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Angststörungen durch Religionsverlust?

  • KarmaHausmeister
  • 19. April 2026 um 14:01
  • Zum letzten Beitrag
  • KarmaHausmeister
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    • 19. April 2026 um 14:01
    • #1

    Eine Studie der Ruhr-Uni Bochum bringt den zunehmenden Religionsverlust in Zusammenhang mit erhöhten Raten von Angststörungen bei jungen Menschen. Brauchen wir also wieder stärkere religiöse Strukturen und in der Gesellschaft fest verankerte religiöse Werte?

    Brauchen junge Menschen Religion für ihre psychische Gesundheit?
    Eine aktuelle Studie der Universität Bochum bringt den zunehmenden Religionsverlust in Zusammenhang mit erhöhten Raten von Angststörungen bei jungen Menschen.…
    hpd.de

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna / 塞翁失馬 – 焉知非福

  • void
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    • 20. April 2026 um 21:43
    • #2

    Die Studie vergleicht ja eine"unabhängigkeitsorientierte" Sozialisation, wo Menschen beigebracht wird sich als unabhängige Individuen zu sehen mit einer "beziehungsorientierte" Sozialisation, wo man die Beziehung zu anderen betont.


    Die Idee dass Individualismus, dem Individuum viel aufbürdet und dass zu psychischen Problemen führen kann, halte ich für plausibel


    Aber die Gleichsetzung Religion=Kollektivistisch und Moderne=Individualistisch fühlt sich für uns vielleicht nur deswegen naheliegend an, weil sich bei uns historisch eine individualistische säkulare Gesellschaft aus einer hierarchisch verbundenen religösen Gesellschaft entwickelt hat.


    Weil die Verbundenheit die wir verloren haben eine religiöse war, setzten wir das leicht gleich.


    Aber es stimmt nicht:

    • Kollektivismus ohne Religion: Zum Beispiel ist ja die chinesische Gesellschaft sehr beziehungsorientiert - Zusammenhalt ist wichtiger als das Individuum ohne dass sie deswegen religiös wäre.


    • Individualismus ohne Moderne: Und die Anthroplogin Mary Douglas gibt auch Beispiele für sehr individualistische und kompetetive traditionelle Gesellschaften wie z.B die melanesische Gesellschaft in Mt. Hagen wo das Ideal das war, ein "Big Man" zu werden und den Göttern möglichst viel Schweine zu opfern oder die Komantschen, wo jeder dauernd unter dem Druck stand der größere Krieger zu sein.

    Auch heute gibt es ja gerade in der USA eine Koexistenz zwischen Individualismus und Religion oftmals mit der kalvinistischen Idee, dass der E rfolgreiche von Gott gesegnet ist. Ich kann mir auch eine ganz gottlose, kollektivustische Anarcho-Kommune vorstellen.


    Die Idee die Moderne zu heilen in dem man mehr Kreuze an die Klassenzimmer nagelt ist leicht naiv.

  • Qualia
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    • 21. April 2026 um 13:18
    • #3
    void:

    Aber die Gleichsetzung Religion=Kollektivistisch und Moderne=Individualistisch fühlt sich für uns vielleicht nur deswegen naheliegend an, weil sich bei uns historisch eine individualistische säkulare Gesellschaft aus einer hierarchisch verbundenen religösen Gesellschaft entwickelt hat.

    Woran soll sich ein in der Entwicklung befindender Mensch halten, in einer individualistischen, säkularen Gesellschaft, die nicht Leitung infrage stellt, aber Hierarchien und Religion in Abrede stellt?


    Das frühere Nichtinfragestellen der hierarchischen Ordnung macht Halt und auch Widerstand und damit Selbstentwicklung erst möglich.


    Heute fehlt der, der den Mut hat, seine Einsichten fest zu vertreten, gerade wenn ein Jüngerer das nicht einsehen kann, weil er diese Erfahrung erst erarbeiten muss, nicht haben kann. Das muss der hierarchisch über den anderen stehende erkennen. Damit der Jüngere seine eigenen Erfahrungen machen kann, benötigt er die Sicherheit das da jemand ist, dem er vertrauen kann, dass er ihn hält, auch nach schlimmen Fehlern.


    Eine individualistische säkulare Gesellschaft legt den Wert auf Individualität, und das führt zu: Du verursachst nur Probleme. Dein Problem ist nicht meines. Der Sozialstaat wird sich kümmern. Sie kann nicht den Wert einer Identität höherstellen und darum eine Individualität erlauben. Alles hat ganz individuell zu sein. Identität ist unwichtig.


    Eine individualistische säkulare Gesellschaft, die keinen Wert oder die Werte der Identität missachtet, muss sich nicht wundern, dass gerade junge Mitglieder Ängste und Verunsicherung entwickeln. Sie benötigen einen festen Rahmen, in dem sie sich sicher ausleben können.


    Genau diese sicheren Rahmen, Religion und hierarchische Strukturen der Lebenswelt, wurden zerstört und keine neuen eingerichtet, denn das widerspricht einer individualistischen, säkularen Gesellschaft.

    Es gibt keine Gemeinsachften die Identität stiften, denn jede Gemeinschaft, die das macht, wird angegriffen und zersetzt oder als illegal verleumdet.


    Inhalt anzeigen

    Keine Angst, das klappt, und man ermöglicht Menschen, vielleicht nicht den eigenen Vorstellungen entsprechend, aber doch selbstbewusste Menschen zu werden. Als Ausbilder liebte ich es, wenn sich ein Mensch gegen mich auflehnte, und ich war ein harter Brocken (DER Chef), und sie wussten, dass sie den zu Sand machen mussten, der ich eigentlich immer war.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (21. April 2026 um 13:23)

  • void
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    • 21. April 2026 um 15:30
    • #4

    Von dem französischen Soziologen Alain Ehrenberg gibt es ja die interessante These des "erschöpften Selbsts".


    Sein Ausgangspunkt ist eben der Wandel der gesellschaftlichen Normen von einer Disziplinargesellschaft (geprägt durch Verbote und Gehorsam) hin zu einer Gesellschaft der Autonomie. Also genau oben genannter Übergang vom Starren und Hierarchischen hin zum Individuellen.


    Und da argumentiert er in seinem Buch "Das erschöpfte Selbst" , dass die moderne Forderung nach permanenter Initiative und Eigenverantwortung das Individuum überfordert.


    Er betrachtet die Depression von daher eben nicht rein als biologische Krankheit, sondern als sozialen Ausdruck dieser Überforderung - sozusagen als Kehrseite der Freiheit.


    Wer ständig "er selbst" sein muss und scheitert, reagiert mit depressiver Erschöpfung. Eine Ironie dabei ist, dass gerade dadurch dass Psychologie und Psychiatrie nicht als Ausdruck einer gesellschaftlichen Situation sehen sondern als Funktionsstörungen des Gehirns oder der Motivation - ist es wieder eine "Sache des Individuums" und der Druck auf dieses wird noch zusätzlich erhöht.

  • pano
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    • 21. April 2026 um 17:40
    • #5

    Ich denke sowieso dass man etwas sauberer zwischen Symptom und Krankheit unterscheiden muss.

    Ich kann Schnupfen haben, aber das kann durch Heuschnupfen, ein Erkältungsvirus bedingt sein, oder eine bakterielle Infektion. Die Behandlung unterscheidet sich.

    Eine Depression ist erstmal eine Symptomklasse. Die Behandlung sollte sich auch unterscheiden je nach Ursache.


    Das Problem mit den Analysen ist nun, sind die gefundenen zusammenhänge eine kausale Wirkkette, also ist die gesunkene Religiosität ursächlich für mehr Depressionen, oder gibt es eine gemeinsame Ursache die Religiosität sinken lässt und depressive Neigungen verstärkt. Die nächste Option wäre noch die Koinzidenz, ohne gemeinsame Ursache gibt es unabhängig die Phänomene die auftreten.

    PS: Ausgangs ging es ja um angststörungen nicht um Depressionen. Bin durch voids Beitrag auf Depressionen umgeschwenkt. Aber die Argumentation passt auch auf angststörungen.


    Für diese spezifisch hätte ich noch einen Gedankenanstoss. Es gibt ja die Expositionstherapie bei angststörungen. Exponiert sich eine Gläubige Person ggf. elementaren Ängsten (Verdammnis im Christentum, Vergänglichkeit im Buddhismus) und wird somit ein Umgang mit Ängsten eingeübt?

  • mooncake
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    • 21. April 2026 um 18:10
    • #6

    Mir erklärt sich hier nicht, wie man von aktuell zunehmenden Angststörungen bei Jugendlichen auf Religionsverlust schliessen kann. In der westlichen Welt ist Religionsverlust seit Jahrhunderten verbreitet.

    Auch in Japan gibt es seit vielen Jahren das Phänomen der Hikikomori, Jugendliche, die sich aus Angst vor Stress und Überforderung monatelang nicht aus dem Haus bewegen.

    Das Problem scheint mir hier eher in einem Verlust direkter Lebenserfahrung zu liegen, der Möglichkeit, oder der Zwang, sich mit technischen Geräten und Medien die Welt zu erschliessen, statt draussen zu spielen und dort reale Erfahrungen zu machen.

    Durch Medien und soziale Netzwerke kann so viel irrealer Druck entstehen. Und man kann sehr schnell diese künstlich erschaffene Welt mit der wirklichen Welt verwechseln.

    _()_

    Einmal editiert, zuletzt von mooncake (21. April 2026 um 18:30)

  • Matthie
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    • 21. April 2026 um 18:29
    • #7

    Das Problem ist zu vielschichtig als das nur Religionsverlust dafür verantwortlich gemacht werden kann.

    Tatsache ist, es gibt eine zunehmende Zahl an Angstörungen und anderen psychischen Erkrankungen.

    Ganz banal auch deshalb, weil einfach deutlich mehr diagnostiziert wird.

    Die Nachkriegsgeneration ist überhäuft mit Traumata ( die ja nachweislich auch in spätere Generationen reichen )und dennoch wurden da deutlich weniger Depressionen, Bordelinestörungen etc.diagnostiziert.

    Die heutige Jugend hat mehrere Herrausforderung.

    Tatsächlich wirkt sich bis heute die Corona Zeit und deren Isolation nach. Besondere bei Jugendlichen.


    Ich habe das Gefühl es geht heute eher um eine Orientierungslosigkeit.

    Die Möglichkeiten sind einfach zuviel und manchmal Grenzenlos ( wie im Internet )

    Könnte eine Religion da Orientierung geben?

    Mit Einschränkungen denke ich ja, aber nicht ausschließlich.

    Die Nutzung mobile Endgeräte jünger Eltern und die Nutzung derer Kinder sind auch ein wichtiger Faktor.


    Es ist wirklich eine Herrausfordernde Zeit und manchmal tuen mir die Kids von heute tatsächlich ein bisschen Leid.


    Grenzenlose Freiheit ist keine echte Freiheit.

    „Ich habe mal den Satz gehört:

    Im genauesten Rahmen steckt die größte Freiheit.“


    Das kann ich nur voll unterstreichen.

    Einmal editiert, zuletzt von Matthie (21. April 2026 um 18:47)

  • void
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    • 21. April 2026 um 20:08
    • #8
    mooncake:

    Mir erklärt sich hier nicht, wie man von aktuell zunehmenden Angststörungen bei Jugendlichen auf Religionsverlust schliessen kann.

    Es geht doch um die obige Studie, die ja erstmal untersuchen wollte, ob es bei einer "unabhängigkeitsorientierter Sozialisation" mehr Ansstörungen gibt als bei eine "beziehungsorientiert Sozialisation. Das klingt doch erstmal logisch: Wenn man innige Beziehungen hat,neigt man vielleicht weniger Angst als wenn man allein gelassen wird. Und vielleicht eben auch bei Gesellschaften: Ein fiktives "Italien" mit Großfamilie, Kirchengemeinschaft, Vereinen und Festen hat mehr sozialen Kitt als so ein individualistische Land wo jeder seiner Wege stackst, nicht grüßt und keinen kennt.


    Und diese "beziehungsorintierte Sozialisation" wollten sie messen und ein naheliegender Weg für die Autoren war so Antworten auf die Frage, welche Werte Kinder mitgegeben werden sollte. Man nimmt manchmal halt das, was man wo findet.


    Und da war einer der Werte eben die Frage ob Religion wichtig ist und die haben da so eine "kleinen Effekt" gefunden, den es hat wenn die Mutter Religion als für wichtug genommenen Wert angibt. Allerdings haben sie damit nur bewiesen dass es einen Zusammenhang gibt, der allerdings so schwach ist, dass sie das kaum nachweisen können.


    Während es ja andere Faktoren ( Genetik, Angststörung der Eltern, Armut, Mobbing) oder auch soziale Isolation viel größen und von vielen belegten Effekt gibt.


    Die Aussage dass Angstörung auf Religionsverlust zurückzuführen ist wird nicht getroffen - dazu müßte man einen hammermäßig großen Einfluß messen. Und es wird auch nicht gesagt, dass Religion ein wichtiger Einfluss auf Angsstörung ist. Von daher ist die Überschrift "Angststörungen durch Religionsverlust?" die da einen engen Zusammenhang suggeriert eher als Diskussionsanregung zu verstehen. Die Autoren sind froh rausgefunden zu haben, dass es überhaupt irgendwie zusammenhängt.


    Aber vielleicht sind religiöse Mütter einfach häufiger Hausfrauen und verbringen etwas mehr Zeit mit ihren Kindern. Das Ganze ist ein eher fragiles Gebäude.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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