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Ich empfinde den Buddhismus als trost- und hoffnungslos

  • Rolf82
  • 21. Dezember 2023 um 08:50
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    • 18. Januar 2024 um 15:39
    • #76

    Die Lehre des Buddha lässt keine Vermutungen oder Vorstellungen zu, nur wer will das denn wahrhaben? Man glaubt viel lieber an seine Hoffnungslosigkeit, anstatt mit den Händen anzupacken.

    Mein Bruder will zu seiner Mutter, er hat sein Ziel fast erreicht, inzwischen Lungen-, Leber-, Darm- und Baufellkrebs. Seit vorsichtig mit dem, was ihr als eure Wünsche verfolgt, es wird euch erfüllt. Das ist die Aufgabe des Körpers.

    Die Aufgabe des Geistes ist den Körper gesund und lebensfähig zu halten und nicht seine bekloppten Wünsche zu erfüllen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

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    • 18. Januar 2024 um 16:27
    • #77
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    Sotapannabumm:

    Wie soll den das gehen dass man sich selbst vom Leiden an Geburt und Altern und Tod befreit, bzw. was ist das für ein schwieriger Gedanke über eine Seele die (von oder aus etwas, z.B Leiden) befreit werden könnte?

    Indem ich mit dem Jammern, Klagen aufhört und die Notwendigkeit von Geburt, Altern, Tod als normal und unausweichlich erkenne.

    So einfach ist das? Warum leiden dann die Menschen trotzdem, obwohl jeder erkennt, dass Altern und Tod stattfindet bzw stattfinden wird?

    interessanterweise ist hier ja eine Lehre in der erklärt wird, dass Geburt Altern und Tod nicht unausweichlich ist bzw dass dieser Daseinsrythmus beendet werden kann.

  • Aravind
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    • 18. Januar 2024 um 16:46
    • #78
    Sotapannabumm:

    So einfach ist das? Warum leiden dann die Menschen trotzdem, obwohl jeder erkennt, dass Altern und Tod stattfindet bzw stattfinden wird?

    Ich misch mich mal ein, weil ich das sonst auch immer sage:

    Ja, so einfach ist das. Aber niemand hat was von "leicht" gesagt. Ich denke, der Unterschied ist: Jeder *weiß*, dass Altern und Tod stattfinden, aber dieses zu *erkennen*, ist meist ein weiter Weg.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Sotapannabumm
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    • 18. Januar 2024 um 17:33
    • #79
    Aravind:
    Sotapannabumm:

    So einfach ist das? Warum leiden dann die Menschen trotzdem, obwohl jeder erkennt, dass Altern und Tod stattfindet bzw stattfinden wird?

    Ich misch mich mal ein, weil ich das sonst auch immer sage:

    Ja, so einfach ist das. Aber niemand hat was von "leicht" gesagt. Ich denke, der Unterschied ist: Jeder *weiß*, dass Altern und Tod stattfinden, aber dieses zu *erkennen*, ist meist ein weiter Weg.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Ich mische mich dann und wann auch gerne mal woanders hinein :)

    Meinst du das in dem Sinn dass man die Zeit nutzen sollte, nicht vergeuden sollte? Gesünder leben, achtsamer handeln bzw. achtsam bestimmte Handlungen unterlassen?

    Der mittlere Weg ist ja, wenn man in der Gesellschaft lebt nur zum Teil begehbar. Dass es aber (offenbar? - daran scheiden sich die Geister bzw. die innere Haltung, ich jedenfalls finde das von Buddha gelehrte Vorgehen dazu logisch) die Möglichkeit gibt, Geburt sowie Alterungsprozess und Tod aufzuheben, lässt mich sozusagen nicht kalt.

    Dazu sage ich mal ein wenig aus meiner ‚Praxis’ (die ja auch darauf ausgerichtet ist bzw damit etwas korrespondiert) Die Silas versuche ich einzuhalten, achtsam zu sprechen, zu schreiben da bemühe ich mich auch ziemlich. Auf meine Gedanken und die Energien (oder Gefühle) dabei versuche ich auch zu achten bzw ihre Ursache zu erkennen. Soweit die Ruhe bzw. die Umgebung das hergibt.

    Einmal editiert, zuletzt von Sotapannabumm (18. Januar 2024 um 17:49)

  • Helmut
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    • 18. Januar 2024 um 17:38
    • #80
    Aravind:
    Sotapannabumm:

    So einfach ist das? Warum leiden dann die Menschen trotzdem, obwohl jeder erkennt, dass Altern und Tod stattfindet bzw stattfinden wird?

    Ich misch mich mal ein, weil ich das sonst auch immer sage:

    Ja, so einfach ist das. Aber niemand hat was von "leicht" gesagt. Ich denke, der Unterschied ist: Jeder *weiß*, dass Altern und Tod stattfinden, aber dieses zu *erkennen*, ist meist ein weiter Weg.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Rein intellektuell den Tod zu verstehen ist nicht sonderlich schwierig. Niemand wird sagen, dass er nicht sterben wird in der Zukunft. Aber dabei wird es meist belassen.

    Die Tatsache, dass es ungewiss ist, wann man sterben wird, wird dann doch meist schnell verdrängt; heute nicht, morgen bestimmt auch nicht usw.

    Wir verdrängen, dass wir jederzeit unerwartet sterben können und dass wir keine Kontrolle darüber haben, wann wir unter welchen Umständen sterben. Wann wir sterben und wie wir sterben wird in Samsara durch Karma und Klesas bestimmt, aber über diese haben wir keine Kontrolle. Schon deshalb ist das Sterben in einer samsarischen Existenz leidvoll.

    Das Sterben in einer samsarischen Existenz erleben wir aber auch als leidvoll, weil wir unseren geliebten Körper unfreiwillig und unerwartet aufgeben müssen, ebenso unseren geschätzten Besitz zurücklassen müssen und keine Gewissheit darüber haben wie es nach dem Tod weitergehen wird.

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Qualia
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    • 18. Januar 2024 um 18:15
    • #81
    Sotapannabumm:
    Qualia:
    Sotapannabumm:

    Wie soll den das gehen dass man sich selbst vom Leiden an Geburt und Altern und Tod befreit, bzw. was ist das für ein schwieriger Gedanke über eine Seele die (von oder aus etwas, z.B Leiden) befreit werden könnte?

    Indem ich mit dem Jammern, Klagen aufhört und die Notwendigkeit von Geburt, Altern, Tod als normal und unausweichlich erkenne.

    So einfach ist das? Warum leiden dann die Menschen trotzdem, obwohl jeder erkennt, dass Altern und Tod stattfindet bzw stattfinden wird?

    interessanterweise ist hier ja eine Lehre in der erklärt wird, dass Geburt Altern und Tod nicht unausweichlich ist bzw dass dieser Daseinsrythmus beendet werden kann.

    So einfach ist das. Sie leiden, weil sie nicht wiedergeboren, altern, sterben wollen.

    Interessanterweise...

    Du solltest das, was Buddha lehrt, von deinen ganz eigenen Lehren befreien.

    Buddha sagt oft das Geburt, Krankheit, Altern, Tod unausweichlich für alle fühlenden Wesen sind. Weil das so ist, leidet der Mensch genau daran, dass er glauben will das sie überwindbar sind. Wenn schon nicht in der Welt der Menschen, eben im Paradies oder der Hölle.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Sotapannabumm
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    • 18. Januar 2024 um 21:10
    • #82
    Qualia:

    ...

    Du solltest

    Ich möchte vorschlagen, dass wir uns nicht mit persönlichen Konjunktiven angehen. 'Du sollst' oder 'Du solltest' ist finde ich angemessen, wenn jemand um einen Rat fragt, oder eine entsprechende persönliche Ebene vorliegt. Liegt jedoch nicht vor, und eine solche Ebene suche und möchte ich in diesem Forum auch nicht (ohne arrogant klingen zu wollen, ich schätze einfach den sachlichen Ton sehr) Das heisst auch: ich selbst möchte ebenso anderen nicht sagen, was sie tun. Eigentlich möchte ich das nicht nur vorschlagen, sondern ernsthaft 🙏 darum bitten.

    Qualia:

    Buddha sagt oft das Geburt, Krankheit, Altern, Tod unausweichlich für alle fühlenden Wesen sind. Weil das so ist, leidet der Mensch genau daran, dass er glauben will das sie überwindbar sind.

    Ja. Wenn vom Daseinskreislauf die Rede ist bzw wenn diese Metapher zur Verdeutlichung bzw zur Andeutung wesentlich subtilerer, ich sage mal 'biophysikalischer Vorgänge' benutzt wird, kommt vielleicht eine gewisse Unausweichlichkeit, bzw vielleicht auch ein immer selbes Gesetz zum Ausdruck. Allerdings steht auf der anderen Seite der Beschreibungen über das Aufsteigen und Herunterfallen der Wesen und ihren scheinbaren Wiederverkörperungen in anderen feststofflicheren oder feinstofflicheren Körpern, ja der Weg zur Beendigung dieses Prozesses.

    Dass mein Herz schon erfüllt ist von dieser Lehre, wenigstens zu einem nicht so sehr kleinem Teil und auf jeden Fall zum Glück! und es mir wohltut darüber zu schreiben, das sind Gründe für mich hier zu schreiben. Aus dem Grund möchte ich einen anderen Versuch als du wagen, zu sagen, warum und woran die Wesen leiden.

    Zuvor möchte ich aber darauf hinweisen, dass diese Sprachebene sozusagen Dualität (das heisst auch eine gewisse Vorstellungsart, man sagt zu ihr auch konventionell, das allerdings auch oftmals ohne es selbst wirklich erkannt zu haben) behauptet. Nämlich ein Wesen und davon getrennt anderes. Diese Sprachebene widerspricht dem höheren Erkennen wie es (auch) mir dann und wann möglich war bzw ist, und welches meiner Beurteilung nach auch in nicht wenigen Lehrredenstellen zum Ausdruck kommt. Hier also trotzdem mein Versuch auf dieser Ebene, dieser Vorstellungsebene, über die man sicher hinaus kann, und ab da dann eben mehr dem Gefühl und dem Herz (dem Willen) trauen kann: ist es einigermassen ok dieses so zu schreiben (von dem Punkt aus, von dem ich es verstehe bzw sehe), oder lieber nicht? Denn es sind ja eben alles Vorstellungen, die beim Leser entstehen! Und da will ich vorsichtig sein.

    Hier mein Versuch, aber was heisst schon 'mein Versuch', es ist kein schlechter Versuch, finde ich:


    Die Wesen leiden, weil sie Anicca, dukkha und anatta nicht erkennen.


    Anmerkung und Teilrückbesinnung zum eigentlichen Thema dieses Theads hin. Jeder Mensch hat ja seine innere Heimstätte aus allen möglichen Vorstellungen aber insbesondere auch Vorstellungen über Sinn und Unsinn des Daseins bzw 'des Lebens' (gerne und viel unter Inanspruchnahme der Erkenntnisse bzw auch Ergüsse anderer). Diese Heimstätte aus sogenannten inneren Werten und angewöhnten, tiefen und vormals als absolut sicher erschienene Überzeugungen, wird

    auf dem mittleren Weg (nach und nach) komplett abgelegt bzw durchschaut, bzw wird dieser Heimstätte der Boden, der Grund auf dem sie stand entzogen. Das heisst: auf dem mittleren Weg sind auch schlagartige und drastische Aussichten möglich. Dann ist gefühlt von jetzt auf gleich die innere Heimstätte weg.

    Was sich auch meiner Erfahrung nach entfaltet ist das was in MN117 als richtige Ansicht erklärt wird. Eine einfache Vorstellung, eine einfache Ahnung darüber, dass es zum Beispiel die Früchte guter Taten gibt, dass es Mutter und Vater gibt (für mich ist das noch so und das ist schön und schön zu sehen, dass es als rechte Ansicht erklärt). Zu dieser rechten Ansicht gehört auch die natürlich wieder 'Duales behauptende' und insofern nicht zu einer abgelösteren Wahrnehmung korrepondierende Vorstellung, dass es ein Diesseits sowie ein Jenseits gibt. Mit der Bereitstellung eines so einfachen Konzeptes soll meiner Beurteilung nach wenigstens das Halbwissen in jedem Wesen angeregt werden, dass es 'irgendwie weitergeht' bzw und das ist entscheidend: es gibt die Folgen bzw auch die Frucht. Ich würde dazu sagen: das ist heilsam, diese innere Ahnung (falls vorhanden) über ein entfaltbares Wissen, zu stärken. Motivierend kann es auch wirken. Oder beruhigend. Denn darin könnte man ja einen tieferen wirklich tiefen Sinn all dessen was man so erlebt erkennen und erspüren - das ist ja nicht so unentscheidend.

    Ich sehe in diesen einfachen Vorstellungen aus MN117, an die man mehr glaubt, die mehr das Vertrauen und das Herzgefühl dazu ansprechen, eine Art Ersatzheimstätte für die Dauer auf der man auf dem mittleren Weg wandelt. Wenigstens bis zu einem bestimmten Abschnitt. Abschnitt zwei von rechter Ansicht kommt danach und zur Entfaltung davon ist es gut, auch die Möglichkeiten dazu zu bekommen. Ich danke dir also insofern auch für diesen Anlass.

    Einmal editiert, zuletzt von Sotapannabumm (18. Januar 2024 um 21:22)

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    • 18. Januar 2024 um 21:51
    • #83

    Danke Sotapannabumm für diese von Dir mit uns geteilte wunderbare, offene und gut formulierte Erkenntnis.

    _()_

  • Sotapannabumm
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    • 18. Januar 2024 um 22:55
    • #84
    Monikadie4.:

    Danke Sotapannabumm für diese von Dir mit uns geteilte wunderbare, offene und gut formulierte Erkenntnis.

    _()_

    Das freut mich :).

    Mittlerer Weg ist sehr krass bzw das was ich davon mitbekommen habe (mal ganz platt gesagt). Ich erfreue mich daran, sicherer von ihm schreiben zu können bzw Teile von ihm in dieser schreibenden Form zu betrachten, zu bedenken. Dass es ein Publikum gibt, schadet dem ganzen Zirkus nicht (:

  • Monikamarie
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    • 19. Januar 2024 um 08:11
    • #85

    Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe nirgendwo mehr über die Lehre gelernt als hier, gerade weil es so kontrovers verläuft.

    So musste ich im Zweifel länger über Beiträge reflektieren, und "mein" Bewusstsein wurde immer weiter.

    Ausserdem bin ich froh über die geistige Auseinandersetzung, ohne den täglichen Kontakt hätte ich wenig Anregungen. Das zeigen mir die vielen älteren Menschen mit ihren leidbringenden Gedankengängen, z.B. in Interviews im TV oder überhaupt.

    Meine innere Welt ist reich, und nicht nur die.

    Dafür bin ich unendlich dankbar.

    ❤️ Monika

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    • 19. Januar 2024 um 10:29
    • #86

    also … es gibt also schöne bzw heilsame, heilende Erfahrungen - erst Recht und bitte doch mit Buddhismus ☀️🙏


    im Grossen und Ganzen dann hoffentlich weniger mit Hoffnungslosigkeit bzw Trostlosigkeit.

  • Aravind
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    • 19. Januar 2024 um 15:31
    • #87
    Helmut:

    Rein intellektuell den Tod zu verstehen ist nicht sonderlich schwierig. Niemand wird sagen, dass er nicht sterben wird in der Zukunft. Aber dabei wird es meist belassen.


    Die Tatsache, dass es ungewiss ist, wann man sterben wird, wird dann doch meist schnell verdrängt; heute nicht, morgen bestimmt auch nicht usw.

    Genau.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Aravind
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    • 19. Januar 2024 um 15:35
    • #88
    Sotapannabumm:

    Meinst du das in dem Sinn dass man die Zeit nutzen sollte, nicht vergeuden sollte? Gesünder leben, achtsamer handeln bzw. achtsam bestimmte Handlungen unterlassen?

    Ich meinte im Sinne, wie Helmut geantwortet hat:

    Helmut:

    Rein intellektuell den Tod zu verstehen ist nicht sonderlich schwierig. Niemand wird sagen, dass er nicht sterben wird in der Zukunft. Aber dabei wird es meist belassen.


    Die Tatsache, dass es ungewiss ist, wann man sterben wird, wird dann doch meist schnell verdrängt; heute nicht, morgen bestimmt auch nicht usw.

    Den Unterschied zwischen "kennen" und "können".

    Um Dinge wie Vergänglichkeit zu wissen. ist leicht. Sich so zu verhalten, seine ganzen alten Geschichten und Überzeugungen, die auf der Ablehnung von Vergänglichkeit beruhen, loszulassen, ist nicht leicht und kann dauern. Vergänglichkeit anzuerkennen und so zu denken und zu handeln, das zeigt sich sicher bei jedem und jeder anders.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

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    • 19. Januar 2024 um 16:22
    • #89

    Ja, Aravind, wissen können wir, dass wir sterben, sogar schon als Kind. Aber was es wirklich bedeutet schwant uns erst viel später.

    Und Vergangenheit und sogar Zukunft loszulassen, ist sehr schwierig und dauert sehr lange. Sagen lässt es sich leicht: das musst Du loslassen ...

    Der Affengeist malt sich gern immer wieder was aus, um zu überleben.

    _()_

  • Sotapannabumm
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    • 19. Januar 2024 um 16:33
    • #90
    Aravind:
    Sotapannabumm:

    Meinst du das in dem Sinn dass man die Zeit nutzen sollte, nicht vergeuden sollte? Gesünder leben, achtsamer handeln bzw. achtsam bestimmte Handlungen unterlassen?

    Ich meinte im Sinne, wie Helmut geantwortet hat:

    Helmut:

    Rein intellektuell den Tod zu verstehen ist nicht sonderlich schwierig. Niemand wird sagen, dass er nicht sterben wird in der Zukunft. Aber dabei wird es meist belassen.


    Die Tatsache, dass es ungewiss ist, wann man sterben wird, wird dann doch meist schnell verdrängt; heute nicht, morgen bestimmt auch nicht usw.

    Den Unterschied zwischen "kennen" und "können".

    Um Dinge wie Vergänglichkeit zu wissen. ist leicht. Sich so zu verhalten, seine ganzen alten Geschichten und Überzeugungen, die auf der Ablehnung von Vergänglichkeit beruhen, loszulassen, ist nicht leicht und kann dauern.

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    Wenn ich ein bestimmtes Verhaltensmuster ablehne, was mir kurzfristig gesehen guttut, langfristig gesehen aber nicht gut tut - was ist daran falsch, bzw warum muss ich von der Überzeugung ‚das vergeht eh wieder, ist nur eine kurzfristige ‚Lösung’ (für ein besseres Gefühl’ loslassen? Da hilft es doch so eine Überzeugung zu haben: das kurzfristige Glück bzw angenehme Gefühl ist vergänglich.

    Vergänglichkeit, bzw diesen Zustand, diese Zustände abzulehnen (ohne es zu hassen und hieran anzuhaften) ist ja auch ein Teil des mittleren Weges. Wie will man ernsthaft wollen dass keine Geburt mehr stattfindet, wenn man Vergänglichkeit nicht ablehnt? Insofern verstehe ich weniger was du meinst.

    Nicht in Trauer zu versinken angesichts der Wahrnehmung und Gedanken über die Verschlechterung des Zustands von Körper und Geist , ich kann mir vorstellen: das meinst du. Da sage ich: ja das ist eine Aufgabe das kenne ich zum Teil auch.

  • Helmut
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    • 19. Januar 2024 um 16:35
    • #91
    Monikadie4.:

    Und Vergangenheit und sogar Zukunft loszulassen, ist sehr schwierig und dauert sehr lange. Sagen lässt es sich leicht: das musst Du loslassen ...

    Natürlich ist es leicht zu sagen, du musst Vergangenheit und Zukunft loslassen. Die entscheidende Frage ist für mich, warum muss dies geschehen und was bedeutet Loslassen von Vergangenheit und Zukunft.

    Gruß Helmut

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    • 19. Januar 2024 um 17:03
    • #92

    Das ist auch für mich entscheidend, Helmut.

    Und es wird mit zunehmender Einsicht immer klarer und daher auch leichter.

    Das ist eine Erfahrung, die jede/r ernsthafte Sucher selber machen und dann immer wiederholt werden muss, um sich zu manifestieren.

    Im übrigen machen wir alle von klein auf an ähnliche Erfahrungen, nur werden die vergessen, nicht ernst genommen oder einfach ignoriert.

    Der Buddha erinnerte sich, als er als Junge im Garten seines Vaters meditierend unter einem Baum gesessen hat und ähnlich empfand wie jetzt als Buddha.

    Wir haben ES alle in uns.

    Aber das Beispiel zeigt auch, dass der Buddha es als Junge noch nicht realisierte.

    Wir müssen ES auch registrieren und integrieren.

    Durch diese "Experimente" wird deutlich, was Leiden verursacht und wie sie erlöschen.

    Das kann nicht mit dem Denken verstanden werden, genauso wenig wie z.B. die Liebe.

    :heart:

    Einmal editiert, zuletzt von Monikamarie (19. Januar 2024 um 17:09)

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    • 20. Januar 2024 um 02:04
    • #93

    Es ist dennoch erstaunlich was mit konzentrierten Nachdenken und Besinnen, erkannt werden kann.

    Ich würde sagen, je nach Mensch hilft das Denken, um auf dem Mittleren Weg voranzuschreiten bzw um überhaupt auf ihn zu gelangen. Kommt natürlich darauf an, worüber man nachdenkt, also auch auf das bedingende Gefühl dabei bzw auch die Absicht.

    Letztlich geh es um bewusst (er) Werdung - das geht nicht ‚in einem Gedanken‘, kann aber mit dem rechten Denken vorbereitet bzw unterstützt werden.

    Das wird durch manche Lehrredenpassagen deutlich, entspricht aber auch meiner Erfahrung. Und sicher auch der von manch anderen Menschen. Dass es eben heilbringende Gedanken gibt bzw heilbringendes guttuendes vertieftes Bedenken bzw meditieren.

    Einmal editiert, zuletzt von Sotapannabumm (20. Januar 2024 um 02:15)

  • Monikamarie
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    • 20. Januar 2024 um 08:47
    • #94

    Guten Morgen Sotapannabumm,

    Das stimmt. Aber das ist Reflektieren.

    Das alltägliche Denken, wenn es "gut" ist, betrifft Vorhaben und Projekte.

    Das unheilsame Denken, das auch den Zugang zur Einsicht verhindert, ist der sogenannte Affengeist, der ruhelos und ununterbrochen im Kopf kreist, immer alles im Gespräch zu sich selbst oder anderen wiederkäut. Immer in Vergangenheit und Zukunft verwickelt.

    Es gibt 4 Typen der Sucher. Leider habe ich das Zitat nicht mehr, das ich vor Jahren extra aufgeschrieben habe.

    Aber u.a. ist ein Typ der Weisheitsnachfolger, dann gibt es den, der einfach glaubt/vertraut - die 2 anderen sind mir entfallen.

    Der Weisheitsnachfolger kommt durch seine Fähigkeit des reflektierenden Forschens "voran".

    Ich weiß, dass ist jetzt sehr stümperhaft.

    Vielleicht kann die Community helfen?

    :erleichtert:

  • Kaiman
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    • 20. Januar 2024 um 12:06
    • #95
    Rolf82:

    Je mehr ich mich mit dem Buddhismus beschäftige, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es darum geht, wie man nicht mehr wiedergeboren wird und aus dem Samsara rauskommt (erlöschen).

    Ja das kann ich verstehen. Wie wärs damit du praktizierst erstmal etwas und schaust ob du Fortschritte machst. Mit Fortschritte meine ich, das dein Bewusstsein ausgeglichener wird und du mehr Frieden in dir erweckst. Ich für meinen Teil kann sagen, das ich den Buddhismus immer noch nicht wirklich (philosophisch) verstanden habe. Aber ich denke ich mache Fortschritte in der Praxis. Zugegeben es hat ziemlich lange gedauert . Ich setz mich jetzt schon seit bestimmt 15 Jahren mit dem Buddhismus auseinander und bin nach wie vor froh wenn ich 15-20 Minuten auf dem Sitzkissen zur Ruhe komme ohne rumzuzappeln.

    Was das Endziel des Buddhismus einem vor Augen hält ist immer hin Frieden zu finden.

    Zitat

    Wahrlich, ihr Mönche, dies ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich das Zuruhekommen aller Karmabildung, Loslösung von allen Daseinssubstraten, Versiegung des Begehrens, die Aufhebung, die Erlöschung, das Nirwahn.

    Das denke ich ist schon ein Trost.

    Und ich glaube nicht das an der Sichtweise etwas falsch ist , das es schön ist geboren worden zu sein.


    Viele Grüße und gutes gelingen in deiner Praxis.

    Kaiman

    Einmal editiert, zuletzt von Kaiman (20. Januar 2024 um 12:14)

  • mukti
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    • 20. Januar 2024 um 12:39
    • #96

    Beim Nachdenken können halt leicht unerwünschte Nebenwirkungen entstehen, etwa 'Ich verstehe dies, bin im Besitz der Wahrheit.' Ohne Achtsamkeit und Sammlung ist das wohl kaum durchschaubar, wobei sich dieser leidige Daseinstrieb erst ganz am Ende des Weges auflöst. Unterwegs gibt es viele Fallen die man erst mit dem Stromeintritt sehen kann. Die achtgliedrige Praxis ist aber ein sicheres Boot das dort hinführt, die Lage ist nicht hoffnungslos (Threadtitel).

    Mit Metta, mukti.


  • Rolf82
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    • 20. Januar 2024 um 13:22
    • #97
    Kaiman:

    Ja das kann ich verstehen. Wie wärs damit du praktizierst erstmal etwas und schaust ob du Fortschritte machst. Mit Fortschritte meine ich, das dein Bewusstsein ausgeglichener wird und du mehr Frieden in dir erweckst. Ich für meinen Teil kann sagen, das ich den Buddhismus immer noch nicht wirklich (philosophisch) verstanden habe.

    Ich beschäftige mich seit ca. 12 Jahren mit dem Buddhismus.

    Dieses Empfinden, ist das Ergebnis meiner Achtsamkeitspraxis und Studien. Das war natürlich nicht immer so, vielleicht habe ich auch gerade ein Tief.

    Ich hab schon alle möglichen Gruppen (Traditionen) hinter mir. Natürlich den Zen-Buddhismus mit regelmäßig gut einer Stunde Shikantaza aber auch die Sachen nach Thich Nhat hanh, wie restlos Essen, Gehen, Bügeln, Geschirr waschen usw.

    Wenn man das Buch von TNH Das Herz von Buddhas Lehre liest, hat man das Gefühl er verdreht wirklich alles so, dass der Buddha gelehrt hat, wie man ein Glückliches leben führt. Er sagt da z. B. dass man Dukkha als drittes Daseinsmerkmal streichen kann und mit Nirwana ersetzen sollte.

    Ich spüre halt schon was Achtsamkeit bei mir bewirkt, nämlich, dass ich mich der Soheit nähere, also das Empfinden, dass alle Dinge aus sich heraus leer sind. Nur ich empfinde das als trostlos und lebensverneinend.

    Ich finde Metta-Meditation sehr gut. Weil man dadurch das dualistische Denken überwinden kann und erkennt, dass jedes Wesen aus dem Wunsch heraus agiert glücklich zu sein und mein Glück von dem Glück des anderen Wesen abhängig ist und umgekehrt.

    Das Fundament von Metta-Meditation ist natürlich Achtsamkeit aber ohne Metta ist Achtsamkeitsmeditation für mich einfach nur trostlos. Ich merke halt wie ich dem Schrecken einer schrecklichen Welt gegenüber immer gleichgültiger (entschuldige "gleichmütiger") werde.

    Ich glaube halt nicht, dass es dem Buddha darum gegangen ist glücklich zu werden, sondern zu erlöschen - das spüre ich auch, wenn ich Achtsamkeitsmeditation mache. Das erweckt halt den Eindruck, dass sich ein anderer Mensch umbringen würde, der nicht an die Wiedergeburt glaubt. Nur Suizid bringt hier nichts, weil du ja dadurch aus dem Samsara nicht rauskommst, du erfährst einfach die nächste Wiedergeburt.

    Weil wir uns nicht umbringen können, versuchen wird das erlöschen zu erreichen.

  • Monikamarie
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    • 20. Januar 2024 um 14:27
    • #98

    Lieber Rolf, Dein Empfinden kann ich nachvollziehen. Vielleicht ist es tatsächlich eine gewisse Müdigkeit, ein tiefes Tal.

    Ich empfand die Lehre nie als trostlos. Ganz im Gegenteil. Aber ich habe auch aufgehört zu suchen.

    Das heißt ich stelle den Buddha und die Regeln nicht mehr auf ein Podest. Ich halte nicht mehr fest an einen Glauben an Wiedergeburt oder Samsara nicht verlassen zu können.

    Vielleicht beginnt auch bei Dir eine neue Phase. Hast Du eine Gruppe oder zumindest einen Menschen, mit dem Du Dich wertfrei austauschen kannst, ohne gleich wieder mit irgendwelchen Konzepten festgezurrt zu werden.

    Ich habe HIER immer wieder neue "Wegbegleiter" gefunden.

    Das ändert sich einfach mit dem "Wachstum".

    Alles ist Veränderung.

    Wer die Lehre Buddhas ganz genau erforscht, wird sehen, dass auch der Buddha sich in 45 Jahren Lehrtätigkeit immer wieder geändert hat. Das wird in seinen Lehrreden deutlich.

    Ich wünsche Dir ganz viel Zuversicht und Freude. Der Verzicht auf Vieles kommt ganz von selbst, aber das was ist dürfen wir genießen, geht auch ohne Gier und Hass.

    :) :heart: _()_

  • Tim1
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    • 20. Januar 2024 um 14:58
    • #99

    @Monikadie4.

    Du findest sehr oft die richtigen Worte wie im letzten Beitrag. Damit kann sich auch jemand, der wenig oder weniger Erfahrung hat wie du gut identifizieren.

    In jedem Satz oder Absatz verbirgt sich eine lehrreiche Geschichte, wie du es siehst heute.

    Ein Kernsatz für mich ist dass auch Buddha sich stetig weiter entwickelt hat im Laufe seines Lebens. Das mag banal klingen für jeden der sich mit dem Buddhismus tiefer beschäftigt oder für Menschen, die reflektiert leben.

    Ich finde diese Entwicklung, wozu wir als Menschen, die Chance haben etwas was ein Stück Glück und Zufriedenheit bringt. Es mag für viele Menschen hier die Norm sein, aber nicht gesamt betrachtet. Ich empfinde es manchmal so, dass subjektiv betrachtet es viele Menschen gibt, die sich in ihrem Leben kaum weiterbewegen. Alleine das ich mich dazu nicht zählen "muss" bedeutet mir viel und es macht eben glücklich, daher empfinde ich den Buddhismus alles andere als trostlos, weil er ein Leitfaden für ein gutes und glückliches Leben sein kann trotz Leids, was man selbst hat oder welche in der Welt ist.

    Ich drücke mich sehr einfach aus, weil ich ein einfach bin.

  • Monikamarie
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    • 20. Januar 2024 um 15:26
    • #100

    Einfach ist gut :) :heart:

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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