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  1. Buddhaland Forum
  2. Hue32

Beiträge von Hue32

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • Hue32
    • 27. Juni 2026 um 13:31

    Ich kenne Buddhaland seit vielen Jahren. Mein Eindruck war früher, dass der Diamantweg dort einen deutlich stärkeren Einfluss hatte. Es gab mehrere Moderatoren oder sehr aktive Nutzer, die Ole Nydahl ausgesprochen loyal gegenüberstanden. Kritische Diskussionen wirkten dadurch häufig unausgewogen. Heute empfinde ich das Forum als wesentlich differenzierter. Es gibt mehr Raum für unterschiedliche Sichtweisen, und das halte ich für eine positive Entwicklung.

    Gerade der Diamantweg hat aus meiner Sicht über Jahre versucht, seine Außendarstellung sehr aktiv zu steuern. Tenzin Peljor hat immer wieder darauf hingewiesen, dass Kritik häufig nicht mit Argumenten beantwortet wurde, sondern mit Gegenkampagnen, juristischen Schritten oder einer starken Präsenz im Internet. Auch die umfangreiche Online-Kommunikation des Diamantwegs und die Auseinandersetzungen um Wikipedia und andere Plattformen wurden vielfach diskutiert.

    Das eigentliche Problem sehe ich jedoch nicht in einzelnen Internetdebatten, sondern in der Kultur des Diamantwegs. Aus meiner Sicht entstand dort ein starkes Wir-und-die-Denken: Wer Ole Nydahl kritisierte, galt schnell als Gegner. Das widerspricht für mich dem buddhistischen Ideal, Kritik offen zu prüfen und den Dharma über die Loyalität zu einer einzelnen Person zu stellen.

    Deshalb halte ich Tenzin Peljors Arbeit für wichtig. Man muss nicht jede seiner Schlussfolgerungen teilen, aber er hat viele problematische Entwicklungen dokumentiert und eine Diskussion angestoßen, die lange vermieden wurde. Die Auseinandersetzung sollte sich am Dharma orientieren – nicht an der Verteidigung einer charismatischen Persönlichkeit.

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • Hue32
    • 27. Juni 2026 um 13:22

    Mein Hauptproblem mit Ole Nydahl ist sein Sozialverhalten und das Vorbild, das er als Lama abgegeben hat. Ein Lama sollte den Dharma durch Mitgefühl, Bescheidenheit, Geduld und achtsame Rede verkörpern. Gerade darin sehe ich bei Ole Nydahl erhebliche Defizite. Seine wiederholten provokativen und polarisierenden Äußerungen, insbesondere über Muslime und Kritiker, sowie der konfrontative Umgang mit abweichenden Meinungen stehen für mich im Widerspruch zu den ethischen Idealen eines buddhistischen Lehrers. Diese Kritik wurde nicht nur von Tenzin Peljor, sondern auch von Religionswissenschaftlern und anderen buddhistischen Stimmen geäußert.

    Hinzu kommt aus meiner Sicht eine starke Personenzentrierung. Wo sich im Buddhismus eigentlich alles um den Dharma drehen sollte, entstand häufig der Eindruck, dass Loyalität gegenüber Ole Nydahl und seiner Organisation im Vordergrund stand. Kritik wurde oft als Angriff verstanden, anstatt sie als Anlass zur Selbstreflexion zu nutzen. Das halte ich für problematisch und mit der Rolle eines spirituellen Lehrers schwer vereinbar.

    Ich spreche Ole Nydahl seine Anerkennung als Lama innerhalb seiner Linie nicht ab. Aber gerade deshalb messe ich ihn an den Maßstäben, die an einen Lama gestellt werden. Und an diesen Maßstäben – Mitgefühl, Demut, Selbstbeherrschung und verantwortungsvolles Sozialverhalten – fällt mein Urteil deutlich kritisch aus.

  • Meister Linji: Vertrauen & Glaube

    • Hue32
    • 25. Juni 2026 um 09:30

    Qualia

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe. Für mich klingt es so, als würdest du sagen, dass Begriffe wie „Essenz“, „Leerheit“ oder „Nirvana“ keine feststehende, eigenständige Bedeutung besitzen und dass gerade die Suche nach einer letzten, absoluten Bedeutung leicht zu Missverständnissen führt.

    Was ich mich dabei frage: Wenn diese Begriffe völlig ohne Bedeutung wären, wie könnten sie dann überhaupt auf etwas hinweisen oder im Dharma verwendet werden? Der Buddha hat Begriffe ja durchaus benutzt, um bestimmte Einsichten zu vermitteln. Vielleicht liegt der Unterschied eher darin, dass Begriffe nicht als absolute Wahrheiten verstanden werden sollten, ohne deshalb bedeutungslos zu sein.

    Deshalb würde ich sagen: Begriffe sind nützliche Hilfsmittel, aber nicht das, worauf sie verweisen. Problematisch wird es erst, wenn man sie verdinglicht und ihnen eine feste, unabhängige Existenz zuschreibt.

    So verstehe ich jedenfalls die frühen Lehrreden. Vielleicht meinst du aber auch etwas anderes.

  • Meister Linji: Vertrauen & Glaube

    • Hue32
    • 25. Juni 2026 um 02:04
    Sayitingerman:
    Qualia:
    SWAN:

    Linji sagt:

    "Alles, worauf dieser Bergmönch hinweisen will, ist dies: Lasst euch nicht von Anderen täuschen! Wenn ihr handeln wollt, dann handelt einfach! Lasst euch durch nichts einschüchtern! Ihr Schüler kapiert das heutzutage einfach nicht. Was ist das für eine Krankheit? Die Krankheit ist ein Mangel an Selbstvertrauen. Wenn euer Glaube nicht ausreicht, werdet ihr weiter wie Verwirrte umherlaufen. Egal, wie die Umstände sind, ihr werdet dann von Anderen kontrolliert und geführt. So werdet ihr keine Feiheit finden."

    Linji meint: Hör auf, dich von Autoritäten, Traditionen, Lehrern oder Meinungen einschüchtern zu lassen. Wenn du etwas tun willst, dann tu es. Wenn du etwas siehst, dann steh dazu.

    Das Problem, das er beschreibt, sind Selbstzweifel. Nicht metaphysisch, sondern als Funktion: Du weißt eigentlich, was Sache ist – aber du traust deiner eigenen Beobachtung nicht.

    SWAN:

    "Wollt ihr die Buddhas und Patriarchen kennenlernen? Sie sind von euch, die ihr hier vor mir seid un dem Dharma lauscht, nicht verschieden. Weil ihr Dharma-Schüler nicht genug Vertrauen in euch selbst habt, sucht ihr außerhalb. Selbst wenn ihr dabei etwas fändet, wäre das nur eine Annäherung in geschriebenen Worten. Den lebendign Geist der Patriarchen werdet ihr auf diese Weise nie erfahren."

    Das ist kein spirituelles Kompliment. Es ist eine Beschreibung: Sie hatten keinen besonderen Geist. Keine höhere Ebene. Keine geheimen Kräfte.

    Der einzige Unterschied: Sie haben ihrer eigenen Beobachtung vertraut.


    Du suchst im Außen – in Texten, in Systemen, in Traditionen. Aber alles, was du dort findest, sind Worte, also Annäherungen. Nicht die Sache selbst.

    Der „lebendige Geist“ ist nichts Mystisches. Es ist schlicht: direktes Sehen ohne Verwechslung.

    Alles anzeigen

    Sie müssten doch verstehen, dass der Text selbst, die Worte selbst, in sich, pure Essenz beinhalten. Sowie alle Masse Nirvana ist.

    Alles anzeigen

    Sayitingermans Beitrag klingt zunächst tiefgründig, sagt aber bei genauerem Hinsehen kaum etwas Konkretes aus. Wenn alles „pure Essenz“ ist, alle Interpretationen „pur“ sind und ohnehin „alles schon leer“ ist, dann wird jede Unterscheidung bedeutungslos. Damit verliert Sprache ihren Erkenntniswert.
    Gerade Linji war jedoch bekannt dafür, Anhaftungen an Begriffe, Konzepte und metaphysische Spekulationen zu zerschlagen. Er forderte unmittelbare Einsicht, nicht das Produzieren immer neuer abstrakter Formeln.
    Die Aussage „alle Interpretationen sind in ihrer Essenz pur“ macht jede Interpretation automatisch richtig. Damit könnte man Wahrheit und Irrtum, Weisheit und Verblendung, Buddhadharma und Unsinn nicht mehr unterscheiden. Das widerspricht dem buddhistischen Pfad, der ausdrücklich zwischen rechter und falscher Sicht unterscheidet.
    Auch die Behauptung, die Worte selbst enthielten „pure Essenz“, steht im Widerspruch zu vielen buddhistischen Texten. Worte gelten dort als Finger, die auf den Mond zeigen – nicht als der Mond selbst. Wer den Finger für den Mond hält, verfehlt gerade die direkte Erkenntnis.
    Deshalb wirkt der Beitrag weniger wie eine Erklärung von Linji und mehr wie eine Ansammlung spirituell klingender Schlagworte. Begriffe wie „Essenz“, „Leerheit“ und „Nirvana“ werden verwendet, ohne klar zu zeigen, was sie konkret bedeuten oder wie sie sich auf Linjis Aussage beziehen. Dadurch entsteht der Eindruck von pseudotiefer Mystifizierung statt einer nachvollziehbaren Darlegung des Dharma.

  • Stupa als Schutz

    • Hue32
    • 24. Juni 2026 um 19:32
    KarmaHausmeister:

    Ich habe heute eine Frage an tib. Buddhistinnen und Buddhisten: Meines Wissens war die Funktion einer Stupa ursprünglich, Reliquien aufzubewahren. Hinzu kamen schnell symbolische und rituelle Bedeutungen. Die Spitze etwa soll Buddha symbolisieren, die Kuppel den Dharma.

    Ist Euch in irgendeinem Zusammenhang bekannt, dass eine Stupa als Schutz des Landstriches in dem sie errichtet ist vor äusseren Feinden dienen soll?

    Ich kenne die Idee, dass Stupas „zum Schutz eines Landes vor äußeren Feinden“ errichtet würden, ausschließlich aus Aussagen von Ole Nydahl.

    In meinem Verständnis der buddhistischen Tradition – und so habe ich es auch gelernt und erlebt – erfüllen Stupas eine andere Funktion: Sie sind in erster Linie heilige Stätten, die Reliquien beherbergen oder symbolisch den Weg zur Erleuchtung darstellen. Das Umrunden einer Stupa dient dabei vor allem dazu, positives Karma anzusammeln und den Geist zu sammeln.

    Ich selbst war im Sommer im EC-Zentrum des Diamantwegs und habe dort auch die Stupa umrundet. Dabei hatte ich jedoch nie den Gedanken, dass es um einen „Schutz vor muslimischen Invasoren“ oder ähnliches gehen würde. Für mich war es ein meditativer, spiritueller Akt im klassischen Sinn des Buddhismus.

    Deshalb wirkt diese spezifische Schutz-Deutung für mich eher wie eine sehr besondere Interpretation, die ich außerhalb dieser Aussagen nicht als Teil der allgemeinen buddhistischen Lehre kenne.

  • Wie viel muss man gelesen haben?

    • Hue32
    • 24. Juni 2026 um 19:15

    Was mir beim Einstieg sehr geholfen hat, war das Majjhima Nikāya (Mittlere Sammlung). Ich habe mir dafür tatsächlich ungefähr ein Jahr Zeit genommen und die Suttas Schritt für Schritt gelesen.
    Ein wichtiger Punkt für mich war dabei auch: Das Majjhima Nikāya gehört zu den ältesten überlieferten buddhistischen Texten überhaupt und ist Teil des frühen Pāli-Kanons (Theravāda-Tradition). Damit hat man es nicht mit späteren Auslegungen oder Kommentaren zu tun, sondern mit sehr frühen Lehrreden, die dem zugeschrieben werden, was historisch als Kern der Buddha-Lehre überliefert wurde.
    Gerade deshalb hat es mir als eine Art Grundgerüst geholfen. Viele spätere buddhistische Schulen und Entwicklungen bauen in irgendeiner Form auf diesen frühen Texten auf oder beziehen sich zumindest darauf. Wenn man diese Grundlage kennt, kann man spätere Interpretationen, Konzepte oder Traditionen viel besser einordnen.
    Für mich war das besonders wertvoll, weil die Texte sehr direkt und praxisnah sind. Man bekommt ein relativ klares Bild davon, worum es im Kern geht – ohne sofort in komplexe philosophische Systeme oder Schulrichtungen einzutauchen.
    Deshalb würde ich sagen: Das Majjhima Nikāya ist kein „kompletter Überblick über den Buddhismus“, aber ein sehr solides Fundament, um spätere Lehren überhaupt sinnvoll einordnen zu können.

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • Hue32
    • 24. Juni 2026 um 17:59

    Ich kann die ständigen Versuche, jede Kritik an Ole Nydahl als Missverständnis oder Einzelfall darzustellen, ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Wäre es nur eine einzelne unglückliche Aussage gewesen, würde ich das anders sehen. Aber die Kritik basiert für viele eben nicht auf einem einzigen Vorfall, sondern auf einem über Jahre hinweg erkennbaren Muster von Aussagen und Verhaltensweisen.

    Ich war selbst viele Jahre im Diamantweg aktiv und habe die Entwicklung nicht nur aus der Ferne verfolgt. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, dass auch kritische Stimmen gehört werden. Niemand muss meine Einschätzung teilen, aber Kritik pauschal abzuwerten, ohne sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, führt aus meiner Sicht nicht weiter.

    Am Ende sollte jeder die Möglichkeit haben, sich anhand der verfügbaren Informationen selbst ein Bild zu machen. Wer zu dem Schluss kommt, dass die Kritik unbegründet ist, kann das gerne so sehen. Ich persönlich bin nach meinen Erfahrungen und den öffentlich bekannten Aussagen zu einer anderen Einschätzung gelangt, und die ist nicht über Nacht entstanden, sondern über viele Jahre hinweg.

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • Hue32
    • 24. Juni 2026 um 17:43

    Dass du dich jetzt so vehement an der Form aufhängst und dich an dem Wort „KI“ abarbeitest, ist eine klassische Ablenkungstaktik. Gut, du hast dich vielleicht nicht exakt in dieser Sekunde für diesen Thread registriert und hast schon ein paar Beiträge auf dem Zähler – aber das Muster bleibt doch dasselbe: Kaum legt man den Finger in die Wunde des Diamantwegs, wird sofort versucht, den Boten zu diskreditieren, anstatt über den Inhalt zu sprechen.

    Die KI hat hier doch nur als unvoreingenommener Spiegel gedient. Sie hat völlig emotionslos das zusammengefasst, was die Faktenlage im Netz ist: Die systematische Perversion von spirituellen Konzepten wie „Crazy Wisdom“ für Grenzüberschreitungen, die jahrelange Kritik und der DBU-Austritt wegen Ole Nydahls rechtspopulistischer Islam-Sprüche. Das sind keine Erfindungen von mir oder einer Maschine, das ist dokumentierte Realität.

    Anstatt dich also an der Entstehung des Textes abzuarbeiten oder mir „Häme“ zu unterstellen (weil ich die bekannte rechtliche Aggressivität des Diamantwegs beim Namen nenne), beantworte doch mal die eigentliche Frage:

    Wie rechtfertigt man diese offensichtlichen Verfehlungen heute immer noch? Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wer ablenkt, um nicht über die Inhalte reden zu müssen, zeigt im Grunde nur, wie unangenehm ihm das Thema ist.

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • Hue32
    • 24. Juni 2026 um 17:34
    Sayitingerman:

    Für diesen Beitrag wurde Wasser veschwendet.


    https://help.openai.com/en/articles/83…-tell-the-truth


    Diese Informationen schaut man sich besser selbst an und macht sich ein Bild und fragt nicht Ki, diese ist nämlich äußerst fehleranfällig und ungenau.

    Es ist wohlgemerkt provokant formuliert. Ich erkenne die Fehlinformation nur nicht.

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • Hue32
    • 24. Juni 2026 um 17:06

    Was KI heute über Nydahl denkt bezogen auf seine verfehlungen und freudig in Erwartung auf klagen durch die Diamantweg Organistation. Hier der kontroverse KI Beitrag und eure Gedanken.


    1. Das Konzept der „Verrückten Weisheit“ und sexuelle Beziehungen

    Ole Nydahl war kein zölibatärer Mönch, sondern verstand sich selbst als „Yogi“. Er und seine verstorbene Frau Hannah lebten in den 1960er und 70er Jahren einen extremen Hippie-Lebensstil (inklusive Drogenexperimenten und Schmuggelerfahrungen), bevor sie zum Buddhismus fanden.

    Die Kritik: Nydahl war dafür bekannt, offen und gleichzeitig sexuelle Beziehungen mit zahlreichen wechselnden Schülerinnen und Anhängerinnen zu pflegen (teils parallel).

    Der Kontext: In manchen Traditionen des tibetischen Vajrayana-Buddhismus gibt es das Konzept der „Verrückten Weisheit“ (Crazy Wisdom), bei dem Lehrer gesellschaftliche Tabus und Konventionen brechen, um den Geist der Schüler zu provozieren. Kritiker und Aussteiger warfen ihm jedoch vor, dieses spirituelle Konzept als Deckmantel zu missbrauchen, um ein problematisches, ausbeuterisches und narzisstisches Sexualverhalten innerhalb seiner Organisation zu legitimieren.

    2. Politische Radikalisierung und Islamfeindlichkeit

    Ein weiterer Punkt, der von Kritikern oft als „Verdrehung“ oder „Perversion“ der eigentlichen buddhistischen Lehre von Mitgefühl und Friedfertigkeit gewertet wird, ist Nydahls politische Haltung.

    Er fiel über Jahre hinweg durch scharfe, pauschalisierende und aggressive Äußerungen gegen den Islam und Muslime auf (z. B. Warnungen vor einer „Überfremdung“, abwertende Kommentare über die Kultur).

    Er traf sich mit Rechtspopulisten wie Geert Wilders und sprach Wahlempfehlungen für die AfD aus.

    Die Konsequenz: Wegen dieser anhaltenden Hetze geriet er in massiven Konflikt mit der Deutschen Buddhistischen Union (DBU). Um einem offiziellen Ausschlussverfahren wegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu entgehen, trat Nydahls Diamantweg-Dachverband 2019 schließlich selbst aus der Union aus.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: Während seine Anhänger ihn als charismatischen, modernen Befreier sahen, bewerteten Kritiker und traditionelle Buddhisten seine Verknüpfung von spiritueller Macht, freizügiger Sexualität und rechtspopulistischer Rhetorik als extremen Widerspruch (oder eben als „Perversion“) der klassischen buddhistischen Werte.

  • Polizei aus buddhistischer Sicht – notwendige Institution oder Ausdruck gesellschaftlicher Probleme?

    • Hue32
    • 31. Mai 2026 um 09:56

    Hallo zusammen,

    mich beschäftigt die Frage, wie ihr als Buddhisten oder buddhistisch Interessierte zur Polizei steht.

    Einerseits soll die Polizei Menschen schützen, Konflikte begrenzen und die Rechtsordnung aufrechterhalten. Andererseits ist sie Teil eines Systems, das mit Zwang, Strafen und notfalls auch Gewalt arbeitet.

    Wie betrachtet ihr das aus buddhistischer Sicht?

    Ist die Polizei für euch eine notwendige Institution in einer unvollkommenen Welt? Oder seht ihr darin eher ein Symptom gesellschaftlicher Ursachen wie Gier, Hass und Verblendung?

    Habt ihr persönliche Erfahrungen mit der Polizei gemacht, die eure Sicht geprägt haben – positive oder negative?

    Und wie würdet ihr mit Menschen umgehen, die in Konflikt mit Polizei oder Behörden geraten sind? Mit Ablehnung, Verständnis, Mitgefühl oder einer Mischung daraus?

    Mich interessieren sowohl eure persönlichen Erfahrungen als auch eure Gedanken aus Sicht der buddhistischen Lehre.

    Ich freue mich auf einen respektvollen Austausch.

  • Der Buddhist im Krieg

    • Hue32
    • 27. Mai 2026 um 08:29

    Mir fällt auf, dass viele Menschen den Buddhismus nur unter Idealbedingungen denken.

    Stille.

    Meditation.

    Räucherstäbchen.

    Friedfertigkeit.

    Aber die eigentliche Frage ist doch:

    Was bleibt von der Praxis übrig, wenn die Welt auseinanderfällt?

    Nicht der Buddhist im Retreat interessiert mich.

    Der ist einfach.

    Mich interessiert der Buddhist unter Beschuss. Der Buddhist in der Schlägerei. Der Buddhist, der gezwungen ist zu handeln, obwohl jede Handlung karmisches Gewicht trägt.

    Der historische Buddhismus war nie so naiv, wie westliche Wohlstandsromantik ihn manchmal darstellt.

    Natürlich gilt Ahimsa — Nichtverletzen — als hohes Ideal. Natürlich ist Hass ein Gift. Natürlich führt Töten karmisch in dunkle Bereiche des Geistes. Aber gleichzeitig existieren im Mahayana und Vajrayana auch Vorstellungen von „zornvoller“ oder „harter“ Handlung aus Mitgefühl heraus.

    Nicht aus Wut.

    Nicht aus Ego.

    Nicht aus sadistischem Genuss.

    Sondern weil Realität manchmal brutal ist.

    Im Mahayana gibt es die bekannte Geschichte eines Bodhisattvas, der einen Mörder tötet, um zu verhindern, dass dieser hunderte Menschen ermordet und dadurch unfassbares negatives Karma anhäuft. Entscheidend daran ist nicht die Gewalt selbst, sondern der Geisteszustand dahinter: keinerlei Hass, keinerlei persönliches Motiv, völlige Bereitschaft, die karmischen Konsequenzen selbst zu tragen.

    Das ist weit entfernt von gewöhnlicher Moral.

    Und genau hier wird es interessant.

    Denn viele Menschen glauben, Gewaltlosigkeit bedeute Passivität. Aber im Buddhismus ist Gleichmut nicht dasselbe wie Schwäche. Mitgefühl bedeutet nicht zwangsläufig, alles geschehen zu lassen.

    Wenn jemand Wehrlose angreift, kann Nichthandeln ebenfalls Ausdruck von Verblendung sein.

    Die schwierigste Frage lautet deshalb vielleicht nicht: „Darf ein Buddhist kämpfen?“

    Sondern: „Aus welchem Geist heraus handelt er?“

    Denn zwei Menschen können äußerlich exakt dieselbe Handlung ausführen und karmisch dennoch Welten voneinander entfernt sein.

    Der eine schlägt aus Hass.

    Der andere greift ein, ohne inneren Hass, aber mit absoluter Entschlossenheit.

    Im Vajrayana existieren nicht ohne Grund zornvolle Gottheiten und Schutzgestalten. Diese Figuren symbolisieren keine gewöhnliche Aggression, sondern kompromisslose, durch Mitgefühl motivierte Kraft. Eine Art kaltes Feuer, frei von persönlicher Feindseligkeit.

    Das klingt für viele paradox, weil moderne Menschen nur zwei Zustände kennen: friedlich oder aggressiv.

    Der Buddhismus kennt noch etwas Drittes: klare, harte Handlung ohne Hass.

    Und ich glaube, genau dort trennt sich spirituelle Theorie von echter Praxis.

    Jeder kann friedlich sein, solange keine Gefahr besteht. Aber wenn Angst auftaucht, wenn Chaos auftaucht, wenn Gewalt auftaucht, zeigt sich der tatsächliche Entwicklungsstand des Geistes.

    Kann man handeln, ohne vom Hass verschlungen zu werden?

    Kann man kämpfen, ohne innerlich zum Tier zu werden?

    Kann man Stärke zeigen, ohne daraus Identität zu machen?

    Denn Krieg verändert Menschen. Gewalt verändert Menschen. Schlägereien verändern Menschen. Das Nervensystem verändert sich. Der Geist verändert sich. Genau deshalb warnten buddhistische Traditionen immer davor, Gewalt zu romantisieren — selbst dann, wenn sie notwendig erscheint.

    Ein spirituell unreifer Mensch sucht Rechtfertigungen für Aggression.

    Ein spirituell reifer Mensch versteht das Gewicht jeder Gewalt — und handelt trotzdem, wenn keine andere Möglichkeit mehr bleibt.

    Vielleicht ist genau das der schmale Grat.

    Nicht Pazifismus um jeden Preis.

    Aber auch keine Ideologie des Kämpfens.

    Sondern die Fähigkeit, selbst im Ausnahmezustand den Geist nicht vollständig zu verlieren.

    Mich würde interessieren, wie ihr das seht.

    Gibt es aus buddhistischer Sicht Situationen, in denen Härte notwendig wird?

    Kann eine gewaltsame Handlung jemals Ausdruck von Mitgefühl sein?

    Und ist der wahre Feind am Ende überhaupt der äußere Gegner — oder der Hass, der im eigenen Geist entsteht?

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 25. Mai 2026 um 08:36
    Zitat

    Menschen mit "massivem Bedürfnis nach Anerkennung", z.B. mit stark narzisstischen Persönlichkeitsanteilen, die sich in den Zentren oft intensiv einbringen/engagieren und häufig auch über Charisma verfügen..., vertraut man ja nur zu gerne verantwortungsvolle Ämter an, die immer auch eine gewisse Macht verleihen (z.B. Leute rauszuwerfen und Hausverbote zu erteilen).

    Da ist aus meiner Sicht tatsächlich etwas Wahres dran. Gerade Menschen mit starkem Bedürfnis nach Anerkennung, Einfluss oder besonderem Status können in spirituellen Gruppen schnell aufsteigen – vor allem wenn sie charismatisch, engagiert, redegewandt und organisatorisch aktiv sind.

    Das Problem ist: Solche Eigenschaften wirken nach außen oft erstmal positiv. Die Personen investieren viel Zeit, wirken überzeugend, übernehmen Verantwortung, ziehen neue Leute an und präsentieren sich loyal gegenüber der Gruppe. Genau dadurch entsteht schnell Vertrauen und Macht.

    Bei stark narzisstischen Persönlichkeitsanteilen kann das aber kippen. Denn dann geht es irgendwann nicht mehr primär um Mitgefühl, Selbstreflexion oder Dharma, sondern um Selbstaufwertung durch die Rolle innerhalb der Gruppe. Die spirituelle Struktur wird dann unbewusst benutzt, um das eigene Ego zu stabilisieren.

    Und gerade in hierarchischen oder stark gruppenidentitätsorientierten Gemeinschaften kann das problematisch werden. Denn narzisstische Menschen sind oft sehr empfindlich gegenüber Kritik, neigen zu Schwarz-Weiß-Denken und reagieren auf Widerspruch schnell mit Abwertung oder Machtausübung. Wenn solche Personen dann Funktionen haben, in denen sie über Zugehörigkeit, Hausverbote oder sozialen Status entscheiden, entsteht leicht ein toxisches Klima.

    Hinzu kommt, dass spirituelle Gruppen manchmal genau solche Persönlichkeiten unbewusst belohnen: starke Loyalität, Selbstsicherheit, missionarischer Eifer und charismatisches Auftreten werden schnell mit „spiritueller Reife“ verwechselt. Dabei kann dahinter genauso gut ein enormes Bedürfnis nach Bedeutung, Kontrolle oder Bewunderung stehen.

    Das Bittere daran ist: Psychisch vulnerable oder sensible Menschen werden oft als „zu schwierig“ betrachtet, während dominante narzisstische Persönlichkeiten innerhalb der Gruppe teilweise Karriere machen – gerade weil sie funktional, durchsetzungsfähig und gruppenstabilisierend wirken.

    Und genau das kann langfristig eine Gemeinschaft innerlich deformieren. Denn dann setzen sich nicht unbedingt die reflektiertesten oder mitfühlendsten Menschen durch, sondern oft diejenigen mit dem größten Machtinstinkt und dem stärksten Bedürfnis nach Anerkennung.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 24. Mai 2026 um 14:14
    pano:

    Also ich glaube hier wird gerade einiges vermischt. Natürlich Iris ist selbstverantwortlichkeit etwas das man psychisch erkrankten nicht nehmen darf. Natürlich bleibt aber z.B. eine Therapieeinrichtung in der Verantwortung heilangebote zu schaffen die entsprechend dem Fachwissen / Leitlinien angemessen sind. Und da gibt es auch eine gewisse Fürsorgepflicht.


    Nun ist bei der Durchführung eines retreats die Situation durchaus eine andere als in einer Therapieeinrichtung. Die Veranstalter sind kein Fachpersonal einer Therapieeinrichtung. Gleichzeitig wird ja schon ein gewisses heilsangebot gemacht eben für die Erfahrung von Dukkha. Und je nach Schule gibt es teils intensive Meditationsübungen.


    Ich finde es komplett legitim wenn ein meditationskreis z.B. sagt dass er mit bestimmten psychischen Krankheitsbildern nicht umgehen kann und das Risiko vermeiden möchte, das die Praxis in der Gruppe etwa der Person schadet.


    Bei großen Organisationen wie diamantweg oder Plum village könnte man vielleicht schon eher die Frage stellen ob eine solche Organisation nicht dafür sorgen kann dass psychologische Schulungen existieren. Aber auch da würde nach dem Grundsatz „Primum non nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) nicht bei rauskommen dass man frei rumprobiert.


    und zu guter letzt hat auch ein Patient eine gewisse Verantwortung aktiv auf die Veranstalter zuzugehen wenn er bestimmte Vorerkrankungen hat. Jemanden mit psychologischen Vorerkrankungen ins retreat „schmuggeln“ ist irgendwie nicht so recht mit rechter Rede in Einklang zu bringen.

    Ganz ehrlich: Dein Beitrag klingt für mich stellenweise weniger nach Mitgefühl oder differenzierter Vorsicht, sondern eher nach akademisch verpackter Ausgrenzung.

    Du betonst ständig Selbstverantwortung, Fürsorgepflicht und „nicht schaden“, aber praktisch läuft deine Argumentation darauf hinaus, psychisch belastete Menschen möglichst früh als potenzielles Risiko zu markieren. Allein diese Wortwahl wie „ins Retreat schmuggeln“ ist ziemlich entlarvend. Das klingt nicht nach einem Menschen, der leidet und Orientierung sucht, sondern fast wie nach jemandem, der heimlich Gefahrgut einschleust.

    Und genau da zeigt sich für mich ein grundlegendes Problem vieler spiritueller Gruppen: Solange jemand funktioniert, begeistert ist und die Gruppendynamik stärkt, ist jeder willkommen. Sobald psychische Probleme sichtbar werden, wird plötzlich von Verantwortung, Risiken und Überforderung gesprochen.

    Dabei wird völlig ausgeblendet, dass solche Gruppen genau diese Menschen oft gezielt anziehen. Wer zieht denn bitte Menschen mit hohem Leidensdruck an, wenn nicht spirituelle Gemeinschaften, die von Befreiung vom Leiden, Transformation und Bewusstseinsentwicklung sprechen?

    Dann im Nachhinein zu sagen „dafür sind wir aber nicht zuständig“ ist schon ziemlich bequem.

    Außerdem finde ich diese unterschwellige Gleichsetzung von psychischer Erkrankung und möglicher Gefährlichkeit problematisch. Das schwingt bei solchen Diskussionen ständig mit. Als wären psychisch kranke Menschen vor allem ein Sicherheitsproblem für die Gruppe. Die meisten psychisch Erkrankten sind nicht aggressiv, sondern leiden in erster Linie selbst.

    Und wenn man ehrlich ist: Viele spirituelle Gruppen haben gar kein Interesse an wirklich schwierigen Menschen. Man möchte lieber funktionierende, sozial angenehme, motivierte Teilnehmer, die die Atmosphäre nicht belasten. Das ist menschlich nachvollziehbar – aber dann sollte man vielleicht aufhören, sich moralisch oder spirituell zu überhöhen.

    Denn Mitgefühl zeigt sich nicht darin, wie man mit den unkomplizierten Menschen umgeht, sondern mit denen, die anstrengend, instabil oder schwierig sind.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 24. Mai 2026 um 07:25

    Eine akute Psychose kann jemanden zeitweise massiv destabilisieren. Wenn die Person später stabil ist, Therapie hatte und reflektiert mit sich umgehen kann, spricht nicht grundsätzlich etwas dagegen, spirituelle Praxis auszuüben.

    Am Ende ist vermutlich weniger entscheidend, welche Diagnose jemand irgendwann hatte, sondern ob die Person fähig ist zu Selbstreflexion, Realitätssinn, Verantwortung und einem respektvollen Umgang mit anderen.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 23. Mai 2026 um 22:48

    Was ich kritisch sehe, ist weniger die Warnung vor psychisch instabilen Menschen, sondern die Gefahr pauschaler Einordnung. Denn psychische Zustände sind nicht stabil und eindeutig, sondern können sich verändern – und damit auch die Eignung für bestimmte Praktiken.

    Daraus entsteht eher die Notwendigkeit für Differenzierung statt für einfache Ausschlüsse oder pauschale Zuschreibungen.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 23. Mai 2026 um 18:41
    void:
    Hue32:

    Bringt die Mediation im Buddhismus nicht einfach zum Vorschein was eh schon im Geist ist?

    Also ob in diesem Leben oder einem anderen irgendwann muss man sich dem ja stellen.

    Das ist prinzipiell wahr.


    Aber so praktisch gesehen macht es Sinn, sich schrittweise größere Herausforderungen zu suchen. Erst mal auf einem kleinen Schiff segeln lernen, einen Segelschein, dann eine größere Tour machen und erst wenn man sehr erfahren ist eine Atlantiküberquerung. Zu sagen dass man sich dem ja auch gleich stellt, ist nicht so sinnvoll.


    Und gerade Leute mit schweren Psychosen haben ja automatisch meterhohe Wellen im Kopf - da bin ich Süßwassermatrose dagegen..

    Alles anzeigen

    Ich gebe dir in dem Punkt sogar recht – wenn wir im gleichen Kontext bleiben.

    Die Frage ist dann aber: Gibt uns das wirklich das Recht, Menschen mit psychischen Schwierigkeiten grundsätzlich aus der Sangha oder sogar vom Dharma auszuschließen?

    Wenn Meditation und Praxis tatsächlich dazu führen, dass sich ohnehin vorhandene innere Prozesse zeigen, dann sind psychische Krisen nicht einfach „Störungen von außen“, sondern Teil dessen, was sich im Geist ohnehin entfaltet. In dem Fall wäre die logische Konsequenz eher, einen tragfähigen Umgang damit zu finden, den Rahmen anzupassen und Unterstützung zu bieten – statt Menschen grundsätzlich auszugrenzen.

    Natürlich gibt es Grenzen. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung oder völliger Instabilität braucht es Schutz und klare Maßnahmen. Das ist unstrittig. Aber das ist etwas anderes als ein pauschaler Ausschluss nach dem Motto: „psychisch krank = nicht geeignet für Dharma“.

    Denn genau dort entsteht ein Spannungsfeld: Der Dharma wird oft als Weg verstanden, der sich gerade dem Leid und den grundlegenden Verwirrungen des Geistes zuwendet. Wenn man dann ausgerechnet die Menschen ausschließt, die damit sichtbar ringen, verschiebt sich der Charakter der Praxis stillschweigend – weg von Befreiung von Leid hin zu einem eher selektiven Raum für bereits stabile Menschen.

    Man könnte es zugespitzt so formulieren: Wenn eine Sangha nur dann gut funktioniert, wenn alle psychisch stabil sind, dann ist sie keine echte Praxisgemeinschaft im eigentlichen Sinn, sondern eher ein sozial selektiver Raum mit spiritueller Sprache.

    Die schwierigere, aber ehrlichere Haltung wäre deshalb nicht der pauschale Ausschluss, sondern ein differenzierter Umgang: klare Grenzen, ja – aber auch die Anerkennung, dass Krise, Unruhe und Instabilität nicht automatisch außerhalb des Weges stehen.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 23. Mai 2026 um 16:47

    Bringt die Mediation im Buddhismus nicht einfach zum Vorschein was eh schon im Geist ist?

    Also ob in diesem Leben oder einem anderen irgendwann muss man sich dem ja stellen.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 23. Mai 2026 um 13:15

    Das deckt sich auch mit meinem Eindruck. Menschen, die sich intensiv auf spirituelle Suche begeben, tun das oft nicht aus bloßer Neugier, sondern weil sie Leid, innere Konflikte oder existenzielle Krisen erlebt haben. Insofern ist es völlig normal, dass sich in spirituellen Gruppen auch psychisch vulnerable Menschen finden.

    Der Unterschied scheint aber tatsächlich oft in der Struktur und Disziplin der jeweiligen Gemeinschaft zu liegen. Was du über Zen und Chögyal Rinpoche beschreibst – Stille, klare Ethik, Achtsamkeit in der Rede, weniger unnötige soziale Dynamik – wirkt eher stabilisierend und beruhigend auf den Geist.

    Im Diamantweg hingegen hatte ich häufig den Eindruck, dass das Gemeinschaftsgefühl und die Dynamik teilweise stärker im Vordergrund stehen als Ruhe und Selbstbeobachtung. Viel Aktivität, viele Gespräche, starke Gruppenidentität, Idealisierung von Ole, permanentes „Doing“. Das kann auf manche Menschen motivierend wirken, auf andere aber auch psychisch überfordernd oder emotional abhängig machend.

    Gerade deshalb erscheint es mir problematisch, wenn man psychisch belastete Menschen später als Störfaktor betrachtet. Denn solche Menschen werden von niedrigschwelligen, emotional intensiven Gruppen fast automatisch angezogen. Dann sollte man entweder verantwortungsvoll damit umgehen – oder ehrlicherweise KLAR sagen, dass man eigentlich vor allem psychisch stabile und belastbare Menschen möchte.

    Und genau da entsteht für mich der Widerspruch zum Anspruch von Mitgefühl und buddhistischer Praxis.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 23. Mai 2026 um 07:59

    Es ist doch ein merkwürdiger Widerspruch: Einerseits ziehen Gruppen wie der Diamantweg seit Jahrzehnten überdurchschnittlich viele Menschen an, die psychisch belastet, orientierungssuchend oder innerlich instabil sind – andererseits werden genau diese Menschen später oft als „Problem“ betrachtet, sobald sie nicht mehr funktionieren oder unbequem werden.

    Dabei überrascht die Überrepräsentation psychisch kranker oder vulnerabler Menschen überhaupt nicht. Spirituelle Gruppen versprechen Sinn, Halt, Gemeinschaft, Identität und oftmals auch Heilung oder innere Transformation. Natürlich sprechen solche Angebote besonders Menschen an, die leiden oder sich innerlich verloren fühlen. Das ist kein exklusives Diamantweg-Phänomen, sondern sieht man in vielen stark ideologisch oder charismatisch geprägten Gemeinschaften.

    Fragwürdig wird es aber dann, wenn dieselbe Struktur zuerst genau solche Menschen emotional bindet und ihnen das Gefühl vermittelt, angekommen zu sein – um sie später auszugrenzen, sobald psychische Krisen sichtbar werden, Kritik entsteht oder Loyalität bröckelt.

    Denn dann stellt sich schon die Frage: Wenn ein spiritueller Weg angeblich Mitgefühl und Befreiung vom Leiden verkörpert, warum werden dann ausgerechnet diejenigen aussortiert, die sichtbar leiden?

    Das wirkt dann weniger wie Mitgefühl, sondern eher wie ein sozialer Funktionstest: Solange jemand motiviert, euphorisch und gruppenkonform ist, gehört er dazu. Sobald jemand instabil wird, Zweifel äußert oder psychisch entgleist, wird die Verantwortung plötzlich individualisiert. Dann heißt es sinngemäß: „Derjenige projiziert“, „hat falsche Sicht“, „ist verwirrt“ oder „hat persönliche Probleme“.

    Dabei müsste man sich vielleicht auch einmal ehrlich fragen, ob intensive Gruppendynamik, Guru-Idealisierung, permanenter sozialer Druck, Schwarz-Weiß-Denken und emotionale Abhängigkeiten psychische Probleme nicht teilweise sogar verstärken können – gerade bei vulnerablen Menschen.

    Eine Gemeinschaft kann selbstverständlich Grenzen setzen, wenn jemand andere gefährdet oder destruktiv handelt. Aber psychische Erkrankungen pauschal als Makel oder Ausschlussgrund zu behandeln, während man gleichzeitig mit großen Begriffen wie Mitgefühl und Bewusstseinsentwicklung wirbt, wirkt auf mich schlicht inkonsequent.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 19. Mai 2026 um 10:03

    Danke für deine offene und respektvolle Nachricht. Ich glaube dir auch sofort, dass deine Erfahrungen mit Ole ganz anders waren als meine späteren. Gerade die frühen Jahre scheinen für viele Menschen etwas sehr Persönliches und Prägendes gewesen zu sein. Und ich finde es wichtig, das nicht einfach wegzuwischen. Wenn jemand einem Mut gemacht hat, einen spirituellen Weg zu gehen, Retreats zu machen oder innere Entwicklung ernst zu nehmen, dann hinterlässt das natürlich tiefe Dankbarkeit. Das kann ich nachvollziehen.

    Trotzdem bleibt für mich die andere Seite bestehen. Dieses Gefühl des Ausgeschlossenseins war für mich sehr befremdlich. Nicht einmal wegen eines einzelnen Hausverbots, sondern wegen dieser abrupten sozialen Kälte, die plötzlich entstehen kann, sobald man fundamentale Kritik äußert. Gerade in einer Gemeinschaft, die Mitgefühl und Bewusstheit betont, hat mich diese Härte erschreckt.

    Und ja, ich glaube ebenfalls, dass viele spätere Dynamiken nicht mehr nur mit Ole selbst zu tun hatten, sondern mit den Strukturen und den Menschen um ihn herum. Wenn ein Gründer älter, krank oder schwächer wird, entsteht oft ein Machtvakuum, das andere ausfüllen.

    Beim Thema psychische Erkrankungen möchte ich mich auch präzisieren: Mein Problem war nie, dass psychisch belastete Menschen im Dharma oder in spirituellen Gruppen sind. Im Gegenteil – selbstverständlich suchen Menschen mit Leid nach Orientierung, Halt oder Sinn. Das ist etwas zutiefst Menschliches. Mein Eindruck war eher, dass innerhalb des Systems vieles nicht offen benannt oder reflektiert wurde. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass psychische Krisen spiritualisiert wurden, statt ihnen klar und verantwortungsvoll zu begegnen.

    Die Geschichte mit Gendun Rinpoche finde ich übrigens bemerkenswert. Gerade weil darin Mitgefühl statt Ausgrenzung steckt. Vielleicht liegt genau dort auch der Unterschied zwischen echter spiritueller Tiefe und einer Gruppendynamik, die irgendwann vor allem sich selbst schützt.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 18. Mai 2026 um 13:46

    Was mir im Diamantweg ebenfalls massiv aufgefallen ist: Dort liefen auffallend viele Menschen mit schweren psychischen Problemen herum – Menschen mit instabilen Persönlichkeiten, starken emotionalen Problemen, selbstverletzendem Verhalten oder massivem Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Darüber wurde aber praktisch nie offen gesprochen.

    Es wirkte eher wie ein unausgesprochenes System: Solange man funktionierte und loyal blieb, wurde alles unter den Teppich gekehrt. Kritik, psychische Krisen oder offensichtliche Probleme wurden nicht wirklich aufgearbeitet, sondern spirituell überdeckt oder verdrängt.

    Genau dadurch entstand für mich eine ungesunde Dynamik. Viele Menschen schienen dort weniger Heilung zu finden als vielmehr einen Raum, in dem persönliche Abhängigkeiten, Idealisierung und Verdrängung stabilisiert wurden. Und sobald man dieses System offen kritisierte – insbesondere die Aussagen und das Verhalten von Ole Nydahl – wurde man schnell isoliert oder ausgeschlossen.

  • Ole Nydahl liegt im Sterben

    • Hue32
    • 18. Mai 2026 um 13:22

    Naja die Toten soll man ruhen lassen.

  • Diamantweg

    • Hue32
    • 18. Mai 2026 um 13:20

    Der Diamantweg hat mich letztlich rausgeworfen, weil ich angefangen habe, Ole Nydahl offen zu kritisieren – seinen Rassismus, seine homophoben Aussagen und dieses teilweise menschenverachtende Weltbild, das dort über Jahre kultiviert wurde. Ich habe die Leute direkt auf den Pott gesetzt und klar gesagt, dass ich diesen Personenkult und die ideologische Abschottung nicht mehr mittragen will.

    Die Reaktion war bezeichnend: Hausverbote, Kontaktabbrüche, komplette soziale Isolation nach dem Motto „puddi-puddi, raus mit dir“. Statt Diskussion oder Selbstreflexion gab es nur Ausschluss. Genau daran erkennt man oft sektenartige Strukturen: Kritik wird nicht beantwortet, sondern der Kritiker wird entfernt.

    Heute bin ich froh, dort raus zu sein. Denn eine Gemeinschaft, die Loyalität über Menschlichkeit stellt und kritische Stimmen mundtot machen will, ist kein spiritueller Weg, sondern ein geschlossenes System.

  • "Die Himalaya Rasse stinkt" Nydahl und Sebastian Lipp

    • Hue32
    • 30. April 2026 um 10:25
    Lama Ole Nydahl fällt bereits vor Jahrzehnten mit »rassistischen Tönen« auf - Allgäu ⇏ rechtsaußen
    Lama Ole Nydahl ist bereits vor 20 Jahren ist durch rassistische Äußerungen aufgefallen. Der buddhistische Führer will wieder im Allgäu lehren.
    allgaeu-rechtsaussen.de


    Im versuch der rechten Rede habe ich meine Worte sorgfältig gewählt:


    Bei Lama Ole Nydahl wird seit Jahren immer wieder ein besonders heikler Vorwurf diskutiert: die Verwendung bzw. Übernahme von Denkfiguren, die von Kritikern als rassisch oder kulturhierarchisch interpretiert werden.

    Konkret geht es dabei um Aussagen, in denen Menschen in grobe „Kultur- oder Zivilisationsräume“ eingeordnet werden sollen – verbunden mit Zuschreibungen von Überlegenheit oder Rückständigkeit. Kritiker sehen darin keine harmlose Vereinfachung, sondern ein Weltbild, das klar in Richtung kultureller Hierarchisierung geht.

    Besonders brisant ist, dass in der öffentlichen Debatte auch Passagen thematisiert werden, in denen angeblich abwertende Beschreibungen von Bevölkerungsgruppen aus dem Himalaya-Raum vorkommen sollen. Diese werden von Kritikern als entmenschlichend oder stark herabsetzend interpretiert – teilweise wird dabei auch auf körperliche oder hygienische Zuschreibungen verwiesen. Allerdings ist wichtig: Die genaue Wortlautlage dieser Stellen ist umstritten und wird je nach Quelle unterschiedlich wiedergegeben.

    Unabhängig von der exakten Zitierfrage bleibt der Kern der Kritik bestehen: Nydahls Rhetorik wird von vielen Beobachtern nicht als rein spirituelle Lehre verstanden, sondern als Mischung aus buddhistischen Begriffen und stark vereinfachenden, teilweise kulturell wertenden Kategorien.

    Während seine Anhänger dies als „klare Sprache ohne politische Korrektheit“ verteidigen, sehen Kritiker darin ein problematisches Muster: spirituelle Autorität wird genutzt, um stark vereinfachte und potenziell diskriminierende Weltbilder zu legitimieren.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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