Qualia Man kann sich im Netz begegnen, ohne sich von den Vorstellungen und Urteilen anderer vereinnahmen zu lassen.
Beiträge von Hue32
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Das ist nachvollziehbar. Gerade der Buddhismus würde aber zwischen einer ungewöhnlichen Wahrnehmung und einer spirituellen Erkenntnis unterscheiden.
Eine Psychose kann sehr wohl als stark verzerrte Wahrnehmung erlebt werden. Daraus folgt nicht automatisch, dass sich dahinter eine höhere Wirklichkeit verbirgt.
Interessant wird es trotzdem dort, wo der Buddhismus fragt, wie zuverlässig unsere gewöhnliche Wahrnehmung überhaupt ist. Die Lehre von den sechs Welten beschreibt etwa, wie Angst, Begierde, Aggression oder Verwirrung ganze „Welten“ der Erfahrung hervorbringen können. Das muss man nicht als buchstäbliche Paralleluniversen verstehen. Es kann bedeuten, dass der Geist seine eigene Wirklichkeit konstruiert und darin vollständig gefangen sein kann.
In diesem Sinne wäre eine Psychose aus buddhistischer Sicht vielleicht weniger ein Zugang zu einer höheren Welt als ein extremes Beispiel dafür, wie überzeugend eine vom Geist erzeugte Welt erscheinen kann.
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Der entscheidende Punkt im Dharma ist dabei: Die Welt, die erscheint, und der Geist, der sie wahrnimmt, sind nicht voneinander zu trennen. Was sich als äußere Welt zeigt, kann zugleich eine Spiegelung tiefster geistiger Muster sein. Genau deshalb sind solche Erfahrungen im Buddhismus weniger interessant als die Frage: Was zeigt sich hier über den Geist selbst?
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Matthie Wir bezeichnen bestimmte Erlebnisse als „Wahn“ oder „Realitätsverlust“, aber eine Deutung ist noch kein Fakt. Wir wissen viel über Symptome und können behandeln – aber das bedeutet nicht, dass wir das Wesen einer Psychose tatsächlich verstehen.
Vielleicht sollten wir deshalb etwas bescheidener sein: Wir haben Modelle, mit denen wir arbeiten, und manchmal wirken sie. Aber letztlich doktern wir an einem Menschen herum, dessen innere Erfahrung wir nur von außen beurteilen können. -
Ich gebe Phillip recht, wenn man sich mit seinen Standpunkten auseinander setzt erscheint die Psychiatrie entmündigend und kontraproduktiv.
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ewald Gerade diese Selbstsicherheit ist das Problem. Vierzig Jahre psychiatrische Erfahrung machen eine Aussage nicht automatisch richtig – schon gar nicht dann, wenn aus einer klinischen Erfahrung allgemeingültige Gewissheiten abgeleitet werden.
Eine Psychose lässt sich nicht seriös auf den einen Satz „Realitätsverlust“ reduzieren. Psychotische Störungen können sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder haben, und die diagnostische Einordnung erfolgt gerade nicht nach einem einzigen Merkmal. Wer daraus macht: „Ist dieses Merkmal nicht gegeben, ist es etwas anderes“, ersetzt klinische Differenzierung durch ein Schwarz-Weiß-Schema.
Noch problematischer wird es bei der Behauptung, jeder Mensch mit einer Psychose lande zwangsläufig in der Akutpsychiatrie. Das stimmt so nicht. Psychiatrische Behandlung findet in unterschiedlichen Settings statt – ambulant, teilstationär, stationär und in Krisendiensten. Eine Akutstation ist insbesondere dann relevant, wenn eine Krise eine intensive oder geschützte Behandlung erforderlich macht.
Und die Antipsychiatrie pauschal als „Fanatiker“ abzutun, ersetzt ebenfalls keine Auseinandersetzung mit ihren Argumenten. Es gibt berechtigte Kritik an psychiatrischen Institutionen, ohne deshalb jede psychiatrische Behandlung abzulehnen. Genau diese Unterscheidung wäre bei einem Thema wie Psychose notwendig.
Die Psychose zum „Endgegner“ der psychischen Erkrankungen zu erklären, ist schließlich eher Dramatisierung als Aufklärung. Psychosen können schwerwiegend sein, aber Menschen sind keine Endgegner und psychiatrische Diagnosen sind keine Videospielklassen. Wer wirklich für klare Strukturen argumentiert, sollte selbst differenzieren, statt Komplexität durch absolute Aussagen zu ersetzen.
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Qualia Wenn das andere Ufer erstmals sichtbar wird, ist man noch nicht angekommen. Der Stromeingetretene hat den Strom erkannt, aber die Überquerung ist noch nicht vollendet.
Der Einmalwiederkehrende hat die Identifikation bereits tief durchschaut, ist aber noch nicht vollständig frei von ihr. Er benutzt das Floß noch, obwohl er weiß, dass es nur ein Mittel zur Überquerung ist.
Der Nichtwiederkehrende hat das Ufer weitgehend erreicht. Das Floß wird nicht mehr als Zuflucht benötigt; die Lehre dient noch als Orientierung auf dem letzten Stück des Weges.
Der Vollkommen Erwachte lässt auch diese letzte Stütze los. Es gibt kein Floß mehr, an dem festgehalten werden müsste, und kein gegenüberliegendes Ufer, das als endgültiger Besitz ergriffen werden könnte.
Und darin liegt vielleicht der eigentliche Unterschied: Der Buddha erkennt nicht nur das andere Ufer, sondern durchschaut auch die Vorstellung eines festen „Landes“, das man besitzen oder an dem man sich festhalten könnte. Er verweigert sich der Welt deshalb nicht. Seine Füße stehen auf dem Land, aber sein Geist haftet nicht daran.
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Ich stimme Qualia oft zu, aber an diesem Punkt widerspreche ich entschieden. Gerade die Gleichsetzung von Psychose und grundsätzlicher Unfähigkeit, die eigene Behandlung später kritisch zu beurteilen, halte ich für problematisch.
Natürlich muss eine akute Psychose behandelt werden, und in dieser Situation können Schutz, Struktur und fachliche Führung notwendig sein. Daraus folgt aber nicht, dass jede konkrete Maßnahme automatisch richtig war oder dass ehemalige Patientinnen und Patienten ihre Erfahrungen grundsätzlich nicht mehr beurteilen können. Eine spätere Kritik wird nicht dadurch wertlos, dass jemand während einer akuten Psychose zeitweise erheblich in seiner Realitätswahrnehmung eingeschränkt war.
Wenn man psychiatrische Strukturen verbessern will, muss man beides gleichzeitig aushalten können: die medizinische Realität einer Psychose und die Möglichkeit, dass Behandlung selbst Fehler, Kommunikationsprobleme oder unverhältnismäßige Maßnahmen enthalten kann. Berechtigte Kritik verschwindet nicht dadurch, dass man sie pauschal als „Lärm“ abtut.
Und auch das Argument, dass die Zufriedenen sich nicht melden, trägt nur begrenzt: Schweigen ist kein Beleg für Zufriedenheit, genauso wenig wie Kritik automatisch beweist, dass eine Behandlung fehlerhaft war.
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ewald, dein Beitrag enthält eine ganze Reihe von Aussagen, die ziemlich selbstsicher daherkommen, aber bei genauer Betrachtung weder fachlich sauber noch buddhistisch begründet sind.
Schon die Gleichsetzung „Psychose = Realitätsverlust“ ist eine grobe Verkürzung. Psychosen können sehr unterschiedliche Symptome und Verläufe haben. Aus einer solchen Vereinfachung anschließend abzuleiten, ein Betroffener sei ohne Behandlung „nicht lange lebensfähig“, ist eine massive Pauschalisierung. Damit beschreibst du nicht mehr sachlich ein Krankheitsbild, sondern zeichnest ein ziemlich entmündigendes Bild von Menschen mit Psychose.
Auch „die Akutpsychiatrie ist die einzige Einrichtung, die mit Psychosen umgehen kann“ ist so formuliert schlicht nicht haltbar. Es gibt neben akutpsychiatrischer Behandlung beispielsweise ambulante psychiatrische Versorgung, Psychiatrische Institutsambulanzen, Tageskliniken, Psychotherapie, Rehabilitation und unterschiedliche psychosoziale Unterstützungsangebote. Die Akutpsychiatrie ist eine wichtige Versorgungsform – aber sie ist nicht der magische Ort, an dem ausschließlich Psychosen behandelt werden können.
Besonders problematisch finde ich deine Formulierung, dass es sich beim Patienten „in gewisser Weise“ um ein „Versuchskaninchen“ handelt. Natürlich muss psychiatrische Behandlung individuell angepasst werden. Das macht einen Menschen aber nicht zum Versuchskaninchen. Gerade bei psychisch erkrankten Menschen sollte man auf eine Sprache achten, die ihre Würde und Autonomie nicht unnötig beschädigt.
Und dann kommt der bemerkenswerteste Satz deines gesamten Beitrags:
„Das Fachgebiet dazu heißt Buddhistische Psychotherapie.“
Nein. So eine pauschale Behauptung wird nicht dadurch richtig, dass man sich als „psychiatrisch geschult“ bezeichnet. Buddhismus ist eine religiöse und philosophische Tradition mit unterschiedlichen Schulen und psychologischen Konzepten. Daraus folgt nicht, dass es ein einheitliches psychiatrisches Fachgebiet namens „Buddhistische Psychotherapie“ gibt.
Es gibt psychotherapeutische Ansätze, die buddhistische Meditation, Achtsamkeit oder bestimmte buddhistisch inspirierte Konzepte einbeziehen. Das ist aber etwas völlig anderes, als eine eigenständige, allgemein anerkannte psychiatrische Disziplin „Buddhistische Psychotherapie“ zu behaupten.
Und genau hier wird dein Beitrag besonders widersprüchlich: Du kritisierst angeblich Vorurteile, arbeitest aber selbst mit massiven Verallgemeinerungen über Psychose, Patienten und psychiatrische Behandlung.
„Ich räume gerne mit Vorurteilen auf“ klingt deshalb etwas ironisch. Denn bevor man Vorurteile abbaut, sollte man zunächst einmal die eigenen Pauschalisierungen überprüfen.
Was du hier präsentierst, ist keine besondere buddhistische Einsicht und schon gar keine höhere fachliche Perspektive. Es ist eine Mischung aus einzelnen richtigen Beobachtungen, starken Vereinfachungen, persönlichen Wertungen und einem ziemlich großzügigen Umgang mit Fachbegriffen.
Gerade bei einem Thema wie Psychose wäre etwas weniger Selbstgewissheit und etwas mehr Differenzierung angebracht.
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Mein Beitrag war bezogen auf Dinge, die mit Willen nicht beeinflussbar sind und da stechen vor allem zwei Substanzen heraus, die beide auf das Bremspedal des Gehirns für Ruhe, Angst und Schlaf zuständig ist nämlich die GABA-Rezeptoren.
Die werden durch jahrelangen Gebrauch dieser zwei Substanzen, weil die sind sich scheinbar sehr ähnlich blockiert oder wie immer man das nennen mag.
Das war mein Argument nämlich, dass hier eine Eigendynamik dann seitens der Gehirns entsteht, die mit dem reinen Willen nicht beeinflussbar ist, das ist deutlich komplexer. Ob es da noch andere Substanzen gibt weiß ich nicht, mir fielen als Beispiel diese Beiden ein.
Das Argument klingt zunächst wissenschaftlich, ist aber in dieser Form ziemlich wackelig. GABA-Rezeptoren werden durch Alkohol und Benzodiazepine nicht einfach „jahrelang blockiert“. Im Gegenteil: Beide Substanzgruppen verstärken grundsätzlich die hemmende Wirkung des GABA-Systems, allerdings über unterschiedliche Mechanismen.
Bei längerem Konsum kann sich das Nervensystem an diese veränderte Signalübertragung anpassen. Es kommt zu neurobiologischen Anpassungen und Toleranzentwicklung. Genau deshalb kann Abhängigkeit eben nicht sinnvoll mit „reiß dich zusammen und entscheide dich anders“ erklärt werden.
Aber daraus folgt auch nicht, dass der Wille grundsätzlich ausgeschaltet wäre. Die vernünftige Aussage liegt dazwischen: Abhängigkeit verändert die biologischen und psychologischen Voraussetzungen, unter denen Entscheidungen getroffen werden, ohne den Menschen automatisch seiner Handlungsfähigkeit zu berauben.
Wer also mit GABA-Rezeptoren argumentiert, sollte die Neurobiologie korrekt darstellen – sonst wird aus einem durchaus interessanten Argument schnell eine Scheinerklärung.
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Sunu Der Text verwechselt mehrere Dinge miteinander, die man gerade im Buddhismus nicht so leicht in einen Topf werfen sollte: Achtsamkeit, psychologische Selbstregulation, innere Konflikte und moralische Hemmungen.
Introvision mag als psychologische Methode zur Selbstregulation interessant sein. Die Universität Hamburg beschreibt sie als Verfahren, mit dem innere Konflikte und automatische Stressreaktionen bearbeitet werden sollen. Das ist zunächst eine psychologische Aussage – keine buddhistische.
Besonders problematisch wird es dort, wo aus der Auflösung eines unangenehmen inneren Konflikts plötzlich eine Art Befreiung von moralischen Hemmungen wird. Ein „Das darf nicht passieren“ kann nämlich zweierlei sein: eine übersteigerte, neurotische Selbstforderung – oder die durchaus vernünftige Einsicht, dass etwas tatsächlich nicht geschehen sollte. Wenn jemand beispielsweise Gewissensbisse bekommt, weil er anderen Menschen schadet, besteht die buddhistische Lösung nicht darin, das Gewissen so lange zu entkoppeln, bis es nicht mehr stört.
Genau hier liegt ein grundlegendes Missverständnis von Achtsamkeit.
Im Buddhismus ist Achtsamkeit nicht einfach ein neutrales psychologisches Werkzeug, mit dem man sich von unangenehmen Gefühlen freimacht. Sie steht innerhalb eines ethischen Weges. Der Achtfache Pfad enthält ausdrücklich rechte Rede, rechtes Handeln und rechten Lebenserwerb. Achtsamkeit wird also nicht aus dem moralischen Zusammenhang herausgelöst, um anschließend jede beliebige Handlung innerlich leichter ertragen zu können.
Noch deutlicher wird das am Beispiel des Managers: Wenn jemand Tausende Menschen entlässt und anschließend seine moralische Belastung durch eine Technik reduziert, ist damit überhaupt noch nicht gezeigt, dass ein innerer Konflikt „gelöst“ wurde. Vielleicht wurde lediglich das unangenehme Gefühl gegenüber dem eigenen Handeln abgeschwächt. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Und auch wissenschaftlich sollte man hier vorsichtig sein. Die Forschung zu Achtsamkeit zeigt keineswegs, dass sie einfach moralische Hemmungen beseitigt. Im Gegenteil: Meta-Analysen finden teilweise positive Zusammenhänge mit prosozialem Verhalten. Andere Arbeiten zeigen allerdings, dass die Effekte stark vom konkreten Training und vom jeweiligen moralischen Verhalten abhängen. Eine systematische Übersichtsarbeit kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass die prosozialen Effekte von Meditation begrenzt und von methodischen Faktoren abhängig sind.
Interessanterweise gibt es sogar experimentelle Befunde, nach denen bestimmte Formen von Achtsamkeitsmeditation Schuldgefühle und daraus entstehendes Wiedergutmachungsverhalten vermindern können. Das zeigt gerade, dass „Achtsamkeit = automatisch moralisch besser“ wissenschaftlich zu simpel wäre.
Aber daraus folgt eben auch nicht das Gegenteil, nämlich dass Achtsamkeit grundsätzlich dazu dient, moralische Skrupel abzubauen. Eine neuere Übersichtsarbeit kommt ausdrücklich zu dem Schluss, dass die Auswirkungen kontemplativer Praktiken auf moralisches Funktionieren differenziert sind und sowohl positive als auch negative Effekte vorkommen können.
Buddhistisch gesprochen würde ich deshalb einen Schritt zurücktreten: Nicht jedes „Das darf nicht sein“ ist eine störende mentale Blockade, die beseitigt werden muss. Man muss zunächst untersuchen, woher dieses „Darf nicht“ kommt, welche Absicht dahintersteht und welche Folgen das eigene Handeln für andere Wesen hat.
Der entscheidende Unterschied lautet daher:
Nicht jede unangenehme Gewissensreaktion ist ein innerer Konflikt, von dem man sich befreien sollte.
Manchmal ist sie schlicht ein Hinweis darauf, dass die eigene Handlung überprüft werden sollte.
Wer Achtsamkeit benutzt, um das Leiden über eine Handlung zu vermindern, ohne die Handlung selbst zu hinterfragen, hat möglicherweise nicht den Konflikt gelöst, sondern lediglich den inneren Widerstand gegen das eigene Verhalten reduziert.
Und genau da würde ich buddhistisch sehr misstrauisch werden: Befreiung bedeutet nicht, dass man irgendwann alles tun kann, ohne sich schlecht zu fühlen. Befreiung bedeutet auch nicht, dass das Gewissen möglichst geräuschlos gestellt wird. Entscheidend sind Absicht, Handlung und ihre Folgen.
Wer seine moralische Hemmung nur deshalb beseitigt, damit er anschließend besser gegen seine eigenen moralischen Einsichten handeln kann, hat damit noch lange keine Weisheit entwickelt.
Er hat vielleicht nur gelernt, den inneren Alarm leiser zu stellen.
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Aber der Buddha geht für mich noch einen Schritt weiter: Entscheidend ist nicht nur, es verstanden zu haben, sondern zu sehen, was diese Einsicht mit einem selbst macht.
Ganz im Gegentail, IMHO.
Entscheidend ist zu untersuchen, was das für mich in genau diesem Moment bedeutet. Auf das intellektuelle Verständnis vorab kann man getrost verzichten, in der Regel ist dieses Verständnis sowieso falsch.
Um bei buddhistischen Gleichnissen zu bleiben: Man muss kein Buch über den Geschmack von Mangos lesen und verstehen, man muss die Mango probieren. Die Anleitung zum richtigen Genuss einer Mango kann allerdings Gold wert sein.
Liebe Grüße,
Aravind.
Interessant finde ich an deinem Beitrag gerade die Stelle, an der du das „Ich“ zum Gegenstand der Betrachtung machst.
Du schreibst sinngemäß: Man soll erkennen, dass auch das, was man „Ich“ nennt, einem ständigen Wandel unterliegt. Gleichzeitig sprichst du aber fortwährend von einem „Ich“, das wahrnimmt, fühlt, erkennt, übt und handelt.
Genau hier würde ich philosophisch genauer hinschauen.
Denn „Ich fühle dies“ ist zunächst noch keine buddhistische Einsicht. Es ist eine gewöhnliche sprachliche Zuschreibung: Da ist ein Gefühl, und dieses Gefühl wird einem „Ich“ zugeschrieben. Die entscheidende Frage wäre doch: Was genau ist dieses „Ich“, dem das Gefühl gehören soll?
Wenn Ärger auftaucht, ist zunächst einmal Ärger da. Wenn Traurigkeit auftaucht, ist Traurigkeit da. Wenn ein Gedanke auftaucht, ist ein Gedanke da. Daraus folgt aber noch nicht, dass hinter diesen Vorgängen ein eigenständiger Besitzer namens „Ich“ existiert.
Und genau deshalb reicht es auch nicht, einfach zu sagen: „Ich habe Störemotionen, aber ich erkenne, dass mein Ich vergänglich ist.“ Damit kann man die Ich-Konstruktion sogar unbemerkt weiter befestigen. Man hat dann plötzlich ein Ich, das seine eigenen Störemotionen beobachtet, ein Ich, das buddhistisch praktiziert, ein Ich, das sich selbst kritisch betrachtet und schließlich vielleicht sogar ein Ich, das besonders gut verstanden hat, dass es kein festes Ich gibt.
Das wäre eine ziemlich raffinierte Form des Anhaftens.
Die tiefere Frage wäre deshalb nicht: „Wie geht mein Ich mit meinen Emotionen um?“, sondern: Wie entsteht überhaupt die Vorstellung eines „Ich“, dem diese Emotionen gehören?
Denn zwischen „Da ist Wut“ und „Ich bin wütend“ liegt bereits eine Konstruktion.
Zwischen „Da ist ein Gefühl“ und „Ich fühle dieses Gefühl“ liegt ebenfalls eine Konstruktion.
Und zwischen „Da ist ein Gedanke“ und „Ich denke diesen Gedanken“ liegt wiederum eine Zuschreibung.
Das bedeutet nicht, dass konventionelle Redeweisen wie „ich fühle“ falsch wären. Sie sind im Alltag völlig sinnvoll. Problematisch wird es erst, wenn man aus dieser grammatischen und konventionellen Redeweise eine metaphysische Tatsache macht – als gäbe es tatsächlich einen festen inneren Besitzer der Erfahrungen.
Vielleicht wäre deshalb gerade hier etwas mehr intellektuelle Präzision hilfreich. Nicht um Buddhismus in akademische Begrifflichkeit aufzulösen, sondern um die eigene Erfahrung nicht vorschnell mit einer Erklärung darüber zu verwechseln.
Denn auch der Satz „Ich erkenne mein Ich als vergänglich“ kann noch immer sehr geschickt ein „Ich“ voraussetzen, das sich selbst zum Gegenstand macht.
Und genau dort wird es philosophisch interessant.
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Der Gedanke, dass letztlich nur der Betroffene selbst den inneren Schritt aus einer Sucht heraus vollziehen kann, hat für mich etwas sehr Wesentliches. Gerade die Betonung der eigenen Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung finde ich bemerkenswert.
Auch die Unterscheidung zwischen Objekten und Subjekten regt zum Nachdenken an. Sucht kann den Blick sehr stark auf das Objekt der Begierde verengen, während Beziehungen, Mitmenschen und das eigene innere Erleben in den Hintergrund treten. Sich daraus wieder zu lösen, bedeutet dann auch, die eigene Freiheit und Bezogenheit auf andere Menschen neu zu entdecken.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, den Menschen hinter der Sucht nicht aus dem Blick zu verlieren. Unterstützung und Eigenverantwortung müssen sich dabei nicht ausschließen. Man kann einem Menschen beistehen, ohne ihm die Verantwortung für seinen eigenen Weg abzunehmen.
Ein sehr anregender Beitrag, der für mich durchaus eine buddhistische Dimension hat: Freiheit beginnt dort, wo wir unsere Anhaftungen erkennen und ihnen nicht mehr blind folgen. -
Das Sutta vom Upāsaka Dhammavicayo
So habe ich gehört:
Zu einer Zeit verweilte der Erhabene im Bambushain bei Rājagaha. Damals lebte dort ein Laienanhänger namens Upāsaka Dhammavicayo, der die Lehre liebte und viele Schriften gelesen hatte.
Er kam zum Erhabenen, verneigte sich und setzte sich zur Seite.
Der Erhabene sprach:
„Dhammavicayo, was suchst du?“
Dhammavicayo antwortete:
„Herr, ich suche den Dhamma. Ich lese über Befreiung, über Achtsamkeit und über die Eigenschaften der Erwachten. Doch je mehr ich lese, desto deutlicher sehe ich, wie weit ich selbst davon entfernt bin.“
Da sprach der Erhabene:
„Gut hast du erkannt, Dhammavicayo. Denn wer seine Unvollkommenheit erkennt, ist der Wahrheit näher als jener, der seine Vollendung verkündet.
Doch sage mir: Wenn du Durst hast und hundert Schriften über Wasser liest – wird dein Durst dadurch gestillt?“
„Nein, Herr.“
„Und wenn du den Weg zu einer Quelle kennst, aber keinen Schritt auf ihn zugehst – gelangst du dann zur Quelle?“
„Nein, Herr.“
„Ebenso ist es mit dem Dhamma.
Nicht durch das Reden über Metta wird das Herz von Feindseligkeit frei. Nicht durch das Reden über Achtsamkeit wird Unachtsamkeit überwunden. Nicht durch das Reden über rechte Rede wird verletzende Rede aufgegeben.
Der Dhamma muss gegangen werden.
Wenn du zornig bist, übe Metta.
Wenn du zerstreut bist, kehre zur Achtsamkeit zurück.
Wenn du sprechen willst, frage dich zuerst: Ist es wahr? Ist es hilfreich? Ist jetzt die rechte Zeit?
So wird aus Wissen Übung.
Und aus Übung kann Erkenntnis entstehen.“
Da schwieg Dhammavicayo eine Weile.
Dann fragte er:
„Herr, woran erkenne ich, dass der Dhamma in mir Wurzeln schlägt?“
Der Erhabene antwortete:
„Nicht daran, dass du dich für besonders heilig hältst.
Nicht daran, dass andere dich für weise halten.
Sondern daran, dass du weniger festhalten musst.
Weniger Zorn.
Weniger Gier.
Weniger Stolz.
Weniger Bedürfnis, recht zu haben.
Und mehr Güte, wenn niemand zusieht.
Mehr Wahrhaftigkeit, wenn eine Lüge bequemer wäre.
Mehr Geduld, wenn du verletzt worden bist.
Daran, Dhammavicayo, kann der Übende den Weg erkennen.“
Dhammavicayo verneigte sich.
Und der Erhabene sprach zum Schluss:
„Wer den Mond betrachtet, soll nicht behaupten, selbst der Mond zu sein.
Wer den Weg erkennt, soll nicht behaupten, bereits am Ziel zu sein.
Gehe einfach weiter.
Mit Achtsamkeit im Geist,
mit Güte im Herzen,
mit Klarheit in der Rede
und mit Verantwortlichkeit in der Tat.
Denn dort, wo Geist, Wort und Tat allmählich übereinstimmen, wird der Dhamma lebendig.“
Da war Dhammavicayo zufrieden und erfreute sich an den Worten des Erhabenen.
Dies ist das Ende des Sutta vom Upāsaka Dhammavicayo.
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Ja, ich verstehe, was du meinst. Gerade der Gedanke, dass das Sutta nicht beschreibt, wo wir bereits stehen, sondern uns zeigt, wohin der Weg führt, spricht mich an.
Ich glaube allerdings, dass ich den Buddha dabei nicht nur als unerreichbares Ideal betrachten möchte. Für mich liegt gerade in Metta, Achtsamkeit und rechter Rede etwas sehr Praktisches: Ich kann jeden Tag beobachten, wo ich noch hinter meinen eigenen Ansprüchen zurückbleibe – und genau dort beginnt die Übung.
Ich finde auch den Gedanken schön, dass man sich nicht ständig fragen muss: „Bin ich schon erwacht?“ Vielleicht ist die ehrlichere Frage: Wie verhalte ich mich gerade? Was geschieht in meinem Geist, in meiner Rede und in meinen Handlungen?
Daran kann ich mich viel eher orientieren. Und je länger ich mich mit dem Buddhismus beschäftige, desto mehr gefällt mir eigentlich diese Haltung: weniger behaupten, mehr praktizieren. Weniger über Erwachen reden und schauen, ob sich Mitgefühl, Klarheit und Gelassenheit tatsächlich im eigenen Leben zeigen.
Die Ehrfurcht vor dem Buddha bleibt dabei für mich durchaus bestehen – aber vielleicht gerade deshalb, weil man seine Worte nicht dazu benutzt, sich selbst zu erhöhen.
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Danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Dass du selbst über viele Jahre im vollen Lotossitz meditiert hast und später Beschwerden am Hüftgelenk entwickelt hast, ist selbstverständlich ernst zu nehmen. Deine persönliche Schlussfolgerung kann ich nachvollziehen – nur würde ich zwischen persönlicher Erfahrung, plausibler Vermutung und allgemeiner Aussage etwas genauer unterscheiden.
Der volle Lotossitz (Padmasana) besteht ja nicht einfach darin, „irgendwie die Beine zu verknoten“. Beide Beine werden so angewinkelt und aus der Hüfte nach außen rotiert, dass jeweils ein Fuß auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel liegt. Entscheidend ist dabei, dass die Bewegung möglichst aus den Hüftgelenken kommt und nicht gewaltsam aus Knie oder anderen Strukturen erzwungen wird. Genau deshalb wird traditionell auch nicht jeder Mensch in dieselbe Sitzhaltung hineingezwungen.
Ich selbst habe ebenfalls im vollen Lotossitz gesessen. Deshalb fällt es mir schwer, den Lotossitz an sich zum Schuldigen zu erklären. Es handelt sich um eine sehr alte Meditationshaltung, die in unterschiedlichen buddhistischen und yogischen Traditionen seit sehr langer Zeit praktiziert wird. Daraus folgt natürlich nicht automatisch, dass sie für jedes Hüftgelenk und jeden Menschen risikofrei ist. Aber ebenso wenig lässt sich aus einem später festgestellten Hüftgelenksverschleiß ableiten, dass jahrelanges Sitzen im Lotossitz dessen Ursache gewesen sein muss.
Gerade deine eigene Schilderung zeigt doch, dass mehrere Faktoren denkbar sind. Wenn tatsächlich eine anatomisch ungünstige Form der Hüftpfanne vorlag, könnte diese beispielsweise schon lange vor den ersten Beschwerden bestanden haben. Ob und welchen zusätzlichen Einfluss eine bestimmte Sitzhaltung darauf hatte, wäre eine medizinische Frage, die man nicht allein anhand der zeitlichen Abfolge beantworten kann.
Und genau hier würde ich ein wenig zur Gelassenheit mahnen – ganz im buddhistischen Sinne. Aus „Bei mir trat nach vielen Jahren diese Erkrankung auf und ich habe zuvor viel im Lotossitz gesessen“ wird sehr schnell „Der Lotossitz hat meine Hüfte kaputtgemacht“. Das ist aber ein größerer Schritt, als die eigene Erfahrung tatsächlich hergibt.
Man darf aus einer persönlichen Erfahrung eine Erkenntnis für das eigene Leben ziehen. Wenn du für dich entschieden hast, künftig nicht mehr im Lotossitz zu sitzen, ist das vollkommen nachvollziehbar. Nur muss daraus keine allgemeingültige Lehre für alle anderen Meditierenden werden.
Und vielleicht ist gerade das eine ganz gute Übung in buddhistischer Haltung: die eigene Erfahrung ernst nehmen, ohne sie sofort zur Wahrheit über alle anderen zu machen. Kritik an einer Position lässt sich schließlich viel fruchtbarer diskutieren, wenn wir bei der Sache bleiben und nicht die Person zum eigentlichen Gegenstand machen.
Ich wünsche dir jedenfalls, dass deine Hüfte möglichst gut behandelt werden kann und du einen Weg der Meditation findest, der für deinen Körper angenehm und verträglich ist. Wohlwollen und kritisches Denken schließen sich schließlich nicht aus.
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Moin, der Hinweis auf den Missbrauch von Achtsamkeit ist tatsächlich interessant. Gerade aus buddhistischer Sicht könnte man allerdings noch einen Schritt weitergehen.
Vielleicht müsste man den Kapitalismus gar nicht ständig bekämpfen. Vielleicht kann man ihn zunächst einmal wegatmen. 😄
Einatmen: „Ich brauche noch mehr.“
Ausatmen: „Ach nee, eigentlich nicht.“
Einatmen: Status, Wachstum, Leistung, Besitz.
Ausatmen: Loslassen.
Und währenddessen sitzen die ganz großen Köpfe der Welt da, kommentieren, regieren, rechnen, planen und erlassen Gesetze – und sind trotzdem auf dieselbe kleine buddhistische Grundfunktion angewiesen wie alle anderen: einatmen, ausatmen.
Der eine sucht seine Krankenkassenkarte, der andere sucht Nirvana. Beide suchen offenbar etwas. 😄
Das eigentlich Interessante am Buddhismus ist für mich deshalb nicht, dass man Achtsamkeit möglichst effizient in das bestehende System einbaut, damit Menschen anschließend noch entspannter funktionieren und noch produktiver konsumieren. Wenn Achtsamkeit lediglich dazu dient, Menschen an schlechte Verhältnisse anzupassen, wird aus einer Befreiungspraxis ziemlich schnell ein Wellnessprogramm für das Hamsterrad.
Achtsamkeit sollte nicht manipulativ eingesetzt werden.
Und ich wiederhole es gerne:
Achtsamkeit sollte nicht manipulativ eingesetzt werden.
Vielleicht ist die radikalste antikapitalistische Übung deshalb manchmal erstaunlich unspektakulär: sitzen, atmen, wahrnehmen – und feststellen, dass man gerade überhaupt nichts kaufen muss.
Der Kapitalismus verspricht uns ständig das nächste Objekt der Begierde.
Der Atem sagt nur:
Hier. Jetzt. Reicht.
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Hallo,
wenn ich mit meinen Ärzten spreche und ihnen erkläre, dass mir andere Ärzte selten helfen können bekam ich schon mehrfach die Antwort, dass ich zu "schlau" wäre und mit schlauen Patienten ist es schwer zu arbeiten.
Das mag arrogant klingen, aber grad im psychischen Bereich ist das ganz extrem. Da ist was dran oder?
Generell möchte ich auch in Frage stellen, ob eine Form der Intelligenz oder wie immer man es nennen mag deutlich mehr Probleme mit anderen Menschen mit sich bringt in der Interaktion als wenn man nicht so ist.
Ich möchte betonen, ich bin sicher mit einer hohen sozialen Kompetenz und Allgemeinwissen ausgestattet und introvertierter, heißt dass das solche Menschen es schwerer haben im Leben?
Ich weiß auch nicht wie ich es ausdrücken soll, aber kann es sein, dass oberflächlichere Menschen es generell leichter haben im Sinne, weil die halt weniger reflektieren? Ich denke ja.
Weil ich habe einen Freund der hat seltsamerweise ähnliche Probleme wie ich.
Wobei er ist wirklich intelligent und ich nur auf bestimmten Ebenen wissend, bei einen Intelligenztest würde ich vermutlich nicht gut abschneiden.
Das ist eine wichtige Frage für mich, weil die würde mir sehr viel erklären wenn ich so zurück schaue auf mein Leben bzw. auch auf das wo ich jetzt stehe. Wie seht ihr das?
Ah ja, der Arzt heute meinte, "kluge" Menschen wüssten selbst die Lösungen und genau das macht es bei z.B. einer Therapie im psychischen Bereich schwer. Ist das seine Einzelmeinung oder ist da was dran.
Ich verstehe den Buddhismus übrigens als Unterstützung, aber das habe ich ohnedies schon geschrieben des Öfteren. Wobei ich bei meiner Sicht bleibe bei gewissen Erkrankungen, ob mental oder körperlich kann durch die Lehre des Buddhismus sehr wohl eine Verbesserung der Erkrankung erreicht werden.Ich würde an deiner Stelle zunächst einmal die Wahrnehmung hinter deiner eigenen Erklärung untersuchen.
Du schreibst mehrfach von „klugen“, „oberflächlichen“ und „weniger reflektierten“ Menschen und stellst die Hypothese auf, dass dir dein vermeintlich höheres Maß an Reflexion das Leben erschwert. Aber woher weißt du eigentlich, dass genau das die Ursache ist?
Ein Zen-Meister würde vielleicht fragen: Wer ist es, der hier feststellt, dass er besonders klug und die anderen oberflächlich sind?
Und noch etwas würde ich unterscheiden: Intelligenz ist nicht dasselbe wie Wissen. Wissen ist angesammelte Information, Intelligenz beschreibt bestimmte kognitive Fähigkeiten. Und beides ist wiederum nicht dasselbe wie Weisheit. Man kann sehr viel wissen und trotzdem sehr wenig über sich selbst erkennen. Man kann hochintelligent sein und trotzdem an seinen eigenen Vorstellungen festhalten.
Gerade deshalb finde ich deine Aussage interessant, dass du bei einem Intelligenztest vermutlich gar nicht besonders gut abschneiden würdest, dich aber gleichzeitig als „auf bestimmten Ebenen wissend“ beschreibst. Vielleicht liegt darin bereits ein wichtiger Hinweis: Du musst dich nicht über die Kategorie „klüger als andere“ erklären, um deine Erfahrungen verständlich zu machen.
Auch die Vorstellung, oberflächlichere Menschen hätten es leichter, weil sie weniger reflektieren, würde ich vorsichtig hinterfragen. Vielleicht haben manche Menschen weniger Grübeln. Das ist aber nicht automatisch dasselbe wie weniger Tiefe. Und viel Reflexion ist ebenfalls nicht automatisch Weisheit. Der Geist kann sich nämlich auch sehr gründlich im Kreis drehen.
Buddhistisch gesprochen kann sogar die Vorstellung „Ich bin besonders reflektiert und deshalb leide ich mehr als die anderen“ zu einer weiteren Identifikation werden. Dann wird aus Erkenntnis sehr schnell ein neues Ich-Bild.
Dass ein Arzt sagt, manche Patienten wollten ihre eigenen Lösungen bereits kennen, kann durchaus etwas Wahres enthalten. Eine Therapie verlangt manchmal gerade, die eigene bisherige Sichtweise nicht zum Maßstab für alles zu machen. Das hat aber weniger mit einer Rangordnung von „schlau“ und „dumm“ zu tun, als mit der Fähigkeit, die eigene Wahrnehmung überprüfen zu lassen.
Und genau hier würde ich auch bei buddhistischen Erklärungen vorsichtig sein. Der Dharma ist kein Ersatz für eine notwendige medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Die Vorstellung, man müsse nur die richtige buddhistische Lehre verstehen und könne dadurch psychische oder körperliche Erkrankungen grundsätzlich überwinden, ist eine gefährliche Verkürzung. Solche Vereinfachungen hat es leider auch im Umfeld von Ole Nydahl gegeben. Ein Dharma, das aus einer großen spirituellen Erklärung für jedes menschliche Problem besteht, sollte einen eher misstrauisch machen.
Vielleicht ist die buddhistischere Frage deshalb gar nicht:
„Bin ich intelligenter als die anderen und habe deshalb mehr Probleme?“
Sondern:
„Kann ich erkennen, wo meine eigene Vorstellung von mir selbst möglicherweise Teil des Problems ist?“
Das wäre für mich der interessantere Ausgangspunkt. Nicht weniger denken – sondern dem eigenen Denken nicht automatisch glauben.
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"Das, was alles enthält und in nichts enthalten ist ausser in sich selbst ... "
Ein Ich ist nur ein „Ich“ ohne Zusätze. Das ist Atman ohne Atman, Anatman ist nicht existent.
Buddha zeigt das es die rechte Ansicht ist, die Samsara erkennen lässt, denn darin agiert „Ich bin“. Nur so kann „Ich-bin“ von seinem „Ich bin dies und das“ dukkha befreit werden. Ich ohne Ich kann sein „Ich-bin“ von Dukkha befreien, einfach durch Dasein.
Anwesende: Joshu, Hund, Mönch. Nicht anwesend: Buddhanatur.
„Hat der Hund Buddhanatur?“
„MU! Lass es.“
Bürde weder dir, noch mir noch dem Hund eine „Buddhanatur“ auf. Aber des Menschen ist sein Himmelreich, du kannst sie selbstverständlich auf deine Schultern legen. Eine Buddhanatur sein, haben, ablehnen.
„Ich habe die Frau schon vor einer Stunde abgestellt, du trägst sie immer noch.“
Wenn du auf der Spitze des Fahnenmastes stehst, dann lass dir nicht auch noch vom Meister einreden das es dort die Möglichkeit eines Fußweges gibt.
Bei einem onlyspinscasino ist es ähnlich: Bei Spielen und Slots führt der vermeintlich einfache Weg auch nicht immer dahin, wo man eigentlich hinwill.
Manchmal habe ich bei solchen Texten das Gefühl, mein „Ich“ braucht erstmal einen Kaffee, bevor es sich auflösen lässt 😄 Aber der Gedanke, dass man sich selbst nicht noch zusätzlich mit allen möglichen Etiketten beladen muss, hat schon was.
Dein Kaffee-Spruch mag heiter gemeint sein, doch er zeigt zugleich, dass du den entscheidenden Punkt noch nicht verstanden hast.
Das buddhistische „Nicht-Selbst“ ist kein philosophischer Trick, mit dem man das „Ich“ einfach auflösen könnte, sobald man genügend darüber nachgedacht hat. Und es ist ebenso wenig eine Einladung, sich selbst mit immer feineren Begriffen zu analysieren.
Du sagst, man müsse sich nicht mit Etiketten beladen. Gut. Dann fang damit an, auch deine Vorstellung davon loszulassen, was „mein Ich“ überhaupt sei.
Ein Schüler des Dharma sollte nicht ständig nach einer besonders klugen Formulierung suchen, sondern sehen, wie Anhaften tatsächlich im eigenen Geist entsteht. Dort beginnt die Übung.
Der Kaffee darf bleiben. Das Anhaften daran, wer du dabei zu sein glaubst, darfst du allerdings getrost untersuchen. 😄
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„Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni!
Ihn, der vollkommen ist im Wissen und im Wandel,
mit Recht ja hast du ihn gelobt!“
Ich versuche das ganz Sutta zu erklären, so wie ich es verstanden habe:
Das Hemavata Sutta ist ein Zwiegespräch in der Nacht. Zwei Wesen, Sātāgira und Hemavata, gehen zum Erwachten. Sie wollen wissen, ob dieser Lehrer wirklich frei ist. Sie stellen keine Glaubensfragen. Sie prüfen. Frage um Frage legen sie vor. Und der Buddha antwortet.
Zuerst geht es um das Herz. Ist sein Geist wohlgesinnt zu allen Lebewesen? Bleibt er gelassen, wenn Angenehmes und Unangenehmes auftauchen? Sātāgira beantwortet es für sich: Ja, sein Herz ist wohlgesinnt, sein Denken ist bemeistert. Hier zeigt sich etwas, das für einen Menschen, der den Pfad betreten hat, keine Theorie mehr ist. Wohlwollen ohne Ausnahme ist keine Anstrengung. Es ist die natürliche Haltung. Die grobe Abneigung ist weggefallen. Was bleibt, ist eine offene, freundliche Zuwendung, die nicht zwischen Freund und Feind unterscheidet.
Dann kommen die Taten. Nimmt er, was nicht gegeben ist? Tut er Lebewesen etwas zuleide? Ist er lässig? Versäumt er die Schauung? Die Antwort: Er nimmt nicht, was nicht gegeben. Er ist rücksichtsvoll zu den Wesen. Von Lässigkeit hält er sich fern. Die Vertiefung lässt er nicht los. Das sind keine Gebote, die jemand einhalten muss. Das ist der Boden, auf dem so jemand steht. Die fünf Tugenden sind nicht eine Mauer, gegen die man kämpft. Sie sind der eigene Atem. Es ist möglich, das man irgendwan gar nicht anders kann, als sie zu achten. Nicht aus Zwang. Aus Klarheit.
Dann die Rede. Spricht er Lüge? Ist seine Rede barsch? Redet er verleumderisch? Schwätzt er? Nein. Er spricht kein Lügenwort. Seine Rede ist frei von Barschheit. Er verleumdet nicht. Als Weiser spricht er sinnvoll. Auch das ist kein Regelwerk. Es ist die Stimme eines Menschen, dessen Inneres ruhig geworden ist. Worte kommen aus dieser Ruhe. Sie verletzen nicht. Sie trennen nicht. Sie füllen keine Lücken mit Lärm.
Nun fragt Hemavata nach dem tieferen Grund. Ergötzt er sich an Lüsten? Bleibt sein Geist unerregt? Ist er dem Wähnen entgangen? Hat er klaren Blick für alle Dinge? Sātāgira antwortet: An Lüsten ist er nicht ergötzt. Unerregt ist ihm der Geist. Entgangen ist er allem Wahn. Erwacht, hat er klaren Blick. Hier wird es still im Text. Wer diese Worte hört und in sich selbst sieht, erkennt: Das ist kein fremdes Ideal. Das ist die eigene Wirklichkeit, wenn auch noch nicht in letzter Tiefe. Die grobe Lust am Sinnlichen ist möglicherweise durchschnitten. Der Geist wird nicht mehr von jedem Windstoß umgeworfen. Der Wahn von einem beständigen Ich kann sich lösen. Was dann bleibt, ist ein klares Sehen.
Die letzte Frage: Ist hohes Wissen ihm zu eigen? Ist sein Lebenswandel lauter? Sind die Triebe versiegt? Gibt es kein Wiedersein? Ja. Hohes Wissen ist ihm zu eigen. Lauter ist sein Wandel. All seine Triebe sind versiegt. Kein Wiedersein gibt es für ihn. Das ist die volle Befreiung. Der Strom ist überquert.
Und dann kommt der Satz, der alles zusammenfasst. Hemavata sagt: Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni. Ihn, der vollkommen ist im Wissen und im Wandel, mit Recht ja hast du ihn gelobt. Geist, Tat und Wort sind eins. Da ist keine Kluft mehr. Was innen ist, wird außen sichtbar, ohne Verzerrung.
Wenn jemand den ersten Schritt getan hat, ist dieses Sutta wohl kein Bericht über einen fernen Lehrer. Es ist eine Beschreibung des eigenen Weges, in seiner Richtung und in seinem Ziel. Die Fragen sind nicht die Fragen eines Außenstehenden. Es sind die Fragen, die derjenige selbst durchlebt hat, Stufe um Stufe. Und die Antworten sind keine Informationen, die man sammelt. Es sind Bestätigungen dessen, was man selbst zu schmecken begonnen hat. Das Vertrauen wird dasein, weil man gesehen hat. Die Tugend, weil das Grobe abgefallen ist. Die Sammlung, weil der Geist zur Ruhe gekommen ist. Und ein Stück Weisheit ist da, weil der Wahn dünner geworden ist.
Das Hemavata Sutta erzählt also nicht von einem fernen Buddha. Es erzählt von dem, was im eigenen Innern zu wachsen beginnt. Es ist eine Karte für den Weg, den man bereits geht. 🙏
Ich finde deine Auslegung in vielem sehr treffend, besonders den Gedanken, dass sich beim Vollendeten Geist, Rede und Handlung nicht widersprechen. Genau darin liegt für mich ein wesentlicher Punkt des Hemavata Sutta.
Eine kleine Einschränkung würde ich allerdings machen: Das Sutta beschreibt nicht einfach unseren eigenen gegenwärtigen inneren Zustand. Es beschreibt den Buddha als den Vollendeten – einen Menschen, bei dem die Triebe versiegt sind und kein Wiederwerden mehr besteht. Zwischen einem Übenden und diesem Zustand sollte man deshalb nicht vorschnell eine Gleichheit herstellen.
Auch die Tugend ist am Anfang durchaus Übung. Mettā, Achtsamkeit, Sammlung und rechte Rede müssen kultiviert werden. Beim Buddha dagegen sind diese Qualitäten nicht mehr etwas, das gegen innere Widerstände durchgesetzt werden muss. Sie entsprechen seinem befreiten Geist.
Gerade deshalb finde ich den Schluss so stark: „Vollendet wie sein Geist ist Tat und Wort des Muni.“ Das ist mehr als moralisches Wohlverhalten. Es bedeutet, dass zwischen innerer Befreiung und äußerem Handeln keine Kluft mehr besteht.
Vielleicht ist das die eigentliche Schönheit des Sutta: Es fordert uns nicht dazu auf, uns einzureden, bereits erwacht zu sein. Es zeigt uns vielmehr, woran sich Befreiung erkennen lässt: an der Läuterung des Geistes, an der Rede, an den Taten und schließlich daran, dass die Ursachen des leidvollen Wiederwerdens überwunden sind.
In diesem Sinne ist das Hemavata Sutta für mich weniger ein Selbstbild als eine Wegweisung.
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Ich finde, Qualia hat hier einen entscheidenden Punkt getroffen.
Die Frage ist doch nicht nur, ob der alte Mann Alkohol getrunken hatte oder ob er sich anschließend unangemessen verhalten hat. Die buddhistisch viel interessantere Frage lautet: Wie begegne ich einem Menschen, der offensichtlich leidet?
Man hätte zunächst wahrnehmen können: Da steht ein alter Mensch vor mir, möglicherweise einsam, möglicherweise suchtkrank, möglicherweise einfach verzweifelt und auf der Suche nach einem Ort, an dem er nicht allein ist. Genau dort beginnt doch Mitgefühl.
Das bedeutet nicht, dass man jede Grenze aufgeben muss. Wenn jemand aggressiv wird, darf man selbstverständlich für die Sicherheit aller sorgen und ihn gegebenenfalls hinausbegleiten. Aber zwischen „ihn bei allem gewähren lassen“ und „schick ihn weg, weil er unser schönes buddhistisches Umfeld stört“ liegt ein gewaltiger Unterschied.
Man hätte mit ihm sprechen, ihm zuhören und sein Leiden zunächst einmal aushalten können. Vielleicht hätte man ihm ruhig erklärt, dass er in seinem gegenwärtigen Zustand nicht an der Meditation teilnehmen kann, ihm aber trotzdem vermittelt, dass er als Mensch nicht abgelehnt wird und nüchtern wiederkommen darf.
Genau das verstehe ich unter einer buddhistischen Haltung: Nicht zuerst fragen, wie ich die unangenehme Situation möglichst schnell loswerde, sondern erkennen, was gerade vor mir liegt, und angemessen darauf antworten.
Der alte Mann war in diesem Moment nicht einfach ein „Betrunkener“, der das Zentrum störte. Da war ein Mensch mit seinem Leiden. Und gerade an solchen Menschen entscheidet sich, ob Mitgefühl tatsächlich praktiziert wird oder nur innerhalb angenehmer Grenzen existiert.
Insofern halte ich Qualias Einwand für sehr berechtigt: Das Leiden anderer nicht einfach aus unserem Blickfeld zu entfernen, sondern ihm offen zu begegnen, ist wesentlich näher an buddhistischer Praxis als die bloße Wahrung einer vermeintlich reinen, störungsfreien Atmosphäre.
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Matthie, ich würde dir insofern widersprechen, als dass ein bisschen Mitgefühl allein noch keine Bodhisattva-Haltung ausmacht.
Ja, du lässt zumindest erkennen, dass hinter dem Verhalten eines Menschen auch Leid stehen kann. Das ist ein wichtiger Schritt. Aber buddhistisches Mitgefühl bedeutet mehr, als einen leidenden Menschen grundsätzlich sympathisch zu finden oder ihm gute Wünsche mitzugeben.
Der Bodhisattva versucht, den leidenden Menschen nicht auf sein störendes Verhalten zu reduzieren. Gerade dort, wo jemand unangenehm, verwirrt oder schwierig ist, zeigt sich doch, wie tief das eigene Mitgefühl tatsächlich reicht.
Dabei bedeutet Mitgefühl selbstverständlich nicht, jede Grenzüberschreitung hinzunehmen. Man kann jemanden aus einem Zentrum wegschicken und gleichzeitig sein Leiden sehen. Man kann klare Grenzen setzen, ohne den Menschen innerlich abzuschreiben.
Genau diese Verbindung von Klarheit und Karuna fehlt mir in deiner Argumentation noch etwas. Du lässt Mitgefühl zu – und das ist gut. Aber daraus folgt noch lange keine Bodhisattva-Haltung.
Der entscheidende Punkt wäre: Sehe ich in diesem Menschen trotz seines schwierigen Verhaltens weiterhin ein leidendes Wesen, dem ich nicht mit Abwertung, Ekel oder Gleichgültigkeit begegne?
Für mich beginnt dort erst wirklich buddhistisches Mitgefühl.
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Ich glaube, hier vermischst du ziemlich unterschiedliche philosophische Systeme und nennst das anschließend buddhistische Erkenntnis.
Du schreibst von einer „illusionären Welt“, von einem „Schöpfer dieser Welt“ und schließlich von einer „Quelle allen Seins“, die durch Meditation erkannt werden soll. Genau an diesem Punkt wird es aus buddhistischer Sicht problematisch.
Der Buddha lehrt gerade nicht, dass hinter der bedingten Welt irgendwo ein metaphysischer Schöpfer oder eine „Quelle allen Seins“ als letzte Wirklichkeit gefunden werden müsse. Und schon gar nicht ist Erwachen die Entdeckung eines verborgenen Wesens, das „hinter“ der Welt steht.
Deine Formulierung „Der den Baumeister erkennt, steht außerhalb der Welt der Maya und ist nicht das Ich“ klingt zunächst buddhistisch, führt aber durch die Hintertür genau das wieder ein, was Anattā eigentlich untergräbt: einen besonderen Erkennenden, der sich letztlich außerhalb der bedingten Wirklichkeit befindet.
Auch deine Gleichsetzung von Anattā mit einem Weg, der irgendwann zur „Quelle allen Seins“ führt, halte ich für höchst fragwürdig. Anattā bedeutet nicht: „Das persönliche Ich ist falsch, aber dahinter existiert ein größeres metaphysisches Selbst.“ Genau diese Interpretation wäre gerade kein besonders konsequentes Anattā.
Und auch „Leerheit“ sollte man nicht einfach in ein kosmisches Ganzes verwandeln. Das hast du selbst unmittelbar vorher völlig richtig erkannt – nur scheint mir, dass du anschließend mit „Quelle allen Seins“ und „Schöpfer“ genau diese Tür wieder öffnest.
Man kann natürlich Spinoza, Upanishaden, Vedānta, Mahāmudrā, Dzogchen, Zen und Buddhismus miteinander ins Gespräch bringen. Aber man sollte dann sauber unterscheiden, was jeweils die eigene Lehre ist.
Sonst entsteht eine Art metaphysischer Mischmasch, bei dem buddhistische Begriffe verwendet werden, um Aussagen zu transportieren, die keineswegs selbstverständlich buddhistisch sind.
Der Buddha hat nicht gelehrt: „Finde den Schöpfer der Maya.“
Er hat gelehrt, die Entstehung und das Vergehen von Leiden, Anhaften und Unwissenheit zu durchschauen.
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Und genau deshalb würde ich bei solchen Aussagen etwas weniger schnell von „der Quelle allen Seins“ sprechen und etwas genauer hinschauen, was der Buddha tatsächlich gesagt hat – insbesondere wenn man sich auf Anattā beruft.
☸️
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Ich finde deine Antwort ehrlich gesagt ziemlich ernüchternd – gerade in einem buddhistischen Kontext.
Ja, selbstverständlich kann ein betrunkener Mensch für vernünftige Erklärungen momentan kaum zugänglich sein. Und selbstverständlich muss niemand eine eskalierende oder aggressive Situation einfach hinnehmen. Darum ging es mir aber überhaupt nicht.
Mein Punkt war und ist die Haltung dahinter.
Gerade deshalb bin ich über das, was hier teilweise als selbstverständlich dargestellt wird, regelrecht entsetzt: Wir reden über einen betagten Menschen, der offensichtlich in einer schwierigen Situation war, und anstatt zuerst den leidenden Menschen zu sehen, wird sehr schnell der „Betrunkene“ gesehen, der stört, nichts versteht und raus muss.
Das mag organisatorisch manchmal notwendig sein. Aber buddhistische Ethik erschöpft sich nicht darin, Grenzen korrekt durchzusetzen.
Das fünfte Sīla ist nicht einfach eine Vorschrift nach dem Motto „Alkohol = unerwünschte Person“. Es geht um einen Geist, der nicht von Verblendung und Berauschung beherrscht wird. Und genau hier beginnt für mich die eigentliche buddhistische Prüfung: Wie begegne ich einem Menschen, dessen Geist gerade verwirrt ist?
Buddha lehrt Mettā, Karuṇā und Nichtverletzen. Das gilt nicht nur für angenehme, vernünftige und pflegeleichte Menschen.
Wenn jemand betrunken ist und randaliert, darf man ihn selbstverständlich aus einem geschützten Raum entfernen. Aber man kann das tun, ohne ihn als Menschen abzuschreiben. Man kann Grenzen setzen und gleichzeitig Mitgefühl bewahren.
Genau diese Unterscheidung scheint mir in deiner Antwort zu fehlen.
Und deshalb bin ich über die Missachtung grundlegender buddhistischer Ethik, die in solchen Aussagen mitschwingen kann, tatsächlich entsetzt. Nicht weil jemand einen Betrunkenen aus einem Meditationsraum verweist – das kann völlig angemessen sein –, sondern wenn daraus eine Haltung entsteht, in der der leidende Mensch nur noch als lästiges Problem betrachtet wird.
Das Dharma zeigt sich doch gerade dort, wo es schwierig wird.
Mitgefühl ist keine Belohnung für gutes Benehmen.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung: Nicht nur dann freundlich und gelassen zu sein, wenn uns der andere entgegenkommt, sondern auch dann Menschlichkeit zu bewahren, wenn sein Geist gerade völlig verwirrt ist.
Grenzen und Mitgefühl schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Erst ihre Verbindung macht aus einer bloßen Abwehrreaktion buddhistische Praxis.