Ich denke für Buddhisten wäre so ein transzendentales Subjekt eine Form des Atmans
und die buddhistische Anatta Lehre ist genau eine radikale Kritik daran.
Ja, wobei ich es allerdings auch nicht so verstanden habe, als würde Kant da eine objektiv gegebene Entität postulieren. Mit dem transzendentalen Objekt scheinen mir für ihn eher die prinzipiellen Rahmenbedingungen definiert zu werden, unter denen Erfahrung überhaupt möglich ist.
Während zu Kants Zeit die Struktur unseres Denkens als etwas gesehen werden konnte, was aus "erster Hand" quasi gottgegeben da ist, sieht man ja mittlerweile wie sehr die Struktur des Denkens Produkt der Evolution ist.
Nach meinem Verständnis ist in der modernen Metaphysik mit "Denken" spätestens seit Descartes Fühlen und Wahrnehmen mitgemeint - was eine interessante Parallele zur buddhistischen Lehre darstellt:
- Denkorgan, Gedanke und Denken werden als Sinnesorgan, Sinnesobjekt und Sinneswahrnehmung verstanden (neben Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen/Tasten).
- Mentale Aktivität und Bewusstsein sind neben Form, Gefühl und Wahrnehmung je eins von 5 Skandhas, die unseren erlebbaren Augenblick bedingen.
Sowohl im Rahmen von Sinneswahrnehmung, als auch im Rahmen von Skadhaaktivität bleibt alles im Fluss und bildet kein Ich oder Selbst. Das Nichtbilden eines Ichs ist aber mit den von Kant herausgestellten Rahmenbdingungen für mögliche Erfahrung ebenso vereinbar. Kant selbst geht vielleicht sogar einen großen Schritt in diese Richtung, indem er feststellt, dass wir zwar Wahrnehmungen und Erkenntnisse erfahren, aber darüber, wie die Dinge an sich sind, gar nichts wissen können.