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Das Leid der Anderen

  • void
  • 23. April 2026 um 21:16
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  • void
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    • 23. April 2026 um 21:16
    • #1

    Wenn ich an Dukkha denke, dann denke ich zunächst an mein Leiden und da hilft mir der Buddhismus damit umzugehen.


    Aber wenn es Leuten um mich herum auf einmal ganz schlecht geht - wenn ihre Welt zusammenbricht - dann habe ich zunächst den Impuls für sie da zu sein und ihnen zu helfen, was nur bis zu einem gewissen Punkt geht. Aber dann auszuhalten, dass ich Leute um mich zerbrechen und ich nichts tun kann. fällt mir schwer. Mir kommt es so vor als kommt da zu einem Mangel an Geduld noch etwas anderes dazu.

    Aber ich kann es nicht recht fassen.


    Es ist mehr die Hilflosigkeit. Denn für mich selber kann ich ja z.B "Widriges annehmen". Für den anderen nicht. Versteht ihr was ich meine?

  • Monikamarie
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    • 23. April 2026 um 21:39
    • #2

    Nein, leider verstehe ich nicht, was Du meinst, void .


    Oder

    Vielleicht fehlt zur Geduld die Einsicht, dass Du niemanden "retten" kannst, also die Hilflosigkeit anzunehmen.

    Auch der Buddha konnte das nicht.

    _()_:heart:Monika

  • Igor07
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    • 23. April 2026 um 23:26
    • #3

    Aber wir können einfach nichts dafür. Das ist menschlich, denn jeder wird früher oder später seine eigenen Freunde, Eltern oder sehr nahestehenden Menschen verlieren. Manchmal wollten wir selbst uns aufopfern, denn wenn das eigene Kind leidet, ist das kaum auszuhalten. Man möchte dieses Leiden lieber selbst auf sich nehmen.

    Leider geht das nicht – so ist das Leben. Das Leiden, egal wie man den Begriff definiert, macht keinen Unterschied zwischen mir selbst und den anderen. Auf das Leben, so wie es ist, gibt es keinen Verlass; wir müssen früher oder später alles hinter uns zurücklassen.

    Dieser Schmerz ist kaum auszuhalten. Und dennoch hoffen wir, dass ein Wunder geschehen kann.

    Issa, einer der großen Haiku-Dichter Japans, schrieb einmal:

    Zitat

    „Nichts als Tautropfen
    in dieser Traumwelt –
    und dennoch, und doch …“

    In diesem „Dennoch“ kann man den Schmerz spüren, aber zugleich auch den Ausdruck der Schönheit, die in allem verborgen liegt – trotz allem, was wir verlieren. Sie leben alle in unseren Herzen weiter. Immer.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    • 24. April 2026 um 06:46
    • #4

    Ich kenne das leider sehr gut.

    Und den Impuls nahestehenden Menschen helfen zu wollen auch.

    Das Gefühl der Hilflosigkeit drückt es sehr gut aus.

    Auch Mitleid im Sinne von das Leid des anderen spüren.

    Oft möchte ich dem Impuls zu helfen nachgeben und Hilfe anbieten ist ja eigentlich etwas sehr positives.

    Leider nur fruchtbar solange der andere bereit ist Hilfe anzunehmen . Da bleibt einem oft nur übrig es auszuhalten und die
    Person in seine positiven Gedanken mit aufzunehmen.

    Mitgefühl ist zwar schmerzhaft aber auch menschlich.

  • JoJu91
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    • 24. April 2026 um 07:45
    • #5
    void:

    Mir kommt es so vor als kommt da zu einem Mangel an Geduld noch etwas anderes dazu.

    Vielleicht ein Mangel an Vertrauen.


    Wirklich helfen im Sinne von Heilen kann nur ein geheilter Fall.

    Zum Beispiel bei einem Drogensüchtigen ein geheilter anderer Drogensüchtiger.

    Bei einem Kriminellen ein "geheilter" anderer Krimineller.


    Wir können darauf vertrauen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wird ein anderer dem anderen helfen, dem wir selbst nicht helfen können.


    :cry:

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    • 24. April 2026 um 09:08
    • #6

    Zwei inzwischen Verstorbene.

    Mein Mann und ich haben im vollen Bewusstsein der möglichen emotionalen Folgen für uns das Versprechen gegeben: Niemals, solange wir zu einer Entscheidung fähig sind, diese Entscheidung des anderen infrage zu stellen und den anderen nicht zu bedrängen.

    Erst als er zu Hause fast ins Koma gefallen ist, sagte er nur: Krankenwagen.


    Mein Bruder hatte nicht nur Krebs, der palliativ behandelt wurde. Wir beide wussten das er sterben würde, und ich habe ihn nie bedrängt, doch den Anweisungen der Ärzte zu folgen. Er bestimmte seinen Tod durch die Vereinbarung mit dem Arzt, dass er noch eine Chemo anfangen wollte. Wir drei wussten das es sein Tod sein würde. Ich habe ihn in den letzten zwei Wochen seines Lebens nicht mehr gesehen oder mit ihm gesprochen. Er wollte sich nicht auch noch mit seinem VaterMutter auseinandersetzen.


    Meine Hilflosigkeit war also nicht zu befreien, (in Helfen verwandeln), denn ich habe mich an den sich bewusst entscheiden könnenden gebunden. Nicht ich kann über andere bestimmen. Ich kann zeigen: Komm und sieh selbst. Doch wenn der andere sieht und sich für das entscheidet, was er gesehen hat, habe ich nicht das Recht, ihm zu erklären, was er gesehen hat.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • mukti
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    • 24. April 2026 um 10:35
    • #7

    In jedem Moment leiden unzählige Wesen und wir können nichts dagegen tun. Daran denken wir gewöhnlich nicht und wenn wir dann direkt damit konfrontiert werden, etwa weil ein nahestehender Mensch leidet, sind wir sehr betroffen.


    Da hilft es mir, den Blick zu weiten auf die Natur dieser Welt, mit der Besinnung auf die erste edle Wahrheit: Dasein ist untrennbar mit Leid verbunden. Ich merke, dass ich vor dieser Wirklichkeit gerne die Augen verschließe und wie sie mich dann immer wieder unvorbereitet einholt. Dann wird mir die Dringlichkeit bewusst, die vier edlen Wahrheiten zu erkennen und danach zu leben, damit ich mir selber und anderen wirklich helfen kann.

    Mit Metta, mukti.


  • Monikamarie
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    • 24. April 2026 um 11:00
    • #8

    Den Schmerz, den ich fühlte, als mein Mann unvermutet starb, war größer als ich es je erwartet habe.


    Ich habe noch nie einen so großen Verlustschmerz gespürt wie da, denn er war zuhause und ich war hilflos, wusste nicht, was geschieht - wie gelähmt. Im Nachhinein habe ich nicht verstanden, dass ich so "ohnmächtig" war.


    Heute weiß ich, dass ich keine Kontrolle über etwas habe, dass geschehen muss.


    Sorry, aber alles Geschnacke darüber - ohne eigene Erfahrung - ist Theorie und blabla.


    Hinzufügen möchte ich noch, dass mein Mann offensichtlich nicht gelitten hat, er war völlig entspannt und ungewöhnlich lieb - aber ich. Und ich war völlig verwirrt, da nützte mir auch die jahrzehntelange Praxis nix.


    Den Schmerz konnten nur die wenigsten nachempfinden. Das war mir bewusst, denn ich wusste es ja zuvor auch nicht.


    Für meinen Mann habe ich mich gefreut, ein sanfter Tod zuhause im eigenen Bett.


    Ich fühle mit Dir void

    _()_Monika

    2 Mal editiert, zuletzt von Monikamarie (24. April 2026 um 11:11)

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    • 24. April 2026 um 11:17
    • #9
    mukti:

    In jedem Moment leiden unzählige Wesen und wir können nichts dagegen tun. Daran denken wir gewöhnlich nicht und wenn wir dann direkt damit konfrontiert werden, etwa weil ein nahestehender Mensch leidet, sind wir sehr betroffen.

    Ja, darum geht es im Buddhismus.

    Buddha sagt aber: Komm und sieh selbst, ich zeige dir dein Leiden.


    Ich muss mein ganz eigenes Leiden erkennen, denn nur das zeigt Buddha. Wenn ich mein Leiden sehe, dann kann nur ich es beenden.

    Beende ich mein Leiden, gibt es kein Leiden mehr in der Welt, das ich nicht zeigen kann.

    Mehr kann ich nicht tun, das ist Mitgefühl, denn dem, dem ich sein Leiden zeige, muss es selbst sehen und selbst beenden. Ich kann es nicht für ihn tun, das wäre Mitleid.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Igor07
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    • 24. April 2026 um 12:30
    • #10
    mukti:

    mit der Besinnung auf die erste edle Wahrheit: Dasein ist untrennbar mit Leid verbunden.

    Solche Einstellungen betrachte ich rein persönlich als eine verallgemeinernde Vereinfachung. Warum lächeln dann so viele Lehrer der Waldkloster-Tradition und andere „erwachte“ Wesen und wirken so verdammt glücklich? Bei mir stützt die Statue des lachenden Buddha sogar meinen Balkon ab.

    Wenn man annimmt, dass ein junger und gesunder Mann so denkt, dass absolut alles nur Leid ohne Ende ist, würde er wahrscheinlich vor dem Leben fliehen und nichts unternehmen.

    Jemand, der schüchtern oder ängstlich ist, depressiv und so weiter, könnte den Buddhismus als Lösung betrachten. Das wäre jedoch fatal, denn dieser Mensch könnte dadurch das Leben verpassen.

    Vor Kurzem habe ich einen französischen Film gesehen, in dem eine junge schwangere Frau an Krebs sterben sollte. Trotzdem ist sie dankbar für jeden Tag und jede Stunde, die sie noch hat und in denen sie ihr neugeborenes Kind sehen kann.

    Leidet sie? Bestimmt. Aber sie ist gleichzeitig glücklich und dankbar.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Anna Panna-Sati
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    • 24. April 2026 um 13:36
    • #11
    void:

    Aber wenn es Leuten um mich herum auf einmal ganz schlecht geht - wenn ihre Welt zusammenbricht - dann habe ich zunächst den Impuls für sie da zu sein und ihnen zu helfen, was nur bis zu einem gewissen Punkt geht

    Lieber void , diesen Impuls kann wohl jeder gut nachvollziehen - er gründet auf Empathie/Mit--und Nachempfinden des Leides ("Mitleid) und dem daraus spontan aktivierten Mitgefühl, also dem Wunsch, dass es dem Leidenden gut/besser gehen möge und er befreit sein solle vom Leiden.

    void:

    Aber dann auszuhalten, dass ich Leute um mich zerbrechen und ich nichts tun kann. fällt mir schwer.

    Leute "um sich" zerbrechen zu sehen, tut umso mehr weh, je größer die Identifikation mit diesen Menschen ist und je mehr sich die eigene Hilflosigkeit zeigt, was besonders bei hohem Anspruch an sich selbst (und das "Helfer-Potenzial"...) zu eigenem Dukkha führt.


    Vor 2 Jahren "begleitete" ich eine Verwandte meines Mannes und Freundin während ihrer Krebserkrankung und fühlte mich häufig extrem ohnmächtig... Nur meine Freundin versicherte ein ums andere Mal, dass sie sich freue über mein Für-sie-da-Sein und sie es als hilfreich und unterstützend empfinde.

    Ich begriff, dass sie sehr viel Kraft hatte und die Krankheit eben auch diese Selbstheilungskräfte freisetzte...

    void:

    Mir kommt es so vor als kommt da zu einem Mangel an Geduld noch etwas anderes dazu.

    JoJu91 brachte bereits das Vertrauen ins Spiel

    - Vertrauen in Kraft und Selbstheilungspotenziale des Anderen (und auch anderer Helfer)

    - Vertrauen in deine Kräfte und dein heilsames Mitgefühl


    Ich glaube, aufgrund meiner Erfahrungen, dass auch Demut - im Sinne der Erkenntnis der eigenen Grenzen einer Einflussnahme und der Akzeptanz der Unabänderlichkeiten -

    gefordert ist, welche sogenannten "Macher-Typen" naturgemäß schwerer fällt, als schneller Resignierenden/Akzeptierenden...


    Nicht zuletzt ist die Entwicklung von Gleichmut heilsam, der Liebende Güte und Mitgefühl unterstützt und stabilisiert.

    void:

    Es ist mehr die Hilflosigkeit. Denn für mich selber kann ich ja z.B "Widriges annehmen". Für den anderen nicht

    "Widriges annehmen" heißt in diesem Fall, hier und jetzt deine Hilflosigkeit anzunehmen, denn das Leid Anderer (hilflos, machtlos) mitansehen zu müssen, erzeugt ja bei dir neues Dukkha und dieses Leid könnte sich - in irgendeiner Form - wiederum auch dem Anderen mitteilen und ihn womöglich (zusätzlich) belasten....


    Mir half und hilft es oft, mich gezielt innerlich zu distanzieren, wenn ich merke, dass zu großes Mitleid sich Bahn brechen, Verzweiflung hochkommen will - was ja alles unheilsame und Leid vermehrende Folgen hat.

    Dazu mache ich mir dann klar, dass es das Karma jener Person, jenes Wesens, ist, was sich gerade auswirkt (und karmische Resultate zu beseitigen liegt nicht in meiner Macht).

    Gelassen akzeptieren, was nicht zu ändern ist...:shrug:


    Man tut also, was man kann,

    - ohne zu starke Identifikation

    - ohne den Anspruch "heilen" zu können

    - durch Zuhören und für den Anderen da sein

    - durch Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Anderen und in das Leben überhaupt

    - durch Kultivieren von Demut (Bescheidenheit, Anerkennung eigener Grenzen) und Gleichmut


    Zum Schluss möchte ich noch eine Erfahrung schildern, die ich selbst letzten Sommer machte, als es mir ziemlich mies ging (also aus der Perspektive des/der Leidenden) und die veranschaulicht, wie schädlich "Mitleid" sein kann:


    Anfang letzten Jahres erhielt ich, mit 62 Jahren, die Diagnose einer schweren, unheilbaren Autoimmunerkrankung ("GPA") und wurde wochenlang im Krankenhaus immunsuppressiv behandelt (Cortison ohne Ende + Chemotherapie).

    Die Auswirkung: Ich überlebte :D, allerdings mit zunächst stark verändertem Körper, das Gesicht aufgedunsen vom Cortison, welches sehr langsam reduziert wurde.


    Drei Monate später besuchten mich meine Eltern und meine Brüder zu Hause. Ich musste - wegen Infektionsgefahr - eine FFP 2-Maske tragen, nahm diese aber auf Wunsch der Familie ganz kurz ab, als wir uns begrüßten....

    Das Gesicht meines 90-jährigen (!) Vaters, als er mich ansah, werde ich wohl nie wieder vergessen: Schmerzlich verzogen, mühsam Tränen unterdrückend, wandte er sich (wie angeekelt) von mir ab und stieß dabei halblaut - mehr zu sich selbst - hervor: "Sie ist ENTSTELLT!".


    Leider konnte ich nicht verhindern, dass sich bei mir in diesem Moment (lange ungeweinte) Tränen lösten, ja, genau, ich war ENTSTELLT! :sick:

    Diese "Hamsterbacken" hatte ich bis dato einfach hingenommen, sogar darüber gewitzelt - erst durch den Schmerz im Gesicht meines Vaters wurde mir so richtig bewusst, wie es auf Andere wirkte (und dass es mir wohl DOCH auch etwas wehtat)....

    Mein Bruder "rettete" mich, indem er mich spontan in den Arm nahm (Mitgefühl!), wodurch ich mich schnell wieder "fing" und (nicht ohne einen gewissen trotzigen Triumph!) sagte: "Aber ich LEBE noch!!!"


    Am Ende versuchte ich dann, meinen Vater zu trösten (:, der sichtlich litt - auch unter der Tatsache, dass ich einige Zeit einen Rollstuhl benötigte - es sei "furchtbar" für IHN, SEINE "Tochter im Rollstuhl zu sehen"...

    (Während ich den Rolli als nützliches Werkzeug betrachtete und dankbar war, damit auch in die Natur hinauszukommen.)


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

    Einmal editiert, zuletzt von Anna Panna-Sati (24. April 2026 um 13:44)

  • mooncake
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    • 24. April 2026 um 17:59
    • #12
    void:

    Aber wenn es Leuten um mich herum auf einmal ganz schlecht geht - wenn ihre Welt zusammenbricht - dann habe ich zunächst den Impuls für sie da zu sein und ihnen zu helfen, was nur bis zu einem gewissen Punkt geht. Aber dann auszuhalten, dass ich Leute um mich zerbrechen und ich nichts tun kann. fällt mir schwer. Mir kommt es so vor als kommt da zu einem Mangel an Geduld noch etwas anderes dazu.

    Aber ich kann es nicht recht fassen.

    In diesen Situationen lernt man sich selbst kennen, die eigene Ungeduld, das Mitleid und die Hilflosigkeit angesichts des Leides der anderen. Dadurch entsteht eigenes Leid.

    void:

    Es ist mehr die Hilflosigkeit. Denn für mich selber kann ich ja z.B "Widriges annehmen". Für den anderen nicht. Versteht ihr was ich meine?

    Ich finde das schon die Antwort auf Deine Frage. DU musst in diesem Fall Widriges annehmen. Die Art und Weise wie Du auf das Leid Deiner Mitmenschen blickst, ist quasi nur ein Teil von Dir selbst. Denn Du kannst nur vermuten, wie die anderen unter ihrer Situation leiden.


    Mitgefühl und Geduld für mich selbst, zu erkennen wie ich meine eigenen Vorstellungen mit dem Leid der anderen vermische, den eigenen Geist zu schulen hat mir immer in solchen Situationen geholfen. Ausserdem war ich dann so viel ich konnte für die Betroffenen da.


    Und - das ist hier ein säkulares Forum, aber - mir halfen am meisten die täglichen Rituale und Bitten wenn ich schon sonst nichts ausrichten konnte. Das hat mir oft Abstand von meinem Selbst gegeben. OM MANI PEME HUM


    Alles Gute! _()_

  • void
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    Zen
    • 25. April 2026 um 10:38
    • #13
    Anna Panna-Sati:

    Zum Schluss möchte ich noch eine Erfahrung schildern, die ich selbst letzten Sommer machte, als es mir ziemlich mies ging (also aus der Perspektive des/der Leidenden) und die veranschaulicht, wie schädlich "Mitleid" sein kann:


    Anfang letzten Jahres erhielt ich, mit 62 Jahren, die Diagnose einer schweren, unheilbaren Autoimmunerkrankung ("GPA") und wurde wochenlang im Krankenhaus immunsuppressiv behandelt (Cortison ohne Ende + Chemotherapie).

    Die Auswirkung: Ich überlebte :D, allerdings mit zunächst stark verändertem Körper, das Gesicht aufgedunsen vom Cortison, welches sehr langsam reduziert wurde.


    Drei Monate später besuchten mich meine Eltern und meine Brüder zu Hause. Ich musste - wegen Infektionsgefahr - eine FFP 2-Maske tragen, nahm diese aber auf Wunsch der Familie ganz kurz ab, als wir uns begrüßten....

    Das Gesicht meines 90-jährigen (!) Vaters, als er mich ansah, werde ich wohl nie wieder vergessen: Schmerzlich verzogen, mühsam Tränen unterdrückend, wandte er sich (wie angeekelt) von mir ab und stieß dabei halblaut - mehr zu sich selbst - hervor: "Sie ist ENTSTELLT!".


    Leider konnte ich nicht verhindern, dass sich bei mir in diesem Moment (lange ungeweinte) Tränen lösten, ja, genau, ich war ENTSTELLT! :sick:

    Diese "Hamsterbacken" hatte ich bis dato einfach hingenommen, sogar darüber gewitzelt - erst durch den Schmerz im Gesicht meines Vaters wurde mir so richtig bewusst, wie es auf Andere wirkte (und dass es mir wohl DOCH auch etwas wehtat)....

    Mein Bruder "rettete" mich, indem er mich spontan in den Arm nahm (Mitgefühl!), wodurch ich mich schnell wieder "fing" und (nicht ohne einen gewissen trotzigen Triumph!) sagte: "Aber ich LEBE noch!!!"


    Am Ende versuchte ich dann, meinen Vater zu trösten (:, der sichtlich litt - auch unter der Tatsache, dass ich einige Zeit einen Rollstuhl benötigte - es sei "furchtbar" für IHN, SEINE "Tochter im Rollstuhl zu sehen"...

    (Während ich den Rolli als nützliches Werkzeug betrachtete und dankbar war, damit auch in die Natur hinauszukommen.)

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    Oh, klingt ja schrecklich. Wenn sich Leute, von denen man eigentlich Liebe erwartet erstmal "angeekelt" weg drehen, dann multipliziert das ja das Leid noch. Daraus folgt dann dann, das man erstmal das Leid dass das "Leid des anderen" in einem auslöst,annehmen können sollte um ihm dann geduldig und freundlich gegenüber treten zu können.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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