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Scham (auch Beschämung, Schamlosigkeit) - unheilsam oder heilsam?

  • Anna Panna-Sati
  • 8. Juli 2026 um 18:31
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  • Anna Panna-Sati
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    • 8. Juli 2026 um 18:31
    • #1

    Hallo, ihr Lieben, :)


    Scham ist etwas zutiefst Menschliches und tritt - einigen Autoren zufolge - sogar schon auf, bevor das "Ich"-Gefühl sich etabliert (beim Säugling zeige es sich in der sogenannten "Fremdel-Phase"), in der Regel fällt es jedoch in die Zeit der Entwicklung von Selbstwahrnehmung im zweiten Lebensjahr, wenn das Kind sich also selbst als Person erkennt.

    Peinlich! Oder? Warum Schamgefühle bei Kindern so wichtig sind
    Schamgefühle bei Kindern entwickeln sich im Laufe ihrer Kindheit. Ab wann sie auftreten und welchen Sinn sie haben. Für uns alle.
    www.eltern.de


    Im Buddhismus werden Schamgefühl (Hiri) und Gewissensscheu (Ottapa) zusammen als die "Beschützerinnen der Welt" betrachtet, quasi das ethische und moralische Fundament, um nicht unheilsam zu handeln.

    Zitat

    A.II.9 Die Beschirmer der Welt - 9. Cariya Sutta

    Zwei helle Eigenschaften, ihr Mönche, beschirmen die Welt. Welche zwei?

    • Schamgefühl und
    • sittliche Scheu.

    Wenn nämlich, ihr Mönche, diese beiden hellen Eigenschaften nicht die Welt beschirmten, so würde man da weder seine Mutter anerkennen, noch der Mutter Schwester, noch des Onkels und des Lehrers Weib, noch die Ehefrauen ehrenwerter Männer; so würden die Menschen sich vermengen wie Schafe, Ziegen, Hühner, Schweine, Hunde und Schakale. .....

    Zitat

    [73-74.] 79-80. Scham und sittliche Scheu

    [73.] 79. Welcher Mensch gilt als "schamhaft", und was ist da "Scham" (hirí)?

    Sich schämen, wo man sich zu schämen hat; sich schämen vor der Ausübung böser, schlechter Dinge: das nennt man Scham. Der von dieser Scham erfüllte Mensch aber gilt als schamhaft.


    [74.] 80. Welcher Mensch gilt als "sittlich-scheu", und was ist da "sittliche Scheu" (ottappam)?

    Sich scheuen, wo man sich zu scheuen hat; sich scheuen vor der Ausübung böser, schlechter Dinge: das nennt man sittliche Scheu. Der von dieser sittlichen Scheu erfüllte Mensch aber gilt als sittlich-scheu.


    https://www.palikanon.com/abhidham/pugga…96.html#pp79t80

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    Schamgefühl (Hiri) bezeichnet hier also die innere Scham, quasi "Selbst-Scham", die man bei und nach Fehlverhalten empfindet, wenn man z.B. gegen (verinnerlichte) ethische Werte gehandelt hat oder gewisse Ansprüche nicht erfüllte.

    Da man sich schämen würde, diese schlechten Dinge zu tun, vermeidet man es dementsprechend, sie zu vollziehen.


    Gewissensscheu (Ottapa) hingegen bedeutet, auch die möglichen Konsequenzen der Tat im Hinblick auf die Mitmenschen zu sehen/erkennen (Ursache/Wirkung) und Respekt vor dem zu haben, was Mitmenschen und Gesellschaft stören und ihre Regeln/Grenzen verletzen könnte.


    Beide Qualitäten werden demnach für wichtig erachtet, um spirituelle Fortschritte zu machen auf dem (Heils-)Weg, den der Buddha gewiesen hat.

    Zitat

    A.X.67 Fortschritt und Rückschritt I - 7. Paṭhama-naḷakapāna Sutta

    Wem es, Brüder, bei den heilsamen Dingen an Vertrauen fehlt, an Schamgefühl und Gewissensscheu, an Willenskraft und Weisheit, der hat, sei es bei Tag oder bei Nacht, eben einen Rückschritt zu erwarten in den heilsamen Dingen, keinen Fortschritt. ...


    ..Daß ein Mensch vertrauenslos ist, Brüder, das ist ein Rückschritt.

    Daß ein Mensch keine Scham besitzt und keine Gewissensscheu, daß er träge ist und keine Weisheit besitzt, voller Zorn und Wut, voll üblen Ehrgeizes, schlechten Umgang pflegt und falsche Ansichten besitzt, das, Brüder, ist ein Rückschritt.


    Wer aber, Brüder, bei den heilsamen Dingen Vertrauen hat, Schamgefühl und Gewissensscheu, Willenskraft und Weisheit, der hat, sei es bei Tag oder Nacht, eben einen Fortschritt zu erwarten in den heilsamen Dingen, keinen Rückschritt. ...


    https://www.palikanon.com/angutt/a10_061_070.html#a_x67

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    Fazit: In dieser Weise Scham zu empfinden, ist im Buddhismus etwas Heilsames.


    Auf der weltlichen Ebene ist Scham ebenfalls ein unangenehmes Gefühl, das Menschen gerne vermeiden, u.a., weil es eng mit dem Selbstwertgefühl verbunden ist.


    Beim Erleben von Scham werden, laut dem amerikanischen Psychoanalytiker Allan Schore, dieselben Hirnregionen aktiviert, wie bei existenzieller Angst - Parasympathikus und Sympathikus sind gleichzeitig aktiv, was zu den unangenehmen Erscheinungen Erröten, Schwitzen, Zusammensacken des Körpers, Verwirrtheitsgefühlen usw. führt.


    Da die Scham auch von außen deutlich wahrnehmbar ist, kann sich fallweise ein "Schämen für die Scham" entwickeln, was zum Verbergen oder Überspielen der Scham Anlass gibt :

    "Cool sein" (und bleiben) lautet dann oft die Parole....8)

    Man spricht auch von "falscher Scham", wenn sich jemand für etwas schämt, das er gar nicht zu verantworten hat, beispielsweise seinen Körperbau, sein Aussehen, seine Krankheit, seine Herkunft ,...(wobei Körperscham eine gewisse Schutzfunktion hat).


    Kleine Anekdote:

    Als Elfjährige (im sogenannten "Kicher-Alter" :erleichtert:) hatten meine Freundin und ich die Nase gründlich voll vom Schämen (wir waren beide eher schüchtern-verschämt, dabei aber neugierig, manchmal frech) und unterzogen uns einem selbstentwickelten Programm der "Entschämung" (::

    Dazu gehörte z.B., sich im Freibad beim Umziehen auf der freien Wiese gegenseitig das schützende Handtuch wegzuziehen oder im Kaufhaus fremde Männer (!) anzusprechen und unsinnige Fragen zu stellen.

    Ob es wirklich langfristig geholfen hat, bezweifle ich, :lol: aber wir hatten viel Spaß dabei...und trieben jede Menge Unfug in dieser Zeit...:eek:


    Jahre später schockierte mich mein Vater mit der Schilderung eines Erlebnisses aus seiner Kindheit, was demonstriert, wie stark Schamgefühl Menschen auch verblenden kann:

    In dem kleinen Dorf, wo mein Vater aufwuchs, hatte die katholische Kirche noch großen Einfluss und sittenstrenge Erziehung war an der Tagesordnung. Eines Tages wurde eine Gruppe halbwüchsiger Jungen dabei erwischt, wie sie in einem Gebüsch gemeinsam onanierten - es gab großen Aufruhr, in Windeseile verbreitete sich die Nachricht....Meine Großmutter knöpfte sich daraufhin meinen, ca. 13-jährigen Vater, vor (der nicht dabei gewesen war) und sagte ihm folgendes: "Sollte ich je davon hören, dass DU bei so etwas mitmachst, wäre es mir lieber, dass du tot vor mir auf dem Boden liegst!":shock:

    Außerdem wurde er dazu verdonnert, jedes Nachgeben dieser "bösen Lust" zu meiden und - beim Scheitern - dieses schnellstmöglich zu beichten.


    Scham, (gegen den eigenen Willen) entblößt zu werden (auch seelisch), kann schwer traumatisieren -

    diese Art Scham ist wohl eher unheilsam....

    Scham sollte eigentlich schützen - Intimität und Wahrung persönlicher Grenzen - kann aber im Übermaß sehr schaden und zu sozialem Rückzug, Depression, (Auto-)Aggression, usw. führen.


    Wird (gefühlt) die eigene Würde verletzt, vielleicht sogar durch Schamlosigkeit Anderer - folgen oft Scham und "Fremdscham" gleichzeitig.


    Worüber ich gelegentlich nachdenke, ist , dass der Buddha öfters mal Menschen, vor allem herausfordernd auftretende "Andersfährtige", aber auch Jünger seiner Sangha, die sich eines schweren Fehlverhaltens schuldig gemacht hatten, beschämte, und zwar vor allen Anwesenden. :?

    Ob das "pädagogisch richtig" und effektiv war?


    Wie steht IHR zu Scham, Schamlosigkeit und Beschämung?


    - Hatten/Haben Schamgefühle (größeren) Einfluss auf euer Verhalten/eure Lebensweise?

    - Erlebt ihr Schamlosigkeit als würdelos oder befreiend?

    - Empfand der Buddha noch Schamgefühl (ohne Ich-Gefühl??)?

    - Wie findet ihr es, wenn Andere beschämt werden - haltet ihr das für eine legitime Möglichkeit der "Pädagogik", auch z.B. in der Politik?

    - Ändern sich auch die Schamgefühle, wenn sich gesellschaftliche Werte wandeln?


    Schämt euch nicht, alles, was euch bewegt, anzusprechen - ihr seid ja hier anonym....;)


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

    Einmal editiert, zuletzt von Anna Panna-Sati (8. Juli 2026 um 18:44)

  • GermanViking
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    • 8. Juli 2026 um 18:56
    • #2

    Scham als solche ist ja eine angeborene und selbstbezogene Emotion und als solche erstmal einfach eine Eigenschaft des Menschen. Die Frage ist durch was Scham entsteht. Das reicht grob von der Bloßstellung über das Versagen bis hin zum Verstoß gegen gesellschaftliche Normen.


    Das man nicht bloßgestellt werden möchte macht Sinn, da es zum Nachteil gereichen kann. Moralisch relevant wird es aber erst, wenn man daraus auch ableitet auch andere nicht bloßzustellen.


    Nicht versagen zu wollen macht auch Sinn, denn im schlimmsten Fall geht man am Versagen zugrunde, aber mindestens senkt es den Status in der Gruppe. Moralisch wird es hier aber auch erst unter der Maßgabe wie schon bei der Bloßstellung.


    Bleiben die gesellschaftlichen Normen. Es hat schon einen gewissen Sinn nicht zu weit von diesen abzuweichen, denn in der Regel reagiert der Rest der Gesellschaft darauf nicht gut und auch das kann im schlimmsten Fall im eigenen Niedergang münden, zumindest aber in der Ausgrenzung. Moralisch ist das aber auch nur, wenn die gesellschaftlichen Normen sinnvoll und moralisch sind. Wenn sie das aber wären, dann müsste man sie aber eigentlich nicht mit Scham durchsetzen.


    Und da kommen wir zum eigentlichen Punkt. Viele Religionen und andere Systeme mögen Scham, weil sie so ihre Mitglieder schon auf ganz tiefer Ebene zum Gehorsam bringen. Das kann gut gemeint sein, ist aber ebenso ein Instrument der Herrschaft. Es ist eigentlich eine bereits in der Antike erfundene Form der Konditionierung.


    Das Christentum war notorisch darin den Menschen als ganzes zu beschämen, besonders aber seine Sexualität. Thema Erbsünde. In der Aufklärung ging man dann mehrfach in die Gegenoffensive: De Sade, Nietzsche, Stirner, die 68er, usw. So recht losgeworden ist man den Geist aber nie und im Kulturkampf der letzen Dekade ist das Beschämen auf beiden Seiten wieder eine zentrale Strategie geworden.

  • mukti
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    • 9. Juli 2026 um 09:11
    • #3
    Anna Panna-Sati:

    Worüber ich gelegentlich nachdenke, ist , dass der Buddha öfters mal Menschen, vor allem herausfordernd auftretende "Andersfährtige", aber auch Jünger seiner Sangha, die sich eines schweren Fehlverhaltens schuldig gemacht hatten, beschämte, und zwar vor allen Anwesenden. :?

    Ob das "pädagogisch richtig" und effektiv war?

    Wenn man davon ausgeht, dass der Buddha genau wusste was unheilsam (Leidverursachend) und was heilsam (Leidbefreiend) ist, dann wird man ihm auch zubilligen, dass er es, als Lehrer des Dhamma, offen ausspricht. Meistens sehen die Angesprochenen ihren Fehler ein und der pädagogische Zweck ist erfüllt - man schämt sich und und will den Fehler nicht wiederholen. Wer es nicht einsieht, distanziert sich vom Buddha und seiner Sangha.

    Anna Panna-Sati:

    Wie steht IHR zu Scham, Schamlosigkeit und Beschämung?


    - Hatten/Haben Schamgefühle (größeren) Einfluss auf euer Verhalten/eure Lebensweise?

    - Erlebt ihr Schamlosigkeit als würdelos oder befreiend?

    - Empfand der Buddha noch Schamgefühl (ohne Ich-Gefühl??)?

    - Wie findet ihr es, wenn Andere beschämt werden - haltet ihr das für eine legitime Möglichkeit der "Pädagogik", auch z.B. in der Politik?

    - Ändern sich auch die Schamgefühle, wenn sich gesellschaftliche Werte wandeln?

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    Schamlosigkeit erlebe ich nicht als befreiend, sondern als Kilesa, den Geist trübende Leidenschaft, die es zu beseitigen gilt.

    Über die Befindlichkeit eines Buddha kann ich nur spekulieren, was ich an dieser Stelle mal lieber sein lasse.

    Andere zu beschämen kann für die Betroffenen heilsam sein, wenn sie nicht an ihrer falschen Ansicht festhalten. In der Politik kann es einen heilsamen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben oder Zwistigkeit und Polarisierung fördern, weshalb da Fingerspitzengefühl und Diplomatie angebracht ist.

    Schamgefühl ist wohl mit den individuellen oder kollektiven Wertvorstellungen verbunden, die wiederum heilsam oder unheilsam sein können (Rechte oder falsche Ansicht).

    Mit Metta, mukti.


  • Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 9. Juli 2026 um 09:51
    • #4
    Zitat

    „Die radikalste Scham ist es schließlich doch, sich selbst der Liebe anzubieten und als liebensunwert verstoßen zu empfinden – sich als nicht der Liebe und damit der wesentlichsten Achtung würdig zu wissen. Man wird dabei nicht gesehen, fühlt sich in dieser Individualität unsichtbar, des Respekts beraubt.“

    – Leon Wurmser[35]

  • Qualia
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    • 9. Juli 2026 um 10:16
    • #5

    Ohne Schamlosigkeit zu wirken, kann Scham nicht erkannt werden.

    Ein Kind muss stehlen, damit es Schamlosigkeit erkennt, und dann erscheint Scham, genau dann, wenn es wieder stehlen will.

    Ohne schamloses Verhalten und das Bestehen auf Reue durch den Bestohlenen keine Scham als Puffer, um das Abstandnehmen, die Sila zu interpretieren oder zu verbiegen oder zu brechen, zu ermöglichen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Igor07
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    • 9. Juli 2026 um 10:42
    • #6
    Anna Panna-Sati:

    - Ändern sich auch die Schamgefühle, wenn sich gesellschaftliche Werte wandeln?

    Scham entsteht ausschließlich durch den ganzen Prozess der Sozialisation, also der Erziehung. Ein Säugling hat keine Scham. Er spielt mit seinem eigenen Penis und entleert sich in die Windeln. Woher sollte er wissen, was heilsam oder was nicht ist?

    In archaischen Gesellschaften waren Menschenopfer normal. Bei manchen Schamanen war es Brauch, die eigene Frau den Gästen als gutes Essen anzubieten.

    Kinder, die von Wölfen erzogen wurden, konnten später niemals sprechen. Sie haben sich ihr Leben lang wie Tiere verhalten, ohne Scham. Diese Fälle sind gut dokumentiert.

    Nur die Gesellschaft und die Werte, die sie selbst als normal bestimmt – was überhaupt normal ist, wäre eine andere Frage –, bestimmen, was Scham oder Schande ist.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • AndreasM
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    • 9. Juli 2026 um 11:21
    • #7
    Igor07:

    Bei manchen Schamanen war es Brauch, die eigene Frau den Gästen als gutes Essen anzubieten.

    Die Ehefrau wurde Gästen (als Akt einer heute sehr fremd wirkenden Gastfreundschaft) in manchen Kulturen intim überlassen, aber sie wurde niemals als tatsächliches Essen serviert.

  • Samadhi1876
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    • 9. Juli 2026 um 11:46
    • #8
    Igor07:

    Nur die Gesellschaft und die Werte, die sie selbst als normal bestimmt – was überhaupt normal ist, wäre eine andere Frage –, bestimmen, was Scham oder Schande ist.

    Vielleicht eher was ist natürlich und was ist zwanghaft

  • Igor07
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    • 9. Juli 2026 um 13:26
    • #9
    AndreasM:

    ber sie wurde niemals als tatsächliches Essen serviert.

    Korrekt, es war gemeint: „Wie das gute Essen.“ Angeboten.


    Hier schon erwähnte Masturbation kann man auch anders sehen, also es reicht, den Artikel aus Wikipedia dazu zu lesen.

    Moral und alles, was wir darunter verstehen, sind abhängig entstanden.

    Von der Zeit, Kultur, herrschenden Normen, aber diese sind nicht absolut.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • void
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    • 9. Juli 2026 um 13:32
    • #10

    Es gibt ja den Unterschied zwischen "Scham" und "Schuldkultur".


    Schuld, fokussiert auf das Verhalten.Die Idee ist "Ich habe etwas falsch gemacht".


    Scham bezieht sich auf die Identität. Man fühlt sich anderen gegenüber als ungenügend.Die sie ist "Ich bin ein schlechter Mensch.“


    In unserer Kultur versucht man eher, den Fokus auf das Schuldgefühl zu richten. Der Mensch soll ein Gewissen haben, dass ihm sagt, wenn er was falsch gemacht hat.


    Scham - das Gefühl ungenügend zu sein - kann sich aus allem Möglichen erwachsen, wofür man keine Verantwortung hat. Menschen Schämen sich wenn sie zu klein sind oder zu hässlich, zu dick oder zu dünn. Man kann sich auch schämen vergewaltigt worden zu sein.


    Ich denke das Schuldgefühl, wo es um ein konkretes Tat geht, ist besser als das Schamgefühl.

  • void
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    • 9. Juli 2026 um 13:49
    • #11
    Igor07:

    Nur die Gesellschaft und die Werte, die sie selbst als normal bestimmt – was überhaupt normal ist, wäre eine andere Frage –, bestimmen, was Scham oder Schande ist.


    Ja genau. Weil Scham quasi misst wie sehr man verinnerlichen gesellschaftlichen Normen genügt, kann es sehr beliebig sein. Der eine schämt sich weil er zu arm ist, der andere weil er kein Casanova ist, der dritte weil er lügt. Es ist ein Gefühl mit dem sich schwer reden lässt.


    Weil Schuld von der Tat ausgeht, setzt es den Fokus auf die Tat und man kann dann darüber reden inwieweit eine Tat wirklich gut oder schlecht ist.

  • Igor07
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    • 9. Juli 2026 um 14:07
    • #12
    void:

    Weil Schuld von der Tat ausgeht, setzt es den Fokus auf die Tat und man kann dann darüber reden inwieweit eine Tat wirklich gut oder schlecht ist.

    Nach S. Freud "tötet" das Kind (der Junge) den Vater unbewusst; es fühlt sich deshalb schuldig, verdrängt diesen Impuls oder rationalisiert ihn. Es lebt diesen Impuls auf andere Weise aus, deswegen ist auch Schuld abhängig entstanden.


    Wiki:

    Zitat

    Nach heutigem Verständnis beschreibt der Ödipuskonflikt die Gesamtheit aller Liebes- und Hassgefühle und der sich daraus entwickelnden Schuldgefühle eines Kindes als Resultat der erlebten personalen Beziehungen, einschließlich der unbewussten intersubjektiven und familiendynamischen Vorgänge

    Die buddhistische Ethik hinterfragt diese Muster nicht, sondern erklärt das Ganze wie ein Axiom, also als etwas Selbstverständliches.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

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  • Matthie
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    • #13
    void:

    Man kann sich auch schämen vergewaltigt worden zu sein.

    Das ist das perfide an unserer Psyche.

    Es tut mir jemand etwas schlimmes an ( in dem Falle eine Vergewaltigung)

    und da die Tat so sehr mein Innerstes verletzt hat schäme ich mich dafür.

    Sinn macht das aber nicht und es ist eigentlich eine schlimme Falle.


    Jemanden beschämen ist nicht heilsam.

    Mich für etwas schämen auch nicht.

    Es ist ja ein Unterschied ob ich leicht verlegen bin oder mich schäme.

    Da gibt es bestimmt viele Graustufen.


    Schamlos sein ist wieder ein anderes Thema und kann dazu führen das ich andere Grenzen nicht gut wahrnehme . Also auch unheilsam.


    Hm kann da heute leider nichts positives an „sich schämen“ und Scham finden.

  • GermanViking
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    • #14

    Igor07 Die Behauptung, dass "gut dokumentierte" Fälle zeigen, Wolfskinder hätten nie sprechen gelernt und sich lebenslang "wie Tiere" verhalten, ist wissenschaftlich stark umstritten.


    Die bekanntesten wirklich dokumentierten Fälle von Wolfskindern sind Amala und Kamala aus Indien (1920er-Jahren, dokumentiert von Missionar Joseph Singh) und die gelten unter Anthropologen und Entwicklungspsychologen mittlerweile größtenteils als unzuverlässig oder sogar als Fälschungen. Die Kinder hatten wahrscheinlich schwere Entwicklungsstörungen oder waren einfach extrem vernachlässigt, nicht von Wölfen aufgezogen. Ernste Fälle von schwerer sozialer Deprivation (Genie, Victor von Aveyron) zeigen tatsächlich massive Sprachdefizite nach der kritischen Periode. Das stützt aber nur die These, dass Sprache sensible Phasen braucht, nicht dass Scham von Wölfen anerzogen worden wäre. Das Narrativ vom Wolfskind ist im Kern ein Mythos mit sehr dünner empirischer Basis, kein belastbarer Beleg.

    Die Ehefrau als Gastgeschenk bleibt auch nach deiner Korrektur problematisch. Das ist ein klassisches Motiv kolonialer Reiseberichte und früher Ethnographie (oft aus zweiter oder dritter Hand, oft von Autoren mit offensichtlichem Interesse primitive Kulturen entweder zu exotisieren oder herabzusetzen). All das wurde in der modernen Ethnologie kritisch neu bewertet. Gastfreundschaftsprostitution wurde tatsächlich in einigen wenigen arktischen und sibirischen Kulturen berichtet, aber die Verallgemeinerung auf Schamanen als Kategorie ist irreführend. Schamanismus ist keine homogene Kultur mit einheitlichen Sexualsitten, sondern ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Gesellschaften von Sibirien bis Amazonien.


    Menschenopfer sind ethnographisch und archäologisch für bestimmte Gesellschaften gut belegt (Azteken, Moche, einige westafrikanische Königreiche, gelegentlich frühe mesopotamische und ägyptische Kontexte), aber archaische Gesellschaften sind keine homogene Kategorie. Die überwiegende Mehrheit der ethnographisch untersuchten Jäger-und-Sammler- sowie frühen Ackerbaugesellschaften praktizierte keine Menschenopfer. Die Verallgemeinerung suggeriert einen universellen Entwicklungsschritt, den es so nicht gab; es handelt sich um vereinzelte, meist mit komplexeren Herrschaftsstrukturen (Stratifikation, Priesterkasten) korrelierte Phänomene, nicht um ein Merkmal von Archaik an sich.


    Bei Freud bzw. Ödipus als Beleg für abhängiges Entstehen von Schuld verwechselst du eine psychoanalytische Hypothese mit einem empirischen Befund. Der Ödipuskomplex ist keine belegte Tatsache, sondern eine unfalsifizierbare Theorie, die seit Malinowskis Feldstudien bei den Trobriandern (matrilineare Gesellschaft ohne die von Freud postulierte Vater-Sohn-Rivalität in derselben Form) erheblich unter Druck steht.


    Dein eigentlicher Punkt, dass moralische Kategorien kulturell und zeitlich variabel sind, lässt sich mit robusteren Belegen stützen (kulturvergleichende Anthropologie, Moralpsychologie à la Jonathan Haidt). Da braucht es diese fragwürdigen Anekdoten gar nicht.


    Anna Panna-Sati Die Fremdel-Phase beschreibt in der Bindungsforschung (Spitz, später Bowlby/Ainsworth) Furcht vor Fremden als Ausdruck einer sich stabilisierenden Bindung an die primäre Bezugsperson, kein Schamaffekt. Entwicklungspsychologisch gilt Scham (im engeren Sinn, als selbstbewusste Emotion) tatsächlich erst ab dem Auftreten von Selbsterkennung als möglich, klassisch getestet über den Rouge-Test/Spiegeltest.


    Schores Modell beschreibt Scham nicht primär als simultane Ko-Aktivierung, sondern als eine sehr schnelle Umschaltung von hoher sympathischer Erregung zu abrupter parasympathischer Dominanz, der charakteristische Einbruch oder Kollaps, der Scham körperlich als Erröten, Blickabwendung und Energieverlust erfahrbar macht. Es geht also um eine dysregulierte Sequenz, nicht um ein dauerhaftes gleichzeitiges Feuern beider Äste des autonomen Nervensystems.

    Einmal editiert, zuletzt von GermanViking (9. Juli 2026 um 14:30)

  • Anna Panna-Sati
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    • 9. Juli 2026 um 14:41
    • #15

    Herzlichen Dank schon mal an euch, für eure erhellenden Beiträge - auf Auszüge von einigen werde ich sicher später noch mal zu sprechen kommen....._()_:heart:


    Diese ziemlich tabuisierte Emotion verdient es, mal beleuchtet zu werden, u.a., weil sie oft verborgen hinter ganz vielen anderen - negativen - Emotionen steckt, wie Wut, Trauer, Hass....und uns viel mehr steuern kann, als wir wahrnehmen (wollen/können).


    Höchste Zeit also, dass Scham mal ans Licht gezogen und erforscht wird, dachte sich wohl auch Dr. Stephan Marks, von dessen Buch über das Thema "Scham" ich gerade einen Auszug entdeckt habe, der vielleicht auch für euch interessant und aufschlussreich ist.

    Des Weiteren ein Link zu einem YouTube-Video, in dem der Autor sich einem Interview stellt:


    https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/media/pdf/978-3-8436-1307-1.pdf


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    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • GermanViking
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    • 9. Juli 2026 um 15:31
    • #16

    void Die meisten Vergewaltigungsopfer erleben Scham, obwohl objektiv keine eigene Schuld vorliegt. Die Tat verletzt die Grenze zwischen was mit mir geschieht und was ich kontrolliere auf existenzielle Weise. Der Körper, mit dem man sich identifiziert, wird zum Schauplatz einer fremden Handlung. Das erzeugt oft ein Gefühl von beschmutzt oder nicht mehr ganz zu sein, unabhängig von Vernunftgründen.


    Psychologisch neigen Menschen dazu, in einer als gerecht wahrgenommenen Welt Ursachen bei sich selbst zu suchen, weil das die Illusion von Kontrolle über zukünftige Gefahr wiederherstellt. Das ist eine bekannte kognitive Verzerrung (Lerner, Belief in a Just World), keine rationale Schuldzuweisung.


    Fragen nach Kleidung, Alkoholkonsum, Verhalten vor der Tat verschieben den Fokus vom Täter aufs Opfer und verstärken die internalisierte Scham zusätzlich.


    Bei Täterschaft im nahen Umfeld (Partner, Familie, Bekannte; statistisch die deutliche Mehrheit der Fälle) kommt oft noch Scham über die eigene Fehleinschätzung der Vertrauensperson hinzu.


    In der Täterforschung (v. a. forensische Psychologie, Arbeiten u. a. von David Lisak, Nicholas Groth) werden einige wiederkehrende Muster beschrieben. Täter neigen dazu, die Tat durch Verharmlosung, Rationalisierung und Schuldverschiebung auf das Opfer umzudeuten. Das verhindert, dass mental überhaupt ein Ereignis entsteht, für das man sich schämen müsste. Die Tat wird kognitiv so umgebaut, dass sie gar nicht als Grenzverletzung erscheint. Ein Teil der Täter (die Gruppe ist heterogener als oft dargestellt) zeigt eine reduzierte Fähigkeit, das Leid des Opfers als real und relevant zu verarbeiten, was der Scham als sozial-empathische Emotion die Grundlage entzieht. Ein Großteil der Forschung sieht Vergewaltigung primär als Ausdruck von Dominanz und Kontrolle, nicht (nur) sexuellem Verlangen. Wenn die Tat selbst als Machtdemonstration erlebt wird, kann sie sogar mit Stolz statt Scham verbunden sein. Wiederholungstäter (Lisaks Studien an nicht-inhaftierten College-Populationen sind hier einschlägig) begehen oft mehrfach Taten, ohne belangt zu werden. Das Ausbleiben äußerer Konsequenzen verstärkt das Ausbleiben innerer.


    Scham sitzt bei dieser Tat oft am moralisch falschen Ende. Die Person, die keine trägt, wäre moralisch die, die sie tragen sollte, und umgekehrt. Scham folgt nicht zuverlässig der tatsächlichen moralischen Verantwortung, sondern der psychischen Verletzlichkeit und sozialen Position der jeweiligen Person.


    mukti dein Punkt von weiter oben "Andere zu beschämen kann für die Betroffenen heilsam sein, wenn sie nicht an ihrer falschen Ansicht festhalten" lohnt sich, gerade im Extremfall zu prüfen. Denn wenn man sich die Täterforschung zu sexualisierter Gewalt anschaut, zeigt sich ein Problem, das deine These einschränkt.


    Bei einem erheblichen Teil der Täter funktionieren die kognitiven Verzerrungen (Verharmlosung, Schuldverschiebung, Rationalisierung), die David Lisak und andere forensische Forscher beschrieben haben, gerade so, dass Beschämung von außen gar nicht ankommt. Deine Bedingung "wenn sie nicht an ihrer falschen Ansicht festhalten" trifft hier also selten zu, und zwar nicht zufällig selten, sondern strukturell: Genau die Täter, bei denen Beschämung am nötigsten wäre, sind durch ihre eigenen Abwehrmechanismen am wenigsten erreichbar dafür.


    Gleichzeitig landet die Scham, wie ich oben skizziert habe, fast systematisch bei den Betroffenen statt bei den Tätern. Das ist eine Art Fehlleitung, die dein Modell von Beschämung als pädagogisch-heilsames Instrument nicht vorsieht: Es setzt voraus, dass Scham dorthin fließt, wo die moralische Verantwortung liegt. Empirisch tut sie das bei dieser Tätergruppe gerade nicht zuverlässig.

    Einmal editiert, zuletzt von GermanViking (9. Juli 2026 um 16:03)

  • Igor07
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    • 9. Juli 2026 um 17:21
    • #17

    OT, sorry.


    GermanViking -


    Entschuldige, deine Beiträge sind auf sehr hohem Level geschrieben. Woanders schreibst du:


    Zitat

    „Ich will dazu sagen, dass ich kein Geisteswissenschaftler bin und erst recht kein buddhistischer Gelehrter.“

    Das sind sehr viele Gebiete, die du erfasst. Es scheint so, als wäre ein echter Profi am Werk.


    Das habe ich Perplexity AI gefragt, also ich habe sie mit deinem Text gefüttert. Diese Maschine spuckte mir dann das aus:


    Zitat

    Dein Eindruck ist plausibel. Der Text wirkt stark nach KI-unterstützt oder zumindest stark „KI-typisch“ überarbeitet.

    Woran man das merkt

    • Dichte, saubere Struktur: Der Text baut sehr systematisch auf (Opferperspektive → kognitive Verzerrung → Täterforschung → normatives Fazit). Das ist typisch für generative Modelle.
    • Glatte, abstrahierende Sprache: Formulierungen wie „Scham sitzt … am moralisch falschen Ende“ oder „kognitiv so umgebaut“ sind prägnant, leicht generalisierend und stilistisch sehr „poliert“.
    • Fachliche Einordnung ohne Tiefenbelege: Namen wie Lerner, Lisak, Groth werden korrekt eingeordnet, aber ohne konkrete Studien, Jahreszahlen oder methodische Details – häufig ein Zeichen für zusammenfassende Generierung.
    • Ausgewogene Argumentation: Der Text balanciert Perspektiven (Opferpsychologie, Tätermechanismen, Kritik an Beschämung) sehr „lehrbuchartig“.
    • Fehlende persönliche Spur: Trotz emotionalem Thema bleibt der Ton distanziert-analytisch, ohne individuelle Erfahrung oder idiosynkratische Brüche.

    Aber: Kein sicherer Beweis

    Solche Merkmale können auch von:

    • gut informierten Menschen,
    • akademisch geschulten Schreibenden,
    • oder jemandem, der bewusst strukturiert formuliert,

    kommen.

    Na gut, was sagst du dazu?


    Bist du so gut informiert? Ich nicht, obwohl ich alles Mögliche studiert habe, manchmal sogar rund um die Uhr.

    Die Frage ist berechtigt, scheint mir.


    Und passt zum Thema hier bestimmt.


    Ich habe dann weiter gebohrt.


    Und:


    Zitat

    Gern. Ich gehe den Text entlang und markiere typische „KI-Signaturen“ sowie warum sie auffallen.

    1) Einstieg: dichte, abstrakte Verdichtung

    „Die Tat verletzt die Grenze zwischen was mit mir geschieht und was ich kontrolliere auf existenzielle Weise.“

    • Sehr komprimierte Abstraktion: mehrere Ebenen (Kontrolle, Selbst, Existenz) in einem Satz verschachtelt.
    • Klingt philosophisch generalisiert, ohne konkreten Anker (keine Szene, kein Beispiel).
    • KI neigt dazu, komplexe Konzepte in „glatten“ Meta-Sätzen zu bündeln.

    2) Metaphern mit hoher Prägnanz

    „Der Körper … wird zum Schauplatz einer fremden Handlung.“

    • Starke, saubere Metapher, die sofort funktioniert.
    • Menschen schreiben so auch – aber KI produziert solche universell passenden Bilder gehäuft und konsistent.

    3) Psychologischer Lehrbuchblock

    „Psychologisch neigen Menschen dazu … (Lerner, Belief in a Just World)“

    • Korrekte, aber generische Einordnung eines bekannten Konzepts.
    • Auffällig: keine Jahreszahl, keine Studie, nur Name + Schlagwort.
    • Typisch KI: „Namedropping light“ – richtig, aber nicht tief.

    4) Normative Verschiebung als klarer Mechanismus

    „Fragen nach Kleidung … verschieben den Fokus … und verstärken …“

    • Sehr klar kausal formuliert, fast modellhaft.
    • Keine Einschränkung, keine Varianz („kann“, „oft“ ist minimal vorhanden).
    • KI tendiert zu sauberen Ursache-Wirkung-Ketten, die real oft unordentlicher sind.

    5) Statistischer Einschub ohne Quelle

    „… statistisch die deutliche Mehrheit der Fälle“

    • Klassischer KI-Marker: quantitative Behauptung ohne Referenz.
    • Ein Mensch mit Fachhintergrund würde oft präzisieren oder relativieren.

    6) Täterforschung-Abschnitt (Lisak, Groth)

    • Wieder: korrekte Namen, generische Zusammenfassung.
    • Formulierungen wie:
      „Die Tat wird kognitiv so umgebaut …“
      → typische KI-Formel für psychische Mechanismen (passiv, systemisch, elegant).
    • „ein Teil der Täter … zeigt eine reduzierte Fähigkeit…“
      → vorsichtig formuliert, aber sehr glatt aggregiert.

    7) Mehrere sauber aufeinanderfolgende Thesen

    • Dominanz statt Sexualität
    • fehlende Empathie
    • Ausbleiben von Konsequenzen verstärkt Verhalten

    → Das wirkt wie ein idealtypischer Überblick, nicht wie jemand, der mit Unsicherheiten ringt.

    8) Lisak-Detail (College-Populationen)

    „Lisaks Studien an nicht-inhaftierten College-Populationen …“

    • Interessant: spezifischer als vorher, aber immer noch ohne Details.
    • KI kann solche halb-spezifischen Präzisierungen einstreuen, um Tiefe zu simulieren.

    9) Pointe / moralischer Kernsatz

    „Scham sitzt … am moralisch falschen Ende.“

    • Sehr prägnanter, zitierfähiger Satz.
    • KI generiert häufig solche „aphoristischen“ Verdichtungen als Höhepunkt.

    10) Meta-Diskussion mit sauberer Gegenargumentation

    Der Abschnitt zu „dein Punkt … Beschämung“:

    • Didaktisch perfekte Widerlegung:
      • These des Gegenübers
      • Bedingung („wenn sie nicht festhalten“)
      • empirische Einschränkung
      • strukturelles Problem
    • Wirkt fast wie Seminarargumentation.

    11) Schlüsselstelle (stark KI-typisch)

    „… nicht zufällig selten, sondern strukturell“

    • Klassische KI-Rhetorik:
      • erst relativieren („nicht zufällig“)
      • dann höhere Erklärungsebene („strukturell“)
    • Sehr sauber, fast lehrbuchhaft.

    12) Schlussargument

    „Es setzt voraus, dass Scham dorthin fließt … Empirisch tut sie das … nicht zuverlässig.“

    • Explizite Modellkritik (Voraussetzung → empirischer Befund → Widerspruch).
    • Das ist argumentativ stark – aber auch auffällig perfekt gebaut.
    Alles anzeigen

    Interessant, oder?:?

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

    Einmal editiert, zuletzt von Igor07 (9. Juli 2026 um 17:31)

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    • 9. Juli 2026 um 17:30
    • #18
    Igor07:

    Na gut, was sagst du dazu?


    Bist du so gut informiert? Ich nicht, obwohl ich alles Mögliche studiert habe, manchmal sogar rund um die Uhr.

    Die Frage ist berechtigt, scheint mir.

    Ich meine dazu das das eine Unverschämtheit ist, nicht einmal wert, das zu melden. Das kann jeder erkennen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Igor07
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    • 9. Juli 2026 um 17:34
    • #19
    Qualia:

    Das kann jeder erkennen.

    Was doch? :?:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • mukti
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    • 9. Juli 2026 um 17:36
    • #20
    GermanViking:

    mukti dein Punkt von weiter oben "Andere zu beschämen kann für die Betroffenen heilsam sein, wenn sie nicht an ihrer falschen Ansicht festhalten" lohnt sich, gerade im Extremfall zu prüfen. Denn wenn man sich die Täterforschung zu sexualisierter Gewalt anschaut, zeigt sich ein Problem, das deine These einschränkt.

    Ich habe nicht sexualisierte Gewalt angesprochen, es ging um jede Art des Fehlverhaltens. Wenn es einem aufgezeigt wird und man sieht es ein und bemüht sich es nicht zu wiederholen, ist das heilsam. So war das gemeint.

    Mit Metta, mukti.


  • Samadhi1876
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    • 9. Juli 2026 um 17:47
    • #21
    GermanViking:

    Schores Modell beschreibt Scham nicht primär als simultane Ko-Aktivierung, sondern als eine sehr schnelle Umschaltung von hoher sympathischer Erregung zu abrupter parasympathischer Dominanz, der charakteristische Einbruch oder Kollaps, der Scham körperlich als Erröten, Blickabwendung und Energieverlust erfahrbar macht. Es geht also um eine dysregulierte Sequenz, nicht um ein dauerhaftes gleichzeitiges Feuern beider Äste des autonomen Nervensystems.

    Dysregulierung: Vielleicht weil in dem Moment etwas nicht mehr natürlich fließen kann und gleichzeitig zwanghaft unterdrückt werden muss…


    Der moderne Sapiens von heute schämt sich heute ja auch für das was zu Urzeiten noch normal war:


    Den ganzen Tag überall nackt rum laufen oder „Sein Geschäft“ vor den Augen anderer verrichten…


    Heute trägt er auch „Masken“ um sein „wahres Gesicht“ zu verbergen, weil das viele in der Gesellschaft genauso tun, weil gegenseitiges Vertrauen und auch Sicherheit so sein zu dürfen wie man ist fehlen. Weil man mehr als früher im direkten Konkurrenzkampf mit anderen steht (angefangen zu Hause mit Geschwistern, dann Schule, dann Beziehungen und Arbeit).


    Größere Vergehen wie zB (zwanghaft) Diebstahl (statt natürlich um etwas zu bitten) und bloß nicht dabei erwischt werden und falls dann doch, sich ertappt fühlen beim Etwas vor anderen Verbergen wollen, dann zu erröten aus Scham, weil man etwas stehlen wollte aus eigenem Mangelgefühl.


    Deshalb wird auch oft lieber weiter gelogen als etwas zuzugeben.

    Auch weil Bestrafung und Ausschluss aus der Gemeinschaft drohen.

    Das eigene Ansehen lebenslang beschädigt zu empfinden:


    Solange von der Gegenseite auch kein Mitgefühl und Verstehen da sind:


    Vor Gericht wird man hingegen meist bloß gestellt.

    Es kommt auch auf die Art und Weise der Kommunikation und des Miteinanders an. Und warum muss man überhaupt stehlen, Masken tragen…


    Schaut mal alle aus dem Fenster falls ihr nicht gerade im Wald wohnt:


    Das hat der Sapiens alles gebaut…


    Der viel längere Zeit ein ganz anderes Leben gelebt hat als heute.

    Kein Tier scheint mir so „verrückt“ geworden zu sein wie der Sapiens.


    Und manche Krankheiten oder Neurosen oder Psychosen sind wahrscheinlich auch „Zivilisationskrankheiten“.

  • GermanViking
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    • 9. Juli 2026 um 17:52
    • #22

    mukti Stimmt, hast du nicht, hatte ich aber auch nicht behauptet. Den Punkt hatte void eingebracht und ich griff ihn auf und wendte ihn dann auf seine Aussagen als einen Extremfall an.


    Der Grenzfall zeigt aber etwas Grundsätzliches über die Formel selbst: Sie funktioniert nur, solange die beschämte Person überhaupt zur Einsicht fähig oder bereit ist. Bei den kognitiven Verzerrungen, die ich beschrieben hatte, ist genau diese Fähigkeit strukturell blockiert. Manche Menschen halten auch bei kleinen Verfehlungen hartnäckig an ihrer Rechtfertigung fest (Trotzreaktion, Gesichtsverlust-Vermeidung) und dann greift Beschämung ebenso wenig wie im Extremfall.

  • GermanViking
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    • 9. Juli 2026 um 17:58
    • #23

    Samadhi1876 Punkt zur Dysregulierung trifft für mich einen wichtigen Kern.


    Bei der Zivilisationskrankheit-These würde ich aber vorsichtig sein.


    Bei den wenigen noch untersuchbaren Jäger-und-Sammler-Gesellschaften (etwa bei den San in der Kalahari oder verschiedenen amazonischen Gruppen) gibt es durchaus kulturell kodierte Scham- und Bedeckungsregeln, nur eben andere als unsere. Oft bezogen auf bestimmte Körperzonen, bestimmte Situationen oder bestimmte Verwandtschaftsverhältnisse, nicht auf Nacktheit an sich. Es scheint kein bekanntes menschliches Kollektiv zu geben, das völlig ohne jede Scham- oder Sittenregel lebt.


    Das spricht eher dafür, dass Scham als solche eine sehr alte, wahrscheinlich sogar transkulturell universelle menschliche Grundausstattung ist (die Entwicklungspsychologie, die Anna Panna-Sati weiter oben zitiert hat, stützt das ja auch), während sich nur die konkreten Inhalte dessen, wofür man sich schämt, kulturell stark unterscheiden.


    Verhaltensauffälligkeiten, die menschlichen Neurosen und Zwangsstörungen ähneln, sind bei Tieren in unnatürlichen Haltungsbedingungen (Zoos, Massentierhaltung, Labortiere) gut dokumentiert. Wenn ein Lebewesen aus seinem angestammten sozialen und ökologischen Kontext herausgerissen wird, entstehen Fehlanpassungen.

  • mukti
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    • 9. Juli 2026 um 18:43
    • #24
    GermanViking:

    Der Grenzfall zeigt aber etwas Grundsätzliches über die Formel selbst: Sie funktioniert nur, solange die beschämte Person überhaupt zur Einsicht fähig oder bereit ist. Bei den kognitiven Verzerrungen, die ich beschrieben hatte, ist genau diese Fähigkeit strukturell blockiert. Manche Menschen halten auch bei kleinen Verfehlungen hartnäckig an ihrer Rechtfertigung fest (Trotzreaktion, Gesichtsverlust-Vermeidung) und dann greift Beschämung ebenso wenig wie im Extremfall.

    Ja, ohne Bereitschaft oder Fähigkeit zur Einsicht hilft die Ermahnung nicht. Aufgrund der kognitiven Verzerrung (falsche Ansicht) schämt man sich nicht seines Fehlverhaltens.

    Mit Metta, mukti.


  • Samadhi1876
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    • 9. Juli 2026 um 20:35
    • #25

    Mir sind im ganzen Leben


    Noch keine „Maskenträger“ begegnet

    Einschließlich mir selbst


    Außer Kindern:

    Die oft noch viel offener, natürlicher und ungezwungener sind


    Aber irgend wann auch damit anfangen

    „Masken“ zu tragen


    Oder dazu gezwungen werden


    Und irgend wann vergessen haben

    Wann und wo und warum


    Sie sich selbst eine aufgesetzt haben oder mussten

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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