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Die Vergänglichkeit erkennen

  • mukti
  • 14. Mai 2021 um 10:00
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  • mukti
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    • 14. Mai 2021 um 10:00
    • #1

    Im Palikanon gibt es am Ende mancher Lehrrede den Satz: "Da ging dem .... die unbefleckte, reine Schau der Wahrheit auf: Was irgend auch entstanden ist, muss alles wieder untergehn". Das muss eine besondere, essentielle Erkenntnis sein, denn durch sie sind einige lebenslang Laienanhänger geworden, andere haben den Stromeintritt oder noch mehr erreicht.

    Es lässt sich ja auch wirklich erfahren, dass das Erinnern an die Vergänglichkeit viel Leid erspart. Etwa wenn man in einem Gespräch oder auch in einer Forumsdiskussion beleidigt wird, da möchte man vielleicht im ersten Moment zurückschlagen und so kann leicht ein langer, unangenehmer Streit entstehen. Dann ist man vielleicht noch lange Zeit danach böse auf die betreffende Person, denkt mit Groll oder Verachtung an sie oder möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben, als würde sie gar nicht existieren. Wenn Äußerungen oder Handlungen untolerierbar erscheinen können Kriege entstehen. Irgendwo hab ich mal gelesen dass die thailändische Regierung den englischen Kolonialisten einen Teil des Landes überlassen hat. Vielleicht haben sie aufgrund ihrer buddhistischen Bildung gedacht dass es sich nicht lohnt um vergängliche Dinge, die doch im Grunde niemandem gehören, einen grausamen Krieg zu führen.

    Oft gibt es im Alltag Gelegenheit zum innehalten und die Vergänglichkeit ins Bewusstsein rufen. Wenn aus irgendwelchen Gründen unangenehme oder quälende Gefühle auftauchen, muss man sie nicht ergreifen und kann innerlich auch das loslassen, wodurch sie entstanden sind. Alle Sinnesobjekte und Begebenheiten entstehen und vergehen wieder und Gefühle vergehen umso schneller, je weniger man sich an sie hängt. Man erlebt dann wie sich Geist und Körper entspannen, Frieden und eine Empfindung von Freiheit einkehrt. Es ist eine einfache Übung ohne intellektuelle Anstrengung die zu einer heilsamen Gewohnheit werden kann. So dass man sich auch bei angenehmen Gefühlen und beglückenden Ereignissen nicht in einen Rauschzustand hineinsteigert, weil man weiß dass auch das wieder vergehen muss und eine Ernüchterung oder Enttäuschung darauf folgen wird.

    Sollte das nicht irgendwann zu stets vernünftigem Handeln, zu Losgelöstheit von der Welt, von Begehren und Hassen, von fixen Vorstellungen des Ich und mein, zur Freiheit von dukkha führen? Was meint ihr, ob ihr dem Theravada oder einer anderen Richtung zugewandt seid, oder keiner bestimmten Richtung: ist das Bewusstwerden über die Vergänglichkeit nicht ein überaus heilsamer Ansatz zur Lehre des Buddha? Was ist weiters noch nötig oder förderlich zur Erkenntnis dass alles fließt und nichts Bestand hat? Wäre nicht alles getan, würde man nur diese eine Tatsache vollends durchschauen?

    Mit Metta, mukti.


  • Aravind
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    • 14. Mai 2021 um 10:36
    • #2

    Ich würde Dir direkt auf Basis Deiner Worte widersprechen, in Bezug auf "erkennen von Vergänglichkeit führt zu vernünftigen Handeln".

    Wenn ich nicht ergreife, dann ist die Vergänglichkeit egal. Wenn ich Dhukka nicht überwinden will, ist das Ergreifen egal.

    Ich finde, dass das zusammengehört.

    Dhukka überwinden wollen.

    Sehen, dass das mit Ergreifen zu tun hat,

    von Erscheinungen, die vergänglich sind.

    Was nützt es mir, wenn ich erkenne, dass das Leben meiner Lieben vergänglich ist, wenn mein Wunsch nach Überwindung von Dhukka nicht größer ist, als der Vorteil der Anhaftung an sie.

    Dazu kommt der zeitliche Aspekt. Fast jede und jeder ist bereit, für momentane Freuden mögliches Leiden in der Zukunft in Kauf zu nehmen.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Xyz
    Gast
    • 14. Mai 2021 um 10:50
    • #3

    Vergänglich ist ja ein erleben in mir.

    So kenne ich auf dem Weg zu verinnerlichten Erlebnissen von Vergänglich auch die naheliegende Verdrängung sehr gut.

    Ein Zustand der vom Geist mit eigentlicher Vergänglichkeit gerne verwechselt wird.

    Später mal mehr...._()_

  • mukti
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    • 14. Mai 2021 um 11:24
    • #4
    Aravind:

    Was nützt es mir, wenn ich erkenne, dass das Leben meiner Lieben vergänglich ist, wenn mein Wunsch nach Überwindung von Dhukka nicht größer ist, als der Vorteil der Anhaftung an sie.

    Dazu kommt der zeitliche Aspekt. Fast jede und jeder ist bereit, für momentane Freuden mögliches Leiden in der Zukunft in Kauf zu nehmen.

    Dass einem Vergängliches lieber ist als Freiheit von Dukkha ist wegen der Verblendung denke ich. Zeitweilige Freuden können wir direkt erleben, Freiheit von Dukkha nicht, die scheint weit weg und schwierig zu erreichen. Angenommen man hätte Leidfreiheit bzw. Nibbana erreicht, dann würde man keine zeitweilige Freude dagegen eintauschen wollen. Wir greifen auf die heiße Herdplatte weil wir nicht erkennen können dass wir uns dabei verbrennen werden. Dieses Unwissen ist sehr stark und sehr tief verwurzelt.

    Aber ein bisschen was lässt sich schon mal erfahren, einiges an Dukkha vermeiden, wenn es auch noch nicht die ganz großen Brocken der Anhaftung sind. Weil das doch nachvollziehbar und die Erfahrung real ist macht es ja Sinn zu üben, über die Daseinsmerkmale Dukkha, Anicca und Anatta nachzudenken und zu kontemplieren, über den Weg der Befreiung zu hören und zu lesen, Achtsamkeit und Meditation zu üben, wie lange der Weg auch sein mag.

    Mit Metta, mukti.


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    • 14. Mai 2021 um 11:45
    • #5
    mukti:

    Wäre nicht alles getan, würde man nur diese eine Tatsache vollends durchschauen?

    Eben darum geht es: vollends durchschauen.

    Aravind:

    Was nützt es mir, wenn ich erkenne, dass das Leben meiner Lieben vergänglich ist, wenn mein Wunsch nach Überwindung von Dhukka nicht größer ist, als der Vorteil der Anhaftung an sie.

    Dazu kommt der zeitliche Aspekt. Fast jede und jeder ist bereit, für momentane Freuden mögliches Leiden in der Zukunft in Kauf zu nehmen.

    Die Einsicht in die Lehre führt dahin, ob ich will oder nicht, wenn ich sie ernsthaft praktiziere.

    Wenn nicht, ist es doch eh egal. Dann brauchen wir auch nicht zu diskutieren. Jede/r nach seine/ihrer Fasson.

    _()_

  • Aravind
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    • 14. Mai 2021 um 11:59
    • #6
    mukti:

    Dass einem Vergängliches lieber ist als Freiheit von Dukkha ist wegen der Verblendung denke ich. Zeitweilige Freuden können wir direkt erleben, Freiheit von Dukkha nicht, die scheint weit weg und schwierig zu erreichen. Angenommen man hätte Leidfreiheit bzw. Nibbana erreicht, dann würde man keine zeitweilige Freude dagegen eintauschen wollen. Wir greifen auf die heiße Herdplatte weil wir nicht erkennen können dass wir uns dabei verbrennen werden. Dieses Unwissen ist sehr stark und sehr tief verwurzelt.

    Aber ein bisschen was lässt sich schon mal erfahren, einiges an Dukkha vermeiden, wenn es auch noch nicht die ganz großen Brocken der Anhaftung sind. Weil das doch nachvollziehbar und die Erfahrung real ist macht es ja Sinn zu üben, über die Daseinsmerkmale Dukkha, Anicca und Anatta nachzudenken und zu kontemplieren, über den Weg der Befreiung zu hören und zu lesen, Achtsamkeit und Meditation zu üben, wie lange der Weg auch sein mag.

    Im allgemeinen widerspreche ich Dir da nicht, aber mir ist wichtig, dass die Überwindung von Dhukka nicht nur an Verblendung scheitern kann, sondern auch auf Entscheidungen beruht.

    Mir ist das Dhukka-Potential voll bewusst, aber ich will die romantische Beziehung zu meiner Frau nicht aufgeben, und auch die Bindung an meine Kinder nicht überwinden, obwohl alle vergänglich sind, und zu Dhukka führen werden.

    Schon deshalb gibt es die Hauslosigkeit. Dann hat man solche Entscheidungen allgemein getroffen.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • mukti
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    • 14. Mai 2021 um 12:19
    • #7
    Aravind:

    Im allgemeinen widerspreche ich Dir da nicht, aber mir ist wichtig, dass die Überwindung von Dhukka nicht nur an Verblendung scheitern kann, sondern auch auf Entscheidungen beruht.

    Mir ist das Dhukka-Potential voll bewusst, aber ich will die romantische Beziehung zu meiner Frau nicht aufgeben, und auch die Bindung an meine Kinder nicht überwinden, obwohl alle vergänglich sind, und zu Dhukka führen werden.

    Schon deshalb gibt es die Hauslosigkeit. Dann hat man solche Entscheidungen allgemein getroffen.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Die Entscheidungen trifft man wohl je nach Verblendung oder Unverblendung. Ich habe keine romantischen Bindungen oder Kinder, aber bei vielen Gelegenheiten habe ich mich für zeitweiliges Glück entschieden und tue es immer noch. Man könnte sagen ich will es anders, aber kann es nicht, es gibt Hindernisse. So ist das eben, die Hindernisse lassen sich nicht so schnell überwinden, ich akzeptiere das mittlerweile und bleibe einfach dran am Weg so gut es geht. Es ist für mich nicht mehr eine Entscheidung entweder die Welt oder Nibbana, vielmehr ein allmähliches Weiterkommen, manchmal scheint es sehr langsam, manchmal schneller, jedenfalls stimmt die Richtung, das ist das Wichtigste.

    Mit Metta, mukti.


  • mukti
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    • 14. Mai 2021 um 12:35
    • #8
    Monikadie4.:
    mukti:

    Wäre nicht alles getan, würde man nur diese eine Tatsache vollends durchschauen?

    Eben darum geht es: vollends durchschauen.

    Es ist schon seltsam dass so etwas offensichtliches wie die Vergänglichkeit so schwer vollends zu durchschauen ist. Das wäre ja auch zugleich das vollständige Erwachen. Irgendwie ist man wie in Träume versunken, als wäre da eine Macht gegen die man nichts machen kann. Nicht immer, manchmal ist es klarer und letztlich hängt alles von der eigenen Anstrengung ab. Das Erleben von dukkha ist der Antrieb schlechthin, gäbe es nur Glück und Freude, gäbe es keinen Grund für Befreiung. Deshalb heißt es auch dass die Götter kein Interesse an Befreiung haben bis das gute kamma aufgebraucht ist. Bei den Menschen ist das im Prinzip nicht anders.

    Mit Metta, mukti.


  • Monikamarie
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    • 14. Mai 2021 um 15:12
    • #9
    Aravind:

    Mir ist das Dhukka-Potential voll bewusst, aber ich will die romantische Beziehung zu meiner Frau nicht aufgeben, und auch die Bindung an meine Kinder nicht überwinden, obwohl alle vergänglich sind, und zu Dhukka führen werden.

    Hallo Aravind,

    das ist für mich aber keine Verblendung, sondern bewusste Entscheidung. Und die mache ich auch. Mir ist klar, dass die Beziehung mit meinem Mann früher oder später im Tod endet, schwere Erkrankungen hatten wir schon. Mein kleines Büchlein "unsere wirkliche Heimat" von Ajahn Chah ist u.a. sehr hilfreich, uns darauf vorzubereiten.

    Ganz im Gegenteil, ich schotte mich nicht ab vor den möglichen Leiden. Und ich sehe das Überwinden der Leiden auch nicht durch das totale Umgehen leidensvoller Möglichkeiten. Der Buddha und seine Schüler lebten im Wald, in dem es Schlangen und Tiger gibt, sie gingen auf Almosengang, ohne zu wissen, ob es etwas zu futtern gibt usw.

    Leiden ist für mich vorallem eine geistige Sicht des Leidens. Ich leide, wenn ich mir etwas anders vorgestellt habe.

    Beispielsweise bekomme ich einen Bonus für gute Arbeit von 200 Euro und freue mich, meine Kollegin aber bekommt 300 Euro, schon ist die Freude dahin.

    Allein das ist wiederum eine gute Möglichkeit, mich im Loslassen von Leiden zu üben. Jeder Moment schafft neue Freuden oder Leiden - und wenn es nur ein gutes Essen oder umgekehrt Langeweile ist. Dazu brauche ich nicht meine Familie zu verlassen. Ich werde auch im Waldkloster nicht frei von Leiden, wenn ich sie nicht im Geiste erkenne und zurückweisen kann.

    _()_

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    • 14. Mai 2021 um 15:13
    • #10
    mukti:

    Das Erleben von dukkha ist der Antrieb schlechthin, gäbe es nur Glück und Freude, gäbe es keinen Grund für Befreiung. Deshalb heißt es auch dass die Götter kein Interesse an Befreiung haben bis das gute kamma aufgebraucht ist. Bei den Menschen ist das im Prinzip nicht anders.

    Eben :like::)

  • Phoenix
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    • 14. Mai 2021 um 15:23
    • #11

    Vergänglichkeit hat sehr viele Fassenten. Es ist zwar schon gut sich zu vergegenwärtigen ,das die Dinge sich ständig verändern, aber wir müssen aufpassen , das wir zu feste materialisitische Vorstellungen nicht gegen Nihilistische eintauschen.

    Eigentliche reicht es vollkommen aus erstmal darüber nachzu denken ,das auf einen Morgen ein Abend und wieder ein Morgen folgt.

    Und das auch die Buddhas irgendwie vergänglich sind, darüber denke ich dann später einmal nach.;)

    _()_

  • Helmut
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    • 14. Mai 2021 um 16:18
    • #12

    Ein Problem beim Erfassen der Vergänglichkeit ist ja, dass sie nicht unserem Sinnesbewusstein erscheint. Wir können sie nicht mit den Augen wahrnehmen. Sie ist ein Konzept unseres begrifflichen Denkens, das aber der Realität entspricht.

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Monikamarie
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    • 14. Mai 2021 um 16:23
    • #13
    Monikadie4.:

    das ist für mich aber keine Verblendung, sondern bewusste Entscheidung. Und die mache ich auch. Mir ist klar, dass die Beziehung mit meinem Mann früher oder später im Tod endet, schwere Erkrankungen hatten wir schon.

    Aravind, mir ist dazu noch was eingefallen.

    Im Gegensatz zu meinem Mann. Mein Mann glaubt an nix und denkt auch nicht über den Sinn oder Tod nach. Für ihn ist das eben so wie es ist. Deshalb hat es auch keine Konsequenzen für ihn. Er lebt einfach - sozusagen unwissend in Verblendung. Das ist für mich in Ordnung.

    Für mich hat das Wissen über die Vergänglichkeit und die Ursache von Leiden aber Konsequenzen. Dieses Wissen führt dazu, dass ich mich so bewusst wie möglich an den achtfachen Pfad halte, dass ich so gut wie möglich meine Hindernisse ausräume. Nicht weil ich mich vor dem Tod fürchte, sondern weil ich erkannt habe, dass diese Befreiung sich lohnt - und zwar bevor ich gestorben bin. Und das nicht nur für mich, sondern auch für alle meine Mitmenschen.

    Dass mir das nicht immer gelingt, ist klar. Aber verblendet würde ich es nennen, wenn ich mir dessen nicht bewusst bin und mich für "gut" halte.

    _()_

  • Aravind
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    • 14. Mai 2021 um 18:45
    • #14

    Genau, @Monikadie4. , das ist es, was ich geschrieben habe ;)


    [lz]

    Im allgemeinen widerspreche ich Dir da nicht, aber mir ist wichtig, dass die Überwindung von Dhukka nicht nur an Verblendung scheitern kann, sondern auch auf Entscheidungen beruht.


    [/lz]

  • Noreply
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    • 14. Mai 2021 um 18:53
    • #15

    Vergänglichkeit erkennen ist nicht das Problem. Das macht man andauernd. Aber das durschauen der Illusion das Vergänglichkeit nicht Dukkha ist, ist das Problem.

  • Monikamarie
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    • 14. Mai 2021 um 18:57
    • #16
    Aravind:

    Genau, @Monikadie4. , das ist es, was ich geschrieben habe ;)

    [lz]

    Im allgemeinen widerspreche ich Dir da nicht, aber mir ist wichtig, dass die Überwindung von Dhukka nicht nur an Verblendung scheitern kann, sondern auch auf Entscheidungen beruht.

    [/lz]

    Da hab ich wohl nicht richtig geschaltet :erleichtert:

  • TinyNight13076
    Gast
    • 14. Mai 2021 um 19:18
    • #17

    Die Vergänglichkeit erkennen ist die eine Sache...

    Die Vergänglichkeit annehmen und akzeptieren ist die andere Sache.

    Ich wusste schon mit 10 Jahren, dass alles vergänglich war.

    Aber das mit dem akzeptieren kam erst viel später.

    Mir ist aufgefallen, dass ich sehr lange eine Art von Hoffnung hatte, dass alles gut ausgeht, oder sogar besser wird. Vielleicht kennt das der eine oder andere von euch auch.

    Aber in Wirklichkeit wird nichts wieder gut.

    Ich kann das Rad nicht anhalten und je mehr ich an der Welt festhalte, desto mehr reißt es mich mit.

    Die ersten Schritte richtung Freiheit machte ich nicht durch die Kontemplation der Vergänglichkeit.

    Anatta war mein Türöffner.

    Speziell in der Meditation war das Wissen über die Vergänglichkeit, das live erleben eine große Hilfe für mich.

    Was passiert, wenn ich scheinbar unvorstellbare Schmerzen eine Zeit lang beobachte, mit liebender Güte besänftige?

    Zerbricht mein Körper?

    Nein. Manchmal ist durch das akzeptieren der Schmerz verschwunden. Ich konnte noch eine Stunde sitzen und der Schmerz war nichts anderes, wie zwei babykatzen die spielen und randalieren für mich.

    Auf dieser Ebene konnte Geduld und ein wenig Gleichmut entstehen und wachsen. Dinge die ich für die große Schlacht gegen meine Dummheit dringend gebraucht hatte

    Aber erst durch das ständige beobachten und suchen nach dem Selbst, fand ich Frieden.

    So sehe ich die Sache.

    Mögen wir alle Frieden finden!

    Einmal editiert, zuletzt von TinyNight13076 (14. Mai 2021 um 20:00)

  • Monikamarie
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    • 14. Mai 2021 um 19:54
    • #18
    Martin1980:

    Was passiert, wenn ich scheinbar unvorstellbaren Schmerzen eine Zeit lang beobachte, mit liebender Güte besänftige?

    Zerbricht mein Körper?

    Nein. Manchmal ist durch das akzeptieren der Schmerz verschwunden. Ich konnte noch eine Stunde sitzen und der Schmerz war nichts anderes, wie zwei babykatzen die spielen und randalieren für mich.

    Danke Martin.

    Das erinnert mich an die Geburt meiner Tochter vor fast 50 Jahren. Es liegt vermutlich auch daran, dass ich ein gutes Vorstellungsvermögen habe, aber für mich war die Geburt nicht so schlimm wie für die anderen Frauen in der Klinik. Ich habe sie ganz im Gegenteil sehr bewusst und durch die richtige Atmung entsprechend erträglich erlebt. Es wurden die Hebammen dazugerufen, weil sie meinten, das sei eine Bilderbuchgeburt. Der Arzt, der mich nähen musste, sagte: "Sie sind also die Frau, die bei der Geburt lacht."

    Vielleicht ist es einfach auch ein gewisses Talent, eine Vorbedingung, denn auch ich habe mich und alles Mögliche bereits seit der Kindheit beobachtet. Jedenfalls eine gute Voraussetzung, um die Lehre zu verstehen und umzusetzen. Jedenfalls ein großer Grund, dankbar zu sein.

    _()_

  • mukti
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    • 14. Mai 2021 um 21:04
    • #19
    Martin1980:

    Aber erst durch das ständige beobachten und suchen nach dem Selbst, fand ich Frieden.

    Anatta ist für mich auch ein ganz großes Thema, es hängt ja auch eng mit Anicca zusammen. "Von etwas das vergänglich ist kann man nicht sagen dass es mein Selbst ist", sagt der Buddha in einigen Lehrreden, und wenn etwas ein Selbst oder Ich wäre könnte man bestimmen dass es sich nicht verändern soll. Das geht aber nicht, was wir zu sein glauben entgleitet uns und wir können es nicht aufhalten.

    Mit Metta, mukti.


  • mukti
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    • 15. Mai 2021 um 10:57
    • #20

    Danke für die Beiträge, I like them all.

    Und wie ist das mit dem "Hier und Jetzt"? Einerseits scheint es das gar nicht zu geben, was genau jetzt ist, ist im nächsten Moment Vergangenheit. Andererseits, würde man nichts im Fluss der Ereignisse anhalten wollen, wäre es immer jetzt, wo alles passiert. Aber dass etwas passiert ist an die Wahrnehmung gebunden, wenn nichts da wäre gäbe es auch kein Jetzt wo etwas erscheint, demnach wäre es nicht außerhalb der Zeit und ebenfalls dem Entstehen und Vergehen unterworfen.

    Am Ehesten ist dieser Hinweis auf "Hier und Jetzt" wohl ein Hilfsmittel zu meditativer Achtsamkeit. In der Art dass man nichts draus machen muss aus dem was jetzt passiert. Hören ist hören, Sehen ist sehen usw., man hängt sich nicht dran, es ist immer dasselbe bewusst sein über Phänomene, ruhig wie das windstille Auge in einem Wirbelsturm.

    Mit Metta, mukti.


  • Xyz
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    • 15. Mai 2021 um 11:04
    • #21

    Verdrängung/Vergänglichkeit

    Auf dem Weg die Vergänglichkeit tatsächlich innerlich zu erleben ging auch bei mir oftmals ein Verdrängen der Gedanken, der Gefühle voraus.

    Situationen, Dinge die schwer zu ertragen, zu tragen, zu überwinden sind als Ursache. Die dann durch emotionale Wellen begleitet ein auslösen

    der `Krücke` (Ayyas Worte) Verdrängung geradezu als Anker herbeiführen um darin in dieser überschütteten Fülle anzuhalten bzw.

    innehalten zu können bis Situationen irgendwann Vergangenheit und damit zur erlebten Vergänglichkeit wurden.

    Ein erster positiver Schritt um nicht vollständig in den ursächlichen Wellen zu ertrinken.

    Im Positiven, im Negativen der Dualität bedingt ausgelöst.

    Momente der Verdrängung, bewusst oder unbewusst, sind ein innerliches Ruheerlebnis. Jedoch durch ein Handeln ausgelöst.

    Durch die Aktivität es nicht haben zu wollen oder anders haben zu wollen.

    Wünsche, Hoffnungen, Träume oder bewusste Gedanken um dies, das, jenes irgendwann (ruhig) zu erleben

    ebenso als Handlung, Aktivität unseres Bewusstseins.

    Als Reaktion.

    Vergänglichkeit ist erleben. Weder Aktiv noch unbewusst.

    Vergänglichkeit erleben ist Ursächlich.

    Ist.:rose:

    In Metta_()_

  • mukti
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    • 16. Mai 2021 um 12:44
    • #22

    Wenn quälende Gefühle auftauchen, etwa durch Sinneswahrnehmungen, körperlichen Schmerz oder durch Gedankentätigkeit, ist es eine natürliche Reaktion ihnen zu entkommen. Wenn man z.B. etwas Scheußliches sieht schaut man weg, wenn es irgendwo zu laut ist geht man woanders hin, wenn Erinnerungen an schmerzliche Ereignisse auftauchen verdrängt man sie. Als Kind wurde ich mal ohne Vollnarkose operiert, da war ein Arzt dabei der mich gefragt hat was ich zu Weihnachten bekommen habe, er wollte mich ablenken mittels 'denk an was Schönes'.

    Das alles verschiebt das grundsätzliche Problem des schmerzlichen Empfindens aber löst es nicht, es taucht bei entsprechenden Anlässen immer wieder auf und manchmal gibt es kein Entkommen und es hilft keine Ablenkung weil es zu stark ist oder zu lange dauert. Oder wenn man im Sterben liegt, dann ist es endgültig und unumkehrbar, alles Schöne und Angenehme geht unwiederbringlich verloren. Dukkha gehört zum Leben dazu und lässt sich nicht einfach ausklammern, das ist wohl die Einsicht in die erste edle Wahrheit und so offensichtlich wie sie erscheint ist sie eigentlich gar nicht.

    Die Wesen sind in einem Kampf gegen Dukkha oder sind vor Dukkha auf der Flucht und versuchen sich auf die angenehme Seite zu retten durch ein schützendes Heim, gutes Essen, Vorkehrungen für Notfälle und Freuden aller Art, aber das hat alles keinen Bestand. Die Mauern die wir gegen das Leid errichten halten nicht, im Grunde sind sie sogar die Ursache von Dukkha und das ist die zweite edle Wahrheit.

    Die Einsicht dass Dukkha durch Bekämpfen nicht besiegt werden kann und dass es keine Sicherheit gibt lässt es schließlich akzeptieren: Dukkha ist da und je mehr ich begehre und hasse desto mehr verstricke ich mich darin. Wenn ich damit aufhöre entsteht auch kein Dukkha mehr, die dritte edle Wahrheit. Die Gebrauchsanleitung zum Verlöschen von Begehren und Hass, der Weg von der Verblendung zum Erwachen ist die vierte edle Wahrheit.

    Wie erlebe ich das? Z.B. fühle ich Missmut oder Langeweile oder Unruhe, erfahre also irgendeinen unerwünschten Bewusstseinszustand, da greife ich zu einer naheliegenden Ablenkung, etwa Otto Waalkes auf youtube anschauen. Oder ich lasse das Unangenehme das sich im Geist abspielt zu, laufe nicht davon und schaue genau hin: Ich nehme das wahr, also bin ich es nicht. Es gehört mir auch nicht, will es gar nicht haben. Es ist einfach da, nicht damit ich es beurteilen kann oder um mich zu beschäftigen. Ich lasse es los, ergreife es nicht und es ergreift mich nicht mehr, Entspannung und Freiheit tritt an seine Stelle. Im Idealfall, wenn ich gerade gut drauf bin, wenn Bewusstheit, Erinnerung, genug Sati präsent ist im Geist. Doch die Erfahrung hat Wahrheiten der Lehre bestätigt, ein bisschen was, aber das Prinzip ist immer und überall gültig. Auch wenn ich es nicht konsequent befolge und gerne Otto Waalkes anschaue, was zu sprechen von all den anderen Ablenkungen die ich oft bevorzuge. Aber das wird schon, dranbleiben ist alles.

    Mit Metta, mukti.


  • Xyz
    Gast
    • 17. Mai 2021 um 05:42
    • #23

    Das erkennen von Dukkha ist die erste der vier edlen Wahrheiten.

    Ein Merkmal von Dukkha sind die fünf Daseinsgruppen der Anhaftung.

    Eine davon ist die Form- Daseinsgruppe.Sie besteht aus den vier Elementen.

    Diese als Nicht-Selbst zu erkennen ist das Aufhören von Dukkha.

    Deren bedingtes Entstehen zu sehen setzt er mit dem Sehen des Dhamma gleich.

    Das daraus resultierende Ende der Anhaftung ist das Ende von Dukkha.


    erklärt Sariputta in der längeren Lehrrede der Elefantenspur.

    ( Majjhima Nijaya 28)

    In Metta🙏

  • gabi.voelkel
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    • 22. Mai 2021 um 12:13
    • #24

    Dukkha hängt auch viel mit unserem Durst - Tanha zusammen:

    also Durst nach Sinnenswahrnehmungen

    Durst nach Dasein bhavatanha

    Durst nach Nicht sein vibhavatanha

    habe das gestern bei einem Seminar von Alfred Weil über Dukkha gehört !

    "Das bin ich nicht, das gehört mir nicht, das hat für mich kein Selbst"

  • Monikamarie
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    • 22. Mai 2021 um 16:13
    • #25

    Hallo Gabi,

    mich irritiert Dein Beitrag ein bisschen. Du bist seit 2008 hier und hast noch nie etwas über den Daseins-Durst gelesen?

    Dieser ist laut Buddha der Grund für die Wiedergeburt bzw. Geburt überhaupt.

    Also Durst ist hier gleichzusetzen mit Verblendung, weil die Anhaftung und das Ergreifen nicht als Ursache für das Leiden erkannt werden. Und das geht jeden Tag, an dem wir erwachen, von neuem los. Wir leiden, weil wir etwas wollen, uns nach etwas sehnen, etwas fühlen wollen, erleben wollen ...

    Ist der Hunger gestillt, ist das Interesse daran vorbei. Erstmal. Verblendung wäre zu glauben, dass wir dann keinen Lebenshunger oder Daseinsdurst mehr haben ... Tatsache ist aber, dieser Durst wird nie durch diese Welt gestillt.

    Nur durch Erkennen und Loslassen.

    Für mich kommt das immer wieder zum Ausdruck, wenn mich z.B. jemand fragt "was machst Du denn Schönes über Pfingsten?"

    Tja, was soll ich Schöneres machen als das, was ich immer mache? Mich interessiert es nicht, ob Pfingsten, Muttertag oder was auch immer - jeder Tag guter Tag.

    _()_

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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