Lieber Qualia ,
vielen Dank für deine tiefgründigen Beiträge.
Sorry, wenn ich nicht alles verstehe und nachfragen muss, wie z.B. bei den folgenden Aussagen:
„Ich“ erscheint, wenn ein Gefühl wahrgenommen wird, angenehm, unangenehm, gleichgültig. „Vedana.“
Zwangsläufig?
Ich dachte bisher, dass das "Ich" erst durch geistige Gestaltungen (Sankhara) "erscheint", die z.B. einen, als unangenehm empfundenen, Schmerzreiz zunächst zum "eigenen" Schmerz machen/einem "Selbst" zuordnen und dann darum zu kreisen und anzuhaften beginnen.
Die Identifikation wächst mit jedem weiteren, selbstbezogenen Gedanken ("Ich leide jetzt", "Ich bin ein Unglücksrabe", o.ä. ..).
Vedana ist das erste Auftreten von Ich ohne das Wissen eines Ich bin.
Das ist der Anfang von Dünkel.
Dass Vedana selbst ein "Ich" hervorbringen soll (wenn ich das richtig begriffen habe), lässt in mir die Frage hochkommen, warum dann die meisten Tiere kein "Ich" entwickelt haben, obwohl sie auch angenehme/unangenehme Gefühle wahrnehmen?
Der vergleichende Selbstbezug ist natürlich leidhaft:
-"Vorher ging es mir gut - jetzt leide ich an Schmerzen"
- "Ich bin nun schlechter dran.."
Ich muss erkennen das ich nur ein Jemand bin, und dann alle meine saṅkhāra-Identifikationen zu Rollen machen, die im sozialen Spiel notwendig sind.
Mit "Jemand" meinst du eine "Person"? Die in einem bestimmten Verhältnis zu anderen Personen steht und sich jeweils "rollenmäßig" anpasst?
(Aber da gibt es ja immer noch dieses "Ich bin." ?
)
Buddha ist ein Jemand, der die Rolle „Buddha“ zeigt und die Kleidung, die andere ihm gegeben haben, trägt. Doch weder die Rolle „Buddha“ noch die Kleidung „Buddha“ sind ich bin jemand.
Es gibt also keine Identifikation mit der gespielten Rolle...
. Ein Erwachter ist nicht identitätslos, er ist identifikationslos.
Beim Erwachten gibt es ja weiterhin Wahrnehmung, Sprache, Charakter/Temperament und das Verhalten, welches z.B. in sozialen Rollen praktisch gezeigt wird.
Die konventionelle Person ist also nicht "ausgelöscht", nur jede Anhaftung ("Ich"/ "Mein"-Machen") und damit Identifikation.
Worüber ich auch immer wieder stolpere, ist die Frage, warum ein Stromeingetretener/Sotapanna - 1. Erleuchtungsstufe im Theravada - (ebenso Anagami, Sakadagami), der doch die Persönlichkeitsansicht (sakkaya-ditthi) überwunden hat, trotzdem noch einen Ich-Dünkel (asmimana) aufweist....?
Liebe Grüße
