Was bedeutet für euch Mitgefühl im Alltag? Eher eine innere Haltung oder konkrete Handlungen?
Mitgefühl im Alltag
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Sowohl als auch
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Bei mir ebenso sowohl als auch.
Es ist meine innere Haltung, mein derzeitiges Ich. Und
ich habe das Glueck, diese Haltung ausleben zu koennen.
Privat im kleineren Kreis und beruflich.
Ich kommuniziere staendig mit Schwerkranken in allen Alters-
gruppen. 5 bis 6 mal 8 bis 10 Stunden Tage die Woche.
Ehrlich liebevoll, sehr ruhig in der Stimme und im Tempo.
Klar, ehrlich und offen und dem Menschen wirklich zugewandt.
Weil es mir ein inneres Beduerfnis (geworden) ist.
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Man begegnet oft Situationen, in denen überwiegend negative Themen wie Krankheit, Tod oder Beschwerden besprochen werden. Ich versuche bewusst, mich auf positive und konstruktive Inhalte zu konzentrieren, ohne dass dies fehlendes Mitgefühl bedeutet.
Persönliche Belastungen anderer Menschen aufzunehmen, insbesondere von weniger nahestehenden Personen, kann auf Dauer überfordern. Als Praktizierender ist es wichtig, Mitgefühl zu zeigen, ohne sich selbst zu überlasten.
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Ich stand auch schon manchmal da und mir wurde schwummrig. Jeder hat seine Leistungsgrenze.
Für Bedürfige kenne ich keine Grenzen des Zugrwandtseins. Das kann weit gehen. Bis in die Schatten (und Lichter) eines sterbendes Kindes ...
Tue gutes ist alles was ich von mir erwarte.
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Andererseits gerate ich in fast handgreifliche Konflikte mit
meinem (hyper kapitlistschen) Chef.
Stehe ich auch dazu.
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Ich habe heute diesen Artikel entdeckt. Und denke deshalb das es auch eine Rolle dabei spielt, Mitgefühl zeigen zu können, inwiefern man selbst (tief) zuvor gekränkt worden ist.
Narzissmus-Experte Reinhard Haller: "Wir sollten Putin die Chance geben, sein Gesicht zu wahren"Psychiater Reinhard Haller erstellt Gutachten in spektakulären Kriminalfällen. Seine Thesen über "Die Macht der Kränkung" haben das ZDF zu einem Mehrteiler…www.stern.de -
Was bedeutet für euch Mitgefühl im Alltag? Eher eine innere Haltung oder konkrete Handlungen?
Das eine bedingt m.E. das andere, dementsprechend kann es eigentlich nur die Antwort "Sowohl als auch." geben.
Aber ebenso dürfte es ohne eine Haltung von Wohlwollen/liebender Güte (Metta/Maitri)) schwierig werden, echtes Mitgefühl zu entfalten und zu praktizieren.
Hilfsbedürftigen (Schwachen, Kranken, Leidenden,...) zu helfen, ihnen beiseite zu stehen, fällt dabei i.d.R. viel leichter
(es gehört quasi zum angeborenen und erlernten Sozialverhalten eines "Gruppenwesens"), als beispielsweise
Mitgefühl mit Menschen zu zeigen, die Nahestehende oder einen selbst kränk(t)en, verletz(t)en oder anderweitigen Schaden zufüg(t)en.
Mitgefühl - im Buddhismus - wird erklärt als der "Wunsch, dass alle Wesen glücklich und befreit von Leiden und den Ursachen des Leidens sein mögen".
Dies müsste sich konsequenterweise auch auf die uns eher "Unlieben" erstrecken...
Aber, wehe, uns greift "jemand" an, womöglich noch (aus unserer Perspektive heraus gesehen) - grundlos....
Dabei böte sich jetzt doch die günstige Gelegenheit, Mitgefühl praktisch anzuwenden und es sowohl für sich, als auch für den "Aggressor" zu entfalten...
Aktuelles persönliches Beispiel:
Kürzlich schrieb mir ein (bis dato) unbekannter User dieses Forums eine angriffslustige PN, in der er sich u.a. über meinen - seiner Meinung nach unangebrachten - Nicknamen mokierte, da ich ja "ohne Panna" sei (womit er ärgerlicherweise recht hat...
) und mich aufforderte, doch "loszulassen", vor allem das Schreiben im Forum....
Also ein echt frecher Post und - scheinbar - ohne Grund.
(Obendrein hatte er sich direkt nach seiner "Gift-Träufelei" wieder vom Forum abgemeldet und damit einer Antwortreaktion entzogen...)
Meine erste Reaktion: Lachen (allein sein Name verriet schon, wes Geistes Kind er war)!
Als nächstes nahm ich leichten Ärger wahr, das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein...
Drittens: Analyse des Textes (z.B. auf etwaigen Wahrheitsgehalt + Versuch, die Motivation des Schreibers zu eruieren,...) und der bei mir ausgelösten Emotionen.
Viertens: Mitgefühl entfalten - mit mir UND dem Schreiber.
Fünftens: Abhaken...
(Hm... Anscheinend habe ich es doch noch nicht ganz abgehakt, da es mir zum Thema dieses Fadens wieder hochkam.

Aber vielleicht gibt es da noch etwas zu lernen...)
Liebe Grüße, Anna
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Reinhard Haller ist sehr gut, ich habe mehrere Vorträge von ihm bereits gesehen.
Abschließend möchte ich die eigentliche Frage von Henrik beantworten. Mitgefühl im täglichen Denken oder Handeln. Ich kann da nur für mich sprechen, Beides natürlich, wobei wie erwähnt mit Grenzen, die mich selbst im Bedarfsfall schützen.
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Definition von Mitgefühl von Paul Gilbert:
- Eine Sensivität gegenüber Leid in uns und anderen und
- den Wunsch und das Bestreben, dieses Leid zu mildern oder zu verhindern.
(Mitgefühl üben (MBCL), Springer Verlag)
Allgemein definiert, ist Mitgefühl ein Gefühl der Anteilnahme, das sich einstellt, wenn wir fremden Leiden begegnen und dabei den Antrieb verspüren, etwas zu seiner Linderung beizutragen.
(Thupten Jinpa)
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Definition von Mitgefühl von Paul Gilbert:
- Eine Sensivität gegenüber Leid in uns und anderen und
- den Wunsch und das Bestreben, dieses Leid zu mildern oder zu verhindern.
(Mitgefühl üben (MBCL), Springer Verlag)
Allgemein definiert, ist Mitgefühl ein Gefühl der Anteilnahme, das sich einstellt, wenn wir fremden Leiden begegnen und dabei den Antrieb verspüren, etwas zu seiner Linderung beizutragen.
(Thupten Jinpa)
Eine Sensitivität gegenüber dem Leid des anderen und der Wunsch und das Bestreben, dieses Leid zu mildern.
- • Eine Sensitivität gegenüber Leid in uns und anderen und den Wunsch und das Bestreben, dieses Leid zu mildern oder zu verhindern.
… in uns und anderen …
Sich mit dem Leid des anderen gleichmachen ist Mitleiden und mein Dukkha, sich mit etwas identifizieren, dessen ich mir sicher sein könnte das es nicht meines ist.
Der Denkfehler ist das das Leid in mir, das ich beim Erkennen des Leides im anderen empfinde, nicht dasselbe Leid ist.
Mein Leid und das Leid des anderen sind vermutlich, ähnlich. Dasselbe sind sie nicht.
Empathie bedeutet für mich deshalb nicht, das Leid des anderen zu fühlen. Empathie bedeutet, zu erkennen, dass dort Leid ist, das ich nicht wie er unmittelbar erfahre, aber glaube, Erfahrungen mit ähnlichem Leid zu haben.
Tätiges Mitgefühl hat zwei Arten, sich zu äußern:
Wenn mir der andere wortlos sein Leiden ausdrückt, bleibt nur, körperlich sprachlos ganz bei ihm zu sein. Wenn erlaubt oder gewünscht, auch ganz nahe, der andere zeigt es mit.
Wenn mir der andere von seinem Leid spricht, dann bin ich zuhörend und stelle nur Fragen über das, was ich gehört habe. Ich kann vorsichtig meine Erfahrungen in ähnlicher Lage achtsam einbringen. Achtsam im Wissen das ich sein Leid zu verstehen glaube.
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survival of the kindest
(David Keltner)
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Lindere das Leid des anderen, dass ich spühren kann (Mitgefühl) dadurch, indem ich ihn mit sich in Kontakt bringe. Dieser Kontakt und nur dieser Kontakt kann das innere Leid lindern. Eine äußeres Mitgefühl, eine Empathie die nicht nach innen geht, bewirkt gar nichts, als nur den Schein der Zuwendung.
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Mitgefühl sehe ich als etwas, das jetzt zu lösungsorientiertem Handeln führen sollte. Sich nur in Mitgefühl zu "suhlen" und ansonsten aufs ohnehin sichere Vergehen des Leides im Tod (Parinibbana) zu setzen, erscheint mir unethisch.
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Das ist die Frage, ob Mitgefühl zur Lösungsorientierung dient oder ob es einen gegebenen Zustand einfach erträglicher macht, und daraus wächst die Kraft der Selbstheilung.
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Ich muss an den Comicstrip " Mitleid in alle erdenklichen Richtungen" von Katz und Goldt denken, wo es darum geht, dass Menschen Mitleid miteinander haben ohne dass das faktisch die geringste Konsequenz hat.
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Ich muss an den Comicstrip " Mitleid in alle erdenklichen Richtungen" von Katz und Goldt denken, wo es darum geht, dass Menschen Mitleid miteinander haben ohne dass das faktisch die geringste Konsequenz hat.
Es ist ja kein "echtes" Mitleid, das ev. zu hilfreichen Taten führen würde, was da im Comic gezeigt wird, eher ein (scheinbares) Bedauern "von oben herab", inkl. unterschwelligem leisen Spott, bzw. subtiler Häme...
Diese "Mitleidigen" leiden nicht wirklich mit, sondern ziehen sich schlimmstenfalls noch am "Elend" der "Bedauernswerten" hoch.
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Nun gibt es wieder ein echtes Mitleid, das ist das Gute, und ein unechtes Mitleid, das ist das Böse. Nein, Mitleid ist Mitleid und das führt immer zur Schwächung des Betroffenen. Im Gegensatz zum Mitgefühl – auch das hat keine heilenden Konsequenzen, aber es kann den Schmerz lindern. Einem Arzt, der Mitgefühl hat, wird eher vertraut, als wenn er Mitleid hätte. Mit dem anderen das Gefühl zu teilen, ist eine gute Sache, aber mit dem anderen zu leiden, ist geheuchelt.
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Der Bodhisattva des Mitgefühls Avalokitheshvara gelobte, alle fühlenden Wesen vom Leid zu befreien. Als er bemerkte, dass trotz seiner Bemühungen unzählige neue leidende Wesen nachgewachsen sind, zersprang er in 1000 Teile.
Wir hätten wohl ein Burnout bekommen.
Der Buddha Amitabha setzte ihn darauf wieder zusammen und gab im 11 Köpfe, das Leiden aller fühlenden Wesen zu sehen, und 1000 Arme, um alle vom Leid zu befreien.
Im Alltag bedeutet Mitgefühl wohl beides, eine Haltung und Handlungen.
Da ich kein Bodhisattva bin und doch manchmal denke ich hätte 11 Köpfe, die das Leiden aller fühlenden Wesen sehen, aber nur zwei Arme um sie vom Leid zu befreien, arbeite ich zuerst an mir selbst und meinen Geistesgiften. Das macht es leichter.