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MN 19: Dvedhāvitakkasutta / Zwei Arten von Gedanken

  • pano
  • 6. Juni 2026 um 21:13
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    • 6. Juni 2026 um 21:13
    • #1

    Anmerkung für die Mods: Sabbamitta, deren Übersetzung ich hier eingestellt habe, hat ihre Übersetzungen Creative-Commons 0 lizensiert, also nach meinem Verständnis quasi gemeinfrei gestellt, somit sollte lizenzrechtlich / copyright technisch nichts gegen ein Posting des Textes sprechen.

    Spielregel für diesen Faden

    Wer hier mitreden will, kommentiert, zitiert, antwortet sollte die Sutta einmal konzentriert gelesen haben (oder angehört). Erst Lesen, dann schreiben. Für offtopic Anmerkungen einfach lieber einen separaten Faden aufmachen.

    Mittlere Lehrreden 19:
    • Mittlere Lehrreden 19

    Zwei Arten von Gedanken

    So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika. Da wandte sich der Buddha an die Mönche und Nonnen: „Mönche und Nonnen!“

    „Ehrwürdiger Herr“, antworteten sie. Der Buddha sagte:

    „Mönche und Nonnen, vor meinem Erwachen, als ich noch nicht erwacht war, aber zum Erwachen entschlossen, dachte ich: ‚Warum meditiere ich nicht, indem ich meine Gedanken fortlaufend in zwei Klassen einteile?‘ Und ich wies sinnliche, böswillige und grausame Gedanken einer Klasse zu und entsagende, wohlwollende und mildherzige Gedanken der anderen Klasse.

    Dann kam, als ich beflissen, eifrig und entschlossen meditierte, ein sinnlicher Gedanke auf. Ich verstand: ‚Dieser sinnliche Gedanke ist in mir aufgekommen. Er führt dazu, mich selbst zu verletzen, andere zu verletzen, sowohl mich als auch andere zu verletzen. Er blockiert die Weisheit, ist mit Qual verbunden und führt nicht zum Erlöschen.‘ Wenn ich darüber nachdachte, dass er dazu führt, mich selbst zu verletzen, ging er weg. Wenn ich darüber nachdachte, dass er dazu führt, andere zu verletzen, ging er weg. Wenn ich darüber nachdachte, dass er dazu führt, sowohl mich selbst als auch andere zu verletzen, ging er weg. Wenn ich darüber nachdachte, dass er die Weisheit blockiert, mit Qual verbunden ist und nicht zum Erlöschen führt, ging er weg. So gab ich jeden sinnlichen Gedanken, der aufkam, auf, machte mich von ihm los und beseitigte ihn.

    Dann kam, als ich beflissen, eifrig und entschlossen meditierte, ein böswilliger Gedanke auf … ein grausamer Gedanke auf. Ich verstand: ‚Dieser grausame Gedanke ist in mir aufgekommen. Er führt dazu, mich selbst zu verletzen, andere zu verletzen, sowohl mich als auch andere zu verletzen. Er blockiert die Weisheit, ist mit Qual verbunden und führt nicht zum Erlöschen.‘ Wenn ich darüber nachdachte, dass er dazu führt, mich selbst zu verletzen … andere zu verletzen … sowohl mich selbst als auch andere zu verletzen, ging er weg. Wenn ich darüber nachdachte, dass er die Weisheit blockiert, mit Qual verbunden ist und nicht zum Erlöschen führt, ging er weg. So gab ich jeden grausamen Gedanken, der aufkam, auf, machte mich von ihm los und beseitigte ihn.

    Worüber ein Mönch häufig nachdenkt, was er häufig erwägt, dahin neigt sich sein Herz. Wenn er häufig über sinnliche Gedanken nachdenkt und sie erwägt, hat er entsagende Gedanken aufgegeben, um sinnliche Gedanken zu mehren. Sein Geist neigt sich zu sinnlichen Gedanken. Wenn er häufig über böswillige Gedanken nachdenkt und sie erwägt, hat er wohlwollende Gedanken aufgegeben, um böswillige Gedanken zu mehren. Sein Geist neigt sich zu böswilligen Gedanken. Wenn er häufig über grausame Gedanken nachdenkt und sie erwägt, hat er mildherzige Gedanken aufgegeben, um grausame Gedanken zu mehren. Sein Geist neigt sich zu grausamen Gedanken.

    Wie wenn im letzten Monat der Regenzeit, zur Herbstzeit, die Feldfrucht dicht wächst und ein Kuhhirte auf die Rinder aufpassen muss: Er würde sie mit seinem Stab in diese oder jene Seite stoßen, um sie in Schach zu halten. Warum ist das so? Weil er sieht, dass er, wenn sie in die Feldfrucht streiften, hingerichtet werden, ins Gefängnis kommen, sein Besitz eingezogen oder er entehrt werden könnte.

    Ebenso sah ich den Nachteil untauglicher Eigenschaften, die so schmutzig und unlauter sind, und den Vorteil tauglicher Eigenschaften, die läuternde Kraft der Entsagung.

    Dann kam, als ich beflissen, eifrig und entschlossen meditierte, ein entsagender Gedanke auf. Ich verstand: ‚Dieser entsagende Gedanke ist in mir aufgekommen. Er führt nicht dazu, mich selbst zu verletzen, andere zu verletzen, sowohl mich als auch andere zu verletzen. Er nährt die Weisheit, ist frei von Qual und führt zum Erlöschen.‘ Wenn ich darüber die ganze Nacht nachdenken und ihn erwägen würde … Wenn ich darüber den ganzen Tag nachdenken und ihn erwägen würde … Wenn ich darüber die ganze Nacht und den ganzen Tag nachdenken und ihn erwägen würde, so sehe ich keine Gefahr, die davon käme. Dennoch würde zu langes Nachdenken und Erwägen meinen Körper ermüden. Wenn der Körper müde ist, ist der Geist erschöpft. Und wenn der Geist erschöpft ist, ist er von Versenkung weit entfernt. So stillte ich meinen Geist, ließ ihn sich setzen, eins werden und im Samādhi versinken. Warum ist das so? Damit mein Geist nicht erschöpft würde.

    Dann kam, als ich beflissen, eifrig und entschlossen meditierte, ein wohlwollender Gedanke auf … ein mildherziger Gedanke auf. Ich verstand: ‚Dieser mildherzige Gedanke ist in mir aufgekommen. Er führt nicht dazu, mich selbst zu verletzen, andere zu verletzen, sowohl mich als auch andere zu verletzen. Er nährt die Weisheit, ist frei von Qual und führt zum Erlöschen.‘ Wenn ich darüber die ganze Nacht nachdenken und ihn erwägen würde … Wenn ich darüber den ganzen Tag nachdenken und ihn erwägen würde … Wenn ich darüber die ganze Nacht und den ganzen Tag nachdenken und ihn erwägen würde, so sehe ich keine Gefahr, die davon käme. Dennoch würde zu langes Nachdenken und Erwägen meinen Körper ermüden. Wenn der Körper müde ist, ist der Geist erschöpft. Und wenn der Geist erschöpft ist, ist er von Versenkung weit entfernt. So stillte ich meinen Geist, ließ ihn sich setzen, eins werden und im Samādhi versinken. Warum ist das so? Damit mein Geist nicht erschöpft würde.

    Worüber ein Mönch häufig nachdenkt, was er häufig erwägt, dahin neigt sich sein Herz. Wenn er häufig über entsagende Gedanken nachdenkt und sie erwägt, hat er sinnliche Gedanken aufgegeben, um entsagende Gedanken zu mehren. Sein Geist neigt sich zu entsagenden Gedanken. Wenn er häufig über wohlwollende Gedanken nachdenkt und sie erwägt, hat er böswillige Gedanken aufgegeben, um wohlwollende Gedanken zu mehren. Sein Geist neigt sich zu wohlwollenden Gedanken. Wenn er häufig über mildherzige Gedanken nachdenkt und sie erwägt, hat er grausame Gedanken aufgegeben, um mildherzige Gedanken zu mehren. Sein Geist neigt sich zu mildherzigen Gedanken.

    Wie im letzten Sommermonat, wenn alle Feldfrucht im Dorf zusammengetragen ist und ein Kuhhirte auf die Rinder aufpassen muss. Er würde am Fuß eines Baumes oder im offenen Gelände sitzen und müsste nur achtsam sein, dass die Rinder da sind. Ebenso musste ich nur achtsam sein, dass diese Dinge da waren.

    Meine Energie war aufgerüttelt und unermüdlich, die Achtsamkeit fest verankert und klar, mein Körper war still und nicht erregt und mein Geist im Samādhi versunken und geeint.

    Ganz abgeschieden von den Sinnenfreuden, abgeschieden von untauglichen Eigenschaften, trat ich in die erste Vertiefung ein und verweilte darin; da gibt es aus Abgeschiedenheit geborene Ekstase und Seligkeit, während man den Geist ausrichtet und hält.

    Als das Ausrichten und Halten des Geistes sich beruhigte, trat ich in die zweite Vertiefung ein und verweilte darin; da gibt es aus Versenkung geborene Ekstase und Seligkeit, mit innerer Klarheit und geeintem Geist, ohne Ausrichten und Halten.

    Und mit dem Schwinden der Ekstase trat ich in die dritte Vertiefung ein und verweilte darin; da meditierte ich mit Gleichmut, achtsam und bewusst, und erfuhr persönlich die Seligkeit, von der die Edlen erklären: ‚Gleichmütig und achtsam meditiert man in Seligkeit.‘

    Indem ich Glück und Schmerz aufgab, und mit dem Vergehen früherer Fröhlichkeit und Traurigkeit, trat ich in die vierte Vertiefung ein und verweilte darin, ohne Glück oder Schmerz, mit reinem Gleichmut und reiner Achtsamkeit.

    Als mein Geist so im Samādhi versunken war – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt –, da streckte ich ihn aus auf die Erinnerung an frühere Leben. Ich erinnerte mich an viele Arten früherer Leben mit den Merkmalen und Einzelheiten.

    Das war das erste Wissen, das ich in der ersten Nachtwache erlangte. Unwissenheit war vertrieben und Wissen erschienen; Dunkelheit war vertrieben und Licht erschienen, wie es bei jemandem geschieht, der beflissen, eifrig und entschlossen meditiert.

    Als mein Geist so im Samādhi versunken war – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt –, da streckte ich ihn aus auf das Erkennen von Tod und Wiedergeburt der Lebewesen. Mit geläuterter und übermenschlicher Hellsichtigkeit sah ich Lebewesen, wie sie hinscheiden und wieder geboren werden – gering oder hochstehend, schön oder hässlich, an einem guten oder einem schlechten Ort. … Ich verstand, wie Lebewesen entsprechend ihrer Taten weiterziehen.

    Das war das zweite Wissen, das ich in der mittleren Nachtwache erlangte. Unwissenheit war vertrieben und Wissen erschienen; Dunkelheit war vertrieben und Licht erschienen, wie es bei jemandem geschieht, der beflissen, eifrig und entschlossen meditiert.

    Als mein Geist so im Samādhi versunken war – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt –, da streckte ich ihn aus auf das Erkennen der Auflösung der Befleckungen. Ich verstand wahrhaftig: ‚Das ist das Leiden.‘ … ‚Das ist der Ursprung des Leidens.‘ … ‚Das ist das Aufhören des Leidens.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören des Leidens führt.‘

    Ich verstand wahrhaftig: ‚Das sind die Befleckungen.‘ … ‚Das ist der Ursprung der Befleckungen.‘ … ‚Das ist das Aufhören der Befleckungen.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören der Befleckungen führt.‘ Als ich das erkannte und sah, war mein Geist befreit von den Befleckungen der Sinnlichkeit, des Wunsches nach Wiedergeburt und der Unwissenheit. Ich verstand: ‚Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘

    Das war das dritte Wissen, das ich in der letzten Nachtwache erlangte. Unwissenheit war vertrieben und Wissen erschienen; Dunkelheit war vertrieben und Licht erschienen, wie es bei jemandem geschieht, der beflissen, eifrig und entschlossen meditiert.

    Wie wenn in einer bewaldeten Wildnis eine ausgedehnte Sumpfniederung wäre, und in der Nähe lebte eine große Rotwildherde. Und es käme ein Mensch, der der Herde schaden, sie verletzen und in Gefahr bringen wollte. Er würde den geschützten und sicheren Pfad, der zu Glück führt, absperren und den falschen Pfad öffnen. Er würde zahme Hirsche und Hirschkühe als Lockmittel hinstellen, sodass diese Rotwildherde mit der Zeit in ihr Verderben und ihren Untergang ginge. Dann käme ein Mensch, der helfen und nützen und dieser Rotwildherde ein Refugium vor dem Joch verschaffen wollte. Er würde den geschützten und sicheren Pfad, der zu Glück führt, öffnen und den falschen Pfad absperren. Er würde den Hirsch und die Hirschkuh als Lockmittel wegschaffen, sodass diese Rotwildherde mit der Zeit wachsen, größer werden und zur Reife kommen würde.

    Ich habe mir dieses Gleichnis ausgedacht, um etwas deutlich zu machen. Und das ist die Bedeutung: ‚Eine ausgedehnte Sumpfniederung‘ ist ein Ausdruck für Sinnenfreuden. ‚Eine große Rotwildherde‘ ist ein Ausdruck für die Lebewesen. ‚Ein Mensch, der der Herde schaden, sie verletzen und in Gefahr bringen will‘ ist ein Ausdruck für Māra den Bösen. ‚Der falsche Pfad‘ ist ein Ausdruck für den falschen achtfachen Pfad: nämlich falsche Ansicht, falsches Denken, falsche Rede, falsches Handeln, falschen Lebenserwerb, falschen Einsatz, falsche Achtsamkeit und falsche Versenkung. ‚Ein zahmer Hirsch‘ ist ein Ausdruck für Genießen und Gier. ‚Eine zahme Hirschkuh‘ ist ein Ausdruck für Unwissenheit. ‚Ein Mensch, der helfen und nützen und dieser Rotwildherde ein Refugium vor dem Joch verschaffen will‘ ist ein Ausdruck für den Klargewordenen, den Vollendeten, den vollkommen erwachten Buddha. ‚Der geschützte und sichere Pfad, der zu Glück führt‘ ist ein Ausdruck für den edlen achtfachen Pfad: nämlich rechte Ansicht, rechtes Denken, rechte Rede, rechtes Handeln, rechten Lebenserwerb, rechten Einsatz, rechte Achtsamkeit und rechte Versenkung.

    Nun, Mönche und Nonnen, ich habe den geschützten und sicheren Pfad, der zu Glück führt, geöffnet und den falschen Pfad abgesperrt. Ich habe den Hirsch und die Hirschkuh als Lockmittel weggeschafft.

    Aus Anteilnahme habe ich getan, was ein Lehrer, der seinen Schülern wohlgesonnen ist, tun sollte. Hier sind Plätze am Fuß von Bäumen, und hier sind leere Hütten. Übt Vertiefung, Mönche und Nonnen! Seid nicht nachlässig! Nicht, dass ihr es später bereut! Das ist meine Anleitung für euch.“

    Das sagte der Buddha. Zufrieden begrüßten die Mönche und Nonnen die Worte des Buddha.

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  • Igor07
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    • 7. Juni 2026 um 00:27
    • #2

    pano , ich versuche das mit einfachen Wörtern zu erklären, ohne Fachbegriffe.

    Im Grunde genommen geht es um die Wurzel des Leidens, und das ist das Begehren, der Durst, der uns alle antreibt. Also wir sehen nicht, dass absolut alles vergänglich ist und uns eigentlich nicht gehört, und früher oder später verlieren wir alles. Das ist der Grund. Schlüsselwörter dazu im Sutra: „Sumpfniederung“ ist ein Ausdruck für Sinnenfreuden, oder: „Ein zahmer Hirsch“ ist ein Ausdruck für Genießen und Gier. „Eine zahme Hirschkuh“ ist ein Ausdruck für Unwissenheit."

    Weil wir uns nach etwas sehnen und nach etwas trachten, was uns am Ende nur mehr und mehr Leiden verschafft, macht das das Wesen des Samsara aus.

    Gewöhnlicherweise leben wir alle nach bestimmten Mustern oder Patternen. Also wir wollen uns befriedigen, egal, um was es geht. Es kann Geld oder Ruhm sein, Sex oder die Gesundheit, aber das alles sind bedingte Phänomene, die nicht sicher sind, und wir können sie nicht in den Tod mitnehmen. Im Sutra die Schlüsselwörter dazu: „Worüber ein Mönch häufig nachdenkt, was er häufig erwägt, dahin neigt sich sein Herz.“

    Das kann auch die Neurowissenschaft bestätigen. Wenn ich immer kluge und weise Bücher lese, edle Musik höre, dann gestaltet das meine innere Welt anders, als wenn jemand Thriller mit Gewalt sieht oder Pornos, Drogen nimmt und nur auf den eigenen Profit und das eigene Wohl bedacht ist, alle anderen sind ihm absolut egal. Ich übertreibe absichtlich.

    Also wir können unsere automatischen Reaktionen bewerten und richtige, angemessene Entscheidungen treffen, wenn wir all diese Dinge so sehen, wie sie wirklich sind, also vergänglich, leidhaft, eher unzulänglich und ohne inneren Kern.

    Und was ist dazu notwendig? Sehr gute Aufmerksamkeit, also Sati, aber in der ersten Reihe geht es in diesem Sutra um Samādhi. So lese ich: „Meine Energie war aufgerüttelt und unermüdlich, die Achtsamkeit fest verankert und klar, mein Körper war still und nicht erregt und mein Geist im Samādhi versunken und geeint.“

    Weiter erklärt der Buddha in den Begriffen der damaligen Zeit, was uns alle erwartet, wenn wir von den eigenen Leidenschaften versklavt werden. Aber das Wichtigste ist hier „das dritte Wissen“, und zwar:

    „Als ich das erkannte und sah, war mein Geist befreit von den Befleckungen der Sinnlichkeit, des Wunsches nach Wiedergeburt und der Unwissenheit.“

    Der springende Punkt oder der Kern der Sache besteht in dem Ausdruck „Befleckungen der Sinnlichkeit“. Denn alles, was wir mit den Sinnen wahrnehmen, ist verzerrt, entstellt und entspricht nicht der Realität, wie sie ist. Also unterliegen wir dem Schein der Dinge, der uns blendet. Wir sind also verblendet, --- un-wissen-d.

    Über die Wiedergeburt und was alles dazu gehört, dass der Buddha das alles gesehen habe, kann ich nicht überprüfen. Für mich aber ist absolut ausreichend, dass unser Leiden, verglichen mit dem Wort "Leidenschaft", mit dem Begehren zusammenhängt. Und das ist die Wurzel, das ist die Ursache.

    Wenn wir die "Welt" so sehen, wie sie wirklich ist, dann werden wir dieser Verblendung nicht unterliegen und innerlich befreit sein. Wir können dann dank rechter Ansicht und dem ganzen Pfad frei von Māra, dem Bösen, sein.

    Wenn man im Sutra eine so blumige und märchenhafte Sprache verwendet, dann sollten wir doch berücksichtigen, dass der Buddha nicht anders reden konnte. Er wusste nicht, was die moderne Psychologie von heute im Grunde dasselbe sagt, nur mit anderen Wörtern oder einem anderen Vokabular.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • pano
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    • 7. Juni 2026 um 01:32
    • #3

    Für mich ist ein Kernsatz "Worüber ein Mönch häufig nachdenkt, was er häufig erwägt, dahin neigt sich sein Herz". Die Sutta unterscheidet zwischen heilsamen und unheilsamen Gedanken. Interessant ist das Gleichnis vom Kuhhirten. In der Regenzeit ist der in der "Hölle" des Samsara, kommt kaum hinterher die Tiere davon abzuhalten die Felder kahl zu fressen. Im Prinzip wird da glaube ich ein Zustand beschrieben in dem sich der Übende zu Anfang der Praxis befindet. Mit mehr Praxis ist er dann viel relaxter. Was ich aber beim Gleichnis seltsam finde: der Unterschied zwischen Regenzeit und Sommer ist ja ein "externer", also der Kuhhirte kann ja nicht durch Praxis den wechsel der Jahreszeiten herbeiführen. Die Lösung für dieses scheinbare Paradox ist, dass nicht der Kuhhirte ein Sinnbild für den Geist ist, odern die Gesamtsituation, der Kuhhirte ist nur ein Faktor des Geistes, Felder, Wetter sind andere Faktoren. Die Praxis verändert das gesamte Gefüge des Geistes.


    Die Rinder sind dabei unsere Impulse, der Hirte der rationale Geist der den Impulsen hinterher "hecheln" muss. Die Felder sind schützenswerte geistige Objekte, die von niederen Trieben gefährdet werden.

    Im Sommer sind die Felder dann abgeernet, die heilsame Folge ist eingetreten (Ernte), und der Hirte muss sich nicht mehr so sehr mit den Impulsen herumschlagen, es reicht gelegentliche Aufmerksamkeit.

  • pano
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    • 7. Juni 2026 um 01:40
    • #4
    Igor07:

    Und was ist dazu notwendig? Sehr gute Aufmerksamkeit, also Sati, aber in der ersten Reihe geht es in diesem Sutra um Samādhi. So lese ich: „Meine Energie war aufgerüttelt und unermüdlich, die Achtsamkeit fest verankert und klar, mein Körper war still und nicht erregt und mein Geist im Samādhi versunken und geeint.“

    Ich glaube das Zweite Bild des Kuhhirten schildert Samatha. Und die Praxis heilsame Gedanken zu hegen und unheilsamen Gedanken nicht nachzugehen ist dann schon auch eine Achtsamkeitspraxis. Wobei außerhalb des Gleichnisses der Buddha Samādhi betont "Meine Energie war aufgerüttelt und unermüdlich, die Achtsamkeit fest verankert und klar, mein Körper still und nicht erregt, mein Geist im Samādhi versunken und geeint". Insofern steckt da viel Samadhi in der Sutta.

  • Igor07
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    • 7. Juni 2026 um 02:44
    • #5
    pano:

    Ich glaube das Zweite Bild des Kuhhirten schildert Samatha

    Dazu Anālayo:


    Zitat

    Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Achtsamkeit ist das, was ich gewöhnlich als Weite des Geistes bezeichne. Mit Weite des Geistes meine ich eine unvoreingenommene, offene und empfängliche Haltung.

    Eine solche offene Empfänglichkeit lässt sich durch das Gleichnis eines Hirten veranschaulichen, das in der Dvedhāvitakka-Sutta (MN 19) zu finden ist. In diesem Gleichnis wird ein altindischer Hirte in zwei verschiedenen Situationen beschrieben. In der ersten Situation, während der Reifezeit der Ernte, muss der Hirte die Kühe aufmerksam beobachten, damit sie nicht auf die Felder mit der reifenden Ernte geraten.

    Nach der Ernte kann der Hirte jedoch entspannen und die Kühe einfach aus der Entfernung beobachten. Er muss sich lediglich bewusst sein, dass „Kühe da sind“. Für diese Art des beobachtenden Gewahrseins aus der Distanz wird im Gleichnis der Begriff sati verwendet (Anālayo 2003: 53 und 2014a: 87).

    Ich habe hier einen Hirten dargestellt, der entspannt unter einem Baum sitzt und die Kühe beobachtet, die an verschiedenen Orten grasen. Alles, was er tun muss, ist, sich ihrer Anwesenheit aus respektvoller Entfernung bewusst zu sein.

    Natürlich wird der Hirte nicht allein dadurch Erwachen erlangen, dass er sich der Kühe bewusst ist. Dazu bedarf es mehr als bloßer Achtsamkeit. An diesem Punkt muss klares Verstehen (sampajañña) hinzukommen, um die Samen der Weisheit in den fruchtbaren Boden der achtsamen Beobachtung zu säen.

    Ohne die „Hefe“ des klaren Verstehens lässt sich aus dem Teig der Achtsamkeitspraxis lediglich ein einfaches Fladenbrot backen. Der Beitrag der Weisheit, der durch das klare Verstehen ermöglicht wird, unterscheidet die Satipaṭṭhāna-Meditation von der bloßen Achtsamkeit des Hirten.

    Obwohl dem Hirten der entscheidende Aspekt der Weisheit fehlt, ist seine Beobachtung der Kühe aus der Distanz dennoch eine gute Veranschaulichung jener Empfänglichkeit und Weite des Geistes, die meines Erachtens einen wichtigen Aspekt der Achtsamkeit darstellen.

    Alles anzeigen

    S. 29, „Satipatthana-Meditation. Ein Praxisleitfaden“.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    Buddh. Richtung
    • 7. Juni 2026 um 06:59
    • #6

    Das mit der Weide erinnert mich an:

    S. Suzuki erzählt in „Anfängergeist“ auch von Kühen (Menschen) und ihnen eine große Weide zu geben wo sie ihren Unfug treiben können. Sie nicht zu kontrollieren. Sie gar nicht zu beachten wäre aber die schlechteste Lösung: Man sollte sie schon beachten (Also im Umgang mit anderen Menschen im Alltag und diese nicht kontrollieren aber auch nicht völlig ignorieren oder weg haben wollen).


    Und irgendwie ist es ja auch genauso mit dem eigenen Geist und seinen eigenen Gedanken und Emotionen:


    Man sollte ihnen schon eine große Weide geben (wo sie genug Platz bekommen und wo man sie einfach sein lassen kann - zB Meditation). Sie gar nicht zu beachten würde bedeuten sie kontrollieren, zu ignorieren oder verdrängen (weg haben) zu wollen das wiederum zum ewigen Kampf mit dem eigenen Geist führen kann. Oder zu „Dissoziation“ und sich selbst nicht mehr gewahr sein wollen, bis hin zur tiefsten Versenkung wo alles gedankenlos und ohne übliche Sinne, augenblicklich nur noch „Eins“ erscheint ohne Raum und Zeit (wie nach dem Tod des Körpers). Das wäre das andere extrem zu „den Kühen zu Lebzeiten hinter her jagen oder sie einfangen oder kontrollieren zu wollen“.


    Der „Weg“ liegt eher in der Mitte zwischen den Extremen.


    Fällt mir spontan dazu ein.

    Einmal editiert, zuletzt von Samadhi1876 (7. Juni 2026 um 07:09)

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    • 7. Juni 2026 um 07:21
    • #7

    Wenn man das auf den Alltag anwendet bedeutet das:


    Zuerst seine eigene „Wiese“ zu betrachten und damit umgehen zu können. Und dann die andere „Wiese“, die direkten Menschen um einen herum um damit umgehen zu können. Durch die Medien heute kommen auch noch mal sehr viele „Kühe“ hinzu die weit entfernt von uns sind.

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    • 7. Juni 2026 um 12:37
    • #8

    Die eigene Weide ist immer das Entscheidende. Wenn es einen Hirten gibt, dann geht es nicht mehr um die reale Weide, sondern um die Intentionen des Hirten.

    Der Hirte leidet, weil er die eigene Weide mit der wirklichen Weide verwechselt. Der Hirte kann nicht verstehen, warum er durch die Veränderung in seiner Weide nicht die wirkliche Weide verändern kann.


    Buddha sagt ganz klar das weder der Hirt noch seine Weide oder die reale Weide, mein sein kann, auch nicht das „Bin ich“.

    Die Weide des Hirten ist nur eine Vorstellung und die wahre Weide ist nicht er.

    Die Vorstellung kann jederzeit umgestaltet werden, doch bei der wirklichen Weide ist er ihren Daseinsmerkmalen, Bedingungen und Erscheinungen unterworfen, auf die er keinen Einfluss hat. Entstehen, Andauern, Vergehen existieren nur in seiner Weide, die wirkliche Weide ist Zeitloses, nur jetzt erscheinen, im Augenblick.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

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    • 7. Juni 2026 um 12:46
    • #9
    Samadhi1876:

    Zuerst seine eigene „Wiese“ zu betrachten und damit umgehen zu können.

    Das Verwirrende ist das man die eigene Weide nicht betrachten kann.

    Man kann nur die wirkliche Weide betrachten, und daran orientiert sich die eigene Weide.

    Bei der ernsthaften Betrachtung der realen Weide erkennt man das die eigene Weide nur ein Konstrukt aus Sinnesreizen ist. Fata Morgana mit Realitätsbezug, aber keine Realität.
    Die Begrifflichkeit „Weide“ ist nicht die Weide. Die Weide ist nur Erscheinung ohne Eigenschaften.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (7. Juni 2026 um 12:53)

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    • 7. Juni 2026 um 12:53
    • #10

    Die Idee, die Gedanken in unheilsame und heilsame zu trennen führt ja leicht zu ganz vielen Gedanken über Gedanken ( ist das jetzt heilsam oder unheilsam)

  • mukti
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    • 7. Juni 2026 um 12:54
    • #11

    Diese Lehrrede ist wohl eine Darstellung, wie der Buddha mittels der vierfachen rechten Anstrengung zum vollständigen Erwachen gelangte:


    Nicht aufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen lassen.
    Aufgestiegene üble, unheilsame Dinge überwinden.
    Nicht aufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lassen.
    Aufgestiegene heilsame Dinge festigen, nicht schwinden lassen, sondern sie zu Wachstum und voller Entfaltung bringen. A.IV.13

    Zitat

    Überwindung und Vermeidung,
    die Entfaltung und Erhaltung:
    diese vier gewaltigen Kämpfe
    wies des Lichtes hehrer Sproß.
    Und wer darin voller Eifer,
    mag des Leids Versiegung finden.
    A.IV.14

    Alles anzeigen

    "Umsichtig, eifrig und entschlossen" hat der Buddha den Geist beobachtet. Mit der Erkenntnis, dass sinnliche und böswillige Gedanken (Gier und Hass) zu Leid für sich selber und andere führen, machte er sich davon los, überwand sie. Mit der Erkenntnis, dass entsagende und wohlwollende Gedanken die Weisheit nähren, frei von Qual sind und zu Nibbana führen, festigte er sie, ließ sie nicht schwinden.
    Schließlich waren nur mehr heilsame Gedanken gegenwärtig und die unheilsamen entstanden nicht mehr. So wie ein Kuhhirte so lange darauf achtet, dass die Kühe keine Feldfrüchte fressen, bis die Früchte weggebracht werden. Dann braucht er nur mehr darauf zu achten, dass die Kühe da sind.
    Auf dieser Grundlage ist er dann in Samadhi eingetreten, bis zur vierten Vertiefung wo er die drei Wissen erlangte: Erinnerung an frühere Leben, das Wandern im Samsara gemäß der Taten und die vier edlen Wahrheiten, womit das Erwachen vollkommen war.


    Es kommt also zunächst auf die Erkenntnis an, was heilsam und was unheilsam ist und dann braucht es noch die Entschlossenheit, danach zu handeln. Ich muss ja zugeben, dass ich es sehr schwierig finde das rigoros durchzuziehen und mir scheint, da bin ich nicht der Einzige. Aber wahrscheinlich hat sogar der Buddha irgendwann einmal klein angefangen.

    Mit Metta, mukti.


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    • 7. Juni 2026 um 13:05
    • #12

    Buddhas Weg begann mit dem Erkennen, dass seine Welt nicht die Welt ist. Mit dem seine Welt an Der Welt prüfen und so seine zu revidieren.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Igor07
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    • 7. Juni 2026 um 13:14
    • #13
    void:

    Die Idee, die Gedanken in unheilsame und heilsame zu trennen führt ja leicht zu ganz vielen Gedanken über Gedanken ( ist das jetzt heilsam oder unheilsam)

    Klar, deswegen hat der Buddha, als er damals noch Bodhisatta war, sehr viel reflektiert. Aber mit dem Samadhi dazu geht er sehr tief, da gibt es keine Gedanken mehr.

    Interessant finde ich hier das andere Detail.

    Auch diese Samadhis sind vergängliche und bedingte Phänomene und führen nicht zu Nibbana. Deswegen hat der Buddha seine zwei ehemaligen Lehrer verlassen.

    Was heilsam ist oder nicht, das fühlt jeder, der wirklich dem Pfad folgt, intuitiv.

    Destruktive Emotionen( und Gedanken) schaden bestimmt, dazu braucht man keinen Buddhismus.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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