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Majjhima Nikāya 69, Gulissānisuttaṁ

  • Upasaka Dhammavicayo
  • 10. Oktober 2026 um 15:17
  • Zum letzten Beitrag
  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 10. Oktober 2026 um 15:17
    • #1

    So habe ich gehört. Einmal hielt sich der Erhabene bei Rājagaha im Bambushain, dem Eichhörnchen-Futterplatz, auf. Bei dieser Gelegenheit war ein Bhikkhu namens Gulissāni, ein Waldmönch mit losem Verhalten, zu Besuch gekommen, um sich wegen dieser oder jener Angelegenheit in der Sangha aufzuhalten. Der ehrwürdige Sāriputta richtete sich, auf den Bhikkhu Gulissāni bezugnehmend, folgendermaßen an die Bhikkhus:

    „Freunde, wenn ein waldbewohnender Bhikkhu zur Sangha kommt und sich in der Sangha aufhält, sollte er respektvoll und ehrerbietig gegenüber seinen Gefährten im heiligen Leben sein. Wenn er respektlos und nicht ehrerbietig gegenüber seinen Gefährten im heiligen Leben ist, dann wird es jene geben, die von ihm sagen würden: ‚Was hat dieser ehrwürdige Waldmönch erreicht, dadurch daß er allein im Wald lebt, wo er sich benimmt, wie es ihm gefällt, da er respektlos und nicht ehrerbietig gegenüber seinen Gefährten im heiligen Leben ist?‘ Da es jene geben würde, die dies von ihm sagen würden, sollte ein waldbewohnender Bhikkhu, wenn er zur Sangha kommt und sich in der Sangha aufhält, respektvoll und ehrerbietig gegenüber seinen Gefährten im heiligen Leben sein.“


    Ich versuche das ganze Sutta zu erklären, so wie ich es verstanden habe und es vielleicht mal in unseren Alltag zu integrieren.


    Das Sutta spielt in Rājagaha. Ein Waldmönch namens Gulissāni kommt in die Gemeinschaft. Sein Verhalten ist locker. Sāriputta nimmt das zum Anlass, den Mönchen zu erklären, worauf es ankommt.

    Die Kernfrage lautet: Reicht es, allein im Wald zu leben? Nein. Äußere Askese allein macht niemanden frei. Es zeigt sich erst im Umgang mit anderen, ob die Praxis echt ist.

    Sāriputta sagt:

    Ein Waldmönch, der in die Gemeinschaft kommt, soll respektvoll sein gegenüber den Mitpraktizierenden. Tut er das nicht, werden die Leute sagen: Was hat dieser Waldmönch erreicht? Er lebt allein im Wald und benimmt sich, wie es ihm gefällt.

    Er soll sich richtig hinsetzen. Ältere nicht bedrängen. Jüngeren nicht den Platz verweigern.

    Er soll nicht zu früh ins Dorf gehen und nicht zu spät zurückkommen.

    Er soll nicht vor dem Essen oder nach dem Essen Familien besuchen.

    Er soll nicht rastlos sein. Nicht tratschen. Nicht sinnlos reden. Nicht hart reden. Nicht spalten.

    Er soll die Sinne hüten. Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper, Geist.

    Er soll maßvoll essen.

    Er soll wach sein. Nicht faul.

    Er soll achtsam sein und klar wissen, was er tut.

    Wenn er das tut, wird er nicht getadelt. Wenn er das nicht tut, sagen die Leute: Was hat ihm der Wald gebracht?

    Der Punkt ist, die Praxis ist kein Image. Praxis zeigt sich im Alltag. Wer wirklich geschaut hat, hängt nicht an Besonderheit. Er muss nicht beweisen. Er sitzt einfach richtig. Er redet einfach richtig. Er isst einfach richtig. Das kommt nicht aus Zwang. Es kommt aus Klarheit. Gier, Hass und Verblendung werden dünner. Dann fällt der Drang weg, sich über andere zu stellen.


    Ein Vergleich mit dem Alltag heute:

    Respekt: Im Meeting, in der Familie, im Supermarkt. Nicht den Ton angeben. Nicht die anderen übersehen. Einfach zuhören. Da sein.

    Sitzordnung: Nicht den besten Platz nehmen. Nicht die Jüngeren wegdrängen. Nicht die Älteren bedrängen. In der Gruppe den eigenen Raum richtig dosieren.

    Almosengang: Nicht zu früh losgehen. Nicht zu spät zurückkommen. Im Job: nicht ständig verschwinden. Nicht immer zu spät kommen. Pausen richtig nutzen.

    Familienbesuche: Nicht bei Freunden ein- und ausgehen. Nicht anhänglich werden. Nicht ständig bei anderen sein, um Bestätigung zu holen. Heute: nicht jede Nacht bei jemandem hängen. Nicht jede Beziehung aus Gier pflegen.

    Rastlosigkeit: Nicht tratschen. Nicht lästern. Nicht in Gruppen spalten. Nicht ständig das Handy checken. Nicht jede Nachricht kommentieren. Nicht jede Debatte führen.

    Sinne hüten: Nicht jedem Video nachgehen. Nicht jeder Meinung hinterherlaufen. Nicht jedes Bild anschauen. Nicht jeden Reiz aufnehmen.

    Maßvoll essen: Nicht zu viel. Nicht zu wenig. Auch mit Medien, Konsum, Unterhaltung. Nicht bis zum Überlaufen.

    Wach bleiben: Nicht bis spät scrollen. Früh aufstehen. Energie haben. Üben.

    Achtsamkeit: Wissen, was man tut. Beim Gehen, beim Reden, beim Essen, beim Arbeiten.

    Der Maßstab ist einfach. Macht deine Praxis dich leichter für andere? Weniger Reibung? Wenn nicht, dann schau ehrlich hin. Nicht verurteilen. Hinschauen. Dann wird das Verhalten von selbst einfacher. 🙏

  • mukti
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    • 11. Oktober 2026 um 10:59
    • #2

    Selber mag man keinen Fehler darin sehen, sich für etwas Besonderes zu halten, aber andere sehen den Fehler. Ist man dann bereit ihn einzusehen, oder verteidigt man sich? Ohne Gemeinschaft ist es oft schwerer, die Ränke des Ego zu durchschauen.

    Mit Metta, mukti.


  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 11. Oktober 2026 um 11:41
    • #3
    mukti:

    Selber mag man keinen Fehler darin sehen, sich für etwas Besonderes zu halten, aber andere sehen den Fehler. Ist man dann bereit ihn einzusehen, oder verteidigt man sich? Ohne Gemeinschaft ist es oft schwerer, die Ränke des Ego zu durchschauen.

    Da gebe ich dir recht.

    Wer sich für besonders hält, hängt an einem Bild von sich. Andere sehen das oft klarer. Wird das Bild infrage gestellt, kommt Widerstand auf. Den kann man bemerken, ohne ihm zu folgen. Gemeinschaft wirkt wie ein Spiegel. Ohne sie bleibt man leichter in den eigenen Ansichten, Wahrnehmungen oder Denkmustern gefangen.

  • Schneelöwin
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    • 11. Oktober 2026 um 15:57
    • #4
    Upasaka Dhammavicayo:

    Die Kernfrage lautet: Reicht es, allein im Wald zu leben? Nein. Äußere Askese allein macht niemanden frei. Es zeigt sich erst im Umgang mit anderen, ob die Praxis echt ist.

    Sāriputta sagt:

    Persönlich sehe ich es etwas anders, wenn ich Alleinsein mit Gesellschaft vergleiche.

    Im Alleinsein bin ich frei und in Gesellschaft gibt es halt Regeln.

    Damit sage ich nicht, Regeln dürfen nicht sein, im Gegenteil, aber diese machen nicht frei oder zeigen wie frei ich bin.

    :?

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • Samadhi1876
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    • 11. Oktober 2026 um 17:55
    • #5
    Schneelöwin:

    Persönlich sehe ich es etwas anders, wenn ich Alleinsein mit Gesellschaft vergleiche.

    Im Alleinsein bin ich frei und in Gesellschaft gibt es halt Regeln.

    Es kann sogar sein, das die Gesellschaft versucht dich nur „aufzufressen“ oder auszunehmen


    Wenn Du „zu lieb zu ihnen bist“ oder Dich nicht wehrst


    Oder Zuviel Zeit mit ihnen verbringst


    Das Beispiel oben beschreibt eine Sangha, eine kleine geschlossene relativ intakte Gemeinschaft


    Kein Vergleich zu der kapitalistischen egoistischen schnell lebigen Welt in der wir heute leben


    Da darf man schauen, muss man sogar, das man sich selbst nur nicht (wieder) verliert oder von anderen oder etwas zu viel mit reißen lässt


    Achtsamkeit gepaart mit Demut


    Und erkennen „was ist meins“ und „was ist das der anderen“


    Was gehört mir selbst und was nicht


    Soll ich mich schlagen lassen oder nicht


    Darf ich mich wehren oder nicht

  • mukti
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    • 11. Oktober 2026 um 18:18
    • #6
    Upasaka Dhammavicayo:

    Gemeinschaft wirkt wie ein Spiegel. Ohne sie bleibt man leichter in den eigenen Ansichten, Wahrnehmungen oder Denkmustern gefangen.

    Spielt es nicht auch eine Rolle, welche Gemeinschaft? Wenn man noch unheilsame Neigungen hat, können sie leicht durch Gemeinschaft mit Menschen gefördert werden, die auch unheilsame Neigungen haben. Wenn man sich bemüht, seine unheilsamen Neigungen loszuwerden, wird die Bemühung durch Gemeinschaft mit Menschen gefördert, die sich auch bemühen, ihre unheilsamen Neigungen loszuwerden. Am Besten wäre Gemeinschaft mit Menschen ohne unheilsame Neigungen, aber die sind schwer zu finden.

    Mit Metta, mukti.


  • Schneelöwin
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    • 11. Oktober 2026 um 18:24
    • #7
    Samadhi1876:

    Es kann sogar sein, das die Gesellschaft versucht dich nur „aufzufressen“ oder auszunehmen


    Wenn Du „zu lieb zu ihnen bist“ oder Dich nicht wehrst


    Oder Zuviel Zeit mit ihnen verbringst


    Das Beispiel oben beschreibt eine Sangha, eine kleine geschlossene relativ intakte Gemeinschaft.

    Kein Vergleich zu der kapitalistischen egoistischen schnell lebigen Welt in der wir heute leben

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    Das Zauberwort könnte hier "relativ" sein.

    Zumindest kann ich mir vorstellen, dass im kleinen damals ähnliches passiert ist. innerhalb der eigenen Wahrnehmung, wie heute in großen Bereichen.

    Die großen Bereiche sind ja vielfach auch in kleinere Bereiche abgekoppelt, so meine Erfahrung.

    Frei sein könnte dann innerhalb der Gesellschaft auch bedeuten, zu wissen wie ich meinen ruhigen Ton halte ohne "aufgefressen oder ausgenommen" zu werden, also meine Grenzen fühlen, sehen und danach handeln und vor allem dieses dann auch loslassen können.

    Wenn das gut funktioniert ohne das ein längerer Nachhall geschieht, kann man schon auch von einer gewissen Form der Freiheit sprechen.

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • Upasaka Dhammavicayo
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    • 11. Oktober 2026 um 18:43
    • #8
    mukti:
    Upasaka Dhammavicayo:

    Gemeinschaft wirkt wie ein Spiegel. Ohne sie bleibt man leichter in den eigenen Ansichten, Wahrnehmungen oder Denkmustern gefangen.

    Spielt es nicht auch eine Rolle, welche Gemeinschaft? Wenn man noch unheilsame Neigungen hat, können sie leicht durch Gemeinschaft mit Menschen gefördert werden, die auch unheilsame Neigungen haben. Wenn man sich bemüht, seine unheilsamen Neigungen loszuwerden, wird die Bemühung durch Gemeinschaft mit Menschen gefördert, die sich auch bemühen, ihre unheilsamen Neigungen loszuwerden. Am Besten wäre Gemeinschaft mit Menschen ohne unheilsame Neigungen, aber die sind schwer zu finden.

    Ja, die Gemeinschaft spielt eine große Rolle. Ein Spiegel kann klar sein oder verzerren. Wichtig ist, wohin sie zieht.. mehr Gier, Hass und Verblendung oder weniger. Gute Gemeinschaft bestätigt nicht alles, sie sagt freundlich Nein, wenn es nötig ist, und bleibt freundlich, wenn es unbequem wird. Menschen ganz ohne unheilsame Neigungen sind selten. Wenn man ehrlich übt, ist das schon eine gute Orientierung. Der eigene Widerstand zeigt dann, wo noch etwas sitzt.

  • Qualia
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    • 12. Oktober 2026 um 22:39
    • #9

    Wenn die Ausführung der Praxis zu keinen Reibungen mehr führt, was ist dann? Dann lebt man im Wald mitten in der Stadt mit den Menschen und ohne sie. Man muss schon Reibung erzeugen. Aber ehrlich, dafür habe ich auch keinen Sinn mehr.

    Erscheinungen sind annica unbeständig, dukkha unbefriedigend, anatta ohne Selbstsein, immer allein, doch nie einsam, denn alles ist eigenständig erscheinend, aber nichts ist eigenständig bestehend.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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