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Majjhima Nikāya 21, Kakacūpama Sutta

  • Upasaka Dhammavicayo
  • 16. August 2026 um 19:34
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  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 16. August 2026 um 19:34
    • #1

    „Selbst wenn, meine Bhikkhus, Räuber und Mörder mit scharfer Säge euch ein Glied nach dem anderen absägen, wer dabei den Geist hasserfüllt werden lässt, der befolgt nicht meine Lehre.“


    Diese Aufforderung zielt auf die unmittelbare Erfahrung der sechs Sinnesbasen ab. Der Körper stellt nur ein Aggregat dar, eine Ansammlung von Elementen ohne festen Kern. Das Sägen trifft diese Elemente, es trifft kein Selbst. Die schmerzhaften Gefühle entstehen durch den Körperkontakt als reine Empfindung. Gleichzeitig entsteht im Geist das Bewusstsein dieses Schmerzes.


    Die eigentliche Unterweisung liegt in der Betrachtung der Abneigung als einem bedingt entstandenen Phänomen. Diese Abneigung ist kein zwingender Bestandteil des Schmerzes. Sie erscheint, weil die gewohnte Identifikation mit dem Körper und den Gefühlen unbemerkt wirkt. Wer die Lehre verinnerlicht hat, erkennt den Schmerz als bloßen Schmerz. Die Reaktion des Hasses fügt eine zweite Pfeilwunde hinzu. Der erste Pfeil ist der physische Schmerz, der durch vergangenes Kamma und gegenwärtigen Kontakt unvermeidlich sein kann. Der zweite Pfeil ist das geistige Erleiden, das aus dem Verlangen nach Wohlsein und der Abwehr des Unangenehmen erwächst.


    Die Befreiung zeigt sich darin, den zweiten Pfeil nicht zu erzeugen. Das Geistesgemüt bleibt davon unberührt, weil es keine Besitzergreifung des Körpers mehr vornimmt. Jede Vorstellung von 'mir wird wehgetan' entpuppt sich als bloße Gewohnheit des erfassenden Bewusstseins, nicht als unausweichliche Wahrheit. Der Pfad führt über diese Einsicht hinweg zur vollkommenen Gleichmut. Die Ruhe des Geistes inmitten der Zerstückelung offenbart die wahre Zuflucht. Diese Zuflucht liegt nicht in der Unversehrtheit der Glieder, sie liegt in der unerschütterlichen Klarheit der gegenwärtigen Achtsamkeit. So wird das Gleichnis zu einer praktischen Übung der Achtsamkeit gegenüber allen Empfindungen ohne Ausnahme. Die vollkommene Geduld ist die natürliche Frucht dieser wiederholten Betrachtung der Entstehung und des Vergehens aller bedingten Dinge._()_

  • void 16. August 2026 um 19:51

    Hat das Thema freigeschaltet.
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    • 16. August 2026 um 21:53
    • #2

    Das klingt alles sehr richtig und ist doch am Sutta vorbei. MN 21 ist keine Meditationsanleitung für den Fall der Zersägung, sondern der Abschluss einer Zurechtweisung. Moliya Phagguna wurde zornig, wenn man seine Nonnen kritisierte, die Mönche stritten, und der Buddha setzte einen Maßstab: Wenn nicht einmal der äußerste denkbare Fall Hass rechtfertigt, dann eure Alltagszänkereien erst recht nicht. Das Gleichnis beschämt Streithähne. Es ist Rhetorik der Übertreibung, keine Übungsanweisung fürs Folterszenario.


    Die zwei Pfeile stammen aus SN 36.6 und stehen in MN 21 gar nicht. Sie hier als die eigentliche Unterweisung auszugeben ist Eisegese, man liest hinein, was man predigen möchte.


    Auch das vergangene Kamma als Ursache des Schmerzes hält nicht. Im Sivaka Sutta (SN 36.21) weist der Buddha genau diese Auffassung als Übertreibung zurück und nennt acht Entstehungsweisen von Gefühl, darunter Galle, Witterung und äußere Gewalteinwirkung. Das Sägen ist Gewalteinwirkung, der Schmerz entsteht bedingt durch den Kontakt. Wer daraus kammische Vergangenheit macht, vertritt exakt die Position, die das Sutta zurückweist.


    Und der Kernsatz, die Abneigung sei bloße Gewohnheit der Identifikation und kein zwingender Bestandteil des Schmerzes, gilt kanonisch für den Arahant und sonst für niemanden. Der Widerstand gegen die eigene Zerstörung ist keine korrigierbare Denkgewohnheit, sondern eine Schutzfunktion, die älter ist als jedes Ich. Wer behauptet, er würde unter der Säge gleichmütig die Entstehung und das Vergehen bedingter Phänomene betrachten, hat vermutlich noch nie einen Zahnarzttermin ohne Betäubung erlebt.


    Der Text beschreibt eine Erfahrung, die der Verfasser nicht gemacht hat, in einer Sprache, die er auswendig kann. Das ist Rezitation, nicht Untersuchung. Der Buddha wollte mit dem Gleichnis Zänker zur Ordnung rufen, nicht Gefolterte zu Versagern erklären, weil sie den zweiten Pfeil nicht rechtzeitig pariert haben.

  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 17. August 2026 um 00:11
    • #3

    Lieber biophil, dein Einwand zeigt den genauen Anlass des Suttas: den Streit der Mönche. Die übertriebene Bildsprache macht die Regel für jeden erkennbar. Jede feindselige Regung entspringt der Anhaftung an den Körper.
    Die zwei Pfeile stehen in einem anderen Sutta, doch sie erklären dieselbe Lehre: Schmerz trifft den Körper, das geistige Leid entsteht aus dem Festhalten.
    Dass die vollkommene Gleichmut dem Arahant vorbehalten ist, ändert nichts am Pfad. Wer diesen Pfad übt, lernt Schritt für Schritt, den zweiten Pfeil nicht hinzuzufügen. Auch wenn die Säge nur ein Gedanke ist.
    Die Zurechtweisung der Zänker und die Übung der Achtsamkeit gehören zusammen. Beides zeigt, dass der Geist nicht dem äußeren Geschehen ausgeliefert sein muss.

  • mukti
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    • 17. August 2026 um 13:42
    • #4
    Upasaka Dhammavicayo:

    So wird das Gleichnis zu einer praktischen Übung der Achtsamkeit gegenüber allen Empfindungen ohne Ausnahme.

    Bei starken Schmerzen offenbart sich, wie weit man mit dieser Übung tatsächlich schon gekommen ist. Gleichzeitig sind sie eine Gelegenheit und ein Ansporn, fleißig zu üben. Bei der Erfahrung von Sinnesfreuden scheint das Üben dagegen weniger dringlich zu sein, es lässt sich ja auch auf später verschieben. Die zweite edle Wahrheit "Begehren ist die Ursache von Leid" ist eben nicht so leicht durchschaubar.

    Mit Metta, mukti.


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    • 17. August 2026 um 14:01
    • #5
    mukti:

    Bei starken Schmerzen offenbart sich, wie weit man mit dieser Übung tatsächlich schon gekommen ist.

    Was gibt es da zu üben, bitte? Je stärker die Schmerzen, je weniger bist du in der Lage, auf irgendwas zu achten. Starker Schmerz ist neurologisch gesehen ein Alarmzustand, der die Kontrolle über den gesamten Apparat übernimmt, und zwar mit Vorrang vor allem, was Kortex heißt.


    Genau die Instanz, die "achtsam beobachten" leisten müsste, wird heruntergefahren. Konzentration, Sprachfähigkeit und Zeitwahrnehmung zerfallen; bei extremem Schmerz bleiben Schreien, Winden und die pure Gegenwart des Schmerzes übrig.


    Ein Organismus, der bei einer schweren Verletzung noch in Ruhe kontemplieren kann, überlebt nicht lange.


    Der Buddha konnte es nicht wissen. Aber wir können es.

  • Anna Panna-Sati
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    • 17. August 2026 um 14:56
    • #6

    Zunächst einmal, herzlich willkommen im Buddhaland, lieber Upasaka Dhammavicayo . :)_()_:rose:


    Zum Zweiten möchte ich dir für das Besprechen dieses Suttas danken, weil es so vielschichtig ist und jeder wohl dazu neigt, andere Aspekte dieser Unterweisung hervorzuheben. _()_

    Upasaka Dhammavicayo:

    Die eigentliche Unterweisung liegt in der Betrachtung der Abneigung als einem bedingt entstandenen Phänomen.

    Diese Abneigung ist kein zwingender Bestandteil des Schmerzes.

    Sie erscheint, weil die gewohnte Identifikation mit dem Körper und den Gefühlen unbemerkt wirkt.

    _()_Das trifft sicherlich zu und ist ein wichtiger Punkt, den man mit Bewusstheit wahrnehmen und erkennen sollte, damit dieser Ablauf - Identifikation -> 2.Pfeil - künftig zumindest nicht mehr unbemerkt wirken, späterhin ev. gestoppt werden, kann.

    Upasaka Dhammavicayo:

    Wer die Lehre verinnerlicht hat, erkennt den Schmerz als bloßen Schmerz.

    Upasaka Dhammavicayo:

    Die Reaktion des Hasses fügt eine zweite Pfeilwunde hinzu. Der erste Pfeil ist der physische Schmerz, der durch vergangenes Kamma und gegenwärtigen Kontakt unvermeidlich sein kann. Der zweite Pfeil ist das geistige Erleiden, das aus dem Verlangen nach Wohlsein und der Abwehr des Unangenehmen erwächst.

    Die Verquickung mit dem Pfeilgleichnis liegt nahe, wirkt aber angesichts des haarsträubend brutalen "Gleichnisses von der Säge" auf Menschen, die noch nicht

    "die Lehre verinnerlicht" haben leicht bizarr.

    Würden einem Erleuchteten tatsächlich Glieder des Körpers abgesägt, würde er nicht anders können, als vor Schmerzen zu brüllen, wie ein Unerleuchteter, möglicherweise würde er auch (vom Körper) automatisierte Abwehrbewegungen machen, welche u.U. die Angreifer verletzen könnten.

    Allerdings - im Falle, dass er diese Folter überleben würde, wäre dennoch kein Groll im Geist vorhanden....

    biophil:

    Es ist Rhetorik der Übertreibung, keine Übungsanweisung fürs Folterszenario.

    Danke, uff! :erleichtert:

    biophil:

    MN 21 ist keine Meditationsanleitung für den Fall der Zersägung, sondern der Abschluss einer Zurechtweisung.

    :lol: Ja, höchst unwahrscheinlich, dass man lebendig, bei vollem Bewusstsein zersägt wird (körperlich), weitaus mehr im Bereich des Möglichen ist zweifellos das geistige "Gegrilltwerden" ("Roasting") und dort bewährt sich dann definitiv die Erkenntnis aus dem Pfeilgleichnis....


    (https://de.wikipedia.org/wiki/Roast ;))

    Upasaka Dhammavicayo:

    Die Befreiung zeigt sich darin, den zweiten Pfeil nicht zu erzeugen. Das Geistesgemüt bleibt davon unberührt, weil es keine Besitzergreifung des Körpers mehr vornimmt.

    _()_Ja, und ebenfalls keine Besitzergreifung einer Vorstellung vom "Ich", Ego (personifiziertes Selbstbild), was "zerlegt" wird, also vom Geist....


    Den Anlass für die Lehrrede boten ja Reaktionen des Ärgers und Zorns eines "Ehrwürdigen" (Moliya Phagguna), der auf Kränkungen von Bhikkhunis (mit denen er viel Umgang pflegte - :? -) durch andere Bhikkhus, ungehalten tadelnd reagierte.

    Pikanterweise verteidigten die Bhikkhunis ihrerseits den Ehrwürdigen gegen geringschätzige Rede anderer Bhikkhus über ihn....


    Der Buddha nahm sich der Sache an:

    Zitat

    6. "Phagguna, es ziemt sich nicht für dich, einen Mann aus guter Familie, der aus Vertrauen vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen ist, übermäßig viel Umgang mit Bhikkhunīs zu haben.


    Daher, wenn irgend jemand in deiner Gegenwart geringschätzig von jenen Bhikkhunīs spricht, solltest du jegliche Absichten und jegliche Gedanken, die auf dem Haushälterleben beruhen, aufgeben.


    Und darin solltest du dich so üben:

    'Mein Geist wird unbeeinträchtigt sein, und ich werde keine bösen Worte äußern; ich werde in Mitgefühl für sein Wohlergehen verweilen, mit einem Geist voll Liebender Güte, ohne inneren Haß.'

    Auf solche Weise solltest du dich üben, Phagguna."


    https://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m021z.html

    Alles anzeigen

    Der Buddha rügt also die zu große Nähe des ehrwürdigen Moliya Phagguna zu den Bhikkhunis... und leitet ihn gleichzeitig an, im Geist Metta/Liebende Güte und Karuna/Mitgefühl zu entfalten, aber eben nicht nur für die (abgewerteten) Bhikkhunis, sondern gleichfalls für die geringschätzig sprechenden, abwertenden, Bhikkhus.

    Zitat

    15. "Genauso, ihr Bhikkhus, gibt es diese fünf Redeweisen, die andere anwenden könnten, wenn sie euch ansprechen:

    ihre Rede mag zur rechten Zeit oder zur falschen Zeit erfolgen,

    sie mag wahr oder unwahr sein,

    sanft oder schroff,

    mit dem Gutem oder mit Schaden verbunden,

    mit einem Geist von Liebender Güte gesprochen oder mit innerem Haß.


    Wenn andere euch ansprechen, mag ihre Rede zur rechten Zeit oder zur falschen Zeit erfolgen; wenn andere euch ansprechen, mag ihre Rede wahr oder unwahr sein; wenn andere euch ansprechen, mag ihre Rede sanft oder schroff sein; wenn andere euch ansprechen, mag ihre Rede mit dem Gutem oder mit Schaden verbunden sein; wenn andere euch ansprechen, mag ihre Rede mit einem Geist von Liebender Güte gesprochen sein oder mit innerem Haß.


    Darin, ihr Bhikkhus, solltet ihr euch so üben:

    'Unser Geist wird unbeeinträchtigt bleiben, und

    wir werden keine bösen Worte äußern;

    wir werden in Mitgefühl für ihr Wohlergehen verweilen,

    mit einem Geist voll Liebender Güte, ohne inneren Haß.

    Wir werden verweilen, indem wir jene Person mit einem Herzen durchdringen, das von Liebender Güte durchtränkt ist; und

    mit ihr als Objekt werden wir verweilen,

    indem wir die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringen, das von Liebender Güte durchtränkt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen.'


    Auf solche Weise solltet ihr euch üben, ihr Bhikkhus."


    https://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m021z.html

    Alles anzeigen

    Lange Rede, kurzer Sinn:

    Ich verstehe diese Lehrrede vor allem als Aufforderung, sich immer wieder in Metta und Karuna zu üben und diese Haltung, insbesondere dann, wenn man selbst oder/und Andere angegriffen werden, auch praktisch (in heilsamer Rede und Handlung) umzusetzen.

    biophil:

    der Buddha setzte einen Maßstab: Wenn nicht einmal der äußerste denkbare Fall Hass rechtfertigt, dann eure Alltagszänkereien erst recht nicht.

    :like:_()_ So sehe ich es auch , vielen Dank, lieber biophil , und auch dir ein herzliches Willkommen. :rose::)


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • Igor07
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    • 17. August 2026 um 15:06
    • #7
    biophil:

    Ein Organismus, der bei einer schweren Verletzung noch in Ruhe kontemplieren kann, überlebt nicht lange.


    Der Buddha konnte es nicht wissen. Aber wir können es.

    Warum nicht? Durch sehr tiefes Samadhi ist es vorübergehend möglich, enorme, starke Schmerzen zu unterdrücken. Und der Buddha war sehr schwer krank, aber es ist ihm gelungen.

    In der Yoga-Tradition ist so etwas bekannt und war es schon immer. Ich bezweifle sehr, dass all diese "Meister" etwas über die moderne Neurowissenschaft wussten.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    • #8
    Igor07:

    Warum nicht? Durch sehr tiefes Samadhi ist es vorübergehend möglich, enorme, starke Schmerzen zu unterdrücken. Und der Buddha war sehr schwer krank, aber es ist ihm gelungen.

    In der Yoga-Tradition ist so etwas bekannt und war es schon immer. Ich bezweifle sehr, dass all diese "Meister" etwas über die moderne Neurowissenschaft wussten.

    Gut, da lag ich tatsächlich zu kurz. Es gibt ja auch Hypnose statt Betäubung beim Zahnarzt.

  • mukti
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    • 17. August 2026 um 16:18
    • #9
    biophil:
    mukti:

    Bei starken Schmerzen offenbart sich, wie weit man mit dieser Übung tatsächlich schon gekommen ist.

    Je stärker die Schmerzen, je weniger bist du in der Lage, auf irgendwas zu achten.

    Da ist es gut zu wissen, dass das nicht wahr ist.

    Mit Metta, mukti.


  • Qualia
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    • 17. August 2026 um 16:46
    • #10

    Das einzige was ich schaffe bei starken Schmerzen, ist, das Leiden daran zu beseitigen. Dieses Schmerz als "Das bin ich." selbstverständlich zu glauben hat den Schmerz scheinbar verschlimmert.

    Schmerz ist nun mal Schmerz, und er wird scheinbar verringert, wenn ich nicht mehr behaupte: Das ist mein Schmerz, ich habe/bin der Schmerz.


    Hypnose nimmt die Illusion, dass ich der Schmerz bin, doch er kann nach wie vor gemessen werden. Der Körper eines Hypnotisierten erzeugt weiterhin Schmerz, nur hat man Abstand davon.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Qualia ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

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    • 17. August 2026 um 17:16
    • #11
    mukti:

    Da ist es gut zu wissen, dass das nicht wahr ist.

    Die Begründung lieferst du noch?

  • mukti
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    • 17. August 2026 um 18:12
    • #12
    biophil:
    mukti:

    Da ist es gut zu wissen, dass das nicht wahr ist.

    Die Begründung lieferst du noch?

    Also du hast mich persönlich angesprochen: "Je stärker die Schmerzen, je weniger bist du in der Lage, auf irgendwas zu achten." Nun weiß ich aber aus eigener Erfahrung, dass das nicht stimmt.

    Es ist ja möglich nur auf das Schmerzgefühl zu achten, und was der Geist sonst macht, fallenzulassen: Widerstand, Angst, Wut, die Vorstellung "Ich leide". Dann ist da nur mehr das Schmerzgefühl und das Bewusstsein wird davon nicht überwältigt.

    Mit Metta, mukti.


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    • 17. August 2026 um 18:43
    • #13
    mukti:

    Also du hast mich persönlich angesprochen: "Je stärker die Schmerzen, je weniger bist du in der Lage, auf irgendwas zu achten." Nun weiß ich aber aus eigener Erfahrung, dass das nicht stimmt.

    Es ist ja möglich nur auf das Schmerzgefühl zu achten, und was der Geist sonst macht, fallenzulassen: Widerstand, Angst, Wut, die Vorstellung "Ich leide". Dann ist da nur mehr das Schmerzgefühl und das Bewusstsein wird davon nicht überwältigt.

    Solche Dinge kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Es ist aber nicht das, was ich meine. Ich kenne Knieschmerzen, groß wie der Raum, weil ich es verstärkt habe. Der gleiche Schmerz war später kaum zu finden. Und als ich ihn gefunden hatte, war er klein wie ein Stecknadelkopf. Also das kenne ich schon.


    Das ist aber immer noch selbst erzeugt. Ich hätte ja aufstehen können. Habe mich aber dagegen entschieden und so eine innerliche Aufgabe erzwungen.


    Wenn du aber Koliken hast (Nieren/Gallensteine), oder dir jemand ganz langsam dein Bein amputiert, dich verbrennt, dann hast du nichts mehr nachzulegen.

  • Igor07
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    • 17. August 2026 um 19:03
    • #14
    mukti:

    Nun weiß ich aber aus eigener Erfahrung, dass das nicht stimmt.

    Es ist ja möglich nur auf das Schmerzgefühl zu achten, und was der Geist sonst macht, fallenzulassen: Widerstand, Angst, Wut, die Vorstellung "Ich leide". Dann ist da nur mehr das Schmerzgefühl und das Bewusstsein wird davon nicht überwältigt.

    Da habe ich (als jemand, der sich ein wenig in der Medizin auskennt) eine andere Meinung. Stell dir einen Menschen mit Metastasen im Endstadium vor. Der würde niemals einfach so absolut unerträgliche Schmerzen einfach so beobachten. Es gibt in solchen Fällen Suizid, gegen den der Buddha nicht dagegen war, kann man nachlesen, denn ich war nicht dabei.

    Es gibt eine interessante Abhandlung im Projekt Gutenberg, die schildert, wie enorm der Buddha gelitten hatte und wie er dabei halluziniert habe. Und das ist, scheint mir, rein menschlich und keine Mystik.


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    Der letzte Tod des Gautama Buddha

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  • mukti
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    • #15
    biophil:

    Wenn du aber Koliken hast (Nieren/Gallensteine), oder dir jemand ganz langsam dein Bein amputiert, dich verbrennt, dann hast du nichts mehr nachzulegen.

    Gerade dann, wenn ich wahrlich höllische, viele Stunden anhaltende Schmerzen hatte, habe ich das am intensivsten anwenden können. Das ist dann auch die einzige Zuflucht.

    Mit Metta, mukti.


  • Sodann
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    • 17. August 2026 um 19:54
    • #16

    Diese Vorstellung, am lebendigen Leib zersägt zu werden, scheint mit eher aus der buddhistischen Kalasutra Hölle zu stammen. Dort konnte man sich nicht helfen und musste so lange Schmerzen erleiden und lebendig zersägt werden, bis man sich nach Jahrtausenden geläutert hatte. Oder als Foltermethode im Mittelalter oder Kriegen. Der Mensch, und andere fühlende Wesen fallen dann tatsächlich und gnädigerweise in Ohnmacht.

    Wir würden hier einfach die Rettung rufen und uns eine Betäubungsspritze setzen lassen. Alle andere Vorstellungen sind für mich Spekulationen, denen ich gar nicht nachgehen will

    _()_

  • mukti
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    • 17. August 2026 um 19:56
    • #17
    Igor07:

    Da habe ich (als jemand, der sich ein wenig in der Medizin auskennt) eine andere Meinung. Stell dir einen Menschen mit Metastasen im Endstadium vor. Der würde niemals einfach so absolut unerträgliche Schmerzen einfach so beobachten. Es gibt in solchen Fällen Suizid, gegen den der Buddha nicht dagegen war, kann man nachlesen, denn ich war nicht dabei.

    Ich weiß nicht ob das jemand in so einem Fall kann, nach der Lehrrede mit dem Pfeilgleichnis könnte es möglich sein. Angenehm wird so ein Dauerzustand jedenfalls nie sein und Suizid ist nach dem Vinaya nur ein geringes Vergehen und das auch nur "wenn man diesen Körper ablegt und an einem neuen Körper anhaftet" (M.144)

    Igor07:

    Es gibt eine interessante Abhandlung im Projekt Gutenberg, die schildert, wie enorm der Buddha gelitten hatte und wie er dabei halluziniert habe. Und das ist, scheint mir, rein menschlich und keine Mystik.


    https://projekt-gutenberg.org/authors/fritz-…gautama-buddha/


    Der letzte Tod des Gautama Buddha

    Das ist eine Nachdichtung von dem Schriftsteller Fritz Mautner. Im Mahaparinibbana Sutta ist jedenfalls vom tiefen Frieden des Erhabenen und dem Leuchten seines Körpers die Rede. Bis zuletzt hat er gelehrt, dann ist er in die Versenkungsstufen eingegangen und friedlich erloschen.

    Mit Metta, mukti.


  • Igor07
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    • 17. August 2026 um 20:16
    • #18
    mukti:

    Das ist eine Nachdichtung von dem Schriftsteller Fritz Mautner. Im Mahaparinibbana Sutta ist jedenfalls vom tiefen Frieden des Erhabenen und dem Leuchten seines Körpers die Rede. Bis zuletzt hat er gelehrt, dann ist er in die Versenkungsstufen eingegangen und friedlich erloschen.

    Die glückverheißenden Merkmale (Lakshana), also insgesamt die zweiunddreißig Merkmale, dann der Buddha, der sofort nach der Geburt gesprochen und sieben Schritte gemacht hat, und so weiter … Das alles ist diese Nachdichtung. Bitte, ich bleibe immer auf dem nüchternen Boden der Fakten, die ich selbst überprüfen kann.

    Nicht zu vergessen: Der Buddha hatte auch das Wasser nach allen Seiten zurückgehen lassen, lese ich in dem Buch „Der Buddha und sein Orden“.

    Wo ist dann der Unterschied zu den Wundergeschichten im Alten und Neuen Testament?

    War nur meine eigene Meinung._()_

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • mukti
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    • 17. August 2026 um 20:24
    • #19

    Jedenfalls ist diese sati-pañña Übung nicht sinnlos und keine Einbildung, mehr wollte ich gar nicht sagen.

    Mit Metta, mukti.


Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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