Konkret:
Geht es um eine spezifische Frage im Kontext Buddhismus, zu der man sich bereits eine Meinung gebildet hat, können natürlich Zitate gesucht werden, welche diese Meinung (mehr oder weniger) stützen, was aber nicht bedeuten muss, dass man - bis ins Detail hinein - alles unterschreiben würde, was das Zitat aussagt.
Gerade mit Zitaten aus dem Palikanon, der vor über 2000 Jahren entstand, ist Vorsicht angebracht.....
Liebe Anna Panna-Sati, also wenn ich den ganzen Pali-Kanon durchstöbere, dann bleiben die Grundideen doch identisch, ist das nicht offensichtlich?
„Alle Triebe“ heißt MN 2, und dort geht es um die Sinneszügelung. Da braucht man keine extremen Fälle, wie diesen mit der Affin. Ich kann nicht begreifen, was hier so verkehrt ist.
Um das Ganze zu veranschaulichen, können wir die Bedingte Entstehung unter die Lupe nehmen. Im Grundwerk von P. A. Payutto treffe ich den Kern der Sache:
ZitatBegehren entspringt der Unwissenheit: da die Menschen die voneinander
abhängige Natur der Dinge nicht verstehen, kommt ein grundlegender Fehler
zustande. Sie betrachten die Dinge entweder als substanziell, als einen stabilen
und dauerhaften Kern eines Selbst besitzend oder sie betrachten die Dinge als
„für eine gewisse Zeit in einer stabilen, substanziellen Weise existierend und sich
schließlich auflösend“.
Also, man redet über das Begehren, wie dem auch sei, ich stehe dazu. Was hier jemand über meine eigene Sexualität sagt, ist mir echt wurscht, denn es geht um das korrekte Verstehen.
Auf der gesellschaftlichen Ebene schildert der Autor die Dynamik entsprechend:
ZitatIn der Gesellschaft führt das Verlangen jedoch zu diesen alternativen Faktoren:
Begierde → Suche → Aneignung → Bewertung → passionierte
Anhänglichkeit → Besessenheit → Geiz → Verteidigung, Streit,
Auseinandersetzungen, Dispute usw. = soziale Probleme [209]
Was ist hier denn nicht klar? Ich kann das leider nicht begreifen. Man kann sich das Ganze darum herumdrehen, aber diese Triebe, egal welche, sind die Wurzeln, dass wir leiden. Also Unwissenheit und Begehren hängen zusammen, auf die normale Sprache übersetzt. Und das ist der Buddhismus, keine Extreme.
Gerade soziale Probleme entstehen deswegen, weil der normale Mensch (was ist normal, das wäre die andere Frage) sich im Besitz/en/ von etwas wähnt, das ihm als ob gehört, wie auch eines festen innewohnenden Kerns in den Phänomenen oder Dingen, aber so etwas gibt es nicht.
Lange Rede, aber kurzer Sinn: Am Ende der Kette stehen, wie man sieht, die Besessenheit, Streit und alle möglichen sozialen Konflikte, es tut mir echt leid.
„Ich“ und „Mein“ sind die magischen Illusionen, die uns vernarren. Wir sind so von der biologischen Evolution vorprogrammiert, um als Homo sapiens zu überleben, nicht um zu Er-wachen. Deswegen geht der Buddhismus gegen den Strom oder gegen den Strich, wie es Kay Zumwinkel ausdrückt.