Hallo,
diese Frage mag verwerflich klingen, knüpft aber unmittelbar an jenen hier thematisierten Zen-Koan an:
Bodhi-Baum, Ständer-Spiegel, Staub
Quelle: http://www.zenbuddhismus.de/zen-meister.html
Wieso gleicht der Geist dem Ständer-Spiegel?
Warum ist da ursprünglich kein (einziges) Ding?
Was ist der Staub?
Zum diskutieren.
Sagt bitte einfach eure Meinung. Kann man sich da auf Buddha stützen?
Vielleicht kurz zu meiner Person und als Vorstellung:
Die buddhistische Zuflucht und eine tibetische Namensgebung erhielt ich als junger Mann 1997 in München von Lopön Tsechu Rinpoche und Shamar Rinpoche von der grünen Tara Linie. Kurze Zeit später habe ich mich auch mit Advaita, Sufismus, Zen ... und anderen nondualen Richtungen beschäftigt und konnte mich auch z. T. beruflich mit recht vielen Menschen über erwachte Bewusstseinszustände austauschen. Im Buddhismus werden diese Zustände zumeist Erleuchtung genannt bzw. im Zen meines Wissens klugerweise als Kensho (körperlose Erfahrung) und Satori (geistesgegenwärtige Menschwerdung) differenziert.
Wie allseits bekannt sein dürfte, finden sich derartig erwachte Bewusstseinszustände nicht nur in nahezu allen Religionen oder spirituellen Richtungen, sondern können auch Menschen (oder vor allem jene) ohne jegliche spirituelle Vorbildung gleichermaßen treffen. Im Zen (vor allem in der chinesischen Dynastie) sind diese Erfahrungen und Vorgeschichten auch recht gut belegt und zeichnen doch ein ähnliches Bild wie in der Neuzeit.
Um es klar und direkt anzusprechen, würde ich gerne wissen, ob es inzwischen Zentren oder Klöster gibt, die wie im Koan arbeiten und ob der damalige Vertriebene sozusagen auch dementsprechend ein Kollektiv gründen konnte. Ich habe mir dazu nun einige Zeneinrichtungen im Internet angeschaut und alle diese Orte scheinen nur dual mit Menschen arbeiten zu können. Mit dual meine ich jene Annahme im Buddhismus, die Upaya (geschickte Mittel) genannt wird und grundlegend von einem ungeschulten Geist bzw. einer spirituellen Unterschicht ausgeht. Überall sind nur Angebote wie Techniken und Methoden platziert, die von außen das Innen im Menschen bilden wollen und im Grunde der inneren Annahme von Buddha nur widersprechen können.
Mir ist das Argument durchaus bekannt: Man sagt, der suchende Mensch braucht zuerst ein Floß, um an das andere Ufer zu gelangen, und erst danach wird das Floß unnötig. Im Advaita formulierte es Ramana Maharshi ähnlich mit seinem Stock-Beispiel und legitimierte darüber seine Schülerschaft. Für mich steht das jedoch in einem absoluten Gegensatz zu besagtem Koan und auch zu Bodhidharma, was besagt, dass schon alles im Menschen innen manifestiert und realisiert ist.
Trotzdem scheinen auch alle oder die meisten Zen-Klöster von einem ungeschulten Geist auszugehen. Sie wollen den Menschen von außen über Techniken und Methoden im Innen dahingehend bilden. Beschäftigt man sich jedoch mit der spirituellen Geschichte und der Nondualität an sich, findet man recht viele Mystiker, die dem widersprachen. Jiddu Krishnamurti oder U.G. Krishnamurti sind dafür bekannte Beispiele. Nach meinem Wissen gingen sie dagegen davon aus, dass der Geist allein durch diese stetige Fremdeinwirkung zu jenem scheinbar ungeschulten Geist wurde und jeglicher weitere Lerninhalt von außen noch weiter die innere Vollkommenheit im Menschen überdeckt. Das alles macht auch für mich Sinn, da jegliche Lerninhalte für das Innen ja nur authentisch im Innen zu finden wären und alles dafür im Außen nur eine schlechte Kopie oder ein Zusatz sein kann. Oder anders formuliert: Was für das Innen von außen kommt, kann keine echte Quelle sein und nicht der inneren Anbindung entsprechen oder gar dienlich sein.
In dieser Hinsicht gibt es ja auch das Gerücht, dass in buddhistischen Klöstern nur unerwachte Menschen zu finden sind und dort die Suche sich in dieser Verrücktheit im Kreis dreht. Meine eigenen Beobachtungen decken sich mehr oder weniger damit. Menschen werden zu „Upaya-Opfern" gemacht, um später selbst sich zum Täter zu legitimieren, und in dem gemeinsamen Einbildungskreis, anderen Menschen etwas von außen für das Innen geben zu können, kann vermutlich die geistige Wachheit individuell und kollektiv nur auf der Strecke bleiben.
Auch wenn man sich die jeweilige Geschichte des Erwachens anschaut, war es wohl immer ein destruktiver Prozess und ein nach innen gerichtetes Minus. Nach meinem Wissen waren für das Erwachen all jegliche Techniken und Methoden nie erfolgreich bzw. erst in der Umkehr konnte die Geistesgegenwart an Raum gewinnen. Alles in allem scheint mir Upaya in den Klöstern nicht zu funktionieren und zudem den ganzen Klosteralltag zu bestimmen. Die Frage wäre daher berechtigt zu stellen, weshalb überhaupt Upaya ausgeübt wird und warum man nicht, wie vermutlich Buddha, lediglich nur die Vollkommenheit der Menschen im Innern vertritt. Wie gesagt, schaut man sich die alten Zen-Geschichten oder auch neuere Berichte an, sieht man: Es war immer eine totale Desillusionierung, ein destruktiver Prozess und ein radikales Nach-innen-Gehen, unabhängig davon, ob das für Kensho und Satori gelten möge. Techniken oder Vorbildungen waren dazu nicht nötig und die eigene Wachheit wurde vielmehr erst im Zusammenbruch all solcher erdachten Konzepte erfahren; Eckhart Tolle auf der Parkbank ist in der Neuzeit dafür nur ein Beispiel unter vielen.
Von dem her dürfte es auch gut bei Rinpoches, Lamas oder anderen Meistern gewesen sein, die eine wie auch immer geartete Erleuchtung erfuhren. Aber anscheinend gehen da alle im Buddhismus nach wie vor von einer spirituellen Unterschicht aus und vergessen hierbei, dass ihr eigenes Erlebnis gerade nicht durch die Techniken kam und im Prinzip doch nur für alle gelten kann. Zudem wird über diesen möglichen Irrglauben die klassische Lehrer-Schüler-Beziehung und die klösterlichen Hierarchien begründet. Ich frage mich hierbei schon ernsthaft, ob es daher wirklich Sanghas auf Augenhöhe in Klöstern gibt und ob sich da überhaupt wache Menschen ebenbürtig begegnen können.
Zur klärenden Verdeutlichung könnte ich auch das Beispiel Vipassana und die dort vermittelten Bodyscans anführen. Den Leitern vor Ort scheint wohl nicht klar zu sein, dass Buddha selbst keine solchen erlernten Techniken hatte und einfach nach innen ging, wodurch er wache Selbstautonomie erlangte. Buddha sagte meines Wissens auch, dass alle Wesen bereits Buddhas sind und seine Erleuchtung auch für alle anderen Menschen gelten würde. Bei aller Liebe kann ich diesen Satz nur so verstehen, dass jeder Mensch in der Heimkehr nach innen vollkommen ist und ihm dafür nichts an Wissen fehlen wird. Was Buddha erlebte, war also wohl lediglich der absolut autonome Weg nach innen, und bezogen auf die Körperarbeit wäre ja auch der Bodyscan gleichsam nur im eigenen Inneren authentisch manifestiert. Für mich wäre auch das erst stimmig, da der Körper einer wissenden Schatzkarte gleicht und über ein bereits intelligentes Nervensystem verfügt. In dem Kontext gab und gibt es ja auch das Uryoga mit spontanen Asanas ohne jegliche Lehrer und Inhalte, die gleichsam unkonditioniert ihre meditativen Bewegungen aus dem Innen generieren und darüber ihren körperlichen Weisungen und seinem Wohlbefinden entsprechen.
Das Vipassana-Prinzip passt für mich jedoch ohnehin in die heutige Zeit, in der die innere Kopie wie nie zelebriert wird und vermutlich sich als kollektiver Lernprozess von selbst desillusionieren bzw. als sich nicht bewährend entlarven wird. Es gibt unzählige psychologische Berater und Therapeuten wie nie zuvor, die alle Ratschläge erteilen, und zugleich gefühlt so viele suchende und unzufriedene Menschen wie nie zuvor. Der ganze spirituelle Markt scheint von Menschen besetzt zu sein, die einem sagen: Atme und bewege dich so und so oder mache für dich dieses oder jenes. Realistisch betrachtet dürfte aber genau dieser Ansatz mit erdachten Techniken und Methoden nicht für das Wohlbefinden der Menschen funktionieren, da die eigene Vollkommenheit sich nicht mit einer überdeckten Kopie zufriedengeben kann und dementsprechend nicht zu einer inneren Stabilität führt.
Alles in allem kann ich Buddha nicht als jenen Lehrer erkennen, den viele gerne hätten und über deren Interpretation sich nahezu alle Buddhisten und ihre Einrichtungen gerne über Mitmenschen erhöhen möchten. Aber nicht nur für mich war Buddha das Gegenteil, und er hat diesen Realitätsumstand in seiner Erleuchtung erkannt. Man könnte auch sagen, es gibt im Grunde keine klügeren Menschen zwischen den Menschen, und die menschlichen Wertigkeiten untereinander wurden schlichtweg erfunden. Jeder Mensch kennt (zumeist nur kurze) Momente im Hier und Jetzt und ist daher von Natur aus zur Geistesgegenwart ausgebildet. Buddha dürfte demnach im Endeffekt nur erkannt haben, dass es schlichtweg keine höhere Bewusstseinsebene als das allseits bekannte Hier und Jetzt gibt und sich diese Geistesgegenwart auf dem inneren Weg nur wissentlich von selbst ausbreiten und realisieren kann.
Nach dieser These wäre dafür nur eines vonnöten: Der Mensch sollte mit der Verrücktheit aufhören, sich das eigene Innen über Techniken und Methoden von außen zu überdecken, wodurch er den fremdbesetzten Fiebertraum einer höheren Klugheit gegenüber seinen Mitmenschen natürlich nur verlieren kann. In dem Kontext würde ich auch das Bodhidharma verstehen, was besagt: Jeder kennt den Weg und doch gehen diesen Weg nur wenige. Es stellt sich für mich daher die Frage, inwiefern der Satz aktuell auf Klöster und Einrichtungen im Zen zu beziehen ist und ob es da doch Ausnahmen für mich zu finden gibt.
Allgemein geht es mir bei diesem Beitrag nicht um eine Diskussion, was richtig oder falsch sein mag. Ich würde hier vorrangig nur gerne wissen und abklären, ob es Klöster oder Zentren im Zen gibt, die diese Menschenliebe leben und die innere Vollkommenheit der Menschen anerkennen, vorallem auch, wenn der Mensch sich in einer suchenden Lebensphase als noch nicht wissend erkannte. Selbst der dümmste Bauer will andere belehren und sich über seine Mitmenschen stellen, und doch gibt es sicherlich auch Menschen, deren Hände dahingehend leer sind und die zugleich doch an die wahre Vollkommenheit des Menschen erinnern, was sich alles in allem an einem wachen Miteinander auf Augenhöhe zeigt.
Meine Frage lautet daher, wie es sich da im Zen abspielt (es gibt ja auch unterschiedliche Richtungen) und ob der vertriebene Koch des besagten Koans, eine derartige Klostershanga gründen konnte.
Liebe Grüße aus dem Schwarzwald