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Ist Erleuchtung im Chan möglicherweise nur ein künstliches Konzept?

  • Bebop
  • 12. November 2025 um 15:20
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  • Bebop
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    Buddh. Richtung
    Chan
    • 12. November 2025 um 15:20
    • #1

    Die Frage kommt immer mal wieder auf: Was soll Erleuchtung/Erwachen/satori sein, gibt es das überhaupt und wurde es vielleicht im Laufe der Chan-Geschichte nur erfunden, um irgendwelche Machtpositionen zu zementieren?


    Steven Heine hat in Bezug auf Dogen analysiert, welche Rolle das Zusammenwirken mit den Mächtigen, um nicht zu sagen das Anbiedern, bei der Errichtung von (Haupt-)Tempeln spielen kann. Die Sotoshu legt Wert darauf, dass es eine schriftliche Bestätigung von Dogens Erwachen aus China gibt. Brad Warner hat sein Erwachen geschildert, Muho - in der gleichen Tradition - legt Wert darauf, dass es das nicht gäbe. Es gibt jedoch auch Zen-Lehrer, die einen zum Erwachen bringen wollen, selbst wenn sie gleichzeitig vor falschen Vorstellungen darüber warnen, besonders in der Rinzai-Tradition.


    Ich habe das Thema hier eingestellt, weil es im Palikanon ja offensichtlich ist, dass der Buddha erwachen musste, um als solcher zu gelten. Die Frage, ob im Chan/Zen, das sich von vielen herkömmlichen Lehren des alten Buddhismus zu verabschieden bereit ist, eines Erwachens bedarf, kann natürlich mit Hinweis auf Bodhidharma, Shenhui, die entsprechenden Koan, leicht bejaht werden.


    Jemand brachte jedoch den Gedanken auf, dass die Bodhisattva-Praxis als Ideal zeige, dass es dem Zen-Übenden nicht um den Eingang ins Nirwana ginge, sondern (meine Worte:) um fortlaufendes "Gutes Tun". Ein entsprechendes Gelübde besteht auch. Gleichzeitig wird eine Einheit von Nirwana und Samsara behauptet, so dass sich der Bodhisattva offenbar im Nirwana wähnen kann, ohne - wie der "klassische" Buddha - überhaupt dafür sterben zu müssen. Zudem gilt der Laie Vimalakirti z.B. als erleuchteter Laie, d. h. der Bodhisattva ist hier ein bereits Erwachter. Doch muss er erwacht sein, bevor er den Bodhisattva-Weg geht? Wenn dieser vornehmlich aus diesem "Gutes Tun" besteht, doch wohl nicht.


    Wozu bedarf es also des Erwachens als Unterscheidungsmerkmal, wenn man nicht - um es zuzuspitzen - im Zen Karriere machen will als Dharma-Nachfolger etc.?


    Ich hatte dazu mit jemandem Austauch und es fielen ein paar Namen. Meine Ansicht ist die, dass weder der Buddha des Palikanons noch moderne Vertreter wie Brad Warner überhaupt erwacht sind/waren. Im ersten Fall scheint das besonders ketzerisch zu sein, doch ich lese das oben Eingeführte so, dass ein Kennzeichen des Erwachens der Verzichts aufs endgültige Nirwana ist, für dessen Erreiche der "klassische" Buddha ja gerade hoch angesehen wird. Ich denke also, dass Zen im Grunde ein höheres Ideal mit dem Bodhisattva geschaffen hat (ähnlich dem Altruismus Jesu im Neuen Testament vs. mosaischer Ethik).


    Für das Erwachen gibt es m. E. jedoch Unterscheidungsmerkmale, die dann auch klarmachen, weshalb es von Bedeutung sein kann. Im Falle von Buddha und Brad Warner schrieb ich, dass sie weiter im Samsara waren (also Nirwana im Samsara nicht verwirklichten), was sich an ihrer offensichtlichen Unfreiheit von Lehr-Dogmen zeigte, die sie entweder sogar selbst aufstellten (Buddha) oder aber von anderen übernahmen (Dogen). Ein wesentliches Kriterium von Erwachen ist jedoch Befreiung. Es ist also denkbar, Gutes zu tun ohne Befreiung, es ist aber m.E. nicht denkbar, erwacht zu sein ohne deutlich sichtbare Befreiung.


    Vielleicht können nun diejenigen, die in Sanghas praktizieren, beschreiben, wie dort auf Erwachen hingearbeitet wird oder ob es dort eine Rolle spielt und wie es vom Lehrer festgestellt wird. Mein Fazit war: Es wird für einen selbst und die anderen einen entscheidenden qualitativen Unterschied machen, ob man den Weg erwacht geht oder nicht erwacht. In den Werken u.a. des Zen-praktizierenden Hirnforschers James H. Austin, die ich hier schon erwähnte, ist außerdem eine Hirnveränderung bei bestimmten Erlebnissen nachweisbar, die z.B. zu mehr Altruismus führen kann. Allerdings: Ich glaube nicht, dass man Zen benötigt, um solche, wie ich es lieber nenne, "Schlüsselerlebnisse" zu haben und entsprechend in der Folge zu handeln. Für mich ist Erleuchtung also keine Erfindung, sondern der Ausdruck für das, was von Anfang an (Bodhidharma) den Ausschlag gab, ob jemand "das Mark erlangt" hatte (auch wenn die Formulierung später entstanden sein mag).

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

  • Beitrag von ykxjbk1 (12. November 2025 um 16:43)

    Dieser Beitrag wurde von void gelöscht (12. November 2025 um 22:51).
  • Beitrag von ykxjbk1 (12. November 2025 um 18:35)

    Dieser Beitrag wurde von void gelöscht (12. November 2025 um 22:51).
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    • 12. November 2025 um 20:02
    • #4

    Erleuchtung führt zu Befreiung, Befreiung zu Nirvana, Nirvana ist dauerhaft und endet mit dem körperlichen Tod, wenn der Weg so gegangen und verstanden wird.

    Um Erleuchtung zu verstehen, benötigte ich Koan.

    Glaubte aber, dass ich dafür auch Zazen benötigte.

    Ein Fehler, denn nur mit Verstand/Koan ist Befreiung nicht zu erlangen, auch nicht nur mit Zazen, Erleuchtung schon. Gleichzeitig Koan und Zazen schließen sich aus.


    Sowohl Erleuchtung, als auch Befreiung ist loszulassen, wenn Nirvana bewusst wird. Nirvana muss bewusst werden, da es von Geburt an immer da ist, unbewusst.

    Samsara verblendet Nirvana. Sie bilden eine Grenze und überschneiden sich nie. Befreiung von Samsara bedeutet, jederzeit Nirvana zu erreichen und Abstand zu nehmen von Samsara.

    Es ist ein Beweis, dass ich befreit bin, und ein Beweis, dass es nicht so sein kann. Befreite zeigen keine Beweise, denn jeder Beweis, der gezeigt wird, ist Nichtbefreiung.

    Erkennt eure Wahrheiten, ich habe keine mehr außer der jetzigen Realität, und die kann ich nicht teilen.

    Immer allein, nicht Nirvana, weil an Samsara grenzend, nie einsam.

    Ich bin Ich weder Nirvana noch Samsara.

    Von anderen erkannte Widersprüche sind von mir nicht auflösbar. Das zu versuchen führt in den infiniten Regress.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Beitrag von ykxjbk1 (12. November 2025 um 20:09)

    Dieser Beitrag wurde von void gelöscht (12. November 2025 um 22:51).
  • mooncake
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    • 13. November 2025 um 18:26
    • #6

    Die Idee, Erleuchtung erlangen zu können, war für mich der Grund, mich überhaupt mit Zen und dem Buddhismus zu beschäftigen. Also eine wichtige und gute Motivation!


    Nach ein paar Jahren der Übung und der Beschäftigung mit dem Dharma stellte ich fest, dass Erleuchtung eine Vorstellung ist, die ich loslassen musste. Dabei halfen mir diverse Lehrer, u.a. Shunryu Suzuki sehr. Eine Sangha mit einem Lehrer, wo ich auf Erleuchtung hinarbeiten konnte, hatte ich nicht.


    Und trotzdem führten mich meine Übungen zu einer Befreiung von meinen Vorstellungen über mein Selbst und das Selbst meiner Mitmenschen, und dazu, den Geist besser zu verstehen.

    Bebop:

    Doch muss er erwacht sein, bevor er den Bodhisattva-Weg geht? Wenn dieser vornehmlich aus diesem "Gutes Tun" besteht, doch wohl nicht.

    Das denke ich wohl. Wie will jemand der an seinem Ego anhaftet und im Samsara weilt denn wissen, was "Gutes" tun bedeutet? Ich glaube es geht ja dabei nicht, wie im Christentum oder dem Islam nur darum Almosen an die Armen zu verteilen und niemandem schaden zu wollen.


    Nur meine Gedanken dazu. _()_

  • Samadhi1876
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    • 13. November 2025 um 19:26
    • #7
    mooncake:

    Nach ein paar Jahren der Übung und der Beschäftigung mit dem Dharma stellte ich fest, dass Erleuchtung eine Vorstellung ist, die ich loslassen musste. Dabei halfen mir diverse Lehrer, u.a. Shunryu Suzuki sehr. Eine Sangha mit einem Lehrer, wo ich auf Erleuchtung hinarbeiten konnte, hatte ich nicht.


    Und trotzdem führten mich meine Übungen zu einer Befreiung von meinen Vorstellungen über mein Selbst und das Selbst meiner Mitmenschen, und dazu, den Geist besser zu verstehen.

    Das war in etwa auch mein „Weg“.

    Ich glaube in einer Sangha hätte ich vieles nicht so schnell, oder so einfach erkennen können, wie ganz allein, ohne zusätzliche Störungen, wie andere Anwesende, oder „Meistern“.


    Die Gedanken nicht mehr so ernst zu nehmen wie bisher.


    Der Buddha ist ja dafür auch ganz allein in den Wald gegangen.


    Letztendlich gehört anfangs halt ein Wille dazu.

    Bereitschaft.

    Offenheit.

    Selbstdisziplin.

    Richtige Atmung und Körperhaltung.


    Alles Andere geschieht dann eigentlich von selbst.


    Später erst habe ich das Erfahrene dann verifiziert.

    An Hand weniger ähnlicher Beschreibungen anderer:


    Damals gab es im Inet auch noch nicht so viel darüber zu finden:

    Erfahrungsberichte.


    Das was die Schriften versuchen zu vermitteln kann man vorher nicht wirklich verstehen. Erst danach kann man die Schriften anders als zuvor lesen.

  • Anna Panna-Sati
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    • 13. November 2025 um 19:52
    • #8
    Bebop:

    Meine Ansicht ist die, dass weder der Buddha des Palikanons noch moderne Vertreter wie Brad Warner überhaupt erwacht sind/waren.

    Im ersten Fall scheint das besonders ketzerisch zu sein, doch ich lese das oben Eingeführte so, dass ein Kennzeichen des Erwachens der Verzichts aufs endgültige Nirwana ist, für dessen Erreiche der "klassische" Buddha ja gerade hoch angesehen wird.

    Seltsame Ansicht (noch dazu in einem buddhist. Forum, aber du provozierst ja auch gerne mal... :?) -

    "Buddha" bedeutet bekanntlich "der Erwachte".


    Erwachen ist nicht durch "Verzicht auf Nibbana/Nirvana" gekennzeichnet, sondern durch das Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung, den Ursachen von Dukkha.


    Das Bodhisattva-Gelübde - "Verzicht" auf "eigenes" Nirvana", solange die anderen Wesen noch unerleuchtet sind - ist ja nicht wörtlich zu nehmen, sondern metaphorisch zu verstehen, als Ausdruck des grenzenlosen Mitgefühls, welches sich nach der Befreiung zeigt.

    (Im Falle Buddha Shakyamunis z.B. u.a. durch seine 45-jährige Lehrtätigkeit.)


    Das Ganze wäre sonst auch unlogisch:

    Wer (noch) nicht erwacht ist, kann ja gar nicht auf Nirvana "verzichten", da er es noch nicht verwirklicht hat, es geht vielmehr um die Aufgabe eigennütziger Ziele

    (wobei ich bezweifele, dass es tatsächlich möglich ist, völlig uneigennützig zu handeln, solange noch Geistesgifte vorhanden sind...), stattdessen erfolgt eine bewusste Ausrichtung auf das Wohl aller (Wesen).


    Bebop:

    Ich denke also, dass Zen im Grunde ein höheres Ideal mit dem Bodhisattva geschaffen hat (ähnlich dem Altruismus Jesu im Neuen Testament vs. mosaischer Ethik).

    Entstand das Bodhisattva-Ideal nicht lange vor dem Auftreten des Zen-Buddhismus bereits in Indien??

    Meines (diesbezüglich allerdings nur rudimentären) Wissens hat der Zen-Buddhismus dieses Ideal des Mahayana geteilt und in seine Lehre integriert, aber nicht "geschaffen", oder?

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • Bebop
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    • 14. November 2025 um 04:46
    • #9
    Anna Panna-Sati:

    Wer (noch) nicht erwacht ist, kann ja gar nicht auf Nirvana "verzichten", da er es noch nicht verwirklicht hat

    Ich habe keine Absicht, mit meinen Beitrag zu provozieren.


    Der Buddha erlangte im Palikanon Nirwana (Paranirwana) mit dem Tod, d. h. vollständiges Erlöschen. Er verzichtete sozusagen darauf, aufs Nirwana zu verzichten, indem er eben das vollständige Nirwana verwirklichte. Der Bohisattva jedoch verzichtet auf dieses VOLLSTÄNDIGE Nirwana.


    Beim Bodhisattva ist dann die Frage, ob er für seinen Weg auch nur die unvollständige Variante überhaupt verwirklichen muss. Für mich ist offensichtlich, dass das Bodhisattva-Ideal selbst im Zen das höchste Ideal ist, also ein höheres als das vom "Buddha" verwirklichte. Du bist offenbar der Ansicht, dass der Bodhisattva bereits ein (Teil-)Nirwana verwirklicht haben muss, um den Bodhisattva-Weg zu gehen. Doch dieser Weg ist so beschrieben, dass dies tatsächlich nicht nötig scheint. Ich rede hier nicht von der immanenten Definition der Religion, die ja behaupten kann, was sie will, sondern davon, dass man z.B. "grenzenloses Mitgefühl" (oder eine Annäherung daran) auch bei Nicht-Buddhisten finden kann.


    Das Mahayana-Ideal aus dem 1. Jh. stimmt NICHT mit dem des Zen (6. Jh. ff.) überein, denn im Mahayana will der Bodhisattva letztlich ein Buddha werden, im Zen ist die Erkenntnis, dass er bereits Buddha ist, so dass man schlecht umhin kann, den Bodhisattva als den wahren Buddha anzusehen. Es gibt kein höheres Ideal als den Bodhisattva, weshalb es auch die verbreitete Wendung "den Buddha töten" (d. h. sich von ihm als Vorstellung lösen) gibt, nicht aber "den Bodhisattva töten".

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

  • Bebop
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    • 14. November 2025 um 06:31
    • #10
    Bebop:

    nicht aber "den Bodhisattva töten".

    Das kommt später ...


    Torei Enji: "Danach verwüsten wir den Wald der Weisheit, treten die Stätte der Erleuchtung um, zerstören das Transzendente und schneiden den Puls der Buddhas und Patriarchen ab."

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

    Einmal editiert, zuletzt von Bebop (14. November 2025 um 07:16)

  • Samadhi1876
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    • 14. November 2025 um 08:32
    • #11
    Bebop:

    Beim Bodhisattva ist dann die Frage, ob er für seinen Weg auch nur die unvollständige Variante überhaupt verwirklichen muss.

    Ich denke schon das er einen gewissen Reifegrad erreicht haben muss, wenn er sich nicht selbst in seiner „Befreiungsaktion“ selbst in falschen Ansichten und Handlungen verstricken will…


    Und dazu gehört auch einmal tief genug erwacht zu sein

  • Bebop
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    • 14. November 2025 um 08:42
    • #12
    Samadhi1876:

    Und dazu gehört auch einmal tief genug erwacht zu sein

    Nicht laut Torei Enji (Rinzai, Hakuin-Nachfolger): "Es geht nicht darum, dass du selbst die Buddhaschaft erlangst und dann die Lebewesen befreist; um die Lebewesen zu befreien, musst du selbst danach streben, ein Buddha zu werden. Und du befreist die Lebewesen nicht, um selbst die Buddhaschaft zu erlangen, sondern um der Lebewesen willen praktizierst du den Weg der Buddhas überall."


    Ich verstehe das so: Der Weg (Befreiung anderer Lebewesen, Streben nach Buddhaschaft, d. h. Erwachen) ist das Ziel, zum Wohle aller. Nicht das Erwachen selbst ist die Voraussetzung, sondern allein das Streben danach. Mit dem Bemühen um "Befreiung der Lebewesen" ist man also auf dem Weg zum Erwachen. Das würde bereits genügen, denn man will gar kein Buddha werden.


    Wie gesagt, es geht mir jetzt gerade nicht darum, ob Erwachen einen Unterschied machen dürfte (diese Frage habe ich schon bejaht), sondern darum, ob man es für den Bodhisattva-Weg als chronologische Voraussetzung benötigt.


    "In der Nirvana-Schrift heißt es: „Inspiration und Vollendung sind letztlich nicht verschieden. Von diesen beiden Geisteshaltungen ist die erste schwieriger: 'Da ich selbst keine Erlösung erlangt habe, rette ich zuerst andere.' Deshalb ehre ich die anfängliche Inspiration.“ Die Schüler sollten also zuerst den Egoismus aufgeben und nicht auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein." (Shumon mujintoron)

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

  • Samadhi1876
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    • 14. November 2025 um 09:01
    • #13
    Bebop:

    Wie gesagt, es geht mir jetzt gerade nicht darum, ob Erwachen einen Unterschied machen dürfte (diese Frage habe ich schon bejaht), sondern darum, ob man es für den Bodhisattva-Weg als chronologische Voraussetzung benötigt.

    Das ist dann wahrscheinlich eine Frage der „Qualität“ die ein Bodhisattva hat. Natürlich kann ich auch anfangen „andere irgendwie zu befreien“.


    Und auch ein Nutzen ist wahrscheinlich erkennbar.

    Wenn ich an sich einem anderen Menschen irgendwie bedingungslos helfe, kann das ja auch schon so eine Art von jemand sein, der Mitgefühl mit dem Leiden eines anderen hat, und versucht ihm zu helfen.


    Aber wenn es dann noch tiefer gehen soll, in Richtung „Geburt“ und „Tod“, oder Auflösung der Dualität, wird es ohne eigene Erkenntnis und Übung, Ausdauer darin, schwierig.


    Und genauso wenn man seine eigenen Grenzen des Helfens nicht kennt.

    Wann man sagen muss: das weiss ich nicht, dabei kann ich dir nicht helfen zB, oder man merkt, man erschöpft sich selbst zuviel dabei.

  • Qualia
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    • 14. November 2025 um 10:16
    • #14

    Der achtfache Weg ist der Weg des Alltagsmenschen.

    Darüber hinaus, 9. rechte Weisheit ist der Bodhisattva-Teil.

    10. rechte Freiheit ist der Buddha-Teil.


    Der Alltagsmensch erreicht rechte Weisheit und bekennt sich zum Bodhisattva-Idealismus. Durch sein in diesem Ideal handeln erreicht der Alltagsmensch die rechte Freiheit in sich.

    Denn als Bodhisattva erkennt er, dass er nichts bewirken kann. Jenes Wissen, das nur jeder für sich, sich befreien kann. Diese Erkenntnis, Erleuchtung führt zur rechten Freiheit im Alltagsmenschen. Andere Menschen erkennen ihn entweder als Buddha oder als Scharlatan.


    Doch der Alltagsmensch, der in sich rechte Freiheit erreicht hat, kann nun als Buddha, Bodhisattva oder Alltagsmensch erscheinen. In sich hat er rechte Freiheit und zeigt den anderen Menschen, was sie erkennen wollen, ohne das er diese Ansichten ergreift oder verwirklichen will.


    Samsara, Nirvana, Buddha, Bodhisattva oder was weiß ich denn, sind nur noch nicht reale Subjekte, kann man reflektieren, wenn andere das benötigen, bleiben aber irreal. Ich bleibt Ich, egal was andere zu erkennen glauben.

    Die Meinung des Nicht-Ich ist sein Himmelreich. Das betrifft auch den Schreiberling, der das hier geschrieben hat, er ist eben auch Nicht-Ich. Die rechte Freiheit ist auch erkennen, dass gedachtes, ausgesprochenes oder gehandeltes sofort Nicht-Ich ist.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • mooncake
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    • 14. November 2025 um 18:59
    • #15
    Bebop:

    "In der Nirvana-Schrift heißt es: „Inspiration und Vollendung sind letztlich nicht verschieden. Von diesen beiden Geisteshaltungen ist die erste schwieriger: 'Da ich selbst keine Erlösung erlangt habe, rette ich zuerst andere.' Deshalb ehre ich die anfängliche Inspiration.“ Die Schüler sollten also zuerst den Egoismus aufgeben und nicht auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein." (Shumon mujintoron)

    Ja, ich glaube auch, dass man zum Verständnis des Buddhadharma nicht unbedingt einen erleuchteten Meister braucht, aber einen guten Lehrer. Ob man andere überhaupt "retten" kann, scheint mir jedoch zweifelhaft. Jeder Schüler kann das letztendlich nur für sich selbst tun.

  • Tai
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    • 16. November 2025 um 11:33
    • #16
    Bebop:

    Jemand brachte jedoch den Gedanken auf, dass die Bodhisattva-Praxis als Ideal zeige, dass es dem Zen-Übenden nicht um den Eingang ins Nirwana ginge, sondern (meine Worte:) um fortlaufendes "Gutes Tun".

    Ich halte das für ein Missverständnis und gutes Beispiel dafür, wie man sich in den (scheinbaren) Widersprüchen des Zen verheddern kann, sobald man sie rein gedanklich zu lösen versucht. Die Mahayana-Lehre erklärt nicht das Erretten aller Fühlenden Wesen als vorrangiges Ziel, weil ihre Anhänger so gute Menschen sind, sondern weil gemäß dieser Lehre gar nicht zwischen "ich" und "anderen" unterschieden wird. Zwei exemplarische Belege:

    Zitat

    Und dennoch ist, selbst wenn unermesslich, unzählbar und unbegrenzt viele fühlende Wesen ins Nirvana geführt worden sind, tatsächlich kein fühlendes Wesen ins Nirvana geführt worden.


    Und warum? Subhuti, weil ein Bodhisattva, der die Vorstellung von einem Selbst, die Vorstellung von einer Person, die Vorstellung von einem fühlenden Wesen oder die Vorstellung von einer Lebensspanne hat, kein Bodhisattva ist.

    Diamant Sutra, Kapitel 3

    Zitat

    Im Reich

    der Wahrheit an sich

    gibt es weder

    andere noch selbst.


    Shinjinmei von Seng-Ts'an, Vers 59

    Alles anzeigen


    Das ist meiner Auffassung nach nicht nur so zu verstehen, dass es im Erwachen zum Einen Geist keine Identifikation mit unterscheidenden Vorstellungen wie "ich" und "andere" geben kann. Es ist vor allem auch als Weg/Geisteshaltung zu verstehen, die unmittelbar in dieses Erwachem zum Einen Geist hineinführt.


    'Da ich selbst keine Erlösung erlangt habe, rette ich zuerst andere' ist quasi erst mal so etwas wie ein anfängertauglicher Zwischenschritt . Er repräsentiert die Entschlossenheit, meine Egozentrierung aufzugeben, ist aber noch geprägt von der Identifikation mit unterscheidenden Vorstellungen wie "ich" und "andere".


    Nebenbei hat sich die Haltung des Erst-mal-die-anderen-befreien dann auch als gut verständliche, propagandistische Abgrenzung von der Theravada-Lehre etabliert. Im Ohne Wahl eines Seng-Ts'an hat aber eine solche Haltung keinen Bestand und ebenso wenig im Bodhisattwa-Geist eines Herz-Sutras oder Diamant-Sutras etc.


    "Unermesslich, unzählbar und unbegrenzt viele Fühlende Wesen ins Nirvana zu führen" ist letztlich nichts anderes als ein Ausdruck für das Loslassen der unterscheidenden Vorstellungen von "einem Selbst", "einer Person", "einem Fühlenden Wesen" und "einer Lebensspanne" und somit zugleich Beschreibung und Praxisweg ins Erwachen zum Einen Geist.

    Einmal editiert, zuletzt von Tai (16. November 2025 um 12:09)

  • Bebop
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    • 16. November 2025 um 18:16
    • #17
    Tai:

    Die Mahayana-Lehre erklärt nicht das Erretten aller Fühlenden Wesen als vorrangiges Ziel, weil ihre Anhänger so gute Menschen sind, sondern weil gemäß dieser Lehre gar nicht zwischen "ich" und "anderen" unterschieden wird.

    In Ordnung. Daraus folgt, dass die anderen als gerettet gelten, wenn der Adept selbst keine Unterscheidung in selbst und andere mehr vornimmt. Dieses Erretten ist aber gerade Theravada - ich rette mich selbst. Denn es ist ja leicht überprüfbar, dass der andere nicht die gleiche Erkenntnis hat, nur weil ich sie hatte. Wie könnte er erretet sein, wie die gleiche Befreiung erfahren haben und spüren wie ich?


    Diese Logik entspricht m.E. der Vorstellung der Dogen-Schule, man könne im Zazen nicht die Gebote brechen. Mit anderen Worten, indem man nichts weiter tut, als sich ums eigene Heil zu kümmern, würde die Welt "besser".


    Das steht so aber nicht im Diamant-Sutra, wenn man genau hinschaut. Die Logik ist hier Folgende: 1) Alle werden von allen Leiden befreit. 2) Da der Bodhisattva sich aber nicht getrennt von ihnen sieht, hat er nicht wirklich andere befreit. Der Bodhisattva soll also zwar tatsächlich fühlende Wesen befreien, ohne sie jedoch als solche oder von sich getrennt anzusehen. Das bedeutet, dass nur er oder ein anderer Bodhisattva diese Befreiung mitbekommt. Alle anderen, die sich als getrennt ansehen, können ja kein Bodhisattva sein und folglich auch nicht befreit.


    Dies ist kein "scheinbarer" Widerspruch, sondern es funktioniert nur im Sinngebäude und der Rhetorik und Metaphernwelt einer Religion. Oberstes Gebot ist hier, dass der Adept/Bodhisattva die rechte (Ein-)Sicht hat, nämlich des Nicht-Getrenntseins von anderen. Nur so kann er nämlich den Widerspruch aushalten, dass andere gar nicht gerettet werden, wenn er diese Einsicht hat. Er muss sich dies einbilden. Er muss sich so seine Machtlosigkeit in Bezug auf andere schönreden.


    Diese Rhetorik ist auch die Grundlage für die Ausflüchte von Zen-Adepten im Krieg: Da es keine Trennung zwischen mir und anderen gibt, ist da auch keiner, der getötet (a.k.a. gerettet) werden könnte.


    Ich bezweifle nicht, dass man auf diese Art reuelos töten kann (und dies somit auch eine diesbzgl. taugliche Trainingsmethode ist) bzw. reuelos sich mit Nichtstun begnügt. Aber das ist noch nicht der entscheidende Schritt zum Zen. Selbst Huineng hat sich noch so "selbstbezogen" zu den Bodhisattva-Gelübden geäußert, deren genaue Entstehung m.E. gar nicht datiert werden kann. Und in Bodhidharmas "Zwei Eingängen" sind die Erklärungen des Praxisteils auch selbst-bezogen: Leiden klaglos als Folge vergangener Taten akzeptieren, die Umstände annehmen, nichts begehren, im Einklang mit dem Dharma leben.


    Allerdings wird schon in der Gemeinde um Bodhidharma herum das dana betont als wesentliches paramita (Tugend). Heute sah ich einen Clip, wo ein Bettler von einem thailändischen Mönch etwas aus dessen Essenstopf beim morgendlichen Bettelgang haben will. Der Mönch schlägt zunächst den Bettler, der danach den Mönch zu Boden haut. Ein Beistehender geht dann auf den Bettler los. Dieser Theravada-Mönch war also so wenig bereit, zu teilen und dana zu praktizieren, dass er sogar zur Gewalt griff.


    Die Tugend der Gebefreudigkeit wurde als eine (der ansonsten wieder im Wesentlichen selbstbezogenen) auch von Shantideva aufgegriffen - natürlich auf dem Hintergrund, dass der Adept von Materiellem loslassen sollen kann. Doch immerhin.


    Im Falle Yongming Yanshous (904-976) darf ich aus einem meiner Bücher ("Gutes Tun") zitieren: "Auffällig ist die große Bandbreite – auch ritueller – buddhistischer Praxis, die Yanshou in einem weiteren Werk, dem Wanshan tonggui ji („Myriaden verdienstvoller Taten“) unterstützt, aus dem wir im Folgenden übersetzen. Sie verbindet Sitzmeditation, Rezitieren, das „Anhalten und Sehen“ (zhiguan) des Tiantai und das Anrufen des Namens Buddhas (nianfo) mit klassischen Übungen des achtfachen Pfades und der parâmita, aber auch mit sozialpolitischem Engagement wie der Einrichtung sanitärer Anlagen, Tempel-, Brücken- und Straßenbau, der Obdachgewährung für Waise und durch Einberufung zum Militärdienst Bedrohte, oder dem Freikauf von Gefangenen, die zum Tode verurteilt wurden. Die Formen des Almosengebens reichen sogar bis zur Selbstverbrennung! Yanshou kann damit als Advokat eines synkretistischen „Chan der Bodhisattva-Kultivierung“ (pusa xing chan) gelten. Sein Credo: „Erst mit Nicht-Geist (wuxin) und schmückenden Übungen (zhuangyan) als Paar wird die Essenz der Buddhaschaft (foti) vollkommen.“ Der nicht-anhaftende Geist verwirklicht Buddhaschaft also erst im konkreten Handeln (auch wenn dieses sich oft auf überkommene und rituelle Tätigkeiten beschränkt). Eine bloße Unabhängigkeit oder Transzendenz von Schriften (biexiu, biechuan), wie in der Linji-Schule, wird jedoch als fehlgeleitet angesehen."


    Spätestens hier ist klar, dass ein "selbst"bezogenes Verständnis der Gelübde nicht mehr ausreicht.


    Damit aber das Problem noch nicht gelöst, was mein Gesprächspartner denn unter Praxis eigentlich versteht - denn hier im Forum ist es unter Zennies in erster Linie Zazen, womit wir wieder in der obigen alten Interpretation und Rhetorikfalle feststecken.


    Ich habe dieser Person gerade eines der Merkmale eines Erwachten geschildert: Unterscheidungskraft. Das von Dir zitierte alte Verständnis der Bodhisattva-Gelübde lässt diese vermissen, denn der Bodhisattva erkennt nicht, dass nicht nur das eine stimmt (das Nicht-Getrenntsein), sondern auch das andere (das Getrenntsein) und vergisst dann gegebenfalls, z. B. "Gefangene zu befreien" (was voraussetzt, dass man ihr Gefangensein von der eigenen Befreiung signifikant unterscheiden kann) usw.


    Dazu kommt, dass die dann folgende Verdichtung von Zen-Erwachen und Übertragung in Koan immer wieder verdeutlicht, dass sich hier konkret ein Lehrer um das Erwachen eines Schülers kümmerte, also dessen Zustand als von ihm verschieden und veränderbar wahrnahm und aktiv eingriff. Natürlich war das schon bei Bodhidharma so, wenn man den Legenden glaubt. Dann hatte eine/r seiner Getreuen die Haut, ein anderer das Mark (wieder: Unterscheidungskraft, nicht Gleichmacherei). Und auch der Buddha mag im Diamant-Sutra dies gesagt haben, anderswo sagte er das: Der da hat meine Lehre am besten verstanden, der andere war besonders weise, wieder einer hatte transzendente Kräfte usw. (d.h., sie sind eben nicht alle gleich).


    Es dauerte also, bis das Mahayana über Zen sich weitgehend von der theravadischen Selbstbezogenheit befreit hatte. Für mich ist ein solches Verständnis wie oben nicht mehr haltbar, die Gelübde weisen stattdessen über die Erkenntnis des Adepten stets auf konkretes Handeln in Richtung des anderen hinaus, eines Anderen, der in diesem Handeln immer auch NICHT ich bin/ist.

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

    Einmal editiert, zuletzt von Bebop (16. November 2025 um 18:21)

  • Qualia
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    • 16. November 2025 um 18:50
    • #18
    Tai:

    "Unermesslich, unzählbar und unbegrenzt viele Fühlende Wesen ins Nirvana zu führen" ist letztlich nichts anderes als ein Ausdruck für das Loslassen der unterscheidenden Vorstellungen von "einem Selbst", "einer Person", "einem Fühlenden Wesen" und "einer Lebensspanne" und somit zugleich Beschreibung und Praxisweg ins Erwachen zum Einen Geist.

    Das zum Einen Geist erwacht sein ist nicht darstellbar.

    Nenne ich den einen Mensch, Bodhisattva oder Buddha, so ist das der ganz normale Alltagsgeist, der in dem Fall immer auch Anfängergeist ist.


    Der Eine Geist hat keine Begriffe mehr, die unterscheiden: Mensch, Bodhisattva, Buddha. Er kann sich nur als Anfängergeist äußern. Weil es keinen anderen Weg gibt, verhält sich der Eine Geist gleich dem Alltagsgeist.


    Als zum Einen-Geist-Erwachter wird das Leben ganz einfach. Es wird schwierig, weil Ich ein Person Sein erzeugen muss, das relevant für das Gegenüber ist, doch der Eine Geist hat die Leerheit aller Begriffe verankert.


    Mir kommen alle Äußerungen der hier genannten Person Qualia gedankenvoll, doch sinnentleert vor. Qualia hat nichts zu sagen, das jemanden zum Erwachen bringen könnte. Qualias Leiden ist das Wissen, dass er als Mensch, Bodhisattva, Buddha versagen muss oder er verstrickt sich in die Geistesgifte, Mensch, Bodhisattva, Buddha zu sein. Sein Glück ist, dass er den Einen Geist erweckt hat.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Tai
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    • 16. November 2025 um 21:44
    • #19
    Bebop:

    In Ordnung. Daraus folgt, dass die anderen als gerettet gelten, wenn der Adept selbst keine Unterscheidung in selbst und andere mehr vornimmt. Dieses Erretten ist aber gerade Theravada - ich rette mich selbst. Denn es ist ja leicht überprüfbar, dass der andere nicht die gleiche Erkenntnis hat, nur weil ich sie hatte.

    Ich würde es eher so ausdrücken: Was immer du wahrnimmst, ist - aus deiner Perspektive (und das ist die einzige, die du je haben kannst) - nicht getrennt von dir. Indem du es wahrnimmst, ist es Teil dieses Erlebens, das du bist. Egal, ob es sich dabei um eine gedankliche Vorstellung handelt (die werden in der buddhistischen Lehre ja auch als Wahrnehmungen verstanden) oder um ein körperliches Gefühl oder um jede andere Form von optischer, akkustischer, olfaktorischer oder gustatorischer Wahrnehmung. Die anderen Wesen, von denen du nur wissen kannst, indem du sie wahrnimmst auch im Sinne von gedanklich begreifst, sind daher zwangsläufig nicht getrennt von dem, was du genau jetzt bist.


    Daran ändert sich auch grundsätzlich nichts, wenn ich einen Gedanken fasse im Sinne von: Die anderen Wesen existieren ja auch unabhängig von mir. Auch ein solcher Gedanke ist, wenn ich ihn fasse, zwangsläufig Bestandteil dieses Erlebens und als solche sind Gedanke und Gedachtes, Wahrnehmung und Wahrgenommenes nicht getrennt von mir. Dieses Nicht-Getrenntsein ist ganz unabhängig davon, ob ich zwischen "Selbst" und "anderen" unterscheide oder nicht. Deswegen hatten ja auch weder der Buddha, noch die Zen-Patriarchen jemals ein Problem damit, diese und andere Unterscheidungen zu fällen, wenn sie es für geboten hielten.


    Aus der Perspektive der (immer) genau jetzt gegebenen Soheit ist die Unterscheidung zwischen "Selbst" und "anderen" natürlich eine Illusion; aber nur in dem Sinne, indem jede begriffliche Vorstellung illusionär, weil eben etwas nur Vorgestelltes und somit lediglich eine bedingte Wahrnehmung ist.


    An diesem Punkt, der (immer) genau jetzt gegebenen Soheit setzen - nach meinem Verständnis - die Zen-Lehre und auch das Diamant-Sutra an. Mit den in Beitrag #16 zitierten vier Arten von Vorstellungen sind im Kontext des Sutras naheliegender Weise alle Vorstellungen und bedingten Dharmas gemeint. Indem sie aufgegeben werden, verbleibt die Soheit. Die (immer) unmittelbar gegebene Soheit, die verbleibt, wenn du alle bedingten Dharmas aufgibst, ist die einzige Soheit, die dir zur Verfügung steht. Sie ist dein Zugriff auf Befreiung und Nirvana. Im Diamant-Sutra wird dies auch als "so weilen" bezeichnet und mit der Anuttara-Samyak-Sambodhi (unübertroffenen, vollständigen und vollkommenen Erleuchtung) gleichgesetzt:

    Zitat

    Gute Männer oder gute Frauen, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erwecken, sollten so weilen und sie sollten ihren Geist so bezwingen.


    Diamant-Sutra, Kapitel 2

    Das Bezwingen des Geistes wird unmittelbar danach in Kapitel 3 ausgeführt und ist eben das bereits besprochene Nicht-Aufkommenlassen der vier Arten von Vorstellungen.

    Zitat

    Der Buddha sagte zu Subhuti: Alle Bodhisattva-Mahasattvas sollten so ihren Geist bezwingen.


    Alle Arten und Gattungen von existierenden fühlenden Wesen -aus Eiern geschlüpft, aus dem Schoß geboren, aus Feuchtigkeit geboren oder durch Verwandlung entstanden; mit Form oder ohne Form, mit Wahrnehmung oder ohne Wahrnehmung, mit weder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung, - all diese muss ich in das Nirvana ohne Überbleibsel führen und befreien. Und dennoch ist, selbst wenn unermesslich, unzählbar und unbegrenzt viele fühlende Wesen so befreit worden sind, tatsächlich kein fühlendes Wesen befreit worden.


    Und warum? Subhuti, weil ein Bodhisattva, der die Vorstellung von einem Selbst, die Vorstellung von einer Person, die Vorstellung von einem fühlenden Wesen oder die Vorstellung von einer Lebensspanne hat, kein Bodhisattva ist.


    Diamant-Sutra, Kapitel 3

  • Samadhi1876
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    • 16. November 2025 um 23:28
    • #20

    Mit einem erwachten Geist kann man halt anders als zuvor durchs Leben (Befreit von bisherigen Illusionen und Täuschungen):


    Einfacher mit weniger als zuvor auskommen.

    Einfacher Demut und Dankbarkeit entwickeln.


    Oft reicht es aus einfach Nur Noch „So sein“.

    Oder darin zu verweilen.


    Erwachen kann jeder nur selbst erfahren.

    Und da gibt es halt auch gewisse Reifegrade.


    Andere diesbezüglich „direkt retten“ kann ich deshalb nicht.

    Höchstens anleiten…


    Und auch nur die, die selbst offen und bereit dafür sind:


    Sonst verliere ich mich selbst unweigerlich.

    Und beginne wieder unnötig zu leiden, oder zu erwarten.


    Ins Nirvana gehen irgendwie Alle.

    Wenn der Körper wieder zerfallen ist.

    Und mit ihm der unterscheidende Geist.

  • Qualia
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    • 16. November 2025 um 23:46
    • #21

    Nirvana existiert nur, solange man es nicht erreicht hat. Hat man es erreicht, redet man nur Unsinn darüber. Aber was muss das muss.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Bebop
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    • 17. November 2025 um 05:05
    • #22
    Tai:
    Zitat

    Gute Männer oder gute Frauen, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erwecken, sollten so weilen und sie sollten ihren Geist so bezwingen.


    Diamant-Sutra, Kapitel 2

    Das Bezwingen des Geistes wird unmittelbar danach in Kapitel 3 ausgeführt und ist eben das bereits besprochene Nicht-Aufkommenlassen der vier Arten von Vorstellungen.

    Zitat

    Und warum? Subhuti, weil ein Bodhisattva, der die Vorstellung von einem Selbst, die Vorstellung von einer Person, die Vorstellung von einem fühlenden Wesen oder die Vorstellung von einer Lebensspanne hat, kein Bodhisattva ist.


    Diamant-Sutra, Kapitel 3

    Alles anzeigen

    Vielleicht kommen wir so der Sache tatsächlich näher. Der Buddha versteht hier den Bodhisattva nur dann als Bodhisattva, wenn er sich nicht eine Person oder ein fühlendes Wesen oder eine Lebensspanne vorstellt.


    Ich jedoch denke, der Bodhisattva der Bodhisattva-Gelübde und des Bodhisattva-Weges ist einer, der per Unterscheidungskraft eine ganz bewusste Vorstellung von einer Person, fühlenden Wesen und Lebensspannen hat. Anders kann er das Gelübde nicht in der Form erfüllen, wie sie die Beispiele bei Yongming darstellen. Der Bodhisattva, der im Diamantsutra beschrieben ist, entspricht dem, was später im Chan/Zen als totes Holz bezeichnet wurde. Denn seine Übung führt nicht zur Befreiung, die erst im Handeln mit einem bewussten Gegenüber sich manifestiert. Der von Dir bzw. dem Buddha beschriebene oder zitierte Bodhisattva ist dann bereits befreit, wenn er "in der Soheit weilt". Ich glaube nicht, dass dieser Bodhisattva dem Zen genügt. Torei Enji sagt sogar: "Da ich selbt keine Erlösung erfahren habe, rette ich zuerst andere." Und dann muss er wieder unterscheiden und sich an andere wenden, um "Schuld gegenüber den Buddhas und Meistern zu begleichen. Was bedeutet es, eine Schuld zu begleichen? Es bedeutet, (...) ein oder zwei Individuen mit spirituellen Knochen zu lehren, damit sie diese wahre Schule erben und in der Zukunft verbreiten können und die Sonne der Weisheit der Buddhas und Meister nicht erlöschen lassen."


    Der Zen-Bodhisattva soll tatsächlich erst andere befreien, und weil das eine endlose Aufgabe ist, ist seine eigene Befreiung auch dann nicht vollkommen, wenn er sich keine falschen Vorstellungen von selbst und anderen mehr macht.

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

    Einmal editiert, zuletzt von Bebop (17. November 2025 um 06:04)

  • Samadhi1876
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    • 17. November 2025 um 07:27
    • #23
    Bebop:

    Und dann muss er wieder unterscheiden und sich an andere wenden, um "Schuld gegenüber den Buddhas und Meistern zu begleichen.

    Ich meine das es (Bodhisattva sein: jemand der anderen hilft) weniger mit Schuldgefühlen zu tun hat, sondern mehr mit Mitgefühl für andere leidende Wesen, die noch nicht erwacht sind:


    Ich kann ja auch ganz allein erwachen. Ohne das jemand mir dabei geholfen hat. Und ich deswegen Schuldgefühle haben muss. Oder „etwas wieder gut machen muss“.


    Im Erwachen erkenne icn dann erst wirklich die Illusionen und Täuschungen, denen ich selbst unterlegen war, und denen andere immer noch unterliegen, und weiterhin grosses Leid in der Welt verursachen:


    Lasse ich die anderen dann einfach so, oder nicht.

    Kümmert es mich noch, oder nicht.


    Ich kann andere auch nicht auf Knopfdruck zum Erwachen bringen.

    Aber ich kann Mitgefühl mit ihnen haben.


    Genauso wie ich mein eigenes Leiden zuvor erkannt habe.

    Und nun mehr Mitgefühl mit mir selbst habe.


    Mitgefühl verursacht weniger Leiden.

  • Qualia
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    • 17. November 2025 um 10:29
    • #24
    Bebop:

    Der Zen-Bodhisattva soll tatsächlich erst andere befreien, und weil das eine endlose Aufgabe ist, ist seine eigene Befreiung auch dann nicht vollkommen, wenn er sich keine falschen Vorstellungen von selbst und anderen mehr macht.

    Das ist das Problem an dem einen Haar in der Suppe gepackt. Meine Einstellung zu Menschen, die mir nahe sind, war immer: Ich bin ein Wunscherfüller. Das war genauso unendlich wie die des (Zen)Bodhisattva, alle Menschen zur Befreiung zu führen.

    Heute bleibe ich der Wunscherfüller mit der Einschränkung: Mein körperliches Überleben darf dadurch nie wieder gefährdet werden. Mein Körper nimmt seine Aufgabe sehr ernst und verhindert radikal das Verausgaben des Boddhisattva.


    Der mein Einer Geist erscheint sofort und trennt alle anderen Ein Geister ab. Dein Glück ist nicht mein Problem, mein Problem ist, deine Wünsche zu überleben.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • mooncake
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    • #25
    Qualia:

    Heute bleibe ich der Wunscherfüller mit der Einschränkung: Mein körperliches Überleben darf dadurch nie wieder gefährdet werden. Mein Körper nimmt seine Aufgabe sehr ernst und verhindert radikal das Verausgaben des Boddhisattva.

    Ich denke und hoffe, dass niemand ein Wunscherfüller ist. Und ich glaube auch nicht, dass es nötig ist, alle anderen Geister abzutrennen. Das muss man nur, wenn man sich selbst als Wunscherfüller versteht und damit überfordert ist.


    Tai hat ja ja so gut erklärt:

    Tai:

    Was immer du wahrnimmst, ist - aus deiner Perspektive (und das ist die einzige, die du je haben kannst) - nicht getrennt von dir. Indem du es wahrnimmst, ist es Teil dieses Erlebens, das du bist. Egal, ob es sich dabei um eine gedankliche Vorstellung handelt (die werden in der buddhistischen Lehre ja auch als Wahrnehmungen verstanden) oder um ein körperliches Gefühl oder um jede andere Form von optischer, akkustischer, olfaktorischer oder gustatorischer Wahrnehmung. Die anderen Wesen, von denen du nur wissen kannst, indem du sie wahrnimmst auch im Sinne von gedanklich begreifst, sind daher zwangsläufig nicht getrennt von dem, was du genau jetzt bist.

    Liebe Grüsse! :)

Ausgabe №. 134: „Keine Angst vor der Angst"

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