Der Betreff war jetzt natürlich ein bisschen "clickbaitig": Ich schreibe gerade ein Buch über den Edlen Achtfachen Pfad. Ich verwende dort statt "Hinayana" "Theravada" und statt "Mahayana" "Sutrayana". Persönlich halte ich diese "Etikette" für angemessen, da ich die Begriffe Mahayana und Hinayana immer als mindestens implizit wertend wahrgenommen habe. Wie haltet ihr das? Ist das überhaupt ein Thema?
Ist "Theravada" das bessere Hinayana?
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Wenn man über die Situation heute redet, dann macht es fast immer Sinn den Begriff "Hinayana" ganz zu vermeiden und man kann fast immer stattdessen "Theravada" schreiben. Es gibt allerdings Leute, die betonen wollen, dass der Weg von dem Buddhismus zur Zeit Buddhas zum Theravada durchaus eine komplexe Geschichte mit Entwicklungen ist..
Im historischen Kontext ist so eine Gleichsetzung manchmal ungeschickt. In manchen Mahayana Texten gibt es negative Abschnitte über den Hinayana und oft ist es so, dass damit gerade nicht der Theravada gemeint waren sondern die Sautrantika, die gerade im tibetischen Kontext stark studiert wurden.
Gerade weil man da später oftmals überhaupt keine realen Nicht-Mahayana-Buddhisten hatte, retatardierte der "Hinayana-Begriff" zu einem Strohmann ( ein bisschen wie das herkömmliche Vollwaschmittel in der Werbung) anhand derer man die Bodhisattva-Motivation aufzeigte.
Im Buddhismus in Tibet werden die Begriffe Hinayana und Mahayana ausschließlich im Sinne der persönlichen Motivation für die Erleuchtungsbemühung genannt. Sie bezeichnen komplementär die Motivation des Übenden, für sich persönlich oder zum Wohle aller Wesen die Erleuchtung zu erlangen.
Dies ist eine ziemliche Verflachung, man meint keine echte andere Schule sondern quasi eine "mindere Motivation". Hier passt der Begriff "Hinayana" und den Begriff "Theravada" einzusetzen wäre herabsetzend.
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Hinayana wird ja oft so definiert als Auslegungen des Buddhismus die als Ziel die arhatschaft anstreben also die Erleuchtung für sich selbst.
Im Theravada ist das eine Möglichkeit unter mehreren. Stichwort samma sambuddha.
Insofern kann man Theravada als Mahayana-Tradition bezeichnen. Damit verwirrt man natürlich nur.
Der Mahayana Begriff ist aber selbst wenn man Theravada exkludiert ja so breit dass er fast nutzlos ist. Da Theravada unters Dach zu packen macht den Kohl nicht fett.
Sutrayana finde ich nicht besonders gut als Begriff. Würde ich den Begriff ins Pali übersetzen wäre es ja Suttayana und damit wieder eine Art Palibuddhismus. Ein Begriff sollte einigermaßen robust genug gehen Übersetzungen in kognate sein.
Bikkhu Vimalaramsi (?) nannte seine Lehre Suttavada und da hat man das selbe Problem. -
Wie haltet ihr das? Ist das überhaupt ein Thema?
Wenn ich das so frei heraus sagen darf: Für mich so unnötig wie ein Kropf.
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Wei mans macht, ists also nie ganz richtig. Ich bleibe jetzt bei "Sutra-" und "Theravada". "Hinayana" und "Mahayana" trägt durch "kleines" und "großes" Fahrzeug zu viele wertende Konnotationen. Und bei "Schule der Älteren" biegt ja um die Ecke, dass es historisch vor den "Sutras" liegt – was ja historisch richtig ist. Ansonsten stimme ich mukti voll zu. Ich muss in meinem Buch nur irgendwie klar machen, dass es hier unterschiedliche Linien / Traditionen gibt. Sehr hilfreich für mich was noch mal der "Sautrantika" Aspekt von void . Das würde den Rahmen nur komplett sprengen und noch weiter verunsichern. Das betrifft auch das, was pano gesagt hat. Andererseits ist das natürlich auch gut, weil damit dieses Forum sicher noch mehr Zulauf bekommt. Vielen Danke und einen schönen Sonntag.
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Ich bleibe jetzt bei "Sutra-" und "Theravada". "Hinayana" und "Mahayana" trägt durch "kleines" und "großes" Fahrzeug zu viele wertende Konnotationen.
Wenn ich das so frei heraus sagen darf: Das ist Blödsinn. Weder gilt Theravada = Hinayana noch Sutrayana = Mahayana. Mal sehen wofür der Theravada bei dir überall herhalten muss

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Mal sehen wofür der Theravada bei dir überall herhalten muss

Am liebsten so, dass Anfänger*innen nicht völlig verwirrt werden, es trotzdem nicht ganz falsch ist und dabei möglichst die Begriffe verwendet werden, die in der Literatur auftauchen. Danke dir auf jeden Fall.
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Zu dem Thema ist mir doch gerade etwas über den Weg gelaufen....
Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen. Schönes Rest-Wochenende,
Aravind.
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Mal sehen wofür der Theravada bei dir überall herhalten muss
Am liebsten so, dass Anfänger*innen nicht völlig verwirrt werden, es trotzdem nicht ganz falsch ist und dabei möglichst die Begriffe verwendet werden, die in der Literatur auftauchen.
Zitiere doch bitte die Literatur, die Theravada mit Hinayana gleichsetzt.
In der Einführung zum Kathāvatthuppakaraṇa-aṭṭhakathā heißt es zum Beispiel, dass es 17 schismatische Sekten gibt, die dort nicht unter dem Begriff Hinayana laufen, und eine nicht-schismatische: nämlich den Theravāda. Der Theravāda ist wie der große Banyanbaum und die anderen Schulen sind wie Dornen auf diesem Baum. Das Werk Kathāvatthu und sein aṭṭhakathā wurden dann verfasst, um die schismatischen Lehrmeinung zurückzuweisen. Und jetzt doch wieder alles eins
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Vielleicht hilft das weiter:
Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen. -
mukti Das hilft – und spiegelt ja auch das wider, was ich nie bestreiten würde: Das es sehr viele, unterschiedliche Schulen/Linien gibt – und Theravada ist eine davon. Dieses Wissen habe ich nicht klar genug herausgestellt, was Mahasi richtigerweise festgestellt hat. Mir ging es eingangs nicht um die Frage, ob "Theravada" ein Synonym für "Hinayana" ist, sondern ob sich Leute, die – und jetzt präzisiere ich die Frage – einer Schule angehören, die aus Sicht das Mahayana zum Hinayana gehört, herabgesetzt fühlen, wenn man von "Hinayana" spricht? Ich habe in buddhistischen Kontexten (Vajrayana) oft Leute erlebt, die von "Theravada" sprachen in Abgrenzung zu Sutrayana aber die Dichotomie "Mahayana-Hinayana" meinten – auch wenn es nicht wirklich korrekt ist, sondern eher dem Zeitgeist Rechnung tragen soll, möglichst nicht zu diskriminieren. Aber anscheinend wird, zumindest in dieser Runde, da gar kein Problem gesehen. Was ich persönlich großartig finde. Vielen Dank nochmal
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Mir ging es eingangs nicht um die Frage, ob "Theravada" ein Synonym für "Hinayana" ist, sondern ob sich Leute, die – und jetzt präzisiere ich die Frage – einer Schule angehören, die aus Sicht das Mahayana zum Hinayana gehört, herabgesetzt fühlen, wenn man von "Hinayana" spricht?
Spaltungen entstehen halt aus unterschiedlichen Ansichten, die eigene Ansicht wird der anderen vorgezogen, also als besser oder richtig empfunden, die andere als schlechter oder falsch. Da gibt es dann laufend Debatten und Streitgespräche. In Indien gab es meines Wissens nie Verbote, politische Verfolgung und Inquisition mit Massenmord und Scheiterhaufen wie bei uns, etwa der sogenannte Hinduismus umfasst viele verschiedene Richtungen. Ab 300 nach Christus gab es dort die riesige Universität Nalanda, wo Anhänger verschiedener Richtungen zusammenlebten, praktizierten und debattierten. Hinayana ist geringer, Mahayana hat allerhand eingeführt, was der Buddha nicht gelehrt hat, wirft man einander vor, ohne einander zu hassen.
Es gab in Indien auch den Brauch, dass sich jemand, der eine Debatte verloren hat, der Richtung des Siegers angeschlossen hat. Im Palikanon kommt es öfter vor, dass "Andersfährtige" nach einem Gespräch mit dem Buddha seinem Orden beigetreten sind, z.B. Anhänger des Mahavira. In deren Schriften ist es umgekehrt, Buddhisten sind zu Jainas geworden.
In unserer Situation heutzutage treffen wieder verschiedene Richtungen unter einem Dachverband zusammen, z.B. die DBU oder die ÖBR und nutzen manchmal dieselben Räumlichkeiten für unterschiedliche Lehrveranstaltungen. Man respektiert sich, veranstaltet keine öffentlichen Streitgespräche und will ein friedliches Bild abgeben, kritisiert wird eher literarisch oder im kleinen Kreis, ohne dass man sich feindlich gegenübersteht. Das wirkt sich dann auf die Bezeichnungen aus, "Hinayana" wird vermieden, um keine öffentliche Diskriminierung aufkommen zu lassen und durch "Theravada" ersetzt, weil das der einzige Orden ist, der vom Hinayana übriggeblieben ist.
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Es kommt auf die Spaltung an. Dann habe ich zwei Schulen: das Hinayana, das sich auf die individuelle Befreiung ausrichtet, und das Mahayana, das die Befreiung aller Wesen erreichen möchte. Beide haben als Grundlage die Pali-Texte und die daraus erscheinenden Ausarbeitungen, die ihren Zielen gewidmet sind.
Meine Erfahrung ist das sich individuelle und die Befreiung anderer ergänzen. Wenn ich mich nur um meine Befreiung kümmere, werde ich ein Eremit, lege ich meinen Fokus auf die Befreiung meiner Mitmenschen, verliere ich mein Ich-Sein, meine Individualität.
Nur einen Weg gehen führt in die Sackgasse das keiner befreit wird. Der Arahat erkennt nicht mehr das er kein unabhängiges Individuum ist, sondern wechselseitig abhängig von allen anderen Lebewesen: Es ist unmöglich, die Befreiung zu erreichen, wegen der Abhängigkeit.
Der Bodhisattva kann nicht mehr erkennen das sein Ziel, alle zu befreien, unerreichbar ist, weil er sich der Befreiung verweigert.
Das an einer Tradition hängen und ihr ausschließlich folgen schafft eine Mauer um die Befreiung. Der einer Lehre Folgende kann Buddhas Weg nicht mehr erkennen.
Buddha lebt es vor: Erst als er befreit war, konnte er sich entscheiden, ob er belehren oder einfach als normaler Mensch leben wollte, seine Befreiung verbergen.
Mit der Befreiung in sich kann man nicht mehr lehren oder andere führen. Belehren hat nur Konflikte mit den anderen zur Folge, genauso wie der Versuch, ein Buddha zu sein und als Führungsperson zu fungieren.
Er wählte den mittleren Weg: „Komm her und sieh selbst.“ Damit blieb der, dem er etwas zeigt, frei in seiner Entscheidung. Das Gezeigte sehen und entweder versuchen, so zu bleiben, wie er ist, sich also mit dem Gezeigten arrangieren, oder das Gezeigte zu seinem Befreien von seiner Ich-bin-Identifikation zu nutzen.
Buddha hat getan, was er konnte: seine freie Entscheidung zu zeigen, ohne den Anspruch das der andere das Gezeigte sehen oder annehmen oder verwirklichen muss. Das konnte er erst machen, als er sich von der Identifikation „Ich will alle befreien oder ich bin befreit.“ losgelöst hatte.
Ich kann niemanden befreien, auch mich nicht, ich ist immer da. Doch was bin ich dann? Für die, die mich sehen, das, was sie sehen, und in mir: Ich weiß es nicht, weil ich nicht das bin, das andere sehen.

Wie man gut in der Grafik sieht, entfernen sich alle Schulen von Buddha. Das muss auch so sein den es gibt viele Menschen, die mir etwas zeigen, dem ich folgen kann. Doch wenn ich bemerke das ich mich mit der Schule identifiziere, muss ich zurückgehen, und das wird von den Schulen nicht unterstützt.
Man muss also die Schule verlassen, das Floß erkennen oder sich einordnen. Das heißt nicht das man nicht befreit sein kann: Jeder, der mich sieht, sieht das, was er sehen möchte, meine Befreiung wird davon nicht berührt, denn ich bin nicht das, was andere sehen, und auch nicht das, was ich in mir sehen möchte. Der Dalai Lama ist so einer. Ich erkenne noch ein paar, doch die werde ich nicht nennen.
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Was meinst Du mit "der Dalai Lama ist so einer"?
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Es gibt bestimmte Unterschiede, als sich das Mahayana sozusagen etabliert hatte. Hier verlinke ich das Kapitel aus dem Buch „Mahayana-Buddhismus“ von Hans Wolfgang Schumann. Kann sein, es hilft weiter:
Vom Frühbuddhismus zum Mahāyāna: Die Philosophie der Leerheit
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.Mir ging es eingangs nicht um die Frage, ob "Theravada" ein Synonym für "Hinayana" ist, sondern ob sich Leute, die – und jetzt präzisiere ich die Frage – einer Schule angehören, die aus Sicht das Mahayana zum Hinayana gehört, herabgesetzt fühlen, wenn man von "Hinayana" spricht?
Die fühlen sich zu Recht herabgesetzt wenn man im Bezug auf sie und den "Theravada" von "Hinayana" spricht. Aber weite Teile des historischen Hinayana - eben gerade die im Mahayana kritisierten - sind nicht Theravada.
Du bist wie jemand der zwanghaft versucht ein Problem mit drei Kategorien auf zwei zu reduzieren. So wie jemand der eine Fledermaus entweder als Vogel oder als Maus sehen will, weil es ihm sonst zu kompliziert wird.
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Vielleicht hilft das weiter
Da dies keine seriöse Quelle ist, ist es für mich nicht hilfreich.
Analayo in The Hīnayāna Fallacy schreibt, dass der Begriff Hīnayāna aus dem Kontext der Polemiken des Mahayana gegenüber anderen Konfessionen kommt und es Probleme bereitet, ihn als historisch-klassifizierendes Konzept zu verwenden. Ebenfalls bei Analayo in A Note on the Term Theravada macht er klar, dass Hīnayāna klar abwertend gemeint ist. So auch bei Asanga Tilakaratne in Theravada Buddhism. Da schreibt er, dass der Mahayana den Begriff Hinayana nicht als "kleines Fahrzeug" verwendet, sondern als "niedriges Fahrzeug". Die Konfessionen, die historisch so bezeichnet wurden, sind die Vaibashika und Sautrantika. Tilakaratne meint für mich fehlerhaft, dass der Theravada aufgrund seines Heilziels auch als Hinayana qualifiziert werden könnte.
Der Dalai Lama in Searching for the Self macht deutlich, dass obwohl viele Tibeter glauben der heutige Theravada stimmt mit Vaibashika/Sautrantika überein, dies falsch ist. Eben dort sagt er explizit, dass der Theravada nicht Teil hat an den 4 tenet systems wie sie im tibetischen Buddhismus behandelt werden: Vaibashika/Sautrantika als Hinayana und Cittamatra/Madhyamaka als Mahayana. Es ist daher falsch, Theravada mit Vaibashika oder Sautrantika gleichzusetzen.
Das Nördliche Chan hat Hinayana verwendet, um auf chinesische Buddhisten zu verweisen, die ihrer Meinung falsche Meinungen/Ziele vertraten (Zeuschner, Robert: The Meaning of Hinayana in Northern Ch'an).
In The Hīnayāna Fallacy schreibt Analayo weiter, dass die Verwendung von Hinayana vor dem Auftreten des Mahayana sinnlos ist, da beide Begriffe zusammengehören. Ebenso ist nach ihm die Verwendung Hinayana für die buddhistischen Traditionen in Sri Lanka und Südostasien falsch.
Natürlich ist alles noch viel komplizierter. Will man die Diskriminierungen alle gegen alle im Buddhismus unter den Tisch kehren, dann wird man der Sache nicht gerecht. Das ist einfach Teil der buddhistischen Geschichte und Philosophie.
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Also mal ganz naiv und praktisch gefragt: Was sagt man denn nun? Wäre es nicht am einfachsten die jeweilige Selbstbezeichnung zu verwenden?
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Was meinst Du mit "der Dalai Lama ist so einer"?
Jeder, der mich sieht, sieht das, was er sehen möchte, meine Befreiung wird davon nicht berührt, denn ich bin nicht das, was andere sehen, und auch nicht das, was ich in mir sehen möchte.
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Ja, so erlebe ich den Dalai Lama. Er ist authentisch und versucht nicht um jeden Preis zu gefallen.
Monika
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Du bist wie jemand der zwanghaft versucht ein Problem mit drei Kategorien auf zwei zu reduzieren. So wie jemand der eine Fledermaus entweder als Vogel oder als Maus sehen will, weil es ihm sonst zu kompliziert wird.
Danke void für diese überraschende Perspektive, so flatterhaft habe ich mich noch nie gesehen.
Im Moment versuche ich einfach nur ein Wording zu finden, das Einsteiger*innen nicht komplett überfordert. Ich kann in einem eher praktisch orientierten Buch, das sich auch an "Anfänger*innen" richtet, schwierig diese Differenzierungen aufmachen, muss sie aber mindestens andeuten. In der Vergangenheit wurde dies mit ""Hinayana" und "Mahayana" getan. Der "Theravada" ist nicht deckungsgleich mit "Hinayana". Aber anscheinend gibt es in diesem Punkt unterschiedliche Auffassungen, die, je nach Perspektive, falsch und falscher sind. Dazu MahasiTilakaratne meint für mich fehlerhaft, dass der Theravada aufgrund seines Heilziels auch als Hinayana qualifiziert werden könnte.
In dieser Diskussion zeigt sich für mich, das "Hinayana" eindeutig negativ konnotiert ist. Es ist also ein Begriff, der nicht verwendet werden sollte.
Wie geht man in einem eher praktisch orientierten Buch nun damit um? Was praktizieren die Dharma-Geschwister in zB. Thailand? Ich bin mir sicher, dass man in jedem zweiten Artikel (wenn nicht noch mehr) "Hinayana" liest. (Auf Wikipedia steht "Theravada" und im "Theravda-Artikel wird der Theravada dem Hinayana (aus Sicht des Mahayana zugeordnet).
Es ist also populär (aber falsch.)
Das muss ich als Autor aufnehmen und dafür sensibilisieren, das es Menschen gibt, die diesen Begriff als problematisch, weil abwertend empfinden – zumal er außerhalb dieses Forums inflationär auch als scheinbar analytisches Werkzeug gebraucht wird.Die fühlen sich zu Recht herabgesetzt wenn man im Bezug auf sie und den "Theravada" von "Hinayana" spricht.
Genau.
Nur wird der "Hinayana" Begriff ja gebraucht. Ich hör den ständig in Dharmazentren. Teilweise inklusive der falschen Gleichsetzung Hinayana = Theravada. Auch wenn das überhaupt nicht stimmt - bis zu dem von Mahasi herausgestellten Punkt, das Anhänger des Chan als "Hinayana" bezeichnet wurden – was dem Begriff jede Trennschärfe nimmt. Mir ist bewusst, dass es "kompliziert" ist – void – und die einfache Dichotomie falsch.
Aber zig Dharmaanfänger*innen treffen auf ihn: in Zentren, in Büchern und in Artikeln. Es ist ein bisschen die Frage: Wie genau will mans wissen? Und was kann man "Anfänger*innen" in einem eher praktisch orientierten Buch (zum Edlen Achtfachen Pfad) zumuten? Ich möchte hier nicht zum "Kulturkämpfer" werden und zukünftig vom "H-Wort" sprechen – aber es ist nun mal ein Thema. Und die Lösung, der ich in real existierenden Dharmazentren (Vajrayana) begegne, ist "Theravada auf der einen und Sutryana auf der anderen Seite." Das ist falsch. Aber vielleicht nicht ganz so falsch wie "Hinayana / Mahayana". Denn am Ende geht es um diese Frage:
Also mal ganz naiv und praktisch gefragt: Was sagt man denn nun?
Und diese Lösung finde ich gut:
Wäre es nicht am einfachsten die jeweilige Selbstbezeichnung zu verwenden?
Finde ich auch. Aber ich möchte den Begriff – der in der Welt ist und der genutzt wird – problematisieren.
Uff. Ich glaube, ich werde das mit einer Fußnote machen. Ich werde den Begriff Hinayana durch "Theravada" ersetzen, so wie ich das im Manuskript aktuell gemacht habe. (Und gehe jetzt in Deckun) Und werde dann eine Fußnote setzen, dass auch das unglücklich ist, weil sich der Theravada sich von anderen Schulen, die mit Hinayana gleichgesetzt werden (Sautrantika, Vaibashika) unterscheidet.
Wenn Neulinge dann in ihrem Zentrum über den Begriff "Hinayana" stolpern, wissen sie zumindest, dass er problematisch ist und sie wissen dann auch, dass es alles nicht so einfach ist .
Danke nochmal für die sehr interessanten Verweise, durch die ich viel lernen kann. -
Aber auch die Begriffe Sutrayana/Theravada sind nicht wertfrei, wenn sie einfach als Ersatz für Mahayana/Hinayana dienen. Sie verschleiern das nur.
Schreibt man aus Sicht des Mahayana hält man sich zwingend für die Besseren; schreibt man aus Sicht des Theravada hält man sich auch für die Besseren. Sonst würde man ja der anderen Praxis folgen. Damit habe ich zumindest kein Problem.
Nimm wieder den Dalai Lama, hier aus The Foundation of Buddhist Practice. Da spricht er darüber, dass die Praktizierenden, die in das Vajra-Fahrzeug eintreten ein außerordentlich starkes Mitgefühl haben oder er verweist auf die drei Stufen der Wesen und wie nur die Höchsten Bodhicitta kultivieren und sich in den Bodhisattva-Taten üben. Das ist ein Überlegenheitsdenken und -dünkeln egal wie du es benennst. Und warum auch nicht.
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In aller Regel bennen Gruppen sich gern so, wie sie genannt werden wollen, und bennen andere gern so, wie sie diese nennen wollen. Da spielen natürlich immer Motivationen eine Rolle, die dann vom Selbstbild über das Weltbild bis zur Auf- und Abwertung reichen. Sowie man diese Begriffe verändert, beginnt man von außen zu verzerren, in der Regel auch aus einer bestimmten Motivation.
Katholiken wollen mit dem Begriff zum Beispiel ausdrücken, dass sie die wahre, universale Kirche sind. Das gefällt den Lutheranern und den Orthodoxen nicht so, weil sie das eigentlich auch beanspruchen. Trotzdem käme niemand auf die Idee, die Katholiken anders zu nennen, außer man hat eine Agenda dabei, dann kommen so Begriffe wie Römer, Papisten, Babylon und sowas raus. Dann gibt's auch noch die Leute, die versuchen, neutral zu sein und so Formulierungen wie römisch-katholisch erfinden, also Fremd- und Eigenbezeichnung in eine neue widersprüchliche Bezeichnung zusammenpacken, die dann neutral sein soll.
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Nimm wieder den Dalai Lama, hier aus The Foundation of Buddhist Practice. Da spricht er darüber, dass die Praktizierenden, die in das Vajra-Fahrzeug eintreten ein außerordentlich starkes Mitgefühl haben oder er verweist auf die drei Stufen der Wesen und wie nur die Höchsten Bodhicitta kultivieren und sich in den Bodhisattva-Taten üben. Das ist ein Überlegenheitsdenken und -dünkeln egal wie du es benennst. Und warum auch nicht.
Dieses Vajra-Fahrzeug schreibt dem historischen Buddha Eigenschaften oder Lehren zu, die man niemals im Theravada finden kann. Im ursprünglichen Buddhismus geht es darum, die totale Befreiung von den Trieben zu erlangen, also sie zu versiegeln, aber dieses Fahrzeug wollte sie als Mittel zur Erleuchtung benutzen. Das ist doch genau das Gegenteil. Plus: Man sollte vorbehaltlos dem Lehrer vertrauen, egal was er sagt, und sich ihm unterwürfig machen. In dem von mir woanders verlinkten Buch von Hans-Günter Wagner zeigt er sehr klar auf, wo die Wurzeln liegen. Mit dem Buddhismus, wie er im Ursprung war, hat das alles nichts zu tun und nichts zu suchen. Deswegen ist es klar, warum dieses Fahrzeug so aggressiv gegen den Theravada vorgeht.
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Theravada ist doch aber auch nicht der Buddhismus von Buddha, sondern die älteste Schule, die überlebt hat.
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