„Selbst wenn, meine Bhikkhus, Räuber und Mörder mit scharfer Säge euch ein Glied nach dem anderen absägen, wer dabei den Geist hasserfüllt werden lässt, der befolgt nicht meine Lehre.“
Diese Aufforderung zielt auf die unmittelbare Erfahrung der sechs Sinnesbasen ab. Der Körper stellt nur ein Aggregat dar, eine Ansammlung von Elementen ohne festen Kern. Das Sägen trifft diese Elemente, es trifft kein Selbst. Die schmerzhaften Gefühle entstehen durch den Körperkontakt als reine Empfindung. Gleichzeitig entsteht im Geist das Bewusstsein dieses Schmerzes.
Die eigentliche Unterweisung liegt in der Betrachtung der Abneigung als einem bedingt entstandenen Phänomen. Diese Abneigung ist kein zwingender Bestandteil des Schmerzes. Sie erscheint, weil die gewohnte Identifikation mit dem Körper und den Gefühlen unbemerkt wirkt. Wer die Lehre verinnerlicht hat, erkennt den Schmerz als bloßen Schmerz. Die Reaktion des Hasses fügt eine zweite Pfeilwunde hinzu. Der erste Pfeil ist der physische Schmerz, der durch vergangenes Kamma und gegenwärtigen Kontakt unvermeidlich sein kann. Der zweite Pfeil ist das geistige Erleiden, das aus dem Verlangen nach Wohlsein und der Abwehr des Unangenehmen erwächst.
Die Befreiung zeigt sich darin, den zweiten Pfeil nicht zu erzeugen. Das Geistesgemüt bleibt davon unberührt, weil es keine Besitzergreifung des Körpers mehr vornimmt. Jede Vorstellung von 'mir wird wehgetan' entpuppt sich als bloße Gewohnheit des erfassenden Bewusstseins, nicht als unausweichliche Wahrheit. Der Pfad führt über diese Einsicht hinweg zur vollkommenen Gleichmut. Die Ruhe des Geistes inmitten der Zerstückelung offenbart die wahre Zuflucht. Diese Zuflucht liegt nicht in der Unversehrtheit der Glieder, sie liegt in der unerschütterlichen Klarheit der gegenwärtigen Achtsamkeit. So wird das Gleichnis zu einer praktischen Übung der Achtsamkeit gegenüber allen Empfindungen ohne Ausnahme. Die vollkommene Geduld ist die natürliche Frucht dieser wiederholten Betrachtung der Entstehung und des Vergehens aller bedingten Dinge.