Im Palikanon gibt es am Ende mancher Lehrrede den Satz: "Da ging dem .... die unbefleckte, reine Schau der Wahrheit auf: Was irgend auch entstanden ist, muss alles wieder untergehn". Das muss eine besondere, essentielle Erkenntnis sein, denn durch sie sind einige lebenslang Laienanhänger geworden, andere haben den Stromeintritt oder noch mehr erreicht.
Es lässt sich ja auch wirklich erfahren, dass das Erinnern an die Vergänglichkeit viel Leid erspart. Etwa wenn man in einem Gespräch oder auch in einer Forumsdiskussion beleidigt wird, da möchte man vielleicht im ersten Moment zurückschlagen und so kann leicht ein langer, unangenehmer Streit entstehen. Dann ist man vielleicht noch lange Zeit danach böse auf die betreffende Person, denkt mit Groll oder Verachtung an sie oder möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben, als würde sie gar nicht existieren. Wenn Äußerungen oder Handlungen untolerierbar erscheinen können Kriege entstehen. Irgendwo hab ich mal gelesen dass die thailändische Regierung den englischen Kolonialisten einen Teil des Landes überlassen hat. Vielleicht haben sie aufgrund ihrer buddhistischen Bildung gedacht dass es sich nicht lohnt um vergängliche Dinge, die doch im Grunde niemandem gehören, einen grausamen Krieg zu führen.
Oft gibt es im Alltag Gelegenheit zum innehalten und die Vergänglichkeit ins Bewusstsein rufen. Wenn aus irgendwelchen Gründen unangenehme oder quälende Gefühle auftauchen, muss man sie nicht ergreifen und kann innerlich auch das loslassen, wodurch sie entstanden sind. Alle Sinnesobjekte und Begebenheiten entstehen und vergehen wieder und Gefühle vergehen umso schneller, je weniger man sich an sie hängt. Man erlebt dann wie sich Geist und Körper entspannen, Frieden und eine Empfindung von Freiheit einkehrt. Es ist eine einfache Übung ohne intellektuelle Anstrengung die zu einer heilsamen Gewohnheit werden kann. So dass man sich auch bei angenehmen Gefühlen und beglückenden Ereignissen nicht in einen Rauschzustand hineinsteigert, weil man weiß dass auch das wieder vergehen muss und eine Ernüchterung oder Enttäuschung darauf folgen wird.
Sollte das nicht irgendwann zu stets vernünftigem Handeln, zu Losgelöstheit von der Welt, von Begehren und Hassen, von fixen Vorstellungen des Ich und mein, zur Freiheit von dukkha führen? Was meint ihr, ob ihr dem Theravada oder einer anderen Richtung zugewandt seid, oder keiner bestimmten Richtung: ist das Bewusstwerden über die Vergänglichkeit nicht ein überaus heilsamer Ansatz zur Lehre des Buddha? Was ist weiters noch nötig oder förderlich zur Erkenntnis dass alles fließt und nichts Bestand hat? Wäre nicht alles getan, würde man nur diese eine Tatsache vollends durchschauen?