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  1. Buddhaland Forum
  2. Michael Haardt

Beiträge von Michael Haardt

  • Selbstbestimmt sterben

    • Michael Haardt
    • 20. August 2026 um 20:56
    Monikamarie:

    ewald , wenn ich den Menschen Buddha nicht als Vorbild nehmen kann, nützt auch seine Lehre nix - dann ist sie theoretisches Geschwafel.

    Die Lehre ist sehr redundant überliefert. Auch wenn hier und da etwas geändert sein mag, erkennt man den Kern und der ist im Grunde sehr kompakt. Man soll es prüfen. Funktioniert und hilft es? Ich würde mich wundern, wenn du das verneinst.


    Ein Leben ist sehr lang und reichhaltig. Wieviel wissen wir gesichert und wieviel könnte auch erfunden sein? Keine Ahnung. Damit muss man sich abfinden, denke ich.

  • Leihmutterschaft - aus buddhistischer Sicht...?

    • Michael Haardt
    • 3. August 2026 um 11:36
    Anna Panna-Sati:

    Musst du unbedingt selbst von einem Hund gebissen werden, um nachvollziehen zu können, dass dies schmerzhaft ist?

    (Wenn nur noch Selbst-Erlebtes ernstgenommen und zählen würde, hätten wir vermutlich ziemlich chaotische Zustände... :? )

    In diesem Thread sind ein paar Referenzen von betroffenen Kindern, die inzwischen erwachsen sind:


    Aus der Community IVF auf Reddit
    Entdecke diesen Beitrag und mehr aus der Community IVF
    www.reddit.com


    Die Sachlage ist nicht so eindeutig, wie du es dir vorstellst. Dazu kommt, dass bei von ihren Eltern biologisch gezeugten Kindern auch keineswegs immer Sonnenschein herrscht. Bei adoptierten Kindern ebenfalls nicht. Ein paar Meinungen und Fakten fand ich überraschend. Aber so ist das halt, wenn man etwas nicht selbst kennt.


    Nach deiner Argumentation siehst Du den Durchschnitt mit einer gewissen Abweichung als Toleranz als normativ an, denn sonst gäbe es Chaos. Dazu muss ich leider sagen, dass das diese Sichtweise verbreitet ist, aber definitiv ungewollt Minderheiten unterdrückt. Ich war auch lange deiner Meinung, weil es sich mit meiner persönlichen Erfahrung deckte. Aber: Das Spektrum der menschlichen Erfahrung ist erheblich breiter, als der Einzelne sich vorstellen kann. Man kann sich vorstellen, wie sich der Biss eines Hundes anfühlt. Aber eine Menge Sachen kann man sich nicht vorstellen, die dennoch völlig natürlich menschlich sind. Ich hätte das früher nie gedacht, aber es ist so.


    Buddha hat Empfehlungen gegeben, die für den Durchschnitt sinnvoll sind. Er hat nicht ohne Grund keine Gesetze formuliert und zur persönlichen Prüfung aufgerufen. Er hat es wortreicher formuliert, aber er hält lebenslanges Lernen für essentiell.

  • Leihmutterschaft - aus buddhistischer Sicht...?

    • Michael Haardt
    • 31. Juli 2026 um 21:21
    Anna Panna-Sati:

    Die Begierde nach einem eigenen Kind kann durch vielfältige Umstände hervorgerufen werden:

    Meist dominieren wohl Vorstellungen von Glück und Erfüllung, die man glaubt, durch den Einzug des Kindes erleben zu können - die Annahme/das Mangelgefühl, ohne Kind nicht "komplett", keine Familie, zu sein und dementsprechend ein weniger sinnvolles/freudvolles Leben führen zu können.


    Dies würde der Buddha vermutlich als "Verblendung" (und letztlich leidvoll) sehen.

    Ja, würde er. Aber das ist nicht in allen Familien der Fall, die Kinder haben. Ist es in allen Familien mit Leihmüttern der Fall? Ich denke nicht, dass wir als nicht Betroffene das sicher entscheiden können. TV oder YouTube sind nicht das Gleiche wie Gespräche mit den Betroffenen und davon sehe ich hier nichts. Buddha hat sich wo auch immer es ging, auf Erfahrung gestützt, nicht auf Annahmen, wie es sein könnte.

    Anna Panna-Sati:

    Dass sogenannte "Betroffene" bei dieser Thematik alles nur "unter sich ausmachen" sollen, würde schlimmstenfalls der "Narrenfreiheit" Tür und Tor öffnen...

    (Totale, gesetzlich unregulierte) Freiheit erweist sich leider schlussendlich fast immer als die Freiheit des/der Stärkeren.

    So extrem wollte ich das nicht verstanden wissen. Aber wenn die Fakten der Diskussion nicht von Betroffenen kommen, wenn die Diskussion auf Basis von Meinungen statt Fakten von Fremden geführt wird, dann ist das ethische Bevormundung. Buddha hat Rat gegeben, hat gelehrt, hatte eine Meinung, aber er hat nie missioniert.


    Ich habe auch Probleme, mir vorzustellen, dass es weder bei der Leihmutter noch beim Kind Leid deswegen gibt. Aber das sind meine Gedanken und nicht erfahrene Realität. Das ist wie die Sache mit Gesetzen zur Prostitution. Man sollte keine machen, ohne die Sexarbeiter zu beteiligen. Ich kenne keine, also habe ich keine Ahnung, wie sie ihre Arbeit sehen. Buddha hat Prostitution wegen Ausbeutung und Gier verurteilt. Das gibt es, keine Frage. Aber ist das (heute) wirklich immer so?


    Menschen zu etwas zu zwingen ist immer schlecht. Leihmütter unter wirtschaftlichem Zwang oder Zwangsprostitution sind kein ethisches Problem, sondern der Zwang ist ein Verbrechen. Es gibt auch Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter ausbeuten. Sogar eine Menge. Also verbieten wir abhängige Arbeit, weil sie einseitige Ausbeutung so leicht erlaubt? Eher nicht.

  • Leihmutterschaft - aus buddhistischer Sicht...?

    • Michael Haardt
    • 30. Juli 2026 um 13:01
    Anna Panna-Sati:

    Was würde der Buddha dazu sagen?

    Entsteht Leid? Möglich, aber nicht zwingend. Also würde er dazu raten, die Umstände zu verstehen, aus denen Leid entsteht, um sie zu vermeiden.

    Anna Panna-Sati:

    ich halte die komplexe Thematik aber durchaus für gesamtgesellschaftlich relevant, weil es m.E. insbesondere auch um den Schutz und das Wohl der Schwächsten, also der Kinder

    Stimmt, ich hatte die Kinder nicht erwähnt! Es gibt das Thema nun schon lange genug, dass genug solcher Kinder erwachsen sind und an der Diskussion teilhaben können.


    Menschen müssen ihren Weg selbst gehen. Niemand sonst kann das, und niemand sonst darf das.


    Das bedeutet für mich, dass man nicht ethisch über andere Menschen bestimmt. Hat Buddha auch nie gemacht. Rechte Rede ist sinnvoll, aber nur mit ihnen, nicht über sie hinweg, um zu verstehen, was die Situation ist und welches Verhalten ratsam ist, und das basierend auf den Erfahrungen der Betroffenen. Die Vorstellungen nicht Betroffener sind da nicht hilfreich, weil es keine Erfahrungen sind.


    Ich weiß nicht, was bei dem Ansatz herauskäme.

  • Leihmutterschaft - aus buddhistischer Sicht...?

    • Michael Haardt
    • 29. Juli 2026 um 20:50

    Ich denke, man sollte dazu vor allem die Leihmütter fragen, so wie man bei Diskussionen um Prostitution die Sexarbeiterinnen fragen sollte. Die Diskussion sollte von der betroffenen Gruppe geführt werden, anstatt über sie zu sprechen.

  • Buddhistische und westliche Philosophie im Vergleich

    • Michael Haardt
    • 24. Juli 2026 um 14:11

    Da habe ich heute aber mal was ganz Neues gelernt! Interessant, vor allem, wie sehr sich die Vorstellungen im Laufe der Zeit verändert haben. Kaum ein Schüler kam zu der gleichen Meinung wie sein Lehrer. Gut, also richtete sich der Blick durchaus auch nach innen.

  • Buddhistische und westliche Philosophie im Vergleich

    • Michael Haardt
    • 24. Juli 2026 um 10:33

    Ich denke, man muss einen Vergleich in verschiedenen Dimensionen machen:


    Was ist das Ziel oder die Leitidee der Philosophie? Buddha hat nicht nach dem Ursprung und den Bausteinen der Welt gesucht, sondern nach dem Ende des Leids. Bei den Griechen sehe ich verschiedene Richtungen, u.a. Naturwissenschaft. Im Grunde sehr viel, außer einem Weg, gut zu leben. Falls ich das nicht übersehe. ;) Das scheint mir der größte Unterschied zu sein: Der Blick nach innen oder nach außen.


    Welches Verfahren wird zur Wissensgewinnung benutzt? Buddha hat sich strikt an die Erfahrung der Realität gehalten und sich intensiv um deren Wahrheitsgehalt gekümmert. Das ist für mich im Grunde Konstruktivismus und daraus folgen viele Beobachtungen der Psychologie. Bei den Griechen fand man zusätzlich auch Gedankenexperimente als Mittel der Wissensgewinnung in Ordnung. Wer Naturwissenschaft betreibt, kommt allerdings aus technischen Gründen nicht ohne aus: Viele Gedankenexperimente wurden mit besserer Technologie real.


    Beide legen auf die Verifizierbarkeit ihrer Aussagen viel Wert und fordern dazu auf. Das ist ein großer Unterschied zu Philosophien, die erfahrungsbasiert sind, aber sich mit einer gefundenen Erklärung zufriedengeben und sie nicht mehr hinterfragen, sondern vielmehr danach als Ideologie weitergeben. Das äußert sich im Kommunikationmuster: Dialog statt Monolog.

  • Ich verstehe vieles nicht

    • Michael Haardt
    • 18. April 2026 um 13:23
    JoJu91:

    Meinst Du mit "findet so selten statt":


    (1) Von einer Million Menschen erlebt in unserem Zeitalter in der Zeit zwischen Geburt und Tod nur ein einziger Mensch Momente des Erwachens, aber wenn dann durchaus auch mehrmals täglich ?


    (2) Von hundert Menschen erlebt in unserem Zeitalter im Durchschnitt ein Mensch Momente des Erwachens, aber nur selten, vielleicht einmal im Jahr, einmal im Monat, einmal in der Woche ... ?


    Und was ist der Grund für die Seltenheit ?

    Alles anzeigen

    Ich sollte mir die Quellen von allem aufschreiben, was ich lese. Hab ich leider nicht.


    Hat Buddha nicht gesagt, dass das Erwachen zum Buddha sehr, sehr selten ist und es nur einen Buddha im Jahrhundert gibt, manchmal auch keinen? So meinte ich das.


    Ich meinte nicht Momente des Erwachens.

    Monikamarie:

    Ein Zenmeister? sagte zu seinen Schülern "glaubt ja nicht, dass Ihr Euch Eurer eigenen Erleuchtung bewusst seid/werdet" o.ä.

    Das gefällt mir sehr. :) Rein abstrakt konstruktivistisch gedacht, hat er Recht! Es ist für Menschen mit gestörter Realitätswahrnehmung bereits schwer, das zu erkennen. Es kann nur noch schwerer sein zu erkennen, wenn die Wahrnehmung besser als vorher ist. Ich bin immer wieder begeistert, was ich von Zen Kluges höre.


    Wie ich sehe, war meine Wortwahl vielleicht nicht die Beste. "Denken" ist für mich alles nach physischen Reizen. Wahrnehmung, Achtsamkeit, ist für mich alles denken. Spezifischere Wörter wären wirklich besser, um genauer zu beschreiben, was ich meine.


    "Besser denken" bedeutet für mich, genauere mentale Modelle, weniger Verzerrung von Beobachtungen zugunsten existierender mentaler Modelle, Mehrdeutigkeiten zulassen, auch wenn es Schlussfolgerungen erschwert. Das geht für mich nur in Ruhe.


    Was Monikamarie "Affengeist" nennt, finde ich treffend. Man kann es auch "schnelles Denken", "Instinkt" oder sonstwas nennen. Das sorgt dafür, unter Druck oder Beanspruchung sofort handelsfähig zu bleiben. Evolutionär nachvollziehbar. Ob man sich nun davon zu erlösen sucht oder es unterdrückt, das Ziel ist doch, dass es nicht Gedanken und Handlungen bestimmt, weil die Entscheidungsqualität selten gut ist. Ich sage unterdrücken, weil ich weiß, dass es existiert. Ist halt so, aber wenn man es bei sich selbst erkennt, ist schon viel gewonnen, weil man dann bewusst damit umgehen kann.


    Ein Beispiel, wie ich das meine: Viele dämliche Handlungen werden durch Angst erzeugt. Es wird vielleicht keine Zustimmung finden, aber ich denke, Angst ist oft sinnvoll, weil sie auf Gefahren aufmerksam macht. Entscheidungen von Angst treiben zu lassen, ist nicht sinnvoll. Als Erstes muss man erkennen, wenn man Angst hat. Das ist der schwierige Teil. Wenn man es erkennt, ist es leichter, damit sinnvoll umzugehen. Die Angst vor dem Unbekannten begründet sich aus dem Wissen, eventuell handlungsunfähig zu sein, weil Wissen fehlt, um mit der neuen Situation gut umzugehen. Man muss also sehr achtsam sein und versuchen, aus neuer unvollständiger Information irgendwas zu machen, was eine erfolgversprechende Entscheidung erlaubt. Das ist anstrengend und wird gerne vermieden, aber als bewusster Vorgang kommen im Schnitt bessere Ergebnisse dabei heraus. Ich glaube, der Schlüssel dazu ist ein Moment der Ruhe im Denken, der erlaubt, die Situation neutraler zu betrachten. Ein Moment reicht, um zu erkennen: Mist, darum geht's gar nicht. Eigentlich hab ich bloß Angst davor und suche jetzt irgendeinen blöden Grund, um dem nachzugeben. Buddha hat viele gute Ratschläge, wie man diesen Moment erzeugt, und wie man danach rational damit umgeht.

  • Ich verstehe vieles nicht

    • Michael Haardt
    • 15. April 2026 um 21:10
    Monikamarie:

    Wie entsteht "besser denken"?

    Ich bin kein Neurologe, aber ich weiß, dass man buddhistische Mönche neurologisch untersucht hat. Meditation verändert etwas. Die Ruhe erlaubt eine tiefe Konzentration und das hat in vielen Gebieten viele Namen, aber die Beschreibungen sind die Gleichen und das passt sehr gut zu dem, was ich im Zen darüber lese, dass Meditation in vielen Tätigkeiten möglich ist.


    Was keine Antwort auf deine Frage ist, aber doch wenigstens die Zustimmung von außerhalb des Buddhismus, dass es wirklich hilft.


    Meine Vermutung, und da wird das Eis dünn, ist, dass man durch Entspannung, Abstand und Konzentration das "schnelle" Denken unterdrücken kann und rational reflexiv nachdenken kann. Je mehr Übung, um so einfacher gelingt das.

  • Ich verstehe vieles nicht

    • Michael Haardt
    • 15. April 2026 um 20:30

    Es ist eine gute Frage, wovon Buddha sprach und was man ihm später in den Mund legte, wie er das gemeint hat, und was die Sprache damals bedeutete. Ich meine, dass Wiedergeburt wenigstens in den meisten Richtungen vorkommt, und damit halte ich es für treffend, Buddhismus im allgemeinen Sinn als Religion zu bezeichnen. Auch, wenn es Ausnahmen gibt.


    Religion geht deutlich weiter als der Glaube an einen oder mehrere Schöpfer. Moderne Religionen sind relativ klar strukturiert und schriftlich festgehalten. Dazu gehört für mich auch Buddhismus. Aber jede Form beschreibender Erklärung des Übernatürlichen ist Religion und das geht in der Zeit vermutlich schon so lange zurück, wie es Bewusstsein gibt. Es ist eine offene Frage, warum Menschen und deren Vorfahren Religion entwickelten, auch wenn es gute Theorien dazu gibt. Der Begriff Religion ist für mich nichts Abwertendes, sondern eben nur eine Abgrenzung zur Philosophie. Manches war erst Philosophie oder Religion und wurde dann Physik.


    Buddhismus, und ich glaube da sind sich wieder alle einig, konzentriert sich auf das reale Leben. Es geht nicht darum, Punkte für die Zeit danach zu sammeln. Das Erwachen findet, wenn man Buddha glauben darf, so selten statt, dass man es real vergessen kann. Der Weg dahin, auch wenn man nicht ankommt, ist aber so lohnend, dass Buddha einsah, ihn zu lehren. Da gibt's dann auch nichts Übernatürliches. Nehmen wir mal Atemübungen:


    Der Atem wird normalerweise durch den Kohlendioxidgehalt im Blut gesteuert. Mehr Kohlendioxid bedeutet normalerweise mehr Bedarf an Sauerstoff, also versucht der Körper,
    mehr zu bekommen und erhöht die Atemfrequenz. Das kennt man vom Sport. Atmen wir bewusst langsamer, steigt der Kohlendioxidgehalt im Blut. Die Blutgefäße zum Gehirn erweitern sich, um einen scheinbaren Sauerstoffmangel auszugleichen, und damit gelangt mehr Sauerstoff in das Gehirn. Das wird als Gefühl der Ruhe und gesteigerter Aufmerksamkeit empfunden. Keine Magie, nur Physiologie. Wird das oft gemacht, verändert dieses Gefühl etwas im Gehirn. Quasi mentales Work-out, um besser zu denken.


    Und da sind wir bei der Frage von Gylfie: Besser denken und mehr verstehen bedeutet bessere Entscheidungen, also Antworten, und weniger Stress oder Leid.

  • Ich verstehe vieles nicht

    • Michael Haardt
    • 15. April 2026 um 12:38

    Eine Religion ist eine Philosophie, die Übernatürliches beeinhaltet und erklärt. Du wirst mir zustimmen, dass das wenigstens in vielen buddhistischen Richtungen der Fall ist.


    Aus Karma kann man sich noch herauswinden, wenn man es als die Summe von Konsequenzen aus Handlungen betrachtet, und wie die Umwelt darauf im Durchschnitt reagiert. Aufgrund unzureichenden Wissens jedes Einzelnen mag es einem manchmal übernatürlich vorkommen.


    Bei der Wiedergeburt wird es aber übernatürlich, oder nicht? Also ist es eine Religion. Gerade so eben noch. ;)

  • Ich verstehe vieles nicht

    • Michael Haardt
    • 14. April 2026 um 18:25

    Man kann Buddhismus sehr verschieden sehen.


    Viele fremde Begriffe, Definitionen, die mehr Fragen als Antworten hinterlassen, verschiedene Richtungen, deren Anhänger sich gelegentlich in die Haare kriegen, strittige Übersetzungen und nichts von alldem hat Buddha selbst aufgeschrieben. Nicht einfach.


    Aber Buddhismus ist so pragmatisch, dass man es beinahe nicht mehr Religion nennen könnte. Es geht nicht darum, tausend neue Begriffe zu lernen und alles Mögliche peinlich genau zu machen, d.h. sich am Buddhismus festzuhalten, sondern das sind alles nur Hilfen. Im Kern geht es um das, was mukti verlinkt hat. Klingt einfach, aber im Bezug zum Alltag merkt man, dass viel mehr dahinter steckt. Man muss sich damit auseinandersetzen. Google ist ganz hilfreich, z.B. "was sagt buddha zu neid".


    Du wirst feststellen, dass es große Überschneidungen mit moderner Psychologie gibt, nur ist die Terminologie im Buddhismus anders. Es gibt starke Überschneidungen mit Konstruktivismus. Manchmal gibt das ein Aha-Erlebnis, wie Buddha manches gemeint hat. Du lernst zu verstehen, wie Du denkst. Da bekommst Du eine Menge Antworten, die im Alltag hilfreich sind. Mit dem Verständnis wirkt der gleiche Text der Grundlagen dann ganz anders.


    Es braucht Zeit, es braucht Ruhe zum Denken. Wenn es einen kurzen, einfachen Weg gäbe, hätte den wohl schon jemand kundgetan, aber es ist interessant und lohnt sich.

  • Reaktion auf Aussagen anderer

    • Michael Haardt
    • 14. April 2026 um 09:27

    Ich denke vor der Frage, was Du hättest besser machen können, steht die Frage, warum es dich so getroffen hat. Es geht nicht darum, sich mit Macht zu verbiegen, denn das wird nicht dauerhaft funktionieren. Es geht darum, sich, d.h. das eigene Denken, zu verstehen. In der Situation übernimmt oft das "schnelle" Denken, d.h. bewährte Muster, wie man schlechte Situationen loswird, ohne auf Folgen zu achten. Die Sache nicht auf der Straße zu klären, ist klug, aber leider unbefriedigend. Im Nachhinein hast Du die Möglichkeit, es rational anzugehen, wozu auch gehört, der Frage nachzugehen, warum es unbefriedigend war, die Sache nicht ein für alle mal zu entscheiden.


    Typischerweise läuft es darauf hinaus, dass ein Angriff auf deine Meinung ein Angriff auf deine Person ist und die Verteidigung deine Person schützt. Solange es nicht körperlich wird, stimmt diese Annahme nicht. Nichtmal, wenn Du Recht hattest. Worte können verletzen, keine Frage, aber wenn man versteht, warum sie das tun, wirken sie erheblich weniger. Damit steht man weniger unter Stress und ist zu sinnvolleren Reaktionen in der Lage. Das sind alles keine einfachen Fragen. Man sagt oft, durch Buddha versteht man erst, wer man ist und wie man denkt, und danach, wer man nicht ist. Mit der Erklärung kann man Bücher füllen.


    Es ist ein guter Anfang, Probleme nicht schlimmer zu machen. Nicht anschreien, keine gezielten verbalen Verletzungen, keine Prügelei. Danach kommt die Frage: Wer bin ich und wie denke ich? Der Rest ergibt sich dann irgendwann.

  • Wie geht ihr damit um? Was würde Buddha sagen, oder uns raten?

    • Michael Haardt
    • 8. April 2026 um 21:35

    In der heutigen Zeit könnte Buddha viel über Psychologie lesen und vielleicht manches klarer und deutlicher ausdrücken. Ich glaube, das war's. Mehr wäre nicht anders.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 5. April 2026 um 21:07
    Aravind:

    Wieso das denn? Private Mobilgeräte sind ein 1a-Sicherheitsrisiko.


    Für 2FA gibt es einfache, günstige Lösungen ganz ohne Mobiltelefon.

    Richtig. Ein Paradebeispiel für Schwachsinn, den man größtenteils mitmachen muss. Wer sich weigert, wird die Antwort im nächsten Review hören und hat dann nichts mehr von der Feststellung, dass es vorher kein Feedback gab, weil Bewertungen von oben nach unten erteilt werden. Aber hin und wieder kommt man mit irgendwas durch. Auf die Dauer ist es dennoch ermüdend.


    Große Veränderungen haben große Konsequenzen, keine Frage. Darum ist es wichtig, die Welt möglichst so zu sehen, wie sie ist.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 4. April 2026 um 20:40
    Tim1:

    In meiner persönlichen und beruflichen Realität erlebe ich das anders. Viele Abläufe sind heute technisch und organisatorisch so festgelegt, dass individuelle Lösungen kaum möglich sind.

    Da muss ich zustimmen. Es gibt in den alten Industrieländern ein zunehmendes Misstrauen der Menschen gegenüber ihren Regierungen und das hat viel mit der Weise zu tun, wie sie ihre Bürger nur noch als Steuern generierende Resourcen engmaschig verwaltet.


    Ich habe es schon oft gesagt: Unsere Kultur geht auf ihr Ende zu. Das Festkrallen an unlogischen Leitmotiven wie "Wachstum" gehört dazu, ebenso die Weigerung, die Realität zu erkennen. Je weniger es klappt, um so geringer wird die Freiheit für Menschen. Wovon auch immer Buddha abrät, genau das treibt diese Entwicklung voran.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 4. April 2026 um 14:52

    Was die Arbeit angeht, so kann man seinem Arbeitgeber mitteilen, dass er ein Gerät zur Verfügung stellen soll, und verweigern, eine App auf einem privaten Smartphone zu installieren. Gibt ein dummes Gesicht, aber auf einmal gibt es dann andere Wege.


    Es ist nichts Neues, dass viele Arbeitsinhalte Schwachsinn sind. Das ist psychisch anstrengend, hat aber nichts mit Technik zu tun.


    Ansonsten sehe ich das weniger kritisch. Das galt früher schon für das Telefon: Es ging nicht ohne. Jetzt wird das Telefon durch das Smartphone ersetzt. Ich sehe es kritisch, wie schlecht der Wechsel zu einem neuen Smartphone funktioniert, wenn das Alte kaputt ist, aber anscheinend sind viele Menschen zu dumm für das Design fehlertoleranter Prozesse. Ich habe mein Konto bei der Deutschen Bank kündigen müssen, weil deren neue App ihren Code nicht lesen konnte und ich den Zugang zum Konto mit Abschaffung von SMS-TAN verloren hätte. Das geht vielen Kunden so, wie man auf reddit lesen kann, und es interessiert die Bank nicht. Typisch für die heutige Zeit. Ich empfehle schon lange jedem, zwei Girokonten zu haben. Idealerweise eins davon im Ausland. Deutschland ist finanziell ein Entwicklungsland.


    Die medizinische Versorgung in Deutschland hat noch ganz andere Probleme. Digitale Termine lösen ein Problem, weil es weniger Kosten und weniger Arbeitskraft braucht, und beides sind echte Engpässe.


    Ich kann nur davor warnen, sich von dem täglichen Leben abzukoppeln, und das Internet gehört nunmal dazu. Objektiv erzeugt man damit zukünftiges Leid. Das ist so, als ob man Lesen und Schreiben ablehnt, um sich gegen Formulare zu wehren. Ich habe die letzten 10 Jahre neben der Arbeit sehr viel im Internet gelernt, aus Medien und auch persönlich. Das ermöglicht mir jetzt ein völlig neues Leben zu beginnen. Es liegt an einem selbst, was man mit der Technik anfängt.

  • Wie geht ihr damit um, wenn nahestehende Menschen euren Glauben nicht ernst nehmen?

    • Michael Haardt
    • 1. März 2026 um 13:57

    Enttäuschung in einer Freundschaft ist ein Problem, was jeder kennt. Man kann sich fragen, wer schuld ist und wie man die Freundschaft für die Zukunft bewertet, aber wenn man das tut, hält man am Leid weiter fest.


    Mein Rat ist, darüber zu sprechen. War es böse gemeint? Unter Freunden vermutlich nicht. Ist der Freundin klar, dass es böse verstanden wurde? Vermutlich auch nicht. Heute würde Buddha sagen, shit happens. Deine Freundin hat von Buddhismus vermutlich eine sehr andere Vorstellung als Du, und über diese Vorstellung hat sie gelacht. Es wäre natürlich ideal, wenn sie neugierig wäre, wie Du es Dir vorstellst, aber wenn Euch beiden klar wird, dass es diesen Unterschied gibt, hilft das schon sehr.

  • Vergänglichkeit beinhaltet auch Geburt ?

    • Michael Haardt
    • 11. Februar 2026 um 19:56
    Qualia:

    Off-Topic

    Worte, die in Stein gemeißelt sind, überdauern nur, weil der Stein scheinbar überdauert. Derjenige, der das getan hat, kann nur selten verstehen, dass die gemeißelten Worte, sobald sie von einem anderen gelesen werden, einen anderen Wert haben.

    Finde ich kein bisschen off topic. Dein ganzer Beitrag ist klasse!


    Ich denke, genau darum hat Buddha Ratschläge gegeben und zum selbst denken und prüfen aufgerufen. 2500 Jahre später sind Schriften und Sprachen vergangen, Worte können falsch verstanden werden, Regeln falsch angewendet. Aber mit genug Ratschlägen kann man den Weg finden und auf den Rest kommt man dann selbst. Es kann ihn ohnehin niemand anders für einen gehen.


    Jetzt kann man sich fragen, ob Buddha damit nicht etwas Ewiges geschaffen hat, aber ich vermute, dass er sagen würde, etwas Ewiges entdeckt zu haben, was sich dennoch im Detail stets wandelt, so wie das Leben selbst.

  • Zum Theravada im eigenem Hause

    • Michael Haardt
    • 11. Februar 2026 um 19:48

    Ich muss mich sehr wundern. Ist das hier noch das Buddhaland?


    Ich finde den achtfachen Pfad eigentlich leicht verständlich. Braucht rechte Rede wirklich Erklärungen, extra Forenregeln oder Netiquette? Rechthaberei, Zurechtweisungen, Frechheiten ... gehören nicht dazu.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 31. Januar 2026 um 13:38

    Ich stimme zu, Achtsamkeit ist wichtig. Buddha empfiehlt, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Was macht man mit dem Wissen?


    Man trifft bessere Entscheidungen. Wenn man seine Umwelt kennt und versteht, und die Begrenzungen des persönlichen Denkens berücksichtigt, ist es einfacher, sich für eine Handlung zu entscheiden, weil man deren Konsequenzen mit zufriedenstellender Gewissheit vorhersagen kann. Rechtes Handeln und rechte Rede sind schwer, wenn man ahnungslos ist.


    Dabei geht es nicht darum, die Welt zu ändern, oder zu verzweifeln, weil das nicht geht. Es geht um eine fundierte Entscheidung, wie man sich persönlich in dieser Welt verhält.


    Das klingt abstrakt, darum ein Beispiel: Was sage ich zum Eingreifen der USA in Venezuela? Als Deutscher, der das aus der Ferne sieht. Völkerrecht, das Leben Unschuldiger, ein tyrannischer Diktator, aber auch eine aggressive Supermacht - da muss man doch eine Meinung zu haben! Da kann man doch nicht einfach ignorant wegschauen!


    Ich frage Leute aus Venezuela. Wie ist es für sie? Wie sieht es vor Ort aus? Es hat sich kaum etwas geändert. Es gibt Bedenken eines militärischen Konflikts und Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und sie beklagen die lange dunkle Geschichte, die ihr Land in die Gegenwart führte, die Kultur der Korruption und Gewalt, den Mangel. Auch aus dem Exil lieben sie ihr Land, ohne zu wissen, wie es dort besser werden soll, ohne ihre Hoffnung auf eine der zwei Seiten zu stellen, weil sie wissen: Weder das Regime noch die USA stehen auf ihrer Seite.


    Michael

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 6. Dezember 2025 um 22:56

    pano Korrekt! Ich habe keine Rechtssicherheit zu Höhe, Versteuerung und Kaufkraft der einstigen Rente und ich weiß, dass es ein Schneeballsystem ist. Was, nebenbei bemerkt, bei der Einführung bewusst in Kauf genommen wurde, aber Adenauer wollte die Wahl gewinnen und hat darum den Rat aller Experten ignoriert. Die Entwicklung der Demografie wurde damals schon gesehen, auch wenn man noch nicht wusste, dass es mit der Pille noch krasser werden würde. Kann man im Archiv nachlesen. Ich war mal neugierig, wie die Prognosen seinerzeit waren und da waren helle Köpfe am Werk. Leider wurden sie ignoriert. Norwegen hat sein System irgendwann auf ein kapitalgedecktes System umgebaut. Deutschland halt nicht.


    Das Ausspielen jung gegen alt ist auch nur "Teile und Herrsche", mehr nicht. Klappt gut, zugegeben. Sogar hier, obwohl Buddha recht eindeutig davon abrät. Und in der Diskussion, ob und was die Boomer nun schuld waren, schaut keiner mehr hin, wer denn die Geldmenge so aufgebläht und das Vermögen umverteilt hat.


    Ich habe geschmunzelt, wie treffend pano beschreibt, was die AfD nicht adressiert. Aber die AfD hat durchaus Vorstellungen, wie man illegale Migration begrenzt, d.h. Einwanderung ohne Visum und mit absehbar verweigertem Asylantrag:


    Asylentscheidungen und Klagen | Zahlen zu Asyl in Deutschland | bpb.de
    Wie viele Anträge, die beim BAMF gestellt werden, sind erfolgreich? Gegen wie viele Entscheidungen des BAMF wird geklagt und wie erfolgreich sind diese Klagen?
    www.bpb.de


    Nur 22,6% bekommen Asyl. Wenn in einem demokratischen Land ein großer Teil der Ansicht ist, dass der illegale Rest nicht hier herkommen oder hier leben sollte, dann gibt es Unmut, wenn die Regierung sich dem dauerhaft widersetzt. Das hat nichts mit Polemik oder Trump zu tun. Polemik sind "Doppelwumms" und "Herbst der Reformen".


    Aber wie ich beschrieb, liegen die großen Probleme woanders: Konsumismus. Ich glaube, wer bei pro oder contra AfD sein Glück sieht, hat sich an einer Idee festgekrallt, und steht noch vor unliebsamen Überraschungen durch die Wirklichkeit. Ich könnte noch endlos weiter Daten und Analysen zeigen, was wirklich passiert, aber ich glaube, es reicht.


    Migration zeigt immer signifikante Probleme und normalerweise sieht man mit erheblicher Verzögerung, dass es sich lohnte, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Was allen bekannt vorkommen dürfte, denn Buddha sagt, man ist für seine eigenen Handlungen und deren Konsequenzen verantwortlich, da nichts aus dem Nichts entsteht, was die Definition von Eigenverantwortung schlechthin ist. Seit ein paar Jahren haben wir zum ersten Mal in der Geschichte der BRD, aber zum zigsten Mal in der Geschichte Deutschlands, eine erhebliche Netto-Auswanderung gebürtiger Deutscher. Unsere Brandmauerparteien sehen das und haben nicht die Absicht eine Mauer zu bauen, sondern denken neben der Wegzugsbesteuerung noch über weitere Abgaben nach, wie man in den wenig gelesenen Parteiprogrammen der letzten jahre unverblümt erfährt. England ist da schon weiter und hat eine Liste attraktiver Länder, bei denen die Höhe des Rentenbezugs dauerhaft eingefroren wird, wenn man wagt, dorthin auszuwandern. Die Wirksamkeit lässt aber inzwischen nach.


    Wer sich Gedanken um die Zukunft macht, sollte weiter als pro/contra AfD denken.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 6. Dezember 2025 um 15:11

    KarmaHausmeister "Lassen sich nicht belegen", "dienen politischer Polarisierung": Das ist keine rein faktische Information, sondern enthält im System der vier Ohren die Beziehungsaussage, dass Du als redlicher Mensch unredliche Absichten erkennst, und den Appell, das sein zu lassen. Das wirkt unsympathisch und macht es schwer, einen Dialog zu führen, der bei den Fakten bleibt, und anders wird man im Sinn der rechten Rede nicht über ein grundsätzlich so emotionales Thema wie die AfD sprechen können, um sein Verständnis zu erweitern. Du hast den Thread mit dem Appell eröffnet, dass ein Buddhist die AfD prinzipiell nicht wählen kann. Allein die einhellig beglückende Zustimmung blieb aus, denn es ist alles andere als einfach. Was hätte Buddha gesagt? Ich denke, er hätte versucht, die Situation zu verstehen. Er hätte sich nicht mit wehenden Fahnen in eine emotionale Diskussion gestürzt.


    Also, wie sieht es mit Gewalt so aus? Ich weiß nicht, was in deinen Zahlen alles unter Gewalt fällt, aber hier die Daten mit Quelle spezifisch zu Körperverletzung:


    Körperverletzungen Deutschland 2024| Statista
    Die Zahl der polizeilich erfassten Körperverletzungen in Deutschland war im Jahr 2024 so hoch wie noch nie zuvor.
    de.statista.com


    2015: 528 k

    2025: 626 k


    Was sagt das BKA zur Ausländerkriminalität?


    Tatverdächtige Ausländeranteil 2024| Statista
    Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen bei Straftaten in Deutschland stieg im Jahr 2024 auf einen neuen Höchststand.
    de.statista.com


    Das sind natürlich nur absolute Werte. Wieviele Ausländer gibt es denn und wie hat sich der Anteil entwickelt?


    Ausländeranteil in Deutschland bis 2024| Statista
    Der Ausländeranteil in Deutschland ist in den letzten Jahren gestiegen. Der Anteil Nichtdeutscher nahm vor allem durch Zuwanderung aus dem Ausland zu.
    de.statista.com


    Der Trend im Verhältnis ist so eindeutig, dass man auch durch leichte Korrekturen der Zahlen aufgrund verschiedener Ermittlungen nicht zu einer anderen Aussage kommt. Deutschland wird faktisch unsicherer, auch wenn wir in der Welt immer noch ganz gut dastehen.


    Die momentane Quote der Arbeitsvermittelung von Bürgergeldempfängern ist miserabel. Ich kenne keine optimistische Statistik, wie eingewanderte Bürgergeldempfänger zu steuerzahlendem Humankapital werden, denn darum geht es politisch teilweise. Du sagst, dass es mehr Zeit braucht. Ich bin neugierig auf die Datengrundlage, die darlegt, wie sich die Vermittlungsquote über die Zeit gestaltet, auf deren Basis du zu dieser Ansicht kommst.


    Warum sprechen wir über Bürgergeld? Es geht um ca. 50 Mrd im Jahr. Also etwa so viel, wie uns der Betrieb der Finanzämter kostet, aber darüber, oder wo der Rest der 948 Mrd Steuereinnahmen bleibt, sprechen wir nicht. Oder warum wir so extreme Schulden brauchen, um die gesamten Staatsausgaben zu decken, was, wie ich oben darlegte, den wirtschaftlichen Druck erzeugt, der die AfD hervorbrachte. Buddha sieht Neid als Wut und Enttäuschung über eine unzureichende Belohnung des Selbstbildes gegenüber anderen an. Ich denke, das stimmt, und es verstellt den Blick auf die Gesamtheit.


    Den Begriff "Stadtbild" verwende ich nicht. Das ist Dog-Whistling, weil die Mehrdeutigkeit darunter jeden verstehen lässt, was er möchte. So polarisiert man weiter als moderne Version von "Teile und Herrsche", lenkt alle Energie der verfeindeten Gruppen gegeneinander, und regiert unbehelligt weiter.


    Die Diskussion um Gesetze und deren Auslegung ist für den Stammtisch geeignet, bringt aber niemand wirklich weiter. Gesetze sind Instrumente der Macht, mehr nicht. Kriegsverbrechen sind recht klar definiert. Assange hat sie aufgedeckt und wurde darum als Individuum verfolgt, was nach üblicher Definition das Recht auf Asyl begründet, und die Bundesregierung hat das abgelehnt, und ich bin sicher, dass es juristisch einwandfrei war.


    Weitaus interessanter ist die Frage: Wie sieht die wirtschaftliche Lage des Landes aus, und warum ist das so? Wie realistisch ist es, dass der Staat seine Kernaufgaben zukünftig wieder erfüllen kann, und warum hat er ein Problem damit? In diesem Problemfeld wurde die AfD groß. Wer sie loswerden möchte, muss hier Lösungen finden.


    Buddha liefert gute Ansätze, wie man die Situation versteht, und was man mit dem gefundenen Verständnis anfängt. Für mich war Buddha ein Mensch, der sagt: "Jetzt mach keine Religion draus. Du musst schon selbst denken und verstehen. Ich kann dir nur sagen, in welcher Weise du das hinbekommst, damit du nicht über die eigenen Füße fällst." Es ist keine Religion, wo in irgendeinem Gebot steht "du sollst nett zu allen Menschen sein" und dann kann man zu einem Gott beten "Hey schau mal, die AfD hält sich da gar nicht dran. Kannst du die mal wegputzen?", oder die Gläubigen belehren "Jungs! Ihr wählt die doch wohl nicht, oder? Gebot 13a oder Karma is Essig!!!" Und sich danach selbst auf die Schulter klopfen, wie klasse man das gemacht hat.


    Buddha fragt: "Warum hältst du dich so an dem Gedanken fest, dass die AfD die Menschen mit Trugbildern von anderen Parteien weglockt, obwohl alles in Ordnung ist?"

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 5. Dezember 2025 um 22:35

    Vermietung lohnt sich vielerorts kaum noch. Immer mehr Mieterrechte, immer mehr Bürokratie, keine Rechtssicherheit bei Dingen wie Heizung und Sanierungspflichten, das sind alles Risiken, die eingepreist werden müssen und nicht können. Dazu hat man die Kapitalbindungskosten. Das weiß unsere Regierung auch und ist darum so viele Sozialwohnungen losgeworden, wie ging, weil sie nur draufzahlt.


    Entsprechend verkaufen etliche Vermieter, entweder an Gesellschaften, oder an Wohnungseigentümer, oder lassen evtl. leerstehen in der Hoffnung auf bessere Zeiten (oder Käufer), bevor sie eine Sanierung machen, deren Kosten sie nie wiedersehen, oder durch Vermietung mehr Geld verlieren als durch Leerstand.


    Es lässt sich nun trefflich schimpfen, wer das alles schuld ist. Das machen alle Länder und tatsächlich gibt es in jedem Land ein paar individuelle Ursachen, die schon preistreibend sind, aber längst nicht die Dimension erklären, die wir sehen, wenn man nachrechnet. Rechnen ist allerdings erheblich unbeliebter als schimpfen, aber Buddha setzt Erkenntnis klar über Wut, also:


    Seit gut 40 Jahren bis in die junge Vergangenheit sanken die Zinsen. Liquidität wurde also immer billiger. Man wollte mehr Inflation und laut Theorie muss man dazu die Zinsen senken. Ein anderes Instrument hat eine Notenbank auch nicht. Die Theorie hat zwar noch nie so richtig gestimmt, aber egal, man hat das gemacht. Und weil's so billig war, die Geldmenge hochgejubelt, denn es kostete ja kaum was.


    Inflation ist kein uniformes Maß, sondern marktspezifisch. Wenn ich da im Supermarkt stehe und sag, wo steht denn der 10-jährige Zins für mein 12er-Pack H-Milch, wird das nichts. Im Autohaus sieht es schon anders aus. Wenn Liquidität billig ist, wird H-Milch also nicht direkt teurer, aber Autos werden es schon. Wenn so viel Liquidität da ist, wird alles zum Asset, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Auch Immobilien. Und wenn die Geldmenge so steigt, auch wenn die Verbraucherpreise es (noch) nicht tun, ist jeder blöd, der long in Geld ist. Also ist der kluge Investor short in Geld und long in Assets. Und verdient gut. Und der normale Arbeitnehmer versucht long in Geld zu werden, indem er seine Arbeitskraft verkauft, und verliert jedes Jahr. Ein Maß für einen fairen Aktienwert ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis: Wieviele Jahresgewinne machen den Kurs einer Aktie aus? Ich weiß, das ist keine ideale Metrik, aber für diesen Zweck absolut ausreichend. Ich zeige hier die relative Staatsverschuldung der USA in Prozent ihres BIP und das Kurs/Gewinn-Verhältnis vom S&P 500 Aktienindex:


    Wie man sieht, korreliert das halbwegs. Mit der Ausweitung der Verschuldung und damit der Geldmenge wurden Aktien immer teurer: Inflation.


    Meine These, dass Wohlstand damit korreliert, short in Geld und long in Assets zu sein, kann ich auch in Daten angeben. Hier eine Auswertung der FED der USA, welche Vermögensstruktur welcher Teil der Bevölkerung hat:


    The Fed - Comparison: Compare Wealth Components across Groups


    Der untere Teil der Bevölkerung gibt sein Geld aus, primär für sein Haus und vor allem für Konsumartikel. 50-90% sind schon besser, aber insgesamt noch unbefriedigend. Danach sinkt der proportionale Anteil des Konsums extrem ab und steigt erst bei den Superreichen mit Superyachten und so wieder an.


    Natürlich sind die Marktteilnehmer nicht blöd und sagen irgendwann: Hallo, lieber Staat. Deine Anleihen werden riskant, weil du so überschuldet bist. Ich will mehr Risikoprämie. Der Marktzins steigt also, und das am langen Zinsende, weil da mehr Risiko ist. Exakt das ist passiert. Damit steigen die Zinsausgaben plötzlich und der Staat macht dicke Backen. Die naheliegende Reaktion ist, die Laufzeit der Neuverschuldung zu senken, um neue Schulden billiger aufnehmen zu können und den Marktzins der Langläufer nicht unnötig zu treiben. Das verschiebt das Problem natürlich nur, aber genau das wird seit längerer Zeit gemacht.


    Ich habe hier die USA gezeigt, weil das der größte und transparenteste Kapitalmarkt ist. Bei uns und überall sonst sieht das natürlich ganz ähnlich aus.


    So enteignet man Menschen seit ein paar Jahrzehnten systematisch. Egal, wessen Lieblingspartei schon mal mitregiert hat: Ja, die hat das auch gerne mitgemacht und schön die Klappe gehalten. Und, der Fairness halber, was sagt die AfD dazu? Genau, auch nichts. Oder sagen wir mal, nichts mehr, seit Lucke weg ist, an den sich schon keiner mehr erinnert.


    In dem Kontext muss man das "Sondervermögen" sehen, was diesen Trend mit erhöhter Geschwindigkeit fortsetzt. Es wird Wachstum versprochen, denn wenn die Wirtschaft wächst, sinkt die relative Staatsverschuldung, und wir legen den Rückwärtsgang ein. Tun wir natürlich nicht, denn dann erhöhen wir die Verschuldung flugs, was unsere Verfassung uns nahelegt, die ich auch hier gerne ändern würde. :)


    Buddha sagt immer noch: Erkenntnis ist wichtig und gut, Schimpfen nicht. Verstehe deine Welt und mach sie nicht schlimmer. Und stell dich nicht rennenden Elefanten in den Weg (aka halte dich nicht an Gedanken fest, schon gar nicht an welchen, von denen man vorher schon weiß, dass es Verdruss gibt).


    So einfach ist das also, warum Wohnen so unbezahlbar geworden ist und warum die Zeiten für die breite Masse härter wurden. Darum gibt es die AfD und darum ist sie ein Symptom, keine Ursache.


    Es bleibt die Frage: Warum ist das passiert? Unsere Kultur glaubt an endloses Wachstum. Das ist unsere Ideologie. Wir wollen Inflation, die berühmten zwei Prozent, weil die Aussicht auf zukünftige Preissteigerungen den Konsum antreibt, und ohne Konsum kein Wachstum. Die alten Industrieländer glauben an den Konsumismus.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 4. Dezember 2025 um 19:42

    Samadhi1876


    Die Behörden können 10% aller Stellen dauerhaft nicht mehr besetzen und kontinuierlich wird durch neue Vorschriften mehr Arbeit erzeugt. Ein Beispiel: Bauämter sollen juristisch entscheiden, aber sie stellen keine Juristen ein (und würden auch kaum welche bekommen) und sie haben nicht mal Zugriff auf juristische Datenbanken. Ohne die nötigen Kompetenzen dauern Sachen ewig, weil schwierige Arbeiten ohne die nötige Kompetenz erstmal weitergegeben werden. Die Bauämter können keine übergeordnete Behörde um fachlichen Rat fragen! Extremföderalismus. Gerade aus erster Hand mitbekommen.


    Die gegenüber früher extremen Sperrungen von Autobahnen liegen an neuen Sicherheitsvorschriften für die Mitarbeiter, die mehr Abstand fordern. Nach Unfällen bleibt die Sperrung manchmal zig Stunden stehen, weil gerade keine Reinigungsfirma Zeit hat.


    Die Schläferbaustellen sind so geplant. Es soll möglichst billig sein. Also wird ein billiger Auftrag angenommen, der länger dauert. Die Absperrung macht nicht die Baufirma, sondern das Land, und die Firma muss das bezahlen. Es wird also zeitig abgesperrt, die Firma fängt an, arbeitet zwischendurch woanders, um eine gleichmäßige Auslastung zu haben, und alles dauert ewig. Es gibt längst moderne Maschinen, die effizienter arbeiten, aber keine Firma kauft sie, weil sie sich von Ausschreibung zu Ausschreibung hangeln muss. Die Autobahn GmbH ist eine Verwaltungsgesellschaft, die die Arbeit des Verkehrsministeriums als Subunternehmer macht, ohne an die Einschränkungen der Besoldung gebunden zu sein, und die eigentliche Arbeit nur weitergibt. In anderen Ländern würde diese Gesellschaft selbst bauen, mit modernsten Maschinen. Das darf sie bei uns aber nicht. Und davon profitieren viele Leute.


    Unser Staat versagt strukturell und die Altparteien bestehen auf der bisherigen Struktur. Politik und Bürokratie sind naheliegenderweise enge Freunde. Darum wird die AfD stark bekämpft: Sie droht der neue Begünstigte dieses Filzes zu werden. Im Grunde muss sie gar nichts tun, außer zu existieren, und sich von den Altparteien abzusetzen. Wie man beim Beispiel bei uns im Dorf sah: Bevor sie kommunal an die Macht kommt, wird ausnahmsweise mal gemacht, was die Mehrheit der Menschen will. Das klappt nicht in allen Gemeinden und auf Bundesebene gar nicht.


    Nun hat die AfD durchaus ein Programm. Ich wage mir nicht auszumalen, was los wäre, wenn sie die Position von Schäuble einst vertreten würde, die nicht hätte verfassungsfeindlicher sein können, und definitiv heute unter Volksverhetzung liefe:


    FDP: Schäuble fordert "Erschießung auf Verdacht"
    Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) stößt mit seinem jüngsten Anti-Terror-Vorstoß auf massiven Widerspruch. "Manche Vorschläge von Herrn Schäuble…
    www.augsburger-allgemeine.de


    Die kulturellen Probleme liegen tiefer und sind globaler, darum sehen wir ein paar Probleme in allen alten entwickelten westlichen Ländern. Warum klappt es auf Bundesebene nicht, z.B. den deutschen Haushalt erheblich zu restrukturieren? Warum ist das Wohnen in den meisten Ländern der Welt unbezahlbar geworden?


    Buddha empfiehlt, an solche Fragen ohne emotionale Belastung und Scheuklappen heranzugehen. Jeder ärgert sich über viele kritikwürdige Dinge, aber das darf nicht den globalen Blick vernebeln, wenn man brauchbare Antworten haben will. Und danach sieht man, was die AfD ist, und was sie nicht ist, und wie riesig die eigentlichen Probleme sind, hinter denen die deutsche Bundespolitik schlicht verschwindet.


    P.S.: Wenn der Begriff Altparteien allgemein stigmatisiert sein sollte, ist das bei mir nicht angekommen. Ich meine damit die gewohnte Parteienlandschaft, mehr nicht. Falls jemand einen besseren Begriff dafür hat, nur her damit. Brandmauerparteien? :)

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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