Igor07 Also wenn ich dich richtig verstehe: Es geht dir nicht speziell gegen BDSM, sondern gegen weltliches Begehren als solches und generell. Das ist eine in sich schlüssige Haltung und ich nehme sie weiterhin so an. Dann geht es aber um Sexualität und Genuss überhaupt.
Das ist dann aber der Punkt, wo ich sagen muss: Ich lebe nicht als Mönch und strebe auch nicht die vollständige Transzendenz allen Begehrens an. Auf dieser Ebene von jemandem, der versucht bewusst und verantwortungsvoll mit seinem Begehren umzugehen, statt es ganz aufzugeben, wurde meine Ausgangsfrage gestellt. Du beantwortest sie aber aus meiner Perspektive von der Ebene der vollständigen Entsagung.
Meine Frage war ja gerade, ob man ein Begehren leben kann, ohne in diese Kratz-Spirale zu geraten, ob es also einen achtsamen Umgang unterhalb der völligen Entsagung gibt. Du sagst, nein, jedes Kratzen ist eins zu viel. Das ist konsequent. Ich hoffe aber auf mehr Abstufungen.
Bei Ahimsa rennst du bei mir offene Türen ein. Gewaltlosigkeit ist auch für mich der Maßstab. Die Frage bleibt aber, was als Gewalt zählt. Die hast du in #34 mit dem Chirurgen selbst beantwortet: Der schneidet in einen Körper und begeht trotzdem keine Gewalt, weil Absicht, Zweck und Einwilligung den Charakter der Handlung verändern. Genau diese Unterscheidung wende ich auf einvernehmliche, informierte Praxis unter Erwachsenen an.