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Freund braucht Hilfe, Enkel (20) stirbt, Tipps?

  • lotusbomber
  • 5. Oktober 2026 um 12:22
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  • lotusbomber
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    Buddh. Richtung
    Sutrayana
    • 5. Oktober 2026 um 12:22
    • #1

    Ein Freund von mir ruft mich eben an, weil er weiß, dass ich was mit "Buddhismus" zu tun habe. Er sucht Trost, weil sein Enkel (20) im Sterben liegt.

    Der Freund ist nicht religiös, mag das Christentum nicht, symptathisiert aber mit dem Buddhismus. Ich war (und bin) vor den Kopf gestoßen: Was empfehlen?

    Der Gedanke an eine "Wiedergeburt" ist tröstlich. Aber ein Hinweis auf das "Nicht-Selbst" sicher an dieser Stelle unpassend. Ich radebrechte etwas von: Das Karma, das zu seiner (Enkel) Situation – Schwerkrank, Amputation – geführt hat, ist aus buddhistischer Sicht jetzt aufgebraucht. Na supi, keine erste Party-Eskalation, keine erste eigene Bude, keine "große" romantische Liebe … – war der Preis.

    Mir ist dann noch was in Richtung "Metta" eingefallen, eher Widmung, "möge der Schmerz, den ich empfinde, den Schmerz aller fühlenden Wesen verringern" – sowas in der Art, um sich und sein Leid in einem größeren Ganzen zu sehen. Mit 20?

    In erster Linie gehts natürlich auch um meinen Freund, der metaphysisch gestärkt, mit ein bisschen Trost in der Tasche seinem Enkel gegenübertreten will. Was kann man da nur empfehlen – zu lesen und zu sehen (youtube)? Habt ihr hier Ideen? Auf gar keinen Fall irgendwas, wo Hungergeister, Höllenwesen und dergleichen eine Rolle spielen. Danke euch

  • verrückter-narr
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    • 5. Oktober 2026 um 13:58
    • #2

    Mein Beileid. Ich finde diese Videos mit Erklärungen über den Sterbeprozess und Wiedergeburtsprozess sehr hilfreich. Manche haben auch einen Deutschen Audiotrack. Am wichtigsten ist im Sterbeprozess das Loslassen der Anhaftung und Abneigung an alle mögliche Gefühle und Emotionen und eine positive und hoffnungsvolle Motivation dass man in eine positive Zukunft geht. Wenn man Angst, Scham, Trauer, Wut, Schmerz. usw. hat und an dieses Leben und Körper festhält, so sind diese negativen Gefühle sehr hinderlich, weshalb eine positive und angenehme Situation und Umgebung sehr hilfreich sind. Auch sollte man sich auf die Lichtnatur des Geistes und unbegrenzte Liebe konzentrieren, wenn dies möglich ist. Hilfreich ist auch angenehme Musik im Hintergrund, mit denen der Geist des Sterbenden eine positive Verbindung hat.


    Dieses 1200 Jahre alte Manuskript erklärt die ersten 7 Tage nach dem Tod

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    Tögal erklärt | Das Licht der Wirklichkeit in Dzogchen und Alchemie sehen

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    Der Sterbeprozess: Auflösung der Elemente

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    Auch eine Phowa Praxis ist sehr hilfreich. Wenn man noch keine Einweihung und Erklärung hat, so kann man sich diese über Video von HE Garchen Rinpoche von der Drikung-Kagyu Tradition holen. Er ist ein großer Mahasiddha und sein Segen und Übertragung funktioniert auch über Video, wenn man offen hierfür ist

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  • Qualia
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    • 5. Oktober 2026 um 16:11
    • #3

    Mein Verhalten ist, dazusein, zuzuhören, ehrlich und nur, wenn darauf angesprochen wird, mit Mythologien oder Metaphern, auf das, was gefragt wird, zu antworten.

    Wenn gewünscht, das merkt man, anfassen, umarmen, Kontakt aufnehmen. Wenn schweigen, dann ist eben schweigen. Wenn reden, dann offen und ehrlich. Bei Sterbenden und Trauernden kann man nur als Mensch dabeisein, nicht als Mitleidender, Weiser, Wissender.


    Wie ein See im Wald sein, man kann Wellen zeigen, aber darunter ist Ruhe. Mitfühlende Stille ist heilsamer als Aktivismus oder Optimismus, wo er nicht angebracht ist.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

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    • 5. Oktober 2026 um 16:12
    • #4
    lotusbomber:

    Ein Freund von mir ruft mich eben an, weil er weiß, dass ich was mit "Buddhismus" zu tun habe. Er sucht Trost, weil sein Enkel (20) im Sterben liegt.

    Der Freund ist nicht religiös, mag das Christentum nicht, symptathisiert aber mit dem Buddhismus. Ich war (und bin) vor den Kopf gestoßen: Was empfehlen?

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    Mir ist dann noch was in Richtung "Metta" eingefallen, eher Widmung, "möge der Schmerz, den ich empfinde, den Schmerz aller fühlenden Wesen verringern" – sowas in der Art, um sich und sein Leid in einem größeren Ganzen zu sehen. Mit 20?

    In erster Linie gehts natürlich auch um meinen Freund, der metaphysisch gestärkt, mit ein bisschen Trost in der Tasche seinem Enkel gegenübertreten will. Was kann man da nur empfehlen – zu lesen und zu sehen (youtube)? Habt ihr hier Ideen? Auf gar keinen Fall irgendwas, wo Hungergeister, Höllenwesen und dergleichen eine Rolle spielen. Danke euch

    Wenn man jemandem in schweren Stunden beistehen möchte, steht einem die eigene Angst oft am meisten im Weg. Vielleicht hilft es deinem Freund ja, wenn du gar nicht nach dem 'perfekten buddhistischen Rat' suchst, sondern ihm einfach von deiner eigenen Angst und deinem Umgang mit dem Tod berichtest.

    DON'T HATE, MEDITATE.

  • Matthie
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    • 5. Oktober 2026 um 16:32
    • #5

    Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen.

    Einfach da sein und zuhören .

    Das ist das wichtigste was man einem Menschen in so einer Situation geben kann.

    Zusätzlich empfehle ich einen Seelsorger der Erfahrung in diesem Gebiet hat.

    Ich glaube welcher Religion er anhängt ist da gar nicht so entscheidend.

    Habe aber immer wieder mitbekommen das auch unchristliche Menschen ( sowohl der Sterbende wie auch das Umfeld) Trost fanden in den Worten und Taten des Seelsorgers.

  • Monika
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    • 5. Oktober 2026 um 19:23
    • #6

    Lieber Lotusbomber, das ist besonders schmerzhaft, wenn ein junger geliebter Mensch im Sterben liegt. Mein Beileid.


    Ich habe oft in solchen Momenten von Sterbenden versagt. Ich glaube, mein Fehler war immer, das ich was Besonderes sagen wollte. Das hat mich vom Eigentlichen entfernt.

    Ich war verkrampft, geschockt und somit letztlich nur mit mir beschäftigt.


    Ich würde heute so gegenwärtig wie möglich mit offenem Herzen einfach nur DA SEIN und darauf vertrauen, dass sich die richtigen Worte einstellen. Zum Beispiel auch totale Ehrlichkeit "ich weiß nicht(s)", Schweigen - wie Qualia schrieb - Hand halten, Umarmen - wenn gewollt.


    ECHTSEIN


    Alles Gute

    Monika _()_

    Einmal editiert, zuletzt von Monika (5. Oktober 2026 um 19:38)

  • Waldschrat
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    • 6. Oktober 2026 um 10:07
    • #7

    "Es gibt immer nur kleine Enden, niemals ein Großes": so ähnlich hat Janwillem van de Wetering seinen Meister zitiert. Zwei Jahre vor seinem Tod hat Leo Tolstoi das geschrieben:


    Ist denn nicht unser gesamtes Leben von der Geburt bis zum Tod mit all seinen Träumen ebenfalls nur ein Traum, den wir für das wirkliche Leben halten; wobei wir dessen Wirklichkeit nur deshalb nicht in Frage stellen, weil wir vom anderen, wirklicheren Leben nichts wissen?... Die Träume unseres jetzigen Lebens sind der Schauplatz, auf dem wir die Eindrücke, Gedanken, Empfindungen eines früheren Lebens ausgestalten.... Genauso, wie wir in unserem gegenwärtigen Leben tausende Träume durchleben, ist unser gegenwärtiges Leben lediglich eines von vielen tausenden solcher Leben, in die wir uns aus dem anderen, wirklicheren Leben hineinbegeben.... in welches wir dann nach dem Tod wieder zurückkehren. Unser Leben ist bloß einer der Träume jenes wirklicheren Lebens, und so geht es endlos weiter bis zum allerletzten, dem ganz und gar wirklichen Leben dem Leben aus Gott.... Ich wünschte, Sie würden mich verstehen; ich reime mir das nicht zusammen, denke es mir nicht aus: Ich glaube daran, ich erkenne es zweifelsfrei.

    Das Nichtwissen ist der wahre Meister (Seung Sahn)

  • lotusbomber
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    Buddh. Richtung
    Sutrayana
    • 6. Oktober 2026 um 15:26
    • #8

    Vielen Dank. Eure Hinweise sind eine große Hilfe. Letztlich einfach nur da sein - und nicht dem Drang hingeben, was Tiefsinniges zu finden – genau das. Danke. Ich habe mich gestern Abend mit meinem Freund und dessen Frau getroffen. Er sucht so sehr nach irgendwas, das er seinem Enkel sagen, mit auf dem Weg geben kann und wünscht sich hier irgendwas Hilfreiches aus dem Buddhismus, weil er damit ja mehr symphatisiert als mit dem Christentum.


    "Hast du nicht ein paar Bücher?" – ja, wo anfangen?


    In meinem Fall war es vor vielen Jahren so, dass ich irgendwann mal ein Buch in die Finger bekommen habe, das irgendwas ausgelöst hat und die Reise dann weiter ging. Diese Reise sieht bei uns allen ja verschieden aus. Buch für Buch, Begegnung für Begegnung hangelt man sich weiter. Die große Erkenntnis wartet am Ende des Weges – oder die EInsicht, dass da nichts ist.


    Aber die braucht er jetzt. Noch nicht mal für sich, sondern um seinem Enkel zu unterstützen. Ich habe ihn jetzt das Dhammapada in der Übersetzung von Eknath Easwaran gegeben. "Werde ruhig wie ein tiefer See" von Yongey Mingyur Rinpoche und "Das Tibetische Totenbuch" mit einem Vorwort von S.H Dalai Lama. Letzteres nur, weil er für sich – glaube ich – etwas von "Autorität" haben will, das sagt: Geht weiter! In erster Linie nur, dass er mit etwas beschäftigt ist.

    Wir sind dann so verblieben, dass er mit vor allem mit jemand spricht, der / die sich damit auskennt – also einem Pastor, was hier ja auch vorgeschlagen wurde, oder mit jemandem in einem Hospitz.

  • mukti
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    • 6. Oktober 2026 um 16:06
    • #9

    Der Freund sympathisiert mit dem Buddhismus, fragt sich was er über die Lehre weiß. Etwa die Besinnung darauf, dass Leid durch Anhaftung am Vergänglichen entsteht, dass der Körper im Grunde kein Ich oder Selbst ist und dass alles was entstanden ist, vergehen muss sollte gegebenenfalls eine Hilfe sein.

    Mit Metta, mukti.


  • Sodann
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    Buddh. Richtung
    jede
    • 6. Oktober 2026 um 19:19
    • #10
    lotusbomber:

    Aber die braucht er jetzt. Noch nicht mal für sich, sondern um seinem Enkel zu unterstützen. Ich habe ihn jetzt das Dhammapada in der Übersetzung von Eknath Easwaran gegeben. "Werde ruhig wie ein tiefer See" von Yongey Mingyur Rinpoche und "Das Tibetische Totenbuch" mit einem Vorwort von S.H Dalai Lama. Letzteres nur, weil er für sich – glaube ich – etwas von "Autorität" haben will, das sagt: Geht weiter! In erster Linie nur, dass er mit etwas beschäftigt ist.

    Wir sind dann so verblieben, dass er mit vor allem mit jemand spricht, der / die sich damit auskennt – also einem Pastor, was hier ja auch vorgeschlagen wurde, oder mit jemandem in einem Hospitz.

    Das ist eine untröstliche Situation.


    Ein Rezept, wie man einen jungen Menschen beim Sterben helfen kann, kenne ich auch nicht.

    Bei ihm bleiben, versuchen seine Angst vor dem Tod zu nehmen, Geschichten von früher zu erzählen, versuchen, ihn zum Lachen zu bringen und kurzzeitig abzulenken. Seine Hand zu halten, ihm zu sagen, dass man ihn liebt. Das würde ich tun. Hospize sind da sehr hilfreich.


    Zum Umgang mit der Trauer um den Tod eines Kindes, finde ich im Buddhismus die tröstlichste Geschichte der Kisa Gotami in der Senfkornparabel.

    Tod, Trauer & Sterbebegleitung – Der buddhistische Weg
    Eine tiefgründige, praxisorientierte Perspektive aus der Tradition des frühen Buddhismus zur Überwindung von Leid durch Weisheit und Mitgefühl
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    Buddh. Richtung
    Zen
    • 7. Oktober 2026 um 10:00
    • #11
    lotusbomber:

    Ein Freund von mir ruft mich eben an, weil er weiß, dass ich was mit "Buddhismus" zu tun habe. Er sucht Trost, weil sein Enkel (20) im Sterben liegt.

    Zuerst sind da ja die verschiedenen Probleme die man selber hat, wenn man mit Tod konfrontiert ist.


    A) Sterblichkeit

    Man hat sich ja angewöhnt "Sterblichkeit" nicht als was normales zu sehen sondern als eine erschreckende Infrastellung der Normalität. Von daher kann es helfen sich mit Sterblichkeit zu versöhnen.


    B) Hilflosigkeit.

    Man hat sich angewöhnt dass man etwas tun kann, dass man handlungsfähig ist. Von daher ist es schrecklich, wenn man nichts tun kann. Hier helfen z.B Gebete in denen man seine guten Wünsche ausdrückt


    Für den Sterbenden selbst würde ich versuchen, dass er Beistand von jemandem bekommt, der darin geschult ist z.B ein Hispitzhelfer. Weil man aus der eigenen Hilflosigkeit heraus vielleicht versucht ist, da zu viel heranzutragen, was vielleicht eher überfordert.

  • Qualia
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    • 7. Oktober 2026 um 10:26
    • #12

    Fremden diese Aufgabe zu übertragen, ist, den, der Hilfe haben soll, ins Abseits zu stellen. Ja, das hört sich gemein an.

    Das, was Menschen immer wieder vergessen, ist, dass der Sterbende die gleiche Hilflosigkeit und Angst hat. Der kann sich nicht helfen, denn er weiß, dass er zeitnah sterben wird.


    Soweit ich meinen Bruder verstanden habe, benötigte er das Wissen das auch ich davor Angst habe. Das musste ich teilen, damit wir uns unserer Angst stellen konnten, um sie zu neutralisieren. Das Sterben annehmen, bei ihm sehr bald, bei mir irgendwann. Wobei der Zeitpunkt immer „irgendwann“ ist.


    Das ist das, was ich meinen Sterbenden gegeben habe: das Teilen und Neutralisieren unserer Angst, erkennen, dass Sterben kein Leiden ist, sondern die Angst vor Unausweichlichem. Ein Sterbender weiß mehr, als ich glaube.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

  • lotusbomber
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    Sutrayana
    • 7. Oktober 2026 um 10:44
    • #13
    Qualia:

    Fremden diese Aufgabe zu übertragen, ist, den, der Hilfe haben soll, ins Abseits zu stellen. Ja, das hört sich gemein an.

    Das, was Menschen immer wieder vergessen, ist, dass der Sterbende die gleiche Hilflosigkeit und Angst hat. Der kann sich nicht helfen, denn er weiß, dass er zeitnah sterben wird.


    Soweit ich meinen Bruder verstanden habe, benötigte er das Wissen das auch ich davor Angst habe. Das musste ich teilen, damit wir uns unserer Angst stellen konnten, um sie zu neutralisieren. Das Sterben annehmen, bei ihm sehr bald, bei mir irgendwann. Wobei der Zeitpunkt immer „irgendwann“ ist.


    Das ist das, was ich meinen Sterbenden gegeben habe: das Teilen und Neutralisieren unserer Angst, erkennen, dass Sterben kein Leiden ist, sondern die Angst vor Unausweichlichem. Ein Sterbender weiß mehr, als ich glaube.

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    Das habe ich so noch nicht gesehen. Werde das mit meinem Freund teilen.

  • lotusbomber
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    Sutrayana
    • 7. Oktober 2026 um 10:47
    • #14
    Sodann:
    lotusbomber:

    Aber die braucht er jetzt. Noch nicht mal für sich, sondern um seinem Enkel zu unterstützen. Ich habe ihn jetzt das Dhammapada in der Übersetzung von Eknath Easwaran gegeben. "Werde ruhig wie ein tiefer See" von Yongey Mingyur Rinpoche und "Das Tibetische Totenbuch" mit einem Vorwort von S.H Dalai Lama. Letzteres nur, weil er für sich – glaube ich – etwas von "Autorität" haben will, das sagt: Geht weiter! In erster Linie nur, dass er mit etwas beschäftigt ist.

    Wir sind dann so verblieben, dass er mit vor allem mit jemand spricht, der / die sich damit auskennt – also einem Pastor, was hier ja auch vorgeschlagen wurde, oder mit jemandem in einem Hospitz.

    Das ist eine untröstliche Situation.


    Ein Rezept, wie man einen jungen Menschen beim Sterben helfen kann, kenne ich auch nicht.

    Bei ihm bleiben, versuchen seine Angst vor dem Tod zu nehmen, Geschichten von früher zu erzählen, versuchen, ihn zum Lachen zu bringen und kurzzeitig abzulenken. Seine Hand zu halten, ihm zu sagen, dass man ihn liebt. Das würde ich tun. Hospize sind da sehr hilfreich.


    Zum Umgang mit der Trauer um den Tod eines Kindes, finde ich im Buddhismus die tröstlichste Geschichte der Kisa Gotami in der Senfkornparabel.

    https://schatztruhe-palikanon.net/praxis-alltag/…mit-tod-trauer/


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    Danke für die Wünsche und für den Link

  • void
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    Zen
    • 7. Oktober 2026 um 11:11
    • #15
    Qualia:

    Das ist das, was ich meinen Sterbenden gegeben habe: das Teilen und Neutralisieren unserer Angst, erkennen, dass Sterben kein Leiden ist, sondern die Angst vor Unausweichlichem. Ein Sterbender weiß mehr, als ich glaube.

    So habe ich das noch nicht betrachtet. Ich hatte es so verstanden, dass es für Sterbende schlimm sein kann, wenn sie zu ihrer eigenen Angst und Hilflosigkeit noch die Angst und Hilflosigkeit der anderen dazu bekommen.


    Nun bist du natürlich ein ganz erfahrener Mensch aber ich glaube viele andere Leute strahlen ein "Das darf nicht sein, du sollst nicht sterben, das ist falsch!" aus das Sterbende aufwühlen und stressen kann.

  • Matthie
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    • 7. Oktober 2026 um 11:42
    • #16

    Ich kann das sehr gut nachvollziehen was Qualia sagt.

    Wenn ich im Sterben liege, würde ich mir vor Allem Ehrlichkeit wünschen.

    Ich würde mir wünschen mich noch einmal verbunden zu fühlen mit meinen Liebsten.

    Das passiert am ehesten durch Offenheit und Authentizität.

    Viel schlechter könnte ich damit umgehen wenn jemand versucht mir etwas vorzuspielen nur um mich zu schonen und aufzubauen.

    Ein geteiltes Gefühl oder Angst verliert so oft seinen Schrecken.


    Davon abgesehen finde ich es schon hart wenn ein 20 Jähriger im Sterben liegt. Das ist einfach viel zu früh und wer möchte schon erleben das sein Kind vor einem Selbst stirbt 🥲.

    Mein herzliches Beileid ❤️

  • Qualia
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    • 7. Oktober 2026 um 12:39
    • #17

    Ich berichte nur von meinen Erfahrungen mit den Sterbenden. Nicht von denen mit den Überlebenden.

    Die mit den Überlebenden sind meist egoistisch, ohne dass sie es merken.

    Mein Bruder wollte mich nicht mehr sehen, die anderen sahen darin eine Zurückweisung, ich nur das „Es ist nichts mehr zu sagen.“

    Dass ich damit richtig liege, zeigt mir seine Entscheidung: „Raus jetzt, ich will gehen.“ das er denen gesagt hat, die bei ihm waren.

    Bei meinem Mann konnte ich nur spüren: Wir haben alles gesagt. Schweigen, anfassen, streicheln, seine Haare richtig machen, unsere Körper trauern lassen.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (7. Oktober 2026 um 13:03)

  • Igor07
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    • 7. Oktober 2026 um 15:24
    • #18

    lotusbomber: zuerst mein tiefstes Mitgefühl. Ich kann ein Buch von Anālayo empfehlen, das aus Sicht des Theravāda dieses Problem beleuchtet, auch mit vielen Veranschaulichungen aus den verschiedenen Suttas:


    25) Mindfully Facing Disease and Death, Compassionate Advice from Early Buddhist Texts, Cambridge: Windhorse, 2016. download


    60) “Memento Mori: Recollection of Death in Early Buddhist Meditation”, in From Local to Global, Papers in Asian History and Culture, K. Sheel, C. Willemen, K. Zysk (ed.), 2017, 581–599, Delhi: Buddhist World Press. download


    Publications by Bhikkhu Anālayo - Barre Center for Buddhist Studies
    Access an extensive library of Bhikkhu Anālayo's 500+ publications on theoretical and practical aspects of early Buddhist traditions.
    www.buddhistinquiry.org

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Qualia
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    • 8. Oktober 2026 um 11:51
    • #19
    Qualia:

    Ich berichte nur von meinen Erfahrungen mit den Sterbenden. Nicht von denen mit den Überlebenden.

    Mit den Überlebenden: Das habe ich übersehen. Nicht nur der Sterbende benötigt Wahrheit, auch der Überlebende.


    Es gibt Menschen, mit denen ich gern Kontakt habe. Die haben aber die Toten nicht in ihren Herzen begraben.


    Die wissen, wo das Grab ist, und wenn es hilft, die Trauer ihres Körpers zu beruhigen, gehen sie dahin. Ansonsten leben sie ihr Leben weiter, ohne Vergessen aber ohne an dem Grab zu hängen.


    Traumaverarbeitung ist dann, die Realität (Grab) sehen und zu erkennen, dass die Gefühle des Traumas nicht von einem Grab in der Realität ausgelöst werden, sondern von dem Grab in ihren Herzen.


    Wenn mein Körper Trauer zeigt, gehe ich auf einen Friedhof:

    Meine Oma: „Du musst nicht zum Grab deiner Mutter gehen, die Toten sind sich einig und jeder Friedhof ist ihrer.“ Sie war eine weise Frau, denn sie wusste um meine Trauer und dass ich weit weg vom Grab war. Damit konnte ich den Versuch beenden, meine Mutter in meinem Herzen zu begraben.


    Buddha: Die Erde ist mein Zeuge.

    Ich ergänze: Nicht die Erde in meinem Herzen.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

    4 Mal editiert, zuletzt von Qualia (8. Oktober 2026 um 12:05)

  • void
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    • 8. Oktober 2026 um 13:09
    • #20

    Die buddhistische Reaktion auf Sterben wäre - wie ja Igor schon angedeutet hat eine des Loslassens:


    • Frieden mit den Menschen zu finden, mit denen man im Streit liegt.
    • Dankbarkeit gegenüber denen zeigen, die einem Gutes getan haben
    • Durch Meditation zu einem möglichst friedvollen Geisteszustand jenseits von Anhaften und Wut finden..

    Aber Sterbende können ja sehr unterschiedliche Bedürfnisse habe und die "buddhistische Reaktion" auf den Tod ist nur eine mögliche. Der eine möchte es vielleicht verdrängen und nochmal Spaß haben, der andere findet zu Gott und jemand geht ganz die Kraft aus. Von daher ist es erstmal wichtig, dass da jemand da ist, der einen mit seinem ganzen Leid und seinen widerstreben den Reaktionen annimmt. Und der Anspruch jetzt noch schnell zu meditieren anzufangen oder sich mit exotischen Konzepten zu beschäftigen kann eine Überforderung sein.

  • Igor07
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    • 8. Oktober 2026 um 14:36
    • #21
    void:

    Und der Anspruch jetzt noch schnell zu meditieren anzufangen oder sich mit exotischen Konzepten zu beschäftigen kann eine Überforderung sein.

    Nur am Rande bemerkt: Wenn der sterbende Mensch keine Ahnung vom Buddhismus hat, dann würden, egal welche Meditation oder Vorstellungen von Bardo-Zuständen, dem Leben nach dem Tod usw., die ganze Situation noch unerträglicher machen. Der überzeugte Atheist kann nicht an all das glauben. Es würde nach hinten losgehen.

    Der echte Buddhist würde das Sterben und auch den Tod als Teil des Lebens akzeptieren, denn alles, was entsteht, ist verdammt zu vergehen. Das ist einfach das Gesetz der Natur. Der innere Frieden und radikale Loslassen wären dann die einzige wirkliche Lösung, denn wir alle, wie der Buddha, unterliegen diesem Gesetz.

    Deswegen auch mein Rat zu dem Buch. Dort gibt es konkrete Ratschläge, was die Angehörigen sowie das Pflegepersonal betrifft. Es war mein innerer Anker, als mein Vater im Sterben lag. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es auch für mich gilt. Ich bin der Nächste in der Reihe.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

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  • verrückter-narr
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    • 8. Oktober 2026 um 15:48
    • #22
    Igor07:

    Nur am Rande bemerkt: Wenn der sterbende Mensch keine Ahnung vom Buddhismus hat, dann würden, egal welche Meditation oder Vorstellungen von Bardo-Zuständen, dem Leben nach dem Tod usw., die ganze Situation noch unerträglicher machen. Der überzeugte Atheist kann nicht an all das glauben. Es würde nach hinten losgehen.

    Der echte Buddhist würde das Sterben und auch den Tod als Teil des Lebens akzeptieren, denn alles, was entsteht, ist verdammt zu vergehen. Das ist einfach das Gesetz der Natur. Der innere Frieden und radikale Loslassen wären dann die einzige wirkliche Lösung, denn wir alle, wie der Buddha, unterliegen diesem Gesetz.

    Deswegen auch mein Rat zu dem Buch. Dort gibt es konkrete Ratschläge, was die Angehörigen sowie das Pflegepersonal betrifft. Es war mein innerer Anker, als mein Vater im Sterben lag. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es auch für mich gilt. Ich bin der Nächste in der Reihe.

    Bei der Beschäftigung mit den Bardozuständen oder der Lichtnatur des Geistes usw. geht es nicht darum, noch vor dem Sterben zum Buddhismus zu konvertieren oder einen Buddha anzubeten, sondern den eigenen Geist mit den Abläufen des Sterbeprozesses vertraut zu machen und die Angst und Furcht zu nehmen. Diese Lehren finden sich nicht nur im tibetischen Buddhismus und Bön, sondern auch zB. im Sufismus und in der Gnosis der christlichen Lehren und sind universell. Die Lehren über zB. die 42 friedvollen und 58 zornvollen "Gottheiten" die im Todesprozess erscheinen, sind auch keine tibetische Erfindung ,sondern finden sich auch schon im Guhyagarbha Tantra (Sanskrit: गुह्यगर्भतन्त्र guhya-garbha-tantra n.) wörtl.: "Lehrtext (Tantra) der geheimen (Guhya) Gebärmutter (Garbha)"; das im 8. Jahrhundert aus dem Sanskrit ins Tibetische übersetzt wurde. Ähnliche beschreiben finden sich auch im Shaiva-Tantra, Nath-Tantra, Kaula-Tantra, usw.

    Im islamischen Sufismus findet sich dies zB. in den Lehren von Muhyī d-Dīn Ibn ʿArabī
    Andalusischer Philosoph und Mystiker (1165-1240) vom schwarzen Licht des Urgrundes


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  • Qualia
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    • 8. Oktober 2026 um 15:50
    • #23

    Meine Sterbenden, die ich auch einige Tage vorher begleitet habe, wenden sich von Gott oder Konzepten des Trostes ab. Sie kehren zu sich selbst zurück und finden Frieden mit sich und ihrem Glauben. Es gibt keinen Zweifel mehr.


    Natürlich habe ich das angetestet. Doch es gab immer einen vehementen Widerstand gegen den Mystizismus. Jetzt ist Realität angesagt.

    Ich war schon in vielen extremen Situationen froh, dass ich keinen Glauben und auch keinen Wunsch hatte, andere zu bestimmen.

    Ich glaube das ich bin, aber ich bin es nicht. Das ist von Sterbenden gelehrt und hat mein Leben leicht gemacht, als Überlebender und Mitmensch.


    Ich habe das „Aufblühen“ kurze Zeit vor dem Sterben beobachtet. Die Klarheit danach und den Irrtum der anderen das das Sterben aufgehoben ist. Doch die Gesichter Sterbender zu sehen, kann ein Herz, das sie vollkommen versteht, erleuchten. Viele verblenden sich dagegen, weil es ein Angriff auf ihre Vorstellungen ist.


    Das „Fundament“ ist meine Verweigerung einer Göttlichkeit in jeder Form. In Extremsituationen ist das der Anker, der mich handeln oder schweigen lässt. Kann ich tun, tue ich. Kann ich nicht, weiß ich das und schweige.

    Diese Art, dazusein, steht auch so im Palikanon als das Verhalten des Buddha. Man muss nur seine eigenen Augen öffnen. Die Augen anderer sehen meist ihre Träume, weil sie sie nie ganz öffnen. Die glauben, mit verkniffenen Augen sieht man klarer.


    Wer mit verkniffenen Augen liest und darauf stolz ist, verwechselt die Schwäche seiner Sicht mit Tiefe. Die Wirklichkeit verlangt keine Anstrengung des Glaubens. Manchmal genügt eine Brille.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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