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  1. Buddhaland Forum
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Beiträge von ixi

  • Erlöschen erlöst

    • ixi
    • 16. August 2026 um 02:08

    Erlöschen erlöst


    Ohne neuronales Korrelat, so der derzeitige Stand der Neurowissenschaften, gibt es zumindest keine höheren Formen von Bewusstsein.


    Beim Sterben zerfallen nun mit dem neuronalen Korrelat diese Bewusstseinsformen. Ohne sie kein Ich-Erleben, kein Erleben von Angenehmem, Unangenehmem, Neutralem, keine Gier, kein Hass, kein Leid, kein Glück: Parinibbana eben.


    „Zerfallen der Leib, Wahrnehmung aufgehoben

    und jegliches Empfinden ist geschwunden,

    die Geistesregungen sind still geworden

    und das Bewusstsein hat ein End´ gefunden.“ (Udana 8,9)


    Auch wenn dieser Bewusstseinsverlust uns(?) nachtodlich offensichtlich nicht tangiert: Jetzt, im Leben stehend und noch nicht vollständig erwacht, reagieren wir sehr wohl auf diese „Aussichten“ – und zwar oft geradezu reflexartig ablehnend: Wir hängen/haften offenbar an unserem (Er-)Leben und wollen nicht, dass es erlischt!


    Dass dies jedoch keineswegs die einzig mögliche Einstellung ist, zeigt ein Dialog (Anguttaranikaya 9,34) zwischen Sariputta und Udayin:


    Sariputta: „Ein Glück, ihr Brüder, ist das Nibbana! Ein Glück, ihr Brüder, ist das Nibbana!“


    Udayin: „Wie kann denn, Bruder, ein Glück dort bestehen, wo es keine Gefühle mehr gibt?“


    Sariputta: „Eben darin, Bruder, besteht ja das Glück, dass es dort keine Gefühle mehr gibt.“


    Je länger ich dieses Gespräch und seinen Hintergrund bedenke, desto tiefgründiger erscheint mir Sariputtas Standpunkt. Als säkularer Buddhist mache ich ihn mir mehr und mehr zu eigen; gleichzeitig wächst in mir die Überzeugung, dass es unmöglich ist, Parinibbana zu „entkommen“: Auf alle fühlenden Wesen wartet am Lebensende Parinibbana – unabhängig von ihrem Lebensweg und unabhängig davon, ob sie während des Lebens Parinibbana suchen oder fürchten.


    Ich frage mich: Spiegelt obiges Szenario nicht genau den Verlauf des Erwachens? Eines langsamen Erwachens hin zur Einsicht, dass man mit dem Tod nicht das ewige (Er-)Leben gewinnt, sondern als bewusst (er)lebendes Ich endgültig erlischt? Kommt ein derartiges Verständnis nicht einem glücklichen und uneingeschränkten Ja zum Verlöschen schon ziemlich nahe? Wäre es in seiner Vollform nicht auch Ausdruck jener Weisheit, deren lebenslange Kultivierung (Achtfacher Pfad!) ein zentrales buddhistisches Anliegen ist?


    Braucht es dazu metaphysische Annahmen wie Karma, Wiedergeburt, Daseinsbereiche…?

  • Wie ich den sB (derzeit) verstehe

    • ixi
    • 4. Juni 2026 um 15:54

    KarmaHausmeister Das sehe ich durchaus auch so. Vielleicht ist in meinem letzten Beitrag die Passage "spätestens dann" ein wenig untergegangen?


    Habe mir übrigens das Buch "Ocean" von Kenneth K. Tanaka bestellt; es wird aber erst Mitte Juli geliefert.

  • Wie ich den sB (derzeit) verstehe

    • ixi
    • 4. Juni 2026 um 10:50

    Weil hier zuletzt auf den Amitabha-Buddhismus Bezug genommen wurde:


    Nibbana lässt sich nach H. W. Schumann nicht durch gute Taten bzw. Tatabsichten erarbeiten.


    Nibbana tritt laut Jodo Shinshu vielmehr dann ein, wenn jegliche auf das Nibbana gerichtete Eigenkraft (jiriki) endgültig versiegt - mit anderen Worten: wenn man nicht mehr um Nibbana „kämpft“, weil man nicht mehr danach „giert“.


    Dieses Versiegen scheint mir unausweichlich spätestens dann gegeben, wenn das Bewusstsein endgültig erlischt - entweder beim finalen Tod am Ende einer Wiedergeburtenkette oder - wie im sB präferiert - am Ende eines einzigen Lebens.

  • Wie ich den sB (derzeit) verstehe

    • ixi
    • 13. Mai 2026 um 11:29

    Der Buddha wie auch der säkulare Buddhismus spekulieren wenig über ohnehin nicht falsifizierbare metaphysischen Themen; es kümmert sie stattdessen die praktische Lebensführung zum Zweck der Leidminderung in diesem (vermutlich einzigen) Leben. Sämtliche anderen Bereiche, die dieses Kernthema übersteigen, klammert der Buddha weitgehend aus: Antworten auf derartige Fragen bleibt er in der Regel schuldig und geriert sich diesbezüglich als Agnostiker (Nichtwissender).


    Gerade diese auffällige Zurückhaltung gegenüber metaphysischen Fragestellungen lässt säkularen Buddhisten allerdings auch jede Menge Raum zur Entwicklung entsprechender persönlicher Ansichten. Derartige Konstruktionen verstehe ich allerdings als „work in progress“ (vgl. „geschickte Mittel“ bzw. „beliefs“/Glaubensinhalte im Sinne von Wilfred Cantwell Smith) - keinesfalls als endgültige Wahrheiten.


    „Beliefs“, die möglicherweise geeignet wären, die angestrebte Leidbefreiung aller fühlenden Wesen zu unterstützen:


    Ich entstehe, lebe, vergehe und mein Bewusstsein mit mir. Bin ich erst einmal tot, wird nach aktuellem neurowissenschaftlichen Erkenntnisstand für mich nichts mehr ein Thema sein - weder ich selbst noch andere, weder Gier noch Hass, Angenehmes oder Unangenehmes. Von mir und meinem Bewusstsein keine Spur mehr - ein Szenario1 vergleichbar dem vor meinem Entstehen.


    ------------------------------

    1Epikur lässt grüßen: Ist man tot, erlebt man nicht, dass man tot ist, weil man ja tot ist. Erleben findet dann generell nicht mehr statt.

  • Was entsteht, vergeht.

    • ixi
    • 9. April 2026 um 08:01
    KarmaHausmeister:

    Alles ist im Fluss, anicca. Alles was da ist, hat Vorbedingungen und ist selbst Vorbedingung für das Kommende paticca samuppada.


    Ich frage mich, ob uns das Vorbedingungsmodell nicht in einen unendlichen Regress führt, denn jede Vorbedingung hätte in diesem Modell ja wieder eine Vorbedingung. Dieser Regress wäre noch dazu einer von der bösartigen Sorte, denn über den Urknall kommen wir zeitlich ja nicht zurück.


    Das Gefüge aus Ursachen/Wirkungen, das wiederum andere Ur­sache-/Wirkungskonstellationen hervorbringt, wäre zudem streng mechanistisch bzw. deterministisch. Wo bleibt in diesem Modell Raum für den Zufall, der laut Quantentheorie ja existiert, dem Indeterminismus die Tür öffnet und somit jeglicher Evolution ein offenes Ende beschert?


    Ich räume natürlich gerne ein, dass wir im Alltag in der Regel ganz gut ohne Quantentheorie zurechtkommen. Zudem glaubt auch in der zeitgenössischen Physik ohnehin niemand mehr, dass die Quantentheorie tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist.


    Wie wäre es also, wenn wir im säkularen Buddhismus derartige Modelle überhaupt als „geschickte Mittel“ betrachten würden - verbunden mit dem Eingeständnis, dass wir Genaueres derzeit einfach nicht wissen? Sieht sich nicht auch Stephen Batchelor in letzter Konsequenz als Agnostiker, also als „Nichtwisser“?

  • Was entsteht, vergeht.

    • ixi
    • 7. April 2026 um 10:22

    Was entsteht, vergeht.


    Alles Entstehende/Vergehende wird irgendwann gleich – nämlich vergangen, gelöscht, inexistent.


    Erwachen zielt auf die Zeit davor: Es ist ein Mittel zur Angstlösung bzw. Leidlinderung; es verhindert nicht Vergehen, Sterben, Tod, Inexistenz.

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    Denke ich da richtig?

  • Wie könnte ein westlicher Buddha aussehen?

    • ixi
    • 1. April 2026 um 09:13

    Mich beschäftigt durchaus auch das Material, aus dem ein westlicher Buddha „geschnitzt“ sein könnte. Es sollte m. E. nicht allzu widerstandsfähig sein, um Veränderungen über die Zeit erkennbar werden zu lassen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Kerze, die bei einem Toscana-Urlaub auf unserem Frühstückstisch im Freien vollkommen aufrecht stand. Ohne dass für mich eine Bewegung direkt wahrnehmbar war, neigte sie sich in der Hitze des Tages bis zum Abend völlig auf eine Seite...


    Holz fault im Freien, Eisen setzt Rost an, Stein erodiert: Wandel ist überall.

  • Erwachen vs. erwacht

    • ixi
    • 25. März 2026 um 09:11

    Allen herzlichen Dank!

  • Erwachen vs. erwacht

    • ixi
    • 22. März 2026 um 14:35

    Ich habe erst vor Kurzem den säkularen Buddhismus entdeckt und kenne mich weder mit Pali noch mit Sanskrit aus. Mir fällt aber auf, dass in deutschen Übersetzungen eher vom Erwachen (also einem Prozess) als vom Erwachtsein (dem Idealzustand am Ende des Erwachens) die Rede ist.


    Erwachen als Vorgang motiviert mich und erscheint mir machbar; Erwachtsein als in diesem vermutlich einzigen Leben kaum erreichbarer Zielstatus tut es nicht.


    Wie seht ihr das?

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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