„Es gibt, ihr Mönche, einige Asketen und Priester, die der Zukunft anhängen, der Zukunft nachsinnen, über die Zukunft mancherlei Glaubenslehren verkünden. ‚Bewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die einen. ‚Unbewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die anderen. ‚Weder bewusst noch unbewusst ist die Seele, genesen nach dem Tode‘ – das verkünden die einen.“
Ich versuche das ganze Sutta aus meinem Verständnis heraus zu erklären:
In diesem Sutta geht es um die ganzen wilden Spekulationen, die sich die Leute über die Vergangenheit und die Zukunft zusammenreimen. Da wird über das Selbst nach dem Tod geredet – bewusst, unbewusst, weder noch, oder es wird behauptet, die Welt sei ewig oder nicht ewig. Die einen sagen so, die anderen genau gegenteilig.
Der Buddha zählt diese ganzen Ansichten auf, und da sind es mal fünf Stück über die Zukunft und drei über die Vergangenheit. Aber das Entscheidende kommt danach.
Mir wird klar, worin alle diese Meinungen eigentlich wurzeln. Es ist das Anhaften an den fünf Dingen, die wir im Alltag greifen: der Körper, die Gefühle, die Wahrnehmungen, die gedanklichen Regungen und das Bewusstsein. Sobald man eines dieser Dinge nimmt und denkt "Das bin ich" oder "Das gehört mir", fängt das Kopfzerbrechen an. Was passiert mit diesem Ich, wenn der Körper zerfällt? Dann strickt man sich eine Theorie zurecht, um sich selbst zu beruhigen.
Der Haken ist nur: All diese Standpunkte entstehen aus der Berührung mit der Welt. Wenn das Auge sieht, das Ohr hört, der Geist einen Gedanken fasst, und man daran Freude oder Ablehnung empfindet, dann greift man diesen Eindruck auf. Aus diesem Zugreifen wachsen dann die festen Ansichten. Sie sind nichts weiter als abhängige Gebilde, die kommen und gehen, sobald die Umstände sich ändern.
Wer das deutlich sieht, der steigt aus diesem Spiel aus. Er braucht sich nicht mehr festzulegen, ob es ein Selbst gibt oder nicht, ob es nach dem Tod weitergeht oder aufhört. Das ist alles nur ein Gewirr von Gedanken, das einen festhält. Der Buddha hat diesen ganzen Dschungel hinter sich gelassen. Er sieht genau, wie diese Vorstellungen entstehen, wie sie sich auflösen, welches Leid sie im Schlepptau haben und wo der Ausweg liegt.
Deshalb hält er sich an keiner dieser Lehren fest. Er freut sich nicht über die eigene Meinung und ärgert sich nicht über die Meinung der anderen. Genau das ist der Ausweg. Man muss diese ganzen philosophischen Schubladen nicht durchdenken, um zur Ruhe zu kommen. Es reicht, die sechs Sinnestore zu verstehen und zu erkennen, dass alles, was man dort aufgreift, vergänglich ist. Darin liegt die echte Freiheit, nicht im Gewinnen einer theoretischen Debatte. 🙏