Hallo, lieber ewald ,
hätte da noch einiges zu deinen Äußerungen zu fragen, bzw. anzumerken...
...der Glaube eines jeden Einzelnen ist heilig sozusagen.
Aber ich akzeptiere nicht, wenn einer zu mir sagt, lass Deinen Glauben weg, nimm meinen an, nur so wirst Du selig werden.
Heilig im Sinne von ehrwürdig, Respekt gebietend, "unantastbar"?
Die Nichtakzeptanz von (ungefragter, echter) "Missionierung" kann ich nachvollziehen, allerdings liegt bei dir in dieser Hinsicht wohl eine besondere Sensibiliät vor, weil offenbar schon das Argumentieren mit Hilfe/unter Verwendung von Suttas als "übergriffig" erlebt wird.
Andererseits hast du kein Problem damit, Andersdenkende zu "provozieren", dies dann mit der Rechtfertigung, es sei ja Teil ("deiner") (Zen-) Lehre...?!
Was provozieren angeht, das ist im Zen Teil der Lehre.
Entscheidend ist wohl - auch im Zen - die Absicht hinter der Provokation...
für mich gibt nicht das Schriftwerk störrig die Regel vor, das Werk hat noch nie von mir gehört.......
"Störrische" Vorgabe von Regeln konnte ich bisher noch nie im "Schriftwerk" feststellen....(eher bei "fühlenden Wesen" )
Hältst du dich wirklich für so außergewöhnlich, dass weise Worte, die Millionen Menschen erreichen und heilsame Impulse geben, keinerlei Bedeutung für dich haben?
....und so fühle ich mich, als Zen Buddhist dazu verpflichtet, selber Regeln zu erkennen, die für mein Leben gültig sind.
Das tun doch letztlich alle Übenden auf dem Pfad, in irgendeiner Form - mal mehr, mal weniger.
Liest man z.B. die Suttas im Palikanon, heißt das ja nicht zwangsläufig, deren Aussagen wortwörtlich zu nehmen und immer 1:1 im eigenen Leben umzusetzen, sondern man prüft sie gründlich (unter Berücksichtigung der Umstände ihres Entstehens) am selbstgelebten Leben, sowie den daraus gezogenen Erfahrungen und bespricht sie mit "Verständigen" (z.B. dem Dharmalehrer).
Ich habe das Glück im Kloster, in der Sangah auf Menschen zu treffen, die mich darum bitten, sie aufzunehmen und die Regeln mit ihnen zu teilen.
Äh, "Deine" Regeln??
Das ist mit, wenn Du Buddha trifft, töte ihn, gemeint, gehe selbstständig den Weg, entscheide selber und brauche keine Krücken wie das Schriftwerk, an dem Du anhaftest.
"Krücken" /"geschickte Mittel" (Upaya kaushalya) nutzt man vernünftigerweise i.d.R., für eine gewisse Zeit - eben solange man sie benötigt - und lässt sie dann los...
(Regeln sind dementsprechend Hilfsmittel, nicht das Ziel.)
Anhaften kann man ja nicht nur an schriftlich dargelegten Lehren, Regeln, Riten, sondern vorwiegend auch an "eigenen" Identifikationen.
("Ich als Zen-Buddhist" / "mein" Leben" / die für "mich" passenden Regeln....). ![]()
Regeln könnte man als "Geländer am Weg" betrachten, die halten, bis das Gehen sicherer, freier wird und als Maßstab für ihre Anwendung dient die Untersuchung, ob ihre Einhaltung schlussendlich zu weniger Gier, Hass und Verblendung führt.
Liebe Grüße, Anna
