Polemisch sage ich in Anlehnung an eines meiner Lieblingszitate: „Spiritualität ohne Dogma ist eine Instagram-Kachel.“
Wenn ich versuche, das lustige Bild in eine Aussage zu übersetzen, dann wird da gesagt, dass das Bekenntnis zu zentralen Glaubenssätzten entscheidend dafür ist, ob eine Spiritualität ernsthaft oder oberflächlich ist.
Prinzipiell ist da was dran. Wenn jemand auch zu Aspekten seiner Religion steht, die andere als lächerlich, überholt und bizarr sehen, dann drückt er damit sein "Commitment" aus - also dass es ihm wichtig ist. Man trägt ein Kreuz, man lässr sich beschneiden. Während eine Instagram- Beliebigkeit sich gut in Peter Lichts Worten "
Ich war mal Cowboy, jetzt bin ich Buddhist. Morgen werd' ich vielleicht
Beamter oder Rocker sein" ausdrückt.
Aber wenn man näher drüber nachdenkt, kommen einem doch Zweifel.
Der zentrale Punkt ist ja der Unterschied zwischen Orthodoxie ( richtig glauben) und Orthopraxie ( richtig Handel) und das ist ja klar komplex:
In der frühen Kirche gab es ja einen Streit ob es entscheidend ist das richtige Bekenntnis zu haben ( Rechtsgläubigkeit) oder richtig zu handeln.Kommt derjenige in den Himmel der die richtigen Dogmen hat oder der, der stets gütig und liebevoll handelt. Und da würde das Primär des rechten Glaubens festgestellt.
Im Buddhismus ist es eigentlich umgekehrt. Eine alte Frau, die in ihrem Leben den edlen achtfachen Pfad verwirklicht, die nie lügt, deren Herz voller Güte ist und die wenig Ego hat, wird als besser gesehen als jemand der all das richtige glaubt aber nicht lebt. Das krasseste Beispiel ist wohl Devadatta, der Buddha selbst vorwarf im Bezug auf die Regeln nicht streng genug zu sein.
Natürlich gibt es auch im Buddhismus Rechte Erkenntnis (sammā diṭṭhi) aber ich denke, der zentrale Punkt hier ist, dass eine Ansicht dann "recht" ist wenn sie heilsam ist also zu rechten Handeln führt.
Während im Christlichen das "rechte" recht ist weil es von Gott kommt und zu diesem hinführt. Für jemand wie Kardinal Ratzinger wäre Instagram das perfekte Symbol für "postmoderne Beliebigkeit" gewesen. Dafür das Pluralismus und Vielfalt nur Oberflächlichkeit, Schrein, Selbstdarstellung hervorbringen. Aber stimmt das? Darf man jemand der nicht "orthodox" ist die Ernsthaftigkeit absprechen?
Hui Neng war ein Analphabet, ein armer Holzsammler, den ein einziges Zitat aus dem Diamantsutra so eine tiefe Einsicht vermittelte, dass er ins Kloster ging. Viele andere Mönche waren hochgebildet und wußten viel über den Buddhismus und seinen Konzepte. Polierte Hui Neng nur eine Instagram Kachel oder war er Buddhist?