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Der vergleichende Geist: DÜNKEL (mana) und seine Auswirkungen...

  • Anna Panna-Sati
  • 24. Mai 2026 um 20:06
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  • Anna Panna-Sati
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    • 24. Mai 2026 um 20:06
    • #1

    Hallo, ihr Lieben, :)


    außerhalb des Buddhismus wird Dünkel im Allgemeinen mit Arroganz, Stolz, Hochmut, Eitelkeit usw. gleichgesetzt und entsprechend geschmäht:

    Zitat

    Wie klein ist das, was einer ist, wenn man's mit seinem Dünkel misst. (Wilhelm Busch)

    Zitat

    Der Hochmut ist eine Art von Ehrbegierde, nachdem wir anderen Menschen ansinnen, sich selbst, in Vergleichung mit uns, gering zu schätzen.

    Der Hochmut verlangt von anderen eine Achtung, die er ihnen jedoch verweigert. (Immanuel Kant)


    Im Buddhismus bedeutet "Dünkel" zusätzlich die letzte Fessel - erst der Arahant ist davon befreit - und es werden 3 Arten des Dünkels unterschieden, wobei die tiefste Ebene der sogenannte "Ich-Dünkel" (asmimana) einnimmt, das grundlegende Gefühl "Ich bin." Es impliziert, ein unabhängiges Selbst, ein "Jemand" zu sein, der womöglich wichtig und bedeutsam ist.

    Zitat

    māna

    Dünkel, Stolz, Ansicht, Meinung, Einbildung,

    ist eine von den an den Kreislauf des Daseins kettenden 10 Fesseln (siehe samyojana). Er schwindet erst beim Eintritt in die Vollkommene Heiligkeit oder Arahatschaft.


    • den (Gleichheits-)Dünkel (māna): ,Ebenso bin ich'
    • den Minderwertigkeitsdünkel (omāna): ,Schlechter bin ich'
    • den Überlegenheitsdünkel (atimāna): ,Besser bin ich'

    Laut Buddhadharma ist also dieser "Ich-Wahn"/-Dünkel" die letzte Fessel, die sich erst beim vollständig Erleuchteten/Erwachten löst.

    Mithin sollte der "Übende auf dem Pfad" realistischerweise davon ausgehen, seehr lange - lebenslänglich damit zu tun zu haben....(Mit der Dünkelhaftigkeit der Anderen sowieso, aber das sollte uns weniger kümmern...;))


    Das Gegenteil von Dünkel:

    - (weltlich): Bescheidenheit, realistische Selbsteinschätzung, Demut

    - Im Buddhismus: Erkenntnis von Nicht-Selbst (Anatta) und Gleichmut (Upekkha) = frei von Vergleichen, Gier und Abneigung/Hass


    Möchte Auszüge zweier Suttas vorstellen, die das Thema behandeln:

    Zitat

    S.22.49. Sona I -- 7. Soṇa Sutta


    ....4.-8. "Wenn sich da, o Sona, Asketen und Priester aufgrund der vergänglichen, leidvollen, wandelbaren Körperlichkeit - des vergänglichen, leidvollen, wandelbaren Gefühls - der vergänglichen, leidvollen, wandelbaren Wahrnehmung - der vergänglichen, leidvollen, wandelbaren Gestaltungen - des vergänglichen, leidvollen, wandelbaren Bewußtseins als besser betrachten, als gleichwertig betrachten, als geringer betrachten - was sollte dies anderes sein als ein Nichtverstehen der Wirklichkeit!


    9.-13. Wenn sich aber, o Sona, Asketen und Priester aufgrund der vergänglichen, leidvollen, wandelbaren Körperlichkeit - des ... Bewußtseins nicht als besser betrachten, nicht als gleichwertig betrachten, nicht als geringer betrachten: was sollte dies anderes sein als ein Verstehen der Wirklichkeit!

    Zitat

    A.VI.49 Wie edle Söhne ihre Heiligkeit kundtun - 7. Khema Sutta

    ...»Wer da, o Herr, ein Heiliger ist, ein Triebversiegter, der den Heiligen Wandel vollendet und sein Werk vollbracht, die Bürde abgelegt und die Daseinsfesseln gelöst hat, der durch das vollkommene (Heiligkeits-)Wissen befreit ist, einem solchen kommt nicht mehr der Gedanke:

    'Es gibt keinen, der besser ist als ich' oder 'Es gibt keinen, der mir ebenbürtig ist' oder 'Es gibt keinen, der geringer ist als ich.' Also sprach der ehrwürdige Sumana, und der Meister billigte es. Sehend, daß der Meister es billigte, erhob sich der ehrwürdige Sumana vom Sitze, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, und, ihm die Rechte zukehrend, entfernte er sich.


    Kurz nachdem aber der ehrwürdige Khema und der ehrwürdige Sumana gegangen waren, wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Wahrlich, ihr Mönche, auf solche Weise tun edle Söhne ihr Heiligkeitswissen kund. Eben die Wahrheit wurde dargetan, ohne auf sich selber anzuspielen.

    Es gibt da aber einige Toren, die gleichsam prahlerisch Heiligkeitswissen vorgeben. Diese aber geraten später in Ungemach.«

    Zitat

    Nicht besser und nicht gleich,

    nicht schlechter auch sich haltend,

    so wandeln Heilige fesselfrei,

    für die Geburt versiegt, beendet ist

    vollendet heiligen Lebens Ziel.

    Alles anzeigen

    Tja, wenn ich diese alten Schriften so lese, wird ersichtlich, dass das Leid, das durch den Dünkel hervorgerufen wird, schwer zu beseitigen ist, weil sich der Dünkel so hartnäckig hält.....


    Da ich mich hauptsächlich mit "Minderwertigkeitsdünkel" ("Ich genüge nicht.") herumplag(t)e (kommt immer wieder mal hoch..), dachte ich, es wäre schon ein Fortschritt, sich "gleichwertig" zu fühlen. Psychologisch gesehen, mag das auch stimmen, aber von buddhistischer Warte aus, bedeutet das Eine, wie das Andere,

    unheilsame Fixierung auf das Ego, also Ich-Bezogenheit.


    Vergleiche führen fast immer - früher oder später - zu Leiden, man stellt z.B. Vergleiche an

    - mit anderen Menschen (Aussehen, Alter, Beliebtheit, Besitz, Bildungsgrad, usw.)

    - mit sich selbst (in früheren Zeiten...anicca-dukkha)

    - der heutigen mit anderen Zeiten


    - Ganz "schlimm" ;): "Spiritueller Dünkel" , meist ein Überheblichkeitsdünkel, der Vergleiche zwischen den Religionen, verschiedenen buddhist. Schulen und/oder den Übenden zieht...

    (Berührt besonders unangenehm, weil man ihn nicht erwartet hat.)

    Und dann dieser (ev. heimliche) Stolz aufs "Einfach sein", gerade mal im Zustand des reinen, absichtslosen Gewahrseins gewesen zu sein, völlig "ich-los" - toll! :angel:8) ;)


    Da tun sich eine Menge Fragen auf...:


    1. Wie gehe ich mit meiner Dünkelhaftigkeit um?

    2. Wie gehe ich mit der Dünkelhaftigkeit Anderer um?

    3. Wie hört man mit dem Vergleichen auf, in einer Welt, wo ständig verglichen, bewertet und be/verurteilt wird?

    ("Wettbewerbsgesellschaft")

    4. Wie kann man sich - trotz erkannter Dünkelhaftigkeit - noch selbst lieben? ....


    Klar ist, dass Achtsamkeit, Metta-Praxis und Entwicklung von (Selbst-) Mitgefühl hilfreich sind, aber es ist m.E. schwer, die Gewohnheit des Vergleichens abzulegen, wenn man von von klein auf, darauf geprägt und "gedrillt" wurde.

    (Meine Eltern zogen ständig Vergleiche und ich verglich mich schon recht früh mit meinen Eltern und befand, dass ich nicht so schön wie Mama und nicht so klug wie Papa war - und auch nie so werden würde! - Ja, ich war schon damals sehr ehrlich - auch mit mir selbst - huch, Dünkel! ;):erleichtert:)

    Zitat

    Sehr blind ist man, wenn man sich selbst nicht als voll von Dünkel, Ehrgeiz, Begierden, Schwäche, Elend und Ungerechtigkeit erkennt.

    Und wenn man, nachdem man dies erkannte, nicht wünscht, davon befreit zu werden. (Blaise Pascal)

    Klingt ja fast nach dem Buddha..?! :?


    Bitte habt Mut und schreibt etwas zum Thema - freue mich über jeden Beitrag! :)


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:


    PS: "Ergriffen sagt eine Ameise zur anderen: "Sieh nur diesen unendlichen Sternenhimmel. Man fühlt sich ganz klein und unbedeutend."":grinsen:

    (Aus diesem sehr empfehlenswerten Dharma-Vortrag zum Thema "Mana" von Fred von Allmen: https://www.fredvonallmen.ch/dmxDaten/Beleh…%20a-Balken.pdf)

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

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    • 24. Mai 2026 um 20:59
    • #2

    Dünkel (mana) ist so schwer zu packen, weil er schon im Kleinkind konstruiert wird, um mit anderen zu kommunizieren absolut notwendig.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • mukti
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    • 25. Mai 2026 um 12:35
    • #3
    Anna Panna-Sati:

    1. Wie gehe ich mit meiner Dünkelhaftigkeit um?

    2. Wie gehe ich mit der Dünkelhaftigkeit Anderer um?

    3. Wie hört man mit dem Vergleichen auf, in einer Welt, wo ständig verglichen, bewertet und be/verurteilt wird?

    ("Wettbewerbsgesellschaft")

    4. Wie kann man sich - trotz erkannter Dünkelhaftigkeit - noch selbst lieben? ....

    Einige Gedanken dazu:


    Wenn man erkennt, dass Selbsthass nicht von Dünkel befreit, sondern nur Dukkha vergrößert, kann man sich selber besser mit all seinen Schwächen annehmen. Sehr hilfreich finde ich auch die Erkenntnis, dass Selbsthass ebenfalls Dünkel ist.


    Wir leben in einer Welt voller Dünkel-Menschen. Der Vergleich mit anderen muss nicht zu Überheblichkeit oder Minderwertigkeitsgefühl führen. Wenn man sich bemüht, unter der "verkehrt gerichteten Menschheit im Besitze des Rechten zu weilen" (A.VI.10, A.XI.12-13), kann auch Mitgefühl wegen ihrer leidbringenden Unwissenheit entstehen.


    Die Wurzel des Dünkels ist die Auffassung 'Ich bin die Khandha'. Da kommt man nicht so leicht heran, nur allmählich und mit viel Geduld lässt sie sich beseitigen. Die Begegnung auf Augenhöhe (gleich bin ich) ist schon mal besser als das Herabsehen oder sich minderwertig fühlen.


    Schließlich ist im achtfachen Pfad alles enthalten, was zur Befreiung von Dünkel nötig ist und da tut man halt, was man kann.

    Mit Metta, mukti.


  • Monikamarie
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    • 25. Mai 2026 um 18:35
    • #4

    Liebe Anna,

    als ich "meinen Dünkel" erkannte, fühlte ich mich eigentlich schon fast befreit davon, denn nun wusste ich, wo ich "ansetzen" musste.


    Alle meine Hindernisse erlöse ich immer wieder neu mit Achtsamkeit auf meine Gedanken und Gefühle. Meine Erfahrung zeigt mir, dass ich niemals damit aufhören kann/darf.


    Sobald ich mich gehen lasse, falle ich in alte Gewohnheiten zurück. Diese Erfahrung mache ich immer wieder, solange bis sie erloschen ist.


    Ich kümmere mich nicht darum, ob ich das je erreiche. Ich übe mich einfach immer wieder darin.


    Ich bin glücklich, dass ich die Mittel in der Hand habe und auf niemanden angewiesen bin. Ich bin dankbar, Menschen um mich zu haben, die mir zeigen, wo ich "stehe".

    Ich freue mich, dass ich "schmerzfrei" meine Fehler sehen und zugeben kann, dass ich mich entschuldigen kann, wenn ich überheblich und verletzend war, denn ich bin ungeduldig, impulsiv und schnell zornig.


    Da habe ich genug zu beob-achten und loszulassen - immer wieder.


    Ich finde den Pfad spannend und das Beste, was ich je finden konnte.


    Dankbarkeit ...

    Von ❤️ Monika

  • Anna Panna-Sati
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    • 26. Mai 2026 um 18:18
    • #5

    Vielen Dank, lieber mukti für deinen wertvollen Beitrag, inkl. des Hinweises auf die beiden lehrreichen Suttas. _()_:heart:

    mukti:

    Die Wurzel des Dünkels ist die Auffassung 'Ich bin die Khandha'. Da kommt man nicht so leicht heran, nur allmählich und mit viel Geduld lässt sie sich beseitigen.

    Die Begegnung auf Augenhöhe (gleich bin ich) ist schon mal besser als das Herabsehen oder sich minderwertig fühlen.

    Was ich jetzt nicht so recht verstehe, ist, dass Dünkel im Buddhismus bereits mit der Auffassung "Ich BIN." beginnt (also noch nicht einmal "ICH bin....- die Khandha, XY,....).

    "Bin" ist ja eine konjugierte Form von "sein" und reines "Da-Sein" bedeutet doch noch nicht "jemand" ( = Identität) oder gar "wichtig" zu sein, sondern lediglich Präsenz - also Anwesenheit (physische Anwesenheit) oder Gegenwärtigkeit (achtsames Dabeisein im aktuellen Moment).


    Vergleichen - per se - z.B. in der Gesellschaft (die Leistungen, Eignungen, Funktionen, usw. unterscheidet und verschiedenartig bewertet) bedeutet erst mal nur (mehr oder weniger) nüchtern-rationale Unterscheidung/Differenzierung.


    Der Einzelne kann daraus jedoch - durch Dünkel - Identität bauen:

    Darum bin ich besser/schlechter/gleichwertig.


    Man "darf" also im Buddhismus schon unterscheiden und sogar - sachlich - realistisch bewerten und einschätzen, solange das Vergleichen nicht zum "Ich-Machen" wird:


    "Er kann das besser, also bin ich minderwertig."

    wäre demnach unheilsam, während die objektiv-rationale Feststellung

    "Für diese Aufgabe ist diese Person geeigneter, weil sie über diese/jene Fähigkeiten verfügt."

    keinen unheilsamen/dünkelhaften Vergleich darstellt.

    Oder? :?


    Heilmittel gegen Selbstabwertung (schlimmstenfalls Selbsthass) ist natürlich Liebende Güte/Selbstannahme (Metta, Maitri), die letztlich auch Mitfreude (Mudita) mit der "Konkurrenz" ermöglicht. ;)


    Wie du es so gut auf den Punkt gebracht hast:

    mukti:

    Schließlich ist im achtfachen Pfad alles enthalten, was zur Befreiung von Dünkel nötig ist und

    da tut man halt, was man kann.

    _()_:like:


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

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    • 26. Mai 2026 um 18:38
    • #6

    Herzlichen Dank auch dir, liebe Monikamarie , für deinen inspirirenden Erfahrungsbericht. _()_:heart:

    Monikamarie:

    als ich "meinen Dünkel" erkannte, fühlte ich mich eigentlich schon fast befreit davon, denn nun wusste ich, wo ich "ansetzen" musste.

    :like: Erinnert mich an Ayya Khemas "Formel":

    "Erkennen - nicht tadeln - ändern" :)

    Monikamarie:

    Sobald ich mich gehen lasse, falle ich in alte Gewohnheiten zurück. Diese Erfahrung mache ich immer wieder, solange bis sie erloschen ist.

    Ach ja, so geht es mir auch :shrug: und manchmal fühle ich mich etwas kraftlos durch die ewigen Wiederholungen ("Wiedergeburten"...;)).

    Man muss halt "dranbleiben" und nicht nachlassen - "rechte Anstrengung" ...

    Monikamarie:

    Ich kümmere mich nicht darum, ob ich das je erreiche.

    Ich übe mich einfach immer wieder darin.

    :like:

    Ohne mich jetzt selbst abwerten zu wollen, muss ich sagen, dass ich so ein richtiger "Papanca-Typ" bin - neige dazu, mir viel zu viele Gedanken zu machen :roll:, was unnötig Energie/Kraft kostet und die Achtsamkeit erschwert.

    Monikamarie:

    Ich finde den Pfad spannend und das Beste, was ich je finden konnte.

    Volle Zustimmung! :D


    Liebe Grüße, Anna :):heart:_()_

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    • 26. Mai 2026 um 18:44
    • #7

    „Ich“ erscheint, wenn ein Gefühl wahrgenommen wird, angenehm, unangenehm, gleichgültig. „Vedana.“

    Mit dem Erkennen eines der Gefühle, wird Bewusstsein (vinanna), eine Individualität mit Identität, angefüllt. Vedana ist das erste Auftreten von Ich ohne das Wissen eines Ich bin.

    Das ist der Anfang von Dünkel.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • mukti
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    • 27. Mai 2026 um 01:15
    • #8
    Anna Panna-Sati:

    Was ich jetzt nicht so recht verstehe, ist, dass Dünkel im Buddhismus bereits mit der Auffassung "Ich BIN." beginnt (also noch nicht einmal "ICH bin....- die Khandha, XY,....).

    "Bin" ist ja eine konjugierte Form von "sein" und reines "Da-Sein" bedeutet doch noch nicht "jemand" ( = Identität) oder gar "wichtig" zu sein, sondern lediglich Präsenz - also Anwesenheit (physische Anwesenheit) oder Gegenwärtigkeit (achtsames Dabeisein im aktuellen Moment).

    Das ist wohl nur auf der Arahat-Stufe völlig durchschaubar. Soweit ich es verstehe, ist man immer etwas, wenn man da ist - man existiert nicht unabhängig aus sich selbst heraus. "Ich bin" bedeutet demnach "Ich bin dieses", nämlich Körper und Geist. Das sind aber nur zusammengesetzte körperliche und geistige Phänomene (Khandha) nichts davon ist ein Ich.

    Anna Panna-Sati:

    Vergleichen - per se - z.B. in der Gesellschaft (die Leistungen, Eignungen, Funktionen, usw. unterscheidet und verschiedenartig bewertet) bedeutet erst mal nur (mehr oder weniger) nüchtern-rationale Unterscheidung/Differenzierung.


    Der Einzelne kann daraus jedoch - durch Dünkel - Identität bauen:

    Darum bin ich besser/schlechter/gleichwertig.


    Man "darf" also im Buddhismus schon unterscheiden und sogar - sachlich - realistisch bewerten und einschätzen, solange das Vergleichen nicht zum "Ich-Machen" wird:


    "Er kann das besser, also bin ich minderwertig."

    wäre demnach unheilsam, während die objektiv-rationale Feststellung

    "Für diese Aufgabe ist diese Person geeigneter, weil sie über diese/jene Fähigkeiten verfügt."

    keinen unheilsamen/dünkelhaften Vergleich darstellt.

    Oder? :?

    Alles anzeigen

    Klingt sehr vernünftig für mich.


    Anna Panna-Sati:

    Heilmittel gegen Selbstabwertung (schlimmstenfalls Selbsthass) ist natürlich Liebende Güte/Selbstannahme (Metta, Maitri), die letztlich auch Mitfreude (Mudita) mit der "Konkurrenz" ermöglicht. ;)

    Sehe ich auch so, man darf sich in die liebende Güte für alle Wesen ruhig selber auch mit einschließen. Durch Güte entsteht Mitgefühl, Abwesenheit von Neid, Missgunst und Hass und sie wird nicht durch Fehler oder Angriffe gestört.

    Mit Metta, mukti.


  • JoJu91
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    • 27. Mai 2026 um 08:28
    • #9
    Anna Panna-Sati:

    1. Wie gehe ich mit meiner Dünkelhaftigkeit um?

    2. Wie gehe ich mit der Dünkelhaftigkeit Anderer um?

    3. Wie hört man mit dem Vergleichen auf, in einer Welt, wo ständig verglichen, bewertet und be/verurteilt wird?

    ("Wettbewerbsgesellschaft")

    4. Wie kann man sich - trotz erkannter Dünkelhaftigkeit - noch selbst lieben? ....

    1. Wie Don Camillo


    Don Camillo hat die besten Absichten für die Schäfchen seiner Pfarrgemeinde und hinterlässt dabei eine Spur von Kollateralschäden, tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste ...

    Er hat aber gottseidank einen guten Draht zu Jesus, der ihn vom Kreuz herab liebevoll, manchmal streng, beobachtet, und ihn vor den schlimmsten Fehltritten bewahrt.

    Jesus steht für das Betrachter-Bewusstsein, Don Camillo für das Ich.

    Don Camillos Dharma in diesem Leben ist es, die Rolle des Don Camillo zu spielen, so gut wie möglich, denn dann wird er zum Segen auch für seine Mitmenschen.


    Das Betrachter-Bewusstsein zu entwickeln, ist m.E. der erste grosse Schritt auf dem achtfachen Pfad. Der Begriff kommt aus der indischen (Samkhya ?-)Philosophie, ich habe ihn von Aurobindo geklaut.


    4. Mit Humor. Ich bin nur der Mann, der in der göttlichen (Tragi-)Komödie seine Rolle spielt.


    3. Wettbeweb kann auch inspirieren. Vor der Corona-Zeit bin ich regelmässig mit einem Freund mittagessen gegangen, einem auch materiell sehr erfolgreichen Physiotherapeuten, mit Reitpferd, Segelboot und grossem Haus, Schwarm vieler Frauen, natürlich hatte er auch seine Schattenseiten. Wir waren Freunde, aber auch Konkurrenten, wir beneideten uns für die Eigenschaften, die der andere hatte, aber wir selber (noch ?) nicht.

    Nach fast jedem Mittagessen mit ihm ging ich beschwingt und voller Elan in den Rest des Tages.


    Bei den "Eagles"-Gitarristen Felder und Walsh war es ihre freundschaftliche Konkurrenz, die sie zu Höchstleistungen antrieb. Walsh meinte in einem Interview, das geniale Schluss-Stück von Hotel California sei so entstanden. Jeder wollte dem anderen zeigen, dass er noch etwas besseres hinzufügen konnte.

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    • 27. Mai 2026 um 09:10
    • #10

    Dünkel (mana) ist die Ich‑Behauptung im Vergleich – und jede Form des Vergleichens erzeugt dukkha.


    Wenn man erkennt das nur das letzte Glied der Kette dukkha genannt wird und dass dieses dukkha erscheint, wenn ein „Ich, das jemand ist“ und das nur wahrnimmt, behauptet: „Das Ich, das ich wahrnehme, bin ich.“ „Dies, das ich wahrnehme, ist mein.“ „Dies, das ich wahrnehme, ist mein Selbst.“ erzeugt dukkha.

    Dieses Ich, das sich mit dem Wahrgenommenen identifiziert, sich gleichmacht, als sein Besitz meint, muss unweigerlich leiden.


    Warum?

    Wahrgenommenes ist anicca, unbeständig.

    Wahrgenommenes ist dukkha, unbefriedigend.

    Alle sankhāra, Geistgestaltungen, sind anatta ohne ein Ich, auch ohne ein Jemand, der dies oder das sein kann, denn Wahrgenommenes ist anicca und dukkha.


    Jetzt einen Schritt zurück, jati = die Geburt einer identitätsbezogenen Existenzweise: Ich bin jemand.

    jati ist nicht „Geburt“ im biologischen Sinn. Es ist: „Ich bin jemand.“ „Ich habe eine Identität.“ „Ich habe eine Rolle.“ „Ich existiere als Form.“

    Altern, Sterben/Tod, Kummer, Jammern, Schmerz, Traurigkeit und Verzweiflung.

    Werden hier als Bedingungen des Lebens erkannt, ohne sich damit zu identifizieren. Leiden erscheint ohne Absichten oder Kontrolle. Nicht als „Mein Leiden, ich bin dieses Leiden“. (dukkha)


    Diesen Rückschritt zu jati macht alle dukkha zunichte, durch das Erkennen: Ich als jemand leide, weil ich mich als jemand zu einem Etwas mache, das besitzt, ein Ich ist und zu einem „So bin ich“ macht.


    Ich muss erkennen das ich nur ein Jemand bin, und dann alle meine saṅkhāra-Identifikationen zu Rollen machen, die im sozialen Spiel notwendig sind. Die ich anderen zeige, oder als Kleidung lebe, die andere an mir erkennen wollen. Ich bin weder die Rolle noch die Kleidung, die andere an mir sehen wollen.


    Buddha ist ein Jemand, der die Rolle „Buddha“ zeigt und die Kleidung, die andere ihm gegeben haben, trägt. Doch weder die Rolle „Buddha“ noch die Kleidung „Buddha“ sind ich bin jemand. Ein Erwachter ist nicht identitätslos, er ist identifikationslos.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (27. Mai 2026 um 09:16)

  • Anna Panna-Sati
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    • 28. Mai 2026 um 01:10
    • #11

    Lieber Qualia ,

    vielen Dank für deine tiefgründigen Beiträge. _()_:heart:

    Sorry, wenn ich nicht alles verstehe und nachfragen muss, wie z.B. bei den folgenden Aussagen:

    Qualia:

    „Ich“ erscheint, wenn ein Gefühl wahrgenommen wird, angenehm, unangenehm, gleichgültig. „Vedana.“

    Zwangsläufig?

    Ich dachte bisher, dass das "Ich" erst durch geistige Gestaltungen (Sankhara) "erscheint", die z.B. einen, als unangenehm empfundenen, Schmerzreiz zunächst zum "eigenen" Schmerz machen/einem "Selbst" zuordnen und dann darum zu kreisen und anzuhaften beginnen.

    Die Identifikation wächst mit jedem weiteren, selbstbezogenen Gedanken ("Ich leide jetzt", "Ich bin ein Unglücksrabe", o.ä. ..).

    Qualia:

    Vedana ist das erste Auftreten von Ich ohne das Wissen eines Ich bin.

    Das ist der Anfang von Dünkel.

    Dass Vedana selbst ein "Ich" hervorbringen soll (wenn ich das richtig begriffen habe), lässt in mir die Frage hochkommen, warum dann die meisten Tiere kein "Ich" entwickelt haben, obwohl sie auch angenehme/unangenehme Gefühle wahrnehmen?


    Der vergleichende Selbstbezug ist natürlich leidhaft:

    -"Vorher ging es mir gut - jetzt leide ich an Schmerzen"

    - "Ich bin nun schlechter dran.."

    Qualia:

    Ich muss erkennen das ich nur ein Jemand bin, und dann alle meine saṅkhāra-Identifikationen zu Rollen machen, die im sozialen Spiel notwendig sind.

    Mit "Jemand" meinst du eine "Person"? Die in einem bestimmten Verhältnis zu anderen Personen steht und sich jeweils "rollenmäßig" anpasst?

    (Aber da gibt es ja immer noch dieses "Ich bin." ? :shrug:)

    Qualia:

    Buddha ist ein Jemand, der die Rolle „Buddha“ zeigt und die Kleidung, die andere ihm gegeben haben, trägt. Doch weder die Rolle „Buddha“ noch die Kleidung „Buddha“ sind ich bin jemand.

    Es gibt also keine Identifikation mit der gespielten Rolle...

    Qualia:

    . Ein Erwachter ist nicht identitätslos, er ist identifikationslos.

    :like:


    Beim Erwachten gibt es ja weiterhin Wahrnehmung, Sprache, Charakter/Temperament und das Verhalten, welches z.B. in sozialen Rollen praktisch gezeigt wird.

    Die konventionelle Person ist also nicht "ausgelöscht", nur jede Anhaftung ("Ich"/ "Mein"-Machen") und damit Identifikation.


    Worüber ich auch immer wieder stolpere, ist die Frage, warum ein Stromeingetretener/Sotapanna - 1. Erleuchtungsstufe im Theravada - (ebenso Anagami, Sakadagami), der doch die Persönlichkeitsansicht (sakkaya-ditthi) überwunden hat, trotzdem noch einen Ich-Dünkel (asmimana) aufweist....?:?


    Liebe Grüße _()_:heart::)

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

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    • 28. Mai 2026 um 10:03
    • #12
    Anna Panna-Sati:

    Lieber Qualia ,

    vielen Dank für deine tiefgründigen Beiträge. _()_:heart:

    Sorry, wenn ich nicht alles verstehe und nachfragen muss, wie z.B. bei den folgenden Aussagen:

    Qualia:

    „Ich“ erscheint, wenn ein Gefühl wahrgenommen wird, angenehm, unangenehm, gleichgültig. „Vedana.“

    Zwangsläufig?

    Ich dachte bisher, dass das "Ich" erst durch geistige Gestaltungen (Sankhara) "erscheint", die z.B. einen, als unangenehm empfundenen, Schmerzreiz zunächst zum "eigenen" Schmerz machen/einem "Selbst" zuordnen und dann darum zu kreisen und anzuhaften beginnen.

    Die Identifikation wächst mit jedem weiteren, selbstbezogenen Gedanken ("Ich leide jetzt", "Ich bin ein Unglücksrabe", o.ä. ..).

    Qualia:

    Vedana ist das erste Auftreten von Ich ohne das Wissen eines Ich bin.

    Das ist der Anfang von Dünkel.

    Dass Vedana selbst ein "Ich" hervorbringen soll (wenn ich das richtig begriffen habe), lässt in mir die Frage hochkommen, warum dann die meisten Tiere kein "Ich" entwickelt haben, obwohl sie auch angenehme/unangenehme Gefühle wahrnehmen?


    Der vergleichende Selbstbezug ist natürlich leidhaft:

    -"Vorher ging es mir gut - jetzt leide ich an Schmerzen"

    - "Ich bin nun schlechter dran.."

    Qualia:

    Ich muss erkennen das ich nur ein Jemand bin, und dann alle meine saṅkhāra-Identifikationen zu Rollen machen, die im sozialen Spiel notwendig sind.

    Mit "Jemand" meinst du eine "Person"? Die in einem bestimmten Verhältnis zu anderen Personen steht und sich jeweils "rollenmäßig" anpasst?

    (Aber da gibt es ja immer noch dieses "Ich bin." ? :shrug:)

    Qualia:

    Buddha ist ein Jemand, der die Rolle „Buddha“ zeigt und die Kleidung, die andere ihm gegeben haben, trägt. Doch weder die Rolle „Buddha“ noch die Kleidung „Buddha“ sind ich bin jemand.

    Es gibt also keine Identifikation mit der gespielten Rolle...

    Qualia:

    . Ein Erwachter ist nicht identitätslos, er ist identifikationslos.

    :like:


    Beim Erwachten gibt es ja weiterhin Wahrnehmung, Sprache, Charakter/Temperament und das Verhalten, welches z.B. in sozialen Rollen praktisch gezeigt wird.

    Die konventionelle Person ist also nicht "ausgelöscht", nur jede Anhaftung ("Ich"/ "Mein"-Machen") und damit Identifikation.


    Worüber ich auch immer wieder stolpere, ist die Frage, warum ein Stromeingetretener/Sotapanna - 1. Erleuchtungsstufe im Theravada - (ebenso Anagami, Sakadagami), der doch die Persönlichkeitsansicht (sakkaya-ditthi) überwunden hat, trotzdem noch einen Ich-Dünkel (asmimana) aufweist....?:?


    Liebe Grüße _()_:heart::)

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    Ich habe gerade erkannt, dass viññāṇa und vedanā kein Bewusstsein von etwas sind.

    viññāṇa: Ist Gewahrwerden, kein Wahrnehmen, kein Bewusstsein, weil kein Wahrnehmender da ist.

    vedanā: Wahrnehmen als Erleben, Gefühlsstrom, Gewahrwerden der Körperreaktionen; kein Bewusstsein, weil kein Erlebender da ist.

    jāti: Die Geburt des Bewusstseins von etwas, nicht im modernen psychologischen Sinn, sondern als Geburt eines Ich‑Bezuges, der unmittelbar zu dukkha führt, weil der Selbstbezug als „mein, ich bin dies, mein Selbst“ in Bezug auf „Das ist Leiden“ (zweite Wahrheit) gedeutet wird, Anhaftung an etwas.

    dukkha: Erst hier kann man den Begriff „Bewusstsein“ von etwas auch im Sinn Buddhas einsetzen, denn hier erscheint „mein Leiden“.


    Meine Definition: Bewusstsein = bewusst von etwas ist modern, nicht buddhistisch. Dieser Begriff existiert in den Palitexten nicht, wird aber als solcher übersetzt.


    Buddha unterscheidet rein funktional:

    viññāṇa = Gewahrwerden

    mano = mentale Zuwendung

    sati = Gewahrsein mit Erinnern

    paññā = Erkennen

    saññā = Wahrnehmen / Benennen

    vedanā = Erleben


    Keiner dieser Begriffe bedeutet „bewusst von etwas“ im modernen Sinn.

    Für das moderne Konzept von Bewusstsein (reflexiv, selbstbewusst, intentional, subjektbezogen) existiert im Pāli‑Kanon kein Begriff. Nur in Glied 12 könnte man ihn einsetzen, aber nur für das, mit dem ich mich gleichmache, beseitige ich diese Anhaftung: Gibt es kein Bewusstsein von etwas mehr, weil „ICH“ sich befreit hat. Es ist nur noch Erleben von Leben.


    Eine Person existiert in der Kette der bedingten Entstehung nur im Punkt: dukkha. Nur eine Person mit Bewusstsein von etwas kann leiden an dem, was ihr bewusst ist. Wird das gelöscht, ist:

    jati der einzige Rückschritt in der Kette die einer Person möglich ist. Das, was alle fühlenden Lebewesen, vielleicht wirklich alle Lebewesen gemeinsam haben. Es ist: „Ich bin jemand.“ „Ich habe eine Identität.“ „Ich habe eine Rolle.“ „Ich existiere als Form.“

    Altern, Sterben/Tod, Kummer, Jammern, Schmerz, Traurigkeit und Verzweiflung. Sind hier als Bedingungen des Lebens erkannt, ohne sich damit zu identifizieren. Leiden erscheint ohne Absichten oder Kontrolle.


    Maha Vagga Der Große Abschnitt


    Dieser Text hat mich dazu gebracht, mich endlich ganz konsequent um die Ursache meines Leidens zu kümmern.


    Leider führt es auch zu Unangenehmem, denn mein Erkennen entspricht nicht mehr der allgemeinen Auffassung und interessanterweise auch nicht derjenigen einer konditionierten Intelligenz wie einer KI. Ohne die Lehre Buddhas zu kennen, gibt es keinen Ausweg, um Dukkha zu erkennen und auszulöschen.


    Jede Intelligenz, auch meine eigene, führt nicht aus dem Leiden heraus, sondern baut ein noch subtileres auf: die Anhaftung an die eigene Intelligenz. Selbst wenn sie durch eine KI ergänzt wird, bleibt sie Anhaftung und damit Leiden, das erkannt und gelöscht werden muss. KI ist mir wie Mara geworden, der mit seinen Einflüsterungen gewinnen kann, wenn ich nicht immer bereit bin, MIR zu demonstrieren: Ich bin nicht mehr als jemand, der Rollen hat, die er erkennt als nicht mein, nicht Ich, nicht Selbst.


    Ich kann nur meinen das ich deine Fragen beantwortet habe, denn ich trage diese Kleidung für dich. Ob es die Kleider sind, die du erwartest, kann ich nicht wissen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • JoJu91
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    • 29. Mai 2026 um 08:17
    • #13
    Anna Panna-Sati:

    ist die Frage, warum ein Stromeingetretener/Sotapanna - 1. Erleuchtungsstufe im Theravada - (ebenso Anagami, Sakadagami), der doch die Persönlichkeitsansicht (sakkaya-ditthi) überwunden hat, trotzdem noch einen Ich-Dünkel (asmimana) aufweist....? :?

    Mit dem Stromeintritt fällt der Zweifel an der "Essenz" der Buddha-Lehre ab, weil die "Essenz" unmittelbar erlebt und erkannt wurde, ein "unsterbliches Bewusstsein" jenseits der gewöhnlichen Welt und des gewöhnlichen Ich.


    "Wenn der (kleine) Geist bei nichts verweilt, erscheint der Wahre Geist".


    Der kleine Geist, das Ich mit seinem Dünkel, bleibt erhalten, wenn auch immer öfter in distanzierter Form, vergleichbar einem Film, in dem der kleine Geist, das Ich, nach wie vor seine Rolle spielt, vielleicht sogar spielen muss. Problematisch wird es immer dann, wenn der Kontakt zum "Wahren Geist" verloren wird, was dem "Baby-Buddha" permanent passiert.

    Was der "Baby-Buddha" verloren hat, ist die Verzweiflung an einer sinnlos erscheinenden Welt, aus der es ausser zeitweiser Betäubung und Suizid keinen Ausweg gibt.

    Er weiss, es gibt einen Ausweg und es gibt keine Ausreden mehr.

    Was nicht heisst, dass er nicht immer wieder fassungslos vor der eigenen Ungeschicklichkeit steht und den Kollateralschäden seiner mühsamen ersten Gehversuche in einer verwandelten Welt.


    :cry::medim::mediw:

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    • 29. Mai 2026 um 08:45
    • #14
    JoJu91:
    Anna Panna-Sati:

    ist die Frage, warum ein Stromeingetretener/Sotapanna - 1. Erleuchtungsstufe im Theravada - (ebenso Anagami, Sakadagami), der doch die Persönlichkeitsansicht (sakkaya-ditthi) überwunden hat, trotzdem noch einen Ich-Dünkel (asmimana) aufweist....? :?

    Mit dem Stromeintritt fällt der Zweifel an der "Essenz" der Buddha-Lehre ab, weil die "Essenz" unmittelbar erlebt und erkannt wurde, ein "unsterbliches Bewusstsein" jenseits der gewöhnlichen Welt und des gewöhnlichen Ich.


    "Wenn der (kleine) Geist bei nichts verweilt, erscheint der Wahre Geist".


    Der kleine Geist, das Ich mit seinem Dünkel, bleibt erhalten, wenn auch immer öfter in distanzierter Form, vergleichbar einem Film, in dem der kleine Geist, das Ich, nach wie vor seine Rolle spielt, vielleicht sogar spielen muss. Problematisch wird es immer dann, wenn der Kontakt zum "Wahren Geist" verloren wird, was dem "Baby-Buddha" permanent passiert.

    Was der "Baby-Buddha" verloren hat, ist die Verzweiflung an einer sinnlos erscheinenden Welt, aus der es ausser zeitweiser Betäubung und Suizid keinen Ausweg gibt.

    Er weiss, es gibt einen Ausweg und es gibt keine Ausreden mehr.

    Was nicht heisst, dass er nicht immer wieder fassungslos vor der eigenen Ungeschicklichkeit steht und den Kollateralschäden seiner mühsamen ersten Gehversuche in einer verwandelten Welt.


    :cry::medim::mediw:

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    Darum ist Stromeintritt nur das Sich-Identifizieren, Erkennen und Loslassen. Nicht dass man es überwunden hat. Man ist im Strom und kann die zu guten und zu schlechten Ufer, wenn man an ihnen ankommt, schneller loslassen oder man bleibt eben wie Treibgut so lange hängen, bis der Strom wieder stark genug ist. (Das Bewusstwerden des an Sinneslust und -leid hängen.) Um das zu vermeiden, muss man schwimmen, heißt: durch Rechte Anstrengung sich aus der Strömung (dem Anziehenden) zu befreien. Übt man das lange genug, wird klar das man ein Ich-bin-Bewusstsein, also ein Ich, haben muss. Das letzte Hindernis zum Wahrnehmung-Sein ohne Ich-bin-wahrnehmend.

    Nibbana ist eben Befreiung von allem dukkha. Blöd nur, dass man Nibbana nicht als Kleidung nach außen oder als Besitz nach innen sehen kann, denn das ist Anhaftung, sich identifizieren mit Nibbana. Nicht-Wahrnehmung ohne Wahrnehmung, nur noch Vedanā, Gefühlsstrom-Sein, mal wohl, mal unwohl, mal weder wohl noch unwohl.


    Kein Lebewesen kann Nicht-Ich, Nicht-Wahrnehmung, Nicht-Phänomen, Nicht-Erscheinung, Leere wahrnehmen, da ist nur Vedana eines der Gefühle.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    2 Mal editiert, zuletzt von Qualia (29. Mai 2026 um 09:02)

  • Anna Panna-Sati
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    • 29. Mai 2026 um 18:53
    • #15

    Lieber JoJu91 , vielen Dank für deine bereichernden Beiträge - sie sind so lebendig und humorvoll, zaubern mir ganz oft ein Lächeln (oder mehr :erleichtert:) ins Gesicht. _()_:heart:


    So, wie bei deiner Antwort auf diese Frage:

    Zitat

    1. Wie gehe ich mit meiner Dünkelhaftigkeit um?

    JoJu91:

    1. Wie Don Camillo


    Don Camillo hat die besten Absichten für die Schäfchen seiner Pfarrgemeinde und hinterlässt dabei eine Spur von Kollateralschäden, tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste ...

    Er hat aber gottseidank einen guten Draht zu Jesus, der ihn vom Kreuz herab liebevoll, manchmal streng, beobachtet, und ihn vor den schlimmsten Fehltritten bewahrt.


    Jesus steht für das Betrachter-Bewusstsein, Don Camillo für das Ich.


    Don Camillos Dharma in diesem Leben ist es, die Rolle des Don Camillo zu spielen, so gut wie möglich, denn dann wird er zum Segen auch für seine Mitmenschen.

    Alles anzeigen

    Was Don Camillo betrifft, habe ich zwangsläufig immer den Schauspieler "Fernandel" vor Augen, der ihn so überzeugend darstellte. :lol:

    (In Sachen Gewaltlosigkeit/Ahimsa bräuchte Don Camillo aber wohl noch ein bisschen Nachhilfe - er lässt halt gerne mal "die Fäuste fliegen"...;))


    Jesus als Symbol für Betrachter-Bewusstsein, kann ich jetzt nicht ganz nachvollziehen, weil ich letzteres als völlig neutral beobachtend und nicht wertend empfinde, während Jesus ja doch, wenn auch sanft, "pädagogisch" belehrend und bewertend - quasi als Don Camillos Gewissen - auf ihn einwirkt...:angel:

    JoJu91:

    Mit dem Stromeintritt fällt der Zweifel an der "Essenz" der Buddha-Lehre ab, weil die "Essenz" unmittelbar erlebt und erkannt wurde, ein "unsterbliches Bewusstsein" jenseits der gewöhnlichen Welt und des gewöhnlichen Ich.


    "Wenn der (kleine) Geist bei nichts verweilt, erscheint der Wahre Geist".


    Der kleine Geist, das Ich mit seinem Dünkel, bleibt erhalten, wenn auch immer öfter in distanzierter Form, vergleichbar einem Film, in dem der kleine Geist, das Ich, nach wie vor seine Rolle spielt, vielleicht sogar spielen muss ...

    Vielen Dank für die aufschlussreiche Erklärung. _()_


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • Anna Panna-Sati
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    • 29. Mai 2026 um 19:41
    • #16

    Der (Überlegenheits-) Dünkel kann einen Menschen auf "Wolke 7" heben, wobei der Absturz meist so sicher kommt, wie "das Amen in der Kirche" -

    das "Pendel" schwingt hin und her....:shrug:


    Konkurrenz ist ein Antreiber - gut für die Leistungsgesellschaft -, aber wo es Gewinner und Verlierer gibt, "riecht" es immer stark nach "Dukkha".

    Es sei denn, man kann sich über Erfolge der Konkurrenten freuen (und sie ihnen gönnen), im Sinne von Mitfreude/Mudita. :)


    Wie wirken sich Lob und Tadel in Bezug auf Dünkel aus?


    Nährt Lob vielleicht Stolz, Überlegenheitsdünkel (besonders im Übermaß)?

    Könnte Tadel (vor allem wiederholter) Gefühle von Minderwertigkeit/Minderwertigkeitsdünkel

    hervorrufen?

    (Weder-noch -> Gleichheitsdünkel?)


    Ein Erwachter ist frei von Identifikation, "Ich-bin-Dünkel" und Vergleich.


    Dazu Auszüge aus einem Sutta, das verdeutlicht, wie mit den "Acht Weltgesetzen" ( = weltliche Bedingungen) umzugehen ist, die Dünkel nähren können...

    (Natürlich wird hier wieder verglichen, nämlich der "unwissende Weltling" mit dem "wissenden edlen Jünger"):

    Zitat

    A.VIII.6 Die acht Weltgesetze II - 6. Dutiya-lokadhamma Sutta

    "Acht Weltgesetze, ihr Mönche, folgen dem Weltlauf, und der Weltlauf folgt diesen Weltgesetzen. Welches sind sie?

    • Gewinn und Verlust,
    • Ehre und Verachtung,
    • Lob und Tadel,
    • Freude und Leid.

    Genau wie den unwissenden Weltling, ihr Mönche, treffen auch den wissenden, edlen Jünger Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob und Tadel, Freude und Leid.

    Worin besteht nun hierbei die Verschiedenheit, die Besonderheit, worin der Unterschied zwischen dem wissenden, edlen Jünger und dem unwissenden Weltling? ......


    ....."Da wird nun aber, ihr Mönche, einem wissenden, edlen Jünger Gewinn zuteil.

    Er aber überlegt dabei und versteht es der Wirklichkeit gemäß:


    'Entstanden ist mir zwar dieser Gewinn, doch er ist vergänglich, elend, dem Wechsel unterworfen.'

    Und es wird ihm Verlust zuteil, Ehre, Verachtung, Lob, Tadel, Freude und Leid.


    Er aber überlegt dabei und versteht es der Wirklichkeit gemäß: 'Entstanden ist mir zwar... dieses Leid, doch es ist vergänglich, elend, dem Wechsel unterworfen.'

    Und Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob und Tadel, Freude und Leid halten seinen Geist nicht umsponnen.

    Am Gewinn, der ihm zuteil wird, hängt er nicht, und Verlust verdrießt ihn nicht.

    An der Ehrung, die ihm zuteil wird, hängt er nicht, und Verachtung verdrießt ihn nicht.

    Am Lob, das ihm zuteil wird, hängt er nicht,

    und Tadel verdrießt ihn nicht.

    An der Freude, die ihm zuteil wird, hängt er nicht,

    und Leid verdrießt ihn nicht.


    Sich so von Zuneigung und Abneigung frei machend, wird er erlöst vom Geborenwerden, Altern und Sterben, von Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er erlöst vom Leiden, so sage ich.*


    https://www.palikanon.com/angutt/a08_001-010.html#a_viii5

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    *Und damit auch erlöst vom leidbringenden Dünkel...


    Liebe Grüße :) _()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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