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Unterschied mit und ohne Enthaltsamkeit?

  • Sanshin
  • 19. August 2015 um 09:37
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    Raphy
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    • 23. August 2015 um 17:00
    • #101
    Doris Rasevic-Benz:
    Zitat

    Es gibt Triebe, die durch Entfernen überwunden werden sollten.


    Das ist eine Gruppe aus der Aufzählung. Pipimachen gehört nicht dazu.
    Sexualtrieb gehört auch nicht dazu, solange der Hormonhaushalt noch "normal" ist. Er kann aber unbeachtet gelassen werden. Muss nicht ergriffen werden.
    Was die "rein" körperlichen Triebe anbelangt, denke ich nicht, dass sie entfernt werden können.

    Könnte es sein, dass in dem Text einfach alle Impulse als "Triebe" deklariert werden und das zu Misverständissen führt?

    Hallo liebe Doris,

    ich denke das Paliwort "Asava" das von Mettiko Bhikkhu (Kay Zumwinkel) mit "Triebe" übersetzt wird, hat nicht nur die enge Bedeutung wie wir sie im Deutschen meist benutzen.
    Neumann übesetzt das Wort in dieser Sutta zum Beispiel mit "Wähnen (Anhaften)", in einer anderen Übersetzung von Kurt Schmidt wird "Anwandlungen" benutzt.

    Zitat

    ...

    Seichte Achtsamkeit, ihr Mönche, zeitigt neues Wähnen und läßt das alte erstarken, gründliche Achtsamkeit, ihr Mönche, läßt neues Wähnen nicht aufkommen und zerstört das alte.

    "Es gibt, Mönche, ein Wähnen (Anhaften),

    das wissend ....
    das wehrend ....
    das pflegend ...
    das duldend ....
    das fliehend ...
    das kämpfend ...
    das wirkend überwunden werden muß.

    ...

    Quelle:

    Majjhima Nikaya, Mittlere Sammlung, 2. (I,2) Sabbāsava Sutta (Alles Wähnen)

    Übersetzung von Karl Eugen Neumann

    http://www.palikanon.com/majjhima/m002n.htm

    Alles anzeigen


    Zitat

    ...

    Wer es versteht und einsieht, kann die Anwandlungen vernichten; wer es nicht versteht und nicht einsieht, kann es nicht. Es kommt darauf an, ob man weise nachdenkt oder unweise [2]. Wer unweise nachdenkt, bei dem entstehen immer neue Anwandlungen und die alten werden stärker; bei dem, der weise nachdenkt, entstehen keine Anwandlungen und die alten schwinden.

    Manche Anwandlungen sind durch Einsicht zu vernichten, andere durch Einschränkung, andere durch richtige Benutzung, andere durch Geduld, andere durch Meiden, andere durch Vertreiben, andere durch Pflege.

    ...

    Quelle:

    Majjhima Nikāya (Mittlere Sammlung), 2. Alle Anwandlungen - Sabbāsava Sutta

    Übersetzung von Kurt Schmidt

    http://www.palikanon.com/majjhima/kurt_schmidt/m002.htm

    Alles anzeigen

    Wer weiß was es noch alles für Übersetzungen gibt. Meistens werden wohl im Deutschen die Überstetzungen von Mettiko Bhikkhu (Kay Zumwinkel) oder Karl Eugen Neumann benutzt.

    Zu dem Wort "Triebe" hier auch eine erhellende Erklärung von Mettiko Bhikkhu (Kay Zumwinkel):

    https://www.youtube.com/watch?v=kxDKVAo07vs

    Abgesehen davon, wen die unterschiedlichen Übersetzungen der Mittleren Sammlung außer mir auch noch interessieren, hier hat man eine gute Übersicht zum Vergleich:

    http://www.palikanon.com/majjhima/majjhima1.htm

    :)

    Liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Raphy (23. August 2015 um 17:20)

  • Doris
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    • 23. August 2015 um 17:18
    • #102

    Danke Dir, Raphy.

    "Anwandlungen" ist mein Favorit. Ich selbst benutze "Impuls", weil ich damit sowohl die unvermeidbaren/primären Antriebe :D wie Hunger und Durst verbinde, als auch die vermeidbaren/sekundären, Zorn und Habgier. Wobei das auch nur eine diffuse Definition ist, und die Trennung schwer zu vollziehen ist.

    Da wäre doch eine lohnende Diskussion?
    Wie kann man das benennen und worin liegen die Unterschiede bei den einzelnen Asavas.
    Vielleicht kann man da pauschal gar nichts darüber sagen?

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Sôhei
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    • 23. August 2015 um 17:44
    • #103

    Ich versuche mal ein bisschen zusammenzufassen:

    1)
    Einige hier empfinden die Enthaltsamkeit als förderlich, andere nicht; d.h. die gemachten Erfahrungen bzw. deren Deutung unterscheiden sich.

    2)
    Eine empirischer Studie oder logisch/rational/argumentative Begründung für das Postulat: "Enthaltsamkeit fördert heilsame meditative Versenkung (oder so ähnlich)." fehlt bislang und ist in dieser Tragweite wohl kaum möglich. Die notwendigen Vorarbeiten (Fragebogen, Operationalisierung der Begrifflichkeiten, etc.) wären extrem aufwendig. Studien zur Wirksamkeit von Meditation allein sind ja schon ein umstrittenes Thema.

    3)
    Es gibt die Sichtweise eines formalen Theravada-Buddhismus (was nicht unbedingt das sein muss, was der Buddha lehrte oder wie er sich gewünscht hat, dass sein Erbe weitergetragen wird), dass Enthaltsamkeit eine Notwendigkeit für die völlige Befreiung/Nibbana ist.
    Diese Sichtweise wird v.a. mit Textstellen unterlegt, in denen zur Enthaltsamkeit aufgefordert wird; oder in denen auf die unheilsame Wirkung von Sinnenlust verwiesen wird. Das ist im Rahmen des Theravada-Buddhismus eine wie ich finde durchaus ernstzunehmende Sichtweise, ja vielleicht tatsächlich die einzig mögliche.

    4)
    Zwei Probleme die im Zusammenhang mit dem Thema m.M.n. zu kurz kommen sind:

    a) Der Zeitpunkt und die Dauer der Enthaltsamkeit. Auch bei Akzeptanz der Theravada-Sichtweise einer Notwendigkeit der Enthaltsamkeit wäre zu fragen: wann, bzw. ab wann, ist es richtig enthaltsam zu leben? Wenn wir Enthaltsamkeit als Folge einer Triebversiegung sehen, dann ist es ja gerade widersinnig, die Wirkung zur Ursache machen zu wollen. Richtig wäre dann eine Praxis des achtfachen Pfades, welche zu einer immer geringeren Lust führt, und in einer völligen Enthaltsamkeit resultiert. Aber selbst der aktive Entschluss zur Enthaltsamkeit kann ja zu verschiedenen Zeiten erfolgen. Ich denke hier an das vier-Lebensstadien-Modell des Hinduismus; d.h. aktive Enthaltsamkeit erst in einem fortgeschrittenen Alter. Wer ordiniert muss halt die Enthaltsamkeit geloben egal wie alt er dabei ist; aber für die anderen gibt es ja die auch Möglichkeit zwischen 20 und 80 (oder so), d.h. die Enthaltsamkeit zum richtigen Zeitpunkt in den Weg zu integrieren.

    b) Das zweite Manko ist die Beschränkung auf die reine Enthaltsamkeit an sich. Denn davon abgesehen sind es doch v.a. die lüsternen Gedanken, welche einen vielleicht Unheilsames tun oder Leiden zufügen lassen, bei der Meditation ablenken etc., welche die Sexualität in Verruf bringen. Aber die Gedanken verschwinden ja nicht mit dem Verzicht auf Sex, wie z.B. die Berichte über im Schlaf eijakulierende Mönche bezeugen, oder die ständige Warnung vor der "lustvollen Gestalt der Frau". D.h. die simple Zwangs-Enthaltsamkeit löst wohl in den wenigsten Fällen irgendetwas, was mit Trieben und Lust zu tun hat. Hier gälte es viel genauer und sorgfältiger hinzuschauen.

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    Raphy
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    • 23. August 2015 um 18:23
    • #104
    Doris Rasevic-Benz:

    Danke Dir, Raphy.

    "Anwandlungen" ist mein Favorit. Ich selbst benutze "Impuls", weil ich damit sowohl die unvermeidbaren/primären Antriebe :D wie Hunger und Durst verbinde, als auch die vermeidbaren/sekundären, Zorn und Habgier. Wobei das auch nur eine diffuse Definition ist, und die Trennung schwer zu vollziehen ist.

    Da wäre doch eine lohnende Diskussion?
    Wie kann man das benennen und worin liegen die Unterschiede bei den einzelnen Asavas.
    Vielleicht kann man da pauschal gar nichts darüber sagen?

    Gerne liebe Doris.

    Impuls klingt auch ganz gut. Ich bleibe ersteinmal bei Triebe, weil es für mich ganz gut passt das Wort.
    Letztendlich ist es sowieso wichtiger zu verstehen was mit Trieben oder Impuls gemeint sein könnte, als sich an Worten aufzuhängen, denke ich.
    Die Praxis ist entscheidend. Natürlich gehört zur Praxis auch ein sorgfältiger Umgang mit Worten, aber das ist ja nicht alles, finde ich.

    Zu deinen Fragen kann ich leider nichts sagen. Da fehlt mir die Erfahrung und Praxis, als dass ich mich hier darüber auslassen wollte.
    Ich merke auch wenn ich zuviel über solche Begriffe wie Triebe oder Impulse nachdenke, versperrt das meinen Blick auf das was jetzt hier passiert.
    Wie eine Art Rausch der das Bewußtsein und/oder die Achtsamkeit trübt.
    Wobei rechtes oder weises Nachdenken natürlich auch hilfreich sein kann.

    Außerdem will ich hier jetzt auch nicht zu sehr vom Thema Enthaltsamkeit abkommen.
    Macht einfach was für euch passt und tut niemandem was dabei. Rücksicht kann man auch nehmen.
    In den Sutten ist ja alles gesagt. Die Interpretationen und Lesarten unterscheiden sich halt, ist ja klar jeder hat andere Vorlieben und wird diese in die Interpretation mit einbringen. Man muß auch die Unterschiede zwischen den Schulen beachten denke ich. Im Theravada wird Enthaltsamkeit vielleicht anders gesehen als im Tantrischen Buddhismus oder im Zen. Wenn es auch nur Nuancen manchmal sind.

    Der wichtigste Faktor ist sicher, dass jeder Mensch einzigartig ist und es deshalb keine dogmatischen Regeln geben kann, die immer und für jeden gültig sind. Mir taten zum Beispiel enthaltsame Zeiten gut, nicht nur in sexuellen Dingen, sondern zum Beispiel auch beim Essen oder Fernsehen oder beim der Welt Aufmerksamkeit schenken. Aber genauso gab es auch Zeiten wo es mir wichtig war Dinge kennenzulernen, Dinge auszuleben. Oder wo es mir einfach unmöglich war enthaltsam zu leben. Ist alles ok und hat alles seine Zeit finde ich. Irgendetwas muß man ja auch machen. Die einen genießen das Leben, die anderen arbeiten hart und andere versuchen dem achtfachen Pfad zu folgen. Und andere kombinieren das alles. Nichts davon ist besser oder schlechter.

    Ich bin ja auch kein festes Wesen, sondern ich ändere mich. Wenn ich heute nicht enthaltsam leben kann oder will, sagt das ja noch nichts darüber aus was ich morgen oder nächstes Jahr kann oder will. Es kann so viel passieren.

    Zum Glück ist auch alles freiwillig und niemand hat vor einen Buddhistischen Staat zu errichten, wo dann alle nach den 10 Regeln für Mönche leben müssen.
    Hoffentlich. :)

    Und alles nur meine unvollkommene, vergängliche Meinung, die mir nicht gehört und die ich nicht bin.

    Viel Spaß und Freude euch noch.

    Liebe Grüße

  • SpringMode5708
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    • 23. August 2015 um 18:58
    • #105
    Sôhei:

    Und nochmal: deine Erfahrungen sind deine Erfahrungen. Aber wenn du daraus ableitest, dass sie allgemeine Gültigkeit infolge einer zugrundeligenden Gesetzmäßigkeit besitzen ist das solange ein Glaube, bis Begründungen erfolgen.


    (1.) Es muss gar nichts. (2.) Habe ich meine Erfahrung hier nicht zur allgemein gültigen Gesetzmäßigkeit erklärt. Weiß nicht, wie Du darauf kommst. :)

    Herzliche Grüße

  • SpringMode5708
    Gast
    • 23. August 2015 um 19:17
    • #106
    Sôhei:

    Die Ausgangsfragestellung ist auch völlig diffus, ebenso wie die Antworten. Um überhaupt mal auch nur in die Richtung von etwas brauchbarem zu kommen, könnte man mit einer Umfrage im Forum beginnen:

    Sexuelle Enthaltsamkeit = kein Sex und keine Selbstbefriedigung
    Beobachtungszeitraum: 15 Tage
    Gedanken an Sex: viel/wenig/mehr/weniger
    Andere Aktivitäten (Sport): mehr/weniger
    Essen: mehr/weniger
    Empfinden bei der Meditation: gleich/besser/schlechter
    In Partnerschaft lebend: ja/nein
    Alter:

    etc. etc. Das ist jetzt nur mal aus den Fingern rausgeschrieben, da einen brauchbaren Fragekatalog zu erstellen kostet viel Zeit; ebenso wie die Auswertung. Und je aussagekräftiger es werden soll, desto geringer der Geltungsbereich. Also nix mit "Enthaltsamkeit ist gut oder schlecht."

    Alles anzeigen


    Muss ja nicht perfekt sein. Erarbeite doch ausführlich etwas und werte es aus. Oder gemeinsam in einem neuen Thread eine Umfrage erarbeiten.

    Aber wie wichtig ist denn Wissenschaft hier überhaupt? Ich kann sie als nebensächlichen Umweg ganz gut stehen lassen.

    Herzliche Grüße

  • Elliot
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    • 24. August 2015 um 08:19
    • #107
    Sôhei:

    Es gibt die Sichtweise eines formalen Theravada-Buddhismus (was nicht unbedingt das sein muss, was der Buddha lehrte oder wie er sich gewünscht hat, dass sein Erbe weitergetragen wird), dass Enthaltsamkeit eine Notwendigkeit für die völlige Befreiung/Nibbana ist.
    Diese Sichtweise wird v.a. mit Textstellen unterlegt, in denen zur Enthaltsamkeit aufgefordert wird; oder in denen auf die unheilsame Wirkung von Sinnenlust verwiesen wird.


    Oder dass Befreiung notwendig zu Enthaltsamkeit führt:

    Zitat

    "Aber, Meister Ānanda, wenn ein Bhikkhu ein Arahant ist, mit vernichteten Trieben, der das heilige Leben gelebt hat, getan hat, was getan werden mußte, die Bürde abgelegt hat, das wahre Ziel erreicht hat, die Fesseln des Werdens zerstört hat und durch letztendliche Erkenntnis vollständig befreit ist, könnte er Sinnesvergnügen genießen?"

    "Sandaka, wenn ein Bhikkhu ein Arahant ist, mit vernichteten Trieben, der das heilige Leben gelebt hat, getan hat, was getan werden mußte, die Bürde abgelegt hat, das wahre Ziel erreicht hat, die Fesseln des Werdens zerstört hat und durch letztendliche Erkenntnis vollständig befreit ist, ist er unfähig, Übertretungen in fünf Fällen zu begehen. Ein Bhikkhu, dessen Triebe vernichtet sind, ist unfähig, absichtlich einem Lebewesen das Leben zu nehmen; er ist unfähig zu nehmen, was nicht gegeben wurde, das heißt zu stehlen; er ist unfähig, sich dem Geschlechtsverkehr hinzugeben; er ist unfähig, wissentlich die Unwahrheit zu sprechen; er ist unfähig, Sinnesvergnügen zu genießen, indem er sie ansammelt, wie er es früher im Laiendasein getan hat [4]. Wenn ein Bhikkhu ein Arahant ist, mit vernichteten Trieben, der das heilige Leben gelebt hat, getan hat, was getan werden mußte, die Bürde abgelegt hat, das wahre Ziel erreicht hat, die Fesseln des Werdens zerstört hat und durch letztendliche Erkenntnis vollständig befreit ist, ist er unfähig, Übertretungen in diesen fünf Fällen zu begehen."

    "Aber, Meister Ānanda, wenn ein Bhikkhu ein Arahant ist, mit vernichteten Trieben, der das heilige Leben gelebt hat, getan hat, was getan werden mußte, die Bürde abgelegt hat, das wahre Ziel erreicht hat, die Fesseln des Werdens zerstört hat und durch letztendliche Erkenntnis vollständig befreit ist, ist ihm sein Wissen und die Schauung, daß seine Triebe vernichtet sind, ständig und ununterbrochen gegenwärtig, ob er geht oder steht, schläft oder wacht?"

    "Was das betrifft, Sandaka, werde ich dir ein Gleichnis geben, denn einige weise Menschen hier verstehen die Bedeutung einer Aussage mit Hilfe eines Gleichnisses. Angenommen, die Hände und Füße eines Mannes wären abgehackt. Würde er ständig und ununterbrochen wissen 'Meine Hände und Füße sind abgehackt', ob er geht oder steht, schläft oder wacht, oder würde er nur dann wissen 'Meine Hände und Füße sind abgehackt', wenn er diese Tatsache reflektiert?"

    "Meister Ānanda, der Mann würde nicht ständig und ununterbrochen wissen 'Meine Hände und Füße sind abgehackt'; stattdessen würde er nur dann wissen 'Meine Hände und Füße sind abgehackt', wenn er diese Tatsache reflektiert."

    "Ebenso, Sandaka, wenn ein Bhikkhu ein Arahant ist, mit vernichteten Trieben, der das heilige Leben gelebt hat, getan hat, was getan werden mußte, die Bürde abgelegt hat, das wahre Ziel erreicht hat, die Fesseln des Werdens zerstört hat und durch letztendliche Erkenntnis vollständig befreit ist, ist ihm sein Wissen und die Schauung, daß seine Triebe vernichtet sind, nicht ständig und ununterbrochen gegenwärtig, ob er geht oder steht, schläft oder wacht; stattdessen weiß er nur dann 'Meine Triebe sind vernichtet', wenn er diese Tatsache reflektiert."

    (Majjhima Nikāya 76: An Sandaka - Sandaka Sutta)

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    Viele Grüße
    Elliot

    Viele Grüße

    Elliot

  • Sôhei
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    • 24. August 2015 um 08:28
    • #108

    Mensch Elliot,

    anstatt immer ellenlange Zitate rauszuhauen könntest du auch einfach mal die Beiträge besser lesen (und ggfs. mit deinen eigenen Worten antworten). Das habe ich doch unter 4a geschrieben...

  • Andreas
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    • 24. August 2015 um 08:51
    • #109

    ... und ich hatte, mit Verlaub, genau darauf auch hier schon mal geantwortet. :)

    Elliot:

    Oder dass Befreiung notwendig zu Enthaltsamkeit führt:


    Die Frage ist doch genau andersherum: führt Enthaltsamkeit (notwendig) zur Befreiung?

    Sôhei:

    Ich versuche mal ein bisschen zusammenzufassen


    Danke für diese Zusammenfassung! Eine schöne Diskussionsbasis, finde ich. *Daumen hoch* :)

    Liebe Grüße ins Rund
    Andreas

  • Noreply
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    • 24. August 2015 um 11:49
    • #110

    Ohne gewollte Enthaltsamkeit bleibt es irgendwie banal.
    Mit gewollter Enthaltsamkeit wird es überhöht.
    Das erste macht einen "Willensschwachen", das zweit macht einen "Helden".
    Was soll das Gerede! Enthaltsamkeit die nicht einfach da ist ohne wollen ist nicht erwähnenswert.
    Enthaltsamkeit die gewollt ist bringt das Wissen das sich alles nur um diese Enthaltsamkeit dreht, ein Gefängnis.
    Meine Fastenzeiten, mit einem Jahr dazwischen, betrugen 35 Tage und 37 Tage. Die Zweite hat mich in Magersucht verführt. Ich vergaß Essen weil ich keinen Hunger mehr kannte. Die zweite Runde wurde gefährlich seit dem hatte ich auch das Gefühl satt verloren. Es dauerte sehr lange bis ich beide wieder zulassen konnte. Enthaltsamkeit aus Willen ist absolut schädlich, egal wessen man sich Enthält.
    "Spirituell" war das ein Schuß in den Ofen, vollkommen Sinnlos.
    Zum Unterschied: Enthaltsamkeit da wo sie als hilfreich erfahren wird. Ein Alkoholiker der lernt sich dem Alkohol zu enthalten ist gut daran. Ein Alkoholiker der Antialkoholiker geworden ist bleibt im Gefängnis des Alkoholismus und wird nie wieder vom Alkohol befreit sein, sein ganzes restliches Leben wird sich dauerhaft am Abgrund der Versuchung abspielen. Ein süchtig(siechend) machender "Stoff" kann auch Zazen, Erleuchtung, Siddhi sein. ( Lese auch Buddhas Aufzählung der Leiden)

    Gerade ist mir aufgefallen wie lange ich manchmal brauch um eine Antwort zu geben. :)

  • keks
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    • 24. August 2015 um 12:08
    • #111

    Ich schaue kein Tv, höre kein Radio, lese keine Zeitungen und Nachrichten gehen mir sonstwo vorbei. Das hat sich irgendwie von selbst ergeben ohne ein zutun, ohne etwas zu wollen. Es war einfach und mir fehlt nichts, da war kein "ich will, ich muss". Auf alles andere übertragen da es ausserordentlich gut zu funktionieren scheint - soll sich meinetwegen die Buddhanatur oder wer auch immer drum kümmern, nicht mein Geschäft :) Der Bauchladen gehört irgendjemand anderem, so verschwinden ganz unmerklich einige tägliche meist unproduktive Gedanken. Irgendjemand oder irgendwas regelt so wie es aussieht alles, na dann viel Vergnügen damit :)

    Bubu :clown::oops:

  • SpringMode5708
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    • 24. August 2015 um 12:25
    • #112

    Hallo Sôhei,

    Sôhei:

    4) Zwei Probleme die im Zusammenhang mit dem Thema m.M.n. zu kurz kommen sind
    ...
    (vollständiger Text s.u.)
    ...
    Hier gälte es viel genauer und sorgfältiger hinzuschauen.

    Wenn es gut läuft, wird ja gut hingeschaut. Lust gilt es durch Einsicht und Weisheit zu überwinden.

    In Burma beipielsweise gibt es für junge Mönche eine besondere Praxis zur Unschönheit des Körpers. Wird täglich gemacht und dauert 32 Wochen.
    Das geht so: man setzt sich vor seine Ess-Schale und stellt sich eine Woche lang täglich jeweils eines der menschlichen Körperbestandteile wie beispielsweise Körperhaare, Sehnen oder Eiter einzeln in der Ess-Schale liegend vor. Richtig ausführt, soll es nach diese Praxis keine sexuelle Lust mehr geben. Jedenfalls steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, schätz ich mal.


    Herzliche Grüße

  • Andreas
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    • 24. August 2015 um 13:15
    • #113

    Hi Mirco,

    Mirco:

    In Burma beipielsweise gibt es für junge Mönche eine besondere Praxis zur Unschönheit des Körpers. Wird täglich gemacht und dauert 32 Wochen.
    Das geht so: man setzt sich vor seine Ess-Schale und stellt sich eine Woche lang täglich jeweils eines der menschlichen Körperbestandteile wie beispielsweise Körperhaare, Sehnen oder Eiter einzeln in der Ess-Schale liegend vor. Richtig ausführt, soll es nach diese Praxis keine sexuelle Lust mehr geben. Jedenfalls steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, schätz ich mal.

    Das ist doch mal zielführende Metta-Übung: "Liebes Gegenüber, Du haariger, eiternder Sehnensack, der in meine Esschale geschissen hat, was kann ich für Dich tun?"

    Was ist es nur, das Menschen dazu treibt, es sich immer schwerer zu machen, als nötig?
    Buddhismus ist einfach zu einfach, das muss man sich doch irgendwie verkomplizieren können.

    LG
    Andreas

  • Noreply
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    • 24. August 2015 um 13:32
    • #114
    Mirco:

    Hallo Sôhei,

    Sôhei:

    4) Zwei Probleme die im Zusammenhang mit dem Thema m.M.n. zu kurz kommen sind
    ...
    (vollständiger Text s.u.)
    ...
    Hier gälte es viel genauer und sorgfältiger hinzuschauen.

    Wenn es gut läuft, wird ja gut hingeschaut. Lust gilt es durch Einsicht und Weisheit zu überwinden.

    In Burma beipielsweise gibt es für junge Mönche eine besondere Praxis zur Unschönheit des Körpers. Wird täglich gemacht und dauert 32 Wochen.
    Das geht so: man setzt sich vor seine Ess-Schale und stellt sich eine Woche lang täglich jeweils eines der menschlichen Körperbestandteile wie beispielsweise Körperhaare, Sehnen oder Eiter einzeln in der Ess-Schale liegend vor. Richtig ausführt, soll es nach diese Praxis keine sexuelle Lust mehr geben. Jedenfalls steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, schätz ich mal.


    Herzliche Grüße

    Alles anzeigen

    Da entsteht Wunschlosigkeit nicht nur sexuelle Un-Lust.

  • Sôhei
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    • 24. August 2015 um 13:54
    • #115
    Mirco:


    Wenn es gut läuft, wird ja gut hingeschaut. Lust gilt es durch Einsicht und Weisheit zu überwinden.
    Richtig ausführt, soll es nach diese Praxis keine sexuelle Lust mehr geben. Jedenfalls steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, schätz ich mal.
    Herzliche Grüße

    Ich wiederum denke, das kann zu allem möglichen führen; ansich ist das nämlich ziemlich sinnfrei. Nicht umsonst muss man ja extra immer "Widerlich! Widerlich!" als Gedanken dazurichten (Vis.Mag.). Es handelt dabei eben keineswegs um einen inhärenten Zusammenhang, sondern um eine selbstverpasste Gehirnwäsche. Natürlich kann das auch gegen zu starkes Anhaften helfen, gesund und natürlich ist es m.M.n. aber nicht. Wenn man dann am Ende meint, man wäre besonders einsichtig, weil man den Körper als widerlich erkannt hat, ist man nur genauso verirrt wie jemand, der den Körper als das einzig Wertvolle betrachtet.

  • Rongas
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    • 24. August 2015 um 13:55
    • #116

    Leutz, wacht mal auf! Kern des Dhamma ist die Entsüchtung des Sinnensuchtkörpers, was beinhaltet, dass man aufhört seinen Sinnensüchten zu fröhnen.
    Klare Ansage, einfache Lehre.
    Was Ihr hier macht nennt sich Rabulistik.

  • SpringMode5708
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    • 24. August 2015 um 14:04
    • #117

    Hallo Andreas,

    Andreas:

    Das ist doch mal zielführende Metta-Übung: "Liebes Gegenüber, Du haariger, eiternder Sehnensack, der in meine Esschale geschissen hat, was kann ich für Dich tun?" Was ist es nur, das Menschen dazu treibt, es sich immer schwerer zu machen, als nötig?


    Ich habe eine konkrete Übung für die konkrete Situation des jungen Bhikkhu beschrieben. Möge es dafür hilfreich sein.

    Die Unschönheit des Körpers als Meditationsobjekt wird vom Buddha in den Grundlagen der Achtsamkeit ziemlich zu Beginn erwähnt - gar nicht erwähnt wird, es mit anderen Meditationsobjekten zu vermischen. Das hast Du jetzt getan.


    Andreas:

    Buddhismus ist einfach zu einfach, das muss man sich doch irgendwie verkomplizieren können.


    Wie hältst Du es einfach?


    Herzliche Grüße

  • Doris
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    • 24. August 2015 um 14:30
    • #118
    Zitat

    Auch auf jene Weise verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet.


    Das scheint mir die Hauptaussage zu sein. Das ist ohne Wertung.
    Der Körper ist einfach ein Körper. Ohne all das, was wir dazu dichten wollen.
    Das ist gerade die Aufforderung den Körper wissenschaftlich zu betrachten, ihn zu untersuchen und dabei nichts auszulassen, keine Tabus zu erschaffen, keine Idealisierungen.
    Für mich ist das das völlige Gegenteil von Erzeugen von Ekel. Denn das wäre wieder Dukkha zu erzeugen, was hinzuzufügen, Vorstellungen zu pflegen. Die genaue Untersuchung aller Aspekte der Körperlichkeit bedeutet, von Vorstellungen abzulassen.
    Ekel und Abneigung gegen den Körper zu erzeugen, der doch einfach bloß Körper ist, bedeutet doch eine neue Anhaftung zu produzieren.

    Ich bezweifle, dass die Praxis in Burma, wenn sie denn so ist, wie sie hier beschrieben ist, funktioniert.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • SpringMode5708
    Gast
    • 24. August 2015 um 14:34
    • #119

    Hallo Doris,

    Doris Rasevic-Benz:
    Zitat

    Auch auf jene Weise verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet.


    Das scheint mir die Hauptaussage zu sein. Das ist ohne Wertung.
    Der Körper ist einfach ein Körper. Ohne all das, was wir dazu dichten wollen

    guckst Du bei Punkt 4. (Nichtschönheit - Die Körperteile)


    Herzliche Grüße

  • Andreas
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    • 24. August 2015 um 14:38
    • #120
    Mirco:

    Wie hältst Du es einfach?

    Vom Leiden lassen.
    Nicht leiden lassen.

    Hat nicht hingehauen?

    Lachen, aber nur über mich.
    Und es bei der nächsten Geburt nochmal probieren.
    Nächster Atemzug: nächste Geburt.

    LG
    Andreas

  • Doris
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    • 24. August 2015 um 15:08
    • #121
    Zitat

    (4. Nichtschönheit - Die Körperteile)

    10. "Wiederum, ihr Bhikkhus, reflektiert ein Bhikkhu systematisch über diesen seinen Körper, von den Fußsohlen aufwärts und von den Haarspitzen abwärts, wie er, von Haut umhüllt, von vielfältigen unreinen Dingen angefüllt ist: 'In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Muskelfleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Mageninhalt, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin [10].' So als ob es einen Sack gäbe, mit Öffnungen an beiden Seiten, gefüllt mit vielfältigen Körnern, wie zum Beispiel Bergreis, rotem Reis, Bohnen, Erbsen, Hirse und weißem Reis, und ein Mann mit guten Augen würde ihn öffnen und so systematisch darüber reflektieren: 'Dies ist Bergreis, dies ist roter Reis, dies sind Bohnen, dies sind Erbsen, dies ist Hirse, dies ist weißer Reis;' genauso reflektiert ein Bhikkhu systematisch über diesen seinen Körper, wie er von vielfältigen unreinen Dingen angefüllt ist: 'In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Muskelfleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Mageninhalt, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin.'"

    11. "Auf diese Weise verweilt er, indem er den Körper innerlich als einen Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er den Körper äußerlich als einen Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er den Körper sowohl innerlich als auch äußerlich als einen Körper betrachtet. Oder er verweilt, indem er die Ursprungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Ursprungs- und Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet. Oder die Achtsamkeit, daß da ein Körper vorhanden ist, ist einfach in dem Ausmaß in ihm verankert, das für bloße Vergegenwärtigung und Achtsamkeit nötig ist. Und er verweilt unabhängig, haftet an nichts in der Welt an. Auch auf jene Weise verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet."

    Ich habe das schon aufmerksam gelesen …

    Ja, so ist der Körper.
    Aber hier ist keine Rede von "Nichtschönheit". Da steht nur, dass das alles der Körper ist.
    Da steht was von "systematischem" Reflektieren.
    Da steht nämlich drin, dass er "unabhängig verweilt, an nicht in der Welt anhaftet". Ekel und Abneigung sind Anhaftung.
    Wenn da oben von "unreinen Dingen" die Rede ist, so meint das nicht, dass der Übende sich eine Kategorie von Unreinheit schaffen soll. "Unrein" ist der Begriff, die Kategorie, mit der der Übende die Übung beginnt. Er muss das aber loslassen. Und das ist für mich die einzig logische Konsequenz. Rein/unrein ist ein Produkt der Vorstellung, Dualismus.
    Hier wird der Körper, und das Bewusstsein über den Körper geschult, ohne jegliche Bewertung, sondern im Sinne von namarupa.

    Mein Lehrer hat uns eine spezielle tibetische Opferungsübung gelehrt. Unter dem, was wir als Opfer darbringen, sind auch Kot und Urin.
    Ich fragte ihn, wieso wir solche Dinge als Opfer darbringen sollen, wo sie doch ibäh seien. Er lachte und sagte, dass ein Fliege sich sehr über dieses Opfer freuen würde …

    Es gibt ibäh nicht wirklich. Das entsteht in unserem Kopf. Der Körper ist nicht ibäh. Er ist Körper, bestehend aus diesem und jenem, er ist vergänglich, und dennoch ein Wunderwerk.
    Hätte der Buddha diesen angeekelten Blick gehabt, hätte er den Mönch, der krank in seiner Sch… lag nicht umsorgt, sondern wäre wie seine Schüler zu der "reineren" Sache der Meditation gelaufen.
    Auch Jesus sagte, dass nicht das, was in den Mund hineinkommt unrein sei, sondern das, was aus ihm herauskomme. Der Samariter kannte die Kategorie Reinheit nicht und hat den Überfallenen gerettet und gepflegt. Der Pfleger und Pflegerinnen haben von dieser Kategorie losgelassen, die Eltern, die dem Kind die Windeln wechseln, die Katzenmutter, die den Welpen den Popo putzt …

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Doris
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    • 24. August 2015 um 15:34
    • #122

    Ich möchte noch was hinzufügen:

    Hier werden die inneren Teile des Körpers betrachtet, die uns nicht ersichtlich sind und deshalb leicht der Kategorisierung in "unrein" anheimfallen, zusammen mit alles Ausscheidungen.
    Für gewöhnlich wird der Innenraum tabuisiert oder ignoriert, auch bei der Betrachtung des Körpers. Wenn wir uns von jemanden angezogen fühlen, dann denken wir nicht an seinen Darm, das würde uns sofort abtörnen. (Bis auf wenige Ausnahmen :D ) Darum schämen wir uns auch am Anfang einer Liebesbeziehung sehr oft ob unserer Körperfunktionen, und tun alles, um den Anschein zu erwecken, wir hätten das alles nicht. Ein Mordsbohau um den Körper und viel Trara, was anderes ist das nicht. Aber die Realität ist, wir sind alle so. Und dem kommen wir nicht aus. Egal wie chic wir uns machen, welche Cremes wir benutzen, welche Kleidung wir tragen oder zu welchem Chirurgen wir unser Doppelkinn tragen.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • SpringMode5708
    Gast
    • 24. August 2015 um 16:13
    • #123

    Hallo Doris,

    Doris Rasevic-Benz:

    Hier werden die inneren Teile des Körpers betrachtet, die uns nicht ersichtlich sind
    und deshalb leicht der Kategorisierung in "unrein" anheimfallen, zusammen mit alles Ausscheidungen.


    genau ein Drittel der aufgezählten 'Teile' sind mit dem Auge ständig erkennbar. Das kann es also nicht sein.

    Alle aufgezählten Teile werden vom Buddha in den Achtsamkeits-Grundlagen als asuci² bezeichnet.

    ² unrein, im Text asucino

    Herzliche Grüße

  • keks
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    • 24. August 2015 um 16:28
    • #124
    Mirco:


    In Burma beipielsweise gibt es für junge Mönche eine besondere Praxis zur Unschönheit des Körpers. Wird täglich gemacht und dauert 32 Wochen.
    Das geht so: man setzt sich vor seine Ess-Schale und stellt sich eine Woche lang täglich jeweils eines der menschlichen Körperbestandteile wie beispielsweise Körperhaare, Sehnen oder Eiter einzeln in der Ess-Schale liegend vor. Richtig ausführt, soll es nach diese Praxis keine sexuelle Lust mehr geben. Jedenfalls steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, schätz ich mal.

    Zitat

    schätz ich mal

    <-- :D

    Ich mag Horror und Splatterfilme, keiner davon schaffte bisher irgendein Verlangen jeglicher Art bei mir auszulöschen und da waren ettliche dabei die jenseits von gut und böse waren ;) Ebenso dürfte das sexuelle Verlangen von Pathologen auf null zugehen, ist aber nicht der Fall. Und dann gibts noch die Menschen die auf Unreinheiten stehen, die freuen sich dann sogar. Ende vom Lied - solche Vorschläge müssen individuell gemacht werden, sonst funktionierts nicht da es nicht auf jeden einzelnen übertragbar ist. Da hockt man dann in einer Gruppe mit 50 Mönchen, Meisterlein sagt :macht mal und ich grinse mir einen weils mir nichts ausmacht. Das ist wohl auch der Grund weshalb Gruppentherapien oft nichts taugen.

    Bubu :clown::oops:

  • Doris
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    • 24. August 2015 um 16:48
    • #125
    Zitat

    Alle aufgezählten Teile werden vom Buddha in den Achtsamkeits-Grundlagen als asuci² bezeichnet.

    ² unrein, im Text asucino

    Ja sicher. Er verwendet "unrein", weil das konventionell so gesehen wird, das sagt man halt so. Das sagt nicht, dass er selbst meint, das sei unrein.

    Da ist keine Aufforderung Unreinheit zu kultivieren. Das würde sämtlichen Aussagen des Buddhas widersprechen, da Reinheit und Unreinheit Konzepte sind, geistgeboren, dualistisch.
    Lehrt der Buddha irgendwo Dualismus?
    Es geht doch darum, all das zu betrachten, als nüchterne Bestandsaufnahme, ohne Bewertung, ohne irgend ein Drama, ganz entspannt: Das ist der Körper. Fertig.
    Gleichmut üben, auch dem Körper gegenüber, auch dem gegenüber, das wir laut Konvention als schön bewerten und dem gegenüber, das wir laut Konvention als ibäh erachten.
    Alle diese Bewertungen über unseren Körper erzeugen Emotionen. Im Grunde sollen wir die aufkommenden Gedanken und Emotionen bei der Betrachtung von diesem und jenem beobachten. Was diese Gedanken und Emotionen bei uns bewirken, welche Probleme sie schaffen. So wie die Mönchlein Probleme erschufen, weil sie sich vor dem kranken Bruder ekelten.
    Ekel zu erzeugen wäre das Hinzufügen eines weiteren Konstruktes und vieler damit verbundenen Probleme. Dukkha in Reinkultur.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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