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Kulturelle Aneignung?

  • KarmaHausmeister
  • 10. November 2025 um 17:55
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  • KarmaHausmeister
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    • 10. November 2025 um 17:55
    • #1

    Wie können wir westlichen Buddhismus leben, ohne Kultur oder Rituale aus Asien unreflektiert zu übernehmen? Wo sind Grenzen, wo Chancen?

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna / 塞翁失馬 – 焉知非福

  • void
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    • 10. November 2025 um 19:15
    • #2

    Der Begriff "kulturelle Aneignung" ist doch Unsinn. Seit es Menschen gibt, wanderten Ideen und Technologien munter zwischen Kulturen hin und her. Das Alphabet, die "arabischen Zahen" , die Demokratie und auch Religionen.


    Problematisch wird dies nur im Kontext einer bestimmten kolonialen Situation - wo bestimmte Kulturen einerseits von einem kolonialen Mainstream unterdrückt werden man sich aber gleichzeitig von ihnen kulturelle Praktiken aneignet. Dies führt dann zu solchen "perversen Situationen" wo Schwarze einerseits von Lokalen ausgeschlossen wurden aber gleichzeitig dann die schwarze Musik von Weißen gespielt wurden. Oder eingeborene Amerikaner in Reservaten stagnierten aber Weiße "Indianer spielten" . Das Problem hierbei ist aber überhaupt nicht der Transfer von Kultur sondern die koloniale Ausbeutung. Ohne diese Ausbeutung ist da gar kein Problem. So gab es ja im späteren Kanada eine Zeit lang eine interessante Mischkultur von Indigenen und schottischen Trappern.


    Von daher ist die Frage, was genau das Problem ist, wenn hier jemand ein Ritual unreflektiert übernimmt? Wen soll es warum genau stören, wenn hier jemand ein indisches Mantra murmelt?

    Wo ist da das Problem?


    Weil du ja der Verfechter eines modernen, säkularen Buddhismus bist, kommt man ja leicht zu der Vermutung du hättest eher eine Lösung ( asiatische Rituale und Kultur aufzugeben) die nach einem Problem verlangt.

  • mukti
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    • 10. November 2025 um 21:53
    • #3

    Es kann ja jeder annehmen was für ihn hilfreich ist und wenn es nicht mehr hilfreich ist, fallenlassen und etwas Anderes annehmen, mit dem er besser weiterkommt. Der buddhistische Weg ist ein Weg der Erfahrung, ein individuelles Experimentieren finde ich.

    Mit Metta, mukti.


  • void
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    • 10. November 2025 um 22:19
    • #4

    Ein anderer Punkt ist vielleicht "das Exotische". Das Exotische wird ja romantisch aufgeladen und verspricht etwas nicht profanes, nicht alltägliches.


    Buddhismus kann am Anfang den Reiz des Fremdartigen haben und kulturelle Elemente - "fremde Roben", "fremde Texte", "fremde Konzepte" können da beitragen. Im Bezug auf den "Mythos Tibet" gibt es das Buch "Prisoners of Shangri-La" dass die Geschichte des Aufeinandertreffens von bestimmten romantischen Sehnsüchten und der Realität des tibetischen Buddhismus nachzeichnet:

    University of Chicago Press:

    In der westlichen Vorstellung weckt Tibet Assoziationen von Exotik, Mystik und Wunderbarem: ein sagenumwobenes Land, fernab vom zermürbenden Ansturm der Moderne, spirituell ausgestattet mit allem, was der Westen verloren hat. Das 1998 erstmals erschienene Buch „Prisoners of Shangri-La” lieferte die erste Kulturgeschichte der seltsamen Begegnung zwischen dem tibetischen Buddhismus und dem Westen. Donald Lopez deckt hier fantasievolle Missverständnisse über das Leben und die Religion in Tibet auf. Er untersucht unter anderem die Politik des Begriffs „Lamaismus“, ein abwertendes Synonym für tibetischen Buddhismus, die verschiedenen theosophischen, psychedelischen und New-Age-Zwecke, denen das sogenannte „Tibetische Totenbuch“ dient, und die unerwartete Geschichte des berühmtesten aller tibetischen Mantras, „Om mani padme hum“. Diese Darstellungen Tibets sind mehr als nur Anomalien der Populärkultur, sondern oft in wissenschaftlichen Quellen verankert und bilden eine seltsame Verbindung zwischen Populärem und Akademischem, Fantasie und Fakten.


    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

    Aber natürlich funktioniert "das Exotische" nur so lange es fremd bleibt. Und bei langjährigen Praktizierenden wird das was zunächst Exotisch war zum Alltag.

  • Online
    pano
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    • 11. November 2025 um 00:01
    • #5

    Es gibt eben auch das Feld des ausbeuterischen. Als wenn kulturgüter einer Kultur kommerziell ausgebeutet werden (und dabei evtl. Auch misrepräsentiert werden). Und das Feld des aneignens, bei dem etwa afroamerikaner durch Kleiderordnungen an Schulen und in dienstleistungsberufen gehindert werden etwa Rastalocken / Dreadlocks zu tragen, dann aber die weiße priveligierte Boheme diese als Fashion Statement tragen kann. Oder es gibt das Feld, dass die aneignenden plötzlich die Deutungshoheit übernehmen.


    Der Begriff Aneignung ist ja nur eine mögliche Übersetzung von Engl. Appropriation. Passender wäre vielleicht „Inbesitznahme“. Denn nicht jeder kultureller Austausch ist problematisch, aber manche Inbesitznahme im Rahmen eines kulturellen „Machtgefälles“ evtl. schon.


    Und im Bereich Buddhismus würde ich schon sagen gibt es ähnliche eher negativ zu sehende „Inbesitznahmen“, neben harmlosen kulturellen Inspirationen. Wenn etwa selbsternannte Zen „Meister“ sich in japanische Tracht werfen und mit allerlei japanischer Deko ausgeschmückt ihren Schülerinnen und Schülern das Geld aus der Tasche ziehen, dann ist das zu unterscheiden von einer Zen Meditationsgruppe die als Ziel nicht den schnellen Geld erwerb hat.


    Der erhobene Zeigefinger gegenüber traditionellen Buddhisten läuft Gefahr zu dem „Deutungshoheit“ Phänomen zu führen das ich oben beschrieben habe. Das ist oft einfach auch eine Frage des Auftretens.


    am Ende ist’s auch einfach eine Frage des guten Benehmens. Du Buddha Statue nicht Ins Klo stellen, den asiatischen Buddhisten nicht belächeln wenn der nicht meditiert sondern anders praktiziert, gegenseitiger Respekt und nicht alles für ne schnelle Mark in Gewinnsucht „melken“.

  • Qualia
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    • 11. November 2025 um 10:24
    • #6

    Das kulturelle Aneignen hat auch einen Gegenpart: die kulturelle Erzwingung. Beispiel gefällig: Ein Islamist, der mich zwingen will, seine Kultur zu übernehmen, sei es durch Gewalt oder anderen Mitteln.

    Wenn es dafür eine Quelle gibt, bin ich es.

    Ansonsten gibt es unaufzählbar viele Quellen.

  • Christopher
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    • 11. November 2025 um 11:04
    • #7

    Ja, im Zen ist es ähnlich. Es ist oft eher so, dass die japanische Lehrer uns deren Kultur (mit-) aufzwingen, obwohl Zazen per se nichts damit zu tun hat. Ich persönlich mag die japanische Esthetik, aber man kann es ja auch lassen. Und die japanische Überheblichkeit sowieso :)

  • void
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    • 11. November 2025 um 14:24
    • #8
    Christopher:

    .Ich persönlich mag die japanische Esthetik, aber man kann es ja auch lassen. Und die japanische Überheblichkeit sowieso :)

    Viel von der Zen Ästhetik ist ja entstanden, weil man es möglichst langweilig und öd haben wollte, damit es nicht ablenkt


    Von daher mußte man - um dem gerecht zu werden - an einem möglichst langweiligen Ort meditieren. Vielleicht in Jogginghosen und T Shirt im Hinterzimmer einer Aldi Filiale.

  • mukti
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    • 12. November 2025 um 11:51
    • #9

    Es fragt sich auch, inwieweit man der Kultur, in der man aufgewachsen ist, verpflichtet ist. Oft ist es nur eine gefühlsmäßige Verbundenheit, ein Heimatgefühl, das andere Kulturen als fremd oder gar bedrohlich empfindet. Nun sind aber nicht alle Werte, welche die moderne westliche Kultur vermittelt, gut und heilsam. Wenn jemand stattdessen heilsame Werte und Praktiken aus einer asiatischen Kultur übernimmt, wäre es doch unvernünftig, ihm eine Pflichtverletzung oder Verrat an der Heimat vorzuwerfen. Vielmehr ist er seiner Pflicht als Mensch nachgekommen.


    Wenn darauf geachtet wird, ob eine Praxis Schaden anrichtet oder vermeidet, ist das wohl kein unreflektiertes Übernehmen. Sogar ein bloßer Glaube kann Schaden für sich selber und andere verhindern, indem er zu ethischem Verhalten führt. In diesem Sinn ist es wohl nicht unvernünftig, z.B. an einen Buddha im Himmel oder im eigenen Herzen zu glauben der Gier, Hass und Verwirrung vollkommen überwunden hat und ihn zur eigenen Läuterung rituell zu verehren.


    Der Begriff "irrational" hat sich als eine eher abwertende Bezeichnung für eine Verirrung des Verstandes eingebürgert. Da lassen sich auch Bestrebungen zuordnen, die auf die Beendigung aller Leiden abzielen, wenn das für unmöglich gehalten wird. Diesbezügliche Praktiken und Rituale, mangels Verfügbarkeit aus asiatischen Kulturen übernommen, rufen dann bestenfalls ein nachsichtiges Lächeln hervor - die brauchen das, um mit dem Leben zurechtzukommen. Der aufgeklärte Mensch hat das überwunden und vertraut einzig seinem Verstand, der alle Probleme lösen kann. Da stellt sich die Frage, ob diese Ansicht unreflektiert zu übernehmen ist, oder ob sie vielleicht gar nicht der Wirklichkeit entspricht.

    Mit Metta, mukti.


  • flaneur
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    Buddh. Richtung
    säkular-agnostisch
    • 12. November 2025 um 22:22
    • #10

    Aneignung heißt ja ganz wörtlich sich etwas zu eigen oder zum Eigentum zu machen. Da schwingt mit, man nehme es dem früheren Eigner weg. Zudem ist der Begriff negativ besetzt.

    All dies passt für mich nicht zum Prüfen einer buddhistischen Praxis eines anderen Kulturraums und zu deren Übernahme in die eigene Übung, wenn man sie für heilsam, hilfreich oder gut befindet.

    Ich hoffe, niemand übernimmt eine Praxis ohne eine solche Prüfung („unreflektiert“)… wenn doch läge eher darin das Problem als in der „Aneignung“.

Ausgabe №. 134: „Keine Angst vor der Angst"

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