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  3. Allgemeines zum Buddhismus

Es gibt nichts Angenehmes oder Unangenehmes, das Du nicht selber bewirkt hast.

  • Thorsten Hallscheidt
  • 25. Februar 2026 um 07:52
  • Zum letzten Beitrag
  • Thorsten Hallscheidt
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    • 25. Februar 2026 um 07:52
    • #1

    Hier eine klar formulierte Passage von Hellmuth Hecker aus dem Buch "Der Heilsweg des Erwachten", S 30


    Zitat

    Der Buddha erklärt: Das Gesetz steht dem Menschen zu Häupten, zu Lebzeiten und darüber hinaus (D 26) oder Ich lehre ein heiliges überweltliches Gesetz als Besitztum des Menschen (M 96). Und dieses dem Menschen überlegene Gesetz kann er sich doch verfügbar und zum Besitz machen, nämlich mittels des Gesetzes. Es sagt mir: „Es gibt nichts Angenehmes oder Unangenehmes, das Du nicht selber bewirkt hast." Wie ist das möglich? Nun, weil ich mir z. B. einen Ärger auf jemanden angedacht habe, deshalb muss ich mich jedes Mal über ihn ärgern, wenn er mir begegnet. Weil ich mir bestimmte Triebe angedacht habe, deshalb muss ich leiden, wenn sie nicht erfüllt werden. Weil ich mir illusionäre Vorstellungen über das Leben gemacht habe, deshalb falle ich aus allen Wolken, wenn die Realität sich als das entpuppt, was sie immer schon war. Indem ich mir Anziehung, Abstoßung und Verblendung angewöhnt habe, bin ich selber meines Glückes oder Unglückes Schmied. Ich gestalte mein Schicksal selber, indem ich mich bedürftig und verletzbar mache. Die Dinge und Ereignisse tragen ihren Wert nicht in sich, sondern ich verleihe ihnen diesen erst durch meine Bezüge. Das ist das Gesetz des sogenannten Schicksals, das Karma-Gesetz, das Gesetz von Saat und Ernte.

    Dies Gesetz lässt keinerlei Raum für irgendeine Ungerechtigkeit des Schicksals, für irgendwelche unberechenbaren Zufälle oder Prädestinationsakte. Ich ernte immer das, was ich gesät habe, nämlich vor allem mich selber mit allen meinen Charaktereigenschaften, und in zweiter Linie die von mir gestaltete Welt - was an dieser Stelle nur erwähnt, aber nicht begründet werden kann. Mir wird nichts vorenthalten, weder an Gutem noch Bösem. Wie schlecht aber auch mein Charakter angelegt ist und wie ungünstig auch die Umwelt sein mag, ich habe doch die Möglichkeit in mir, wenigstens etwas davon zu überwinden. Nur weil ich die gewaltigen Möglichkeiten nicht kenne, die jeder Mensch in sich hat, deshalb resigniere ich so leicht. Das Gewisseste, auf das ich mich in der Existenz hundertprozentig verlassen kann, das sind meine Anliegen, Wünsche und Triebe: Sie sind so, wie ich sie gemacht habe, und bleiben so, wenn ich sie nicht ändere. Insofern ist eben die Lehre, das Gesetz, ersichtlich.

    Also selbst Schuld, wenn Elend, Angst und Leiden (weiterhin) groß sind? Wahrscheinlich ja... Auch wenn Schuld hier der falsche Begriff ist – verantwortlich trifft es wahrscheinlich besser.


    Habe ich mir Anziehung, Abstoßung und Verblendung angewöhnt, oder ist das Teil meines biologischen Programms als Tier, Sozialisation durch Gesellschaft, Freunde und Eltern? Nach buddhistischer Vorstellung kommt vieles ja auch aus dem letzten Leben. Eigentlich egal woher es kommt – sobald ich es bemerke, kann ich etwas dagegen unternehmen, oder?

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

    4 Mal editiert, zuletzt von Thorsten Hallscheidt (25. Februar 2026 um 08:02)

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    • 25. Februar 2026 um 08:51
    • #2

    Nicht von mir bewirkt, Bedingungen der Umwelt:

    Das Unangenehme, das nicht von mir bewirkt wurde, ist das Unwohl, das mein Körper mir als Unwohl meldet. Bedrängnisse von anderen Lebewesen und Ereignisse der Dinge, die von der Umwelt ausgehen. Die inneren sind Atemnot, Durst, Hunger, Schmerz, Müdigkeit. Dieses Unwohl kann der Körper mithilfe seiner Skandha beenden, um sich wohlzufühlen.


    Von mir bewirkt durch meine Entscheidungen, bedingt entstanden:

    Erkennt Ich das Erscheinungen des Unwohlseins durch mein bewusst persönlich gewolltes Handeln geschaffen werden, sollte ich mich an die Lehre des Buddha halten und mein Ich und Mein an dem Realen anpassen.


    Das Reale ist die erfahrene Erbschaft meiner Taten, die dann auch Unwohl im Körper auslösen, doch dieses Unwohl kann der Körper mit seinen Skandha nicht beenden, das kann nur Ich mit Achtsamkeit auf die direkten Wirkungen meiner absichtlichen Taten.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

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    • 23. Juni 2026 um 21:16
    • #3
    Zitat

    ...Und dieses dem Menschen überlegene Gesetz kann er sich doch verfügbar und zum Besitz machen, nämlich mittels des Gesetzes. Es sagt mir:


    „Es gibt nichts Angenehmes oder Unangenehmes, das Du nicht selber bewirkt hast."


    Wie ist das möglich? Nun, weil ich mir z. B. einen Ärger auf jemanden angedacht habe, deshalb muss ich mich jedes Mal über ihn ärgern, wenn er mir begegnet. Weil ich mir bestimmte Triebe angedacht habe, deshalb muss ich leiden, wenn sie nicht erfüllt werden....


    (Hellmuth Hecker aus dem Buch "Der Heilsweg des Erwachten", S 30)

    Alles anzeigen

    Ärger kann man sich bestimmt "andenken", aber "Triebe" sind ja grundsätzlich biologischen Ursprungs und in jedem Lebewesen vorhanden, wirken dort und sichern das Überleben (nicht nur des Individuums).

    Im obigen Zitat ist wohl gemeint, dass man die angeborenen, elementaren Triebe noch als Bedürfnisse gedanklich "ausbaut" und erweitert ("Gier"), sowie (ev. auch unangemessenes) Verhalten ("Hass") durch jene Triebe rechtfertigt, was beides zu Leiden führt?

    Thorsten Hallscheidt:

    Also selbst Schuld, wenn Elend, Angst und Leiden (weiterhin) groß sind? Wahrscheinlich ja...

    Auch wenn Schuld hier der falsche Begriff ist – verantwortlich trifft es wahrscheinlich besser.

    Ja, aber die (Selbst-)Verantwortung kann nicht unbegrenzt sein, u.a., weil Menschen manchmal (äußeren und inneren) Bedingungen unterlagen, die eine freie Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit nicht zuließen.

    Thorsten Hallscheidt:

    Habe ich mir Anziehung, Abstoßung und Verblendung angewöhnt, oder ist das Teil meines biologischen Programms als Tier, Sozialisation durch Gesellschaft, Freunde und Eltern?

    Teils, teils würde ich sagen...

    Wenn man aber das Glück (karmischer Verdienst?!) hat, mit der Buddha-Lehre in Berührung zu kommen, besteht die reale Möglichkeit, Bewusstheit/Achtsamkeit zu entwickeln und alte Prägungen, erlernte Programme und Gewohnheiten zu verstehen/durchschauen und letztlich zu überwinden.

    Thorsten Hallscheidt:

    Nach buddhistischer Vorstellung kommt vieles ja auch aus dem letzten Leben. Eigentlich egal woher es kommt – sobald ich es bemerke, kann ich etwas dagegen unternehmen, oder?

    Sicherlich, allerdings - von Fall zu Fall - nicht immer allein, aus eigener Kraft, manchmal braucht es Hilfe und Unterstützung von Anderen (z.B. beim Vorhandensein schwerer Traumata usw. ...).

    Der Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied." trifft tatsächlich nicht auf jeden zu.


    Die in buddhistischen Vorstellungen gründende Ansicht, dass ALLES, was einem widerfährt, selbst zu verantworten sei, birgt sowohl Chancen - man hat selbst die "Macht" darüber, ob einem künfig Heilsames oder Unheilsames geschieht, "regiert" also quasi über sein Schicksal - als auch Risiken durch Überforderung, Selbstvorwürfe und Übersehen äußerer Einflüsse/Bedingungen.


    Das Schicksal von Maha Moggallana, einem der Hauptjünger des Buddha, scheint zu zeigen, dass ein noch so heilsamer Lebenswandel (sowie "magische Kräfte") nicht vor karmischen Resultaten (aus früheren Zeiten) schützen können - er starb eines gewaltsamen Todes...

    Zitat

    Milindapañha

    4. Kapitel - 4. Sabbaññutañāṇa Vagga - [Pali]

    Mil. 4.4.1. Kann der Magiegewaltige eigenen Schaden verhüten? - 4.4.1. Iddhikammavipākapañho


    Der Erhabene, ehrwürdiger Nāgasena, hat gesagt:


    <Der Erste unter meinen magiegewaltigen Mönchs-Jüngern ist Mahā-Moggallāna.


    Andererseits heißt es, daß Moggallāna mit Keulen geschlagen wurde, so daß er mit zerhauenem Schädel, zerschmetterten Knochen, zerquetschtem Fleisch und zerrissenen Sehnen aus dem Dasein schied.


    Wenn, ehrwürdiger Nāgasena, der Ordensälteste Mahā-Moggallāna wirklich das Höchste in den magischen Kräften erreicht hat, so muß diese Aussage falsch sein.

    Ist sie aber richtig, dann ist es falsch, zu behaupten, daß er das Höchste in den magischen Kräften erreicht habe.

    Wie kann nämlich einer, der nicht einmal imstande ist, vermittels seiner magischen Kräfte eigenen Schaden abzuwehren, der Welt mit ihren Göttern eine Zuflucht bieten?

    Auch dies ist wiederum ein zweischneidiges Problem, das ich dir da stelle und das du nun zu lösen hast.» .....

    Zitat

    [Der Ehrwürdige Mahā-Moggallāna war, neben dem Ehrwürdigen Sāriputta, einer der beiden Hauptjünger des Buddha.

    Als Auswirkung eines schweren Vergehens in einer lange vergangenen früheren Existenz geschah es, daß Mahā-Moggallāna eines gewaltsamen Todes starb.

    Eifersüchtige andersgläubige Asketen hatten eine Räuberbande gedungen, um ihn zu töten. Sechsmal konnte ihnen Mahā-Moggallāna durch seine magische Macht entgehen.

    Doch bei einem siebenten Versuch der Angreifer wirkte sich seine karmische Belastung aus: seine magischen Fähigkeiten versagten und er wurde von den Banditen niedergeschlagen. - Über das Leben Mahā-Mogallānas siehe Hellmuth Hecker in «Wissen und Wandel», Jahrg. XXII (1976), Heft 9/10 (Buddhistisches Seminar, D-8581 Bindlach-Benk).]

    https://www.palikanon.com/diverses/milinda/milinda06a.htm

    Alles anzeigen


    Sollte man sich sein ev. - trotz buddhist. Praxis - (noch) anhaltend

    leidvolles Leben, mit karmischen Vorprägungen erklären ? :?

    Vielleicht fühlt man sich dadurch entlastet?


    Gleichwohl unverdrossen weiterpraktizieren für ein besseres Leben in Gegenwart und Zukunft...:)


    Lieber Thorsten Hallscheidt , du bist länger nicht mehr im Buddhaland aktiv gewesen, ich hoffe, es geht dir gut und wünsche dir nur das Beste. :buddha::heart::klee::taube:


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

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    • 24. Juni 2026 um 09:44
    • #4

    Ich könnte bestimmt 9000 Dinge benennen, die das widerlegen. Man stelle sich vor, man wird zur momentanen Zeit im Libanon oder Palästina geboren. Nein, diese Aussage finde ich nun wirklich unpassend. Gerade zur jetzigen Zeit. Auch weil es komplett die Ich-losigkeit und die Ursache-Wirkung der Welt aus der Acht lässt. Es gibt ja selbst für den Determinismus eine Studienlage. Entscheidungen etc. werden schon im Gehirn gemacht, bevor sie ins Bewusstsein kommen. Man könnte sogar sagen, es ist alles nur ein Ablauf und man selbst nur das Bewusstsein...


    Auch finde ich für dieses Zitat keine Quelle. Es scheint eine eigene aus dem Kontext gerissene Interpretation zu sein.

    Das Zitat aus dem Dhammapadda übersetzt sich wie folgt:

    Lass keinen Menschen je nach dem Angenehmen oder Unangenehmen trachten. Das Angenehme nicht zu sehen ist Schmerz, und Schmerz ist es, das Unangenehme zu sehen.


    Sofern es keine andere Quelle gibt, ist das keine wörtliche Rede des Buddhas. Was mich auch nicht weiter wundert!

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    • 24. Juni 2026 um 09:45
    • #5

    Danke Anna, ja, ich vermisse Dich auch, lieber Thorsten.


    _()_Monika

  • Igor07
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    • 24. Juni 2026 um 14:34
    • #6
    Anna Panna-Sati:

    Die in buddhistischen Vorstellungen gründende Ansicht, dass ALLES, was einem widerfährt, selbst zu verantworten sei,

    Sorry, das stimmt aber ABSOLUT nicht:


    Zitat

    Nein, o König. Nicht alle Schmerzen wurzeln im (früheren) Wirken (kamma). Aus acht Gründen nämlich mögen Schmerzen entstehen, und zufolge dieser haben viele Menschen Schmerzen zu leiden. Und welche sind diese acht? Einige Krankheiten, o König, entstehen zufolge der körperlichen Gase, einige zufolge der Galle, einige zufolge des Schleimes, einige zufolge der Zusammenwirkung der drei letzteren, einige zufolge des Temperaturwechsels, einige zufolge ungeregelter Lebensweise, einige zufolge von Verletzungen, einige als Ergebnis (früheren) Wirkens. Aus diesen acht Gründen, o König, haben so viele Menschen Schmerzen zu erleiden. Diejenigen Leute, die da sagen möchten, es sei (nur das frühere) Wirken, das die Wesen bedrückt, diese verwerfen die anderen sieben Gründe, und deren Aussage ist falsch."

    "Doch auch die anderen sieben Gründe, ehrwürdiger Nāgasena, sie alle haben ihren Ursprung eben bloß im (früheren) Wirken; eben durch (früheres) Wirken kommen sie alle zum Entstehen."

    "Wenn, o König, alle Krankheiten bloß durch (früheres) Wirken verursacht wären, so hätten sie ja gar keine unterscheidenden Merkmale.

    Die Erregung der körperlichen Gase nämlich mag aus folgenden zehn Gründen eintreten:

    • durch Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Überessen, Stehen, Überanstrengung, Laufen, Verletzung oder als Ergebnis (früheren) Wirkens.

    Von diesen treten die neun ersten Gründe weder im vergangenen noch im zukünftigen Dasein auf, sondern bloß in diesem gegenwärtigen Dasein. Deshalb darf man nicht sagen, daß sämtliche Schmerzen durch (früheres) Wirken verursacht sind.

    Die Erregung der Galle mag eintreten aus drei Gründen:

    • infolge der Kälte
    • oder der Hitze
    • oder ungeeigneter Speise.

    Die Erregung des Schleimes mag eintreten aus diesen drei Gründen infolge der Kälte oder infolge der Hitze oder infolge des Essens und Trinkens. Wenn die körperlichen Gase, die Galle und der Schleim erregt werden und zusammenwirken, so ziehen sie jedesmal das ihnen eigentümliche Schmerzgefühl nach sich.

    Die übrigen Schmerzen entstehen

    • durch Temperaturwechsel und
    • ungeregelte Lebensweise.

    Und die durch Verletzungen bedingten körperlichen Schmerzen entstehen entweder

    • durch bloße physische Vorgänge
    • oder aber als Ergebnisse früheren Wirkens.

    Also bloß diese letzteren entstehen durch früher begangene Werke. Somit, o König, sind die durch früheres Wirken verursachten Schmerzen seltener, bei weitem häufiger aber alle übrigen. Es gehen eben darin die Toren zu weit, wenn sie behaupten, daß alles bloß das Ergebnis früheren Wirkens sei. Jenes frühere Wirken kann man doch, ohne das Wissen eines Erleuchteten zu besitzen, gar nicht feststellen.

    Alles anzeigen

    Mil. 4.1.15. Krankheitsursachen


    Plus dazu:


    Zitat

    Die Gesetzmäßigkeit des Wirkens (kammaniyāma) – das Gesetz des Wirkens (kamma) – ist lediglich ein Naturgesetz unter vielen Naturgesetzen. Wenn daher irgendeine Erscheinung eintritt oder wenn ein Mensch auf ein glückliches oder leidvolles Ereignis trifft, sollte man nicht vorschnell alles pauschal dem Wirken (kamma) zuschreiben.11

    Klarer geht es nicht. Aber das buddhistische Seminar, und das war der ursprüngliche Beitrag, meint es anders, dass wir für absolut alles verantwortlich sind.

    Das würde dem total widersprechen, was der Buddha im Pali-Kanon lehrt und auch dem mittleren Weg, es würde dann den absoluten Fatalismus bedeuten, aber keinen selbständigen Weg durch meine eigene bewusste Absicht, also cetana. Und nur das erschafft Karma, nichts anderes.


    5.2.1 Das Wirken als eine Art Naturgesetz

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

    Einmal editiert, zuletzt von Igor07 (24. Juni 2026 um 14:47)

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    • 25. Juni 2026 um 07:40
    • #7
    Anna Panna-Sati:

    Die in buddhistischen Vorstellungen gründende Ansicht, dass ALLES, was einem widerfährt, selbst zu verantworten sei,

    Wenn ich nach acht Bier mit dem Fahrrad aus der Kneipe nach Hause fahre und dabei aufgrund einer etwas zu schrägen Trambahn-Gleisführung zu Fall komme, wie ist das karmisch verantwortungsmässig zu beurteilen ?


    :cry:

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    • 25. Juni 2026 um 08:47
    • #8

    Die meisten buddhistischen Aussagen sind nicht als Aussagen über die Welt zu verstehen sondern als eine Aufforderung zu Praxis. Und da kann die Praxis, dass was mir begegnet nicht als fremd und äußerlich zu sehen, helfen alles was kommt anzunehmen und so mit allen Umständen gleichmütig zurecht zu kommen.

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    • 25. Juni 2026 um 09:11
    • #9
    JoJu91:
    Anna Panna-Sati:

    Die in buddhistischen Vorstellungen gründende Ansicht, dass ALLES, was einem widerfährt, selbst zu verantworten sei,

    Wenn ich nach acht Bier mit dem Fahrrad aus der Kneipe nach Hause fahre und dabei aufgrund einer etwas zu schrägen Trambahn-Gleisführung zu Fall komme, wie ist das karmisch verantwortungsmässig zu beurteilen ?


    :cry:

    Selbstverständlich ist das Bier schuld, das hätte ja auch aus meinem Körper bleiben können. Karma wäre also die Handlung: kein Bier trinken sodas ich nicht mehr Herr meiner Sinne bin. Alles andere ist ignorante Gier. Dafür kann man die Umwelt wirklich nicht verantwortlich machen.

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    • 25. Juni 2026 um 10:36
    • #10

    Das Gesetz von Karma ist für mich vor vielen Jahren hilfreich geworden, weil ich dadurch das, was mir widerfuhr annehmen konnte.


    Es ist für mich nie ein Grund zur "Schuld" oder "Bedrohung" gewesen, sondern ein Hilfsmittel etwas zu akzeptieren und vorallem zu ändern.


    Wer nicht lernen will, muss fühlen.


    Schwierig wird es bei angeborenen Erkrankungen/Behinderungen und kollektives Karma.


    Das ist für mich nicht so "platt" zu bewerten.

    _()_Monika ❤️

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    • 25. Juni 2026 um 11:58
    • #11
    Monikamarie:

    Schwierig wird es bei angeborenen Erkrankungen/Behinderungen und kollektives Karma.

    Schwierig nur, weil unser Rachedurst befriedigt werden will. Es gibt Karma, und das ist die Handlung, die ich jetzt gerade ausführe, kein Karma vorher, keines nachher. Davor und danach nennen wir Schicksal (sankhāra/Gestaltungen), und weil wir an Schicksal glauben, glauben wir auch an Karma als Schicksal. Wir wollen, dass irgendjemand anders für unsere Handlungen den Lohn trägt, das Erbe hinterlassen, nach mir die Sintflut.

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    • 26. Juni 2026 um 11:12
    • #12

    Oh, danke Qualia , die Klarstelung von Sankhara hat mir geholfen, das habe ich komischerweise so noch nicht "kapiert". Allgemein ist diese ganze Karma-Debatte ein Minenfeld. Manch Nazi hat hiermit sein Morden legitimiert ("Karma abarbeiten" – also eine Lesart von "Es gibt nichts Angenehmes oder Unangenehmes das du nicht selbst bewirkt hast".)

    Ich bin nicht besonders "schriftsicher", aber ich glaube, der Buddha hat selbst eher ungern darüber gesprochen und es bei einem "Die Absicht ist das Karma" – wie Igor07 ausgeführt hat – belassen , die dann noch weitere Faktoren braucht, um zu einer vollen karmischen Frucht zu reifen. Wirkich hilfreich finde ich die Geschichte mit den zwei Pfeilen: Ein Mann wird von einem Pfeil getroffen, was schmerzt. Der zweite Pfeil ist die Beschäftigung mit dem Pfeil und das Drama drumrum.

  • Qualia
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    • 26. Juni 2026 um 12:30
    • #13

    Die Absicht ist die Vorarbeit des Karma, denn der Gedanke geht der Tat voran. Karma benötigt die Handlung. Hilfreich oder nicht hilfreich bin ich erst, wenn ich handle, also etwas mit meinem Körper tue.


    Der erste Pfeil war Pech gewesen, keinen Einfluss, Zufall, geplant war tödlich. Der zweite Pfeil kann tödlich werden, weil man nicht gegen den ersten Pfeil helfen kann.

    Denn in der Geschichte will der Getroffene sich erst mit dem Bewerten des Pfeils beschäftigen.

    Wenn ich den ersten abgeschossen habe, kann ich nur grinsen über die Dummheit, sein Leben nicht sofort zu retten. Ein schlecht getroffener Pfeil hat also doch seine tödliche Wirkung, weil der Getroffene sich um einen Pfeil kümmert, den er selbst erschafft.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

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  • Anna Panna-Sati
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    • #14
    Monikamarie:

    Das Gesetz von Karma ist für mich vor vielen Jahren hilfreich geworden, weil ich dadurch das, was mir widerfuhr annehmen konnte.


    Es ist für mich nie ein Grund zur "Schuld" oder "Bedrohung" gewesen, sondern ein Hilfsmittel etwas zu akzeptieren und vorallem zu ändern.

    Liebe Monikamarie , ich denke, das ist ein sehr heilsamer Umgang mit jeder Art von sogenannten "Schicksalsschlägen", den du praktizierst:

    Statt zu verzweifeln und das üble Schicksal zu beklagen, hilft es, mögliche Ursachen zu eruieren, diese zu verstehen und demzufolge bestimmte (alte) Handlungen/"Fehler" nicht zu wiederholen.


    Und jene Dinge, wo keine karmische Ursache zu erkennen ist, welche un(er)klärbar zu sein scheinen, ohne inneren Widerstand anzunehmen, ggf. als Chance zum inneren Wachstum und zur Entwicklung innerer Stärke (Resilienz) zu sehen," macht aus Zitronen Limonade"...:)

    Monikamarie:

    Schwierig wird es bei angeborenen Erkrankungen/Behinderungen und kollektives Karma.


    Das ist für mich nicht so "platt" zu bewerten.

    Ja, das sehe ich genauso...

    Wenn Eltern z.B. ein schwerstbehindertes Baby bekommen, das nach einem kurzen Leben voller körperlicher Leiden schon wieder stirbt, fragt es sich, welchen Trost es für sie geben kann.


    Die Erklärung, das Kind habe wohl altes, schlechtes Karma "mitgebracht" und dieses durch sein Leiden nun abgetragen, wodurch eine künftige Wiederburt unter besseren Umständen möglich werde, könnte für hinduistisch oder (traditionel)l buddhistisch geprägte Eltern tröstlich sein, weil es dem erschütternden Geschehen gewissermaßen einen Sinn gibt.


    Das kranke Baby lebt(e) sein kurzes Leben hoffentlich im tief empfundenen Gefühl der Geborgenheit und des Geliebtseins...:heart::hug:

    JoJu91:
    Anna Panna-Sati:

    Die in buddhistischen Vorstellungen gründende Ansicht, dass ALLES, was einem widerfährt, selbst zu verantworten sei,

    Wenn ich nach acht Bier mit dem Fahrrad aus der Kneipe nach Hause fahre und dabei aufgrund einer etwas zu schrägen Trambahn-Gleisführung zu Fall komme, wie ist das karmisch verantwortungsmässig zu beurteilen ?


    :cry:

    Du kennst ja sicherlich die Antwort, lieber JoJu91 . ;):erleichtert:

    Zitat

    A.VI.63 Die durchdringende Darlegung - 9. Nibbedhika Sutta

    ....»Es wurde ferner gesagt, daß man das Wirken (kamma) zu erkennen hat, sowie seine bedingte Entstehung, seine Verschiedenartigkeit, sein Ergebnis, seine Aufhebung und den zu seiner Aufhebung führenden Weg.

    Warum aber wurde dies gesagt?


    Den Willen, ihr Mönche, bezeichne ich als das Wirken, denn, nachdem man es gewollt hat, vollbringt man das Wirken in Werken, Worten und Gedanken. -

    Wenn du also mit der Absicht, dem Willen, viel Bier zu trinken, per Fahrrad eine Kneipe ansteuerst, nimmt das "karmische Gesetz" schon Fahrt auf....

    Ob du jetzt aber - bei der bierseligen Heimfahrt - zu Fall kommst oder nicht, dabei unverletzt bleibst oder schwere Verletzungen erleidest, hängt von weiteren Bedingungen ab....

    Günstigenfalls existiert vielleicht noch ein Restbewusstsein für die Sturzgefahr und/oder genügend Reaktionsvermögen und Geschicklichkeit, um das Fahrrad an der gefährlichen Stelle auszubalancieren?

    Oder du bist so durchtrainiert, dass du trotz des Sturzes mit dem Schrecken davonkommst?


    Wie auch immer: Verantwortung trägst du hier m.E. alleine. :shrug:

    Die warnende Redewendung: "Mach' dich nicht unglücklich!" deutet auch an, dass Menschen dazu neigen, sich durch Leichtsinn, Unachtsamkeit, Ignoranz usw. selbst in Schwierigkeiten zu bringen.


    Qualia:

    Es gibt Karma, und das ist die Handlung, die ich jetzt gerade ausführe, kein Karma vorher, keines nachher.

    Davor und danach nennen wir Schicksal (sankhāra/Gestaltungen), und weil wir an Schicksal glauben, glauben wir auch an Karma als Schicksal.

    Du denkst, es sei eine Glaubensfrage, lieber Qualia ?


    Mit jeder absichtsvollen, willentlichen Handlung, die wir vollziehen, wird auch ein "Samen" im Geist gepflanzt und dieser Impuls kann - nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung - eben sofortige Resultate oder Wirkungen/Ergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt hervorbringen.


    Wem das bewusst ist, der wird wohl nur noch bei wenigen (z.B. dramatischen, -naturwissenschaftlich- unerklärlichen) Ereignissen von "Schicksal" oder "Zufall" o.Ä....sprechen.


    Mit "Karma-Bewusstsein" (abhisankhara) ist der Prozess des aktiven Erschaffens von Karma durch Willensabsichten gemeint.


    Wille und Willensakte gestalten Persönlichkeit, Verhalten, Lebensweg und damit auch das "Schicksal" eines Menschen aktiv mit, allerdings nicht ausschließlich, denn alles folgt letztlich dem Naturgesetz der Bedingtheit und wechselseitigen Abhängigkeit.

    Zitat

    Sutta Nipata V.13-14

    1110 UDAYA

    Wie wird zunichte das *Bewußtsein für einen, welcher achtsam lebt?

    Zu fragen dies, sind wir gekommen und lauschen deinem Wort, Erhabener!



    Das Bewußtsein, d.i. das Karma-erzeugende (abhisankhāra) Bewußtsein.



    1111 DER ERHABENE

    Der nicht am eigenen Gefühle sich ergötzt und nicht am fremden,

    Wer achtsam so sein Leben führt, Bewußtsein wird zunichte ihm.


    Der nicht am eigenen Gefühle sich ergötzt und nicht am fremden (ajjhattañca bahiddhā ca vedanam n'ābhinandato).


    Die 'eigenen Gefühle' sind zu verstehen als solche, die sich auf die eigenen körperlichen und geistigen Vorgänge beziehen; die 'fremden' oder das 'Außen' betreffenden sind Gefühle, die sich auf andere Menschen oder äußere Dinge beziehen, sowie auch solche, die man bei anderen Menschen beobachtet. .....


    https://www.palikanon.com/khuddaka/sn/sn_v13-14_1115.html

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    Mit den Qualitäten Achtsamkeit und Gleichmut - weder an Angenehmem, noch an Unangenehmem anhaften - erweist sich die An-/Übernahme der (Selbst-) Verantwortung nicht als Bürde, sondern als befreiend.


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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