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  1. Buddhaland Forum
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Beiträge von void

  • Wieviel Dogma mutet ihr euch zu?

    • void
    • 11. Juli 2026 um 12:22
    lotusbomber:

    Polemisch sage ich in Anlehnung an eines meiner Lieblingszitate: „Spiritualität ohne Dogma ist eine Instagram-Kachel.“

    Wenn ich versuche, das lustige Bild in eine Aussage zu übersetzen, dann wird da gesagt, dass das Bekenntnis zu zentralen Glaubenssätzten entscheidend dafür ist, ob eine Spiritualität ernsthaft oder oberflächlich ist.


    Prinzipiell ist da was dran. Wenn jemand auch zu Aspekten seiner Religion steht, die andere als lächerlich, überholt und bizarr sehen, dann drückt er damit sein "Commitment" aus - also dass es ihm wichtig ist. Man trägt ein Kreuz, man lässr sich beschneiden. Während eine Instagram- Beliebigkeit sich gut in Peter Lichts Worten "

    Ich war mal Cowboy, jetzt bin ich Buddhist. Morgen werd' ich vielleicht
    Beamter oder Rocker sein
    " ausdrückt.


    Aber wenn man näher drüber nachdenkt, kommen einem doch Zweifel.


    Der zentrale Punkt ist ja der Unterschied zwischen Orthodoxie ( richtig glauben) und Orthopraxie ( richtig Handel) und das ist ja klar komplex:


    In der frühen Kirche gab es ja einen Streit ob es entscheidend ist das richtige Bekenntnis zu haben ( Rechtsgläubigkeit) oder richtig zu handeln.Kommt derjenige in den Himmel der die richtigen Dogmen hat oder der, der stets gütig und liebevoll handelt. Und da würde das Primär des rechten Glaubens festgestellt.


    Im Buddhismus ist es eigentlich umgekehrt. Eine alte Frau, die in ihrem Leben den edlen achtfachen Pfad verwirklicht, die nie lügt, deren Herz voller Güte ist und die wenig Ego hat, wird als besser gesehen als jemand der all das richtige glaubt aber nicht lebt. Das krasseste Beispiel ist wohl Devadatta, der Buddha selbst vorwarf im Bezug auf die Regeln nicht streng genug zu sein.


    Natürlich gibt es auch im Buddhismus Rechte Erkenntnis (sammā diṭṭhi) aber ich denke, der zentrale Punkt hier ist, dass eine Ansicht dann "recht" ist wenn sie heilsam ist also zu rechten Handeln führt.


    Während im Christlichen das "rechte" recht ist weil es von Gott kommt und zu diesem hinführt. Für jemand wie Kardinal Ratzinger wäre Instagram das perfekte Symbol für "postmoderne Beliebigkeit" gewesen. Dafür das Pluralismus und Vielfalt nur Oberflächlichkeit, Schrein, Selbstdarstellung hervorbringen. Aber stimmt das? Darf man jemand der nicht "orthodox" ist die Ernsthaftigkeit absprechen?


    Hui Neng war ein Analphabet, ein armer Holzsammler, den ein einziges Zitat aus dem Diamantsutra so eine tiefe Einsicht vermittelte, dass er ins Kloster ging. Viele andere Mönche waren hochgebildet und wußten viel über den Buddhismus und seinen Konzepte. Polierte Hui Neng nur eine Instagram Kachel oder war er Buddhist?

  • Wieviel Dogma mutet ihr euch zu?

    • void
    • 11. Juli 2026 um 10:24

    Eben gerade um besser definieren zu können, was für sie ein Buddhist ist, hat die DBU einmal so etwas wie ein buddhistisches Glaubensbekenntnis formuliert:


    Dieses enthält erst mal das Bekenntnis zu Buddha, Dharma und Sangha:

    DBU:

    Buddhistisches Bekenntnis

    der Deutschen Buddhistischen Union

    Ich bekenne mich zum Buddha als meinem unübertroffenen Lehrer. Er hat die Vollkommenheiten verwirklicht, und ist aus eigener Kraft den Weg zur Befreiung und Erleuchtung gegangen. Aus dieser Erfahrung hat er die Lehre dargelegt, damit auch wir endgültig frei von Leid werden.

    Ich bekenne mich zum Dharma, der Lehre des Buddha. Sie ist klar, zeitlos und lädt alle ein, sie zu prüfen, sie anzuwenden und zu verwirklichen.


    Ich bekenne mich zum Sangha, der Gemeinschaft derer, die den Weg des Buddha gehen, und die verschiedenen Stufen der inneren Erfahrung und des Erwachens verwirklichen.

    Zweitens das Vertrauen zu den vier edlen Wahrheiten:

    DBU:

    Ich habe festes Vertrauen zu den Vier Edlen Wahrheiten:
    Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.

    Ich habe festes Vertrauen in die Lehre des Buddha:
    Alles Bedingte ist unbeständig. Alles Bedingte ist leidvoll. Alles ist ohne eigenständiges Selbst. Nirvana ist Frieden.

    Und drittens das Bekenntnis zum edlen achtfachen Pfad:

    DBU:

    Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhistinnen und Buddhisten, und begegne allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft mit Achtung und Offenheit. Wir folgen dem Buddha, unserem gemeinsamen Lehrer, und sind bestrebt, seine Lehre zu verwirklichen. Ethisches Verhalten, Sammlung und Weisheit führen zur Befreiung und Erleuchtung.

    Ich übe mich darin, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen, Nichtgegebenes nicht zu nehmen, keine unheilsamen sexuellen Handlungen zu begehen, nicht unwahr oder unheilsam zu reden, und mir nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein zu trüben.

    Letztlich kommen noch die Brahmavihara dazu:

    DBU:

    Zu allen Lebewesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück.

    Ich denke, ich kann das alles unterschreiben, auch wenn ich manchem nicht gerecht werden.


    Viele andere Konzepte sehe ich nicht so sehr, als "Wahrheiten über die Welt" sondern als Mittel um die hier genannten Ziele zu erreichen. Sich eine Hölle zu vegegenwärtigen kann zu Ethik motivieren. So kann ich vieles anerkennen auch wenn es mir schwer fallen würde es wörtlich zu nehmen.


    Und ich kann die Idee eines allwissenden Ausstrahlungskörpers auch einerseits aus der Verehrung für Buddha als auch in dem nachvollziehbaren Gedanken gründen, dass man Buddha nicht einfach als Einzelperson sah sondern als Teil eines wiederkehrenden Muster in dem, wenn die Bedingungen reif waren, immer und überall Buddhas entstanden.

  • Scham (auch Beschämung, Schamlosigkeit) - unheilsam oder heilsam?

    • void
    • 10. Juli 2026 um 13:37
    GermanViking:

    Wenn ein Glaubenssystem identitätsstiftend ist (man hat viel Lebenszeit, Zugehörigkeit, emotionale Investition hineingesteckt), wird eine Bedrohung der Konsistenz des Systems wie eine Bedrohung der eigenen Identität verarbeitet, nicht wie eine neutrale intellektuelle Frage.


    Systeme, die sich selbst explizit als vorläufig, korrigierbar und schichtweise gewachsen verstehen (gute Wissenschaft im Idealfall, manche liberale Rechtstraditionen mit ihrer Präzedenzfall-Revision), kommen mit genau denselben inneren Spannungen viel entspannter klar, weil Widerspruch dort kein Systemversagen ist, sondern ein erwartbarer Teil des Prozesses.

    Es macht vielleicht Sinn den Inhalt eines Systems von der Struktur zu unterscheiden.


    Ein dogmatisches System, wo jeder inhaltliche Widerspruch, als Infragestellung des Ganzen gesehen wird tendiert, dazu autoritär zu sein.


    In der Wissenschaft ist es auch so, dass zwar ganz vieles sagbar ist, aber das wissenschaftliche Procedere - der Prozess der bestimmt was wissenschaftlich gilt und was nicht, erbittert verteidigt wird.


    Buddhismus ist irgendwo dazwischen. Er ist nicht so autoritär wie System wo ein Katechismus im Zentrum steht. Ich glaube im Buddhismus gab es viel heftigste Konflikte um den Vinaya - den Verhaltenskodex den man als Ordinierter erfüllen muß.

  • Scham (auch Beschämung, Schamlosigkeit) - unheilsam oder heilsam?

    • void
    • 10. Juli 2026 um 09:38

    So wie es bei Gesteinen Erosion gibt weil die Wind und Wasser ausgesetzt sind, gibt es ja auch für Gedankengebäude Gegenkräfte. Also z.B bei Buddhismus all die weltlichen, gesellschaftlichen Kräfte z.B Kastensystem, Patriarchat, staatliche Interessen, politische Interessen, wirtschaftliche Kräften Während vielleicht der Wortlaut eines Textes gleich bleibt, kann es so sein, dass die Auslegung und die Praxis korrumpiert werden.


    Es braucht Wachsamkeit um eine Situation aufrecht zu erhalten, wo die Ordinierten sich an die Regeln halten, und der ursprüngliche Zweck erhalten bleibt, und sich nicht andere Zwecke dazwischen drängen und man am Ende mit Staatsmönchen, Businessmönchen und Kriegermönchen dasteht.


    Würde man die Kraft die der Korruption entgegen steht als Scham bezeichnen? Vielleicht ist das nicht so.weit weg, weil es ja wirklich viel mit Integrität, "Würde", "Ansehen", "das Gesicht verlieren" zu tun hat, die ja quasi die Kehrseite der Scham sind.


    Oder kann man Integrität ohne Rückgriff auf den Begriff der Scham formulieren?

  • Scham (auch Beschämung, Schamlosigkeit) - unheilsam oder heilsam?

    • void
    • 9. Juli 2026 um 13:49
    Igor07:

    Nur die Gesellschaft und die Werte, die sie selbst als normal bestimmt – was überhaupt normal ist, wäre eine andere Frage –, bestimmen, was Scham oder Schande ist.


    Ja genau. Weil Scham quasi misst wie sehr man verinnerlichen gesellschaftlichen Normen genügt, kann es sehr beliebig sein. Der eine schämt sich weil er zu arm ist, der andere weil er kein Casanova ist, der dritte weil er lügt. Es ist ein Gefühl mit dem sich schwer reden lässt.


    Weil Schuld von der Tat ausgeht, setzt es den Fokus auf die Tat und man kann dann darüber reden inwieweit eine Tat wirklich gut oder schlecht ist.

  • Scham (auch Beschämung, Schamlosigkeit) - unheilsam oder heilsam?

    • void
    • 9. Juli 2026 um 13:32

    Es gibt ja den Unterschied zwischen "Scham" und "Schuldkultur".


    Schuld, fokussiert auf das Verhalten.Die Idee ist "Ich habe etwas falsch gemacht".


    Scham bezieht sich auf die Identität. Man fühlt sich anderen gegenüber als ungenügend.Die sie ist "Ich bin ein schlechter Mensch.“


    In unserer Kultur versucht man eher, den Fokus auf das Schuldgefühl zu richten. Der Mensch soll ein Gewissen haben, dass ihm sagt, wenn er was falsch gemacht hat.


    Scham - das Gefühl ungenügend zu sein - kann sich aus allem Möglichen erwachsen, wofür man keine Verantwortung hat. Menschen Schämen sich wenn sie zu klein sind oder zu hässlich, zu dick oder zu dünn. Man kann sich auch schämen vergewaltigt worden zu sein.


    Ich denke das Schuldgefühl, wo es um ein konkretes Tat geht, ist besser als das Schamgefühl.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 8. Juli 2026 um 08:28
    Moderation

    Ich habe das Gefühl, die Fronten haben sich verhärtet und es gibt wenig Neues.


    Eine Sicht auf BDSM in der gegenüber dem Leid die Freude betont wird. steht einer gegenüber in der das zugefügte Leid betont wird. Da zu erwarten ist, dass beides mit zunehmender Vehement vertreten wird und zur Eskalation führt, von daher schließe ich diesen Thread.


  • Achtsam geht die Welt zugrunde.

    • void
    • 7. Juli 2026 um 16:07

    In jeder Situation:

    1. Kann man versuchen, die Umstände zu verbessern auch wenn man daran scheitert.
    2. An der eigenen Wahrnehmung zu arbeiten, so dass man unabhängig von dem Umständen glücklich ist.

    Und natürlich alles dazwischen. Buddhismus ist generell eher mit Option 2 im Bunde. Dies kann man immer in einer Art und Weise sehen, dass Religion als eine Art "Opium des Volkes" wirkt, das mithilft Leiden erträglich zu machen statt Umstände zu ändern. Selbst bei richtig verstanden Buddhismus ohne dass man eine spezielle Motivation unterstellt sich für Märkte zu optimieren.

  • Achtsam geht die Welt zugrunde.

    • void
    • 7. Juli 2026 um 11:23
    Aravind:
    void:

    Eine falsch verstandene "Achtsamkeit" ist eben genau wie die Biedermeier-Betulichkeit des Kakteenfreund ein Weg der Weltvergessenheit.

    Gibt es das denn falsch verstandene Achtsamkeit?


    Achtsamkeit ist Achtsamkeit, daran ist nichts richtig und nichts falsch.

    Der buddhistische Begriff der meistens mit "Achtsamkeit" übersetzt wird ist ja sati:

    Schatztruhe Palikanon:

    Die Funktion von Sati besteht darin, relevante Aspekte der Lehre (dhammas) – heilsame und unheilsame Qualitäten, förderliche und hinderliche Geisteszustände – ins Bewusstsein zu rufen (apilāpana), um eine Bewertung und angemessene Reaktion zu ermöglichen. Sati ist somit eine notwendige Voraussetzung für das Entstehen und die Anwendung von Weisheit (Paññā); beide Geistesfaktoren arbeiten eng zusammen. Durch Sati wird es möglich, die bedingte Natur der Phänomene (Paṭiccasamuppāda) und die Eigenschaften von Geist und Materie, wie die Geistesformationen (Saṅkhāras), zu erkennen.

    In vielen landläufige Definitionen von "Achtsamkeit" ist das nicht abgedeckt.

  • Achtsam geht die Welt zugrunde.

    • void
    • 6. Juli 2026 um 21:27

    Der Begriff des "Vomärz" beschreibt in Deutschland ja eine Epoche des extremen Umbruchs: Politisch, sozial, ökonomisch - alles ist im Umbruch. Gleichzeitig gibt es für die gleiche Periode aber noch einen anderen Begriff: "Biedermeier". Man entzieht sich all dem Chaos rundherum, und zieht sich in den gemütlichen, privaten Rahmen zurück. Von Spitzweg gibt es beispielsweise das Bild "Der Kakteenfreund":

    Wikipedia:

    Der Kakteenfreund kann alles rundherum ignorieren - all die Nachrichten von Unruhen, Eisenbahnen, Sozialisten und Kolonien und freut sich an seinem Kaktus.


    Im Buddhismus besteht die Funktion von Sati ja letztendlich darin, sich der Entstehung von Gier und Hass und Verblendung zu vergegenwärtigen um die zu besiegen.


    Eine falsch verstandene "Achtsamkeit" ist eben genau wie die Biedermeier-Betulichkeit des Kakteenfreund ein Weg der Weltvergessenheit.

  • Ist "Theravada" das bessere Hinayana?

    • void
    • 6. Juli 2026 um 16:04

    So ganz grob würde ich in die Leute unterscheiden, für die der Palikanon das Maß aller Dinge ist, und die für die er es nicht ist. ( Ich würde also erstmal die Sautrantika und ihren Sanskrit Kanon außer Acht lassen)

  • Ist "Theravada" das bessere Hinayana?

    • void
    • 6. Juli 2026 um 11:28
    lotusbomber:

    .Mir ging es eingangs nicht um die Frage, ob "Theravada" ein Synonym für "Hinayana" ist, sondern ob sich Leute, die – und jetzt präzisiere ich die Frage – einer Schule angehören, die aus Sicht das Mahayana zum Hinayana gehört, herabgesetzt fühlen, wenn man von "Hinayana" spricht?

    Die fühlen sich zu Recht herabgesetzt wenn man im Bezug auf sie und den "Theravada" von "Hinayana" spricht. Aber weite Teile des historischen Hinayana - eben gerade die im Mahayana kritisierten - sind nicht Theravada.


    Du bist wie jemand der zwanghaft versucht ein Problem mit drei Kategorien auf zwei zu reduzieren. So wie jemand der eine Fledermaus entweder als Vogel oder als Maus sehen will, weil es ihm sonst zu kompliziert wird.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 5. Juli 2026 um 21:59

    Ich kenne da auch nichts dazu.


    Ich nehme an, für die meisten buddhistischen Lehrer ist das wenn keine Motivation andere zu schaden vorliegt, einfach nur ein Unterpunkt unter "Lust" und wenn man anderen wirklich schadet "unheilsame Sexualität".

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 5. Juli 2026 um 09:18
    Samadhi1876:

    Der Buddha Shakyamuni hatte sich ja auch vor der spirituellen Befreiung erst mal „richtig ausgetobt“, wenn es stimmt, mit den Kurtisanen und so.

    Die sind ja erst späteren Datums. Buddhas Vater war ja gewählter Anführer (Raja) einer oligarchischen Adelsversammlung. Buddha schreibt, dass er im Reichtum aufwuchs und die Familie mehrere Residenzen ( wahrscheinlich würde man das heute Villen nennen) und in der Regenzeit von Musikantinnen und Dienerinnen unterhalten wurde. Das würde dann später - als man große Reiche hatte - als Paläste und als Harem umgedeutet. Eben aus einer pädagogischen Motivation heraus um den Charakter der Umkehr zu verdeutlichen.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 22:37

    Im alten ( hinduistischen) Indien gab es traditionell vier Lebensziele:

    • Dharma: Mit Dharma ist in Hinduismus hauptsächlich Rechtschaffenheit im Sinne der Kastenregeln gemeint .
    • Artha: Wohlstand, Erfolg, Einfluß.
    • Kama: Sinnesvergnügen.
    • Moksha: Spirituelle Befreiung

    Und für jeden Bereich gab es die passenden Sutras. Für Moksha natürlich die religiösen Sutras. Für den Bereich Artha so etwas wie das Arthashastra, wo Fürsten gesagt wird wie sie Macht bekommen und für Kama gab es eine Kategorie von Werken denen das Kamasutra entstammt. Ein Sutra für das Ziel Kama ist, werden eben die verschiedenen Optionen Kama (Lust) zu erzeugen aufgezählt. Es gibt einfach Unterkapitel zu Genital, Oral, Anal, Küssen,Rollentausch, Kratzen, Beißen und Schlagen und da betont der Autor dass dies nur dazu dienen soll Lust zu erzeugen und nicht in Gewalt umschlagen soll. Auch damals ( 200-300 n Chr) gab es also so die ganze Klaviatur der Lusterzeugung.


    Die Harmonisierung der Lebensziele erfolgte durch eine zeitliche Schichtung. Erstmal muß man als Schüler die Kastenregeln lernen, dann wird es in Ehe und Beruf wichtig Kama und Artha so zu leben, dass es anderen nicht schadet und schließlich - wenn man sozusagen "den Hof übergeben hat" hat man seine Pflicht getan und widmet sich dem Spirituellen ( Moksha).


    Während es eben spirituelle Adepten gibt, die aus dem Weltlichen ( Dharma, Kama, Artha) heraustreten und nicht nur Moksha widmen.


    Diese Kategorisierung zeigt einerseits, wie Kama und Moksha als unterschiedliche und auch als such widerstrebende Ziel wahrgenommen wurden, aber trotzdem nicht polar sondern so dass alles irgendwo seinen Platz hat.


    Es würde mich interessieren, ob der Buddhismus damals analog dachte, oder da andere Prioritäten setzte.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 16:11
    GermanViking:

    .

    Aber zum Inhalt an sich: Wer will, dass andere frei von Leid sind, wie kann derjenige sich dann am Leid ergötzen? Für mich hängt es am Wort Leid. Ich verstand das immer so, dass sich das gegen ungewolltes Leid, unter dem jemand leidet, richtet. Beim einvernehmlichen BDSM-Spiel geht es aber um etwas, das der andere will und im geschützten Rahmen nicht als unerwünschte Qual erlebt.

    Konkret ist es wirklich und tatsächlich so, dass man sich am Leid des anderen erfreut. Und der andere hat Gründe sich ebenfalls am Leid zu erfreuen. Dies steht quer zum Wunsch nach Leidfreiheit. Es ist wichtig das anzuerkennen.


    Das Leid wird nur deswegen in Kauf auf genommen, weil es Lust erzeugt. Wenn beide nicht im Zustand sexuellen Begehrens sind, wird Leid als Leid erfahren und Schmerz als unangenehm.


    Von daher ist die Rolle von Lust und Begehren das zentrale.


    Es gibt ja Religionen, die das Begehren und das Sinnliche bejahen (Pankult) und solche wo man sich selber im origiastischen Rausch Schmerzen zufügt. Sexualität in all ihren Aspekte kann ja eine tiefe Lebenskraft repäsetieren.


    Aber der Buddhismus und Jainismus sind Religionen die eine eher distanzierteste Beziehung zu Begehren, Rausch und Sinnlichkeit einnehmen und sie als Fesseln sehen.

  • Ist "Theravada" das bessere Hinayana?

    • void
    • 4. Juli 2026 um 14:35

    Wenn man über die Situation heute redet, dann macht es fast immer Sinn den Begriff "Hinayana" ganz zu vermeiden und man kann fast immer stattdessen "Theravada" schreiben. Es gibt allerdings Leute, die betonen wollen, dass der Weg von dem Buddhismus zur Zeit Buddhas zum Theravada durchaus eine komplexe Geschichte mit Entwicklungen ist..


    Im historischen Kontext ist so eine Gleichsetzung manchmal ungeschickt. In manchen Mahayana Texten gibt es negative Abschnitte über den Hinayana und oft ist es so, dass damit gerade nicht der Theravada gemeint waren sondern die Sautrantika, die gerade im tibetischen Kontext stark studiert wurden.


    Gerade weil man da später oftmals überhaupt keine realen Nicht-Mahayana-Buddhisten hatte, retatardierte der "Hinayana-Begriff" zu einem Strohmann ( ein bisschen wie das herkömmliche Vollwaschmittel in der Werbung) anhand derer man die Bodhisattva-Motivation aufzeigte.

    Wikipedia:

    Im Buddhismus in Tibet werden die Begriffe Hinayana und Mahayana ausschließlich im Sinne der persönlichen Motivation für die Erleuchtungsbemühung genannt. Sie bezeichnen komplementär die Motivation des Übenden, für sich persönlich oder zum Wohle aller Wesen die Erleuchtung zu erlangen.

    Dies ist eine ziemliche Verflachung, man meint keine echte andere Schule sondern quasi eine "mindere Motivation". Hier passt der Begriff "Hinayana" und den Begriff "Theravada" einzusetzen wäre herabsetzend.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 10:45

    Gehen wir mal zurück zum Anfang.

    GermanViking:

    Ich bin kein Theoretiker, sondern frage aus eigener Erfahrung. Ich möchte weder BDSM verherrlichen noch verteidigen oder bewerben, sondern verstehen, ob und wie sich diese beiden Welten sinnvoll verbinden lassen oder ob sie letztlich im Widerspruch stehen.

    Es eher dich, dass du BDSM weder verherrlichen noch verteidigen oder bewerben wolltest und es ist ein wenig schade, dass sich die Diskussion so entwickelt hat, dass du dich in dieser Rolle gelandet bist.


    Gehen wir mal zum Kern, wo es den Widerspruch geben kann. Im Buddhismus gibt es ja die 4 Brahmavihara:


    Brahmavihara:

    „Mögen alle fühlenden Wesen Glück und die Ursache des Glücks besitzen,

    Mögen alle fühlenden Wesen von Leiden und der Ursache des Leides getrennt sein,

    Mögen alle fühlenden Wesen niemals von der Freude die frei ist von Leiden getrennt sein, Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, der frei ist von Anhaftung und Ablehnung.

    Zentral ist also eine Haltung wo man dem anderen Leidfreiheit wünscht und sich am Glück des anderen freut.


    BDSM wo man sich am Leid des anderen ergötzt erscheint da nahezu als Umkehrung. Von daher ist es wichtig zu sehen, was da genau passiert.


    Ich denke BDSM hat viel mit so einem frühkindlichen/archaischen Zustand zu tun in dem man sich gemeinsam begibt.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 4. Juli 2026 um 10:23
    Moderation

    Der Thread droht gerade zu eskalieren. Von daher würde ich bitten respektvoll zu sein.

    Weil AI gut argumentieren kann, kann man da den anderen, der das nicht tut leicht dumm dastehen lassen und er fühlt sich in die Ecke gedrängt. (Habt ihr wirklich die Publikationen in Gänze durchdrungen, ich sah da immer nur die Abstracts)


    Respekt ist vornöten. Das Thema "Sex und Gewalt" ist mit starken Gefühlen und auch mit moralischen Grundüberzeugungen zu tun und

    und da ist es wichtig, die Gefühle des anderen erstmal stehen zu lassen und auszuhalten.


    Dann kann die Diskussion weitergehen. Ansonsten eskaliert es.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 3. Juli 2026 um 20:36

    Ich finde das alles sehr schwer zu beurteilen, weil es viele Thesen gibt die sich logisch anhören, aber man dann trotzdem nicht weiß ob sie stimmen.


    Annas Sache mit den Wölfen die man nicht füttern darf, klingt nachvollziehbar. Aber ich kenne auch Leute bei denen es mir so vorkommt, als sei BDSM ein Gegengewicht zum sonstigen Leben. Ich kannte mal jemand der in einem NGO arbeitete und quasi beruflich altruistischer Gutmensch war und sich reinsteigert und dann privat seine Freundin verschnürt und ansonsten liebevoll umsorgte.


    Aber es gibt ja auch so Theorien dass die Leute da in BDSM ihre gegenseitigen Traumas bespielen. Dass Menschen oft in unterschiedliche Aspekte gespalten sind und man als Sub zusammen mit dem anderen die eigenen ungewüschten Anteile unterdrückt. SM als etwas was dadurch Erleichterung bringt, dass es innere Konflikte aufscheinen läßt.


    Und dann kann man sich vorstellen, dass Leute die eine sadistische, fiese Persönlichkeit haben dann natürlich auch sexuell am Leid der anderen weiden. Klingt auch logisch irgendwie.


    Und steht dann verdutzt vor Untersuchungen die feststellen, dass der Unterschied BDSM nicht BDSM keinerlei Korrelation damit hat ob jemand eine sadistische Persönlichkeit hat.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 3. Juli 2026 um 18:02
    GermanViking:

    Dein Modell sagt also etwas voraus, das die Daten nicht bestätigen. Es ist also empirisch falsch.


    Sayitingerman sprach ja davon dass "exzessiver Ausführung" zu einer Abstumpfung führen kann. Jemand kann ja sexsüchtig oder pornosüchtig sein und immer mehr und stärkere Reize brauchen. Und wie bei anderen Drogen wird dadurch ja der Alltag grauer.


    Es ist nachvollziehbar, dass man BDSM mit übersteigerter Sexualität assoziiert: : "Ein Paar fängt harmlos an und steigert sich in in seiner Sexsucht in immer extremere Praktiken rein" und landet irgendwann mal bei Peitschen, Gasmasken und Gummistiefeln.


    Dem gegenüber steht eine Idee von BDSM als schlichte Prägung. Nach dieser Deutung ist es einfach eine Präferenz ( wie hetero/homo) die nicht mit dem Grad des Begehrens korreliert ist. Ob ein Opa auf Hiebe, Frauen oder Gummistiefel steht ist nach dieser Hypothese nicht damit korreliert wie wichtig ihm Sex ist oder wie stark sein Begehren.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 3. Juli 2026 um 10:18

    Für Freud ist die Libido beim kleinen Kind noch etwas, was sich auf alles mögliche richten kann aber auch dann beim Erwachsenen auf die korrekte erwachsene Sexualität verengt. Sexuelle Fetische sah er als eine Art Versehen innerhalb dieses Prozesses. Statt das man auf Frauen steht steht man auf einmal auf Lederstiefel. Und wenn eine Frau die anhat ist sie "begehrenswert" und ohne die "langweilig". Solche Fälle offenbaren viel darüber wie total beliebig Begehren sein kann.


    Da ist vielleicht die Verbindung zur Achtsamkeit. Indem man die Fetischisierung ( die Überwertung) von bestimmten Objekten wieder abzieht, gelangt man vielleicht wieder zu der Welt des Kindes wo das ganz alltägliche ( ein Windhauch, eine Blume) ein Wunder sein kann?

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 2. Juli 2026 um 22:55

    Gerade weil Sexualität viele Jahrhunderte lang so unterdrückt wurde, wurde ja gerade in den letzten Jahrzehnten sehr betont, dass Sexualität etwas Positives, Bereicherndes, Gleichberechtes und Erheben des sein kann. Dies hat sicher seine Berechtigung und ist nicht falsch.


    Vielleicht hat man dabei aber in die andere Richtung übertrieben und dunklere Aspekte ausgeblendet. Dass Sexualität neben freudvoller Innigkeit ja auch mit Macht, Besessenheit, Fetisch, Ausgeliefertsein zu tun haben kann - dass es dreckig, irrational, tierisch, triebgesteuert, archaisch und dunkel sein kann.


    Aber ich denke Sex war immer schon beides und Vanilla und Missionarstellung waren immer schon nur die Spitze eines Eisbergs.

  • Mißstände in kambodschanischen Klöstern

    • void
    • 2. Juli 2026 um 22:36
    fotost:

    Vielleicht sollte man nicht fragen, ob die zugrunde liegenden Lehren falsch sind, sondern eher, ob einige aus diesen Lehren abgeleitete Forderungen wie Keuschheit und Verzicht auf Besitz von einem falschen Menschenbild ausgehen.

    Buddha hatte doch gar kein so besonders positives Menschenbild sondern eher die Vorstellung dass das Handeln von Menschen sehr von Trieben beinflußt ist und es ein sehr schweres Unterfangen ist sich von Anhaftungen an Besitz, Sexualität und Gemeinschaft zu lösen.


    So wie es ja auch nur wenige Menschen gibt die alles andere zurückstellen um eine Karriere als Extrembergsteiger eibzuschkagen. Wenn eher durchschnittliche Menschen auf einmal die Basecamps überfluten dann gäbe das ein Fiasko, weil sie reihenweise und dramatisch scheitern würden.Eine Reiseagentur die die Schwierigkeiten unterschlägt und Leute dazu verführt sich etwas zu verschreiben, dem sie nicht genügen - die Leute in Flipflops im Himalaya aussetzt - wäre kriminell.


    In Kambodscha wurden ja die buddhistischen Strukturen durch die roten Khmer nahezu ausgelöscht und das was neu entstand war labil und von lokalen Patronatsverhältnissen geprägt. Lokale "starke Männer" die oftmals dubios und selbst halb kriminell sind legitimieren sich häufig als "ehrenwert" indem sie ein Kloster unterstützen und da als Zeichen dafür dass "ihr Kloster" - als Visitenkarte der Ehrbarkeit - prosperiert, viele junge Männer präsentieren wollen, die schöne Roben haben und prächtige Rituale aufführen. Dies bringt die Klöster in eine ungesunde Abhängigkeit fördert korrupte Verhältnisse wo Schein und Sein weit auseinanderklaffen.


    Dies entspricht doch übethaupt nicht Buddhas Idee, wo - gerade aus einem eher pessimistischen Menschenbild - sehr genau geprüft wird, wer als Ordinierter aufgenommen wird und Leute die dem Vinaya nicht gerecht werden, ausscheiden.


    Buddha hat nie gesagt dass der Weg des Ordininerten der einzige ist und zu seiner Zeit gab es doch zahlreiche Laienanhänger. Ihm ein falsches Menschenbild zu unterstellen, wäre nicht richtig.

  • Buddhistische Ethik und BDSM

    • void
    • 2. Juli 2026 um 14:37

    Das Thema Sexualität kann schnell in Sackgassen führen


    Ich fange mal von einer ganz anderen Seite an: Unser normales Leben ist ja meistens recht eingeschränkt - wir müssen die funktionieren und uns zusammenreißen.


    Es gibt aber Situationen, wo wir aus dem normalen Zustand heraustreten:

    1. In unseren Träumen tauchen ganz tiefe archaische Seiten auf.
    2. Manchmal wenn wir die kognitive Kontrolle schmählern - wenn wir betrunken sind oder psychedelische Drogen haben taucht das auf.
    3. Es gibt "Spiele": Ich kenne Leute die LARP machen und da dann ganz andere Rollen einnehmen und sich als Wikinger ausleben.

    Für mich sind "sexuelle Spiele" eine Variante. In ihnen drücken sich tiefe Kräfte aus,die normalerweise unter der zivilisierten Oberfläche sind.


    Ich habe den Eindruck, dass der Theravada Buddhismus allen den Situationen - in denen das Unterbewußte sich äußert - kritisch gegenüber steht:

    1. Schon der Begriff des "Erwachens" ist eine Zurückweisung des "Träumens".
    2. Buddha verurteilt den Alkoholgenuß.
    3. Buddha äußerte sich öfter mal gegen Schauspiel und sogar Musik.

    Während ja z.B C.G. Jung ganz anders denkt. Für ihn führt der Weg dazu den "inneren Elefanten" zu bändigen darüber die archaischen Kräfte erstmal gut kennenzulernen und genau das dazu führt, frei von ihnen zu werden.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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