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Der Umgang mit Ärger

  • Matthias65
  • 25. Oktober 2013 um 20:02
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    • 17. August 2026 um 13:55
    • #76
    Wetering:

    Ich finde den Satz interessant:

    "die Wut beginnt mit einer unangemessenen Betrachtung, die Ereignisse in verzerrter Weise interpretiert"


    Diese Phase fällt mir nicht wirklich auf, aber wenn ich ärgerlich bin, kann ich mir sicher sein bzw. davon ausgehen, dass ich "die Ereignisse/Person/... in verzerrter Weise interpretiere".

    Rein subjektiv fühlt es sich eher so an, als hätte ich dann gerade besonders recht...

    Ich glaube, niemand kann Verblendung direkt fühlen. Aber man kann das Ego mit seinem Groll fühlen. Deswegen meine Erste-Hilfe-Formel: "Ärger ist immer Ego."
    Sie entlarvt das Gefühl des Rechthabens sofort.

    DON'T HATE, MEDITATE.

  • Schneelöwin
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    • 17. August 2026 um 13:58
    • #77
    Wetering:

    die Wut beginnt mit einer unangemessenen Betrachtung, die Ereignisse in verzerrter Weise interpretiert"

    Und Ja, das kann durchaus passieren.

    Trotzdem wird es nicht "immer" eine unangemessene Betrachtung geben.


    Wetering:

    Diese Phase fällt mir nicht wirklich auf, aber wenn ich ärgerlich bin, kann ich mir sicher sein bzw. davon ausgehen, dass ich "die Ereignisse/Person/... in verzerrter Weise interpretiere"

    Auch dahinter würde ich ein Fragezeichen setzen, Du bist ja nicht nur im Unrecht?

    Wetering:

    Rein subjektiv fühlt es sich eher so an, als hätte ich dann gerade besonders recht...

    Ich versuche mir anzugewöhnen, wenn möglich, den Ärger oder die Wut zunächst einmal abflachen zu lassen. Es ist vielfach möglich, wenn man ein paar Nächte darüber geschlafen hat, später noch einiges klarzustellen.

    Das ist eine Übung und diese Übung kann wohl langwierig sein, aber Du reflektierst ja schon und das ist m.E. ein wichtiger Schritt.

    Dann ist es auch gut seine wunden Punkte/Trigger zu kennen, dann kommt man schneller ins ruhigere Feld: "ach da bist du ja wieder"

    Und dann machen so manche Ungerechtigkeiten mich schnell wütend und ich finde Gerechtigkeit ist ein hoher Wert. Aber auch hier reflektiere ich und versuche dann alle Seiten - wenn möglich - zu sehen, dies lässt mich dann ruhiger werden. Insgesamt ein spannendes Übungsfeld.

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • Schneelöwin
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    • 17. August 2026 um 14:03
    • #78
    biophil:

    Und, ganz ehrlich, ich bin immer wieder fassungslos, wenn sich ein Buddhist zum Pantoffeltierchen machen möchte, statt sich mal damit auseinander zu setzen, was ihm die Natur mitgegeben hat und wofür das gut ist.

    Nur zum Verständnis: Mein Lach-Smiley ist kein Auslachen. Es ist einfach so lebhaft amüsant geschrieben.

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • Anna Panna-Sati
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    • 17. August 2026 um 16:22
    • #79
    Hotte:

    Ich glaube, niemand kann Verblendung direkt fühlen.

    Aber man kann das Ego mit seinem Groll fühlen.

    Deswegen meine Erste-Hilfe-Formel: "Ärger ist immer Ego."
    Sie entlarvt das Gefühl des Rechthabens sofort.

    Großartig auf den Punkt gebracht - vielen Dank, lieber Hotte . _()_:heart:


    Offenbar ist bei mir das Ego gerade besonders aktiv, weil, innerhalb weniger Tage, häufiger diese Ärger-Emotion hochkam, ungewohnt oft...:roll:

    Was u.a. zeigt, dass dieses Gefühl, einmal ausgelöst, selbst, wenn es - scheinbar! - nach einer Weile wieder entschwunden ist, manchmal eine gewisse Hypersensibilität hinterlässt, eine Art unruhige "Grundgereiztheit", die ein sehr geeignetes Fundament für weiteren Ärger bildet....(::shrug:


    Nicht immer ist es Ärger "in Reinform" (also 100 %), bei mir traten als "Nebenklagende" noch Frust, Traurigkeit, Ohnmachtsgefühle und Angst hinzu - delikate Zutaten für ein leckeres "Depressionssüppchen".....:doubt:


    Ich war, vor einiger Zeit, so dumm gewesen, in der Kommentarspalte eines YouTube-Kanals, eine dort präsentierte Tierhaltung ganz v o r s i c h t i g zu kritisieren und konstruktive Verbesserungsvorschläge zu machen (Thema: ein - ungeschorenes!- Angorakaninchen verendete elend bei nahezu 40 Grad Celsius an einem Hitzschlag - in einer viel zu engen, unisolierten Holzbox....).

    Die Kanalbetreiber griffen mich daraufhin im (Wochen später) folgenden Video persönlich an, erklärten mich zur Lügnerin (das Kaninchen sei doch "alt" gewesen...), sprachen mir jegliche Expertise ab und forderten mich am Ende auf, mir doch andere Videos ("Streichelzoo") anzuschauen...


    Das war halt nicht nur ungerecht (sie selbst hatten im betroffenen Video gesagt, dass das Tier den Hitzetod starb...), kratzte am Ego ("Du hast keine Ahnung von Kaninchenhaltung!" - >"öffentliche" Beschämung!), sondern - vor allem - es entschuldigte/legitimierte die schlechte Tierhaltung und so konnte die Absicht, für die verbliebenen Kaninchen verbesserte Lebensbedingungen zu erreichen, nicht verwirklicht werden. :(:shrug:


    Ginge es beim Ärger immer nur um einen selbst ("Ego"), wäre es weitaus leichter, angemessen damit umzugehen, als Praktizierende(r) auf dem Weg Buddhas sowieso ....;)8)


    Ach ja, und für mich gilt natürlich Selbiges, lieber biophil :

    Schneelöwin:

    Nur zum Verständnis: Mein Lach-Smiley ist kein Auslachen. Es ist einfach so lebhaft amüsant geschrieben.

    Eigentlich wollte ich das "Daumen hoch-Emoji" zücken, aber beim Vergleich

    Pantoffeltierchen - Praktizierender gerieten mir dann doch die Lachmuskeln außer Kontrolle.... Hier ist noch zusätzlich der :like:!;)


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

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    • 17. August 2026 um 16:39
    • #80
    Qualia:

    Moha (Verblendung/Fehleinschätzung/Fehlinterpretation) erzeugt rāga (Zug, Gier) oder dosa (Druck, Hass).
    Wird moha erkannt und aufgehoben (nirodha), enden rāga und dosa vollständig und werden auch nicht mehr als dukkha bewirkt.

    Die eigene Verblendung, Fehleinschätzung/Fehlinterpretation erkennen und die Gewohnheiten ausmerzen ist Befreiung (vimutti). Ein Befreiter, Arahat erkennt seine Verblendung, yathābhūta‑ñāṇa, bevor er danach handelt, karma.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Qualia ist offen und frei,

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  • Hotte
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    • 17. August 2026 um 17:56
    • #81
    Anna Panna-Sati:

    Ginge es beim Ärger immer nur um einen selbst ("Ego"), wäre es weitaus leichter, angemessen damit umzugehen, als Praktizierende(r) auf dem Weg Buddhas sowieso .... ;) 8)


    Vielleicht ja doch? Ich sehe aus der Ferne viel Mitgefühl mit den Kaninchen, berechtigte Kritik an den Youtubern und ein verletztes Ego, das noch sauer ist. ;)

    DON'T HATE, MEDITATE.

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    • 18. August 2026 um 06:09
    • #82
    biophil:

    Und, ganz ehrlich, ich bin immer wieder fassungslos, wenn sich ein Buddhist zum Pantoffeltierchen machen möchte, statt sich mal damit auseinander zu setzen, was ihm die Natur mitgegeben hat und wofür das gut ist.

    Einem Buddhisten geht es nach meinem Verständnis nicht darum, unangenehme Gefühle loszuwerden, indem er sich evolutionär zurückentwickelt. Es geht ihm darum, die Welt – so wie sie ist – zu durchschauen, anzunehmen und schließlich loszulassen.


    Pantoffeltierchen sind wie Menschen ein Produkt von Naturgesetzen, gefangen im ewigen Kreislauf von Reiz und Reaktion. Sie sind im Gegensatz zu uns Menschen aber Sklaven ihrer Impulse und können nicht loslassen.

    DON'T HATE, MEDITATE.

  • Wetering
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    • 18. August 2026 um 07:10
    • #83

    Nachtrag zu dem Kapitel von gestern.

    Unterkapitel:

    [Ärger:] Eine positive oder notwendige Triebfeder für soziale Veränderungen?


    Thubten Chodron erzählt von einer Demonstration als Studentin gegen den Vietnamkrieg. Ein Student hob einen Stein auf und warf ihn gegen ein Gebäude, in dem Reserveoffiziere ausgebildet wurden.

    "Er war genau so geworden wie die Leute, gegen die er protestierte."


    Sie schreibt von Mitgefühl (ausgewogener, realistischer und wirkungsvoller als Ärger) und dazu eine weitere Geschichte über das Abholzen von Wäldern und (ihrer) Einstellung zu den Holzarbeitern.

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    • 18. August 2026 um 07:15
    • #84
    Hotte:

    Pantoffeltierchen sind wie Menschen ein Produkt von Naturgesetzen, gefangen im ewigen Kreislauf von Reiz und Reaktion. Sie sind im Gegensatz zu uns Menschen aber Sklaven ihrer Impulse und können nicht loslassen.

    Da hast du meinen Post scheinbar nicht richtig gelesen. Pantoffeltierchen können nicht festhalten, weil da nichts ist, das festhalten könnte. Also genau das, was Buddhisten anstreben.

  • Hotte
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    • 18. August 2026 um 09:00
    • #85
    biophil:
    Hotte:

    Pantoffeltierchen sind wie Menschen ein Produkt von Naturgesetzen, gefangen im ewigen Kreislauf von Reiz und Reaktion. Sie sind im Gegensatz zu uns Menschen aber Sklaven ihrer Impulse und können nicht loslassen.

    Da hast du meinen Post scheinbar nicht richtig gelesen. Pantoffeltierchen können nicht festhalten, weil da nichts ist, das festhalten könnte. Also genau das, was Buddhisten anstreben.

    Wir haben einfach unterschiedliche Auffassungen von Pantoffeltierchen. Für mich sind sie der Inbegriff von "Festhalten", lebenslänglich gefangen ohne Aussicht auf Begnadigung. Das Gegenteil von dem, was Buddhisten suchen.

    DON'T HATE, MEDITATE.

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    • 18. August 2026 um 09:04
    • #86
    Hotte:

    Pantoffeltierchen sind wie Menschen ein Produkt von Naturgesetzen, gefangen im ewigen Kreislauf von Reiz und Reaktion. Sie sind im Gegensatz zu uns Menschen aber Sklaven ihrer Impulse und können nicht loslassen.

    Pantoffeltierchen sind in nichts „gefangen“, im Gegensatz zu Menschen keine Sklaven ihrer Impulse, können nicht loslassen, weil sie nichts festhalten. Sie leben ohne jedes Erleben von Leben, dafür ist ein ZNS nötig.

    Reiz-Reaktion ist kein Kreislauf, es ist eine Strecke mit unbekanntem Ende, sie endet mit dem Zerfallen.


    Pantoffeltierchen sind Lebewesen. Alle Lebewesen mit ZNS, egal wie groß, sind fühlende Lebewesen. Was mich wirklich tief berührt hat, ist, dass das gesamte Leben auf dieser Erde auf Cyanobakterien zurückgeht, die sich evolutionär gewandelt haben und einen Zellhaufen wie mich entstehen lassen.

    Hotte:

    Einem Buddhisten geht es nach meinem Verständnis nicht darum, unangenehme Gefühle loszuwerden, indem er sich evolutionär zurückentwickelt. Es geht ihm darum, die Welt – so wie sie ist – zu durchschauen, anzunehmen und schließlich loszulassen.

    Solange ich einer oder einer anderen buddhistischen Schule folgte, war ich auch ein Buddhist. Heute sind unangenehme Gefühle Hinweise darauf, dass ich handeln muss, um Wohl zu empfinden, oder kein Gefühl.


    Die Welt so zu sehen, wie sie ist, geht in Ordnung, doch sie loslassen? Wie soll das gehen? Ihr nicht mehr mit meinen Meinungen, Prinzipien und Gesetzen zu begegnen, befreit mich ohne viel Aktion von dem Bedürfnis das die Welt so zu sein hat, wie ich sie sehen will.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (18. August 2026 um 09:16)

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    • 18. August 2026 um 09:34
    • #87
    Hotte:

    Wir haben einfach unterschiedliche Auffassungen von Pantoffeltierchen. Für mich sind sie der Inbegriff von "Festhalten", lebenslänglich gefangen ohne Aussicht auf Begnadigung. Das Gegenteil von dem, was Buddhisten suchen.

    Das ist vollkommen in Ordnung.


    Wir reden hier von 2 Seiten einer Medaille. Alles, was entsteht, vergeht.


    Man kann sich am Entstehen erfreuen (ich) oder gleich abwenden, weil es vergeht (du wahrscheinlich). Letztlich hat das Auswirkungen auf seine eigene Lebensqualität.

  • Hotte
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    • 18. August 2026 um 10:45
    • #88
    Qualia:

    Pantoffeltierchen sind in nichts „gefangen“, im Gegensatz zu Menschen keine Sklaven ihrer Impulse, können nicht loslassen, weil sie nichts festhalten. Sie leben ohne jedes Erleben von Leben, dafür ist ein ZNS nötig.

    Reiz-Reaktion ist kein Kreislauf, es ist eine Strecke mit unbekanntem Ende, sie endet mit dem Zerfallen.


    Pantoffeltierchen sind Lebewesen. Alle Lebewesen mit ZNS, egal wie groß, sind fühlende Lebewesen. Was mich wirklich tief berührt hat, ist, dass das gesamte Leben auf dieser Erde auf Cyanobakterien zurückgeht, die sich evolutionär gewandelt haben und einen Zellhaufen wie mich entstehen lassen.

    Darauf wollte ich eigentlich hinaus: Wir sind mehr als nur ein Zellhaufen auf der untersten Stufe der Evolution und haben glücklicherweise das Potenzial zur Befreiung. Die armen Pantoffeltierchen nicht. Mit den Pantoffeltierchen kam dieses Potenzial aber erst in die Welt.


    PS: Ich habe auch schon mit Pantoffeltierchen Mitgefühl. :)


    Qualia:

    Die Welt so zu sehen, wie sie ist, geht in Ordnung, doch sie loslassen? Wie soll das gehen? Ihr nicht mehr mit meinen Meinungen, Prinzipien und Gesetzen zu begegnen, befreit mich ohne viel Aktion von dem Bedürfnis das die Welt so zu sein hat, wie ich sie sehen will.

    Genau das ist Loslassen. :)

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    • 18. August 2026 um 10:48
    • #89
    biophil:
    Hotte:

    Wir haben einfach unterschiedliche Auffassungen von Pantoffeltierchen. Für mich sind sie der Inbegriff von "Festhalten", lebenslänglich gefangen ohne Aussicht auf Begnadigung. Das Gegenteil von dem, was Buddhisten suchen.

    Das ist vollkommen in Ordnung.


    Wir reden hier von 2 Seiten einer Medaille. Alles, was entsteht, vergeht.


    Man kann sich am Entstehen erfreuen (ich) oder gleich abwenden, weil es vergeht (du wahrscheinlich). Letztlich hat das Auswirkungen auf seine eigene Lebensqualität.

    Alles anzeigen

    Da schreibst du mir eine Haltung zu, die ich gar nicht habe. Das buddhistische Ideal ist weder das Anhaften am Entstehen (deine Seite) noch das Abwenden vom Vergehen (die Seite, die du mir zuschreibst). Beides sind nur zwei Seiten derselben dualistischen Medaille des Ergreifens und Ablehnens.

    DON'T HATE, MEDITATE.

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    • 18. August 2026 um 11:04
    • #90
    Hotte:

    Da schreibst du mir eine Haltung zu, die ich gar nicht habe. Das buddhistische Ideal ist weder das Anhaften am Entstehen (deine Seite) noch das Abwenden vom Vergehen (die Seite, die du mir zuschreibst). Beides sind nur zwei Seiten derselben dualistischen Medaille des Ergreifens und Ablehnens.

    Deshalb schrieb ich "du wahrscheinlich" deiner vorherigen Aussage nach zu urteilen.


    Du schreibst mir auch gerade was zu. Ich schrieb "Erfreuen" am Entstehen. Das ist so gemeint, dass ich mich freue, wenn ein neuer Mensch geboren wird, wenn sich ein Kind entwickelt, wenn jemand die Pointe eines Witzes versteht, wenn die Blumen blühen und etwas klappt, an dem ich arbeite (Tschaka!) etc pp.


    Selbst der Buddha freute sich: "Lieblich ist Vesali"


    Aber der Kanon ist unerbittlich. Nandi (das Sich-Erfreuen) ist im MN1 als Wurzel des Leidens benannt. Streng genommen bin ich dann gar kein Buddhist mehr. Na ja, und der Buddha, ok, verzeihen wir ihm diesen Lapsus mit Vesali.

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    • 18. August 2026 um 11:17
    • #91
    Hotte:

    Mit den Pantoffeltierchen kam dieses Potenzial aber erst in die Welt.

    Immer diese Pantoffeltierchen.


    Leben begann, als sich eine Membran um Chemie schloss. Erst mit dieser Grenze gab es ein Innen, das sich erhalten musste, und damit wurde auch der Tod miterfunden: Vorher war nichts da, das hätte aufhören können.

  • Qualia
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    • 18. August 2026 um 11:23
    • #92
    Hotte:

    PS: Ich habe auch schon mit Pantoffeltierchen Mitgefühl. :)

    Mit dieser Erkenntnis kann man mit allen Lebewesen Mitgefühl haben, doch Mitleid mit auch nur einem zu haben, oder ihm gar menschliche Züge, Verhaltensweisen oder einem Menschen meine Züge zuzuschreiben, ist dukkha.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Qualia ist offen und frei,

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    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

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    • 18. August 2026 um 11:24
    • #93
    biophil:
    Hotte:

    Mit den Pantoffeltierchen kam dieses Potenzial aber erst in die Welt.

    Immer diese Pantoffeltierchen.


    Leben begann, als sich eine Membran um Chemie schloss. Erst mit dieser Grenze gab es ein Innen, das sich erhalten musste, und damit wurde auch der Tod miterfunden: Vorher war nichts da, das hätte aufhören können.

    Nehmt doch einfach ein Cyanobakterium, dann wird es nicht so wuchtig.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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  • Schneelöwin
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    • 18. August 2026 um 11:31
    • #94
    biophil:

    Selbst der Buddha freute sich: "Lieblich ist Vesali"


    Aber der Kanon ist unerbittlich. Nandi (das Sich-Erfreuen) ist im MN1 als Wurzel des Leidens benannt. Streng genommen bin ich dann gar kein Buddhist mehr. Na ja, und der Buddha, ok, verzeihen wir ihm diesen Lapsus mit Vesali.

    Ich verstehe es so, dass Freude gekoppelt mit Festhalten problematisch wird.

    Sich über einen Sonnenaufgang oder einer Lieblichkeit wie Vesali freuen und im Anschluss genau diese Freude das nächste Mal erwarten - das wäre die Wurzel von Leid.

    Insofern wäre hier nichts zu verzeihen, loslassen traue ich dem Buddha zu.

    Nach der Freude loslassen - keine weitere Erwartungshaltung - man darf den Augenblick lieben, ohne ihn besitzen zu wollen.

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


    3 Mal editiert, zuletzt von Schneelöwin (18. August 2026 um 11:48)

  • JoJu91
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    • 18. August 2026 um 13:36
    • #95
    biophil:

    Alles, was entsteht, vergeht.

    Abgesehen vom allerersten und allerletzten Pantoffeltierchen entstehen und vergehen Pantoffeltierchen nie ? Wenn sich Pantoffeltierchen P1 in zwei Pantoffeltierchen P1a und P1b teilt, stirbt dann P1 und werden P1a und P1b geboren oder macht diese Aussage keinen Sinn ?

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    biophil
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    • #96
    JoJu91:

    Abgesehen vom allerersten und allerletzten Pantoffeltierchen entstehen und vergehen Pantoffeltierchen nie ? Wenn sich Pantoffeltierchen P1 in zwei Pantoffeltierchen P1a und P1b teilt, stirbt dann P1 und werden P1a und P1b geboren oder macht diese Aussage keinen Sinn ?

    :like:


    Stirbt der Fluss, wenn er sich gabelt?

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    • 18. August 2026 um 15:46
    • #97

    Da haben wir heute ja richtig was geschafft dafür, dass wir alle doch nur nach innerem Frieden suchen. :)


    Vielleicht liegt es ja tatsächlich daran, dass ich säkularen Buddhismus nicht wirklich verstehe.

    DON'T HATE, MEDITATE.

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    Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 18. August 2026 um 17:39
    • #98
    Hotte:

    Vielleicht liegt es ja tatsächlich daran, dass ich säkularen Buddhismus nicht wirklich verstehe.

    Säkularer Buddhismus - was heißt das genau? - BuddhaStiftung
    Säkularer Buddhismus ist ein alltagstauglicher Übungsweg, der an spürbaren Folgen im Leben gemessen wird und nicht an Glaubenssätzen.​ Er zielt darauf,
    buddhastiftung.org
  • Anna Panna-Sati
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    • 18. August 2026 um 18:20
    • #99
    biophil:
    JoJu91:

    Abgesehen vom allerersten und allerletzten Pantoffeltierchen entstehen und vergehen Pantoffeltierchen nie ? Wenn sich Pantoffeltierchen P1 in zwei Pantoffeltierchen P1a und P1b teilt, stirbt dann P1 und werden P1a und P1b geboren oder macht diese Aussage keinen Sinn ?

    :like:


    Stirbt der Fluss, wenn er sich gabelt?

    Lebt ein Fluss denn?

    Meines Erachtens ist er zwar voller Leben, lebt aber selbst nicht, ist eine physikalische/geologische Erscheinung, aber kann sich ausdehnen, gabeln und versiegen... - ein dynamisches System.


    Bei der Zellteilung von Pantoffeltierchen entstehen ja genetisch identische Nachkommen, also Klone.

    Insofern geht das Elterntier in den Nachkommen auf - eine reine Vermehrung und Wandlung (es gibt ja eine Entwicklung der Tochterzellen) und demnach -scheinbar- kein Vergehen. keinen Tod....

    Wenn es da nur die Fressfeinde und dem Leben abträgliche Umweltbedingungen nicht gäbe, welche eben doch Vernichtung nach sich ziehen. :shrug:


    Des Weiteren: Bei "Stress", zwecks Anpassung an eine sich verändernde Umwelt, gibt es für die Pantoffeltierchen noch die Möglichkeit der Konjugation, d.h. Austausch genetischen Materials, demzufolge keine weiteren Klone entstehen, da das Erbgut neu kombiniert wurde.

    Und schon vergeht wieder etwas....:shrug:

    Zitat

    Sex und Vermehrung voneinander getrennt

    Ihre Vermehrung ist unspektakulär; sie machen einfach eine Zellteilung.

    Doch es findet auch ein Vorgang statt, der der Kopulation, wie man sie bei den vielzelligen Lebewesen kennt, vergleichbar ist.

    Dabei lagern sich zwei Pantoffeltierchen aneinander und tauschen über eine Plasmabrücke genetisches Material aus.

    Eine Vermehrung ist damit nicht verbunden, wohl aber die bei der Fortpflanzung von Vielzellern stattfindende und für die Evolution bedeutsame Neukombination von Erbinformation.


    https://www.bund-hessen.de/arten-entdecken/pantoffeltierchen/

    Alles anzeigen

    Wie faszinierend (und dadurch auch leicht fesselnd) doch das Leben ist...:verliebt:


    Wenn nur der Ärger nicht wäre....;)

    biophil:

    Pantoffeltierchen können nicht festhalten, weil da nichts ist, das festhalten könnte. Also genau das, was Buddhisten anstreben.

    :o

    Kleine Provokation oder ernstgemeint? - Wolltest du "die Buddhisten" etwa bewusst "ärgern"? ;):lol:


    Buddhisten streben sicher nicht an, "nichts" zu sein oder auf das Niveau eines Einzellers zurückzufallen, um nicht mehr "festhalten" (und damit leiden) zu "müssen" (denn auch der Einzeller "leidet" ja in dem Sinne, dass er von dem unbewussten Daseinswillen/-begehren gezwungen ist, zu existieren - und das auch noch ewig lange, dank Klonierung, wenn sie nicht irgendwann gefressen werden....).


    Buddhisten haben als menschliche Wesen natürlich ein wesentlich höheres (körperliches und vor allem geistiges) Leidenspotenzial, aber - damit einhergehend - auch Möglichkeiten, sich freiwillig und eigenständig davon zu befreien (Erleuchtungspotenzial/"Buddhanatur").

    Sie richten sich aktiv Richtung Bewusstheit, Erkenntnis und der Befreiung von den Leidensursachen aus und erfahren im Verlaufe der Praxis fortschreitende Loslösung von Anhaftungen, wodurch Ergreifen und Festhalten seltener werden, bis es (beim Arahant) vollständig aufhört.


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

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    Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 18. August 2026 um 19:01
    • #100

    „Wenn der Geist unruhig ist, ist auch der Atem unruhig. Wenn der Atem still wird, findet auch der Geist seine Mitte.

    - Thich Nhat Hanh -

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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