Selbstbezogenheit - Die "Lust- und Qual-Spirale" des Um-sich-selbst-Drehens...
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Nun ist Schweigen im Walde, denn das Christentum infrage stellen ist auch in dem im Westen beheimatetes Buddhaland ungeschickt.
Das wäre möglich. Mir fallen aber tatsächlich mindestens 5 näherliegende Gründe ein, warum niemand das Bedürfnis hatte, auf deinen Post zu reagieren.
Liebe Grüße,
Aravind.
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Du wirst lachen, mir fallen viel mehr Gründe ein. Wer provoziert muss nicht nur damit rechnen ein Feuer zu entfachen, sondern auch ignoriert zu werden. Je nachdem, wie die Stimmungslage ist. Bin davon überzeugt, dass das Thema Jesus und Christentum im Buddhaland eine Provokation ist, eine ganz kleine, aber immerhin. In der Woche Buddhist bei Buddahland und am Sonntag in die katholische Kirche zum Gottesdienst.
Beginne schon seit Jahren keinen Thread mehr, so wichtig ist das nicht, habe den Rückzug zusammen mit dem Buddhismus erfahren.
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Wer provoziert....
Eine Frage, der man - gerade innerhalb des Thread-Themas - nachgehen könnte:
Warum verspürst du denn überhaupt das Bedürfnis, zu provozieren, lieber ewald ?
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Ein älterer Artikel, den ich kürzlich in der "Buddhismus Aktuell" las, motiviert mich dazu, neben der Untersuchung der individuellen Selbstbezogenheit, auch einen Blick auf die kollektive Selbstbezogenheit zu werfen.
Es handelt sich dabei sozusagen um eine erweiterte Form der Selbstbezogenheit ( die man vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hat), beschreibt der Zen-Priester (Pädagoge, Doktor der Philosophie, Schriftsteller) Brian Daizen Victoria:
Das Anhaften an einem kollektiven Ego......
Im Gegensatz zur individuellen Selbstbezogenheit, die sich auf das "eigene Ich" konzentriert, zeichnet sich die kollektive Selbstbezogenheit durch (oft übermäßige) Fokussierung auf die "eigene Gruppe" aus, z.B. die Nation, der man sich zugehörig fühlt, die Kirche, usw. ...
Nachfolgend einige Zitate aus dem Artikel:
(https://buddhismus-aktuell.de/onlineartikel/…von-buddhaland/)
ZitatIn einer kürzlich gehaltenen Vorlesung über den Krieg in der Ukraine stellte John Mearsheimer, ein Politikwissenschaftler an der Universität von Chicago, fest, dass der Nationalismus heute die vorherrschende Ideologie in der Welt ist.
Als ersten Schritt zur Untersuchung dieses Themas sollten wir uns vergewissern, dass wir alle eine gemeinsame Definition für den Begriff „Nationalismus“ haben. Laut Merriam-Webster ist Nationalismus:
ZitatLoyalität und Hingabe an eine Nation, insbesondere ein nationales Bewusstsein, das die eigene Nation über alle anderen erhebt und den Schwerpunkt auf die Förderung ihrer Kultur und Interessen im Gegensatz zu denen anderer Nationen oder supranationaler Gruppen legt.
Merriam-Webster
Danach schildert der Autor den Einsatz des Buddha Shakyamuni für Frieden, der nicht immer erfolgreich verlief...
ZitatErstens ist es klar, dass der Buddha nach seinem Erwachen eine aktive Rolle in den Angelegenheiten der Welt um ihn herum übernahm.
Obwohl er nicht immer erfolgreich war, hat er sich bemüht, den Ausbruch von Kriegen zu verhindern.
....und setzt dagegen:
ZitatWie viele Buddhist:innen wären trotz ihres Gelöbnisses, keinen Schaden anzurichten, bereit, die Zerstörung ihrer Heimat durch eine einmarschierende Armee zuzulassen, wenn sie in der Lage wären, dies zu verhindern?
Wie die weitere buddhistische Geschichte zeigt, gab es viele Buddhist:innen, sowohl Mönche als auch Laien, die Gewalt angewendet haben, um ihre Heimat zu verteidigen, wobei sie sich oft auf die buddhistischen Lehren beriefen, um ihr Handeln zu rechtfertigen.
ZitatAlles anzeigenAuf dem Weg zu einem tieferen Verständnis der „Nicht-Anhaftung“ an das Selbst
Ausgehend von den obigen Ausführungen behaupte ich, dass es in der gesamten buddhistischen Welt seit langem ein grundlegendes Missverständnis der „Selbstlosigkeit“ oder der Nichtanhaftung an das Selbst oder das Ego gibt und auch weiterhin geben wird, insbesondere in Bezug auf den Staat.
Der einzelne Anhänger, die einzelne Anhängerin des Buddhismus, ob Mönch oder Laie, identifiziert die Selbstlosigkeit des Individuums nur allzu leicht mit dem Staat, wie er im modernen Nationalismus verstanden wird.
Allzu viele, wenn nicht sogar die Mehrheit der Buddhisten glauben, dass sie die Anhaftung an das Selbst transzendiert (oder die Ichlosigkeit verwirklicht) haben, wenn sie ihren Glauben mit dem Staat identifizieren, ohne zu verstehen, dass der Staat in Wirklichkeit das kollektive Ego seiner Bürger darstellt.
Mit anderen Worten: Ist die Identifikation mit dem Staat ohne wesentliche Einschränkung nicht repräsentativ für die kollektive Selbstbezogenheit oder den Egoismus seiner Bürger?
Mit anderen Worten, sie haben nicht verstanden,
dass der Buddha mārga (Pfad) nicht nur die Überwindung der Anhaftung an das individuelle Ego erfordert, sondern
darüber hinaus auch die Nichtanhaftung an das kollektive Ego des eigenen Staates/der eigenen ethnischen Gruppe oder überhaupt an eine begrenzte Gruppe.
Wie seht IHR das?
ZitatErst kürzlich, am 18. Juli 2022, erklärte UN-Generalsekretär António Guterres den Ministern aus 40 Ländern, die sich zur Erörterung der Klimakrise trafen:
„Wir haben eine Wahl. Kollektives Handeln oder kollektiver Selbstmord.“
Selbst auf der Ebene des individuellen Eigeninteresses ist also klar, dass die Zusammenarbeit aller zum Wohle aller die einzige Möglichkeit für die Menschheit ist, auf diesem sich rasch erwärmenden Planeten mit begrenzten Ressourcen zu überleben, der immer noch unter der allgegenwärtigen Gefahr eines Atomkriegs und des möglichen Aussterbens der menschlichen Spezies lebt.
ZitatWenn man mich also fragen würde, ob ich es wirklich für möglich halte, dass Buddhist:innen die Führung bei der Ablehnung der Anhaftung an das kollektive Ego mit allem, was dies mit sich bringt, übernehmen können, müsste ich antworten: „Ich weiß es nicht.“
Jede und jeder, ob Buddhist:in oder nicht, die oder der versucht, sich für das Wohl aller fühlenden Wesen einzusetzen, wird unweigerlich als „unpatriotisch“ oder gar als „Verräter“ bezeichnet und behandelt, besonders in Kriegszeiten.
ZitatBodhisattvas, zumindest in der Mahayana-Tradition, erkennen von vornherein, dass ihre Gelübde unmöglich zu erfüllen sind.
Sie erkennen auch, oder sollten zumindest erkennen, dass, wenn Selbstaufopferung notwendig wird, diese so weit wie möglich
zum Wohle aller fühlenden Wesen erfolgen muss und nicht zum kollektiven Ego der eigenen Nation oder Gruppe.
Dennoch geloben Bodhisattvas, ihre Gelübde zu erfüllen. Mögen es noch viele, viele mehr sein, die das tun, nicht zuletzt, weil die Zukunft der Menschheit davon abhängen kann.
Quelle: https://buddhismus-aktuell.de/onlineartikel/…von-buddhaland/
Eure Meinung dazu?
Liebe Grüße, Anna
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Hi Ewald, mein Anliegen ist zwischen Organisation - z.B Katholizismus - und "Religionsstiftern", also Lehrern/Weisen zu unterscheiden.
Ich verteidige nicht die "Kirche", aber ich respektiere den Glauben Andersdenkender.
Monika
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Eure Meinung dazu?
Toller Artikel.
Eine sehr gute Auslegung und eine anschauliche Darstellung, dass keine Religion imstande ist, gesellschaftliche Strukturen zu verändern. Mehr noch: Die hohen Ideale wurden von den Herrschern dieser Welt immer wieder missbraucht und korrumpiert.
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Ich verteidige nicht die "Kirche", aber ich respektiere den Glauben Andersdenkender.
Monika
Das tue ich auch, der Glaube eines jeden Einzelnen ist heilig sozusagen. Aber ich akzeptiere nicht, wenn einer zu mir sagt, lass Deinen Glauben weg, nimm meinen an, nur so wirst Du selig werden.
Was provozieren angeht, das ist im Zen Teil der Lehre. Wenn es heißt: 'Falls Du Buddha triffst, töte ihn.' ist das eine reine Provokation und das ist gut so.
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Zen ist mir bekannt, aber auch da unterscheide ich - ist das noch die Lehre Buddhas oder ist das der Versuch, seine eigene Lehre zu basteln bzw. seine eigenen Unarten zu pflegen.
Alles Gute für Dich, Ewald
Monika
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Da hast Du völlig recht Monika, auch für mich gibt nicht das Schriftwerk störrig die Regel vor, das Werk hat noch nie von mir gehört und so fühle ich mich, als Zen Buddhist dazu verpflichtet, selber Regeln zu erkennen, die für mein Leben gültig sind. Ich habe das Glück im Kloster, in der Sangah auf Menschen zu treffen, die mich darum bitten, sie aufzunehmen und die Regeln mit ihnen zu teilen. Das ist mit, wenn Du Buddha trifft, töte ihn, gemeint, gehe selbstständig den Weg, entscheide selber und brauche keine Krücken wie das Schriftwerk, an dem Du anhaftest.
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Hallo, lieber ewald ,
hätte da noch einiges zu deinen Äußerungen zu fragen, bzw. anzumerken...
...der Glaube eines jeden Einzelnen ist heilig sozusagen.
Aber ich akzeptiere nicht, wenn einer zu mir sagt, lass Deinen Glauben weg, nimm meinen an, nur so wirst Du selig werden.
Heilig im Sinne von ehrwürdig, Respekt gebietend, "unantastbar"?
Die Nichtakzeptanz von (ungefragter, echter) "Missionierung" kann ich nachvollziehen, allerdings liegt bei dir in dieser Hinsicht wohl eine besondere Sensibiliät vor, weil offenbar schon das Argumentieren mit Hilfe/unter Verwendung von Suttas als "übergriffig" erlebt wird.
Andererseits hast du kein Problem damit, Andersdenkende zu "provozieren", dies dann mit der Rechtfertigung, es sei ja Teil ("deiner") (Zen-) Lehre...?!
Was provozieren angeht, das ist im Zen Teil der Lehre.
Entscheidend ist wohl - auch im Zen - die Absicht hinter der Provokation...
für mich gibt nicht das Schriftwerk störrig die Regel vor, das Werk hat noch nie von mir gehört.......
"Störrische" Vorgabe von Regeln konnte ich bisher noch nie im "Schriftwerk" feststellen....(eher bei "fühlenden Wesen"
)
Hältst du dich wirklich für so außergewöhnlich, dass weise Worte, die Millionen Menschen erreichen und heilsame Impulse geben, keinerlei Bedeutung für dich haben?
....und so fühle ich mich, als Zen Buddhist dazu verpflichtet, selber Regeln zu erkennen, die für mein Leben gültig sind.
Das tun doch letztlich alle Übenden auf dem Pfad, in irgendeiner Form - mal mehr, mal weniger.
Liest man z.B. die Suttas im Palikanon, heißt das ja nicht zwangsläufig, deren Aussagen wortwörtlich zu nehmen und immer 1:1 im eigenen Leben umzusetzen, sondern man prüft sie gründlich (unter Berücksichtigung der Umstände ihres Entstehens) am selbstgelebten Leben, sowie den daraus gezogenen Erfahrungen und bespricht sie mit "Verständigen" (z.B. dem Dharmalehrer).
Ich habe das Glück im Kloster, in der Sangah auf Menschen zu treffen, die mich darum bitten, sie aufzunehmen und die Regeln mit ihnen zu teilen.
Äh, "Deine" Regeln??
Das ist mit, wenn Du Buddha trifft, töte ihn, gemeint, gehe selbstständig den Weg, entscheide selber und brauche keine Krücken wie das Schriftwerk, an dem Du anhaftest.
"Krücken" /"geschickte Mittel" (Upaya kaushalya) nutzt man vernünftigerweise i.d.R., für eine gewisse Zeit - eben solange man sie benötigt - und lässt sie dann los...
(Regeln sind dementsprechend Hilfsmittel, nicht das Ziel.)
Anhaften kann man ja nicht nur an schriftlich dargelegten Lehren, Regeln, Riten, sondern vorwiegend auch an "eigenen" Identifikationen.
("Ich als Zen-Buddhist" / "mein" Leben" / die für "mich" passenden Regeln....).

Regeln könnte man als "Geländer am Weg" betrachten, die halten, bis das Gehen sicherer, freier wird und als Maßstab für ihre Anwendung dient die Untersuchung, ob ihre Einhaltung schlussendlich zu weniger Gier, Hass und Verblendung führt.
Liebe Grüße, Anna
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@Anna Panna-Sati, wie Es ist rührend wie Du den Text auseinander pflügst, darauf eingehen ist nicht notwendig. Mir kann man nicht das Gegenteil beweisen, ich bin von meiner Zen buddhistischen Haltung überzeugt, sie tut mir gut und gibt mir was ich brauche unabhängig von irgendeiner anonymen Mehrheit. Ich trage die Verantwortung. Gerade Buddha zeigt, wie es geht, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, nur so ist Erleuchtung möglich.
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Wie geht man mit (übermäßiger) Selbstbezogenheit Anderer um, wenn sie zu Verletzungen bei Dritten oder einem selbst führt?
- Sollte man die Kränkung oder Verletzung - möglichst neutral (emotionslos, ohne Beschuldigung) kommunizieren?
- Oder lieber schweigend hinnehmen und sich um den "Dritten", bzw. sich selbst kümmern?
- Oder beides?
Oder......?
Liebe Grüße, Anna
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Das mag sein, dass Buddhisten im Westen, die aus einer christlichen Tradition kommen, gerne an den Vorzügen einer monotheistischen Religion festhalten, aber erstens ist der Buddhismus keine Religion und zweitens nehme ich auf ursprünglich falsche Haltungen keine Rücksicht, Buddhas Lehre ist verbindlich im Buddhismus. Die Eigenverantwortung und das nicht anhaften stehen im Vordergrund, das ist das Wesentliche, egal welcher Glaube vorher eine Rolle spielte. Wer im buddhistischen Kloster leben will und meint, ich will aber am christlichen Gott festhalten, dann geht es eben nicht. Das ist überall so und wie ich finde aus verständlichen Gründen. Die Toleranz ist da, jeder kann sich einbringen, aber es kann im buddhistischen Rahmen nicht das Christliche dominieren, da ist ein neu lernen erforderlich.
Volle Zustimmung, entweder man folgt dem Erhabenen oder so wie hier:
ZitatDN29
… Wenn man, Cunda, solchen Anhängern Folgendes sagen würde: ‚Kommt, Ehrwürdige, ihr solltet euch so verhalten, wie euer Meister die Lehre dargelegt und erklärt hat.’ Wer jemanden veranlasst sich so zu verhalten und die so Veranlassten, wenn sie sich so verhalten, die erzeugen viel Negatives. Aus welchem Grund? Weil eben, Cunda, diese Lehre schlecht verkündet ist, schlecht dargelegt ist, nicht zum Ziel führt, nicht zur Ruhe, nicht von einem vollkommen Erwachten dargelegt ist.
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Genau, beziehe das nicht nur auf Buddha, sondern auch auf andere Therapeuten. Entweder ich führe einen Dialog und lerne oder ich lasse es besser ganz.
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