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  1. Buddhaland Forum
  2. Michael Haardt

Posts by Michael Haardt

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 6, 2025 at 10:56 PM

    pano Korrekt! Ich habe keine Rechtssicherheit zu Höhe, Versteuerung und Kaufkraft der einstigen Rente und ich weiß, dass es ein Schneeballsystem ist. Was, nebenbei bemerkt, bei der Einführung bewusst in Kauf genommen wurde, aber Adenauer wollte die Wahl gewinnen und hat darum den Rat aller Experten ignoriert. Die Entwicklung der Demografie wurde damals schon gesehen, auch wenn man noch nicht wusste, dass es mit der Pille noch krasser werden würde. Kann man im Archiv nachlesen. Ich war mal neugierig, wie die Prognosen seinerzeit waren und da waren helle Köpfe am Werk. Leider wurden sie ignoriert. Norwegen hat sein System irgendwann auf ein kapitalgedecktes System umgebaut. Deutschland halt nicht.


    Das Ausspielen jung gegen alt ist auch nur "Teile und Herrsche", mehr nicht. Klappt gut, zugegeben. Sogar hier, obwohl Buddha recht eindeutig davon abrät. Und in der Diskussion, ob und was die Boomer nun schuld waren, schaut keiner mehr hin, wer denn die Geldmenge so aufgebläht und das Vermögen umverteilt hat.


    Ich habe geschmunzelt, wie treffend pano beschreibt, was die AfD nicht adressiert. Aber die AfD hat durchaus Vorstellungen, wie man illegale Migration begrenzt, d.h. Einwanderung ohne Visum und mit absehbar verweigertem Asylantrag:


    Asylentscheidungen und Klagen | Zahlen zu Asyl in Deutschland | bpb.de
    Wie viele Anträge, die beim BAMF gestellt werden, sind erfolgreich? Gegen wie viele Entscheidungen des BAMF wird geklagt und wie erfolgreich sind diese Klagen?
    www.bpb.de


    Nur 22,6% bekommen Asyl. Wenn in einem demokratischen Land ein großer Teil der Ansicht ist, dass der illegale Rest nicht hier herkommen oder hier leben sollte, dann gibt es Unmut, wenn die Regierung sich dem dauerhaft widersetzt. Das hat nichts mit Polemik oder Trump zu tun. Polemik sind "Doppelwumms" und "Herbst der Reformen".


    Aber wie ich beschrieb, liegen die großen Probleme woanders: Konsumismus. Ich glaube, wer bei pro oder contra AfD sein Glück sieht, hat sich an einer Idee festgekrallt, und steht noch vor unliebsamen Überraschungen durch die Wirklichkeit. Ich könnte noch endlos weiter Daten und Analysen zeigen, was wirklich passiert, aber ich glaube, es reicht.


    Migration zeigt immer signifikante Probleme und normalerweise sieht man mit erheblicher Verzögerung, dass es sich lohnte, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Was allen bekannt vorkommen dürfte, denn Buddha sagt, man ist für seine eigenen Handlungen und deren Konsequenzen verantwortlich, da nichts aus dem Nichts entsteht, was die Definition von Eigenverantwortung schlechthin ist. Seit ein paar Jahren haben wir zum ersten Mal in der Geschichte der BRD, aber zum zigsten Mal in der Geschichte Deutschlands, eine erhebliche Netto-Auswanderung gebürtiger Deutscher. Unsere Brandmauerparteien sehen das und haben nicht die Absicht eine Mauer zu bauen, sondern denken neben der Wegzugsbesteuerung noch über weitere Abgaben nach, wie man in den wenig gelesenen Parteiprogrammen der letzten jahre unverblümt erfährt. England ist da schon weiter und hat eine Liste attraktiver Länder, bei denen die Höhe des Rentenbezugs dauerhaft eingefroren wird, wenn man wagt, dorthin auszuwandern. Die Wirksamkeit lässt aber inzwischen nach.


    Wer sich Gedanken um die Zukunft macht, sollte weiter als pro/contra AfD denken.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 6, 2025 at 3:11 PM

    KarmaHausmeister "Lassen sich nicht belegen", "dienen politischer Polarisierung": Das ist keine rein faktische Information, sondern enthält im System der vier Ohren die Beziehungsaussage, dass Du als redlicher Mensch unredliche Absichten erkennst, und den Appell, das sein zu lassen. Das wirkt unsympathisch und macht es schwer, einen Dialog zu führen, der bei den Fakten bleibt, und anders wird man im Sinn der rechten Rede nicht über ein grundsätzlich so emotionales Thema wie die AfD sprechen können, um sein Verständnis zu erweitern. Du hast den Thread mit dem Appell eröffnet, dass ein Buddhist die AfD prinzipiell nicht wählen kann. Allein die einhellig beglückende Zustimmung blieb aus, denn es ist alles andere als einfach. Was hätte Buddha gesagt? Ich denke, er hätte versucht, die Situation zu verstehen. Er hätte sich nicht mit wehenden Fahnen in eine emotionale Diskussion gestürzt.


    Also, wie sieht es mit Gewalt so aus? Ich weiß nicht, was in deinen Zahlen alles unter Gewalt fällt, aber hier die Daten mit Quelle spezifisch zu Körperverletzung:


    Körperverletzungen Deutschland 2024| Statista
    Die Zahl der polizeilich erfassten Körperverletzungen in Deutschland war im Jahr 2024 so hoch wie noch nie zuvor.
    de.statista.com


    2015: 528 k

    2025: 626 k


    Was sagt das BKA zur Ausländerkriminalität?


    Tatverdächtige Ausländeranteil 2024| Statista
    Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen bei Straftaten in Deutschland stieg im Jahr 2024 auf einen neuen Höchststand.
    de.statista.com


    Das sind natürlich nur absolute Werte. Wieviele Ausländer gibt es denn und wie hat sich der Anteil entwickelt?


    Ausländeranteil in Deutschland bis 2024| Statista
    Der Ausländeranteil in Deutschland ist in den letzten Jahren gestiegen. Der Anteil Nichtdeutscher nahm vor allem durch Zuwanderung aus dem Ausland zu.
    de.statista.com


    Der Trend im Verhältnis ist so eindeutig, dass man auch durch leichte Korrekturen der Zahlen aufgrund verschiedener Ermittlungen nicht zu einer anderen Aussage kommt. Deutschland wird faktisch unsicherer, auch wenn wir in der Welt immer noch ganz gut dastehen.


    Die momentane Quote der Arbeitsvermittelung von Bürgergeldempfängern ist miserabel. Ich kenne keine optimistische Statistik, wie eingewanderte Bürgergeldempfänger zu steuerzahlendem Humankapital werden, denn darum geht es politisch teilweise. Du sagst, dass es mehr Zeit braucht. Ich bin neugierig auf die Datengrundlage, die darlegt, wie sich die Vermittlungsquote über die Zeit gestaltet, auf deren Basis du zu dieser Ansicht kommst.


    Warum sprechen wir über Bürgergeld? Es geht um ca. 50 Mrd im Jahr. Also etwa so viel, wie uns der Betrieb der Finanzämter kostet, aber darüber, oder wo der Rest der 948 Mrd Steuereinnahmen bleibt, sprechen wir nicht. Oder warum wir so extreme Schulden brauchen, um die gesamten Staatsausgaben zu decken, was, wie ich oben darlegte, den wirtschaftlichen Druck erzeugt, der die AfD hervorbrachte. Buddha sieht Neid als Wut und Enttäuschung über eine unzureichende Belohnung des Selbstbildes gegenüber anderen an. Ich denke, das stimmt, und es verstellt den Blick auf die Gesamtheit.


    Den Begriff "Stadtbild" verwende ich nicht. Das ist Dog-Whistling, weil die Mehrdeutigkeit darunter jeden verstehen lässt, was er möchte. So polarisiert man weiter als moderne Version von "Teile und Herrsche", lenkt alle Energie der verfeindeten Gruppen gegeneinander, und regiert unbehelligt weiter.


    Die Diskussion um Gesetze und deren Auslegung ist für den Stammtisch geeignet, bringt aber niemand wirklich weiter. Gesetze sind Instrumente der Macht, mehr nicht. Kriegsverbrechen sind recht klar definiert. Assange hat sie aufgedeckt und wurde darum als Individuum verfolgt, was nach üblicher Definition das Recht auf Asyl begründet, und die Bundesregierung hat das abgelehnt, und ich bin sicher, dass es juristisch einwandfrei war.


    Weitaus interessanter ist die Frage: Wie sieht die wirtschaftliche Lage des Landes aus, und warum ist das so? Wie realistisch ist es, dass der Staat seine Kernaufgaben zukünftig wieder erfüllen kann, und warum hat er ein Problem damit? In diesem Problemfeld wurde die AfD groß. Wer sie loswerden möchte, muss hier Lösungen finden.


    Buddha liefert gute Ansätze, wie man die Situation versteht, und was man mit dem gefundenen Verständnis anfängt. Für mich war Buddha ein Mensch, der sagt: "Jetzt mach keine Religion draus. Du musst schon selbst denken und verstehen. Ich kann dir nur sagen, in welcher Weise du das hinbekommst, damit du nicht über die eigenen Füße fällst." Es ist keine Religion, wo in irgendeinem Gebot steht "du sollst nett zu allen Menschen sein" und dann kann man zu einem Gott beten "Hey schau mal, die AfD hält sich da gar nicht dran. Kannst du die mal wegputzen?", oder die Gläubigen belehren "Jungs! Ihr wählt die doch wohl nicht, oder? Gebot 13a oder Karma is Essig!!!" Und sich danach selbst auf die Schulter klopfen, wie klasse man das gemacht hat.


    Buddha fragt: "Warum hältst du dich so an dem Gedanken fest, dass die AfD die Menschen mit Trugbildern von anderen Parteien weglockt, obwohl alles in Ordnung ist?"

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 5, 2025 at 10:35 PM

    Vermietung lohnt sich vielerorts kaum noch. Immer mehr Mieterrechte, immer mehr Bürokratie, keine Rechtssicherheit bei Dingen wie Heizung und Sanierungspflichten, das sind alles Risiken, die eingepreist werden müssen und nicht können. Dazu hat man die Kapitalbindungskosten. Das weiß unsere Regierung auch und ist darum so viele Sozialwohnungen losgeworden, wie ging, weil sie nur draufzahlt.


    Entsprechend verkaufen etliche Vermieter, entweder an Gesellschaften, oder an Wohnungseigentümer, oder lassen evtl. leerstehen in der Hoffnung auf bessere Zeiten (oder Käufer), bevor sie eine Sanierung machen, deren Kosten sie nie wiedersehen, oder durch Vermietung mehr Geld verlieren als durch Leerstand.


    Es lässt sich nun trefflich schimpfen, wer das alles schuld ist. Das machen alle Länder und tatsächlich gibt es in jedem Land ein paar individuelle Ursachen, die schon preistreibend sind, aber längst nicht die Dimension erklären, die wir sehen, wenn man nachrechnet. Rechnen ist allerdings erheblich unbeliebter als schimpfen, aber Buddha setzt Erkenntnis klar über Wut, also:


    Seit gut 40 Jahren bis in die junge Vergangenheit sanken die Zinsen. Liquidität wurde also immer billiger. Man wollte mehr Inflation und laut Theorie muss man dazu die Zinsen senken. Ein anderes Instrument hat eine Notenbank auch nicht. Die Theorie hat zwar noch nie so richtig gestimmt, aber egal, man hat das gemacht. Und weil's so billig war, die Geldmenge hochgejubelt, denn es kostete ja kaum was.


    Inflation ist kein uniformes Maß, sondern marktspezifisch. Wenn ich da im Supermarkt stehe und sag, wo steht denn der 10-jährige Zins für mein 12er-Pack H-Milch, wird das nichts. Im Autohaus sieht es schon anders aus. Wenn Liquidität billig ist, wird H-Milch also nicht direkt teurer, aber Autos werden es schon. Wenn so viel Liquidität da ist, wird alles zum Asset, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Auch Immobilien. Und wenn die Geldmenge so steigt, auch wenn die Verbraucherpreise es (noch) nicht tun, ist jeder blöd, der long in Geld ist. Also ist der kluge Investor short in Geld und long in Assets. Und verdient gut. Und der normale Arbeitnehmer versucht long in Geld zu werden, indem er seine Arbeitskraft verkauft, und verliert jedes Jahr. Ein Maß für einen fairen Aktienwert ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis: Wieviele Jahresgewinne machen den Kurs einer Aktie aus? Ich weiß, das ist keine ideale Metrik, aber für diesen Zweck absolut ausreichend. Ich zeige hier die relative Staatsverschuldung der USA in Prozent ihres BIP und das Kurs/Gewinn-Verhältnis vom S&P 500 Aktienindex:

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    Wie man sieht, korreliert das halbwegs. Mit der Ausweitung der Verschuldung und damit der Geldmenge wurden Aktien immer teurer: Inflation.


    Meine These, dass Wohlstand damit korreliert, short in Geld und long in Assets zu sein, kann ich auch in Daten angeben. Hier eine Auswertung der FED der USA, welche Vermögensstruktur welcher Teil der Bevölkerung hat:


    The Fed - Comparison: Compare Wealth Components across Groups


    Der untere Teil der Bevölkerung gibt sein Geld aus, primär für sein Haus und vor allem für Konsumartikel. 50-90% sind schon besser, aber insgesamt noch unbefriedigend. Danach sinkt der proportionale Anteil des Konsums extrem ab und steigt erst bei den Superreichen mit Superyachten und so wieder an.


    Natürlich sind die Marktteilnehmer nicht blöd und sagen irgendwann: Hallo, lieber Staat. Deine Anleihen werden riskant, weil du so überschuldet bist. Ich will mehr Risikoprämie. Der Marktzins steigt also, und das am langen Zinsende, weil da mehr Risiko ist. Exakt das ist passiert. Damit steigen die Zinsausgaben plötzlich und der Staat macht dicke Backen. Die naheliegende Reaktion ist, die Laufzeit der Neuverschuldung zu senken, um neue Schulden billiger aufnehmen zu können und den Marktzins der Langläufer nicht unnötig zu treiben. Das verschiebt das Problem natürlich nur, aber genau das wird seit längerer Zeit gemacht.


    Ich habe hier die USA gezeigt, weil das der größte und transparenteste Kapitalmarkt ist. Bei uns und überall sonst sieht das natürlich ganz ähnlich aus.


    So enteignet man Menschen seit ein paar Jahrzehnten systematisch. Egal, wessen Lieblingspartei schon mal mitregiert hat: Ja, die hat das auch gerne mitgemacht und schön die Klappe gehalten. Und, der Fairness halber, was sagt die AfD dazu? Genau, auch nichts. Oder sagen wir mal, nichts mehr, seit Lucke weg ist, an den sich schon keiner mehr erinnert.


    In dem Kontext muss man das "Sondervermögen" sehen, was diesen Trend mit erhöhter Geschwindigkeit fortsetzt. Es wird Wachstum versprochen, denn wenn die Wirtschaft wächst, sinkt die relative Staatsverschuldung, und wir legen den Rückwärtsgang ein. Tun wir natürlich nicht, denn dann erhöhen wir die Verschuldung flugs, was unsere Verfassung uns nahelegt, die ich auch hier gerne ändern würde. :)


    Buddha sagt immer noch: Erkenntnis ist wichtig und gut, Schimpfen nicht. Verstehe deine Welt und mach sie nicht schlimmer. Und stell dich nicht rennenden Elefanten in den Weg (aka halte dich nicht an Gedanken fest, schon gar nicht an welchen, von denen man vorher schon weiß, dass es Verdruss gibt).


    So einfach ist das also, warum Wohnen so unbezahlbar geworden ist und warum die Zeiten für die breite Masse härter wurden. Darum gibt es die AfD und darum ist sie ein Symptom, keine Ursache.


    Es bleibt die Frage: Warum ist das passiert? Unsere Kultur glaubt an endloses Wachstum. Das ist unsere Ideologie. Wir wollen Inflation, die berühmten zwei Prozent, weil die Aussicht auf zukünftige Preissteigerungen den Konsum antreibt, und ohne Konsum kein Wachstum. Die alten Industrieländer glauben an den Konsumismus.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 4, 2025 at 7:42 PM

    Samadhi1876


    Die Behörden können 10% aller Stellen dauerhaft nicht mehr besetzen und kontinuierlich wird durch neue Vorschriften mehr Arbeit erzeugt. Ein Beispiel: Bauämter sollen juristisch entscheiden, aber sie stellen keine Juristen ein (und würden auch kaum welche bekommen) und sie haben nicht mal Zugriff auf juristische Datenbanken. Ohne die nötigen Kompetenzen dauern Sachen ewig, weil schwierige Arbeiten ohne die nötige Kompetenz erstmal weitergegeben werden. Die Bauämter können keine übergeordnete Behörde um fachlichen Rat fragen! Extremföderalismus. Gerade aus erster Hand mitbekommen.


    Die gegenüber früher extremen Sperrungen von Autobahnen liegen an neuen Sicherheitsvorschriften für die Mitarbeiter, die mehr Abstand fordern. Nach Unfällen bleibt die Sperrung manchmal zig Stunden stehen, weil gerade keine Reinigungsfirma Zeit hat.


    Die Schläferbaustellen sind so geplant. Es soll möglichst billig sein. Also wird ein billiger Auftrag angenommen, der länger dauert. Die Absperrung macht nicht die Baufirma, sondern das Land, und die Firma muss das bezahlen. Es wird also zeitig abgesperrt, die Firma fängt an, arbeitet zwischendurch woanders, um eine gleichmäßige Auslastung zu haben, und alles dauert ewig. Es gibt längst moderne Maschinen, die effizienter arbeiten, aber keine Firma kauft sie, weil sie sich von Ausschreibung zu Ausschreibung hangeln muss. Die Autobahn GmbH ist eine Verwaltungsgesellschaft, die die Arbeit des Verkehrsministeriums als Subunternehmer macht, ohne an die Einschränkungen der Besoldung gebunden zu sein, und die eigentliche Arbeit nur weitergibt. In anderen Ländern würde diese Gesellschaft selbst bauen, mit modernsten Maschinen. Das darf sie bei uns aber nicht. Und davon profitieren viele Leute.


    Unser Staat versagt strukturell und die Altparteien bestehen auf der bisherigen Struktur. Politik und Bürokratie sind naheliegenderweise enge Freunde. Darum wird die AfD stark bekämpft: Sie droht der neue Begünstigte dieses Filzes zu werden. Im Grunde muss sie gar nichts tun, außer zu existieren, und sich von den Altparteien abzusetzen. Wie man beim Beispiel bei uns im Dorf sah: Bevor sie kommunal an die Macht kommt, wird ausnahmsweise mal gemacht, was die Mehrheit der Menschen will. Das klappt nicht in allen Gemeinden und auf Bundesebene gar nicht.


    Nun hat die AfD durchaus ein Programm. Ich wage mir nicht auszumalen, was los wäre, wenn sie die Position von Schäuble einst vertreten würde, die nicht hätte verfassungsfeindlicher sein können, und definitiv heute unter Volksverhetzung liefe:


    FDP: Schäuble fordert "Erschießung auf Verdacht"
    Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) stößt mit seinem jüngsten Anti-Terror-Vorstoß auf massiven Widerspruch. "Manche Vorschläge von Herrn Schäuble…
    www.augsburger-allgemeine.de


    Die kulturellen Probleme liegen tiefer und sind globaler, darum sehen wir ein paar Probleme in allen alten entwickelten westlichen Ländern. Warum klappt es auf Bundesebene nicht, z.B. den deutschen Haushalt erheblich zu restrukturieren? Warum ist das Wohnen in den meisten Ländern der Welt unbezahlbar geworden?


    Buddha empfiehlt, an solche Fragen ohne emotionale Belastung und Scheuklappen heranzugehen. Jeder ärgert sich über viele kritikwürdige Dinge, aber das darf nicht den globalen Blick vernebeln, wenn man brauchbare Antworten haben will. Und danach sieht man, was die AfD ist, und was sie nicht ist, und wie riesig die eigentlichen Probleme sind, hinter denen die deutsche Bundespolitik schlicht verschwindet.


    P.S.: Wenn der Begriff Altparteien allgemein stigmatisiert sein sollte, ist das bei mir nicht angekommen. Ich meine damit die gewohnte Parteienlandschaft, mehr nicht. Falls jemand einen besseren Begriff dafür hat, nur her damit. Brandmauerparteien? :)

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 4, 2025 at 6:50 PM
    Quote from void

    Es ist also eine Beschwörung des "Wirs" und der Identität. Gab es das Buddhas Zeiten?

    Das gab es zu allen Zeiten der Menschheit, behaupte ich. Es ist die Grundlage von Kulturen, von Nationen und später von Staaten, erkennbar an den jeweiligen, mit der Größe der Organisationseinheiten wachsenden, Kriegen.


    Und hier gibt es einen interessanten Punkt: Staaten beeinhalten oft nationale Identifikation und deren Idee einer Produktionsgemeinschaft. Migration mit allen positiven und negativen Folgen verringert die nationale Identifikation. Das Internet mit dem Blick auf die globale Welt tut das ebenfalls. Die wachsende Ungleichheit der Vermögensverteilung, die düsteren Zukunftsaussichten und die extrem kapitalistische Unternehmensführung, die Loyalität bestraft, zerstören die Idee von Produktionsgemeinschaften. Das hat bisher keine einzige Partei erkannt. Hier zeigt sich das dritte Element aller Staaten: Gewalt. Wer nicht freiwillig im Krieg dient, wird gezwungen. Wer das Land verlassen will, muss sich freikaufen (Strafsteuer bei privatem Kapitalwegzug). Wohlwollen? Bei den Altparteien ebenfalls nicht zu erkennen.


    Buddha hat sich nicht konkret gegen Staaten/Regierungen und deren Politik geäußert. Er hat seine Macht korrekt eingeschätzt und auf unnötiges Leid verzichtet.


    Danke für den anderen Link! Ich sehe den Zusammenhang nicht, aber ich wusste nie, wie die Kasten entstanden sind. Jetzt wird mir klar, wie der Hinduismus sie mit spiritueller Bedeutung füllte und woher der immer noch lose vorhandene Zusammenhang mit den Hautfarben kommt.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 4, 2025 at 4:27 PM

    Die Beschilderung der deutschen Straßen im Verantwortungsbereich der Gemeinden wird primär durch die Vermeidung von Klagen, Geldmangel und Inkompetenz geprägt, wie ich durch einen erfahrenen Straßenbauingenieur lernte. Nicht durch Angst, Bequemlichkeit und Starrsinn. Straßenbau ist nämlich auch so ein Beispiel von Extremföderalismus. Viele Gemeinden sind nicht in der Lage, eine Stelle eines erfahrenen Straßenbauplaners voll auszulasten, also macht das irgendwer mit Halbwissen nebenbei. Hauptziel: Nicht verklagt zu werden. Und da ist ein Schild oft billiger und einfacher als eine Baumaßname, für deren korrekte Planung und eine sinnvolle Ausschreibung ebenfalls Kompetenz gebraucht würde, und für die es sowieso kein Geld gibt.


    Aus dem Grund gibt es immer wieder erhebliche Reibungsverluste bei Bauprojekten, wo mehrere Behörden zugleich involviert sind, z.B. Übergänge und Anschlüsse von Straßen, die verschiedenen Behörden unterliegen. Eine Gemeinde kann bei einem Autobahnanschluss nicht sagen, OK, wenn der saniert werden muss, könnt ihr die Landstraße gleich mit machen und wir übernehmen dann die Kosten. Es wird auf beiden Seiten individuell geplant, ausgeschrieben, und es wird schwieriger und teurer, weil das nun auch noch koordiniert werden muss.


    Dieser extreme Föderalismus wurde nach dem 2. WK speziell geschaffen, um eine effiziente zentralistische Steuerbarkeit des Staates zu verhindern. Hat funktioniert.


    Die Alternative eines mittleren Wegs wäre zweifellos besser gewesen. Buddha erkannte, dass massives Gegensteuern letztlich Oszillationen verursacht, mit Leid an jedem Extrem.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 4, 2025 at 2:09 PM

    Das alte Denken in Links, Liberal, Rechts ist nicht hilfreich. Sich an einzelnen Personen oder Ereignissen aufzuhalten, führt auch zu nichts. Schimpfen, Jammern, mit dem Finger wahlweise auf die Politik oder die Bürger zu zeigen, ebenfalls nicht. Es ging in diesem Thread nicht um den politischen Stammtisch, sondern um die buddhistische Betrachtungsweise der politischen Situation, in der die AfD natürlich inzwischen ein deutlich wahrnehmbarer Teil ist.


    Ich habe den globalen Rahmen bereits angerissen. Ich habe gesagt, dass ich mich durch GG 5 unserer Verfassung und dessen zunehmend striktere Durchsetzung eingeschränkt sehe. Das ist nicht das einzige Problem unserer Verfassung.


    Es ist wirtschaftlich inzwischen klar, dass ein zu föderalistischer Staat irgendwann nicht mehr funktioniert, weil sich ein Wirrwarr aus Behörden gegenseitig völlig blockiert. Ein Beispiel: Ich wollte dem Finanzamt meine neue IBAN mitteilen. Elster? Fehlanzeige. Ich muss mir ein Formular laden, ausdrucken, unterschreiben und per Post versenden, und das Formular hat nicht mal ein Format, wo die Adresse vom FA in einen Geschäftsbrief passt. Warum? Weil ich nicht in Bayern wohne, denn die haben das neuen Modul für die IBAN-Änderung schon entwickelt. Ich möchte nicht wissen, wie teuer diese Trivialdienstleistung war. Wir lassen uns diesen Ausbund von Extremföderalismus, genannt Allgemeine Finanzverwaltung, so um die 40-50 Mrd. im Jahr kosten. Deutschland nimmt im Jahr aktuell 948 Mrd ein, um es mal ins Verhältnis zu setzen. Die Mitarbeiter werden nicht rotiert, was für eine objektivere Behandlung nötig wäre, so dass es zu viel Willkür kommt und vielen erfolgreichen Einsprüchen. Jede Veränderung dieses Systems erfordert eine Verfassungsänderung, und der Widerstand aller Leute, die von diesem System profitieren, wird gewaltig sein. Wir werden also kein nationales Finanzamt bekommen, was eine einheitliche, kosteneffiziente IT benutzt - es sei denn, eine Partei geht hier mit mehr Gewalt vor, als alle Beamten zusammen haben, und dann schießt sie vielleicht über das Ziel hinaus. Oder der Überhang dauerhaft nicht mehr besetzbarer Stellen im öffentlichen Dienst wird weiter steigen, die Dienstleistung wird immer schlechter und teurer, und der Staat versagt weiter in seinen Kernaufgaben.


    Das ist die Situation. Kein Links, Liberal, Rechts, aber eine Ursache in unserer Verfassung. Ist der Wunsch nach einer tiefgreifenden Verfassungsänderung nun progressiv oder eine menschenfeindliche Verachtung der freiheitlich demokratischen Grundordnung? Wieder Portugal als Beispiel: Dort gibt es ein komplett digital arbeitendes, zentrales, nationales Finanzamt. Man kann in jede Niederlassung marschieren, wenn man mit einem Menschen sprechen möchte, weil alle auf den gleichen Daten arbeiten. Man sieht, was sein Steuerberater macht, was Elster so versteckt, als ob man jahrelang keine Steuererklärung gemacht hätte.


    Buddha argumentiert nie auf Basis von Dogmen und es gibt kein "aus Prinzip unten durch". Der Weg ist von Verständnis und einem besseren Leben für die, die ihn gehen, geprägt. Es gibt kein Versprechen einer glücklichen Welt. Es gibt aber einen Weg zum Verständnis, wie sie aussieht. Man kann nur über Parteien sprechen, wenn man das weite Feld gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Probleme betrachtet, das sie hervorgebracht hat.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 3, 2025 at 1:10 PM

    Igor07

    Dem ersten Absatz stimme ich zu, dem Letzten nur sehr bedingt. Sich engagieren oder nicht, und wie? Das ist ein klassisches Problem. Buddhas Antwort liegt in den Grundlagen, im achtfachen Weg, aber die Sache ist mühsam.


    Die erste Frage ist: Was ist denn eigentlich die Situation? Ich habe versucht, dass im Thread so kurz wie möglich darzustellen, was gar nicht so kurz war. Eigentlich ist es noch komplexer. Egal, wieviel Mühe ich mir gebe, muss ich mir bewusst bleiben, dass mein mentales Modell ein Modell bleibt. Vielleicht versaue ich es also trotzdem. Deswegen gibt es Leid auf der Welt. Das befreit mich nicht davon, es wirklich so sehr, wie ich es kann, zu versuchen. Und wenn ich nichts tue, hat auch das eine Konsequenz.


    In dieser Situation kann man in viele Fallen tappen, z.B. "Quatsch nicht, wir müssen jetzt was tun! Is' schon kurz vor 12!"


    Es gibt viele pauschale Antworten wie diese, und jede kann man in ihre vier Ebenen zerlegen (faktisch, Selbstaussage, Beziehungsaussage, Appell), und das entzaubert sie.


    Nochmal: Die AfD ist nicht das Problem, sondern ein Symptom. Die Lebenssituation ist das Problem. Um die zu verstehen, muss man weit zurückgehen. Nicht: Wer hat wann was falsch gemacht, denn wir wollen nicht die Schuldfrage lösen. Sondern: Was ist wann passiert und was war die Folge? Wie begründet sich das? Entspricht es der durchschnittlichen Psyche und ist es eine Erscheinung des Zeitgeistes, wie man die kollektive psychische Reaktion nennt? Oder gibt es tatsächlich eine einzige Ursache? Wer sind die Beteiligten im Konflikt? Was motiviert sie? Wie ist die Drohung strukturiert? Welche Resourcen haben sie? Wieviel Zeit bleibt bis zur Eskalation?


    Ich sagte, das es mühsam ist, aber all das sind Aktivitäten im Sinne des achtfachen Pfads. Das Verstehen der Natur des Leids. Vielleicht auch noch mehr.


    Irgendwann ergibt sich eine Handlung, die all das berücksichtigt. Und der einfache Leitsatz "Es gibt Leid. Mach es nicht schlimmer." wird die Handlung beschreiben. Es wird nicht emotional sein. Man wird die persönliche Motivation der Entscheidung verstehen.


    Wer sich darin verrennt, die Welt mit Macht besser zu machen, den achtfachen Pfad sklavisch zu verfolgen, alles mit irgendwelchen alten Gleichnissen zu begründen, verliert den mittleren Weg. Wer sich in endlosen Abwägungen verrennt, auch. Glaube ich. :)


    Es werden sich nicht alle einig sein. Man weiß vorher nicht, was besser gewesen wäre. Der achtfache Pfad ist keine Garantie, kein Gesetz, sondern liefert im Durchschnitt bessere Ergebnisse, als zu würfeln. Das ist bei Entscheidungen in unsicheren Situationen im Sinne der Spieltheorie sehr viel!


    Buddha hat nie versprochen, dass es nicht besser ginge, sondern hat ganz im wissenschaftlichen Sinne zur kritischen Prüfung aufgerufen. Es ist halt bisher nur noch keiner mit einer besseren Strategie um die Ecke gekommen.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 2, 2025 at 7:42 PM
    Quote from Monikamarie

    Nun ham wir den Salat.


    Ich bin für Schließen des Threads, KarmaHausmeister.

    Was würde Buddha zu dem Artikel sagen? Das schließt ein, vielleicht nichts zu sagen, wenn man das für sinnvoll hält.


    Buddhas Rat braucht keine behütete Umgebung.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 1, 2025 at 10:44 PM

    Ja, das war nicht die beste Quelle. Ich weiß nicht mehr, wo ich das mit den Phasen eigentlich gelesen hatte.


    China fällt in der Tat in diversen Modellen raus. Aber es geht ja um westliche Länder und da kann man die Phasen schon erkennen.


    Darum sagte ich, die Sache wird fassbarer, wenn man sich an wirtschaftliche Metriken hält, sofern man mit Zahlen denken kann. Viele Leute haben die Inflationsphase mit den 70er Jahren verglichen, weil sich daran noch genug Leute erinnern und speziell in Europa auch eine Energiekrise herrschte. Fiskalisch ist das aber gar nicht vergleichbar. Damals war die Inflation nachfragegetrieben und nicht durch Angebotsknappheit, wie in der Pandemie. Entsprechend war klar, dass Zinsen jetzt kein hilfreiches Steuerinstrument wären, aber es gibt für die Zentralbanken sonst keins. Die fiskalische Dominanz ungeheurer Schulden hatten wir zuletzt in den 40er Jahren durch die Rüstungsorientierung. Wir erleben jetzt nicht die 40er wieder, aber wirtschaftlich gibt es Ähnlichkeiten und gesellschaftlich deswegen auch, wenn man sich die Feindlichkeit gegenüber beliebigen Minderheiten anschaut.


    Ein großer Unterschied ist natürlich, dass der Kipppunkt der Demographie in der Pandemie passierte und damit unbemerkt.


    Ich will nicht verschweigen, dass es die Hoffnung gibt, durch eine neue tief ausbeutbare Resource nochmal einen Wachstumsschub zu bekommen. Die Besiedelung der USA war der vorletzte Schub, der Letzte dann Öl, und jetzt liegt die Hoffnung auf AI. Mit viel Wachstum steigt das BIP und bietet einen Gegenwert zur Geldmenge. Und wir haben wieder Zeit gewonnen. Aber bisher sieht es nicht toll aus. Ein großer Teil der Firmen, die sagt wegen AI Mitarbeiter zu entlassen, stellt billiger Ausländer ein oder macht gleich Outsourcing ins Ausland. Darum sinken die Gehälter und darum steigen die Gewinne, und nicht wegen AI. Die Gretchenfrage: Bricht nicht alles zusammen, wenn die Verbraucher flächendeckend ausfallen. Nein. In den USA werden 80% der Verbraucherumsätze von den wohlhabendsten 20% geleistet. Entsprechend braucht man eine rigide Kontrolle, damit die 80% nicht auf dumme Gedanken kommen, wenn sie weiter verarmen. Genau das sieht man dort in den Nachrichten.


    Vor mehr als 30 Jahren hatte Vietnam nach OECD Richtlinien > 95% Armut. Jetzt sind es < 5%. Da begreift kein Mensch die Weltuntergangsstimmung hier. Ich möchte den Bau von Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen mit dem Bau von Ciudad Cayalá in Guatemala vergleichen. Revolutionäre Idee, geplant, gemacht, und ist eine sagenhafte Stadt, deren Einnahmen dem Staat erheblich helfen und viele Arbeitsplätze bedeuten. Leider zu teuer für mich. Vor etlichen Jahren hat das goldene Visum für Panama 5000 USD gekostet. Jetzt 500.000 USD, weil es so beliebt ist. Die Staatsbürgerschaften diverser Karibikstaaten werden jedes Jahr teurer. Zugleich gibt es steigende Migrationsströme von Menschen, die das auch alles sehen. Ich glaube, letztes Jahr oder so haben mehr Millionäre UK verlassen, als China verließen. Es verlassen netto mehr gebürtige Deutsche das Land als je zuvor in der BRD. Hat bei uns irgendwie Tradition.


    Das ist meine kurze Antwort darauf, was man als Buddha zugewandter Mensch zur AfD sagen kann, warum es sie gibt, und warum sie Zuspruch findet. Die Gegenwart ist die Folge der Vergangenheit, nicht vom Himmel gefallen, und folgt sachlichen Entwicklungen. Vermutlich sagt irgendwer jetzt bedingtes Entstehen. Das geht solange, bis wir vor einer Wand stehen, und aktuell ist die Politik der Ansicht, wir müssten nur schneller laufen.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 1, 2025 at 7:19 PM

    Thorsten Hallscheidt


    Aristoteles sah Demokratie, also die zu wählen, die am Beliebtesten sind, als durchaus problematisch an:


    Politik (Aristoteles) – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    Sein Studium der Geschichte ist schon lange her, aber liest sich aktuell. Demokratie heißt nicht Dialog. Also, nicht, wenn man sich an der Realität orientiert.


    Aber die Kernfrage war ja: Was sehen wir hier? Mit hier meinst Du vermutlich die alten westlichen Industrieländer, die alle mehr oder weniger ähnliche Trends zeigen, wenn auch in verschiedenem Maße.


    Wir sehen eine der letzten Phasen einer Kultur. Ich finde es hier ganz gut zusammengefasst:


    The Eight Stages of the Rise and Fall of Civilizations - Community in Mission
    Cultures and civilizations go through cycles. Over time, many civilizations and cultures have risen and then fallen. We who live in painful times like these do…
    blog.adw.org


    Ich wäre da weniger skeptisch, wenn ich eine neue westliche Leitwährung empor steigen sähe, aber danach sieht es nicht aus. Die bisherigen Währungszyklen der westlichen Kultur waren:


    PORTUGUESE REAL (1450-1530)

    SPANISH DOLLAR (1530-1640)

    DUTCH GUILDER (1640-1720)

    BRITISH POUND STERLING (1720-1944)

    US DOLLAR (1944-)


    Phase 6 einer Währung ist der Vertrauensverlust. Andere Staaten reduzieren ihre gehaltenen Bestände. Du siehst das im Verkauf von US-Staatsanleihen, der dazu führt, dass sich vermehrt in Kurzläufern verschuldet wird, um die Zinsen der Langläufer nicht so zu treiben. Du siehst es auch daran, dass die Zentralbanken mehr Gold als US-Anleihen kaufen. Phase 7 ist das Erstarken einer neuen Währung, und die wird nicht aus Europa kommen. Phase 8 ist der Kollaps. Dafür gibt es sehr viele Beispiele.


    Ich spreche hier von eher langen Zeiträumen, nicht vom wenigen Jahren. Mit Schmerzen kann man Phase 6 noch lange laufen lassen. Es wird halt kontinuierlich schlechter.


    Die meisten Experten sehen für die Zukunft eine multipolare Welt, d.h. keine Leitwährung mehr. Ich halte das für möglich, aber aktuell sehe ich eine Entwicklung, mit der man USD und EUR aggressiv gegen die Wand fährt, indem die Zentralbanken durch die Fiskalpolitik faktisch nicht mehr unabhängig entscheiden können (fiskalische Dominanz).


    Wenn staatliche Institutionen mehr und mehr versagen, wünschen sich Menschen jemand, der die Sache wieder in Ordnung bringt, und der verspricht natürlich das Gegenteil des bisherigen Kurses. Das gibt irgendeine Form von Revolution, Putsch, Bürgerkrieg, und irgendwann entsteht eine neue Kultur. Meistens geht das eher schnell, manchmal dauert die Phase auch ewig. Sie ist so turbulent, dass Prognosen zwecklos sind.


    Die fassbarsten Dinge sind Metriken zur Makroökonomie. Geldmenge, BIP, Demographie, Arbeitsstunden. Solche Sachen. Nicht der heilige Gral, aber doch halbwegs verständlich.


    Buddha hat in dieser Situation haufenweise gute Ratschläge für jeden Einzelnen, finde ich. Einer davon ist, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Fragen, lernen, verstehen. Keine Dogmen, sondern Ursache und Wirkung als einzigen Ratgeber.


    Ein Hoffnungsschimmer zum Schluss: Ich sagte, alte westliche Industrieländer. Die Welt ist größer und es gibt Länder mit intakter oder halbwegs intakter Demographie und halbwegs funktionierendem Binnenmarkt.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 1, 2025 at 4:54 PM
    Quote from Anna Panna-Sati

    Ja, das kann man wohl so sehen, aber umgekehrt "basht" die AfD ebenso permanent Andersdenkende und zieht durch populistische Äußerungen (Übertreibungen, Lügen, Unterstellungen, usw.) insbesondere Verunsicherte/Wankende auf ihre Seite.

    Habe ich nicht bestritten. :) Aber die AfD liest hier nicht mit und soweit ich weiß, interessiert sie sich nicht für Buddhas Rat, also schreibe ich hier nichts darüber, sondern nur darüber, was ich glaube, Buddhas Rat über den Umgang mit Dingen ist, die man sehr ablehnt.


    Dein Zitat, dass die Welt mit Buddha streitet, aber er nicht mit der Welt, ist sehr gut. Genau so meine ich das. Man kann das auf Politik übertragen. Wenn wieder Wahlkampf ist, und da werben die Wahlkämpfer am Supermarkt, dann regt mich im Spektrum keine Richtung mehr als die andere auf. Ich sehe da keine ideologischen Feinde. Ich sehe nur viele pauschale und unzureichende Antworten auf komplexe Sachverhalte, die sich durch Jahrzehnte schlechter Politik jeder Regierung ergaben.


    Wer die genauen Umstände nachliest, warum Adenauer die Rentenversicherung auf Basis einer Umlage einführte, der weiß, was ich meine.


    Die Altparteien wollten hier im Dorf eine zentrale Erstaufnahmeeinrichtung zusätzlich zum Containerdorf einrichten, so dass wir auf 700 Einwohner 350 Flüchtlinge zusätzlich bekommen hätten, und der Bürgermeister legte Wert auf die Tatsache, dass die Abstimmung der Gemeinde (die viel mehr Dörfer enthält) nicht bindend wäre. Zeitgleich war die Europawahl. Mit 17% AfD in der Gemeinde und 33% in unserem Dorf wurde das einhellige Nein der gesamten Gemeinde auf einmal doch relevant. Da bekam jemand Angst, wie die nächste Kommunalwahl ausgehen könnte, wenn er seinen Kopf durchsetzt. Es gab zu dem Zeitpunkt bereits Probleme mit Gewalt, von der sich alle überfordert sahen, und keiner wollte noch mehr. Es gab hier nicht mal einen Kandidaten und auch keine Wahlwerbung der AfD.


    Ich werde hier weder pro noch contra AfD oder irgendeiner anderen Partei schreiben, weil ich nicht so denke. Ich halte Diskussionen jeder Ideologie für zwecklos, und emotional intensive Ablehnung ebenso.


    Ich lege Wert auf öffentliche Sicherheit, einen für meine Belange nicht übergriffigen Staat und Redefreiheit. Ich kämpfe nicht dafür. Ich zahle dort meine Steuern, wo ich gut genug behandelt werde.


    Michael

  • Freundschaft (im Buddhismus)

    • Michael Haardt
    • December 1, 2025 at 1:32 PM

    Ich war erstaunt zu lesen, dass Buddha so ausdrücklich über das Thema spricht, doch ich stimme zu. Nicht ganz so erstaunlich ist, dass das im Hinduismus ganz ähnlich gesehen wird, weil einige Konzepte in beiden Religionen gemeinsam existieren.


    Ich arbeite gerade an einem Roman, wo eben das eine wichtige Rolle spielt, weil sich zwei Freunde aus dem Untergrund mit dem Statement "Freundschaft ist rein" gegen die indische Gesellschaftsordnung richten und aktiv gegen die Spaltung der Bevölkerung vorgehen.


    Freundschaft braucht Vertrauen und Vertrauen ist neben Aufmerksamkeit das knappeste Gut unserer Zeit. Wenn ein Freund sagt "Du bist ein Arschloch" (vielleicht nicht ganz so krass), dann ist das nicht schön, aber die Antwort ist nicht "selber!", sondern "warum?", weil man wissen will, wie er zu der Ansicht kommt, denn man vertraut ihm, dass es keinen Wunsch nach Beleidigung gibt. In diesem Vertrauensverhältnis gibt es unbelastete rechte Rede im rationalen Sinn.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 1, 2025 at 1:05 PM
    Quote from KarmaHausmeister

    Art. 5 GG schützt die Meinungs- und Pressefreiheit sehr weit. Eingriffe sind nur unter den Schranken des Abs. 2 zulässig (allgemeine Gesetze, Jugendschutz, persönliche Ehre). Diese Struktur entspricht im Grundsatz auch internationalen Standards, etwa ICCPR Art. 19.

    Das ist nicht richtig, denn es gibt da einen erheblichen Unterschied. Aus:


    International Covenant on Civil and Political Rights
    Entry into force: 23 March 1976, in accordance with Article 49 Preamble The States Parties to the present Covenant, Considering that, in accordance with the…
    www.ohchr.org


    "Everyone shall have the right to freedom of expression; this right shall include freedom to seek, receive and impart information and ideas of all kinds [...]"


    Das ist ausdrücklich allgemein (information), während GG Artikel 5 es auf Meinungen einschränkt und der deutsche Staat sich vorbehält, was er im Einzelfall als Meinung sieht und was nicht. Das wurde in mehreren Fällen ausdrücklich vom Bundesverfassungsgericht so bestätigt. Es gibt keinen rechtssicheren Weg, etwas als Meinung zu kennzeichnen.


    Kein Wissenschaftler würde jemals Wissenschaft als Wahrheit bezeichnen, sondern nur als schlüssig unter gegebenen Voraussetzungen, und bliebe stets offen für ein Gegenbeispiel. Das Bundesverfassungsgericht ist der Ansicht, die Wahrheit unwiderlegbar feststellen zu können.


    Entsprechend titelte Focus reißerisch, aber sachlich falsch:


    https://www.focus.de/politik/meinung/heimlich-still-und-leise-legen-union-und-spd-die-axt-an-die-meinungsfreiheit_35cf1aed-821d-4969-aec3-fee9e74fcaef.html


    Im Text wird dann klar: Nein, die Parteien ändern nichts an der Meinungsfreiheit. Sie setzen nur die von GG Artikel 5 nicht gegebene Redefreiheit stärker durch. Die Meinungsfreiheit bleibt unangetastet. Das ist ein erheblicher Unterschied. Und was da auf dem Parteitag angeblich neu beschlossen wurde, ist nur ein uraltes, und nicht als solches gekennzeichnetes, Zitat des Bundesverfassungsgerichts gewesen.


    Ich will hier keine Diskussion anfangen, warum Deutschland einen Sonderweg geht und warum andere Länder das nicht tun, sondern nur belegen, dass es so ist. So sieht es in der portugiesischen Verfassung in Artikel 16.2 aus:


    "The constitutional and legal precepts concerning fundamental rights must be interpreted and completed in harmony with the Universal Declaration of Human Rights."


    Die an der entsprechenden Stelle sehr ähnlich wie ICCPR Art. 19 aussehen und den Bürgern damit erheblich mehr Rechte geben. So einfach kann man es sich machen. Andere Länder haben die Passagen der Menschenrechte mehr oder weniger wortgleich in ihren Verfassungen, Portugal referenziert die Menschenrechte halt. Da die Menschenrechte auch die Würde schützen, erlaubt die Redefreiheit nicht, andere persönlich zu beleidigen. Dafür braucht man keine extra Einschränkungen.


    Und darum müssen sich die deutschen Altparteien internationale Kritik zu ihrem Weltbild anhören, was ihnen nicht gefällt:


    Deutschland: Wieder Hausdurchsuchung wegen kritischen Polit-Postings
    Die deutsche Polizei hat die Wohnung eines Mannes im Süden des Landes durchsucht, nachdem dieser in einem Beitrag auf X Beamte als „Parasiten“ bezeichnet [...]
    tkp.at


    Die Ermittelung ist hier die vorweggenommene Strafe. Ein Handy ist ein erheblicher Wertgegenstand und bei Beschlagnahme normalerweise für eine sehr lange Zeit weg. Die Anwaltskosten fallen an und müssen bezahlt werden. Der Hinweis, in Zukunft vorsichtiger zu sein, sagt deutlich, worum es geht, und widerspricht klar der Unschuldsvermutung. Warum eine Ermittelung? Die Gleichstellung von Beamten mit Parasiten ist offenbar rechtlich anders zu bewerten als die Gleichstellung von Soldaten und Mördern. Ich kann daraus nicht rechtssicher ableiten, welche Meinung ich in Deutschland gefahrlos äußern darf.


    Ich halte mich daran, denn ich habe nichts davon, mir Leid zu bereiten. Gleichzeitig plane ich meinen Abschied aus Deutschland, wenn auch primär aus anderen Gründen, aber der Gedanke von Redefreiheit gefällt mir gut.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • December 1, 2025 at 9:32 AM

    Ich wundere mich, abgesehen vom letzten Artikel, doch sehr über die einseitige Betrachtung der Parteienwelt.


    Welches Weltbild haben denn die anderen Parteien? Deutschland hat die allgemeinen Menschenrechte mit wenigen Ausnahmen ratifiziert, verweigert aber, sie in nationales Recht umzusetzen. Warum? GG Artikel 5 müsste geändert werden und damit könnte man missliebige oppositionelle Äußerungen nicht mehr so einfach aus dem Weg schaffen, indem man sie nicht als Meinung, sondern als Tatsachenbehauptung einstuft. Das wird von allen anderen Parteien abgelehnt.


    Deutschland ist eins der wenigen Länder ohne Redefreiheit und wenn ich das kritisiere, ist das streng genommen verfassungsfeindlich. Also sage ich nur: Interessante Sache, dass das so ist. Portugal hat die Menschenrechte einfach in die Verfassung mit aufgenommen.


    Spaltung, d.h. "Teile und herrsche", ist ein uraltes Instrument der Macht und wird von allen Parteien benutzt. Ebenso wie https://de.wikipedia.org/wiki/Hundepfeifen-Politik


    Die AfD ist kein Problem, sondern ein Symptom. Ebenso wie Donald Trump. Das Problem ist eine Ideologie, die für die heutige Zeit die falschen Antworten gibt, und konsequent scheitert. Die wirtschaftliche Not bleibt den Menschen nicht verborgen, also verteidigen sie sich und suchen nach Schuldigen. Jahrzehnte unfassbar schlechter Bildungspolitik wirken sich nun aus, wenn man sieht, wie gut billigste PR funktioniert.


    Ich nehme vielerorts AfD-Bashing als gemeinschaftsbildenden Groll wahr, der es auf einfachste Weise ermöglicht, sich als moralisch fortschrittlich zu erheben und von AfD-Wählern zu separieren, ohne sich mit den realen Problemen als Ergebnis der vergangenen Politik befassen zu müssen. Das läuft diversen Ratschlägen Buddhas zuwider.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • November 25, 2025 at 5:45 PM

    "Die Menschen" sind nur die, die du kennst und von denen du liest, also primär die deiner Kultur. Es fühlt sich wie die ganze Welt an, aber in Wahrheit ist es das nicht.


    Man kann es an vielen Daten festmachen, dass die alten Industrieländer im Abschwung sind. Es ist unklar, wie lange das dauern wird, aber wenn man in die Geschichte schaut, lange. Erst dann wird's ungemütlich. Danach wird etwas Neues kommen. Das war schon oft der Fall. Es ist schon eine Weile her, dass Aristoteles Geschichte studierte und wenn seine Aussagen sich heute aktuell anfühlen, dann scheint sich wohl wenig verändert zu haben.


    Eine wirtschaftliche und politische Krise ist auch eine Gesellschaftskrise, und dafür typisch ist ein Entfremdungsgefühl. Das findet man in der Geschichte auch. Es unterstützt größere Volkswanderungen, und auch das sehen wir inzwischen. Es ist auch typisch, dass die Regierungen die Bürgerrechte stärker einschränken, um ihre Machtposition nicht zu verlieren, was die Krise natürlich befeuert.


    Das ist im Laufe der Geschichte schon endlos oft passiert. Man kann es an den Leitwährungen ablesen:


    PORTUGUESE REAL (1450-1530)

    SPANISH DOLLAR (1530-1640)

    DUTCH GUILDER (1640-1720)

    BRITISH POUND STERLING (1720-1944)

    US DOLLAR (1944-)


    Da standen Weltmächte dahinter, die nie dachten, dass sie ihre Stellung je verlieren würden. Da wird es in ihrer letzten Krise auch viel Entfremdung gegeben haben und jemand sagte: Boah. Die ganze Welt wird verrückt. Ich halt's im Kopf nicht aus.


    Viel interessanter ist eigentlich, was in der Situation historisch gute Lebensentscheidungen der Bürger waren.

  • Selbstbezogenheit - Die "Lust- und Qual-Spirale" des Um-sich-selbst-Drehens...

    • Michael Haardt
    • November 11, 2025 at 8:47 AM
    Quote from Igor07

    Ich stelle mir aber immer die Frage: Kann überhaupt die reine Wahrnehmung sein?
    Wenn ich müde oder niedergeschlagen bin, nehme ich die Welt und mich selbst anders wahr als wenn ich Energie aufgeladen habe oder jung bin. Unter sehr starken Schmerzen sehe ich das Ganze wieder anders.

    Korrekt. Aber vor allem bestimmen die vorhandenen mentalen Modelle, wie eine Beobachtung oder ein Reiz empfunden wird. Die Gesamtheit aller Modelle ist die Integration aller äußeren Einflüsse zum jeweiligen Zeitpunkt.


    Daraus ergeben sich ein paar interessante Schlussfolgerungen:


    Durch den Selbstbezug ist es fraktal und man kann im Allgemeinen nicht vorhersagen, was dabei herauskommt. Schicksal? Eher nicht.


    Wir brauchen diese mentalen Modelle zum Leben. Geht eins kaputt, fehlt die Basis, über etwas nachzudenken und sich zu einer Handlung zu entscheiden, also versuchen wir das zu vermeiden. Informationen, die nicht passen, werden verändert, um das Modell nicht revisionieren oder gar verwerfen zu müssen. Das hält uns handlungsfähig, kann aber sehr nachteilig für die Qualität der Entscheidungen sein.


    Wir sehen nie die Wahrheit. "Das hatte ich mir anders vorgestellt" trifft absolut den Punkt, wenn man bekommt, was man sich wünschte, aber es ist nicht so ist, wie gedacht. "Wie konnte ich mir das nur wünschen?" ist eine gute Frage, wenn man sie ehrlich beantwortet.


    Buddha muss das alles verstanden haben, denn es geht oft um diese Themen, und guten Rat dazu.

  • Selbstbezogenheit - Die "Lust- und Qual-Spirale" des Um-sich-selbst-Drehens...

    • Michael Haardt
    • November 9, 2025 at 11:11 PM
    Quote from Anna Panna-Sati

    In der relativen (konventionellen) Realität leben aber alle (Unerleuchteten, Nicht-Erwachten) mit dem

    "Ich-Gefühl" (das unser Gehirn, sicherlich aus guten Gründen, erzeugt) als Personen


    Genau das ist der Schlüssel, finde ich. Warum tun wir das? Was genau wird da erzeugt?


    Es gibt die Theorie des Konstruktivismus: Wir denken nicht über das nach, was wir wahrnehmen, sondern wir bauen aus allen Wahrnehmungen mentale Modelle und das sind die Objekte unseres Denkens. Wir nehmen uns auch selbst wahr, also bauen wir ein Modell daraus. Das ist unsere Identität. In dieser Theorie kann man viele psychische Beobachtungen schlüssig erklären.


    Buddha nennt die Identität eine Illusion. Finde ich zu stark, ist aber strikt gesehen korrekt. Er fordert uns auf, die Welt zu sehen, wie sie ist. Das können wir laut der Theorie nicht, aber wir können versuchen, unsere mentalen Modelle zu erkennen, anstatt sie einfach laufen zu lassen. Tiefgehend reflektives Denken verändert die Wahrnehmung, die Modelle, die Art, wie wir uns und andere sehen. Die Terminologie im Buddhismus ist schwierig, aber viele Aussagen sind im Grunde moderne Psychologie, nur dass er schon vor langer Zeit drauf kam.


    "Ich denke, also bin ich." Das ist die erste Stufe, nämlich Selbstbewusstsein. Danach kommt "Wie denke ich, und warum glaube ich, wer ich bin?" Das ist eine Meta-Ebene, nämlich die Wahrnehmung der Modelle und ihrer Struktur. Man erkennt viel der Identität als individuell mental konstruiert. Es bleibt etwas übrig, aber ich kann's nicht benennen, und gefühlt ist es nicht viel. Manchmal hilft die Erkenntnis. Manchmal nicht. ;)

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • November 8, 2025 at 1:50 PM

    Mir fällt auf, dass zwei Begriffe oft verwechselt werden: Meinungsfreiheit und Redefreiheit. Das kann einem jetzt gefallen oder nicht, aber Deutschland garantiert in GG 5 nur die Meinungsfreiheit, und das ist keine unglückliche Formulierung, sondern inzwischen mehrfach gerichtlich bestätigt. Es gibt keine Redefreiheit! Die Regierung behält sich vor, zu entscheiden, was Meinungen sind, und was nicht. Das ist bemerkenswert, weil die allgemeinen Menschenrechte Redefreiheit garantieren und Deutschland sie ratifiziert hat. Diese Ratifikation bedeutet jedoch juristisch nichts. Es gibt Länder, die die Menschenrechte in ihre Verfassung aufgenommen haben. Deutschland hat das nicht getan.


    Eine Verfassung reflektiert die Grundwerte einer Kultur. Inzwischen ist der Zeitgeist, öffentliche Äußerungen etwas enger zu verfolgen, aber grundsätzlich begab man sich damit in Deutschland schon immer auf dünnes Eis. Heute halt etwas mehr als vor ein paar Jahrzehnten. Das bedeutet nicht, dass andere Länder mit einer freiheitlicheren Verfassung real mehr böten, aber es zeigt, dass die gelebte Einschränkung öffentlicher Rede bei uns legitim ist.


    Der achtfache Pfad ist als Vereinigung gemeint, nicht einzeln. Wenn "Rechte Rede" Leid erzeugt, und sei es nur einem selbst, dann ist es keine rechte Rede mehr.


    "Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen!"


    Das ist Empörung, eine spezielle Form von Wut, und damit beharrt man auf der Trennung von Identität und Leben, und auf der Überlegenheit durch Rechtschaffenheit. Vielleicht ist es noch mehr, aber das reicht, um zu sehen, dass es keine rechte Rede ist. Man kann das natürlich sagen und auch darauf beharren. Buddha schaut einen dann nicht überlegen an und sagt "Hab ich dir vorher gesagt", wenn es Verdruss gibt. Er hat's aber vorher gesagt. :)


    Jenseits von landesspezifischer Kultur und Zeitgeist kann man rechte Rede vielleicht so verstehen, wie die Unterhaltungen der griechischen Philosophen, in denen sie versuchten, die Wahrheit zu einem Thema zu ergründen. Verschiedener Meinung, aber mit offenem Ohr und Verstand. Und dort findet man bei Aristoteles Erklärungen, was gesellschaftlich gerade passiert. Er sah Demokratie als die schlechteste der guten Regierungsformen an, weil regiert, wer am sich am beliebtesten macht, nicht, wer es am besten könnte. Eine Demokratie wird sich in die Oligarchie verwandeln. Der erbitterte Streit, welche Wahlkampfspenden legal sind, drückt klar aus: Wahlen werden mit Geld gewonnen.


    Die einzige Angst in einer Oligarchie ist, dass das Volk sich erhebt. Dazu muss man die öffentliche Meinung eng führen und eben das passiert in vielen westlichen Kulturen. Ein beliebtes Mittel ist, durch rigide Ermittelungen zu bestrafen, weil man dafür kein Gerichtsverfahren braucht. Eine Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme vieler Gegenstände, die es dann in 5 Jahren nach Einstellung des Verfahrens zurückgibt, ist eine effektive Drohung. Wer GG 5 mal selbst gelesen hat, weiß das aber vorher.


    Aristoteles kam durch sein Studium der Geschichte zu seinen Ansichten, welche politischen Strukturen und welche Zyklen es gibt. Mir scheint, dass sich seitdem nichts geändert hat. Insbesondere postuliert er eine beständige Veränderung jeder Kultur im Rahmen dieser Zyklen. Buddha sprach ebenfalls über die beständige Veränderung der Welt. Das ist alles schon lange her, aber die Probleme sind noch aktuell und der Rat von beiden ist damit auch heute noch anwendbar.

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • November 4, 2025 at 6:37 PM

    Ich sagte, er soll es gesagt haben. Nicht, er hat. Kein Mensch weiß mehr, ob er es sagte. Man kann nur Indizien deuten - oder selbst nachdenken.


    Die Drohung mit einer Hölle und Lockung mit einem Himmel ist im Buddhismus kein Prinzip, mit dem moralisches Verhalten mit Wirkung über den Tod hinaus motiviert wird.


    Karma wirkt natürlich über den Tod hinaus und Mitgefühl wird nicht nur auf das persönliche Leben bezogen gelehrt und beides gehört zum Kern. Wer das annimmt, kann auch ohne Wiedergeburt nicht mehr sagen "nach mir die Sintflut".


    Die Idee der Wiedergeburt geht für mich nicht schlüssig aus dem Rest des Buddhismus hervor.


    Identität als mentales Modell basierend auf der Selbstwahrnehmung wurde von Buddha als Illusion bezeichnet, und auch wenn ich dem Wort widerspreche, ist es technisch gesehen wahr. Wir sind nicht die, die wir meinen zu sein. Das Modell ist lausig.


    Und doch sind wir, wie Descartes feststellte. Identität ist Information und nicht-stoffliche Realität. Man kann argumentieren, dass Leben an sich eine bemerkenswerte Form von Information ist, weil sie das natürliche Chaos strukturiert. Für jeden einzelnen ist der Tod das finale Ende dieses Unterfangens, und die Illusion, etwas Ewiges und Beständiges schaffen zu können, Ausdruck der Hoffnung des Lebens an sich. Rational gesehen, eine grundlose Hoffnung, wie Buddha feststellte, und ich kann ihm nicht widersprechen. Was bleibt mir? Ein gutes Leben zu führen, solange es dauert, und das ist eine Menge. Das Leben an sich endet nicht, nur einzelne Menschen vergehen.


    OK, also für mich ist Buddhas Lehre auch ohne Wiedergeburt schlüssig. Gibt es Wiedergeburt jetzt oder nicht? Als wissenschaftlich orientierter Mensch sage ich: Weiß ich nicht. Möglich. Intellektuell interessante Frage. Unsere Wahrnehmung der Realität basiert u.a. auf einer konstanten und linearen Wahrnehmung von Zeit, und die Physik sagt klar, dass das nur unsere Wahrnehmung ist, aber es ist komplizierter. Ist unsere wahrgenommene Realität real? Vielleicht nicht. Auch das ist intellektuell interessant, aber solange ich an diese Wahrnehmung gebunden bin, richte ich mein Leben danach aus.

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • November 4, 2025 at 9:11 AM

    Der Gedanke liegt nahe, aber zum einen soll Buddha gesagt haben, dass er sich an die früheren Leben erinnerte, wie ich jüngst lernte und zum anderen wirkt Karma schon das ganze Leben lang. Der achtfache Pfad sorgt also vor allem für ein besseres Leben. Ich sehe nicht, warum man dann mit der Wiedergeburt drohen müsste. Buddha hatte ja nicht vor, die Welt zu verbessern.


    Michael

  • Welche Rolle spielt Glaube(n) im Buddhismus?

    • Michael Haardt
    • October 21, 2025 at 10:31 PM
    Quote from Kianga
    Quote from Michael Haardt

    Man muss glauben, dass er erwacht war, und dass er den Weg dahin beschreibt. Und die Sache mit der Wiedergeburt.


    Muss man? Im Grunde nicht. Es ändert sich nämlich ansonsten nichts, wenn man es nicht glaubt. Fast alles sonst beschäftigt sich mit dem Leben, nicht mit seinem Erwachen, nicht mit der Wiedergeburt. Man ist dann halt nur kein Buddhist mehr, wenn man das nicht glaubt

    Machst du das Buddhist-sein an einem Palikanonglauben fest? Der Zen Buddhismus ist ja ziemlich anders als der theravadische Buddhismus. Wer ist denn dann für dich der "richtige" Buddhist?

    Ich denke alle Schulen sind sich in den vier Wahrheiten einig, die vom achtfachen Pfad auch referenziert werden, und umgekehrt. Und dazu gehört unverrückbar, dass Buddha erwachte und dass seine Lehre der Weg dahin ist. Ich las auch noch nicht, dass eine Schule seine Aussagen zur Wiedergeburt bezweifelt.


    Dieser Glaube gehört also in jeder Schule zum Buddhismus. Ich hielte es für unpassend, sich diese Grundlagen zu verbiegen und das noch buddhistisch zu nennen, also mache ich das nicht. Andere sehen das vielleicht anders.


    Das Erstaunliche ist, dass es an Buddhas Lehre eigentlich kaum etwas ändert. Es ändert etwas daran, wie man ihn sieht, und es ändert die dritte und vierte Wahrheit, indem man das Leiden nicht mehr überwindet, sondern verringert. Es bleibt ein guter Weg. Irgendwann stirbt man. Das bedeutet für mich, die Welt so zu sehen, wie sie ist.


    Was natürlich wie alles konstruierte mentale Modelle sind. Wir kennen die Wahrheit nicht. Buddha nennt mentale Modelle eine Illusion, was strikt gesehen stimmt, aber ich finde die Bezeichnung zu stark. Gute Modelle basieren auf nicht-widerlegten Beobachtungen und widerspruchsfreien Schlussfolgerungen, weil das brauchbare Vorhersagen ergibt. Das nennen wir Wissen und diese Vorgehensweise Wissenschaft. Wenn wir etwas einen Namen geben und so tun, als ob so ein Modell dahinterstünde, ist das Glauben. Tatsächlich glaubt jeder Einzelne viel mehr, als er weiß. Ist oft nicht zu vermeiden - womit wir wieder bei Annas Frage sind. :)

  • Welche Rolle spielt Glaube(n) im Buddhismus?

    • Michael Haardt
    • October 21, 2025 at 6:25 PM

    Als ich begann, mich mit Buddha zu beschäftigen, war ich erstaunt, dass es nichts zu glauben gibt. Gibt es aber doch, wie Du korrekt feststellst: Man muss glauben, dass er erwacht war, und dass er den Weg dahin beschreibt. Und die Sache mit der Wiedergeburt.


    Muss man? Im Grunde nicht. Es ändert sich nämlich ansonsten nichts, wenn man es nicht glaubt. Fast alles sonst beschäftigt sich mit dem Leben, nicht mit seinem Erwachen, nicht mit der Wiedergeburt. Man ist dann halt nur kein Buddhist mehr, wenn man das nicht glaubt. :)


    Ich weiß nicht, ob Buddha erwacht war. Ich bin zu spät dran, ihn zu fragen. Ich weiß, dass er bewundernswert klug war. So sehr, dass der Grat mächtig dünn wird, es zu bezweifeln. Darum sage ich, kann schon sein. Ich weiß es halt nicht mit Sicherheit. Ich beschäftige mich mit seiner Lehre, weil er viele hilfreiche Einsichten zum Leben vermittelt, nicht wegen dem, was er von sich sagt.


    Führt sein Weg zum Erwachen? Vielleicht. Es ist mir ehrlich gesagt egal, weil der Weg nachprüfbar gut ist. Rein statistisch betrachtet werde ich sehr sicher nicht erwachen. Eher gewinne ich ein paar Mal im Lotto. Das mindert nichts.


    Ob es Wiedergeburt gibt, ist mir auch egal. So, wie die Welt aussieht, verschwindet die Persönlichkeit, auch wenn Buddha sagte, dass er sich an seine Leben erinnerte, was bedeutet, dass die mentalen Modelle der Persönlichkeiten offenbar nicht verschwanden. Er kam nur bis zum Erwachen nicht mehr dran. Wenn man hier versucht, etwas zu begründen, unterstellt man ein lineares Zeitmodell. Eben das kann man wissenschaftlich durchaus in Frage stellen. Das ist sehr interessant, aber für mein Leben bisher nicht relevant, weil ich bisher an einen linearen Zeitverlauf gebunden bin.


    Bleibt die Sache mit dem Karma. Jede Handlung verändert die Welt, keine Frage. Die Wirkung meiner Handlungen wird mich überdauern. Glaube ich, dass gutes Handeln mir in der Zukunft tendenziell hilft? Ja, das kann ich oft beobachten. Das Gegenteil ebenso. Es ist statistisch, weil alle anderen Menschen die Welt auch verändern.


    Ganz offensichtlich kann ich mich damit insgesamt nicht als Buddhisten bezeichnen. Zum Glück ist das hier das Buddhaland, nicht das Buddhistenland. :)

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • October 5, 2025 at 12:00 AM

    Vielleicht kannst du uns da etwas erhellen. Ich sehe bisher einerseits die Aussage, dass Buddha sich nach dem Erwachen an seine vorigen Leben erinnerte, was bedeutet, dass etwas Seelenartiges den körperlichen Tod überstand, ganz so, wie Wiedergeburt in anderen Kulturen gesehen wird.

    Andererseits die Darstellung, dass die Lebensenergie und Karma an sich bestehen bleibt, aber die Person stirbt, und ihre Gedanken sowieso immer nur aus Beobachtungen konstruiert waren, was begründet, dass die sich aus der Selbstwahrnehmung ergebende Identität im Grunde nicht existiert. Wie kann eben das dann erhalten bleiben?

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • August 31, 2025 at 8:42 PM

    Tim1 Keiner hat bestritten, dass Buddhismus und Alltag verbunden sind und dich als Andersdenkenden bezeichnet oder unsichtbar gemacht.

    Im 4-Seiten-Modell lieferst du fast keine Sachebene, aber eine gekränkte Selbstaussage, in der Beziehungsaussage stellst du dich als ehrliches Opfer und die Moderation als das Gegenteil hin, die ihre Ruhe will. Es gibt keinen Appell. Man kann das vielleicht auch anders einteilen, aber so sehe ich das.

    Die Ignoranz und Gelassenheit im Buddhismus: Man spricht darüber. Man rennt nicht los, die Welt "ausgleichend besser zu machen", indem man jemandem verbal mal so richtig eins verpasst. Das sehen vielleicht nicht alle Umstehenden so. Die könnten der Meinung sein, dass hier durchaus mal wer eingenordet werden könnte. Man kann sich ja nicht alles bieten lassen, richtig? Boah, diese Buddhisten! Wie ignorant gelassen kann man noch sein? Darum geht es in diesem Thread. :)

    Buddha rät, die eigene Reaktion zu verstehen. Ist man über das gekränkt, was passiert ist, oder über das, wie es empfunden wurde? Angesichts der Tatsache, dass der Zuhörer sein eigenes mentales Modell erstellt, ist die Chance ganz gut, dass er nicht das denkt, was der Sprecher dachte. Es spielt keine Rolle, was das Publikum dazu sagt.

Ausgabe №. 134: „Keine Angst vor der Angst"

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