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  1. Buddhaland Forum
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Metaphysik

  • Qualia
  • 11. Mai 2026 um 09:34
  • Zum letzten Beitrag
  • Qualia
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    • 11. Mai 2026 um 09:34
    • #1
    Verschoben

    Dieser Thread wurde nicht von Qualia eröffnet. Ich hab es als Off-Topic aus dem Robotermönch-Thread verschoben. Void

    JoJu91:

    JoJu91 betrachtet Robotermönche heute morgen als Marketing-Gag und würde sich sehr hüten, die Ratschläge des Robotermönches ohne gründliches weises Nachdenken zu befolgen.

    Das ist genau das Problem, auf das Buddha hingewiesen hat: Man soll jede Information an dem prüfen, was man bisher erlebt hat, und daran, wie sie das eigene zukünftige Handeln beeinflusst.


    Jede Information sollte so lange bearbeitet werden, bis sie keinen metaphysischen oder mythologischen Rest mehr enthält. Man befreit sich von Metaphysik und Mythologie, ohne sie zu verwerfen. Denn man kann Menschen begegnen, für die solche Vorstellungen im Moment noch hilfreich sind und von denen sie sich noch nicht lösen können.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Ochse
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    • 11. Mai 2026 um 13:45
    • #2
    Qualia:

    Jede Information sollte so lange bearbeitet werden, bis sie keinen metaphysischen oder mythologischen Rest mehr enthält. Man befreit sich von Metaphysik und Mythologie, ohne sie zu verwerfen. Denn man kann Menschen begegnen, für die solche Vorstellungen im Moment noch hilfreich sind und von denen sie sich noch nicht lösen können.

    Man kann (z.B. unter Berufung auf Kant oder Heidegger) durchaus Metaphysik-Kritik üben (wenn man's denn kann!), aber es erstaunt mich immer wieder, wie 'Metaphysik!' quasi zum Schimpfwort geworden ist, und man ihr bestenfalls noch (wie oben) die Rolle des 'geschickten Mittels' für Simpel (wie Kants Kammerdiener) zugesteht.


    Ich fürchte, man beraubt sich dadurch auch (mal wieder - wie Geschichte sich doch wiederholt!) der Mittel, 'Fortschritt' in der Rolle als Religionsersatz (oder auch als Philosophieersatz - Buddhismus reinigen wir ja gerade von allem metaphysisch- religiösen Brimborium) zu erkennen oder gar zu kritisieren. Maude Royden konnte die Anglikanische Kirche noch als 'die Tory-Partei beim Gebet' erkennen. Heute zu befürchten, dass der zur Ware gewordene Buddhismus in den Wohlstandsgesellschaften irgendwann nur noch 'die Grünen bei der Meditation' ist (und das ist keine Kritik an einer dringend notwendigen radikalen Ökologie-Bewegung, nur an Ökologie als Mittel der politischen Karriere) dürfte einem bestenfalls den Vorwurf der Rückwärtsgewandheit eintragen.

  • void
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    • 11. Mai 2026 um 19:28
    • #3
    Ochse:

    Man kann (z.B. unter Berufung auf Kant oder Heidegger) durchaus Metaphysik-Kritik üben (wenn man's denn kann!), aber es erstaunt mich immer wieder, wie 'Metaphysik!' quasi zum Schimpfwort geworden ist, und man ihr bestenfalls noch (wie oben) die Rolle des 'geschickten Mittels' für Simpel (wie Kants Kammerdiener) zugesteht.

    Für mich hat das Wort "Metaphysik" zwei verschiedene Bedeutung.


    Klassisch ist ja "Metaphysik" das Wort für eine bestimmte Art der Philosophie, die sich mit allem beschäftigt, was man nicht empirisch angehen kann. Dadurch driftet man leicht in sehr abstrakte Gedankengebäude ab. Diese Gefahr hat ja Buddha öfter angemahnt. In seiner Warnung mit der Beschäftigung mit unlösbaren Frage ( z.B ist die Welt ewig). Im "Gleichnis vom Pfeil" ermahnt er, sich pragmatisch mit dem was zur Befreiung führt zu beschäftigen und nicht abzudriften.


    Aber auf der anderen Seite steht "Metaphysik" oft für eine Realität, die unsere normale Wahrnehmung transzendiert. Viele grundlegende buddhistische Begriffe wie Leerheit/ Shunyata/Tatagatha/Befreiung/Karma fallen in diese Kategorie. Wenn man zu stark versucht diese Begriffe gedanklich aufzudröseln landet man bei "Metaphysik im ersten Sinne"


    Aber dies muß nicht sein. Weil ja diese Worte eben - auch wenn sie insofern metaphysisch sind als sie auf "das andere Ufer" deuten, eine konkrete Funktion innerhalb der Praxis einnehmen können.

  • Ochse
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    • 11. Mai 2026 um 19:54
    • #4

    Erstmal nur danke für die Entgegnung. Für mehr habe ich gerade keine Zeit, kann aber schonmal sagen, dass ich Metaphysik nicht für was halte, wo die Empirie versagt.

  • JoJu91
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    • 13. Mai 2026 um 09:24
    • #5
    void:

    Für mich hat das Wort "Metaphysik" zwei verschiedene Bedeutung.

    Sehr gut beschrieben


    Es gibt eine Realität, die unsere normale Wahrnehmung transzendiert, die sich jedoch empirisch angehen lässt, wenn man es ernsthaft versucht.


    Die normale Wahrnehmung ist das, was ich für mich als das vom Denken und den Emotionen beherrschte Alltagsbewusstsein bezeichne, die einzige Realität, die der wohl immer noch allergrösste Teil der Menschheit kennt, wenn man von den niederen Bewusstseinszuständen "Nacht-Traum", "Schlaf", "Rausch" absieht.


    Es gibt jedoch empirisch erfahrbar einen Bewusstseinszustand jenseits ("oberhalb") des Denkens und der Emotionen, der in einer ganz anderen Realität spielt, weit intelligenter und klarer als das Alltagsbewusstsein. Im Gegensatz zu der mir bekannten abendländischen Philosophie bietet die indische Philosophie, und damit auch die Buddhalehre, meist als Meditation bezeichnete "Techniken" an, diesen höheren Bewusstseinszustand erlebbar machen. Es handelt sich um einen negativen Prozess, bei dem nichts erreicht oder hinzugewonnen wird, sondern im Gegenteil alles abfällt, was an Schleiern und Illusionen diesen einfachsten und klarsten Bewusstseinszustand verbirgt.


    Dass immer noch so wenige Menschen, auch Buddhisten, von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen, gehört für mich zu den erstaunlichsten Phänomenen der Welt.


    :mediw::medim:

  • mukti
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    • 13. Mai 2026 um 11:31
    • #6

    Physik ist die Erforschung der Materie und Metaphysik die Erforschung des Geistigen. Im physikalischen Weltbild ist der Geist ein Erzeugnis der Materie, im metaphysischen Weltbild ist der Geist vorübergehend mit Materie verbunden.


    Erzählungen von Geistern, Gottheiten, Fortsetzung des Daseins nach dem Tod, die Wirkungsweise von Karma, Magie, Astrologie und dergleichen sind metaphysisch. Das Metaphysische abzulehnen weil es physikalisch nicht nachweisbar ist, ist ebenso ein Glaube wie es anzunehmen, ohne es selber erfahren zu haben. Es läuft also darauf hinaus, ob man es für wahrscheinlich hält oder nicht. Die Argumente pro und kontra sind endlos und so bleibt es jedem selber überlassen, zu welcher Auffassung er gelangt.


    Transzendenz ist dagegen das alles Übersteigende, sowohl das Physikalische als auch das Geistige. Darüber lässt sich überhaupt nichts aussagen, weshalb es der Buddhismus bei der radikalen Negation "Verlöschen" (Nirvana) belässt. Wohlweislich versehen mit dem unlösbaren Tetralemma: Nichts, Etwas, Nichts und Etwas, weder Nichts noch Etwas - das trifft alles nicht zu.


    Das ist meine laienhafte Sichtweise für den Hausgebrauch.

    Mit Metta, mukti.


  • void
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    • 13. Mai 2026 um 14:23
    • #7
    JoJu91:

    Es gibt eine Realität, die unsere normale Wahrnehmung transzendiert, die sich jedoch empirisch angehen lässt, wenn man es ernsthaft versucht.

    Es gibt ja manchmal die Denkweise, dass man da auf der einen Seite die Physik hat, mit der sich Materie untersuchen lässt und dann die Metaphysik die sozusagen für das Übernatürliche zuständig ist


    Für viele Religionen paßt so eine Definition gut, weil da das Übernatürliche die Arena ist wo "gute übernatürliche Kraft " und "böse übernatürliche Kraft" aufeinanderprallen. Während das was nicht Übernatürlich ist irrelevant ist.


    Für den Buddhismus passt das überhaupt nicht:


    1. "Das Heilsrelevante ist nicht übernatürlich" Seine Arena ist ja die Ebene auf der es Dukkha gibt. Dies ist die "phänomenale Ebene" unserer Wahrnehmung. Hier gibt es das Problem uns seine Lösung - die Befreiung vom Leid". All dies ist nicht physikalisch. Aber von geistigen Phänomenen wie Wut oder Gier und ihrem verschwinden zu sagen, sie seien metaphysisch ist auch Unsinn
    2. "Das Übernatürlich ist nicht Heilsrelevante"Auf der anderen Seite Im Palikanon kommen alle möglichen übernatürlichen Wesen vor: Götter, Hungergeister, Nagas, Baumeister. Aber ob sie jetzt normal wagengenommen werden können, oder nur wenn man auf einer anderen Daseinsebene oder Pilzen ist, ist egal. Die Unterscheidung natürlich und übernatürlich, ist egal.

    Wichtig ist nur eine Transzendenz. Die von Samsara hin auf Nibbana.

  • Tai
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    • 13. Mai 2026 um 23:20
    • #8
    Ochse:

    ... aber es erstaunt mich immer wieder, wie 'Metaphysik!' quasi zum Schimpfwort geworden ist, und man ihr bestenfalls noch (wie oben) die Rolle des 'geschickten Mittels' für Simpel (wie Kants Kammerdiener) zugesteht.

    Ja, treffend gesagt.


    Ironischer Weise wird der Begriff 'Metaphysik' heute ja häufig in einer Weise verwendet, die dem, was maßgebliche Vertreter der theoretischen Philosophie darunter verstanden haben, diametral entgegengesetzt ist. Physik wird heute gerne als das Reale, das Beweisbare verstanden und Metaphysik dagegen als etwas Mystisches, etwas Spekulatives, etwas, das man nicht wissen, sondern bestensfalls glauben kann. Und daraus leiten sich dann - je nach persönlicher Philosophie und Temparament - die negativen Konnotationen ab.


    Für Kant, der wie kaum ein anderer die neuzeitliche Metaphysik geprägt und weiterentwickelt hat, ist Metaphysik aber die Wissenschaft unserer Erkenntnisfähigkeit. Hier geht es keineswegs um Mystisches, Spekulatives oder Dinge, die man nicht wissen, sondern nur glauben kann. Selbst empirisch belegbare Phänomene werden hier als nachrangig betrachtet, nämlich gegenüber Erkenntnissen, die sich aus unmittelbarer Anschauung ergeben. Meta-physisch, also über die Physik hinausgehend, ist die kant'sche Metaphysik nicht etwa, weil sie auf Inhalten aufbaut, die empirisch nicht belegbar sind. Meta-physisch sind Erkenntnisse nach Kant, weil sie sich aus unmittelbarer Anschauung ("a priori" also quasi aus erster Hand) ergeben und nicht erst über den Umweg der empirischen Beobachtung ("a posteriori") immer wieder neu verifiziert werden müssen.


    Für Buddhistinnen und Budhisten ist eine solche Metaphysik wie die Immanuel Kants vielleicht keine so schlechte Geistesschulung. Weil sie das Phänomen des Denkens und Erkennens gewissermaßen von Außen betrachtet, dabei die unmittelbare Erkenntnis von übernommenen Glaubenssätzen trennt und uns so zu einer Perspektive radikaler Ehrlichkeit den gegebenen Phänomenen gegenüber erzieht.

  • Ochse
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    • 14. Mai 2026 um 07:16
    • #9

    Danke, Tai! Alles, was ich habe sagen wollen, aber nicht so knapp hätte formulieren können.

  • Qualia
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    • 14. Mai 2026 um 09:58
    • #10
    Tai:

    Weil sie das Phänomen des Denkens und Erkennens gewissermaßen von Außen betrachtet, dabei die unmittelbare Erkenntnis von übernommenen Glaubenssätzen trennt und uns so zu einer Perspektive radikaler Ehrlichkeit den gegebenen Phänomenen gegenüber erzieht.

    Buddha beschreibt im Satipatthana eine Art des Wahrnehmens, in der Erscheinungen so gesehen werden, wie sie auftauchen – ohne Identifikation und ohne dass Glaubenssätze automatisch mitlaufen.

    Es ist ein schlichtes Beobachten: Etwas erscheint, man greift nicht ein, man sieht, wie es sich verändert, und man bleibt frei von dem Impuls, daraus ein „Ich“ zu machen.

    Durch regelmäßiges Sitzen wird diese Art des Wahrnehmens stabiler. Dann lässt sie sich auch in Situationen nutzen, in denen Gedanken oder eingeübte Reaktionsmuster nicht zur Wirklichkeit passen und unangenehme Phänomene auftauchen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (14. Mai 2026 um 10:14)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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