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Majjhima Nikāya 44, Cūḷavedallasutta

  • Upasaka Dhammavicayo
  • 6. September 2026 um 07:43
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  • Samadhi1876
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    • 21. Oktober 2026 um 14:51
    • #76
    Upasaka Dhammavicayo:

    Wie sind denn eure eigenen Erfahrungen zu dem gesagten?

    Wie habt ihr Buddhas Worte geprüft?

    Was habt ihr erfahren mit welcher 'Übung' ?

    Das sind erst mal nur Schriften, Worte anderer, Theorie, die man auch theoretisch nachvollziehen kann.


    Aber erst mit der ganz eigenen Erfahrung dessen, weiß man auch „wie sich das tatsächlich anfühlt“. Und vermittelt auch ein anderes Gefühl als nur an etwas zu glauben oder verstanden zu haben.


    Andererseits kann es sein, das man sich daraufhin anfängt etwas einzubilden, oder Zuviel einzubilden, wie zB „Ich bin jetzt erwacht“. Und die anderen nicht. Und sich dadurch auch als etwas „besseres“ oder anderen überlegen fühlt.

    Deshalb sagte Kodo Sawaki auch „Du musst auch die Satoris wieder fallen lassen wie die Blätter“. 🍂


    Stattdessen beginnt man einfach an nichts mehr so wie zuvor anzuhaften oder anders haben oder erreichen zu wollen.

    Gefühlt befindet man sich nun mehr in einer Mitte. Vorher gab es nur die eine Seite die man kannte. Die entstanden ist seit Kindheit. Durch Gesellschaft durch eigene Vorstellungen. Keine Mitte.


    Die andere Seite hat man seit Geburt vergessen und ist ihr nun durch Erwachen wieder begegnet. Und damit auch eine Mitte wieder entstanden.


    Übt man nicht weiter in der Mitte zu bleiben, zwischen den Extremen, kann es sein das man sich wieder Zuviel in das eine oder andere extrem (Seite) verliert.


    Ohne Meditation und innere Einkehr und Achtsamkeit regelmäßig weiter üben, kann das je nach Situation wieder schnell geschehen.


    Aber nun. Zumindest weiß man jetzt besser was zu tun ist und was nicht.


    Und aber auch, das es ein lebenslanger Übungsweg bleibt.


    Mit immer neuen Herausforderungen.


    Letztendlich aber, gibt es nichts zu gewinnen und zu verlieren.


    Jemand der Angst davor hat ins Bodenlose fallen zu können, und nicht weiß was danach geschieht, das im Leben nicht einmal erlebt hat, wird sich auch weiterhin versuchen irgendwie im Leben mit etwas (zusätzlich) abzusichern.


    Auch weiterhin Angst vor dem Sterben haben.

  • Elliot
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    • 21. Oktober 2026 um 14:55
    • #77
    Qualia:

    Der Arahant bleibt Sakkāya.

    Igor07:

    Und auch ein Arahat hat diese "Gruppen", aber ohne Ergreifen. Oder ohne Festhalten.

    Das lenkt noch einmal zum Unterschied zwischen 3. Sakkāyo und 4. Sakkāyadiṭṭhi.


    Während Sakkāyadiṭṭhi vergleichsweise einfach aufzugeben ist (MN 44):

    Zitat

    "Ehrwürdige, auf welche Weise entsteht die Persönlichkeitsansicht ( Sakkāyadiṭṭhi ) nicht?" "Freund Visākha, ein wohlunterrichteter edler Schüler, der die Edlen beachtet und in ihrem Dhamma bewandert und geschult ist, der aufrechte Menschen beachtet und in ihrem Dhamma bewandert und geschult ist,

    • betrachtet Form nicht als Selbst, oder Selbst als Form besitzend, oder Form als im Selbst enthalten, oder Selbst als in Form enthalten.
    • Er betrachtet Gefühl nicht als Selbst, oder Selbst als Gefühl besitzend, oder Gefühl als im Selbst enthalten, oder Selbst als im Gefühl enthalten.
    • Er betrachtet Wahrnehmung nicht als Selbst, oder Selbst als Wahrnehmung besitzend, oder Wahrnehmung als im Selbst enthalten, oder Selbst als in der Wahrnehmung enthalten.
    • Er betrachtet Gestaltungen nicht als Selbst, oder Selbst als Gestaltungen besitzend, oder die Gestaltungen als im Selbst enthalten, oder Selbst als in den Gestaltungen enthalten.
    • Er betrachtet Bewußtsein nicht als Selbst, oder Selbst als Bewußtsein besitzend, oder Bewußtsein als im Selbst enthalten, oder Selbst als im Bewußtsein enthalten.

    Auf diese Weise entsteht die Persönlichkeitsansicht nicht."

    ... braucht es für Sakkāyo deutlich mehr Anstrengung (MN 44):

    Zitat

    "Ehrwürdige, man spricht von 'dem Weg, der zum Aufhören der Persönlichkeit ( Sakkāyo) führt, dem Weg, der zum Aufhören der Persönlichkeit führt'. Was wird vom Erhabenen der Weg, der zum Aufhören der Persönlichkeit führt, genannt?" "Freund Visākha, eben dieser Edle Achtfache Pfad wird vom Erhabenen als der Weg, der zum Aufhören der Persönlichkeit führt, genannt; das heißt,

    • Richtige Ansicht, Richtige Absicht, Richtige Rede, Richtiges Handeln, Richtige Lebensweise, Richtige Anstrengung, Richtige Achtsamkeit und Richtige Sammlung."

    Viele Grüße

    Elliot

  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 21. Oktober 2026 um 15:35
    • #78
    Samadhi1876:
    Upasaka Dhammavicayo:

    Wie sind denn eure eigenen Erfahrungen zu dem gesagten?

    Wie habt ihr Buddhas Worte geprüft?

    Was habt ihr erfahren mit welcher 'Übung' ?

    Das sind erst mal nur Schriften, Worte anderer, Theorie, die man auch theoretisch nachvollziehen kann.


    Aber erst mit der ganz eigenen Erfahrung dessen, weiß man auch „wie sich das tatsächlich anfühlt“. Und vermittelt auch ein anderes Gefühl als nur an etwas zu glauben oder verstanden zu haben.


    Andererseits kann es sein, das man sich daraufhin anfängt etwas einzubilden, oder Zuviel einzubilden, wie zB „Ich bin jetzt erwacht“. Und die anderen nicht. Und sich dadurch auch als etwas „besseres“ oder anderen überlegen fühlt.

    Deshalb sagte Kodo Sawaki auch „Du musst auch die Satoris wieder fallen lassen wie die Blätter“. 🍂


    Stattdessen beginnt man einfach an nichts mehr so wie zuvor anzuhaften oder anders haben oder erreichen zu wollen.

    Gefühlt befindet man sich nun mehr in einer Mitte. Vorher gab es nur die eine Seite die man kannte. Die entstanden ist seit Kindheit. Durch Gesellschaft durch eigene Vorstellungen. Keine Mitte.


    Die andere Seite hat man seit Geburt vergessen und ist ihr nun durch Erwachen wieder begegnet. Und damit auch eine Mitte wieder entstanden.


    Übt man nicht weiter in der Mitte zu bleiben, zwischen den Extremen, kann es sein das man sich wieder Zuviel in das eine oder andere extrem (Seite) verliert.


    Ohne Meditation und innere Einkehr und Achtsamkeit regelmäßig weiter üben, kann das je nach Situation wieder schnell geschehen.


    Aber nun. Zumindest weiß man jetzt besser was zu tun ist und was nicht.


    Und aber auch, das es ein lebenslanger Übungsweg bleibt.


    Mit immer neuen Herausforderungen.


    Letztendlich aber, gibt es nichts zu gewinnen und zu verlieren.


    Jemand der Angst davor hat ins Bodenlose fallen zu können, und nicht weiß was danach geschieht, das im Leben nicht einmal erlebt hat, wird sich auch weiterhin versuchen irgendwie im Leben mit etwas (zusätzlich) abzusichern.


    Auch weiterhin Angst vor dem Sterben haben.

    Alles anzeigen

    Das mit der eigenen Erfahrung stimmt. Theorie bleibt Theorie, auch wenn sie noch so klar klingt. Man kann über Feuer reden, ohne je die Wärme gespürt zu haben.

    Die Warnung vor dem Einbilden ist berechtigt. Gerade nach ersten Einsichten kommt schnell das Gefühl auf, man hätte es geschafft. Das ist ein feines Anhaften, das man leicht übersieht.

    Kodo Sawakis Bild mit den Blättern passt gut. Man lässt los, und dann kommt das nächste Blatt. Und das nächste.

    Die Mitte ist ein gutes Wort dafür. Man hat beide Seiten gesehen, die eine durch die Prägung, die andere durch das Erwachen. Die Mitte ist kein Ort, den man einmal erreicht und dann besitzt. Sie bleibt eine Übung.

    Ohne regelmäßige Praxis kippt man schnell wieder zur Seite. Das ist ehrlich beobachtet.

    Dass es ein lebenslanger Weg bleibt, stimmt. Es gibt immer neue Herausforderungen, neue Situationen, in denen man sich verliert. Und dann wieder findet.

    Nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Wer das wirklich sieht, hat keine Angst mehr vor dem Bodenlosen. Die Angst vor dem Sterben kommt aus dem Festhalten an einem Bild von sich selbst. Wer das durchschaut hat, hat den Stachel verloren, auch wenn der Weg weitergeht.

  • Schneelöwin
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    • 21. Oktober 2026 um 19:33
    • #79
    Anna-Lyse Dhamma:

    Nach einem schweren Fahrradunfall vor einigen Wochen, bei dem ich mir beide Handgelenke/Unterarme und den rechten Unterkiefer brach, ist derzeit für mich der (achtsam wahrgenommene) neutrale Gefühlszustand eine kostbare, seltene Begebenheit geworden...)

    Liebe Anna,


    ich kann mir sehr gut vorstellen, welche Herausforderung dieser Radunfall körperlich und auch gefühlsmäszig für Dich ist, da ich selbst vor fast genau 2 Jahren betroffen war, wenn auch nicht mit solch schweren Verletzungen.

    Du musst nicht jeden Tag stark sein, alle Gefühle wie Traurigkeit, Hoffnung und Ungeduld dürfen sein.

    Ich wünsche Dir ganz viel Geduld mit Dir selbst, Zuversicht und viele kleine Schritte in Richtung Besserung. 🫶

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 21. Oktober 2026 um 19:39
    • #80
    Anna-Lyse Dhamma:

    (Nach einem schweren Fahrradunfall vor einigen Wochen, bei dem ich mir beide Handgelenke/Unterarme und den rechten Unterkiefer brach, ist derzeit für mich der (achtsam wahrgenommene) neutrale Gefühlszustand eine kostbare, seltene Begebenheit geworden...)

    Gute Besserung und Alles Liebe…


    💫🌈❤️🍀🌺

  • Elliot
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    • 21. Oktober 2026 um 20:06
    • #81
    Qualia:

    5 Das ist die Person, Sakkāya.

    Im folgenden Text wird noch einmal deutlich, dass in den Lehrreden Person ( Puggalo ) und Persönlichkeit ( Sakkāyo ) verschiedenes bezeichnet (SN 22.22 die Last):

    Zitat

    In Sāvatthī. … Dort sprach der Erhabene:
    „Ich will euch die Last lehren, den Träger der Last, das Aufnehmen der Last und das Ablegen der Last. Hört zu.


    Was, ihr Mönche, ist die Last? Man soll sagen: die fünf Gruppen des Ergreifens ( also Sakkāyo ). Welche fünf? Die Gruppe des Ergreifens der Form, des Gefühls, der Wahrnehmung, der Gestaltungen und des Bewusstseins. Das, ihr Mönche, nennt man die Last.


    Und was, ihr Mönche, ist der Träger der Last? Man soll sagen: die Person ( Puggalo ), dieser Ehrwürdige mit diesem Namen und aus diesem Geschlecht. Das, ihr Mönche, nennt man den Träger der Last.


    Und was, ihr Mönche, ist das Aufnehmen der Last? Dieses Begehren, das zu Wiederwerden führt, von Freude und Gier begleitet, sich hier und dort ergötzend, nämlich das Begehren nach Sinnlichem, das Begehren nach Werden, das Begehren nach Nichtwerden. Das, ihr Mönche, nennt man das Aufnehmen der Last.


    Und was, ihr Mönche, ist das Ablegen der Last? Das restlose Entfärben und Aufhören eben dieses Begehrens, sein Aufgeben, Loslassen, die Befreiung davon, das Nicht-mehr-daran-Hängen. Das, ihr Mönche, nennt man das Ablegen der Last.“

    Alles anzeigen

    Viele Grüße

    Elliot

  • Qualia
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    • 21. Oktober 2026 um 22:48
    • #82
    Elliot:

    Im folgenden Text wird noch einmal deutlich, dass in den Lehrreden Person ( Puggalo ) und Persönlichkeit ( Sakkāyo ) verschiedenes bezeichnet (SN 22.22 die Last):

    Alle Personen und Persönlichkeitserscheinungen sind normale Vorgänge und letztlich Hilfskonstruktionen, die im sozialen Miteinander in der Gemeinschaft mit Mitmenschen mehr oder weniger notwendig sind.


    Ich habe viele davon gelebt und einige voll ausgelebt. Doch das machte für mich einen Unterschied von mir zu vielen Mitmenschen deutlich.

    Dieses Empfinden, nicht dazuzugehören, hat mir einige Probleme bereitet, nicht mit den Mitmenschen. Das Problem war: Warum konnte ich nicht so sein wie die anderen Menschen?


    Eigentlich war es ganz einfach: Ich kann Sakkāyadiṭṭhi nicht erreichen. Ich wollte so gern eine Person mit Identitätsansicht sein und es ging einfach nicht, oder nur solange, wie ich das benötigte.
    Also nur für Minuten, dann wurde es wieder Rolle.
    Ich kann eine Person spielen, aber nicht dauerhaft diese Person sein. Es findet kein Sakkāyadiṭṭhi statt, wie es bei den meisten Menschen selbstverständlich ist, dass sie nicht nur so sind, sondern dass sie DAS sind.

    Das war für mich mein Mangel, und mein dukkha. Wie konnten Menschen vor, während und nach einem Konzert/Fußballspiel Fans sein? Ich werde Fan, wenn ich im Konzert oder im Stadion bin, und dann ist es ein Gefühl von „Ich bin mit allen Einig" und erlebe die Veranstaltung.


    Nicht das Fehlen der Erfahrung, sondern das Fehlen der dauerhaften Identifikation mit der Erfahrung.


    Das ist mein dukkha schon seit der Kindheit. Ich kann kein dukkha erzeugen, nur Leiden, Freude, Trauer, Mitgefühl teilen und miterleben. Ich kann mit anderen jede Person sein, aber nie bleiben. Kommen die gleichen Personen wieder zusammen, muss ich mein Personsein wieder aufbauen, erhalten und stützen. Dabei muss ich mich erinnern, wie ich Wer war.


    Das führte schnell dazu das ich isoliert wurde. Du kannst nicht sein wie du warst, also bist du nicht vertrauenswürdig. Oder eben der Narr oder Eigenbrötler.


    Die Daseinsmerkmale Anicca, Dukkha, Anatta waren nie ein Problem. Verstehen konnte ich nicht, warum sie für die meisten ein Problem sind.

    Heute weiß ich das sie kein Bestandteil von Sakkāyadiṭṭhi sind. Dass deren Abwesenheit, besser Verdrängung, das dukkha von Sakkāyadiṭṭhi ist.

    Denn mir war immer klar: Werden Anicca, Dukkha und Anatta als Grundbestandteile jeder Person erkannt, dann kann die Ansicht „Das bin ich, das ist mein Selbst, das werde ich bleiben“ nicht dauerhaft erscheinen. Woher ich das weiß? Das ist mein Leben: anicca, dukkha, anatta, die längste Zeit ohne dieses Wissen, das zeigte erst Buddha.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (21. Oktober 2026 um 22:55)

  • Qualia
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    • 21. Oktober 2026 um 23:14
    • #83

    Lebewesen ohne Skandha, das Selbstsosein.
    Vor dem Erscheinen eines zentralen Nervensystems (ZNS) ist Selbstsosein. Es gibt noch keine Skandha und damit kein Ich. Lebensnotwendige Vorgänge und Handlungen bedürfen keiner Entscheidung. Nervensystem und Nervenknoten (Ganglien) bilden die Vorstufen und damit die Bedingung für das spätere Erscheinen eines ZNS.

    Das Selbstsosein ist nicht auf Lebewesen mit Nervenknoten (Ganglien), Nervensystem oder ohne Nerven beschränkt. Auch Wesen ohne Nerven wirken, erhalten sich und reagieren entsprechend ihren Bedingungen. Dass manche von ihnen biologisch nicht als Lebewesen beurteilt werden, ändert nichts daran, dass sie leben müssen, um überhaupt wirken zu können.


    Die Skandha.
    Das fühlende Lebewesen mit einem zentralen Nervensystem ist Skandha = Form, Empfinden, Wahrnehmen, Gestaltungen, Bewusstsein.


    Rūpa (Form) umfasst die körperliche Grundlage einschließlich Sinnesorgane und Sinnesobjekte.
    Vedanā (Empfinden) ist das angenehme, unangenehme oder neutrale Gefühl.
    Saññā (Wahrnehmung) erkennt und unterscheidet Merkmale der Reize und Reaktionen.
    Saṅkhāra (Gestaltungen) umfasst Reaktions-, Bewertungs-, Absichts- und Verarbeitungsprozesse.
    Viññāṇa (Bewusstsein) ist jeweils das zu einem Sinnesbereich gehörige Bewusstsein.


    Skandha sind individuell. In ihnen erscheinen Reize und Reaktionen als Eigenart der Sinneswahrnehmungen. Das ist die Bedingung für das Erscheinen eines "Ich". Dieses Ich kann bewerten und entscheiden, jedoch noch nicht besitzen, aneignen oder etwas als dauerhaft zu sich gehörig bestimmen. Es, Skandha = fühlendes Wesen, handelt nur bei Unwohlsein, unangenehm, um dieses zu beenden, nicht um Wohlsein zu erreichen, sondern zum Befriedigtsein.


    Wahrgenommen werden nicht die Dinge an sich. Wahrgenommen werden nur Sinnesreize auf den jeweiligen Sinnesflächen-häute. Die einzelnen Anhäufungen sind Sinnesbewusstseine. Diese bleiben separiert, jeder Sinn bleibt getrennt und einzeln. Erst das ZNS verarbeitet die Reize und Reaktionen im um die Bedürfnisse befriedigen zu können, Handeln, die zum Überleben und Wohlsein notwendig sind. Hier wird Unangenehmes auch nicht abgelehnt, aber Wohlsein kann angestrebt werden.

    Ein fühlendes Lebewesen ist Alterung, Krankheit, Trennung, Verletzung, Hunger, Verlust und Tod ausgesetzt. Diese Formen des Leidens entstehen bereits dadurch, dass überhaupt ein fühlendes Wesen vorhanden ist. Sie gehören zur Existenz von fühlenden Lebewesen, Skandha.


    Der Mensch
    Der Mensch vergisst leicht, dass er im Grunde Selbstsosein ist. Sein Körper besteht aus Strukturen und Prozessen, die bereits vor den Skandha vorhanden waren und auch im Menschen weiterhin bestehen. Durch die Organisation dieser Lebensprozesse entstanden die Skandha, und aus den Möglichkeiten der Skandha entwickelte sich schließlich der Mensch.
    Alle Person sakkāya, Persönlichkeit sakkāyadiṭṭhi sind nur erschienen, weil die Skandha sind. Personen sakkāya sind Überlebens notwendig für Menschen. Sakkāyadiṭṭhi sind die Illusionen, die nicht nur das Leben von einem Menschen oder der Gemeinschaft von Menschen zerstören. Heutzutage können sie die gesamten fühlenden Lebewesen Skandha zerstören. Die Erde interessiert das nicht, sie fängt neu an, mit den Lebewesen des Selbstsosein.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

  • Elliot
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    • 22. Oktober 2026 um 06:50
    • #84
    Qualia:

    Ich kann mit anderen jede Person sein, aber nie bleiben. Kommen die gleichen Personen wieder zusammen, muss ich mein Personsein wieder aufbauen, erhalten und stützen. Dabei muss ich mich erinnern, wie ich Wer war.


    Das führte schnell dazu das ich isoliert wurde. Du kannst nicht sein wie du warst, also bist du nicht vertrauenswürdig.

    Es gibt ja diese fünf Kampfesglieder (MN 85):

    Zitat

    "In gleicher Weise, Prinz, gibt es diese fünf Kampfesglieder. Welche fünf?


    Da hat ein Bhikkhu Vertrauen, er setzt sein Vertrauen folgendermaßen in die Erleuchtung des Tathāgata: 'Jener Erhabene ist ein Verwirklichter, ein vollständig Erwachter, vollkommen im wahren Wissen und erhaben im Verhalten, vollendet, Kenner der Welten, unvergleichlicher Meister bezähmbarer Menschen, Lehrer himmlischer und menschlicher Wesen, ein Erwachter, ein Erhabener.'"


    "Darüber hinaus ist er frei von Krankheit und Gebrechen und besitzt eine gute Verdauung, die weder zu kühl, noch zu warm ist, sondern mittel, und die ihn in die Lage versetzt, die Anspannung des Bemühens zu ertragen."


    "Darüber hinaus ist er ehrlich und aufrichtig, und er präsentiert sich dem Lehrer und seinen Gefährten im heiligen Leben so, wie er tatsächlich ist."


    "Darüber hinaus ist er energetisch beim Überwinden unheilsamer Geisteszustände und beim Übernehmen heilsamer Geisteszustände, er ist gefestigt, er entfaltet sein Bemühen mit Festigkeit und Beharrlichkeit im Entwickeln heilsamer Geisteszustände."


    "Darüber hinaus ist er weise, er besitzt Weisheit in Bezug auf Entstehen und Vergehen, die edel und durchdringend ist und zur völligen Vernichtung von Dukkha führt.


    Dies sind die fünf Kampfesglieder."

    Alles anzeigen

    In Bezug auf das dritte würdest Du also sagen, dass dieses Glied nicht gut ausgeprägt ist, bei Dir?

    Qualia:

    Die Daseinsmerkmale Anicca, Dukkha, Anatta waren nie ein Problem. Verstehen konnte ich nicht, warum sie für die meisten ein Problem sind.

    Kannst Du genauer erklären, warum diese Daseinsmerkmale für Dich nie ein Problem waren?

    Viele Grüße

    Elliot

  • Qualia
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    • 22. Oktober 2026 um 10:38
    • #85

    "Darüber hinaus ist er ehrlich und aufrichtig, und er präsentiert sich dem Lehrer und seinen Gefährten im heiligen Leben so, wie er tatsächlich ist."

    Elliot:

    In Bezug auf das dritte würdest Du also sagen, dass dieses Glied nicht gut ausgeprägt ist, bei Dir?

    Es ist einfach so, wie es ist, da ist kein Kampf in mir. Ich bin immer der, der ich bin. Leider wollen die Gefährten immer einen, den sie schon kennen. Den kann ich nur spielen, weil sie mich nicht so erkennen können oder wollen, wie ich gerade bin. Der Fremde, der ein Freund ist.


    Elliot:

    Kannst Du genauer erklären, warum diese Daseinsmerkmale für Dich nie ein Problem waren?

    Als Erwachsener waren sie ein Problem, denn ich wollte das Gegenteil beweisen.

    Nicht die Beobachtung von Vergänglichkeit, Nicht-Befriedigung und fehlender fester Identität erzeugte bei mir das Problem, sondern meine vergeblichen Versuche, gegen die eigenen Beobachtungen doch Beständigkeit, Sicherheit und ein festes Selbst zu finden. Mein Dukkha war, Dukkha erzeugen zu wollen, obwohl es nach meinen Grundüberzeugungen nicht geht. Das Festhalten daran, dass es Beständigkeit, Befriedigung und ein „Ich bin“ geben muss, weil andere doch zeigten das es das geben muss.


    Datensammlung als Kind, vor dem als selbstständig geltender Mensch:

    anicca

    Es bleibt nichts, wie es ist, ich kann mich nicht auf scheinbar Beständiges verlassen.


    dukkha

    Mir gehört nichts, mit dem ich zufrieden sein kann. Weder meine Spielsachen noch mein Glaube, noch das, was ich weiß. Versuche ich, das mich Befriedigende als sicher zu kommunizieren, wird es mir genommen. Ich werde traurig, und gab das Verlangen auf, irgendetwas als sicher besitzen zu wollen.


    anatta

    Die Menschen um mich herum sind immer anders. Das habe ich auch bei mir beobachtet: Ich bin immer ein anderer. Bis ich festgestellt habe, dass es einen Unterschied zu anderen gibt: Sie strengen sich an, sich immer gleich zu bleiben. Das war der Beginn davon, dass ich den darstellte, den sie glaubten zu sehen. Weil das immer etwas länger dauerte, die richtige Darstellung zu finden, wurde ich schnell als schüchtern oder geistig minderbemittelt angesehen. Das verschaffte mir die nötige Pause.

    Ich ließ mir nie einreden, dass ich neurologisch krank bin. Ich war einfach nur ich und kann nichts dafür, dass andere einen bestimmten haben wollten.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

  • Elliot
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    • 22. Oktober 2026 um 12:43
    • #86
    Qualia:

    Die Daseinsmerkmale Anicca, Dukkha, Anatta waren nie ein Problem. Verstehen konnte ich nicht, warum sie für die meisten ein Problem sind.

    In MN 35 vertritt Saccaka, der Sohn des Nigaṇṭha, dort angesprochen als Aggivessana, dazu eine Sichtweise, die auch heute noch viele Menschen teilen würden, denke ich:

    Zitat

    "Auf diese Weise, Aggivessana, bilde ich meine Schüler aus und auf diese Weise wird meine Anleitung für gewöhnlich meinen Schülern vorgetragen: 'Ihr Bhikkhus, Form ist vergänglich, Gefühl ist vergänglich, Wahrnehmung ist vergänglich, Gestaltungen sind vergänglich, Bewußtsein ist vergänglich. Ihr Bhikkhus, Form ist Nicht-Selbst, Gefühl ist Nicht-Selbst, Wahrnehmung ist Nicht-Selbst, Gestaltungen sind Nicht-Selbst, Bewußtsein ist Nicht-Selbst. Alle Gestaltungen sind vergänglich; alle Dinge sind Nicht-Selbst. Auf diese Weise bilde ich meine Schüler aus und auf diese Weise wird meine Anleitung für gewöhnlich meinen Schülern vorgetragen."


    "Mir fällt ein Gleichnis ein, Meister Gotama."


    "Erkläre, was dir einfällt, Aggivessana", sagte der Erhabene.


    "Wenn Samen und Pflanzen, gleich welcher Art zum Wachsen, zum Größerwerden und zur Reife gelangen, so tun sie alle das in Abhängigkeit von der Erde, beruhend auf der Erde; und wenn anstrengende Arbeiten, gleich welcher Art verrichtet werden, so werden sie in Abhängigkeit von der Erde, beruhend auf der Erde verrichtet - ebenso, Meister Gotama, hat eine Person ( Purisa-Puggala, "dieser Mensch" ) Form als Selbst, und beruhend auf Form schafft sie Verdienstvolles oder Verdienstloses. Eine Person hat Gefühl als Selbst, und beruhend auf Gefühl schafft sie Verdienstvolles oder Verdienstloses. Eine Person hat Wahrnehmung als Selbst, und beruhend auf Wahrnehmung schafft sie Verdienstvolles oder Verdienstloses. Eine Person hat Gestaltungen als Selbst, und beruhend auf Gestaltungen schafft sie Verdienstvolles oder Verdienstloses. Eine Person hat Bewußtsein als Selbst, und beruhend auf Bewußtsein schafft sie Verdienstvolles oder Verdienstloses."

    Alles anzeigen

    Oder anders gesagt: Die Daseinsgruppen repräsentieren das Selbst, da nur über sie Absichten verfolgt und Taten vollführt werden können.

    Viele Grüße

    Elliot

    Einmal editiert, zuletzt von Elliot (22. Oktober 2026 um 12:48)

  • Qualia
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    • 22. Oktober 2026 um 17:22
    • #87
    Elliot:

    Oder anders gesagt: Die Daseinsgruppen repräsentieren das Selbst, da nur über sie Absichten verfolgt und Taten vollführt werden können.


    Skandha sind die grundlegenden Vorgänge, Prozesse des fühlenden Lebewesens.


    Daseinsgruppen und Aneignungsgruppen gehören nicht zu den Skandha selbst.

    Die Daseinsgruppen entstehen durch Ordnung, Benennung und Zuordnung der Skandha um ein Sakkāya zu bilden.


    Die Aneignungsgruppen sind die Ergebnisse dieser Ordnung: mögliche Personen, die ergriffen werden können oder wieder in die Daseinsgruppen zurückfallen.

    Diese Schaffung erfolgt auf der Ebene und von Ich-bin, Person und Sakkāya.


    Sakkāyadiṭṭhi, die Identitätsansicht, eignet sich diese möglichen Personen aus den Aneignungsgruppen an und behauptet sie als beständig, als „mein“ oder als „ich selbst“.


    Sakkāya (wörtlich: „die existierende Ansammlung“ oder „der eigene Körper/Geist“) ist die Person.

    Sakkāyadiṭṭhi ist die Person mit Identifikationen. Die Verblendung besteht im Nicht-Glauben, dass man NUR Sakkāya ist.


    Damit wäre das Problem nicht, dass eine Person erscheint. Das Problem entsteht erst dort, wo die Person als unveränderlich, eigen und dauerhaft behauptet wird.
    Das ist doch die genaueste Definition des Buddha von dukkha.


    Elliot:

    In MN 35 vertritt Saccaka, der Sohn des Nigaṇṭha, dort angesprochen als Aggivessana, dazu eine Sichtweise, die auch heute noch viele Menschen teilen würden, denke ich.

    Das ist das, was ich ablehne: das Teilen dieser Ansicht.

    Nicht die Abhängigkeit von den fünf Anhäufungen, Skandha ist der Fehler in Aggivessanas Aussage, das ist sicher.


    Es ist seine Auffassung, dass eine der Anhäufungen oder ihre Gesamtheit, Skandha das Selbst einer Person sind. Eine Person, die behauptet, ein Selbst zu haben oder zu sein, ist eine Person mit Identifikationsansichten, Sakkāyadiṭṭhi.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (22. Oktober 2026 um 17:41)

  • Igor07
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    • 22. Oktober 2026 um 21:42
    • #88
    Upasaka Dhammavicayo:

    Und dann wieder findet.

    Nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Wer das wirklich sieht, hat keine Angst mehr vor dem Bodenlosen. Die Angst vor dem Sterben kommt aus dem Festhalten an einem Bild von sich selbst. Wer das durchschaut hat, hat den Stachel verloren, auch wenn der Weg weitergeht.

    Es erinnert mich an einen Essay von D. Loy, der in den Begriffen der Psychoanalyse über so etwas wie diesen bodenlosen, klaffenden Abgrund spricht. Mir scheint, das betrifft uns alle. Der Tod bedeutet wie das totale Verschwinden ins Nichts, wie die vollkommene Auflösung.

    Und was passiert? Welche Schutzmechanismen benutzt sozusagen ein Otto-Normaler? Er klammert sich noch mehr an alles, was seiner Natur nach vergänglich ist. Also kratzt er noch mehr dort, wo es juckt. Als Folge juckt es aber noch mehr. Das ist eher der kollektive Wahnsinn, in dem wir alle leben, ohne es zu merken.

    Wenn wir diesen eisernen Zugriff ein wenig lockern, dann fallen wir in diese gähnende Kluft/ Leere/. Oder wir lassen den Tod als Teil des Lebens zu. Ohne ins Nichts zu fallen und alles, was wir als feste und solide Dinge betrachten, los-zulassen, zu ver-lassen und zu ent-lassen, ist es nicht möglich, überhaupt normal und produktiv weiterzuleben.

    Am Ende können wir diese gewaltige Illusion durchschauen, dass dieses Bild nicht real ist, wie eine Fata Morgana. Das Spiel geht weiter, aber wir sind in ihm nicht gefangen. Wir sehen sozusagen den ganzen Film, aber wir wissen, dass es nur die Show ist. Und wenn der Projektor ausgeschaltet wird, dann ist es vorbei und Nichts bleibt bestehen .Kein Problem aber, es geht weiter. So einfach nur es klingt.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Elliot
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    • 23. Oktober 2026 um 05:07
    • #89
    Qualia:

    Nicht die Abhängigkeit von den fünf Anhäufungen, Skandha ist der Fehler in Aggivessanas Aussage, das ist sicher.

    Ja, diese Abhängigkeit des Puggalo von Sakkāyo wird vom Buddha auch gesehen (SN 22.22):

    Zitat

    Was, ihr Mönche, ist die Last? Man soll sagen: die fünf Gruppen des Ergreifens. Welche fünf? Die Gruppe des Ergreifens der Form, des Gefühls, der Wahrnehmung, der Gestaltungen und des Bewusstseins. Das, ihr Mönche, nennt man die Last. Und was, ihr Mönche, ist der Träger der Last? Man soll sagen: die Person, dieser Ehrwürdige mit diesem Namen und aus diesem Geschlecht. Das, ihr Mönche, nennt man den Träger der Last.

    Qualia:

    Es ist seine Auffassung, dass eine der Anhäufungen oder ihre Gesamtheit, Skandha das Selbst einer Person sind.

    Und hier treffen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, was für Eigenschaften ein Selbst haben müsste, um als solches bezeichnet werden zu können. Saccaka ist da offenbar zunächst deutlich anspruchsloser, als der Buddha (MN 35):

    Zitat

    "Was meinst du, Aggivessana, ist Bewußtsein unvergänglich oder vergänglich?" - "Vergänglich, Meister Gotama." - "Ist das, was vergänglich ist, Leid oder Glück?" - "Leid, Meister Gotama." - "Ist das, was vergänglich, leidvoll und der Veränderung unterworfen ist, geeignet, so betrachtet zu werden: 'Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst'?" - "Nein, Meister Gotama."


    "Was meinst du, Aggivessana? Wenn man an Dukkha haftet, nach Dukkha greift, sich an Dukkha festhält und das, was Dukkha ist, so betrachtet: 'Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst', könnte man Dukkha je selbst völlig durchschauen oder mit gänzlich vernichtetem Dukkha verweilen?" - "Wie könnte man das, Meister Gotama? Nein, Meister Gotama."


    "Was meinst du, Aggivessana? Da dem so ist, haftest du nicht an Dukkha, greifst du nicht nach Dukkha, hältst du dich nicht an Dukkha fest und betrachtest du nicht das, was Dukkha ist, so: 'Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Selbst'?" - "Wie würde ich das nicht tun, Meister Gotama? Ja, Meister Gotama."

    Der Buddha vertritt also die Auffassung, dass ein Selbst doch etwas Unveränderliches Unvergängliches sein müsste. Und auch Saccaka ist klar, dass Sakkāyo diesen Anspruch nicht erfüllt.

    Qualia:

    Die Daseinsmerkmale Anicca, Dukkha, Anatta waren nie ein Problem. Verstehen konnte ich nicht, warum sie für die meisten ein Problem sind.

    Wie äußert sich das, dass sie für die meisten ein Problem sind?

    Viele Grüße

    Elliot

  • Qualia
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    • #90
    Elliot:

    Der Buddha vertritt also die Auffassung, dass ein Selbst doch etwas Unveränderliches Unvergängliches sein müsste. Und auch Saccaka ist klar, dass Sakkāyo diesen Anspruch nicht erfüllt.

    Da bin ich mit Sakkāyo-„Buddha“ eines Wissens. Denn Sakkāyo kann nicht anders sein, weil er „Ich-bin“ ist. Die höchste Form, die Sakkāyo sein kann, ist Bodhisattva.

    Der Bodhisattva bekennt vor anderen Sakkāyo: „Ich“ werde erst ins Nibbana (dem Zustand, der frei von Aneignungen ist) eingehen, wenn alle fühlenden Lebewesen befreit sind. Wann ist das?


    Das ist dann, wenn er im Wald, in einer Umgebung ohne Sakkāyo oder das Samadhi übend ist. Also, wenn kein Sakkāyo auch nicht sein Sakkāyo ist, der seine Aufmerksamkeit als Bodhisattva erfordert. Damit ist der Betrachter im Sattipattannasutra kein Sakkāyo, es ist das Skandha„Ich“. Und die Frage geklärt: Wer betrachtet? Das „Ich“, das ist, wenn alle Personen Sakkāyo nicht sind.

    Darum ist ein Eremit, der sich gewollt den anderen Sakkāyo entzieht, sie als störend empfindend, auch dem eigenen Sakkāyo sein, kein Bodhisattva.


    Was ist dann vor dem Bodhisattva sein?

    Ist er der Sakkāyo-freie Zustand, dann ist er befreites Ich, Skandha.


    Heißt eigentlich das alle Samadhiübungen, die mit Makyo verschmutzt sind: sich auf seine Sinneseindrücke konzentrieren, sich Gedanken machen, Mantra denken, Objektbetrachtungen oder Visualisierungen, nicht rechtes Samadhi, und daher nicht befreiend zum „Ich“-Skandha.


    Das „Ich“-Skandha kann selbst ein Buddha nicht überwinden, denn dann ist er kein fühlendes Wesen mehr, nur noch Selbstsosein ohne jedes Selbstsein und kann nicht mehr als Mensch, Sakkāyo, Bodhisattva oder irgendeine Rolle spielen.


    Der Buddha sieht keinen Buddha.

    Der Bodhisattva sieht keinen Bodhisattva.

    Wenn Buddha sich selbst als Buddha bezeichnet, ist er Sakkāyadiṭṭhi und kann die eine Lehre nicht mehr zeigen.


    Sakkāyo sieht Buddhas und Bodhisattvas, weil sie den Personen, Sakkāyo, Begriffe zuschreiben und die Begriffe/Rollen für real halten, die Sakkāyo damit verblenden.

    Wenn Sakkāyo ein wahrgenommenes Objekt mit einem Namen belegt, ist das noch kein Problem. Wenn er aber den Namen für das Objekt hält, ist er Sakkāyadiṭṭhi.

    Wird man mit einem Namen belegt und glaubt, dieser Name zu sein, ist man ebenfalls Sakkāyadiṭṭhi.

    Der Name ist nicht das Benannte. Die Rolle ist nicht das Wirkende. Der Begriff ist nicht das Wahrgenommene.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

    7 Mal editiert, zuletzt von Qualia (23. Oktober 2026 um 11:13)

  • Elliot
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    • 23. Oktober 2026 um 12:42
    • #91
    Qualia:
    Elliot:

    Der Buddha vertritt also die Auffassung, dass ein Selbst doch etwas Unveränderliches Unvergängliches sein müsste. Und auch Saccaka ist klar, dass Sakkāyo diesen Anspruch nicht erfüllt.

    Da bin ich mit Sakkāyo-„Buddha“ eines Wissens.

    Selbstverständlich finde ich das aber nicht.


    Mit seinem Anspruch an die Eigenschaften, die ein Selbst haben muss, gibt er die Auffassung wieder, die zum Beispiel in der Bṛhadāraṇyaka Upaniṣad niedergelegt ist, die für seine brahmanischen Zeitgenossen maßgeblich war:

    Zitat

    4.5.14 (Yājñavalkya zu Maitreyī): avināśī vā are ’yam ātmā anucchittidharmā, „unvergänglich ist dieses Selbst, seiner Natur nach unzerstörbar“.


    4.4.25: sa vā eṣa mahān aja ātmā ’jaro ’maro ’mṛto ’bhayo brahma, „dieses große, ungeborene Selbst, nicht alternd, nicht sterbend, unsterblich, furchtlos, ist das Brahman“.


    4.4.22 (ebenso 3.9.26, 4.2.4, 4.5.15): sa eṣa neti nety ātmā, agṛhyo na hi gṛhyate, aśīryo na hi śīryate, asaṅgo na hi sajyate, „dieses Selbst ist ‚nicht so, nicht so‘. Es ist ungreifbar, denn es wird nicht ergriffen; unzerstörbar, denn es zerfällt nicht; ungebunden, denn es haftet nicht“.

    Insofern geht der Buddha mit seinem Standpunkt in der Debatte mit Saccaka sogar konform mit diesen Aussagen der Bṛhadāraṇyaka Upaniṣad: In den fünf Gruppen des Ergreifens ( also Sakkāyo ) kann kein Selbst gefunden werden, denn alles dort ist zwar ergreifbar, aber nicht unveränderlich und unvergänglich.


    Das ist auch wieder ein Beispiel, wo die Übersetzung 'Selbst' nicht so ganz genau das trifft, über was damals gesprochen wurde. Für Saccaka scheint zwar ein veränderliches vergehendes Selbst nicht grundsätzlich undenkbar gewesen zu sein. Aber das vom Buddha zitierte unvergängliche Selbst aus der Bṛhadāraṇyaka Upanisad, das wäre wohl heute besser mit 'Seele' zu übersetzen. Gerade auch, wenn man die damals ebenfalls sehr populäre Chāndogya Upanisad hinzunimmt:

    Zitat

    6.11.3: jīvāpetaṃ vāva kiledaṃ mriyate, na jīvo mriyate, „was vom Lebendigen verlassen ist, das stirbt; das Lebendige stirbt nicht“.


    8.1.5: nāsya jarayaitaj jīryati, na vadhenāsya hanyate, „dies altert nicht mit seinem Altern, wird nicht getötet mit seiner Tötung“. Gemeint ist der Raum im Herzen, und es heißt weiter: eṣa ātmāpahatapāpmā vijaro vimṛtyur viśokaḥ …


    8.7.1: ya ātmāpahatapāpmā vijaro vimṛtyur viśoko … so ’nveṣṭavyaḥ, „das Selbst, frei vom Übel, nicht alternd, todlos, kummerlos … das ist zu suchen“.


    8.12.1: martyaṃ vā idaṃ śarīram āttaṃ mṛtyunā, tad asyāmṛtasyāśarīrasyātmano ’dhiṣṭhānam, „sterblich ist dieser Körper, vom Tod ergriffen; er ist der Standort dieses unsterblichen, körperlosen Selbst“.

    Viele Grüße

    Elliot

  • Qualia
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    • #92
    Elliot:

    Selbstverständlich finde ich das aber nicht.


    Mit seinem Anspruch an die Eigenschaften, die ein Selbst haben muss, gibt er die Auffassung wieder, die zum Beispiel in der Bṛhadāraṇyaka Upaniṣad niedergelegt ist, die für seine brahmanischen Zeitgenossen maßgeblich war

    Das bleibt in meiner Interpretation doch erhalten. Ob ich das Ich der Skandha nun Ich oder Seele nenne ist gleich.

    Qualia:

    Die Skandha.
    Das fühlende Lebewesen mit einem zentralen Nervensystem ist Skandha = Form, Empfinden, Wahrnehmen, Gestaltungen, Bewusstsein.

    Ich sehe das nur bei allen fühlenden Lebewesen, sabbe sattā, Selbstsosein mit Selbst/Ich. Tathagata.

    Das ist die Basis jedes Menschen, bevor er Puggala ist, manussā, oder

    Puggala, Person mit diṭṭhi ohne sakkāya oder

    Person mit Sakkāyadiṭṭhi.


    Ein Puggala kann Ansichten (diṭṭhi) haben. Er kann sich als Vater, Mutter, Lehrer, Rentner, Buddhist, Deutscher oder etwas anderes verstehen. Diese Ansichten gehören zu seinem Umgang mit der Welt.

    Er macht Ditthi nicht zu Sakkāya: „Das bin ich, das ist mein, das ist mein Status.“

    Man muss nur erkennen, woran man als Sakkāyadiṭṭhi festhängt, um sich zu befreien.

    „Daran hänge ich fest.“

    „Das verteidige ich als mein Selbst.“

    „Das halte ich für das, was ich bin.“


    Dieses „Ich“ aller fühlenden Lebewesen ist ungeboren, weil einfach da, unveränderlich, weil kein „bin“, unsterblich, weil wenn das Lebewesen zerfällt, es nicht mehr ist, also ist es nur, solange ich lebe, unsterblich. Wie alle Götter auch.


    Mit diesem kann es keinen Atman geben, der nicht veränderlich ist. Das Ich der fühlenden Lebewesen ist nicht Atman. Atman ist ein Ditthi eines Puggala. Wenn dieser Atman zu Sakkāyadiṭṭhi macht wird, ist er sofort dukkha.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

    8 Mal editiert, zuletzt von Qualia (23. Oktober 2026 um 14:51)

  • Anna-Lyse Dhamma
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    • 23. Oktober 2026 um 15:12
    • #93

    Vielen herzlichen Dank, liebe Schneelöwin , für deine liebevollen, ermutigenden Worte

    (aus denen ich herauslese, dass du mich - sicher nicht zuletzt aufgrund deiner eigenen Erfahrung - sehr gut verstehen kannst ;)) und guten Wünsche. _()_:heart::rose:


    Auch dir, lieber Samadhi1876 , danke ich von Herzen für dein Mitgefühl und die heilsamen Wünsche. _()_:heart::rose:


    Upasaka Dhammavicayo:

    Wie sind denn eure eigenen Erfahrungen zu dem gesagten?

    Wie habt ihr Buddhas Worte geprüft?

    Was habt ihr erfahren mit welcher 'Übung' ?

    Lieber Upasaka Dhammavicayo ,

    herzlichen Dank für deine Besserungswünsche und auch für deine lehrreichen Beiträge, aus denen merklich viel praktische Erfahrung spricht. _()_:heart::rose:


    In den vergangenen Wochen erlebte ich oft die (scheinbare?) Vor-Macht des Körpers über den Geist, Schmerzen und/oder Angstgefühle durch den Unfall schienen - besonders am Anfang - den Geist zu dominieren, der anscheinend nur noch re-agierte....

    Ich spürte die große Anhaftung am Körper - es waren ja doch "meine" gebrochenen Arme, an denen die Ärzte, z.B. beim Reponieren, zogen und "meine" Schmerzen, die ich dabei herausschrie, oder?!

    (Vorherige, irritierende, Ansage der Ärztin: "Sie dürfen hier schreien, nur niemanden beschimpfen!" Warum sollte man jemand beschimpfen, der zu helfen versucht??).


    Da die Prozedur des Reponierens jedoch 3 x wiederholt werden musste, ließ die Identifikation immer mehr nach, die Schmerzen waren zwar da, aber es waren irgendwie nicht mehr "meine" - sie setzten ein, schwollen an und ebbten ab, während ich gleichzeitig auch alles um mich herum sehr deutlich wahrnahm: die Anweisungen, Anstrengungen und Konzentration der Ärztinnen, die Mienen der Zuschauenden (Lehr-Krankenhaus!), die Geräte im Raum und wie ich auf der Liege lag und es ab und zu aus mir schrie...


    Als später die ersten Tage nach der OP überstanden waren, meldete sich der Geist, vor allem das Ich-Gefühl und der damit verbundene Wille, wieder sehr stark und wollte bestimmen, "Regie führen" ....(:

    Erst als "ich" das Ausmaß der aktuellen Hilflosigkeit und Abhängigkeit wirklich begriff, setzte ein allmählicher Prozess des Loslassens ein, der das Begehren, (wieder, am besten schnell) gesund, fit und "unabhängig" zu sein, verblassen ließ, zugunsten einer Art Hingabe ("So ist es jetzt.")


    Meditative buddhistische Praxis erwies sich unter den gegebenen Bedingungen (im KKH) allerdings als schwierig - wenn tatsächlich mal Ruhe einkehrte, war man schnell eingeschlafen...:shrug:


    Mich würde mal interessieren, wie ein Erwachter mit solchen Situationen umgeht, wo der Körper so starke Leiden erzeugt, dass jener auch den Geist beeinträchtigt.

    Worin besteht der Unterschied zwischen "Befreiung durch den Geist" und helfenden Strategien des Körpers( z.B. Endorphinausschüttung), bzw. der Psyche (z.B. Dissoziation)?


    Liebe Grüße, Anna-Lyse :)_()_:heart:

    (mittlerweile von Gips und Orthesen, aber noch nicht vom Leiden befreit...;))


    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • Igor07
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    • 23. Oktober 2026 um 16:47
    • #94
    Anna-Lyse Dhamma:

    Mich würde mal interessieren, wie ein Erwachter mit solchen Situationen umgeht, wo der Körper so starke Leiden erzeugt, dass jener auch den Geist beeinträchtigt.

    Worin besteht der Unterschied zwischen "Befreiung durch den Geist" und helfenden Strategien des Körpers( z.B. Endorphinausschüttung), bzw. der Psyche (z.B. Dissoziation)?

    Liebe Anna, der Arahat würde sogar sehr starke Schmerzen gelassen ertragen, denn es gibt für ihn sozusagen keine innere Identifikation mit dem Körper. Wenn angenommen etwas mit dem Gehirn nicht stimmt, dazu gibt es am Projekt Guteberg die Erzählung über den letzten Tod des Gautama Buddha. Er halluziniert dort, spricht mit den Blumen, aber Ananda versucht, das Ganze zu kaschieren.


    Hier noch einige Abschnitte aus dem Buch "Die Lehre des Buddha und ihre wesentliche Bedeutung" von R. G. de S. Wettimuny:


    Zitat

    Damit hat der Körper für den Arahat nicht die gleiche Bedeutung wie für den puthujjana. Für den Arahat ist es einfach nur ein Körper, weiter nichts. Da er kein taṇhā hat, klagt oder jammert er nicht, wenn der Körper alt wird. Für ihn ist das kein Verfall. Der Körper hat sich einfach nur verändert, und das ist alles. Es gibt kein „Ich“ oder „mein dieses“ oder „mein jenes“, das verfallen kann.⁸⁹

    Und das:


    Zitat

    Im Upasena Sutta 92 wird der Fall geschildert, daß eine
    Schlange auf den Körper des Arahats Upasena fiel. Upasena bat
    dann seine Mitmönche seinen Körper auf eine Bahre zu legen
    und ins Freie zum „Auseinanderfallen“93 zu tragen. Man sagte
    ihm daraufhin, daß keine Verschlimmerung seines Zustandes erkennbar
    sei, der solch eine Handlung nötig machen würde. Die
    daraufolgende Reaktion des Arahats Upasena ist sehr aufschlußreich:
    „„Freund S¤riputta, wer da denkt, „Ich bin das Auge“, oder
    „das ist mein Auge“, „Ich bin die Zunge“, oder „das ist meine
    Zunge“, „Ich bin der Geist“ oder „das ist mein Geist“ - an dem mag sich ein Anderswerden des Körpers und eine Verschlimmerung
    des Zustandes zeigen (viparin¤mo). Aber bei mir, Freund
    S¤riputta gibt es solche Gedanken wie „Ich bin das Auge“, oder
    „das ist mein Auge“, „Ich bin die Zunge“, oder „das ist meine
    Zunge“, „Ich bin der Geist“, oder „das ist mein Geist“, nicht. Wie
    sollte sich da bei mir, Freund S¤riputta, ein Anderswerden des
    Körpers zeigen, oder eine Verschlimmerung des Zustandes?“
    Daraufhin legten die bhikkhus den Körper des ehrwürdigen
    Upasena auf eine Bahre und trugen ihn nach draußen. Dort ist
    dann der Körper auseinander gefallen.“

    Alles anzeigen

    Und ich wünsche dir von ganzem Herzen gute Besserung.:rose:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Elliot
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    • 23. Oktober 2026 um 17:20
    • #95
    Anna-Lyse Dhamma:

    (mittlerweile von Gips und Orthesen, aber noch nicht vom Leiden befreit... ;) )

    Oh, das sieht ja wirklich schlimm aus. Gute Besserung.


    Qualia der Exkurs zu den Daseinsmerkmalen hatte den Zweck, hier etwas mehr Klarheit zu gewinnen:

    Qualia:

    Nicht die Beobachtung von Vergänglichkeit, Nicht-Befriedigung und fehlender fester Identität erzeugte bei mir das Problem, sondern meine vergeblichen Versuche, gegen die eigenen Beobachtungen doch Beständigkeit, Sicherheit und ein festes Selbst zu finden.

    Dass Du versucht hast, Dich gegen Instabilität und Unsicherheit zu wehren, halte ich für normal und gesund. Andere Menschen würden genauso reagieren und haben bestimmt auch schon so reagiert und sind darin je nach Lebensumständen mehr oder weniger erfolgreich gewesen. Aber das Ungenehme bis hin zu Unerträglichem, was Du in dem Zusammenhang offenbar erlebt hast, einfach als gegeben zu akzeptieren oder gar als Einsicht in buddhistische Wahrheiten schönzureden, halte ich nicht für den richtigen Weg.


    Deshalb hatte ich MN 35 noch einmal herausgesucht:

    Zitat

    "Auf diese Weise, Aggivessana, bilde ich meine Schüler aus und auf diese Weise wird meine Anleitung für gewöhnlich meinen Schülern vorgetragen: 'Ihr Bhikkhus, Form ist vergänglich, Gefühl ist vergänglich, Wahrnehmung ist vergänglich, Gestaltungen sind vergänglich, Bewußtsein ist vergänglich. Ihr Bhikkhus, Form ist Nicht-Selbst, Gefühl ist Nicht-Selbst, Wahrnehmung ist Nicht-Selbst, Gestaltungen sind Nicht-Selbst, Bewußtsein ist Nicht-Selbst. Alle Gestaltungen sind vergänglich; alle Dinge sind Nicht-Selbst. Auf diese Weise bilde ich meine Schüler aus und auf diese Weise wird meine Anleitung für gewöhnlich meinen Schülern vorgetragen."

    Der Sinn dieser Anleitung ist offenbar, diejenigen von Irrwegen abzuhalten, die sich dieser Aufforderung aus der Chāndogya Upanisad verschrieben hatten:

    Zitat

    8.7.1: „das Selbst, frei vom Übel, nicht alternd, todlos, kummerlos … das ist zu suchen“.

    Und stattdessen ohne Bezug auf ein Selbst anzubieten (SN 43.44):

    Zitat

    "Zeigen will ich euch, ihr Mönche: ... das Unverwelkliche, das Todlose, das Haftlose, das Unbedrängte... und den dorthin führenden Pfad."

    Und dieser Pfad setzt Stabilität, Geduld, Vertrauen und Sicherheit voraus. Diese schaffen zu wollen, ist also völlig nachvollziehbar und sinnvoll.

    Viele Grüße

    Elliot

  • Qualia
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    • #96
    Anna-Lyse Dhamma:

    Mich würde mal interessieren, wie ein Erwachter mit solchen Situationen umgeht, wo der Körper so starke Leiden erzeugt, dass jener auch den Geist beeinträchtigt.

    Worin besteht der Unterschied zwischen "Befreiung durch den Geist" und helfenden Strategien des Körpers( z.B. Endorphinausschüttung), bzw. der Psyche (z.B. Dissoziation)?

    Das fühlende Lebewesen sieht, dass sein Körper diese Leiden nicht erzeugt. Der Körper leidet, weil schweres Unheil mit ihm geschehen ist. Er schmerzt, er ist erschöpft, seine Fähigkeiten sind eingeschränkt. Auch die Geistigkeit ist beeinträchtigt. Aufmerksamkeit, Erinnerung, Orientierung und Selbstbild können zeitweise kaum aufrechterhalten werden.


    In einer solchen Lage ist die Vorstellung einer Befreiung durch den Geist Unsinn. Der Geist kann die Verletzung nicht heilen. Seine Vorstellungen darüber, wie der Körper sein sollte, können die Situation sogar verschlimmern. Der verletzte Körper benötigt Heilung, Ruhe und angemessene Unterstützung, nicht die Forderungen einer Persönlichkeit.

    Die Persönlichkeit glaubt jedoch oft weiterhin, gesund zu sein. Sie vergleicht den gegenwärtigen Zustand mit einem früheren Zustand und verlangt vom Körper Leistungen, zu denen er gegenwärtig nicht fähig ist und auch in Zukunft eingeschränkt sein wird. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Konflikt.


    Wo ist hier die Befreiung? Nicht in der Behauptung eines übergeordneten Geistes. Nicht in der Behauptung eines festen Ichs. Der verletzte Körper mit seinen Schmerzen ist gegenwärtig. Die Vorstellung, ein unabhängiges, übergeordnetes Geist-Wesen habe die Macht, über die Bedingungen des Körpers zu stehen, ist nicht hilfreich, es ist absurd. Von diesem Unsinn kann man sich in einer solchen Lage für immer befreien.


    Dieser verletzte Körper mit seinen Schmerzen ist gegenwärtig. Die Vorstellung, daraus ein übergeordnetes, unabhängiges festes „Ich“ abzuleiten, ist nicht förderlich.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

  • Qualia
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    • 23. Oktober 2026 um 17:54
    • #97
    Elliot:

    Qualia der Exkurs zu den Daseinsmerkmalen hatte den Zweck, hier etwas mehr Klarheit zu gewinnen:

    Qualia:

    Nicht die Beobachtung von Vergänglichkeit, Nicht-Befriedigung und fehlender fester Identität erzeugte bei mir das Problem, sondern meine vergeblichen Versuche, gegen die eigenen Beobachtungen doch Beständigkeit, Sicherheit und ein festes Selbst zu finden.

    Dass Du versucht hast, Dich gegen Instabilität und Unsicherheit zu wehren, halte ich für normal und gesund. Andere Menschen würden genauso reagieren und haben bestimmt auch schon so reagiert und sind darin je nach Lebensumständen mehr oder weniger erfolgreich gewesen. Aber das Ungenehme bis hin zu Unerträglichem, was Du in dem Zusammenhang offenbar erlebt hast, einfach als gegeben zu akzeptieren oder gar als Einsicht in buddhistische Wahrheiten schönzureden, halte ich nicht für den richtigen Weg.


    Deshalb hatte ich MN 35 noch einmal herausgesucht:

    Zitat

    "Auf diese Weise, Aggivessana, bilde ich meine Schüler aus und auf diese Weise wird meine Anleitung für gewöhnlich meinen Schülern vorgetragen: 'Ihr Bhikkhus, Form ist vergänglich, Gefühl ist vergänglich, Wahrnehmung ist vergänglich, Gestaltungen sind vergänglich, Bewußtsein ist vergänglich. Ihr Bhikkhus, Form ist Nicht-Selbst, Gefühl ist Nicht-Selbst, Wahrnehmung ist Nicht-Selbst, Gestaltungen sind Nicht-Selbst, Bewußtsein ist Nicht-Selbst. Alle Gestaltungen sind vergänglich; alle Dinge sind Nicht-Selbst. Auf diese Weise bilde ich meine Schüler aus und auf diese Weise wird meine Anleitung für gewöhnlich meinen Schülern vorgetragen."

    Der Sinn dieser Anleitung ist offenbar, diejenigen von Irrwegen abzuhalten, die sich dieser Aufforderung aus der Chāndogya Upanisad verschrieben hatten:

    Zitat

    8.7.1: „das Selbst, frei vom Übel, nicht alternd, todlos, kummerlos … das ist zu suchen“.

    Und stattdessen ohne Bezug auf ein Selbst anzubieten (SN 43.44):

    Zitat

    "Zeigen will ich euch, ihr Mönche: ... das Unverwelkliche, das Todlose, das Haftlose, das Unbedrängte... und den dorthin führenden Pfad."

    Und dieser Pfad setzt Stabilität, Geduld, Vertrauen und Sicherheit voraus. Diese schaffen zu wollen, ist also völlig nachvollziehbar und sinnvoll.

    Alles anzeigen


    Qualia:

    Als Erwachsener waren sie ein Problem, denn ich wollte das Gegenteil beweisen.

    Nicht die Beobachtung von Vergänglichkeit, Nicht-Befriedigung und fehlender fester Identität erzeugte bei mir das Problem, sondern meine vergeblichen Versuche, gegen die eigenen Beobachtungen doch Beständigkeit, Sicherheit und ein festes Selbst zu finden. Mein Dukkha war, Dukkha erzeugen zu wollen, obwohl es nach meinen Grundüberzeugungen nicht geht. Das Festhalten daran, dass es Beständigkeit, Befriedigung und ein „Ich bin“ geben muss, weil andere doch zeigten das es das geben muss.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 23. Oktober 2026 um 18:15
    • #98
    Anna-Lyse Dhamma:

    Vielen herzlichen Dank, liebe Schneelöwin , für deine liebevollen, ermutigenden Worte

    (aus denen ich herauslese, dass du mich - sicher nicht zuletzt aufgrund deiner eigenen Erfahrung - sehr gut verstehen kannst ;)) und guten Wünsche. _()_:heart::rose:


    Auch dir, lieber Samadhi1876 , danke ich von Herzen für dein Mitgefühl und die heilsamen Wünsche. _()_:heart::rose:


    Upasaka Dhammavicayo:

    Wie sind denn eure eigenen Erfahrungen zu dem gesagten?

    Wie habt ihr Buddhas Worte geprüft?

    Was habt ihr erfahren mit welcher 'Übung' ?

    Lieber Upasaka Dhammavicayo ,

    herzlichen Dank für deine Besserungswünsche und auch für deine lehrreichen Beiträge, aus denen merklich viel praktische Erfahrung spricht. _()_:heart::rose:


    In den vergangenen Wochen erlebte ich oft die (scheinbare?) Vor-Macht des Körpers über den Geist, Schmerzen und/oder Angstgefühle durch den Unfall schienen - besonders am Anfang - den Geist zu dominieren, der anscheinend nur noch re-agierte....

    Ich spürte die große Anhaftung am Körper - es waren ja doch "meine" gebrochenen Arme, an denen die Ärzte, z.B. beim Reponieren, zogen und "meine" Schmerzen, die ich dabei herausschrie, oder?!

    (Vorherige, irritierende, Ansage der Ärztin: "Sie dürfen hier schreien, nur niemanden beschimpfen!" Warum sollte man jemand beschimpfen, der zu helfen versucht??).


    Da die Prozedur des Reponierens jedoch 3 x wiederholt werden musste, ließ die Identifikation immer mehr nach, die Schmerzen waren zwar da, aber es waren irgendwie nicht mehr "meine" - sie setzten ein, schwollen an und ebbten ab, während ich gleichzeitig auch alles um mich herum sehr deutlich wahrnahm: die Anweisungen, Anstrengungen und Konzentration der Ärztinnen, die Mienen der Zuschauenden (Lehr-Krankenhaus!), die Geräte im Raum und wie ich auf der Liege lag und es ab und zu aus mir schrie...


    Als später die ersten Tage nach der OP überstanden waren, meldete sich der Geist, vor allem das Ich-Gefühl und der damit verbundene Wille, wieder sehr stark und wollte bestimmen, "Regie führen" ....(:

    Erst als "ich" das Ausmaß der aktuellen Hilflosigkeit und Abhängigkeit wirklich begriff, setzte ein allmählicher Prozess des Loslassens ein, der das Begehren, (wieder, am besten schnell) gesund, fit und "unabhängig" zu sein, verblassen ließ, zugunsten einer Art Hingabe ("So ist es jetzt.")


    Meditative buddhistische Praxis erwies sich unter den gegebenen Bedingungen (im KKH) allerdings als schwierig - wenn tatsächlich mal Ruhe einkehrte, war man schnell eingeschlafen...:shrug:


    Mich würde mal interessieren, wie ein Erwachter mit solchen Situationen umgeht, wo der Körper so starke Leiden erzeugt, dass jener auch den Geist beeinträchtigt.

    Worin besteht der Unterschied zwischen "Befreiung durch den Geist" und helfenden Strategien des Körpers( z.B. Endorphinausschüttung), bzw. der Psyche (z.B. Dissoziation)?


    Liebe Grüße, Anna-Lyse :)_()_:heart:

    (mittlerweile von Gips und Orthesen, aber noch nicht vom Leiden befreit...;))


    Alles anzeigen

    Liebe Anna-Lyse,

    danke für deinen offenen Bericht. Du beschreibst sehr genau, wie der Körper starken Schmerz erzeugt und der Geist zunächst reagiert. Das ist normal. Ein Erwachter erlebt das anders. Er sieht den Schmerz kommen und gehen, ohne sich damit zu identifizieren. Da ist kein „Ich leide“, da ist nur Schmerz, der wahrgenommen wird. Der Geist bleibt klar und ruhig, auch wenn der Körper schreit. Du hast das selbst schon gespürt, als die Identifikation nachließ und die Schmerzen nicht mehr „deine“ waren. Das ist ein wichtiger Schritt.

    Der Unterschied zwischen Befreiung durch den Geist und den helfenden Strategien des Körpers oder der Psyche ist folgender: Befreiung ist das dauerhafte Loslassen der Illusion eines beständigen Selbst. Endorphine und Dissoziation sind natürliche Mechanismen, die den Schmerz lindern können. Ein Erwachter haftet nicht an ihnen. Er lässt sie geschehen, wenn sie kommen, und lässt sie gehen, wenn sie gehen. Er leidet nicht, wenn sie ausbleiben. Er nutzt sie vielleicht, aber sein Frieden hängt nicht von ihnen ab.

    Du fragst, wie ein Erwachter mit Situationen umgeht, wo der Körper so stark leidet, dass auch der Geist beeinträchtigt wird. Er lässt den Körper seinen natürlichen Weg gehen. Er greift ein, wenn es nötig ist, ohne Anhaftung. Er nimmt Schmerzmittel, wenn sie helfen, ohne sich daran zu klammern. Er ruht in klarer Wahrnehmung. Auch im Krankenhaus kann Achtsamkeit geübt werden: einfach wahrnehmen, was ist, ohne zu urteilen. Wenn du dabei einschläfst, ist das in Ordnung. Schlaf ist auch Loslassen.

    Dass du geschrien hast, ist verständlich. Der Körper reagiert. Der Geist kann dabei klar bleiben. Deine Beobachtung, dass die Identifikation nachließ, zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist. Hab Geduld mit dir. Der Körper braucht Zeit zur Heilung. Der Geist kann schon jetzt loslassen.

    Herzliche Grüße 💚

  • Monika
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    • 23. Oktober 2026 um 18:58
    • #99

    Und dennoch gibt es auch durch Buddha die Freiheit für einen zu stark leidenden Arahat, sich das Leben nehmen zu dürfen.


    Dies ist keine Empfehlung für uns, aber

    es ist ein Hinweis, dass es Schmerz-Grenzen gibt, die auch ein "Befreiter" nicht aushalten kann.

    _()_Monika


    PS: M 144, mittlere Sammlung "Rat an Channa"

    2 Mal editiert, zuletzt von Monika (23. Oktober 2026 um 19:10)

  • Igor07
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    • 23. Oktober 2026 um 19:13
    • #100
    Upasaka Dhammavicayo:

    Der Körper reagiert. Der Geist kann dabei klar bleiben. Deine Beobachtung, dass die Identifikation nachließ, zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist. Hab Geduld mit dir. Der Körper braucht Zeit zur Heilung. Der Geist kann schon jetzt loslassen.

    Da ist hier wie eine graue Zone. Wenn der Schmerz unerträglich wird, dann würde sogar der Erwachte sich krümmen und schreien. Ich habe über das Leben von Sri Nisargadatta Maharaj gelesen. Er hatte wirklich keine Identifikation, also er hatte Krebs, und wenn er schrie, sagte er immer: „Das ist mein Körper, nicht ich selbst.“ Für die normalen Menschen lohnt sich wahrscheinlich die goldene Mitte, also zwischen Anhaftung und Loslassen. Ansonsten kann es nach hinten losgehen. Und jeder Mensch und jede Situation sind einzigartig.

    Heilung passiert, wenn man auch mit dem Körper spricht, sozusagen, wie kleine Kinder ihre eigenen wunde Stellen streicheln. Manchmal wirkt es sogar sehr effektiv.

    Ich denke, Anna kann selbst ihre eigene Situation einschätzen und entsprechend innerlich reagieren.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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