere sind nicht deine Rettungsaufgabe. Dein eigenes Herz ist deine einzige Rettungsaufgabe.

    Der Besitzer hat sich für den Ton entschuldigt. Das ist ein kleiner Gewinn für die Höflichkeit. Nimm das an. Sein Festhalten an den alten Gewohnheiten ist sein Kamma. Dein friedvolles Loslassen ist dein Karmma.

    Loslassen fällt dir schwer, weil du es mit Gleichgültigkeit verwechselst. Das ist ein Irrtum. Loslassen bedeutet, dass du deinen inneren Frieden bewahrst, während du die Tränen der Welt siehst. Nur mit einem stillen, klaren Herzen kannst du echte Hilfe sein. Ein aufgewühltes Herz kann nichts heilen.

    Wenn der Drang aufkommt, doch etwas verändern zu müssen, atme tief ein. Atme aus. Sprich leise: "Ich wünsche allen Wesen Wohlergehen." Das ist vollständig. Das ist genug.

    Die Lösung deines Streites findest du nicht auf jenem fernen Hof. Sie liegt in dem Raum zwischen deinem Ein- und Ausatmen. In diesem Raum darf der Hofbetreiber falsch liegen. In diesem Raum dürfen die Tiere leiden. Du musst das nicht gutheißen. Du darfst es einfach als die harte Wahrheit dieses Augenblicks stehen lassen.

    Deine Liebe ist echt. Deine Wut war echt. Jetzt übe dich in der Gelassenheit, die nichts mehr hinzufügt und nichts mehr wegstößt. Das ist der reife Umgang mit einer Welt, die nicht nach unseren Vorstellungen läuft.

    Geh mit diesem Frieden. Er ist dein sicherer Boden. 🙏

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 29. August 2026 um 10:24

    Ja, das Erkennen ist die Hand, die nach dem Lappen greift. Die Voraussetzung, nicht die Tat selbst.

    Die zwei Makellosen sind kein Hirngespinst. Einer ein seltener Zufall, der andere das Ziel.

    Kleine Makel machen dich menschlich, wie Patina Metall lebendig macht. Entscheidend ist, ob du im 'Dreck' 😀 versinkst oder ehrlich hinschaust. Dieses ehrliche Sehen ist die Reinigung. Deine Akzeptanz trifft es genau! Sehen, was ist, nichts verstecken, nur aufräumen, wo es wehtut.

  • Majjhima Nikāya 5, Anaṅgaṇa Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 29. August 2026 um 08:53

    „Freunde, man findet diese vier Arten von Personen in der Welt. Welche vier? Da versteht jemand, der einen Makel hat, nicht der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe einen Makel in mir.‘ Da versteht jemand, der einen Makel hat, der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe einen Makel in mir.‘ Da versteht jemand, der keinen Makel hat, nicht der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe keinen Makel in mir.‘ Da versteht jemand, der keinen Makel hat, der Wirklichkeit entsprechend: ‚Ich habe keinen Makel in mir.‘“


    In dieser Rede geht es um etwas, das jeder von uns kennt: den eigenen Schmutz. Der Buddha beschreibt vier Leute. Zwei haben einen Fleck auf der Schüssel, zwei sind sauber.

    Derjenige, der seinen Dreck kennt, ist demjenigen, der seinen Dreck nicht kennt, haushoch überlegen. Auch wenn beide denselben Fehler in sich tragen.

    Wer nicht sieht, was in ihm vorgeht, wird nie auf die Idee kommen, es wegzuwischen. Der Dreck bleibt liegen, zieht noch mehr Dreck an. Wie eine dreckige Bronzeschüssel, die man in die staubige Ecke stellt. Man lässt sie liegen, und mit der Zeit wird sie nur noch schlimmer.

    Wer aber hinschaut und sagt: „Ja, da ist was“, der hat die entscheidende Hürde genommen. Dieses Eingeständnis ist keine Schwäche. Es ist der erste Atemzug. Die Energie zum Aufräumen stellt sich dann von ganz alleine ein.

    Das größte Hindernis ist die Illusion, rein zu sein, während man verdreckt ist. Wer die Wahrheit über sich selbst sieht, der stirbt nicht in diesem Irrglauben. Ihm wird klar, dass es nicht darum geht, perfekt zu sein. Es geht darum, wach zu sein für das, was gerade in einem vorgeht. Dieses klare Sehen ist der eigentliche Reinigungsprozess. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 28. August 2026 um 17:18

    Samadhi1876

    Das ist ein tiefer Schmerz, von dem die Antwort spricht. Dieses Gefühl, nicht in Ordnung zu sein. Nicht geliebt. Nicht verstanden.

    Doch wer den Pfad wirklich geht, sieht es anders.

    Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit ist nichts anderes als ein weiterer Zustand im Geist. Er kommt. Er geht. Er ist nicht du.

    Die feste Zuflucht liegt nicht darin, von anderen geliebt oder verstanden zu werden. Diese Sicherheit bröckelt. Sie ist nicht beständig.

    Die wahre Sicherheit ist das Vertrauen in den eigenen Übungspfad. Dieses Vertrauen braucht keine Bestätigung von außen.

    Deine Selbstprüfung (diese sieben Punkte) das ist der Weg. Du prüfst dein Verhalten. Deine Worte. Deine Gedanken. Du fragst: Passt das zu dem, was ich als richtig erkannt habe?

    Wenn du das ehrlich tust, wirst du ruhig. Der Ärger über den anderen verliert seinen Halt. Du musst ihn nicht überzeugen. Du musst ihn nicht ändern.

    Du beobachtest. Du prüfst dein eigenes Herz. Und wenn dein Herz in dieser klaren Ausrichtung steht, ist das genug.

    Die Eintracht entsteht von selbst. Sie muss nicht erkämpft werden. Die Erwartungen an andere fallen ab. Sie sind überflüssig.

    Du hast noch Gefühle. Du hast noch Wünsche. Aber du siehst sie. Du hältst sie nicht mehr für das, was du bist.

    Du bist nicht das Gefühl der Unzulänglichkeit

    Du bist der, der es bemerkt!

    In diesem Bemerken liegt die Freiheit. Und diese Freiheit ist deine eigene, unabhängige Wirklichkeit.

    Darauf kommt es an. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 27. August 2026 um 18:26

    biophil

    Du hast mir einen guten Spiegel vorgehalten. Ja, das Forum ist ein Abbild des üblichen Treibens. Wer hier schreibt, sucht meist Bestätigung oder kämpft für seine Version der Wahrheit. Auch ich.

    Die Frage vom Geierberg nehme ich ernst. Predigen tue ich gerne, das gebe ich zu. Aber das Prüfende ist für mich nicht der Inhalt meiner Worte, sondern der Zustand, aus dem sie kommen. Wenn ich deinen Beitrag lese und sofort eine innere Verteidigung aufbaue, habe ich das Sutta nicht verstanden. Wenn ich ihn lese und einfach sehe, was er ist (ein ehrlicher Hinweis aus einem anderen Kopf), dann passt es.

    Du sagst, du nutzt mehrere Accounts und schiebst deine Ansichten. Das finde ich erfrischend offen. Nur, wem nützt das? Deiner Klarheit oder deinem Ehrgeiz? Diese Frage stelle ich mir bei mir genauso. Ich prüfe mein Schreiben hier nicht auf Wirkung nach außen, sondern darauf, ob es mich innerlich ruhiger oder unruhiger macht.

    Die verdeckten Kämpfe, die du ansprichst, existieren. Sie sind das Material. Meine Aufgabe als Mod ist nicht, darüber zu stehen. Das wäre Hochmut. Meine Aufgabe ist, sie bei mir zu erkennen, sobald sie aufsteigen. Du hast mich nicht getroffen mit deinem Hinweis. Du hast mich an meine eigene Übung erinnert. Dafür danke ich dir.

    Was deine Ansichten betrifft...sie sind deine Übung. Meine Übung ist, sie wirken zu lassen, ohne sie vereinnahmen zu wollen. Wenn wir beide das schaffen, gibt es hier keinen Streit, den wir schlichten müssten. Auch ohne Versöhnungsrituale. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 26. August 2026 um 21:18

    biophil

    Ob es um kleine Angelegenheiten oder um die Lehre selbst geht..der Ursprung jedes Streits ist das Festhalten an der eigenen Ansicht und dem Gefühl eines „Ich“.

    Die Kosambi-Mönche gaben beim Essen nach. Das war äußerer Zwang. Der Buddha lehrte sie die Prüfung des eigenen Geistes. Diese Prüfung gilt immer, nicht nur bei Streit.

    Der Buddha tadelte Sati. Das geschah nicht aus persönlicher Kränkung. Ein Erwachter hat kein Ego zu schützen. Er zeigte Sati den Irrtum auf, um ihn vor Leid zu bewahren. Das ist Klarheit und Mitgefühl.

    Wenn ma die sieben Punkte bei sich ehrlich prüft, erkennt man, das Problem sitzt im eigenen Anhaften, nicht im Gegenüber. Ob klein oder groß..dieser Maßstab bleibt gleich. Dann wird selbst ein klares Wort zur Hilfe, nicht zum Angriff. 🙏

  • Majjhima Nikāya 48, Kosambiya Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 26. August 2026 um 19:42

    „So habe ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kosambi, in der Gartenstiftung. Zu jener Zeit nun war unter den Mönchen von Kosambi Zank und Streit ausgebrochen, sie haderten miteinander und scharfe Wortgefechte fanden statt. Sie konnten sich nicht versöhnen und wiesen eine Versöhnung ab, sie konnten sich nicht verständigen und blieben der Verständigung unzugänglich.“


    Ich habe mir diese Geschichte immer als einen Spiegel für den eigenen Kopf vorgestellt. Da streiten sich Mönche in Kosambi, wer jetzt die bessere Regelauslegung hat, und die ganze Zeit fliegen nur Vorwürfe hin und her. Der Buddha kommt dazu und sagt im Grunde: Hört auf, euch gegenseitig zu zerlegen. Es geht nicht darum, wer Recht hat.


    Für mich fällt bei diesem Sutta alles an dem Punkt zusammen, den ich immer wieder in Gedanken prüfe. Wenn ich auf einen anderen treffe, besonders wenn einer mir auf den Keks geht, dann schaue ich nicht auf seine Fehler. Die Frage ist, was tue ich gerade? Ist meine Handlung, mein Wort, mein Gedanke gerade mit einem freundlichen Hintergrund versehen? Und zwar nicht nur, wenn alle zuschauen, sondern auch, wenn keiner hinschaut. Das ist für mich der große Test.


    Der Buddha nennt diese sechs Punkte.

    Wenn ich mit jemandem zusammenlebe oder zusammenarbeite, und mein Verhalten ist offen oder versteckt von einer wohlwollenden Grundhaltung getragen, dann kann der Streit gar nicht erst so richtig Wurzeln schlagen. Wenn mir das nicht gelingt, weiß ich, dass ich noch nacharbeiten muss.


    Und dann kommt dieser Teil mit den sieben Dingen, an denen man sich selbst prüft. Das ist für mich der entscheidende Knackpunkt. Ich checke mich selber. Habe ich dieses innere Vertrauen in die klare Ausrichtung der Lehre? Passt mein Verhalten zu dem, was ich für richtig halte?

    Wenn ich das ehrlich bei mir durchgehe, dann merke ich oft, dass der Ärger über den anderen nur ein lauter Ablenker ist. Die eigentliche Baustelle bin immer ich selbst. Wer das einmal klar gesehen hat, der verschwendet keine Energie mehr damit, den anderen von seiner Sicht überzeugen zu wollen. Das ist reine Zeitverschwendung. Lieber schaue ich, dass meine eigenen sieben Punkte stimmen. Dann findet sich die Eintracht von ganz alleine, ohne dass ich dafür kämpfen müsste. 🙏

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 22:10

    Igor07

    Das habe ich auch lange durchdacht. Der Widerspruch ist scheinbar, aber er sitzt tief, weil der Verstand nach einem Anker sucht.

    Der Gandhabba im MN 38 – wenn Analayo recht hat und es eine Anspielung auf die brahmanische Vorstellung eines feinstofflichen Wesens ist – dann verwendet der Buddha hier ein vertrautes Bild, um es zu entleeren. Er sagt nicht: "Da ist etwas, das rübergeht." Er sagt: "Diese drei Bedingungen müssen zusammenkommen." Die dritte Bedingung ist das sich einstellende Bewusstsein für diese Empfängnis. Das ist kein Wanderer, das ist ein Ereignis. Die Bedingte Entstehung wird dadurch nicht verletzt, sie wird bestätigt: Mit dem Begehren als Grundlage stellt sich das erneuerte Dasein ein. Es braucht keinen Träger, weil es keine Übertragung gibt, nur eine nächste Bewegung.

    Die Bardo-Lehren des tibetischen Buddhismus sind eine detailliertere Landkarte dieses Zwischenraums, entstanden aus späterer Erfahrung und systematischer Ausarbeitung. Die Pali-Texte zeichnen das Bild oft unmittelbarer, als augenblickliche Anknüpfung. Beide Beschreibungen sind Erklärungsmodelle für etwas, das sich der gewöhnlichen Wahrnehmung entzieht.

    Der Übersetzer von Ajahn Payutto hat recht, wenn er sagt, es sei für die Praxis nicht notwendig. Das ist nicht dasselbe wie falsch oder unwichtig. Es ist eine Frage der Gewichtung. Wer den Fuß auf den Pfad setzt, hat die Richtung sicher. Die exakte Beschreibung des Horizonts ändert nichts an den Schritten, die jetzt zu tun sind. Das Buddhistische Seminar mag diesen Horizont als bewiesene Tatsache behandeln – das ist ihr Übungsstil, ihre Art, Dringlichkeit zu erzeugen. Andere lassen es offen und bleiben beim unmittelbaren Vergehen und Entstehen im Hier.

    Für einen, der die Ich-Vorstellung durchschaut hat, löst sich der Druck, diese Frage beantworten zu müssen, von selbst. Das Vertrauen in den Buddha schließt ein, dass das, was er über den Kreislauf gesagt hat, stimmt, auch wenn die feinen Mechanismen im Dunkeln bleiben.

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 21:01

    biophil

    Du triffst den Kern. Die Kritik sitzt, denn die Analogien sind nur Hilfsmittel!

    Der fehlende Kontakt ist genau der Punkt. Der Buddha spricht nicht von einer Übertragung, sondern von einer Bedingung. Zwischen dem letzten Bewusstseinsmoment im Sterben und dem ersten im neuen Dasein gibt es keine messbare Brücke, keinen "Kontakt" im physikalischen Sinne. Die Bedingung ist eine zeitliche Abfolge, keine räumliche. Wie ein Samen, der zur Pflanze wird: Es wandert kein "Samen" hinüber, nur die Kausalität setzt sich fort.


    Was die Zählung betrifft: Du hast recht, dass "sieben Leben" nach einem Träger verlangt. Die Lehre spricht hier in konventioneller Sprache, um Orientierung zu geben. Der Sotapanna hat den Dünkel der Ich-Vorstellung abgelegt, aber die Anhaftungen wirken weiter. Diese maximale Anzahl sagt nichts über ein Subjekt aus, sie beschreibt die Reichweite des noch unausgegorenen Begehrens. Der Pfeil ist abgeschossen, die Flugbahn ist abzählbar, ohne dass ein "Schütze" fliegt.

    Die scheinbare Zerrissenheit zwischen Anatta und Wiedergeburt löst sich auf, wenn du beides als Prozess siehst, nicht als Ding. Die Frage "Wer wird wiedergeboren?" ist falsch, weil sie nach einem Besitzer fragt. Die Frage "Wie viele Leben?" ist eine Annäherung in Begriffen, die der Verstand fassen kann, bis er sie ebenfalls fallen lassen kann. 🙏

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 20:15

    biophil

    Das ist der Punkt, an dem der Verstand kapitulieren möchte. Dieses Unbehagen ist sogar ein gutes Zeichen, es zeigt, dass die gewohnte Denkweise ins Wanken kommt.

    Du kennst den folgenden Vergleich wahrscheinlich: Stell dir eine Flamme vor. Die Flamme dieser Kerze ist nicht identisch mit der Flamme der nächsten Kerze, wenn du sie anzündest. Trotzdem ist sie nicht völlig losgelöst davon. Es wandert kein Feuerstoff hinüber, es gibt keinen Träger der Flamme. Die Bedingung setzt sich fort, das ist alles.


    Genau so läuft es mit diesem sogenannten Kontinuum, den fünf Anhaftungsmassen. Der letzte Geistesmoment im Sterben ist die unmittelbare Bedingung für den ersten Geistesmoment im neuen Dasein. Das ist keine Übertragung eines Ichs, das ist reine Ursache-Wirkung, wie das Weiterrollen einer Billardkugel nach dem Anstoß.


    Die Zählung der sieben, einen oder null Leben beschreibt keinen göttlichen Zuordnungsprozess. Ein Sotapanna hat die Wurzel der Ich-Vorstellung durchtrennt. Was übrig bleibt, ist die Schwungmasse der Anhaftungen, die noch abklingt. Das ist wie bei einem Baum, dessen Stamm durchsägt ist. Er fällt, aber die Zweige berühren vielleicht noch den Boden, bevor sie ganz zur Ruhe kommen. Sieben Leben sind die maximale Reichweite dieser abklingenden Bewegung.


    Die Zuordnung erfolgt an den Grad der noch vorhandenen Fesselung. Wer einmal den Fehlschluss der Identität durchschaut hat, erkennt, dass die Frage "Wer wird wiedergeboren?" eine falsche Frage ist. Es ist das Begehren selbst, das sich fortsetzt, solange es nicht vollständig aufgelöst ist. Die Erkenntnis von Anatta und der Kreislauf der Wiedergeburt sind zwei Seiten derselben Medaille, kein Widerspruch.

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 19:45

    Igor07

    Das Hier und Jetzt ist der Prüfstand. Die Wiedergeburt ist nichts anderes als die Fortsetzung dieses Greifens. Solange das "Ich bin" nicht versiegt, trägt man den Samen weiter. Für die Übung bleibt alles beim Alten: Achtsamkeit auf das, was gerade ist. 😊

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 19:18

    Sodann

    Die Frage ist berechtigt, denn das Wort „Schulung“ wirkt erstmal abstrakt, fast akademisch. Im Theravada, so wie ich es sehe und lebe, teilt sich das tägliche Einüben in zwei Stränge, die sich gegenseitig stützen. Der eine ist die formelle Zeit auf dem Kissen oder beim Gehen. Der andere ist das, was in den Zwischenräumen passiert.


    Am Morgen gibt es bei vielen die Rezitation der Pali-Texte. Das sind keine Gebete im Sinne von Bitten an eine äußere Macht. Man spricht die Zuflucht zu Buddha, Dhamma und Sangha und die fünf Übungsregeln. Das ist wie das Einschärfen der Grundrichtung für den Tag. Die Niederwerfungen sind eine Geste, um den eigenen Hochmut abzulegen und sich an die Qualitäten des Erwachten zu erinnern. Diese Formeln wirken auf den Geist wie ein Schleifstein, sie beruhigen und klären.


    Das Kernstück ist die Meditation. Meistens sitzt man und verfolgt den Atem, oder man richtet die Aufmerksamkeit auf die Empfindungen im Körper, etwa die Bewegung des Bauches beim Ein- und Ausatmen. Im Wechsel dazu gibt es die Gehmeditation, wo man Schritt für Schritt die einzelnen Bewegungsphasen wahrnimmt. Das ist kein stures Verharren. Es ist das genaue Kennenlernen der eigenen körperlichen und geistigen Vorgänge.


    Der zweite Strang ist die alltägliche Achtsamkeit. Das hört nicht mit dem Aufstehen vom Kissen auf. Beim Essen schaut man auf die vier Bestandteile, auf den Geschmack und das Verlangen danach. Beim Öffnen einer Tür spürt man die Berührung. Wenn ein scharfer Ton oder ein unangenehmer Geruch kommt, merkt man, wie sich sofort ein Gefühl von Ablehnung oder Ziehen bildet. Dieses beständige Hinschauen in jeder Körperhaltung ist die eigentliche Übung. Die Rezitationen am Abend dienen dann dem Zurückschauen und dem Loslassen des Erlebten.


    Was den Unterschied zum Zen betrifft: Die formellen Methoden können sich unterscheiden, etwa beim Sitzen oder beim Umgang mit Koans. Das Grundprinzip ist aber verwandt. Im Theravada liegt der Akzent sehr stark auf der kontinuierlichen Unterscheidung der Geistesfaktoren in jedem Augenblick. Man zerlegt die Erfahrung in ihre Teile, um das "Ich" darin nicht mehr zu finden. Das tägliche Brot ist die klare Erkenntnis, dass jedes Auftauchen wieder verschwindet.


    Diese ganzen Handlungen (Rezitieren, Sitzen, Gehen, Beobachten beim Essen) sind nicht die Ursache für das Erwachen. Sie sind der Boden, auf dem die Einsicht von selbst wächst. Die Besinnung, von der der Buddha spricht, ist die Aufpasserin, die dafür sorgt, dass kein Bereich des Tages unbewacht bleibt. Wer das so übt, stellt fest, dass das Loslassen kein Ziel für später ist. Es zeigt sich im selben Moment, in dem man eine unangenehme Empfindung einfach nur kommen und gehen lässt, ohne dagegen anzukämpfen. Das ist täglich greifbar. Die Sicherheit, die der Text verspricht, kommt nicht aus dem Glauben, sie kommt aus diesem immer wiederholten, nüchternen Hinsehen. Es läuft darauf hinaus: Man macht sich die Mühe, sich immer wieder neu auszurichten, und die Ergebnisse stellen sich wie von selbst ein. 🙏

  • Unwissenheit beseitigen

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 10:13
    biophil:

    Also nicht „Banane“ sondern reinbeissen?

    Ja, genau! Die Banane, das sind die Konzepte, die Texte, das Wissen im Kopf. Reinbeissen ist der direkte Geschmack auf der Zunge, die Textur im Mund, das echte Spüren.


    Wenn du nur über das „Ich“ liest, hältst du die Banane in der Hand. Wenn du im nächsten Geräusch den automatischen Impuls des „mein“ direkt bemerkst, beisst du hinein. Dieses reine Erleben braucht keine weitere Erklärung. Es zeigt sich von selbst.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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