Hallo, liebe Freunde (m, w,d),
zunächst möchte ich - so kurz wie möglich - die Begriffe definieren, wie ich sie verstehe, um Missverständnisse zu vermeiden:
Ausgrenzung (Exklusion)
-ist das aktive Ausschließen von Menschen aus einer Gemeinschaft durch diese Gruppe (deren Leitung, einige oder alle Mitglieder), ein gewolltes Desintegrieren aus verschiedenen Gründen (u.a. Diskriminierung aufgrund bestimmter Merkmale wie Herkunft, Aussehen, Behinderung, Alter, usw. oder weil der/diejenige(n) sich störend, ggf. spaltend, auf die Gruppe auswirkt oder, oder...).
-Eine Gesellschaft kann beispielsweise Alte, Kranke, Sterbende, "Andersartige" (solche, die nicht "ins Schema passen"), "Störenfriede" ausgrenzen.
(Indem man andere ausgrenzt, grenzt man sich gleichzeitig - als Gruppe - ab.)
Abgrenzung (Distinktion)
-(Meist freiwilliger und "gesunder") Akt der Grenzziehung/setzung einer individuellen Person oder auch einer Gruppe, gegenüber einer anderen Person oder Gruppe, aufgrund von Unterschieden, die unvereinbar - z.B. mit eigenen Werten - erscheinen oder bei (absichtlich oder unabsichtlich) grenzüberschreitendem Verhalten der Anderen.
Im Palikanon kommen Ab- und Ausgrenzung öfter vor, ein Sutta schildert m.E. besonders drastisch, wie der Buddha einen abtrünnigen Mönch aus dem Sangha ausschließen ließ:
ZitatAlles anzeigenA.VIII.10 Das Unkraut - 10. Kāraṇḍava Sutta
Einst weilte der Erhabene bei Campā, am Ufer des Gaggarā-Teiches.
Damals nun wiesen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens zurecht.
Von den Mönchen wegen seines Vergehens zurechtgewiesen, schweifte aber jener von einem Gegenstand auf den anderen ab, lenkte das Gespräch auf unzugehörige Dinge und legte Zorn, Groll und Mißtrauen an den Tag.
Und der Erhabene sprach zu den Mönchen:
"Jaget diesen Menschen fort, ihr Mönche, verstoßet ihn! Fortzuweisen, ihr Mönche, hat man einen solchen Menschen! Wie darf wohl jener Bursche (paraputto; wtl: Sohn anderer, d.i. ein Unzugehöriger) euch beleidigen?
Da, ihr Mönche, erscheint einer beim Gehen, Kommen, Hinblicken, Wegblicken, beim Beugen und Strecken der Glieder und beim Tragen von Gewand und Almosenschale genauso wie die anderen guten Mönche, solange eben die anderen Mönche sein Vergehen nicht bemerken.
Sobald aber die Mönche sein Vergehen bemerken, da wissen sie von ihm, daß er
den Asketen Schande bereitet, daß er wie Spreu ist unter den Asketen, wie Abfall.
Ihn als solchen erkennend, stoßen sie ihn aus. Und warum?
Damit er die anderen guten Mönche nicht verderbe.
Angenommen, ihr Mönche, es entstünde da in einem reifen Gerstenfelde ein verderbliches, schädliches Unkraut, dessen Wurzeln, Halme und Blätter aussähen wie die der übrigen guten Gerste, solange sich eben die Ähre noch nicht gebildet hat. Sobald sich aber seine Ähre bildet, da merkt man, daß es ein verderbliches, schädliches Unkraut ist; und dies merkend, reißt man es mit der Wurzel aus und wirft es außerhalb des Gerstenfeldes. Und warum?
Damit es eben die andere gute Gerste nicht verderbe. ......
......
....Die Schlechtgesinnten weiset fort,
die schlechtem Wandel zugetan!
Selbst rein, sollt mit den Reinen ihr
gemeinsam leben, klar bewußt.
In Eintracht mögt ihr weise dann
ein Ende machen allem Leid."
Da stellt sich schon die Frage, wie diese Worte zu einer grundsätzlichen Haltung von liebender Güte (Metta/Maitri) und Mitgefühl (Karuna) des Erwachten passen....
Der Buddha setzt hier klare Prioritäten - der Schutz des Sangha vor "Unreinheit" steht klar über dem Mitgefühl für den Ausgegrenzten.
Bilden sich Gruppen, werden meist zeitnah Regeln (des Zusammenlebens u.a.) beschlossen, denen sich die Gruppenmitglieder zu unterwerfen, die sie zu befolgen haben, damit ein harmonisches Miteinander ermöglicht wird. Durch Gruppendynamik kann es zu Gruppendruck kommen, der eine Anpassung von "Quertreibern" quasi durchsetzt oder deren Ausschluss aus der Gruppe erzwingt.
Mit das Schwerste ist, Ausgeschlossene wieder einzubeziehen, sich mit "Störenfrieden" zu arrangieren (denn sie stören den Frieden...).
Folgen von ABgrenzung (einer Einzelperson, z.B. aus Selbstschutz/Bewahrung psychischer Gesundheit, usw.):
- Es könnte Menschen kränken
- Menschen wenden sich ab - Verlust (ev. falscher?) Freunde
- ev. Ausgrenzung aus bestimmten Gruppen (Cliquen...)
- "ungutes" Gefühl bei der sich abgrenzenden Person selbst
Folgen von AUSgrenzung (Andere nicht dazugehören lassen):
- Spaltung der Gruppe (z.B. wegen unterschiedlicher Auffassungen/Meinungen zur Ausgrenzung)
- Leiden beim Ausgegrenzten (seelische Verletzung)
- Trennung statt Einheit
- Widerspruch zu Lehren von Liebe, Einheit, Versöhnung, Frieden....
- Wo endet (vernünftig begründete) Ausgrenzung und fängt destruktives Mobbing an?
Ich denke, fast jeder von uns hat schon mal, in irgendeiner Form, Ausgrenzung erfahren müssen - oft als Kind - und es als sehr schmerzlich erlebt.
Bei mir ist die Erinnerung an ein Ereignis im Gymnasium, 6. Klasse, bis heute im Gedächtnis geblieben, weil es mir vor Augen führte, dass ich (11J.) in der Illusion gelebt hatte, von meinen Schulkameraden, der Klasse, gemocht zu werden, diese mich aber tatsächlich ablehnte (Ich war die Jüngste, spielte den "Klassenclown" und fehldeutete das Lachen der MitschülerInnen als Sympathie für mich):
Eine (soziologisch interessierte ) Deutschlehrerin ließ die Klasse abstimmen, ob ich in einem Diktat einen Buchstaben groß oder klein geschrieben hätte, wobei die Entscheidung bedeutete, dass sich die Note verbessern würde, wenn anerkannt worden wäre -was ich nachdrücklich (und ehrlich!) versicherte-, dass ich den Buchstaben korrekt GROß geschrieben hatte.
Ohnmächtig und wirklich schockiert, musste ich jedoch erleben, wie die überwiegende Mehrheit meiner MitschülerInnen sich "gegen mich" entschied.... Meine beste Freundin (das werde ich ihr nie vergessen
) ging daraufhin nach vorne und versuchte noch mal, die Lehrerin zu überzeugen - mit sachlicher Argumentation anhand meines Schriftbildes - vergeblich - ich erhielt die schlechtere Zensur.....
Daraufhin grenzte ich mich nun meinerseits komplett von der Klasse ab, befasste mich nur noch mit meinen zwei engsten Freundinnen.... Da ich gleichzeitig auch immer häufiger die schulischen Leistungen verweigerte und rotzfrech den Lehrern gegenüber auftrat, dauerte es nicht lange und man legte meinen Eltern nahe, mich von der Schule zu nehmen, was sie - leider erst 1 Jahr später, als ich "sitzenblieb" - taten. Großes Drama- auch für sie....
Angesichts des Leides, das durch Abgrenzung und Ausgrenzung hervorgerufen werden kann, erheben sich viele Fragen:
- (Wie) lässt sich Ausgrenzung vermeiden? (Einbeziehung statt Ausgrenzung?)
- Wann ist Ausgrenzung geboten?
- Grenzen sich auch Gleichmütige/Erwachte (gelegentlich) ab?
- Was, wenn (gesunde) Abgrenzung zur Ausgrenzung führt (z.B. durch Unterstellung von Dünkel: "Die/der hält sich wohl für etwas Besseres!")
Klar ist wohl, dass unter bestimmten Umständen auch fehlende Ab- oder Ausgrenzung Leiden verursachen kann.
Aber eine Form der Ausgrenzung, die in manchen Zendos praktiziert wird, fällt mir sehr schwer zu akzeptieren:
Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, auf einem Kissen oder Bänkchen zu meditieren, müssen - getrennt von den übrigen Sangha-Mitgliedern im Meditationsraum - alleine, in einem Vorraum, auf ihrem Stuhl sitzen....![]()
Überhaupt:
Grenzt "der" Buddhismus Menschen aus? Und, wenn ja, wo, wann und warum?
Was für Erfahrungen, An- und Einsichten habt IHR bezüglich des Themas?
(Bitte korrigiert mich auch, wenn ich hier Fehlerhaftes geschrieben haben sollte. )
Liebe Grüße, Anna