Lieber void, wenn du mir erlaubst, kann ich meine eigene Position ausführlicher erklären. Du schreibst über Dukkha als etwas „Verstörendes“ und „Widersinniges“. Früher hast du geschrieben: „Unsere Geburt führt dazu, dass wir aus der Mutter herauskommen, dass wir altern und sterben, Liebgewonnenes verlieren und Widriges erfahren.“
Das sind sehr harte Worte, aber sie sind menschlich. Für die Natur ist das jedoch absolut gleichgültig, denn diese sogenannte Natur stellt nicht mehr dar als den Strom der bedingten Entstehung, paṭicca-samuppāda. Bestimmte Ursachen und Bedingungen lösen bestimmte Wirkungen aus. Mit meinen eigenen Bewertungen und Beurteilungen hat das nichts zu tun.
So verstehe ich es: Geburt ist Dukkha, ebenso wie Tod und Krankheit. Aber der Buddha hat doch Dukkha überwunden, oder? Gleichzeitig war er selbst alt, krank und ist gestorben. Was sollte ich dann unter dem Begriff „Dukkha“ konkret nachvollziehen? Ich werde auch sterben, das ist das Gesetz. Alles, was entsteht, ist dazu verdammt, zu vergehen.
Hier gibt es keine Grausamkeit, wenn ich deine Worte lese. Das wäre vergleichbar mit dem Gesetz der Gravitation: Wenn etwas mir auf den Kopf fällt, kann es mein Leben kosten. Wenn ich meine Finger in die Steckdose stecke, kann ich sterben.
Die Natur schert sich nicht um mich und meine Person. Punkt.
Unter Dukkha und seiner Überwindung kann ich nur den zweiten Pfeil verstehen, also meine innere Einstellung zum Leben und auch zum Sterben, so wie es ist. Aber das alles wegzuwischen, steht nicht in meiner Kraft.
Du schreibst diesen Gesetzen der Natur eine negative oder widrige Bedeutung zu. Das ist deine eigene Position. Damit erschaffst du selbst die Bedingungen für den sogenannten zweiten Pfeil. Im Sinne: Ist das Glas mit Wasser halb leer oder halb voll?
Abschließend zur Verbundenheit: Ich meine es nicht romantisch oder wie verklärend, aber wenn ich innerlich anerkenne, dass alle leidenden Wesen genau wie ich sterblich sind, dann kann ich mich wahrscheinlich nicht mehr so übermäßig wichtig wahrnehmen. Ich bin nicht mehr der Nabel der Welt, denn alle leiden, und alles ist vergänglich – nicht ich allein. Das ist mein Verständnis dieser Verbundenheit, rein praktisch, ohne Mystik.
Alles Gute.