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  1. Buddhaland Forum
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Beiträge von void

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 22:37

    Im alten ( hinduistischen) Indien gab es traditionell vier Lebensziele:

    • Dharma: Mit Dharma ist in Hinduismus hauptsächlich Rechtschaffenheit im Sinne der Kastenregeln gemeint .
    • Artha: Wohlstand, Erfolg, Einfluß.
    • Kama: Sinnesvergnügen.
    • Moksha: Spirituelle Befreiung

    Und für jeden Bereich gab es die passenden Sutras. Für Moksha natürlich die religiösen Sutras. Für den Bereich Artha so etwas wie das Arthashastra, wo Fürsten gesagt wird wie sie Macht bekommen und für Kama gab es eine Kategorie von Werken denen das Kamasutra entstammt. Ein Sutra für das Ziel Kama ist, werden eben die verschiedenen Optionen Kama (Lust) zu erzeugen aufgezählt. Es gibt einfach Unterkapitel zu Genital, Oral, Anal, Küssen,Rollentausch, Kratzen, Beißen und Schlagen und da betont der Autor dass dies nur dazu dienen soll Lust zu erzeugen und nicht in Gewalt umschlagen soll. Auch damals ( 200-300 n Chr) gab es also so die ganze Klaviatur der Lusterzeugung.


    Die Harmonisierung der Lebensziele erfolgte durch eine zeitliche Schichtung. Erstmal muß man als Schüler die Kastenregeln lernen, dann wird es in Ehe und Beruf wichtig Kama und Artha so zu leben, dass es anderen nicht schadet und schließlich - wenn man sozusagen "den Hof übergeben hat" hat man seine Pflicht getan und widmet sich dem Spirituellen ( Moksha).


    Während es eben spirituelle Adepten gibt, die aus dem Weltlichen ( Dharma, Kama, Artha) heraustreten und nicht nur Moksha widmen.


    Diese Kategorisierung zeigt einerseits, wie Kama und Moksha als unterschiedliche und auch als such widerstrebende Ziel wahrgenommen wurden, aber trotzdem nicht polar sondern so dass alles irgendwo seinen Platz hat.


    Es würde mich interessieren, ob der Buddhismus damals analog dachte, oder da andere Prioritäten setzte.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 16:11
    GermanViking:

    .

    Aber zum Inhalt an sich: Wer will, dass andere frei von Leid sind, wie kann derjenige sich dann am Leid ergötzen? Für mich hängt es am Wort Leid. Ich verstand das immer so, dass sich das gegen ungewolltes Leid, unter dem jemand leidet, richtet. Beim einvernehmlichen BDSM-Spiel geht es aber um etwas, das der andere will und im geschützten Rahmen nicht als unerwünschte Qual erlebt.

    Konkret ist es wirklich und tatsächlich so, dass man sich am Leid des anderen erfreut. Und der andere hat Gründe sich ebenfalls am Leid zu erfreuen. Dies steht quer zum Wunsch nach Leidfreiheit. Es ist wichtig das anzuerkennen.


    Das Leid wird nur deswegen in Kauf auf genommen, weil es Lust erzeugt. Wenn beide nicht im Zustand sexuellen Begehrens sind, wird Leid als Leid erfahren und Schmerz als unangenehm.


    Von daher ist die Rolle von Lust und Begehren das zentrale.


    Es gibt ja Religionen, die das Begehren und das Sinnliche bejahen (Pankult) und solche wo man sich selber im origiastischen Rausch Schmerzen zufügt. Sexualität in all ihren Aspekte kann ja eine tiefe Lebenskraft repäsetieren.


    Aber der Buddhismus und Jainismus sind Religionen die eine eher distanzierteste Beziehung zu Begehren, Rausch und Sinnlichkeit einnehmen und sie als Fesseln sehen.

  • Ist "Theravada" das bessere Hinayana?

    • void
    • 4. Juli 2026 um 14:35

    Wenn man über die Situation heute redet, dann macht es fast immer Sinn den Begriff "Hinayana" ganz zu vermeiden und man kann fast immer stattdessen "Theravada" schreiben. Es gibt allerdings Leute, die betonen wollen, dass der Weg von dem Buddhismus zur Zeit Buddhas zum Theravada durchaus eine komplexe Geschichte mit Entwicklungen ist..


    Im historischen Kontext ist so eine Gleichsetzung manchmal ungeschickt. In manchen Mahayana Texten gibt es negative Abschnitte über den Hinayana und oft ist es so, dass damit gerade nicht der Theravada gemeint waren sondern die Sautrantika, die gerade im tibetischen Kontext stark studiert wurden.


    Gerade weil man da später oftmals überhaupt keine realen Nicht-Mahayana-Buddhisten hatte, retatardierte der "Hinayana-Begriff" zu einem Strohmann ( ein bisschen wie das herkömmliche Vollwaschmittel in der Werbung) anhand derer man die Bodhisattva-Motivation aufzeigte.

    Wikipedia:

    Im Buddhismus in Tibet werden die Begriffe Hinayana und Mahayana ausschließlich im Sinne der persönlichen Motivation für die Erleuchtungsbemühung genannt. Sie bezeichnen komplementär die Motivation des Übenden, für sich persönlich oder zum Wohle aller Wesen die Erleuchtung zu erlangen.

    Dies ist eine ziemliche Verflachung, man meint keine echte andere Schule sondern quasi eine "mindere Motivation". Hier passt der Begriff "Hinayana" und den Begriff "Theravada" einzusetzen wäre herabsetzend.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 10:45

    Gehen wir mal zurück zum Anfang.

    GermanViking:

    Ich bin kein Theoretiker, sondern frage aus eigener Erfahrung. Ich möchte weder BDSM verherrlichen noch verteidigen oder bewerben, sondern verstehen, ob und wie sich diese beiden Welten sinnvoll verbinden lassen oder ob sie letztlich im Widerspruch stehen.

    Es eher dich, dass du BDSM weder verherrlichen noch verteidigen oder bewerben wolltest und es ist ein wenig schade, dass sich die Diskussion so entwickelt hat, dass du dich in dieser Rolle gelandet bist.


    Gehen wir mal zum Kern, wo es den Widerspruch geben kann. Im Buddhismus gibt es ja die 4 Brahmavihara:


    Brahmavihara:

    „Mögen alle fühlenden Wesen Glück und die Ursache des Glücks besitzen,

    Mögen alle fühlenden Wesen von Leiden und der Ursache des Leides getrennt sein,

    Mögen alle fühlenden Wesen niemals von der Freude die frei ist von Leiden getrennt sein, Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, der frei ist von Anhaftung und Ablehnung.

    Zentral ist also eine Haltung wo man dem anderen Leidfreiheit wünscht und sich am Glück des anderen freut.


    BDSM wo man sich am Leid des anderen ergötzt erscheint da nahezu als Umkehrung. Von daher ist es wichtig zu sehen, was da genau passiert.


    Ich denke BDSM hat viel mit so einem frühkindlichen/archaischen Zustand zu tun in dem man sich gemeinsam begibt.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 10:23
    Moderation

    Der Thread droht gerade zu eskalieren. Von daher würde ich bitten respektvoll zu sein.

    Weil AI gut argumentieren kann, kann man da den anderen, der das nicht tut leicht dumm dastehen lassen und er fühlt sich in die Ecke gedrängt. (Habt ihr wirklich die Publikationen in Gänze durchdrungen, ich sah da immer nur die Abstracts)


    Respekt ist vornöten. Das Thema "Sex und Gewalt" ist mit starken Gefühlen und auch mit moralischen Grundüberzeugungen zu tun und

    und da ist es wichtig, die Gefühle des anderen erstmal stehen zu lassen und auszuhalten.


    Dann kann die Diskussion weitergehen. Ansonsten eskaliert es.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 3. Juli 2026 um 20:36

    Ich finde das alles sehr schwer zu beurteilen, weil es viele Thesen gibt die sich logisch anhören, aber man dann trotzdem nicht weiß ob sie stimmen.


    Annas Sache mit den Wölfen die man nicht füttern darf, klingt nachvollziehbar. Aber ich kenne auch Leute bei denen es mir so vorkommt, als sei BDSM ein Gegengewicht zum sonstigen Leben. Ich kannte mal jemand der in einem NGO arbeitete und quasi beruflich altruistischer Gutmensch war und sich reinsteigert und dann privat seine Freundin verschnürt und ansonsten liebevoll umsorgte.


    Aber es gibt ja auch so Theorien dass die Leute da in BDSM ihre gegenseitigen Traumas bespielen. Dass Menschen oft in unterschiedliche Aspekte gespalten sind und man als Sub zusammen mit dem anderen die eigenen ungewüschten Anteile unterdrückt. SM als etwas was dadurch Erleichterung bringt, dass es innere Konflikte aufscheinen läßt.


    Und dann kann man sich vorstellen, dass Leute die eine sadistische, fiese Persönlichkeit haben dann natürlich auch sexuell am Leid der anderen weiden. Klingt auch logisch irgendwie.


    Und steht dann verdutzt vor Untersuchungen die feststellen, dass der Unterschied BDSM nicht BDSM keinerlei Korrelation damit hat ob jemand eine sadistische Persönlichkeit hat.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 3. Juli 2026 um 18:02
    GermanViking:

    Dein Modell sagt also etwas voraus, das die Daten nicht bestätigen. Es ist also empirisch falsch.


    Sayitingerman sprach ja davon dass "exzessiver Ausführung" zu einer Abstumpfung führen kann. Jemand kann ja sexsüchtig oder pornosüchtig sein und immer mehr und stärkere Reize brauchen. Und wie bei anderen Drogen wird dadurch ja der Alltag grauer.


    Es ist nachvollziehbar, dass man BDSM mit übersteigerter Sexualität assoziiert: : "Ein Paar fängt harmlos an und steigert sich in in seiner Sexsucht in immer extremere Praktiken rein" und landet irgendwann mal bei Peitschen, Gasmasken und Gummistiefeln.


    Dem gegenüber steht eine Idee von BDSM als schlichte Prägung. Nach dieser Deutung ist es einfach eine Präferenz ( wie hetero/homo) die nicht mit dem Grad des Begehrens korreliert ist. Ob ein Opa auf Hiebe, Frauen oder Gummistiefel steht ist nach dieser Hypothese nicht damit korreliert wie wichtig ihm Sex ist oder wie stark sein Begehren.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 3. Juli 2026 um 10:18

    Für Freud ist die Libido beim kleinen Kind noch etwas, was sich auf alles mögliche richten kann aber auch dann beim Erwachsenen auf die korrekte erwachsene Sexualität verengt. Sexuelle Fetische sah er als eine Art Versehen innerhalb dieses Prozesses. Statt das man auf Frauen steht steht man auf einmal auf Lederstiefel. Und wenn eine Frau die anhat ist sie "begehrenswert" und ohne die "langweilig". Solche Fälle offenbaren viel darüber wie total beliebig Begehren sein kann.


    Da ist vielleicht die Verbindung zur Achtsamkeit. Indem man die Fetischisierung ( die Überwertung) von bestimmten Objekten wieder abzieht, gelangt man vielleicht wieder zu der Welt des Kindes wo das ganz alltägliche ( ein Windhauch, eine Blume) ein Wunder sein kann?

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 2. Juli 2026 um 22:55

    Gerade weil Sexualität viele Jahrhunderte lang so unterdrückt wurde, wurde ja gerade in den letzten Jahrzehnten sehr betont, dass Sexualität etwas Positives, Bereicherndes, Gleichberechtes und Erheben des sein kann. Dies hat sicher seine Berechtigung und ist nicht falsch.


    Vielleicht hat man dabei aber in die andere Richtung übertrieben und dunklere Aspekte ausgeblendet. Dass Sexualität neben freudvoller Innigkeit ja auch mit Macht, Besessenheit, Fetisch, Ausgeliefertsein zu tun haben kann - dass es dreckig, irrational, tierisch, triebgesteuert, archaisch und dunkel sein kann.


    Aber ich denke Sex war immer schon beides und Vanilla und Missionarstellung waren immer schon nur die Spitze eines Eisbergs.

  • Mißstände in kambodschanischen Klöstern

    • void
    • 2. Juli 2026 um 22:36
    fotost:

    Vielleicht sollte man nicht fragen, ob die zugrunde liegenden Lehren falsch sind, sondern eher, ob einige aus diesen Lehren abgeleitete Forderungen wie Keuschheit und Verzicht auf Besitz von einem falschen Menschenbild ausgehen.

    Buddha hatte doch gar kein so besonders positives Menschenbild sondern eher die Vorstellung dass das Handeln von Menschen sehr von Trieben beinflußt ist und es ein sehr schweres Unterfangen ist sich von Anhaftungen an Besitz, Sexualität und Gemeinschaft zu lösen.


    So wie es ja auch nur wenige Menschen gibt die alles andere zurückstellen um eine Karriere als Extrembergsteiger eibzuschkagen. Wenn eher durchschnittliche Menschen auf einmal die Basecamps überfluten dann gäbe das ein Fiasko, weil sie reihenweise und dramatisch scheitern würden.Eine Reiseagentur die die Schwierigkeiten unterschlägt und Leute dazu verführt sich etwas zu verschreiben, dem sie nicht genügen - die Leute in Flipflops im Himalaya aussetzt - wäre kriminell.


    In Kambodscha wurden ja die buddhistischen Strukturen durch die roten Khmer nahezu ausgelöscht und das was neu entstand war labil und von lokalen Patronatsverhältnissen geprägt. Lokale "starke Männer" die oftmals dubios und selbst halb kriminell sind legitimieren sich häufig als "ehrenwert" indem sie ein Kloster unterstützen und da als Zeichen dafür dass "ihr Kloster" - als Visitenkarte der Ehrbarkeit - prosperiert, viele junge Männer präsentieren wollen, die schöne Roben haben und prächtige Rituale aufführen. Dies bringt die Klöster in eine ungesunde Abhängigkeit fördert korrupte Verhältnisse wo Schein und Sein weit auseinanderklaffen.


    Dies entspricht doch übethaupt nicht Buddhas Idee, wo - gerade aus einem eher pessimistischen Menschenbild - sehr genau geprüft wird, wer als Ordinierter aufgenommen wird und Leute die dem Vinaya nicht gerecht werden, ausscheiden.


    Buddha hat nie gesagt dass der Weg des Ordininerten der einzige ist und zu seiner Zeit gab es doch zahlreiche Laienanhänger. Ihm ein falsches Menschenbild zu unterstellen, wäre nicht richtig.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 2. Juli 2026 um 14:37

    Das Thema Sexualität kann schnell in Sackgassen führen


    Ich fange mal von einer ganz anderen Seite an: Unser normales Leben ist ja meistens recht eingeschränkt - wir müssen die funktionieren und uns zusammenreißen.


    Es gibt aber Situationen, wo wir aus dem normalen Zustand heraustreten:

    1. In unseren Träumen tauchen ganz tiefe archaische Seiten auf.
    2. Manchmal wenn wir die kognitive Kontrolle schmählern - wenn wir betrunken sind oder psychedelische Drogen haben taucht das auf.
    3. Es gibt "Spiele": Ich kenne Leute die LARP machen und da dann ganz andere Rollen einnehmen und sich als Wikinger ausleben.

    Für mich sind "sexuelle Spiele" eine Variante. In ihnen drücken sich tiefe Kräfte aus,die normalerweise unter der zivilisierten Oberfläche sind.


    Ich habe den Eindruck, dass der Theravada Buddhismus allen den Situationen - in denen das Unterbewußte sich äußert - kritisch gegenüber steht:

    1. Schon der Begriff des "Erwachens" ist eine Zurückweisung des "Träumens".
    2. Buddha verurteilt den Alkoholgenuß.
    3. Buddha äußerte sich öfter mal gegen Schauspiel und sogar Musik.

    Während ja z.B C.G. Jung ganz anders denkt. Für ihn führt der Weg dazu den "inneren Elefanten" zu bändigen darüber die archaischen Kräfte erstmal gut kennenzulernen und genau das dazu führt, frei von ihnen zu werden.

  • Mißstände in kambodschanischen Klöstern

    • void
    • 1. Juli 2026 um 18:50

    Der Titel des Threads war ja nicht von Amdap gewählt sondern schlicht der Titel des Videos "IL LATO OSCURO DEL BUDDISMO THERAVADA"


    Dies klingt als habe jemand die Absicht den Theravada insgesamt zu diskreditieren, indem er solche Mißstände als "typisch" betrachtet.


    Dies ist aber nicht der Fall. Der Titel ist eher als Click-Bait zu sehen und von dem Autor gibt es alle möglichen Videos in den er die Schattenseiten bestimmter Sachen ( z.B Thaiboxen) beleuchtet.


    Ich habe den Thread mal unbenannt.

  • Mißstände in kambodschanischen Klöstern

    • void
    • 1. Juli 2026 um 14:11

    Der zentral Punkt in dem Video ist ja, dass die wirtschaftliche Lage in Kambodscha so schlecht ist, dass sich viele primär aus wirtschaftlichen Gründen für den Eintritt in das Kloster entscheiden. Aus dieser "falschen Motivation" heraus ergibt sich ja dann doch alles andere: Regelverstöße, Korruption, Machtmißbrauch, oder?.


    Es hat also vielleicht mit Theravada selber nicht so arg viel zu tun, oder? Wenn ein katholisches Kloster ähnliche Anreize ( Unterkunft, Verpflegung und Unterstützung bei der Ausbildung) bieten würde, würden verzweifelte Leute dorthin strömen?

  • BODHICITTAVIVARANA Erläuterung des Erleuchtungsgeists (verfasst von Nagarjuna)

    • void
    • 30. Juni 2026 um 19:44

    Der Text kann von Gelug Seiten heruntergeladen werden, hier wird aber für den Download des Textes um eine Spende gebeten

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • void
    • 30. Juni 2026 um 07:48
    Iris:

    das mit der Hingabe zum Lama im tibetischen Buddhismus verstehe ich nicht als Unterwefung unter eine Autorität, sondern als sich mehr öffnen können für den Dharma durch Inspiration und Vertrauen.

    Ja, das ist ja nicht ungewöhnlich.In vielen Religionen wird die Unterwerfung unter Autorität nicht mit Verzicht sondern mit Freheit assoziiert. Im Christentum findet der Mensch so aus der Sünde und zu seinem wahren Wesen. Und auch im Islam ist die Unterwerfung unter Gott etwas positives. Im Buddhismus beraubt man sich durch Unterwerfung unter den Dharma viel an Wahlfreiheit findet aber eine Freheit von Gier, Hass und Verblendung.


    Das Besondere an Ole Nydahl ist, dass er so lange es um andere Religionen geht die Unterwerfung rein negativ als sieht und wenn es um den Buddhismus sieht als positiv. Ich denke, viel von dem Erfolg von Ole Nydahl kommt daher, dass er es schaffte Buddhismus mit dem

    Grundgefühl einer Generation zu verbinden - dem Bedürfnis nach individueller Souveränität. Gerade dadurch schaffte er es einen Typ von Mensch abzuholen und zu inspirieren, der sich sonst nie für den Buddhismus interessiert hätte.Und es ist ja genau dieser Begriff von Freheit - als Bedürfnis nach individueller Souveränität, der dann als "gekränkte Freheit" zu rechten Bewegungen führt.

  • Ole Nydahls Perversion und die KI

    • void
    • 28. Juni 2026 um 15:44
    Samadhi1876:


    Mich interessiert deshalb auch oft die Kindheit der „Protagonisten“


    Und „warum sie so geworden sein könnten“

    Ole Nydahl empfand seine lutherische Erziehung mit ihrem Fokus auf „Erbsünde“ als sehr belastend. Der Mensch -hieß es da -sei von Natur aus „sündig“ und Erlösung nur durch Demut und Unterordnung unter ein göttliches, abstraktes Gesetz zu finden. Er empfand dies als etwas lebensfeindliches, was Körperlichkeit, Lebensfreude und Selbstverwirklichung unterdrückt. Das war für ihn das wogegen er rebellierte.


    Für mich ist das so die Grundsituation aus der sich dann viele der anderen Themen ergeben. Die Begeisterung für den Buddhismus als einer Religion der Freheit. Und auch sein Verhältnis zu Frauen sah er eines der Lebensbejahung und der freien Liebe. Und den Islam als eine Religion die "Unterwerfung" schon im Namen führte sah er wohl als übersteigerte Form des Protestantismus seiner Jugend.


    Aber durch ein Denken in solchen polaren Kategorien ("Freheit vs Unterdrückung") geht Komplexität verloren und es ergeben sich innere Widersprüche:


    • Radikale Unterwerfung unter einen Autorität ist einerseits der Feind im Namen der Freheit wird aber die Unterwerfung unter den Guru gefordert.
    • Einerseits nimmt man sich als Rebell war andererseits ist man auch selber eine Autorität.
    • Um europäischen Normen zu entflieht sucht man Befreiung im Osten um sich dann gleich wieder als Bewahrer abendländischer Werte zu sehen, der aber so eine Art Harem um sich schart.

    Aber vielleicht macht es nicht so sehr Sinn das als individuelle Widersprüche eines Menschen zu sehen, sondern es sagt ja sehr viel über die Zeit des kalten Kriegs ("Freheit gegen Unterdrückung') und die ganze Generation aus.

  • Es gibt nichts Angenehmes oder Unangenehmes, das Du nicht selber bewirkt hast.

    • void
    • 25. Juni 2026 um 08:47

    Die meisten buddhistischen Aussagen sind nicht als Aussagen über die Welt zu verstehen sondern als eine Aufforderung zu Praxis. Und da kann die Praxis, dass was mir begegnet nicht als fremd und äußerlich zu sehen, helfen alles was kommt anzunehmen und so mit allen Umständen gleichmütig zurecht zu kommen.

  • Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen u.a. über die DBU

    • void
    • 14. Juni 2026 um 22:19

    Klar kann eine Lebenskrise ein wichtiger Anlass sein.


    Dōgen stürzte der Tod seiner Mutter in eine tiefe Krise - ihm wurde die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen geführt und er beschloss Mönch zu werden. Die "Lebenskrise" wurde ihm also zur existentiellen Krise und der Buddhismus zum Werkzeug diese existentielle Krise zu lösen.


    Es gibt aber einen Unterschied zu reinen Angeboten zur Lebenshilfe - wo es eher darum geht, wie man es schafft, nach eine Krise wieder "normal" funktioniert.

  • Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen u.a. über die DBU

    • void
    • 14. Juni 2026 um 21:27
    EZW:

    Lebenshilfe ohne Dogma

    Ein bereits 2014 von der „Deutschen Buddhistischen Union“ (DBU) unternommener Survey stellt fest, dass der Buddhismus in Deutschland vornehmlich als Lebenshilfe erlebt und verstanden wird: Anlass zur Beschäftigung mit ihm ist oft eine „Lebenskrise“ und die Überzeugung, im Buddhismus eben keine Religion, keinen Glauben, sondern „praktische Lösungsansätze für die Bewältigung dieser Lebenskrise“ zu finden.

    Dass Buddhismus hauptsächlich als Lebenshilfe zur Bewältigung von Lebenskrisen gesehen wird, ist für mich überraschend.


    Leider finde ich das Original der Umfrage nicht. Es heißt es handle sich um eine DBU interne Umfrage, deren Ergebnisse damals in der "Buddhismus Aktuell" veröffentlicht wurden.

  • Wie geht ihr damit um, wenn nahestehende Menschen euren Glauben nicht ernst nehmen?

    • void
    • 10. Juni 2026 um 16:44
    Lernender:

    Und bei einer streng christlichen Familie wird so eine Ansage halt auf genauso viel "Begeisterung" stoßen. So ein "religiöses Outing" würde als Affront aufgefasst werden.

    Ich habe schon recht nette christliche Familien erlebt, die ihren Sprößlingen gerne alles mögliche zugesteht, aber eben aus Liebe nicht wollen, dass diese die Ewigkeit in der Hölle verbringen, weil die fremdartigen Göttern mit vielen Armen gehuldigt haben.


    Während so jemand überhaupt nichts dagegen hätte, wenn jemand zur Zen Meditation zu einem Franziskanerkloster geht und sagt er habe jetzt zu einem eher a-personalen mystischen Gottesverständis gefunden.


    Dies klingt jetzt erstmal ganz falsch.

    Aber wenn man sich für Brahmavihara ansieht:


    Wikipedia:

    Metta/maitri

    Metta ist eine Haltung des Wohlwollens, eine freundschaftliche bedingungslose Zuneigung, die nicht in Begierde (Anhaftung) wurzelt und nicht nur wenigen ausgewählten Wesen gilt, sondern vom Interesse am Glück aller motiviert ist. Eine wohlwollende Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Person ist die Voraussetzung für diese Form der un-bedingten Liebesfähigkeit

    Karuna

    Karuna ist Mitgefühl, die Fähigkeit zu tiefer Anteilnahme und Einfühlung in andere Wesen. Früher wurde karuna oft mit „Mitleid“ übersetzt und auch im Englischen wird heute hier noch der Begriff 'compassion' verwendet

    Mudita

    Während bei karuna vor allem die Wahrnehmungsfähigkeit für das Leiden anderer Wesen gefragt ist, geht es bei mudita um die Anteilnahme an der Freude anderer Wesen. mudita ist Mit-Freude, die Gabe, freudvolle (=leidfreie) Momente mit anderen teilen zu können. Sie ist frei von Missgunst und Neid.

    Upekkha/upeksha

    Dieser Begriff hat vielfältige Bedeutungsebenen: Gleichmut, Gelassenheit, Loslassen, Nicht-Anhaften, Nicht-Unterscheiden. In der Bedeutung von Gleichmut bezieht er sich auf eine Form von Gelassenheit in Beziehungen, die als Korrektiv zu den besitzergreifenden und anhaftenden Tendenzen der Zuneigung wirkt

    Dann würde jemand der diese Eigenschaften verwirklicht hat , gemäß 1.Johannes 4,16


    "Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." als Gott nahe gesehen werden können.

  • Wie geht ihr damit um, wenn nahestehende Menschen euren Glauben nicht ernst nehmen?

    • void
    • 10. Juni 2026 um 16:00
    Lernender:

    Also, wenn du heutzutage jemandem erzählst, dass du praktizierender Buddhist bist, stößt du entweder auf säkulare Menschen, für die du "abgedriftet" erscheinst.

    Das muß nicht so sein. Wenn man Christ ist, ist dass für manche Leute viele schwerer zu verstehen, weil die Motive: "Ich möchte zu Gott finden" oder "Ich möchte nach dem Tod in den Himmel" für jemand der nicht an Himmel oder Gott glaubt, ganz schlecht nachvollziehbar sind.


    Während das buddhistische Motiv "Ich möchte nicht Leiden auch wenn die Umstände mies sind" etwas was man vielen Leuten erklären kann. Und dass Buddhismus diesem Ziel näherbringt, kann man auch erklären. Und dann finden sie vielleicht nur merkwürdig, das man viel meditiert.


    Gegen was die Leute aber allergisch ist, ist alles was als "moralische Überheblichkeit" aufgefasst werden kann. Wenn man sagt: "Ich möchte ein besser Mensch werden" beendet viel den Satz mit "..als du" und werden dann zornig.


    Während Demut meiner Erfahrung nach gut geht. Wenn ich sage "Ich bin ein Spielball von Abneigung und Zuneigung und will mal glücklich in mir ruhen" sagt doch fast jeder, dass er das versteht. Und ganz viele Leute erklären was ihnen hilft (Natur, Sport) zu sich zu finden.


    Am Schlechtesten ist "im Gegensatz zu dir lege ich Wert darauf nicht als Seegurke wiedergeboren zu werden" hat man dagegen vieles falsch gemacht.

  • Wie viel muss man gelesen haben?

    • void
    • 9. Juni 2026 um 20:48
    Lernender:

    In dem Fall geht es um Sterben und Tod aus Sicht des tibetischen Buddhismus. Hier kann ich die Vorwürfe gegenüber dem Lehrer ausblenden, zumal mir der Inhalt des Buchs sehr interessant erscheint.

    Das Buch von Sogyal Rinpoche transportiert ja eben nicht eine traditionelle tibetische Sicht sondern ist gerade dadurch so faszinierend ( fesselnd) dass es das aus dem Kontext nimmt und psychologisch auffasst. Dadurch dass es da eine Brücke schlägt wurde es ja zu so einem Bestseller.


    Und wenn dann der Leser den Worten des Rinpoche und seinen Koautoren - hochqualifizierten Leuten die in Oxford und Camebridge studiert haben, traut, wird er abgeholt und landet bei dem nicht unproblematischen Konzept des "Guruyoga" wo der Lehrer als Manifesation der wahre befreite Natur des Geistes, gesehen wurde. Dieser ist eine "Verkörperung bedingungsloser Liebe" und indem man sich ihm in einer "Herzensverbindung" anvertraut führt er einen zur Befreiung.


    Ein noch problematischeres Konzept ist das der "verrückten Weisheit". Auch wenn einen der Guru vielleicht anschreit und die Grenzen verletzt handelt , soll man an seiner eigenen Wahrnehmung nicht trauen, weil es sich dabei nur um "verrückte Weisheit" zum eigenen Wohl handeln kann.


    Die Opfer von Sogyal Rinpoche erlebten ja nicht nur sexuelle Nötigung sondern berichteten von Tritten, Ohrfeigen und Attacken mit Kleiderbügel. Ein Schüler wurde bewusstlos geschlagen. Und für die alle war das ein Ausdruck von "verrückter Weisheit". Schlapp, schlapp, schlapp hat man die Sandale im Gesicht.


    Vielleicht eher ein Buch lesen, das weniger interessant und weniger faszinierend ist. Weniger zur Sandale taugt.

  • Wie viel muss man gelesen haben?

    • void
    • 9. Juni 2026 um 19:52

    Von Tenzin Peljor gibt es die gute Seite "buddhistische-sekten.de" wo er mehrere Kriterien für sektenartige Strukturen aufzählt. Seiner Seite stellt er das berühmte Zitat aus dem "Kalama Sutra" voran. Dort sagt Buddha:

    Zitat

    »Geht Kálámer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters!

    Wenn ihr aber, Kálámer, selber erkennt: ›Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden‹, dann o Kálámer, möget ihr sie aufgeben.« →

    Ein zweites Zitat dass er da anführt ist allerdings von Goethe:

    Zitat

    Betrug und Selbstbetrug

    »Die Lust am Betrug und am Selbstbetrug eint Täter und Opfer. Nicht selten glaubt der Scharlatan selbst, was er sagt; das lernt er im Lauf seiner Karriere – nicht zuletzt, weil seine Kundschaft ihm fanatisch anhängt. Dabei ahnen alle die Gefahr. Doch die Hoffnung auf eine wunderhafte Wendung scheint ihnen immer noch trostreicher als der Trott des gesunden Menschenverstandes. Strenger ausgedrückt: Es ist erbärmlich anzusehen, wie die Menschen nach Wundern schnappen, um nur in ihrem Unsinn und Albernheiten beharren zu dürfen, und um sich gegen die Ohnmacht des Menschenverstandes und der Vernunft wehren zu können.

    Ich finde es da sehr wichtig, wie er da die enge Verkettung von Betrug und Selbstbetrug aufzeigt. Die Verführung geht nicht nur vom "Scharlatan" aus, sondern sie dockt an unsere tiefen Sehnsüchte nach einer "wunderbaren Wendung" von Außen, einem "Schnappen nach Wundern".


    Es ist wichtig sich das einzugestehen. Wo setzt man sich zur Meditation hin und setzt sich der eigenen Unausgeglichenheiten aus und wo hofft man auf eine wunderbare Wendung von Außen.


    Diese Fetischisierung wo etwas zu einem "erlösenden Objekt" wird das ist in der Stelle mit der Sandale im Film "Leben des Brian" gut ausgedrückt.


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    Alles kann zur "Sandale" werden. Gerade romantische Bilder von einem fernen Shambalah - weise Meister in exotischen Roben. Je mehr man sich mit der eigenen Sehnsucht beschäftigt desto besser ist man gegen Leute gewappnet die mit der Sandale wedeln.

  • Traditionelle archaistische Lebenweise

    • void
    • 9. Juni 2026 um 13:15

    Es gibt ja für Ordinierte den Vinaya als Sammlung der Ordensregeln Und da ist der Unterschied ja eher der, inwieweit man sich streng daran hält oder sie eher lax handhabt.


    Weil es ja sehr viele Regeln ist es für Ordinierte eine große Herausforderung diese jederzeit einzuhalten. Hier ein Beispiel:

    Bodhi vihara:

    1. Ein Bhikkhu darf nur Essbares und Trinkbares (einschließlich Medizin) – außer reinem Wasser – verzehren, wenn es ihm formal direkt in seine Hand oder in etwas, was mit seiner Hand in Berührung ist, offeriert wird. Um körperlichen Kontakt mit einer Frau zu vermeiden, breiten Mönche in Thailand ein Tuch aus, auf welches die Frau ihre Gaben ablegen kann.


    2. In vielen Klöstern wird eine Verfeinerung dieser Richtlinie praktiziert. Diese besagt, dass ein einmal angebotenes Essen oder Medizin nicht mehr von den Laien berührt werden sollte, so daß die Mönche es ohne Zweifel als Gegebenes auffassen können.


    3. Das formelle Offerieren von Nahrung und Medizin wird nach dem Vinaya dann erfüllt, wenn sich ein Laie bis auf Armeslänge dem Mönch nähert und etwas anbietet, das der Mönch dann an sich nehmen kann. Dies dient dazu, dass das Offerieren achtsam und bewusst, klar und unmissverständlich geschieht, unabhängig davon, was gegeben wird.

    Und das sind nur wenige Regeln von hunderten.


    Es ist also schon schwer, das zu tun, wass Buddha von Ordinierten fordert. Was er nicht fordert ist eine "archaistische Lebensweise" also so wie manche Amish so zu leben wie die Leute vor hunderten von Jahren.

  • MN 19: Dvedhāvitakkasutta / Zwei Arten von Gedanken

    • void
    • 7. Juni 2026 um 12:53

    Die Idee, die Gedanken in unheilsame und heilsame zu trennen führt ja leicht zu ganz vielen Gedanken über Gedanken ( ist das jetzt heilsam oder unheilsam)

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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