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Buddhistische Ethik und BDSM

  • GermanViking
  • 2. Juli 2026 um 09:12
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  • Sayitingerman
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    • 5. Juli 2026 um 09:42
    • #76
    Qualia:
    Sayitingerman:

    BDSM führt zu emotionaler Abstumpfung. Da gibt es unterschiedliche Stufen. Wer eine glückliche Beziehung führt, braucht sowas in der Regel nicht.

    In einer glücklichen Beziehung ist alles möglich, von SM über BDSM bis zu der Moral angepasstem Sex. Das macht eine glückliche Beziehung aus: dass alles möglich ist und sogar nur Lieben geht. Moral ist tödlich für eine glückliche Beziehung. Moral ist was für Gruppen, Vereinigungen, Stämme, Staaten.

    Hehe. Klar doch, Qualia. Ich würde meiner Freundin nicht Schaden wollen, vor allem nicht für Spaß. Ob die andere Partei auch Spaß hat, ist ja nur meine Einbildung ;)


    Der submissive part hat ja auch eben eine Amygdala-Überstimulierende Wirkung, also ist es de facto nicht gut.

  • Qualia
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    • 5. Juli 2026 um 09:53
    • #77
    Sayitingerman:

    Hehe. Klar doch, Qualia. Ich würde meiner Freundin nicht Schaden wollen, vor allem nicht für Spaß. Ob die andere Partei auch Spaß hat, ist ja nur meine Einbildung ;)


    Der submissive part hat ja auch eben eine Amygdala-Überstimulierende Wirkung, also ist es de facto nicht gut.

    Ist es eigentlich klar, dass es immer einen Gebenden und einen Nehmenden gibt? Ganz egal, was getan wird. Alle Beziehungen der Menschen sind immer ein wechselseitiges und sich veränderndes Switchen zwischen Dom und Sub.


    Wenn man sich aber überzeugt: „Ich bin Dom.“ oder „Ich bin Sub.“, kommt es ganz sicher zu Verletzungen der Würde und zu dukkha. Da ist BDSM ein winziges Problem, das man aber zu einem Elefanten aufbauschen kann, ohne zu erkennen das der Balken im Auge viel wichtiger ist. Einer der Balken: „Ich bin der Herr im Haus.“ oder „Hiervon will ich nichts lesen, das erregt mich zu sehr.“

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Qualia ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Samadhi1876
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    • 5. Juli 2026 um 10:48
    • #78
    Qualia:

    Ist es eigentlich klar, dass es immer einen Gebenden und einen Nehmenden gibt? Ganz egal, was getan wird. Alle Beziehungen der Menschen sind immer ein wechselseitiges und sich veränderndes Switchen zwischen Dom und Sub.

    Das ist sicherlich in vielen anderen Bereichen auch mehr oder weniger so, in der Arbeitswelt, in „normalen“ Beziehungen. Wo Menschen sich begegnen, Verhältnisse miteinander haben. Etwas miteinander teilen.


    Spiritualität wird manchmal auch erst richtig interessant, wenn man in einer tiefen Lebenskrise steckt, bzw. alles andere im Leben gefühlt ausprobiert hat, das aber gefühlt „nichts gebracht hat“.


    Solange läuft etwas Anderes meist noch weiter. Und funktioniert für sie in ihren Augen. Und Reicht ihnen das.


    Sonst würden sich wahrscheinlich auch viel mehr Menschen in der Welt früher für Spiritualität ernsthaft interessieren.

  • Sayitingerman
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    • 5. Juli 2026 um 10:59
    • #79
    Qualia:
    Sayitingerman:

    Hehe. Klar doch, Qualia. Ich würde meiner Freundin nicht Schaden wollen, vor allem nicht für Spaß. Ob die andere Partei auch Spaß hat, ist ja nur meine Einbildung ;)


    Der submissive part hat ja auch eben eine Amygdala-Überstimulierende Wirkung, also ist es de facto nicht gut.

    Ist es eigentlich klar, dass es immer einen Gebenden und einen Nehmenden gibt? Ganz egal, was getan wird. Alle Beziehungen der Menschen sind immer ein wechselseitiges und sich veränderndes Switchen zwischen Dom und Sub.


    Wenn man sich aber überzeugt: „Ich bin Dom.“ oder „Ich bin Sub.“, kommt es ganz sicher zu Verletzungen der Würde und zu dukkha. Da ist BDSM ein winziges Problem, das man aber zu einem Elefanten aufbauschen kann, ohne zu erkennen das der Balken im Auge viel wichtiger ist. Einer der Balken: „Ich bin der Herr im Haus.“ oder „Hiervon will ich nichts lesen, das erregt mich zu sehr.“

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    Nur hat BDSM nichts mit Identifizierung zu tun. Ohne Gedanken, wäre der Effekt wahrscheinlich noch stärker.

  • Qualia
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    • 5. Juli 2026 um 12:19
    • #80

    BDSM ist einfach nur ein Handlungsrahmen, und mit dem kann man sich nicht identifizieren, nur akzeptieren. Sehr viele Menschen wissen nichts davon. Die wissen auch nicht das Gesetze keine Gefängnisse sind, sondern Grenzen des Verhaltens.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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  • Sayitingerman
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    • 5. Juli 2026 um 12:27
    • #81
    Qualia:

    BDSM ist einfach nur ein Handlungsrahmen, und mit dem kann man sich nicht identifizieren, nur akzeptieren. Sehr viele Menschen wissen nichts davon. Die wissen auch nicht das Gesetze keine Gefängnisse sind, sondern Grenzen des Verhaltens.

    Du kannst das definieren wie du willst. Mich interessieren qualitative, quantifizierbare Messungen, wie z.B. der Amygdala während des Prozesses. Da gibt es eben negative Ergebnisse, nach denen Argumentiere ich. Ist mir egal, ob Ärzte das auch haben, da gibt es ja auch genug Fehlverhalten, dass ist also kein Gegenargument.

  • Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 5. Juli 2026 um 15:52
    • #82

    „Master and Servant“


    Gibt es manchmal sogar im eigenem Geist

    Mit sich ganz allein

    Wenn Ego zum „Master“ wird

    Oder wenn Ego verschwindet und zum „Servant“ wird


    Das Thema an sich ist sehr interessant, auch wenn es hier speziell um „BDSM“ geht


    Folgendes Lied fiel mir heute ein auf Grund von „Master And Servant“

    Auch hier werden Rollenspiele sowohl im Alltag auch Privat thematisiert


    Sex und Kapitalismus, Misstrauensvotum, und Macht über Andere…


    (War damals in manchen Ländern noch ein großer Aufreger)


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    Einmal editiert, zuletzt von Samadhi1876 (5. Juli 2026 um 15:59)

  • GermanViking
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    • 5. Juli 2026 um 18:36
    • #83

    Ich habe jetzt nochmal selbst versucht die ursprüngliche Frage zu klären: Gibt es überhaupt eine ernsthafte Behandlung dieses Themas durch einen anerkannten Lehrer oder einen klassischen Text? Ich will dazu sagen, dass ich kein Geisteswissenschaftler bin und erst recht kein buddhistischer Gelehrter.


    Eine eigenständige klassische Quelle zu BDSM scheint es nicht zu geben. Der Begriff ist modern, die alten Texte konnten ihn nicht kennen. Was sie kennen, ist sexuelles Fehlverhalten (kamesu micchacara) und dieser Begriff ist wohl enger gemeint gewesen als man heute als moderner Mensch denkt. Der Religionswissenschaftler Jose Cabezon (Sexuality in Classical South Asian Buddhism) zeigt, dass es dort vor allem um sexuelle Reinheit, passende Partner und die Schädigung Dritter geht, kaum um Konsens, Machtgefälle oder die innere Qualität eines Aktes im heutigen Sinne. Selbst die Listen der unpassenden Körperteile, Zeiten und Orte sind Kommentarliteratur (Buddhaghosa, später Tsongkhapa und Gampopa) und auch da gibt es zu BDSM wohl nichts.


    Wo sich moderne Lehrer geäußert haben, ging es auch fast nie um BDSM, sondern um Konsens und Schaden, meist angestoßen durch bekannte Missbrauchsfälle. Sie landen bei einem recht gemeinsamen Maßstab: Mingyur Rinpoche zieht die Grenze am Ergebnis, nicht am Akt, wo Trauma entsteht, ist sie überschritten. Pema Khandro definiert Konsens ausdrücklich und setzt Nulltoleranz für Grausamkeit. Nida Chenangtsang behandelt in Karmamudra körperliche Sexualpraxis offen, gerade um durch Transparenz Schaden zu vermeiden. Leider konnte ich das Buch aber nur in Fragmenten einsehen.

    Würdet ihr da mitgehen oder wisst ihr etwas Genaueres?

  • Qualia
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    • 5. Juli 2026 um 19:04
    • #84

    Damit ist doch der Rahmen der Lehren gleich mit dem Rahmen, den BDSM sich gegeben hat. Wo kein Schaden entsteht, kein Problem. Wenn ein Schaden entsteht, hat man für Ausgleich und Hilfe zu sorgen, um ihn zu heilen.


    Geht das nicht oder wird verweigert, muss die Justiz eingeschaltet werden. Bei religiösen oder sogenannten spirituellen Gemeinschaften glaubt man, dass die interne Justiz ausreicht. Eine interne Justiz ist reine Klüngelei und deckt immer die Täter, verachtet die Opfer. Wer gibt schon gerne zu das der angebetete Heilige eine Drecksau und ein Tyrann ist.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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  • Igor07
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    • 5. Juli 2026 um 19:33
    • #85
    GermanViking:

    Ich habe jetzt nochmal selbst versucht die ursprüngliche Frage zu klären: Gibt es überhaupt eine ernsthafte Behandlung dieses Themas durch einen anerkannten Lehrer oder einen klassischen Text? Ich will dazu sagen, dass ich kein Geisteswissenschaftler bin und erst recht kein buddhistischer Gelehrter.

    Entschuldige bitte, dass ich hier wieder auftauche. Das Ganze erscheint mir echt bizarr, wie im Albtraum.
    Meinst du die konkrete Studie, also aus buddhistischer Sicht über diese Praktiken?

    Im Tantra, und davon weiß ich mehr als genug, habe ich nichts gefunden, niemals.
    Wenn es um den Missbrauch geht und die konkreten Sutren dazu, kann ich jedem das tolle Buch von Hans-Günter Wagner empfehlen. Dort gibt es ein ganzes Kapitel über die Rolle der Sexualität im Buddhismus sowie darüber, wie die verschiedenen Traditionen das Problem sehen.


    Morgenlicht über dem Abendland Der Buddhismus im Westen zwischen Vernunftreligion und Guru-Kult


    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    • 5. Juli 2026 um 21:59
    • #86

    Ich kenne da auch nichts dazu.


    Ich nehme an, für die meisten buddhistischen Lehrer ist das wenn keine Motivation andere zu schaden vorliegt, einfach nur ein Unterpunkt unter "Lust" und wenn man anderen wirklich schadet "unheilsame Sexualität".

  • GermanViking
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    • 6. Juli 2026 um 10:43
    • #87

    Igor07 Kein Grund, dich zu entschuldigen. Schön, dass du wieder da bist, und danke für die Bestätigung aus einer Ecke, in der du dich wirklich auskennst. Danke für den Wagner-Tipp, „Morgenlicht über dem Abendland“ kannte ich nicht, das Kapitel zur Sexualität klingt genau nach dem, was ich gesucht habe. Ich muss mal gucken, wie ich da rankomme.

  • Anna-Lyse Dhamma
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    • 6. Juli 2026 um 15:17
    • #88

    Hallo, lieber Alex,

    danke für deine ausführliche Antwort. _()_

    Auf zwei Zitate möchte ich noch einmal eingehen:

    GermanViking:

    Bewusst und begrenzt mit einem Begehren umzugehen, statt es ganz aufzugeben, ist ja keine Ausrede, sondern die Lage fast jedes Laien zu fast jedem Genuss.


    Hier im Thread haben ja schon einige absolute Keuschheit nahezu stolz als Wert proklamiert, keusch oder monastisch scheint aber trotzdem niemand zu leben. Bei Gewalt war es ähnlich, aber da habe ich gar nicht erst gefragt, wer hier wirklicher Pazifist und Veganer ist.

    BDSM abrupt ganz aufzugeben, käme wohl einem kalten Entzug von Drogen gleich und würde womöglich Rückfälle provozieren.

    Allmähliches "Herunterfahren" , aufgrund innerer Einsicht, wäre daher wohl die bessere Option.

    (Aber du möchtest die Praktiken ja - kontrolliert - fortsetzen...)


    Letztliches Ziel (im Buddhismus) ist es, jegliche Gier - außerhalb der lebenserhaltenden Grundbedürfnisse - loszulassen und so zu eliminieren, weil Verlangen/Begierde nun mal Leiden (Dukkha) hervorbringt und der Buddhadharma bekanntlich lehrt, wie man Leid vernichtet.


    (Woher willst du übrigens wissen, ob es nicht User in diesem Forum gibt, die sexuell enthaltsam/keusch leben?

    Viele sind bereits im fortgeschrittenen Alter, wo es naturgemäß leichter fällt, sexuelle Aktivitäten einzustellen.)

    GermanViking:

    Du setzt als feststehend voraus, was im Thread ja eine der zentralen Fragen ist:

    ob diese BDSM-Praxis nämlich zwangsläufig schadet und mehr Anhaftung erzeugt als andere Sinnlichkeit.


    "Kann manchen schaden" stimmt,

    Wenn es auch nur im Geringsten oder wenigen Menschen schadet, ist BDSM - vom buddhistisch-ethischen Standpunkt aus betrachtet - eindeutig als unheilsam einzustufen.


    (Nicht zuletzt auch, weil ohne Zweifel hier die Geistesgifte - insbesondere die Gier - Triebfeder sind.)


    Dazu ein Auszug aus dem Palikanon:

    Zitat

    A.III.56 Das sichtbare Nibbāna - 5. Nibbuta Sutta


    .....»Aus Gier, Brahmane, von der Gier übermannt - aus Haß, vom Hasse übermannt - aus Verblendung, von der Verblendung übermannt, umstrickten Geistes,

    trachtet man nach seinem eigenen Schaden, trachtet man nach anderer Schaden, trachtet man nach beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Kummer.


    Ist aber die Gier aufgehoben - ist der Haß aufgehoben - ist die Verblendung aufgehoben, so trachtet man weder nach eigenem Schaden, noch nach dem Schaden anderer, noch nach beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und Kummer.

    Derart, o Brahmane, ist das Nibbāna klar sichtbar.


    https://www.palikanon.com/angutt/a03_052-061.html#a_iii56

    Alles anzeigen

    Die furchtbaren Auswirkungen der BDSM- Praxis auf eine Angehörige habe ich selbst gesehen und erlebt....

    Auch die von Sayitingerman erwähnte (und durch eine Studie belegte) Reduktion von Empathie war bei ihr zu bemerken, sowie eine krasse Änderung der Persönlichkeit in Richtung "Narzissmus", verstärkte Aggressionen, Essstörung und (Neu)-Entwicklung einer Angststörung....


    Die Studienlage zeigt auch, dass BDSM vermehrt von Personen praktiziert wird, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von der gesellschaftlichen Norm abweicht (LGBTQ +).

    Diese Menschen verspüren oft - aus verschiedensten Gründen - einen hohen Leidensdruck und zeigen eine vergleichsweise höhere Fixierung (Anhaftung...) auf Sexualität/sex. Aktivitäten allgemein.


    Eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, wäre wahrscheinlich in vielen Fällen die bessere Wahl, als sich in BDSM-Sessions (weitere) psychische (sowie physische) Verletzungen zufügen zu lassen (oder sie Anderen zuzufügen).


    Ich behaupte nicht, dass es auf alle zutrifft, aber das Anstreben und Durchführen einer Praxis von BDSM ist oft das Resultat bestimmter psychopathologischer Ursachen (z.B. seel. Konflikte, Traumata, Fehlprägungen, Neurodiversität,...).


    Als solches kaschiert es allerdings die wahren Gründe/Wurzeln hinter den Wünschen und verhindert so schlimmstenfalls mögliche Heilung (beispielsweise durch gezielte Trauma-Therapien), bestenfalls werden alte Traumata -temporär - bewältigt, durch "Umwandlung" von Leid in Lust.


    Darum geht es im (Theravada-) Buddhismus jedoch nicht - hier wird auch Lust als (letztlich) leidhaft und fesselnd erkannt und daher werden auf dem "Weg des Buddha" die Sinnesfreuden/-vergnügungen (resp. die Anhaftung daran) immer mehr losgelassen - zugunsten des "überweltlichen Glückes" ....


    Geistesschulung heißt auch, zu erkennen, wie (besonders wiederholte) Gedanken den Geist in eine bestimmte Richtung lenken und so die "Herzensneigung" manipulieren können:

    Zitat

    Majjhima Nikāya 19

    Zwei Arten von Gedanken - Dvedhāvitakka Sutta


    .....6. "Ihr Bhikkhus, worüber auch immer ein Bhikkhu häufig nachdenkt und nachsinnt, das wird seine Herzensneigung werden.


    Wenn er häufig über Gedanken der Sinnesbegierde nachdenkt und nachsinnt, hat er den Gedanken der Entsagung aufgegeben, um den Gedanken der Sinnesbegierde zu pflegen, und dann neigt sein Geist zu Gedanken der Sinnesbegierde.

    Wenn er häufig über Gedanken des Übelwollens nachdenkt und nachsinnt, hat er den Gedanken des Nicht-Übelwollens aufgegeben, um den Gedanken des Übelwollens zu pflegen, und dann neigt sein Geist zu Gedanken des Übelwollens.


    Wenn er häufig über Gedanken der Grausamkeit nachdenkt und nachsinnt, hat er den Gedanken der Nicht-Grausamkeit aufgegeben, um den Gedanken der Grausamkeit zu pflegen, und dann neigt sein Geist zu Gedanken der Grausamkeit."

    Alles anzeigen

    Es wundert mich nicht, dass sich die "alten Meister" anscheinend wenig über Sexualpraktiken geäußert haben - Sexualität, per se, kann den Geist der Menschen derart "besetzen" und beherrschen, dass die ohnehin geringe Willensfreiheit (welche sowieso eher eine Freiheit des Unwillens darstellt) den Bach runtergeht....


    Geistesklarheit wird durch wiederholten Rausch, bzw. rauschhafte Zustände, zunehmend behindert, u.a. durch Schwächung von Achtsamkeit, Gewissen, ehrlicher Selbsterkenntnis und weiser Unterscheidungsfähigkeit:


    Ein Übel als Übel und Heilsames als Heilsames zu erkennen, gelingt selten mit gefesseltem Geist, wäre aber bedeutsam für jegliche spirituelle Weiterentwicklung oder - schlicht - ein ethisches Leben.

    Zitat

    Kein Übel begehen,

    das Rechte ausüben,

    klärt den Geist auf natürliche Weise.

    Das ist die Lehre der Erwachten.


    (Dogen Zenji, Shobogenzo)

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    Alles Gute auf deinem Weg!


    Mögen alle Wesen glücklich sein, Leid vermeiden und Frieden finden.


    Liebe Grüße, Anna _()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • Qualia
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    • 6. Juli 2026 um 16:41
    • #89
    Anna Panna-Sati:

    Geistesklarheit wird durch wiederholten Rausch, bzw. rauschhafte Zustände, zunehmend behindert, u.a. durch Schwächung von Achtsamkeit, Gewissen, ehrlicher Selbsterkenntnis und weiser Unterscheidungsfähigkeit:

    Rausch bewirkt nur Rausch, warum auch nicht. Rausch begleitet den Menschen, seitdem er Mensch ist. Gier nach Rausch erzeugt dukkha, das Festhalten und für sich erreichen wollen von Rausch ist das Übel.


    „Zwei Extreme nicht gepflegt werden. Welche beiden?

    Das Schwelgen in Sinnenfreuden – es ist nieder, derb, gewöhnlich, unedel und nutzlos.

    Das Schwelgen in Selbstquälerei – es ist schmerzvoll, unedel und nutzlos.


    Indem er diese beiden Extreme vermied, verstand der Klargewordene den mittleren Übungsweg. Dieser bringt Sehen und Erkennen, führt zum Frieden, zu unmittelbarer Einsicht, zum Erwachen und Erlöschen.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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  • Anna-Lyse Dhamma
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    • 6. Juli 2026 um 16:58
    • #90
    Qualia:

    Rausch bewirkt nur Rausch, warum auch nicht.

    Rausch begleitet den Menschen, seitdem er Mensch ist.

    ...Weil eben regelmäßiger Rauschkonsum mittel-langfristig eine Gier nach Rausch erzeugt.

    Qualia:

    Gier nach Rausch erzeugt dukkha, das Festhalten und für sich erreichen wollen von Rausch ist das Übel.

    Genau, danke, lieber Qualia , ich hätte das präziser beschreiben sollen.


    Liebe Grüße, Anna _()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • GermanViking
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    • 6. Juli 2026 um 17:14
    • #91

    Liebe Anna-Lyse Dhamma ,


    danke für diese ausführliche und sorgfältige Antwort und für die Zitate, die dir wichtig sind.


    Das Wichtigste zuerst, ganz ohne Vorbehalt: Was du an deiner Angehörigen gesehen und miterlebt hast, ist real und schwer, und nichts davon will ich kleinreden. Ein Mensch, der aus so einer Dynamik mit Persönlichkeitsveränderung, Aggression, Essstörung und Angst herausgeht, hat echten Schaden genommen. Das ist genau der Fall, vor dem auch ich warne. Da stehen wir auf derselben Seite.


    Und gerade weil mir das ernst ist, möchte ich auf ein paar der allgemeineren Aussagen eingehen, nicht um deine Erfahrung zu bestreiten, sondern weil einige Verallgemeinerungen darin so nicht stehen bleiben sollten.

    Die Studie, die du hier mit dem Fall deiner Angehörigen verbindest, zeigt weniger, als es scheint, das hatten wir weiter oben schon. Sie fand eine reduzierte neuronale Schmerzreaktion bei weiblichen Subs, korrelativ gedeutet als Gewöhnung, ähnlich der bei Ärzten, nicht als Entwicklung hin zu Narzissmus oder Aggression. Was deine Angehörige durchlitten hat, mag alles zutreffen, aber es folgt nicht aus dieser Studie. Ein einzelnes, schweres Schicksal und eine allgemeine Gesetzmäßigkeit sind zweierlei.


    Auch dein logischer Kernsatz überzeugt mich nicht ganz und wurde weiter oben auch schon diskutiert: Wenn schon die Möglichkeit, dass es einigen schadet, etwas als unheilhaft ausweist, dann wäre fast alles unheilhaft, denn fast alles kann manchen schaden: Beziehungen, Arbeit, Medizin, Sport, sogar intensive spirituelle Praxis. „Kann manchen schaden" ist nicht dasselbe wie „ist seinem Wesen nach schädlich". Und das Palikanon-Zitat ist richtig, aber es sagt nur, dass aus Gier, Hass und Verblendung Schaden erwächst, dass BDSM notwendig daraus kommt, ist gerade die strittige Frage, nicht ihr Beweis.


    Zu den queeren Menschen und den „psychopathologischen Ursachen" möchte ich behutsam etwas sagen, weil mir dieser Punkt wichtig ist. Dass queere Menschen häufiger dabei sind, stimmt. Aber ihren höheren Leidensdruck würde ich nicht in ihnen selbst verorten, sondern in der Ablehnung, die sie von außen erfahren; das ist der etablierte Erklärungsrahmen, und er dreht die Deutung gewissermaßen um: Sie leiden nicht, weil mit ihnen etwas nicht stimmt, sondern weil ihnen etwas angetan wird.


    Und zur größeren These, BDSM sei „oft Resultat psychopathologischer Ursachen": Die schon mehrfach wiedergebene Studienlage sagt hier ziemlich klar das Gegenteil. Die größte Untersuchung dazu (Wismeijer und van Assen, 2013, über 900 Praktizierende; 2025 repliziert) fand sie im Schnitt weniger neurotisch, gewissenhafter, mit sicherer Bindung und höherem Wohlbefinden als die Vergleichsgruppe und schloss, BDSM sei eher eine Freizeitpräferenz als Ausdruck einer Störung. Das widerlegt deine Sorge im Einzelfall nicht; deine Angehörige bleibt deine Angehörige. Aber als Aussage über Praktizierende insgesamt trägt der Satz nicht, und das nicht stehen zu lassen ist mir wichtig, weil solche Zuschreibungen für die betroffenen Menschen Folgen haben.


    Dass das an einer höheren „Fixierung" oder an psychischer Störung liege, zeigen die Untersuchungen aber gerade nicht; im Gegenteil finden die größeren Studien Praktizierende psychisch nicht kränker, teils stabiler. Der erhöhte Leidensdruck queerer Menschen erklärt sich viel eher aus der Ablehnung, die sie erfahren, als aus etwas in ihnen selbst. Und die Einstufung von BDSM als „Resultat psychopathologischer Ursachen" ist genau die Sicht, von der die Psychiatrie mit der ICD-11 abgerückt ist.


    Übrigens sind BDSMler auch häufiger älter, urbaner, neugieriger und impulsiver als Kontrollgruppen (Richters et al.). Selič & Jug (2025) fanden eine positive Korrelation zu Kindesmissbrauch bei Subs, aber eine negative bei Doms.


    Wo ich dir dagegen ausdrücklich recht gebe, ist beim Zitat aus MN 19: Worüber man häufig nachsinnt, das wird zur Herzensneigung. Das glaube ich auch. Nur führt es mich zu einem anderen Schluss. Wenn Wiederholung den Geist prägt, kommt alles darauf an, was man übt. Und beim achtsamen Praktizierten übt man nicht Grausamkeit, sondern das Gegenteil: fragen, zuhören, auf feinste Signale achten, innehalten, aufhören. Wenn das die Herzensneigung formt, dann formt es eher diese Aufmerksamkeit als eine Neigung zur Härte. Darin liegt für mich auch das, was Dogen meint, wenn er sagt, dass das Rechte zu üben den Geist kläre.


    Auf mehrfache Nachfrage konnte oder wollte mir niemand mitteilen, dass er keusch lebe. Muss von mir aus auch niemand, aber wenn man den Wert so proklamiert, ist die Frage, finde ich, durchaus berechtigt. Ebenfalls mit dem ICD-11 wurde übrigens auch Asexualität als nicht-pathologisch anerkannt.


    Generell sollte man seine Triebe einer gewissen Kontrolle unterwerfen; das gilt natürlich auch beim Sexualtrieb. Plötzlich seine sexuelle Neigung zu unterdrücken scheint mir als Laie nicht sonderlich gesund zu sein. Wenn man sie einvernehmlich und wohltuend mit anderen Personen auslebt und dies dann einseitig aufkündigt und pathologisiert, erscheint mir dies auch etwas, worüber man zumindest mal nachdenken sollte, wie vermeintlich moralisch das ist.


    Was genau wäre auch zu therapieren? Nichts von dem, was ich mache, ist auf dem aktuellen ICD noch vorgesehen und es gibt keine geschädigten Personen. Welcher renommierte Psychologe fängt da eine Therapie an und mit welchem Grund und Ziel? So ein klein wenig erinnert mich das hier auch an die sogenannten Konversionstherapien für Homosexuelle…


    Bei allem Mitgefühl für das Schicksal deiner Verwandten finde ich es doch moralisch etwas fragwürdig, zig Menschengruppen zu pathologisieren, Studien falsch wiederzugeben und von anderen Menschen die Einhaltung von Wertvorstellungen zu verlangen, wo nur betreten dazu geschwiegen wird, ob man sie denn selbst auch lebe.


    Dir und deiner Verwandten von Herzen alles Gute auf eurem Weg

  • Igor07
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    • 6. Juli 2026 um 17:34
    • #92
    GermanViking:

    Schön, dass du wieder da bist, und danke für die Bestätigung aus einer Ecke, in der du dich wirklich auskennst.

    Lieber Alex, das verwirrt mich eigentlich, denn ich sehe das ganze Problem eins zu eins wie Anna-Lyse Dhamma . Wenn ich etwas praktiziert habe, dann waren es dazu andere Gründe als Sinnesvergnügen. Sexualität stellt, egal in welcher Form, eine Vernebelung der klaren Sicht dar. Diese Gefühle vernarren die menschliche Natur.

    Schau mal: Schopenhauer, Kant und Spinoza lebten ihr Leben lang völlig enthaltsam. Selbst S. Freud mit seiner Psychoanalyse, die alle Übel in der verdrängten Sexualität sah, lebte jahrzehntelang enthaltsam. Er hatte bewusst und absichtlich auf Sex verzichtet, um kreativer zu sein. Das heißt Sublimierung.

    Tantra stellt eigentlich die Aufgabe, nicht diese sexuelle Energie auszuleben, achtsam oder wie auch immer, sondern sie zu transzendieren, also darüber hinauszugehen. Ist das bitte dein Fall? Im Tantra, also wie ich es nach der Hatha-Yoga-Pradipika verstanden habe, sollte der Mann diese Energie nach oben in die höheren Zentren bewegen. Also geht es nicht um das Ausleben. Plus: In allen Texten sollte man die ethischen Regeln sehr strikt befolgen. Das gilt als unumstößlich, sowohl in hinduistischen Richtungen als auch im Buddhismus.

    Wenn du bitte den Pali-Kanon liest, also den früheren oder ursprünglichen Buddhismus nach der Klassifikation von E. Conze, dann stellt diese Triebhaftigkeit das zentrale Hindernis auf dem Weg dar. Wie es Hellmuth Hecker ausdrückt: Die Psychologie der Befreiung besteht in der Befreiung von den Trieben.

    Abschließend bemerkt: Niemand würde von gesunden und jungen Menschen verlangen, auf Sex zu verzichten. Aber die wachsende innere Einsicht in die bedingte und vergängliche Natur der Phänomene kann diesen Griff ein wenig lockern.

    Alles Gute dir.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    • 6. Juli 2026 um 18:18
    • #93

    Igor07


    Bei deinen Kronzeugen für die Enthaltsamkeit muss ich doch etwas schmunzeln. Schopenhauer hatte zeitlebens etliche Affären und schrieb eine ganze Metaphysik der Geschlechtsliebe. Er hat den Trieb bejaht und ausgelebt, während er ihn theoretisch verdammte und mitunter in Frauenhass schwelgte. Freud war verheiratet und hatte sechs Kinder; dass er später weniger Sex hatte und darüber klagte, stimmt, aber alles andere ist Legende. Spinoza wurde aus der jüdischen Gemeinde verbannt und lebte dann zurückgezogen, arm und krank. Ob das absichtliche Keuschheit war, ist zumindest mal zu hinterfragen. Kant erwog mal zu heiraten, hat dann aber so lange gezögert, bis die Damen dann anderweitig vergeben waren. Der puritanische Hypochonder kam wohl auch bei den Damen auf der intimen Ebene nicht so gut an.


    Ich packe es schon, meinem Beruf gewissenhaft nachzugehen und gleichzeitig Sex zu haben. Wenn andere das nicht schaffen, tut mir das sehr leid für sie. Womit ich dir völlig zustimme, ist, dass man seinen Trieb kontrollieren muss, sonst gerät man sehr schnell in große Probleme.


    Vajrayana kennt die Karmamudra als körperliches Sexualyoga mit einer Partnerin und nicht nur die symbolische Transzendenz. Ich sage nicht, dass BDSM dies ist oder dass man dem nachgehen soll, aber es existiert in der Tradition.


    Die unkontrollierte Triebhaftigkeit ist das zentrale Hindernis, und die vollständige Befreiung meint ihr Erlöschen. Dem widerspreche ich nicht. Nur triffst du damit nicht BDSM, sondern jedes weltliche Begehren. Das ist immer wieder ein Argument gegen alle Laien-Sinnlichkeit.


    Ich wäre auch etwas vorsichtig, Asexualität, Sexualphobien, mangelnde Gelegenheit und Keuschheit miteinander zu verwechseln.


    Ich glaube, wir haben da eine ziemlich andere Beziehung zu unseren Trieben und Leidenschaften. Natürlich müssen die kontrolliert und integriert werden, sonst gerät man schnell in Probleme. Mir scheint hier aber im Namen der Sublimierung und der reinen Lehre viel Verachtung zu existieren. Das kenne ich aus meiner bisherigen Praxis so nicht und habe da auch wenig Interesse dran.

  • Igor07
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    • 6. Juli 2026 um 18:57
    • #94
    GermanViking:

    Vajrayana kennt die Karmamudra als körperliches Sexualyoga mit einer Partnerin und nicht nur die symbolische Transzendenz. Ich sage nicht, dass BDSM dies ist oder dass man dem nachgehen soll, aber es existiert in der Tradition.

    Na gut, lassen wir die ganze Philosophie in Ruhe, das bringt nichts.

    Deine Verweise auf das Vajrayana kann ich aber sehr gut kontern.

    In dem von mir verlinkten Buch von Hans-Günter Wagner lese ich auf Seite 236:


    Zitat

    „Einer der vermuteten Ursprünge des Tantrismus liegt in der hinduistischen Tempelprostitution. Es gibt sogar tantrische Tötungsrituale, mit denen man unliebsame Personen ums Leben bringen kann.

    Der Yogi imaginiert sich selbst so, dass sein Penis zum Keil wird, und imaginiert Körper, Rede und Denken des zu Tötenden in der Scheide seiner Gefährtin. Dort tötet er ihn dann mit seinem Keil.“ (Quelle folgt.)

    Hier wird die Frau sogar zur Mordkomplizin gemacht.

    Echt krass, aber jeder kann das überprüfen.

    Auf Seite 235 merkt der Autor an, dass als besonders wirksam der Verkehr mit einem zwölfjährigen Mädchen gilt, am besten während der Menstruation. (Quelle folgt.)


    Die Frau wird eigentlich als Erleuchtungsmittel für den Mann benutzt, so lese ich weiter, aber das wäre noch der beste Fall. Denn ich lese auf Seite 235, dass es diesen Meistern (Achtung, eher Ironie) um den Erwerb magischer Fähigkeiten geht.


    Das hat wirklich absolut nichts mit der buddhistischen Ethik zu tun, Alex, wenn überhaupt mit normaler Ethik.

    Dein Faden stellt doch die Frage nach der buddhistischen Ethik, oder?

    Also, warum kannst du nicht den ganzen Buddhismus in Ruhe lassen, besonders den Tantra?


    Das ist ein Projekt der Zeitschrift „Ursache/Wirkung“, deswegen hoffe ich, dass das stehen bleibt.:!:

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    Sokrates

  • GermanViking
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    • 6. Juli 2026 um 19:24
    • #95
    Igor07:

    Na gut, lassen wir die ganze Philosophie in Ruhe, das bringt nichts.

    Du meinst, weil die Beispiele alle eher recht lustig waren, willst du jetzt lieber nicht mehr drüber reden? 😉

    Igor07:

    Die Frau wird eigentlich als Erleuchtungsmittel für den Mann benutzt, so lese ich weiter, aber das wäre noch der beste Fall. Denn ich lese auf Seite 235, dass es diesen Meistern (Achtung, eher Ironie) um den Erwerb magischer Fähigkeiten geht.

    Die Geschichte ist leider voller magischen und frauenfeindlichen Denkens. Denkst du, dass der Theravada frei davon ist? Wenn ja, guck nochmal hin, etwas weniger bigott.

    Igor07:

    Das hat wirklich absolut nichts mit der buddhistischen Ethik zu tun, Alex, wenn überhaupt mit normaler Ethik.

    Kläre das doch am besten mit den Vajrayana-Buddhisten und nicht mit mir.

    Igor07:

    Dein Faden stellt doch die Frage nach der buddhistischen Ethik, oder?

    Also, warum kannst du nicht den ganzen Buddhismus in Ruhe lassen, besonders den Tantra?

    Mal abgesehen von der völlig mangelnden inneren Kohärenz dieses Abschnitts kannst du gern zuerst gehen, und zwar aus diesem Thread, wenn du hier nichts Konstruktives beitragen magst.

    Einmal editiert, zuletzt von GermanViking (6. Juli 2026 um 19:50)

  • Anna-Lyse Dhamma
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    • 6. Juli 2026 um 19:47
    • #96
    GermanViking:

    ....moralisch etwas fragwürdig, zig Menschengruppen zu pathologisieren, Studien falsch wiederzugeben und von anderen Menschen die Einhaltung von Wertvorstellungen zu verlangen, wo nur betreten dazu geschwiegen wird, ob man sie denn selbst auch lebe.

    Da hast du ja zum Schluss nochmal richtig "scharf geschossen", Alex. ;)

    Eigentlich hatte ich mit dem (für mich immer noch schmerzlichen) Thema schon abgeschlossen, aber dein "Schlusswort" erfordert m.E. eine Klarstellung:


    Was ich hier über BDSM schrieb, gründet sich auf Erfahrungen mit der Thematik seit nunmehr 13 Jahren und die Menschen (nicht nur die eine Angehörige!), die involviert waren, hatten allesamt einen Hintergrund mit psychischer Erkrankung (Depression, PTBS, Narzisst. Persönlichkeitsstörung usw.).


    Auch, wenn das vielleicht nicht repräsentativ ist, zeigt es doch Tendenzen...


    Ich sprach, über Jahre hinweg, mit zig Fachleuten darüber (Psychiater, Psycholog. Psychotherapeuten, Ärzte,..) und ebenso mit Menschen aus der "Szene", bzw. Menschen, deren Angehörige BDSM praktizier(t)en.

    Nur, weil nun Anpassungen am ICD 11 erfolgten, ändert sich nichts an bestimmten Fakten- lediglich die Bewertung ist jetzt eine andere...


    Vielleicht um Stigmatisierung zu unterbinden, was ja einerseits zu begrüßen ist, andererseits ev. benötigte Hilfe unterbindet?

    Der Zeitgeist spielt sicherlich auch eine Rolle, alles wandelt sich...


    Für mich ist "Krankheitswertigkeit" übrigens kein Stigma und Abwertung oder gar Ausgrenzung dieser Menschen zu verhindern, liegt mir aus naheliegenden Gründen sehr am Herzen.


    Man sollte selbstverständlich auch "wissenschaftliche" Studien" kritisch prüfen und hinterfragen - psychologischen Studien, die überwiegend auf persönlichen Befragungen fußen, stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber - die Psychologie zählt ohnehin nicht zu den "exakten Wissenschaften"....

    Verwirrenderweise gibt es heutzutage fast zu jeder Studie bald darauf eine Gegenstudie...


    Liebe Grüße, Anna _()_:heart::)

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • GermanViking
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    • 6. Juli 2026 um 20:09
    • #97

    Liebe Anna-Lyse Dhamma !

    Anna Panna-Sati:

    Was ich hier über BDSM schrieb, gründet sich auf Erfahrungen mit der Thematik seit nunmehr 13 Jahren und die Menschen (nicht nur die eine Angehörige!), die involviert waren, hatten allesamt einen Hintergrund mit psychischer Erkrankung (Depression, PTBS, Narzisst. Persönlichkeitsstörung usw.).

    Und weder eine meiner Partnerinnen noch ich haben eine psychische Erkrankung. Ich praktiziere BDSM seit fast 20 Jahren.


    Das, was du hier machst, ist der sogenannte Selektionsfehler. Dir ist das ganze Thema über das Leid einer Angehörigen begegnet und dann hast du darüber Fachleute zum Thema, dann weitere Betroffene, dann weitere Angehörige, usw. getroffen. Menschen, bei denen BDSM aber ganz normal funktioniert, bewegen sich nicht in solchen Kreisen.


    Meine Ex-Frau hatte beruflich viel mit Kriminalität zu tun und begann nach einigen Jahren auch im privaten Umfeld dann sehr oft kriminelle Machenschaften zu wähnen. Jetzt nicht im problematischen Maße, aber so, dass es schon ihre Wahrnehmung beeinflusste und sie ein sehr vorsichtiger und skeptischer Mensch wurde.


    Bei dem ganzen Zoo an psychischen Erkrankungen, den du hier aufzählst, stelle ich mir noch eine andere Frage: Wozu braucht es dann Sadomasochismus als vermeintliche Krankheit? Offenbar lagen hier ja immer andere, echte Erkrankungen vor, die man dann auch entsprechend behandeln kann. Sadomasochismus als eigene Diagnose erscheint da ziemlich unsinnig.

    Anna Panna-Sati:

    Auch, wenn das vielleicht nicht repräsentativ ist, zeigt es doch Tendenzen...

    Wenn es nicht repräsentativ ist, dann zeigt es eben keine Tendenz.

    Anna Panna-Sati:

    Ich sprach, über Jahre hinweg, mit zig Fachleuten darüber (Psychiater, Psycholog. Psychotherapeuten, Ärzte,..) und ebenso mit Menschen aus der "Szene", bzw. Menschen, deren Angehörige BDSM praktizier(t)en.

    Und ich noch mit viel mehr Leuten, die BDSM ganz normal ausleben können. Letztlich versuchst du dich hier auf Autoritäten zu berufen. Das löst aber das oben angesprochene Selektionsproblem nicht.

    Anna Panna-Sati:

    Nur, weil nun Anpassungen am ICD 11 erfolgten, ändert sich nichts an bestimmten Fakten- lediglich die Bewertung ist jetzt eine andere...

    Ob konsensuelles BDSM eine Störung ist, war nie ein reiner Fakt, sondern immer eine Klassifikationsentscheidung. Die ICD-11-Revision hat nicht die Bewertung eines Faktums geändert, sondern korrigiert, dass man eine Neigung fälschlich als Störung geführt hatte, mangels Leidensdrucks und Schadens im einvernehmlichen Fall.


    Merke übrigens den Übergang von deinen Aussagen oben, wo Autoritäten ganz wichtig waren, zur Ablehnung von Autoritäten, wenn sie deine Meinung nicht mehr unterstützen.

    Anna Panna-Sati:

    Vielleicht um Stigmatisierung zu unterbinden, was ja einerseits zu begrüßen ist, andererseits ev. benötigte Hilfe unterbindet?

    Einer Stigmatisierung, unter der viele Menschen übrigens wirklich litten. Ich kenne gleich mehrere Frauen, die von ihren ehemaligen Partnern über Jahre als pervers dargestellt wurden aufgrund ihrer sexuellen Wünsche.


    Hier hast du übrigens einen sehr performativen Widerspruch, da du ja doch eingestehst, dass Pathologisierung durchaus eine Stigmatisierung bedeutet. Die solle man halt nur für vermeintliche Hilfe ertragen. Ist dann halt nur die Frage: Hilfe gegen oder für was?

    Anna Panna-Sati:

    Für mich ist "Krankheitswertigkeit" übrigens kein Stigma und Abwertung oder gar Ausgrenzung dieser Menschen zu verhindern, liegt mir aus naheliegenden Gründen sehr am Herzen.

    Das mag vielleicht deine persönliche Haltung sein, faktisch löst eine Pathologisierung aber genau das im psychischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Raum aus. Schau dir dazu gern mal an, wie Homosexuelle pathologisiert wurden und was das für Folgen hatte. Oder stelle dir einfach mal vor, du hättest als sexuell submissive Frau einen Sorgerechtsstreit mit deinem Ex-Mann und dieser lässt dich dann vor dem Gericht pathologisieren. Der perversen Geisteskranken kann man ja kein Kind anvertrauen.

    Anna Panna-Sati:

    Man sollte selbstverständlich auch "wissenschaftliche" Studien" kritisch prüfen und hinterfragen - psychologischen Studien, die überwiegend auf persönlichen Befragungen fußen, stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber - die Psychologie zählt ohnehin nicht zu den "exakten Wissenschaften"....

    Seltsamerweise gilt die Skepsis aber immer nur in der Richtung der Positionen, die dir nicht gefallen. Die Studie zur Empathie- und Schmerzreaktion hattest du nicht mal gelesen, aber warst sofort von einer völlig verzerrten Wiedergabe absolut überzeugt. Die beiden größten Studien zum Thema sollen aber halt Quatsch sein. Gelesen hast du sie auch nicht. Irgendwie wird's bestimmt verwirrend sein. Ansonsten kommen halt absolute Aluhut-Theorien wie: Die WHO ist von Sextoy-Herstellern unterlaufen und von bösen politisch Korrekten, welche die Perversen halt nicht mehr hart genug beschämen. Aber ich soll halt deinen persönlichen selektiven Eindrücken absoluten Glauben schenken. Natürlich ohne jeden Beleg.


    Wenn Psychologie zu unsicher ist, um belastbare Aussagen zu tragen, dann trägt sie aber auch deine Behauptungen nicht und auch nicht die deiner angeführten Autoritäten. Dann sollte auch geschaut werden, dass so wenige Personen wie möglich pathologisiert werden.


    Und nein, zu den beiden großen, von mir ausführlich benannten Studien gibt es keine "Gegenstudien". Du versuchst hier gezielt eine Beliebigkeit zu erzeugen, die nicht da ist.

    Anna Panna-Sati:

    Da hast du ja zum Schluss nochmal richtig "scharf geschossen", Alex. ;)

    Immerhin habe ich dich nicht für mental instabil erklärt, so wie du das bei sehr vielen anderen Menschen machst, ohne hinreichenden Beleg.


    Liebe Grüße

    2 Mal editiert, zuletzt von GermanViking (6. Juli 2026 um 20:43)

  • Igor07
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    • 6. Juli 2026 um 20:44
    • #98
    Anna Panna-Sati:

    Ich behaupte nicht, dass es auf alle zutrifft, aber das Anstreben und Durchführen einer Praxis von BDSM ist oft das Resultat bestimmter psychopathologischer Ursachen (z.B. seel. Konflikte, Traumata, Fehlprägungen, Neurodiversität,...).


    Als solches kaschiert es allerdings die wahren Gründe/Wurzeln hinter den Wünschen und verhindert so schlimmstenfalls mögliche Heilung (beispielsweise durch gezielte Trauma-Therapien), bestenfalls werden alte Traumata -temporär - bewältigt, durch "Umwandlung" von Leid in Lust.

    Hier schon erwähnte ich Arno Gruen. Er hat genau diesen ganzen Mechanismus aufgedeckt. Einige Menschen in der modernen Gesellschaft fühlen sich nur dann innerlich lebendig, wenn sie anderen Schmerzen bereiten oder sie sogar töten („Dem Leben entfremdet“, „Der Verlust des Mitgefühls“). Und wie viele Menschen erleben Lebendigkeit über Dominanz, Entwertung oder Gewalt und bauen dann rational klingende Gründe darum herum? Hm, gute Frage.

    Diese Problematik wurde von den existenziellen Philosophen sehr gut erfasst, etwa im Roman „Der Fall“ von A. Camus. Bemerkenswert ist hier, dass diese Leute nach rationalen Gründen für ihr eigenes Verhalten suchen, das sie selbst nicht verstehen. Oder sie suchen so etwas wie eine sinnvolle (als ob) Legitimation.

    Man kann alles rechtfertigen, denke ich.

    Deswegen ist es so wichtig, die eigene Orientierung – Cetanā – zu bewahren, denn dieser Henker lebt sozusagen in jedem von uns. Es kommt darauf an, welchen Wolf wir füttern. Wir haben immer die Freiheit, entweder von unseren dunklen Trieben versklavt zu werden oder den eigenen Herz-Geist – Citta – zu läutern. Ich kann vor allem fliehen, aber nicht vor meinem eigenen Gewissen.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • GermanViking
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    • 6. Juli 2026 um 20:54
    • #99
    Igor07:

    Einige Menschen in der modernen Gesellschaft fühlen sich nur dann innerlich lebendig, wenn sie anderen Schmerzen bereiten oder sie sogar töten („Dem Leben entfremdet“, „Der Verlust des Mitgefühls“).

    Das ist Arno Gruens These über die Wurzeln der Destruktivität. Über Menschen, die Gewalt ohne Einwilligung ausüben, über Täter. Ihn auf konsensuelles BDSM anzuwenden, ist eine Gleichsetzung durch Assoziation: Weil im einen wie im anderen „Schmerz" vorkommt, wird das eine mit dem Rahmen des anderen erklärt. Aber der entscheidende Unterschied ist gerade das, was Gruen beschreibt und BDSM definiert ausschließt: das Fehlen von Einwilligung. Wer den Rahmen des unfreiwilligen Tötens auf eine ausgehandelte, jederzeit abbrechbare Praxis überträgt, hat den Begriff, mit dem er argumentiert, bereits verfehlt.


    Ist das eigentlich Rechte Rede dem Mann wiederholt Thesen unterzuschieben die er nie getätigt hat, besonders wenn man darauf schon hingewiesen wurde?

    Igor07:

    Und wie viele Menschen erleben Lebendigkeit über Dominanz, Entwertung oder Gewalt und bauen dann rational klingende Gründe darum herum?

    Das ist als Frage formuliert, transportiert aber eine Behauptung und eine unfalsifizierbare noch dazu. Sie funktioniert so: Wer die Praxis verteidigt, liefert damit angeblich nur den nachträglichen rationalen Grund für einen dunklen Trieb, den er selbst nicht durchschaut.


    Das Problem ist, dass sich diese Denkfigur vollständig immunisiert. Jedes Argument des Gegenübers wird zum Symptom des unterstellten Triebs umgedeutet, jede Verteidigung zum Beweis. Damit ist die These gegen jeden Widerspruch abgedichtet und genau das macht sie für die Erkenntnis wertlos.

    Igor07:

    „Der Fall“ von A. Camus.

    Ja, und ich kenne ein paar richtig tolle BDSM-Romane...


    Ein Roman ist keine Evidenz über eine Population. La Chute ist ein literarisches Porträt eines schuldgeplagten Selbstbetrügers. Großartig als Studie eines Einzelbewusstseins, aber es sagt nichts darüber aus, ob BDSM-Praktizierende Selbstbetrüger sind.

    Igor07:

    Man kann alles rechtfertigen, denke ich.

    Stimmt, du dir sogar deine Beiträge und deine Enthaltsamkeitsdoktrin.

    Igor07:

    Deswegen ist es so wichtig, die eigene Orientierung – Cetanā – zu bewahren, denn dieser Henker lebt sozusagen in jedem von uns. Es kommt darauf an, welchen Wolf wir füttern. Wir haben immer die Freiheit, entweder von unseren dunklen Trieben versklavt zu werden oder den eigenen Herz-Geist – Citta – zu läutern. Ich kann vor allem fliehen, aber nicht vor meinem eigenen Gewissen.

    Alles ganz toll, rhetorisch stark. Wirklich. Erschleicht sich aber die strittige Prämisse. Das ist eine Suggestion, kein Argument.


    Funktioniert inhaltlich aber nur, wenn BDSM bereits als der dunkle Wolf feststeht, als das, was man nicht füttern soll. Genau das ist aber die offene Frage.


    Wenn man im achtsamen Praktizieren gerade Aufmerksamkeit, Zustimmung, Fürsorge und das Innehalten übt, dann füttert man mit derselben Metapher den anderen Wolf.

  • GermanViking
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    • 6. Juli 2026 um 21:35
    • #100
    Anna Panna-Sati:

    Als solches kaschiert es allerdings die wahren Gründe/Wurzeln hinter den Wünschen und verhindert so schlimmstenfalls mögliche Heilung (beispielsweise durch gezielte Trauma-Therapien), bestenfalls werden alte Traumata -temporär - bewältigt, durch "Umwandlung" von Leid in Lust.

    Da es hier gern zitiert wird, will ich doch hier mal näher im Detail drauf eingehen.


    Zunächst wird hier natürlich wieder mal der Fehlschluss gemacht, BDSM völlig mit Masochismus gleichzusetzen. Der zweite Fehler ist, davon auszugehen, dass alle sexuellen Masochisten traumatisiert sind. Beides wurde hier schon deutlich widerlegt. Aber gehen wir jetzt mal von dieser Situation aus. Alles, was ich hier schildere, ist angelesen, da ich bisher keine Beziehungen zu solchen Frauen hatte und so gar nicht auf Trauma Play stehe.


    Es gibt in der Traumaforschung einen etablierten Begriff dafür. Das Trauma Play: die absichtliche Verwendung von BDSM-Praktiken durch Traumaüberlebende, um vergangene schmerzhafte Erfahrungen in einem kontrollierten, auf Einwilligung ausgerichteten Rahmen zu erkunden und zu verarbeiten.


    Das ist die exakte Umkehrung von Kaschieren. Im Gegensatz zur Retraumatisierung, bei der Leid bloß wiedererlebt wird, erlaubt trauma play den Teilnehmenden, sich vergangenen Traumata aus einer Position von Handlungsmacht, Kontrolle und Lust zu nähern. Genau die Umwandlung von Leid in Lust, die Anna-Lyse Dhamma als Verdeckung deutet, ist im Fachrahmen der Wirkmechanismus der Verarbeitung, nicht ihr Hindernis.


    Der wiederkehrende Befund über mehrere Studien hinweg ist auch nicht das Trauma wird überdeck, sondern reclaiming power/control. Statt sie zu retraumatisieren, erlaubt BDSM diesen Menschen, ein Gefühl von Kontrolle über ihren Körper und ihre Emotionen zurückzugewinnen; der Fokus auf Einwilligung, Aushandlung und klare Grenzen schafft eine sichere Umgebung, in der die Teilnehmenden mit traumaverbundenen Emotionen arbeiten können. Beim Trauma fehlten Zustimmung, Sicherheit, Kontrolle; hier werden genau diese Elemente wiederhergestellt und geübt. Das Gegenteil einer Betäubung, die die Wurzel unberührt lässt.


    Kritiker äußern die Sorge, dass die BDSM-Aktivitäten innewohnenden Machtdynamiken und körperlichen Empfindungen ein Trauma unbeabsichtigt wieder auslösen und zu Dissoziation oder psychischem Schaden führen könnten. Der ausschlaggebende Faktor ist die Einhaltung strikter Einwilligungsregeln. Wo diese fehlen, kippt es Richtung Revictimisierung; wo sie eingehalten werden, Richtung Verarbeitung. Der Schaden, den Anna beobachtet hat, verweist nicht auf ein Wesensmerkmal von BDSM, sondern auf dessen Abwesenheit. Auf eine Konstellation ohne funktionierenden Konsensrahmen.


    Die qualitative Forschung findet bei Überlebenden konsistent Themen wie Neustrukturierung des Selbstkonzepts, Wiedergewinn von Handlungsmacht und Heilung durch Beziehung, teils ausdrücklich gestützt auf vorherige Therapie, nicht an deren Stelle. BDSM ist kein Ersatz für professionelle Therapie. Anna behauptet aber eine Verdrängung der Heilung; die Literatur beschreibt in vielen Fällen ein Zusammenwirken mit ihr.


    - https://www.researchgate.net/publication/33…ma_through_BDSM

    - https://www.researchgate.net/publication/35…ma_through_BDSM

    - https://www.ingentaconnect.com/content/routle…mo.x-ic-live-01

    - https://psycnet.apa.org/record/2016-45384-001

    usw


    Selbst in dem von Anna beschriebenen Fall stimmen ihre Behauptungen also großteils nicht. Es sei denn, wir reden von Praktiken, die nicht einvernehmlich sind. Die heißen aber nicht BDSM, sondern Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexualisierte Gewalt, usw.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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