Von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey gibt es das Buch "Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus" in dem die Autoren versuchen nachzuzeichnen, dass Autoritarismus nicht unbedingt aus einer sehr konservativen,"spießigen Haltung" erwachsen muß, sondern dass auch eine ganz bestimmte Sicht auf individuelle Freheit - wenn gekränkt - in Autoritarismus umschlägen kann
Denn normalerweise sah man das ja umgekehrt: Hier der autoritäre, bevormundende Staat, der alle zu bloßen "Zahnräder in der Maschine" reduzieren will und dort, dass unkonventionelle, aufmüpfige Individuum, das eben aus den Konventionen ausbrechen will und für individuelle Freheit und Selbstverwirklichung steht für Rebellentum und Selbstständigkeit. Aber da gab es schon immer so Fragezeichen: Nietzsche setzte heroische Herrenmoral gehen christliche Sklavenmoral, Mussolini war ein ehemaliger Anarchist und vor einiger Zeit outet sich der Sex Pistols Sänger Johnny Rotten als Trump Fan - weil letztere ja durchaus "unkonventionell" und "Individualistisch" agiert.
Ole Nydahl ist ein gutes buddhistisches Beispiel für die These der Autoren. Er pflegte ja genau den Habitus des "souveränen Individuums" - derjenige der sich vom "braven Bürger" abgrenzt und das Risiko sucht: Grenzerfahrungen durch Drogen, Risikosportarten, polyamoröse Beziehungen und auch religiös bereit zum äußersten zu gehen. Einer vermeintlich verlogenen, moralisierenden Gesellschaft wird Authenzität entgegen gehalten. Sich nicht verbiegen, sich nicht unterwerfen.
Der Kern ist eine bestimmtes Konzept von Freheit, das Freheit primär als Abwesenheit von äußeren Einschränkungen empfindet. Und wenn diese dann durch Fremde und Andere bedroht wird, schwingt das Pendel und jedes Mittel wird Recht um die Freheit zu bewahren.
Dies führt dann auch zu einer Umwertung des Buddhismus. Der eben nicht als Weg zu Demut und Anpassung gesehen wird sondern als ein heroischer Weg für starke Geister, die sich von der Masse der drögen Schlafschafe abheben.
Von daher ist es für Ole Nydahl vielleicht ein schreckliches Karma, jetzt eben kein heroischer Individuum, kein stärker Geist zu sein, sondern schwach, dröge und abhängig von anderen zu sein.
Ich kann auch viele seiner Anhänger verstehen, die seine positiven Qualitäten - Mut Unabhängigkeit, Charisma und "Wille zur Freiheit" schätzen und es ist tragisch, dass das dann zu so viel Intoleranz und Abwertung mit sich brachte. Aber so lange die Anhaftung an ersteres aufrecht erhalten wird, folgt ihr letzteres wie ein Schatten.
Wir müssen eine Freheit die die nur Freheit ist sich durchzusetzen aufgeben.