Hallo, ihr Lieben,
im Buddhismus geht es letztendlich um das Erkennen der Ursachen des Leidens, das Erlöschen dieser durch Einsicht und Übung und die daraus resultierende Beendigung/Erlöschung des Leidens.
Wer ist es, der da leidet?
ZitatAlles anzeigenGlückselig, wer durch Buddhas Wort belehrt,
Befriedigt weilt in Abgeschiedenheit!
Glückselig, wer stets liebevoll verkehrt
Mit aller Welt, frei von Gehässigkeit!
Glückselig, wem kein weltliches Begehren
Und keine Sinnenlust den Frieden stört!
Das höchste Glück jedoch wird dem gehören,
Bei dem der Ich-Wahn ganz hat aufgehört."
(Udana II.2.1)
Im Laufe der buddhistischen Praxis offenbart sich dem Übenden, im günstigsten Fall, die
" im höchsten Sinne gültige Wahrheit" (Paramattha-sacca), derzufolge eine Person, eine Persönlichkeit, ein "Ich", nicht wirklich existiert, sondern nur die, von Moment zu Moment, in den 5 Daseinsgruppen stattfindenden geistigen und körperlichen fortlaufenden Prozesse, die bedingt und wechselseitig abhängig sind.
In der relativen (konventionellen) Realität leben aber alle (Unerleuchteten, Nicht-Erwachten) mit dem
"Ich-Gefühl" (das unser Gehirn, sicherlich aus guten Gründen, erzeugt) als Personen, empfinden sich und andere Menschen (sogar Tiere) als Persönlichkeiten mit verschiedenen Charakteren...und sind identifiziert mit den 5 Daseinsfaktoren (deren Zusammenwirken ja die Personen "erschafft"), von denen der Buddha sagt:
..."Und das sollte mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.' " (u.a. MN 62)
Es ist anscheinend "natürlich", dies (als unerleuchteter "Weltling") gegenteilig zu empfinden, aber eben, u.a. durch die entstehenden Anhaftungen, auch leidhaft -
und leiden wollen wir ja gerade nicht. ![]()
Selbstbezogenheit -besonders im Übermaß- unheilsam, zeichnet sich durch einen Fokus auf das "Ich" aus - die "eigene Person" steht dabei im Mittelpunkt der Wahrnehmung, des Interesses und der Handlung, während das Einnehmen der Perspektive Anderer i.d.R. schwerfällt, temporär auch unmöglich ist.
Allgemein spricht man von Egozentrik, wobei diese meist unbewusst bleibt, was eine u.U. gewünschte Reduktion entsprechend erschweren kann.
Im Gegensatz dazu gilt Egoismus als bewusste Entscheidung für die Eigennützigkeit, der eigene Vorteil zählt, die Interessen Anderer sind sekundär...
Gröbere Formen sind leicht (von Anderen, wie sich selbst) zu bemerken - da gönnt sich jemand immer - auch im übertragenen Sinne - die größten Tortenstücke, die feineren, subtilen Arten fallen weniger auf, wirken gar altruistisch: Jemand nimmt sich bewusst die kleinsten Tortenstücke, um sein Image als "selbstloser, großzügiger Mensch" zu pflegen, Andere zu beeindrucken und am Ende soziale Belohnungen (Ansehen, Sympathie,...) einzuheimsen...
Es stellt sich nun die Frage, inwieweit die buddhistische Praxis die (unbewusste) Selbstbezogenheit beeinflusst und man darf annehmen, dass durch die Übungen, z.B. Samatha -und Vipassana-Meditationen, Achtsamkeit, Reflektieren, Kontemplieren usw. vieles bewusst wird, an die Oberfläche gelangt und dann "bearbeitet" werden kann.
Für Außenstehende (Partner, Familie, Freunde,..) mag es, besonders, wenn viel Zeit investiert wird, so wirken, als sei der Übende jetzt noch mehr auf sich fokussiert - was auch in gewisser Weise zutrifft - aber es dient ja einem guten Zweck und dürfte sich mit der Zeit ohnehin ändern...
Wenn man an etwas krankt, sei es ein schmerzender Zahn oder eine psychische ("Ich")-Störung, und darunter leidet, wird man normalerweise (vermutlich eher unfreiwillig) - mehr oder weniger lange - um dieses Problem "kreisen", damit sich eine rettende Lösung für die schnellstmögliche Gesundung/Heilung findet.
Die "Buddha-Dharma-Medizin" schmeckt teilweise recht bitter....u.a., weil die Wahrheit(en), die Desillusionierungen halt auch schmerzen:
"Ich bin"....
- gar nicht - also ein "Fake", eine Täuschung?
- nur ein fortlaufender Prozess, bedingt entstanden
- ein "Elementehaufen" ...
Wer fragt das, wen kümmert das?
Nibbana/Nirvana ist die (dauerhaft) geänderte Sichtweise/Daseinssphäre -> kein Leiden mehr !
Keine Egozentrik, kein Egoismus - weil man das Ego quasi "losgeworden" ist?!
In diesem Forum schrieb mal jemand, man solle doch "das Ego nicht abschneiden, sondern nutzen" (vermutlich gemeint war wohl "für gute Zwecke") - fand ich damals durchaus pragmatisch gedacht (und "nett" dazu, immer dieses "Ego-Bashing"..).
Der Haken ist nur, dass alles, was "mit Ego" behaftet ist, die Gefahr birgt, nicht wirklich altruistische Handlungen hervorzubringen, sondern das "Prinzip Eigennutz", quasi durch's Hintertürchen, wieder Einzug hält.
Es läuft dann bestenfalls auf das "Prinzip der Gegenseitigkeit" hinaus, was ja - an sich - nichts Schlechtes ist, aber geistiges Leiden nicht vermeidet...![]()
Falco bringt die Thematik recht gut rüber...., aber selbst derart überzeichnet, ist es nur bedingt lustig...
Leider musste ich feststellen, seit meiner schweren Erkrankung (Autoimmunerkrankung, u.a. Nierenschädigung), die Anfang des Jahres diagnostiziert wurde, selbstbezogener geworden zu sein - der Körper fordert(e) erhöhte Aufmerksamkeit, die rasanten Veränderungen mussten "verdaut" werden und eine Art "Torschlusspanik" sorgte für eine "Mitnahme-Mentalität" - ich war selten so viel bewusst unterwegs, wie diesen Sommer...
Mein Mann unterstützt(e) mich nach Kräften, ertrug meine - zum Glück seltenen -"Verzweiflungs-Attacken", aber irgendwann rastete er dann doch mal ziemlich aus, was mich recht unsanft aus dem Kreisen um meine Person riss, letztlich aber heilsam war: ER ist ja AUCH NOCH DA!!!
Und, wie seht ihr das mit der Selbstbezogenheit?
Liebe Grüße, Anna