Ich finde es sehr interessant im Buch von Hans-Günter Wagner die Parallelen zwischen der Psychoanalyse und dem Buddhismus.
Dazu meine eigenen Gedanken. Die Psychoanalyse wollte die Persönlichkeit stärken. Das Individuum ist schon nach S. Freud neurotisch, aber es sollte die eigenen verdrängten Triebe (das sogenannte Es) so anpassen und in die Gesellschaft integrieren, dass es normal funktionieren könnte.
Im Buddhismus geht es eher um die totale Dekonstruktion, denn alle Skandhas sind flüchtig und vergänglich. Anatta stellt den ganzen Kern der Tradition dar.
Aber ein Arahat kann sehr gut funktionieren. Er kann Entscheidungen treffen und angemessen auf Situationen handeln. Was bei ihm jedoch abwesend ist, ist diese mentale Ausuferung oder Ausschweifung, also Papañca. Er behält sozusagen seine eigene Individualität, aber er ist im reinen psychoanalytischen Sinne kerngesund, denn er kann sich mit den ganzen Inhalten im eigenen Bewusstsein nicht identifizieren.
Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, dass er bewusst Wohlwollen und Mitgefühl pflegen, hegen und kultivieren kann. Daraus kann man schlussfolgern, dass er wirklich einen gesunden inneren "Kern" hat, nur der ganze Prozess der Wahrnehmung läuft anders ab als bei den sogenannten Normalen.
Wenn ich die schöne Blume auf der Wiese sehe, denke ich sofort darüber nach, wie ich sie benutzen kann, also ins Herbarium stecken oder meiner Frau schenken. Ich konsumiere die Welt, ich koste die Welt aus, ich präpariere sozusagen die lebendige Blume, ich vereinnahme sie oder ich töte sie rein existenziell.
Ein Arahat würde dagegen alles Mögliche machen, um die Blume zu gießen und richtig zu ernähren. Er ist darauf angelegt, die Blume im ganzen Gewebe der Ursachen und Bedingungen zu sehen und ihre Existenz sozusagen zu vervollkommnen.
Deswegen ist es so schwer nachzuvollziehen, scheint mir. Die bekannte Geschichte von Paul Watzlawick über den Nachbarn, den der Protagonist am Ende beschimpft, weil er sich die ganze Geschichte ausgedacht hatte, geht in dieselbe Richtung.