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Was entsteht, vergeht.

  • ixi
  • 7. April 2026 um 10:22
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1. offizieller Beitrag
  • ixi
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    • 7. April 2026 um 10:22
    • #1

    Was entsteht, vergeht.


    Alles Entstehende/Vergehende wird irgendwann gleich – nämlich vergangen, gelöscht, inexistent.


    Erwachen zielt auf die Zeit davor: Es ist ein Mittel zur Angstlösung bzw. Leidlinderung; es verhindert nicht Vergehen, Sterben, Tod, Inexistenz.

    ---------------------------------------------------------------
    Denke ich da richtig?

  • Matthie
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    • 7. April 2026 um 13:00
    • #2

    Du benutzt den Begriff Erwachen vermutlich als Ersatz für Erleuchtung. Reine Spekulation ;) aber ja ein Begriff den die meisten als zutreffender bezeichnen.

    Die Vergänglichkeit ist ein eigenes Thema und Du hast definitiv recht, das erwachen weder Vergehen und Tod verhindern kann.

    Ich denke darum geht es ja auch nicht sondern eher um ein bewusst machen der Vergänglichkeit.


    Ich stolpere über den Satz :

    Erwachen zielt auf die Zeit davor.


    Erinnert mich an den Koan:

    Wie sah dein Gesicht aus, bevor deine Eltern geboren waren ?


    Meinst Du vielleicht etwas in dieser Richtung ?
    Ich tappe im Dunkeln 😂.


    Für mich persönlich bedeutet erwachen hauptsächlich im hier und jetzt zu sein ohne Ablenkung .
    Möglichst auch noch, ohne zu bewerten, wahrnehmen was gerade da ist.

    Vielleicht schaffe ich das ja im nächsten Leben . 😂

    Einmal editiert, zuletzt von Matthie (7. April 2026 um 13:07)

  • KarmaHausmeister
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    • 7. April 2026 um 13:53
    • Offizieller Beitrag
    • #3
    Matthie:

    Du benutzt den Begriff Erwachen vermutlich als Ersatz für Erleuchtung. Reine Spekulation ;) aber ja ein Begriff den die meisten als zutreffender bezeichnen.

    Die Vergänglichkeit ist ein eigenes Thema und Du hast definitiv recht, das erwachen weder Vergehen und Tod verhindern kann.

    Ich denke darum geht es ja auch nicht sondern eher um ein bewusst machen der Vergänglichkeit.


    Ich stolpere über den Satz :

    Erwachen zielt auf die Zeit davor.


    Erinnert mich an den Koan:

    Wie sah dein Gesicht aus, bevor deine Eltern geboren waren ?


    Meinst Du vielleicht etwas in dieser Richtung ?
    Ich tappe im Dunkeln 😂.


    Für mich persönlich bedeutet erwachen hauptsächlich im hier und jetzt zu sein ohne Ablenkung .
    Möglichst auch noch, ohne zu bewerten, wahrnehmen was gerade da ist.

    Vielleicht schaffe ich das ja im nächsten Leben . 😂

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    Ich bitte den Ort des Eingangspostings zu beachten: Wir sind hier in der Gruppe "Säkularer/naturalistischer Buddhismus". D.h. es werden die Dinge hier aus einer säkular-buddhistischen Perspektive betrachtet.

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna / 塞翁失馬 – 焉知非福

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    Buddh. Richtung
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    • 7. April 2026 um 13:59
    • #4
    ixi:

    Was entsteht, vergeht.


    Alles Entstehende/Vergehende wird irgendwann gleich – nämlich vergangen, gelöscht, inexistent.


    Erwachen zielt auf die Zeit davor: Es ist ein Mittel zur Angstlösung bzw. Leidlinderung; es verhindert nicht Vergehen, Sterben, Tod, Inexistenz.

    ---------------------------------------------------------------
    Denke ich da richtig?


    Fast richtig:


    Alles ist im Fluss, anicca. Alles was da ist, hat Vorbedingungen und ist selbst Vorbedingung für das Kommende paticca samuppada. Was endet? Das individuelle menschliche Bewusstsein nach dem Vergehen des neuronalen Korrelats, also des Körpers.


    Das Erwachen des Individuum bezieht sich auf die Zeit vor dem Vergehen, ja. Es geht um die Reduzierung/Aufhebung von dukkha in erwachten Momenten. Es verhindert nicht das individuelle Vergehen.

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  • Monikamarie
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    • 7. April 2026 um 14:31
    • #5

    Herzlich willkommen ixi ,

    für mich beginnt Erwachen in dem Moment, in dem ich mir der Bedingtheit des Lebens bewusst werde, zu sehen beginne, die Dinge wie sie wirklich sind, dass es nicht auf die üblichen weltlichen Ziele ankommt, sondern um meinen eigenen Geist und die Schulung desselben.


    Dazu ist die Lehre Buddhas nach meiner eigenen vielfältigen Erfahrung am besten geeignet. Deshalb bedeutet Buddha der "Erwachte".


    Alles Gute für Dich

    Monika _()_

  • Matthie
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    • 7. April 2026 um 15:09
    • #6
    KarmaHausmeister:

    ch bitte den Ort des Eingangspostings zu beachten: Wir sind hier in der Gruppe "Säkularer/naturalistischer Buddhismus". D.h. es werden die Dinge hier aus einer säkular-buddhistischen Perspektive betrachtet.

    Oh ja stimmt. Hatte Ich übersehen 🙈

  • Anna Panna-Sati
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    • 7. April 2026 um 20:54
    • #7
    ixi:

    Was entsteht, vergeht.


    Alles Entstehende/Vergehende wird irgendwann gleich – nämlich vergangen, gelöscht, inexistent.


    Erwachen zielt auf die Zeit davor: Es ist ein Mittel zur Angstlösung bzw. Leidlinderung; es verhindert nicht Vergehen, Sterben, Tod, Inexistenz.

    Liebe(r) ixi , so ist es wohl.....ABER:

    Erwachen/Befreiung lindert ja die psychischen/geistigen Leiden, die das Vergehen/Sterben (inkl. des Wissens darum) mit sich bringt, erheblich und trägt (nicht nur) dadurch letztlich zu mehr (Lebens-) Freude und einem erfüllteren, glücklicheren Dasein bei.

    Schon die buddhist. Praxis bereichert per se ungemein das Leben und erleichtert das Ertragen unvermeidlichen Dukkhas.

    KarmaHausmeister:

    Das Erwachen des Individuum bezieht sich auf die Zeit vor dem Vergehen, ja.

    Es geht um die Reduzierung/Aufhebung von dukkha in erwachten Momenten.

    Schließt der säkulare Buddhismus ein "Erwachen", resp. eine tiefgreifende transformierte Geisteshaltung, als "Dauerzustand" grundsätzlich aus?


    Konsequenterweise müsste dann dementsprechend auch das Erwachen/Nirvana als vergänglich betrachtet werden, u.a., weil lebensverändernde Erkenntnisse gleichfalls bedingt (z.B. durch säk. buddhist. Praxis) entstanden sind....?


    Geistige Zustände und Einsichten entstehen und vergehen demnach irgendwann, unter bestimmten Umständen, - so wie alles andere, was bedingt entstanden ist, auch.... :shrug:

    (Und dabei denke ich nicht nur an demenzielle Erkrankungen, die anscheinend auch vor klügsten Köpfen, sowie weit fortgeschrittenen Praktizierenden, nicht Halt machen...)


    Liebe Grüße, Anna _()_:heart::)

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • KarmaHausmeister
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    • 7. April 2026 um 22:03
    • #8
    Anna Panna-Sati:
    KarmaHausmeister:

    Das Erwachen des Individuum bezieht sich auf die Zeit vor dem Vergehen, ja.

    Es geht um die Reduzierung/Aufhebung von dukkha in erwachten Momenten.

    Schließt der säkulare Buddhismus ein "Erwachen", resp. eine tiefgreifende transformierte Geisteshaltung, als "Dauerzustand" grundsätzlich aus?


    Konsequenterweise müsste dann dementsprechend auch das Erwachen/Nirvana als vergänglich betrachtet werden, u.a., weil lebensverändernde Erkenntnisse gleichfalls bedingt (z.B. durch säk. buddhist. Praxis) entstanden sind....?


    Geistige Zustände und Einsichten entstehen und vergehen demnach irgendwann, unter bestimmten Umständen, - so wie alles andere, was bedingt entstanden ist, auch.... :shrug:

    (Und dabei denke ich nicht nur an demenzielle Erkrankungen, die anscheinend auch vor klügsten Köpfen, sowie weit fortgeschrittenen Praktizierenden, nicht Halt machen...)


    Liebe Grüße, Anna _()_:heart::)

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    Es stellt sich die Frage, ob man „Erwachen“ als Besitz denkt oder als Bewegung.


    Die Vorstellung eines dauerhaften Erwachens als stabiler Zustand ist aus säkular-buddhistischer Sicht fragwürdig. Säkular gelesen ist Erwachen kein Endzustand, der erreicht und gehalten wird, sondern eine Qualität im Vollzug.


    Erwachen ist eine bestimmte Weise, wie Erfahrung sich organisiert, wenn weniger Gier, weniger Abwehr, weniger Verblendung wirksam sind. Diese Qualität kann sich stabilisieren, vertiefen, verfeinern. Aber sie bleibt eingebettet in Bedingtheit. Und damit: prinzipiell veränderlich.


    Auch Einsichten sind bedingt entstanden und sind damit vergänglich. Nichts kann fixiert werden. Und gerade darin liegt die Freiheit. Keine Freiheit von Bedingungen, sondern eine Freiheit im Umgang mit ihnen.


    Vielleicht lässt sich das so zuspitzen: Erwachen ist nicht das Ende der Vergänglichkeit, sondern das Ende der Illusion, sich ihr entziehen zu können. Und Nirvana – säkular verstanden – wäre dann kein Zustand, der anhält, sondern ein fortlaufendes Entkoppeln von den Mustern, die Leiden erzeugen.


    Erwachern ist nicht etwas, das man hat. Sondern etwas, das immer wieder geschieht.

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    • 7. April 2026 um 22:17
    • #9

    Das sehe ich heute genauso lieber Hendrik.

    _()_Monika

  • JoJu91
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    • 8. April 2026 um 08:29
    • #10
    ixi:

    Denke ich da richtig?

    Das Denken ist sehr beschränkt, manchmal sogar äusserst gefährlich.

    Viele Menschen verzweifeln an ihrem Denken, werden depressiv oder - zumindest in Gedanken - gewalttätig.

    Es gibt eine Bewusstseins-Ebene, die über das Denken hinaus geht.

    Diese Ebene ist viel wacher und intelligenter als das Alltagsbewusstsein.

    Zugang zu dieser Ebene zu erlangen, ist der Anfang des Erwachens.


    :mediw::medim:

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    • 8. April 2026 um 09:31
    • #11

    Ja, JoJu91 , das stimmt natürlich ...


    Die Stille bringt die Klarheit.

    _()_Monika

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    • 8. April 2026 um 09:32
    • #12

    Wenn man dann „Zugang“ zu dieser Ebene hat und sie nutzt, stellt man erschrocken fest: Ich hätte nur realer wahrnehmen und denken müssen. Aber wer möchte schon seinen schwer erarbeiteten fremden Mystizismus aufgeben?

    Den Glauben an die eigenen Wahrheiten aufzugeben, führt ja auch in die Ebene: Ich weiß es tatsächlich nicht. Wenn ich nicht die „Erde“ als Zeuge nehmen kann, bin ich haltlos und nur ein mystisch leidendes Wesen. Nehme ich die Erde als Zeuge, bin ich für andere unannehmbar, für mich frei für jede Rolle.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

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    • 8. April 2026 um 10:55
    • #13
    JoJu91:
    ixi:

    Denke ich da richtig?

    Das Denken ist sehr beschränkt, manchmal sogar äusserst gefährlich.

    Viele Menschen verzweifeln an ihrem Denken, werden depressiv oder - zumindest in Gedanken - gewalttätig.

    Es gibt eine Bewusstseins-Ebene, die über das Denken hinaus geht.

    Diese Ebene ist viel wacher und intelligenter als das Alltagsbewusstsein.

    Zugang zu dieser Ebene zu erlangen, ist der Anfang des Erwachens.


    :mediw::medim:

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    Magst Du das ausführen, warum der "Zugang zu dieser Ebene", einer "Bewusstseins-Ebene, die über das Denken hinaus geht" der Anfang des Erwachens sei und was diese Ebene genau ist – aus säkular-buddhistischer Sicht?

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  • ixi
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    • 9. April 2026 um 08:01
    • #14
    KarmaHausmeister:

    Alles ist im Fluss, anicca. Alles was da ist, hat Vorbedingungen und ist selbst Vorbedingung für das Kommende paticca samuppada.


    Ich frage mich, ob uns das Vorbedingungsmodell nicht in einen unendlichen Regress führt, denn jede Vorbedingung hätte in diesem Modell ja wieder eine Vorbedingung. Dieser Regress wäre noch dazu einer von der bösartigen Sorte, denn über den Urknall kommen wir zeitlich ja nicht zurück.


    Das Gefüge aus Ursachen/Wirkungen, das wiederum andere Ur­sache-/Wirkungskonstellationen hervorbringt, wäre zudem streng mechanistisch bzw. deterministisch. Wo bleibt in diesem Modell Raum für den Zufall, der laut Quantentheorie ja existiert, dem Indeterminismus die Tür öffnet und somit jeglicher Evolution ein offenes Ende beschert?


    Ich räume natürlich gerne ein, dass wir im Alltag in der Regel ganz gut ohne Quantentheorie zurechtkommen. Zudem glaubt auch in der zeitgenössischen Physik ohnehin niemand mehr, dass die Quantentheorie tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist.


    Wie wäre es also, wenn wir im säkularen Buddhismus derartige Modelle überhaupt als „geschickte Mittel“ betrachten würden - verbunden mit dem Eingeständnis, dass wir Genaueres derzeit einfach nicht wissen? Sieht sich nicht auch Stephen Batchelor in letzter Konsequenz als Agnostiker, also als „Nichtwisser“?

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    • 9. April 2026 um 09:20
    • #15

    Buddha hat nicht ohne Sinn die Unwissenheit (ajjiva) als erstes Glied der Kette gesetzt. Das Problem entsteht, wenn Unwissenheit als die Lehre des Buddha betreffend gesetzt wird. Darum ging es Buddha nicht.


    Die ultimative Unwissenheit ist die, dass es uns unmöglich ist, die erste Ursache zu finden.

    ixi:

    Dieser Regress wäre noch dazu einer von der bösartigen Sorte, denn über den Urknall kommen wir zeitlich ja nicht zurück.

    Die Frage eines Kindes: „Warum geht die Sonne auf?“ Jede Antwort führt zu einem weiteren „Warum“. Die Eltern merken irgendwann, dass sie in einen infiniten Regress geraten sind, den sie nur mit „Ich weiß es nicht, du musst die Antwort selbst finden.“ beenden können.

    So hat es auch Buddha gemacht. Auch heute noch vermeiden Menschen diesen Satz, weil er nicht zu einem „Weisen“ zu passen scheint. Dabei ist er oft die einzig korrekte Antwort.

    Buddha hat keine Frage anders beantwortet, wenn er die erste Ursache nicht angeben konnte. Das betrifft alle Fragen mit metaphysischem Inhalt (jenseits der Physik: Die Erde ist mein Zeuge). Solche Fragen können nicht beantwortet werden, weil sie außerhalb des Bereichs liegen, in dem überprüfbare Aussagen möglich sind. Die Metaphysik erzeugt Antworten, die immer ein neues „Warum“ nach sich ziehen.

    Heute könnten Menschen wissen, dass es Fragen gibt, die prinzipiell unbeantwortbar sind. Ein Beispiel aus dem Buddhismus: „Werde ich wiedergeboren?“ Viele glauben Buddha nicht, wenn er sagt, dass er darauf keine Antwort hat. Sie kommen nicht auf die Idee, dass es keine Antwort geben kann. Außer: „Ich weiß es nicht. Komm und sieh selbst, dass es keine Antwort gibt.“


    Avijja habe ich zurückgeführt bis in die Quantenphysik. Egal wie klein ich werde, es gibt keine erste Ursache, die ich finden könnte. Das bedeutet, dass es eine Ursache gibt, doch nur in dem, was jetzt erscheint. Somit erscheint jedes Dukkha auch nur im Jetzt und es ist unangenehm. Mein Handeln kann ich einsetzen, um das Unwohl zu beseitigen. Doch kann ich nicht vor dem Handeln wissen, ob mir das gelingt, gleichgültig, wie viel ich glaube zu wissen, das ist alles Vergangenheit und mein Handeln erzeugt Zukunft, aber die ist noch nicht. Erscheint die Zukunft, ist sie nur vergehen, also sofort vergangen. Wo finde ich Halt? Im ehrlichen Anwenden des achtfachen Pfades immer mit dem Wissen: Ich weiß es niemals genau, aber ich mach mal.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

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  • pano
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    • 9. April 2026 um 09:36
    • #16

    Es ist glaube ich ein Missverständnis dass das System des bedingten Entstehens die Physik beschreiben soll. Es geht darum, dass Phänomene des Geistes bedingt entstehen. Meinetwegen auch noch über Geister hinweg bedingtes entstehen.

    Dass die Physik ebenfalls kausalitätsketten kennt sind strukturelle und begriffliche Parallelen die aber nicht bedeuten dass das Dharma eine physikalische Theorie wäre die an ihre grenzen stößt.


    was die Lehre von bedingten entstehen glaube ich beschreibt sind Vorbedingungen, nicht Auslöser für das nächste Glied der Kette. Und damit sind die Parallelen auch zur Quantenmechanik tatsächlich weitreichend und das von dir beschriebene Problem der Determinismus garnicht so strikt gegeben denke ich. Der Übergang zwischen zwei quantenmechanischen Zuständen ist „erlaubt“ wenn die Bedingungen erfüllt sind. Die Quantenmechanik hat dann Methoden um die übergangswahrscheinlichkeit zu berechnen. Da hört dann jede Parallele zur Lehre von bedingten entstehen auf . Aber das ist ja auch nicht das Ziel der Lehre.


    am Ende kann man sich streiten ob die Phänomene die das bedingte entstehen beschreibt nicht doch auch materielle Phänomene einschließt . Im Rahmen des säkularen Buddhismus ist das aber eigentlich egal weil die relevante Schlussfolgerung etwa von Nagarjuna dass alles leer ist , nichts eigenexistenz hat (keine Essenz existiert um den Begriff der abendländischen Philosophie zu verwenden) auch mit physikalischen Mitteln bestätigt werden kann. Insofern können wir einfach den Buddhismus nehmen um über die kernkompetenzen des dharmas zu sprechen und müssen 2500 Jahre Fortschritt in der naturwissenschaft nicht links liegen lassen.

  • Qualia
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    • 9. April 2026 um 09:48
    • #17
    pano:

    Es ist glaube ich ein Missverständnis dass das System des bedingten Entstehens die Physik beschreiben soll. Es geht darum, dass Phänomene des Geistes bedingt entstehen. Meinetwegen auch noch über Geister hinweg bedingtes entstehen.

    Das Problem des Geistes ist ja gerade, dass er die erste oder überhaupt eine Ursache finden will für die Wirkung, die er erfährt.


    Was, wenn nicht der Geist des Menschen, verstrickt sich in Dukkha?


    Nur dieser Geist kann überhaupt Dukkha erzeugen. Kein anderes fühlendes Wesen tut das, denn alle anderen haben nicht die Fähigkeit, Ursache/Wirkung zu erkennen. Sie erkennen nur das Jetzt und dass sie sich jetzt unwohl fühlen. Ist dieses Unwohlsein beendet, erkennen sie nicht das Wohl, sondern nur, dass sie sich nicht mehr unwohl fühlen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

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    • 9. April 2026 um 10:40
    • #18

    Genau, und eben deswegen ist ein Fühlen von Dukkha nach dem Tode nicht möglich, weil kein Denken mehr möglich ist.


    Sogar wenn ich abgelenkt bin und mein Fokus nicht mehr auf den Schmerz gerichtet ist, spüre ich ihn nicht.


    Also keine Sorge, der Tod beendet alles. An ein Wiederwerden glaube ich nicht.

    _()_Monika

  • Anna Panna-Sati
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    • 9. April 2026 um 16:09
    • #19
    KarmaHausmeister:

    Es stellt sich die Frage, ob man „Erwachen“ als Besitz denkt oder als Bewegung.

    Das ist interessant, lieber KarmaHausmeister , ich würde "Erwachen" irgendwo im Raum zwischen diesen Polen "verorten", denn selbst wenn ein Mensch eine Erkenntnis wirklich verinnerlichte/ "inneHAT", ist es fraglich, ob derjenige/diejenige diese Einsicht dann "besitzt".

    Eher erscheint es mir, dass die durchdrungene Erkenntnis nun diese Person "besitzt" und in der Folge gewissermaßen "steuert".


    Der Buddha war nach seinem Erwachen vom Leiden befreit, aber war er damit völlig frei in seinen Handlungen? Er konnte nach seinem Erwachen ja nicht mehr gierig, hassend oder verblendet sein und entsprechend "böse" handeln, oder....?:?

    KarmaHausmeister:

    Erwachern ist nicht etwas, das man hat. Sondern etwas, das immer wieder geschieht.

    Der Stufenweg des Theravada-Buddhismus lehrt dies in ähnlicher Weise ebenfalls, allerdings erklimmt hier der Praktizierende quasi eine Leiter und ab einer Stufe - Sotapatti (Stromeintritt) - , dem Abwerfen dreier Fesseln, gibt es kein Zurückfallen mehr...


    Findet im säkularen Buddhismus auch ein stetes Fortschreiten statt oder sind Rückfälle und "Abstürze" bis hin zur Abwendung vom Heilsamen immer möglich?

    JoJu91:

    Das Denken ist sehr beschränkt, manchmal sogar äusserst gefährlich.

    Viele Menschen verzweifeln an ihrem Denken, werden depressiv oder - zumindest in Gedanken - gewalttätig.

    Lieber JoJu91 , was hast du dir beim Schreiben dieser Sätze gedacht? ;)

    Ohne zu denken, würde ja quasi nur "automatisiert" geredet und gehandelt, Weiterentwicklung in jede Richtung, Lernen, Austausch, Forschung und Lehre, sind ohne (Nach-) Denken nicht möglich.


    Als unheilsam würde ich (zwanghaftes) andauerndes Grübeln, fruchtloses Gedankenkreisen und ständiges Springen von Gedanke zu Gedanke (Monkey Mind) betrachten, nicht aber analytisches und lösungsorientiertes Denken (insbesondere, wenn es durch Kontemplation ergänzt wird).


    Nicht zuletzt haben die anderen Bewusstseinsebenen, welche durch intensive Meditation (oder Drogen...) erreicht werden, auch ihre Risiken und Nebenwirkungen, z.B. Weltabgewandtheit - im negativen Sinne -, Abhängigkeit/Sucht (von bestimmten "Piti"-Zuständen), Depersonalisations-/Realisationssyndrom, Neurosen/Psychosen,...


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • mukti
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    • 10. April 2026 um 11:42
    • #20

    Hoffe nicht störend in eine laufende Diskussion zu platzen, aber der Titel und Eingangsbeitrag hat mich an ein eher intuitives, weniger analytisches Betrachten erinnert.


    Nämlich, was entsteht und vergeht, ist irgendwie gar nicht richtig da. Es ist nicht für sich und aus sich da, nur als flüchtige Erscheinung in einem dynamischen Bedingungsgefüge. Nicht fassbar, nicht bleibend, nicht real. Das Festhalten, etwas sein oder haben wollen, entsteht aus der falschen Vorstellung, es sei etwas an sich. Dadurch entstehen alle Leiden und mit dem Durchschauen der Unbeständigkeit vergehen sie.


    Das war's, ist schon wieder vorbei.

    Mit Metta, mukti.


  • Aravind
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    • 10. April 2026 um 12:46
    • #21
    ixi:

    Ich frage mich, ob uns das Vorbedingungsmodell nicht in einen unendlichen Regress führt, denn jede Vorbedingung hätte in diesem Modell ja wieder eine Vorbedingung. Dieser Regress wäre noch dazu einer von der bösartigen Sorte, denn über den Urknall kommen wir zeitlich ja nicht zurück.

    Die rein praktische Anwendung reicht völlig aus. Es ist für die buddhistische Praxis nicht nötig, daraus eine metaphysische Frage zu machen. Und schon gar nicht hilfreich.


    Es geht ja eben nicht darum, die Kausalkette zu verfolgen, sondern ganz praktisch "nur" zu sehen: Das, was entstanden ist, hat Ursachen. Und noch wichtiger: Es wird nicht für immer bestehen. Deshalb verlass Dich nicht darauf, dass es für immer besteht. (Reichtum, Beziehungen, Leben, der eigene Charakter, das eigene Selbstbild, schlechte Laune, gute Laune, Gesundheit, Krankheit, Autos, Buddhaland, Aravind).


    Und umgekehrt: Da auch alles Positive vergänglich ist: Genieße es, so lange es da ist.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Igor07
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    • 10. April 2026 um 13:07
    • #22
    mukti:

    Nicht fassbar, nicht bleibend, nicht real.

    Warum aber nicht „Real“?

    Fließend ist paṭiccasamuppāda. Jedes Glied der ganzen Kette ist nicht( "am Ende") auffindbar, aber real bestimmt das alles, weil es auf mich ein-wirk-t.


    Bestimmte Ursachen und Bedingungen lösen entsprechende Wirkungen aus. Das Ganze ändert sich immer, so kann man es sich etwa wie Indras- Netz nachvollziehen.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • JoJu91
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    • 13. April 2026 um 07:39
    • #23
    Qualia:

    Wenn man dann „Zugang“ zu dieser Ebene hat und sie nutzt, stellt man erschrocken fest: Ich hätte nur realer wahrnehmen und denken müssen.

    Genau.

    Diese Ebene zeichnet sich nicht durch erhabene, rauschhafte Emotionen aus, sondern durch geistige Klarheit. Diese wirkt zunächst so beeindruckend durch den Kontrast zum ungeheuren Ausmaß des ganz normalen Wahnsinns.

  • JoJu91
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    • 13. April 2026 um 08:01
    • #24
    KarmaHausmeister:

    Magst Du das ausführen, warum der "Zugang zu dieser Ebene", einer "Bewusstseins-Ebene, die über das Denken hinaus geht" der Anfang des Erwachens sei und was diese Ebene genau ist – aus säkular-buddhistischer Sicht?

    Mein persönliches Beispiel ist die Lektüre eines schwierigen Fachtextes.


    Im gewöhnlichen Alltagsmodus mit seinen Ablenkungen, Verwirrungen, Ängsten u.s.w. gerate ich beim Aufschlagen des Buches schon in Panik, wenn ich die mathematischen Formeln sehe.

    Ich lese eine halbe Stunde, habe aber so gut wie nichts begriffen, weil ich 90% der Zeit geistig überall war, nur nicht beim Text.


    In einem halbwegs gesammelten Zustand sind die meisten geistig-emotionalen Hintergrundgeräusche verstummt, die Angst vor den Formeln ist weg, ich habe kein Eile beim Lesen und habe am Ende der halben Stunde einiges verstanden, weil ich nur noch die Hälfte de Zeit geistig abwesend war.


    In einem sehr gesammelten Zustand, wo das diskursive Denken fast verschwunden ist und keine emotionalen Störungen mehr vorhanden sind, geschieht es oft, dass ich den Sinn des Textes intuitiv verstehe. Das ist dann schon eine Annäherung an das "Denken ohne zu Denken", wie es manchmal im Zen genannt wird.


    Das ist mir als Student aufgefallen, dass ich mich nach einem jahr Zazen-Praxis um eine ganze Notenstufe verbessert habe, einfach durch mehr Klarheit und weniger Wahnsinn


    --------------


    In den seltenen Momenten höchster Klarheit (den "höheren Jhanas"), wenn "Körper und Geist abgefallen sind", um es pathetisch in Zen-Sprache zu formulieren, erscheint die Welt des Alltagsbewusstseins so traumhaft wie die Nacht-Träume aus der Sicht des Alltagsbewusstseins und es eröffnen sich Einsichten, die dem ego-verhafteten individuellen Bewusstsein versperrt sind.


    Der Weg ist vom Komplizierten zum Einfachen.


    Es klingt mystisch nur, weil das Alltagsbewusstsein in so hohem Ausmaß von Wahnsinn durchzogen ist. Dieser Wahnsinn fällt nur in der Regel nicht auf, weil so gut wie alle (*) davon befallen sind. Das wäre ein Thema für tausend parallele Threads.


    (*) Übrigens auch der arme JoJu91 selbst ... :cry:

  • JoJu91
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    • 13. April 2026 um 08:35
    • #25
    Anna Panna-Sati:

    Als unheilsam würde ich (zwanghaftes) andauerndes Grübeln, fruchtloses Gedankenkreisen und ständiges Springen von Gedanke zu Gedanke (Monkey Mind) betrachten, nicht aber analytisches und lösungsorientiertes Denken (insbesondere, wenn es durch Kontemplation ergänzt wird).

    Genauso habe ich es gemeint.

    Natürlich kann das Denken ein guter Diener sein.

    Ich habe fast täglich mit Leuten zu tun, da ist das Denken zum tyrannischen Meister geworden.

    Eine Sisyphus-Arbeit ...

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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