Ich sagte, dass Hormone und andere Botenstoffe einen großen Teil des menschlichen Verhaltens steuern.
Das Verhalten von Menschen ist das Ergebnis von unendlich komplexen Wechselwirkungen zwischen dem sogenannten Innen und dem sogenannten Außen. Botenstoffe und Hormone sind dabei nur vermittelnde Teile dieser Prozesse.
Ein sehr einfaches Beispiel: Wenn mich ein Mensch freundlich anspricht, fühle ich mich wahrscheinlich wohler, als wenn er oder sie mich unfreundlich anspricht. Die Freundlichkeit des Gegenübers ist also ebenso ursächlich für mein Empfinden, wie frühere Erlebnisse, die mich diese Erfahrung einordnen lassen. Hormone und Botenstoffe übermitteln und repräsentieren Informationen, bzw. den daraus sich ergebenden Zustand des Systems, sind aber nicht diese Informationen.
Die Menge aller Taten, Worte, Gedanken und Informationen, die wir aufnehmen und wieder in die Welt entlassen, steuern unser Verhalten und das des Gegenübers und bedingen dadurch maßgeblich die Wirklichkeit mit und in der wir leben.
Deine Behauptung, Hormone und Botenstoffe würden einen großen Teil des menschlichen Verhaltens steuern, lässt außer Acht, dass alle Wesen in dieses komplexe Gefüge aus Wechselwirkungen eingebunden sind, bei dem chemischen Botenstoffen eine vermittelnde aber keine letztlich ursächliche Bedeutung zukommt. Ihre Kausalität ist, wenn auch mit einer gewissen Trägheit des Gesamtsystems Körper, abgeleitet und eingebettet, nicht autonom.
Kurz: Hormone und Botenstoffe haben keine eigenständige Steuerungsfähigkeit. Ihre Ausschüttung, Konzentration, Wirkung und nicht zuletzt Interpretation ergibt sich aus den Wechselwirkungen zwischen Mensch, Umwelt, Biografie und aktuellem Körper- oder Systemzustand.