Wollte noch hierauf antworten
Alles anzeigenDas sehe ich auch so.
Mir fehlt hier im Buddhaland, etwas mehr über Sutren jenseits des Palikanons zu erfahren. Wo zum Beispiel ist der Unterschied zwischen dem japanischen und dem chinesischen Kanon? Was steht im tibetischen Kanon? Gibt es noch andere buddhistische Kanons?
Wären diese Sutren so unbedeutend gewesen, wären wahrscheinlich nicht so große buddhistische Richtungen entstanden. Oder sehe ich da was falsch?
Gibt es irgendwo ein verständliches Buch, dass die Unterschiede herausarbeitet?
Die Antwort von mir ist jetzt leider ein bisschen wie stream-of-consciousness-writing. Deutet vielleicht darauf hin das meine Gedanken noch nicht so sortiert sind.
Ich denke dafür gibts verschiedene Gründe und ein Grund ist ganz salopp: die Mahayana-Literatur scheint allgemein stiefmütterlich behandelt zu werden im Westen. Die Sutren liegen oft nicht übersetzt vor (schon garnicht auf Deutsch) und wenn sie übersetzt wurden verstauben die Übersetzungen in Bibliotheken.
Die Gassenhauer (Lotos-Sutra, Diamant-Sutra, Herz-Sutra) gibts natürlich auch auf Deutsch. Prajnaparamita-Sutra gibts hier eine Übersicht an Übersetzungen https://en.wikipedia.org/wiki/Prajnapar…sh_translations
Dann gibt es aber eine rechte Fülle an Sutras wie etwa die Avatamsaka-Sutra plus Kommentarlieteratur die kaum erschlossen zu sein scheint. Ein zugehöriger einflussreicher Kommentar von Fa-Tsang ist glaube ich nicht mal auf englisch erhältlich. Das soll nur mal als Beispiel dienen.
Śantidevas Bodhicaryāvatāra hab ich mal versucht aufzutreiben. Fündig wurde ich bei Triratna https://www.triratna-buddhismus.de/fileadmin/user…caryavatara.pdf (Triratna wiederum wäre keine Sangha die ich besuchen würde). Die Bodhicaryāvatāra wird im chinesischen Zweig des Buddhismus wenig bis garnicht rezipiert, entsprechend nur eingeschränkte Quellen.
Überhaupt erfolgt der Zugang zu entsprechender Sutra-Literatur oft über die Kurrikula von traditionellen Mahayana oder Vajrayana Gruppen. Entsprechend folgt das dann eben den chinesischen oder tibetischen Übersetzungstraditionen. Die indische Madyamaka Tradition scheint in Tibet noch gut tradiert zu sein, Avatamsaka über die chinesischen Zweige (aber in Japan nicht mehr so), etc.
Für einen groben ersten Überblick fand ich die Bücher von TNH dann doch ganz hilfreich.
Aber das fehlende "Angebot" an Übersetzungen und Kommentaren fand ich dann doch erstaunlich. Andererseits kann ichs auch nachvollziehen. Ein westlicher, am Theravada interessierter, etwa ein Mönch, der kann Pali studieren und Pali Texte übersetzen. Bei einer Mahayana Sutra braucht es für eine kritische Übersetzung oft eine vergleichende Übersetzung aus mehreren Quellsprachen (Tibetisch, Sanskrit, Mittel- oder altchinesisch [das dann teilw. noch in gereimten Versen], ggf. japanisch). Manche Passagen sind nur in manchen Übersetzungen enthalten. Ein großes durcheinander.
Andererseits sind viele Mahayana-Sutras halt auch sehr eigene Texte. Manchmal muss man sich erst durch Absätze voller Schleimereien wälzen "Ein Sohn aus gutem Hause ....". Für einen Menschen aus dem westen des 21. Jahrhunderts sind das schon Einstiegshürden. Dass sie nicht breiter gelesen werden hat vielleicht auch solche Gründe.