Ich möchte das Thema noch einmal gerne hochbringen, um kein neues bringen zu müssen. Wenn das nicht gewünscht ist, kann es ja mit ähnlichem Titel noch einmal abgetrennt werden.
Ich bin eigentlich Christ, sehe mich aber auch als praktizierenden eines pragmatischen Buddhismus. Ich glaube dem Buddha seinen Weg der geistigen Befreiung, und praktiziere diese Form des Selbstbeherrschungstrainings regelmässig. Für mich passt es zu einem Christlichen Weg, das innere Auge erst komplett zu läutern und in die Einheit eintreten zu wollen, bevor oder aber auch wodurch ich dann vor meinen Gott treten kann, dem ich die Erschaffung der Realität und ihrer Gesetzmässigkeiten zuschreibe, also auch von Karma und Wiedergeburten.
Das bedingt für mich natürlich Anpassungen der Lehren, vor allem aber kann ich durch meine Bindung an das Christentum nicht ernsthaft einer Buddhistischen Kultur oder Tradition folgen. Für mich ist diese Lehre, mit meinen Anpassungen basierend auf meinen eigenen Beobachtungen, ein für sich stehendes Ding an sich.
Der Christliche Glaube hat für mich auch nicht so viel mit Tradition zu tun, er wurde halt überliefert, ist für mich aber auch ein tieferer Sinn und keine blosse Kultur. Also ist dann mein Buddhismus auch an diese Formlose Praxis angepasst, entsprechend formlos. Dabei sind beide, Christentum wie Buddhismus, für mich sich ergänzende Erklärungsschlüssel zum Sinn des Lebens. Da habe ich eigentlich nicht die Frage nach Übernatürlichem oder höheren Gewalten, die ist für mich bereits geklärt - ich habe nachgesehen, hingesehen, und dann auch zum Glück rechtzeitig wegsehen gelernt, bevor ich vollends irre daran geworden bin. Wenn man beide Schlüssel zusammen versteht, merkt man, dass es davon sowieso unabhängig ist, und mehr uns betrifft als das grosse Ganze. Die Kultur bewahrt es in meinen Augen also bloss, und es kann auch für sich stehen.
Wie seht ihr dann diesen Zugang zum Buddhismus, also pragmatisch gelagert? Ich denke meine Form kann durchaus von Menschen geteilt werden, die übernatürliches kritisch oder Agnostisch sehen. Ich nehme durchaus Karma sowie das Weiterleben einer Seele in Wiedergeburten usw. an - also übernatürliches, aber ist das in diesem Kontext eines pragmatischen Buddhismus überhaupt üblich? Ich selbst glaube, dieses Verständnis gehört aber zum Buddhismus, sonst versteht man ihn nicht richtig oder nur teilweise, es sind ja mehr Naturgesetze, die man annimmt, als blosse Glaubensgrundsätze. Ohne diese Gesetzmässigkeiten ernst nehmen zu wollen, ist die Praxis wiederum eher sinnentleert.
Mich würde auch interessieren, ob es Foren oder Austauschsmöglichkeiten im Deutschsprachigen oder auch internationalen Raum zu pragmatischem Buddhismus und der Praxis gibt. Also abseits von Gurus mit Gewinnabsichten, mit ernsthaftem Interesse zum Austausch über moderne Methoden zum Selbstläuterung- bzw. Selbstbefreiung.
Noch eine letzte Frage, wie seht ihr diesen Unterschied: die traditionellen, passen oft sehr auf, dass die Schüler das Wissen der Reihe nach lernen, und nicht zu früh vorweggenommen etwas enthüllt bekommen. Jeder ist da mehr für sich in seinem eigenen Fortschritt, scheint mir manchmal. Pragmatiker hingegen reden über ihre Erfahrungen, und ein Einsteiger kann vorweg lesen, was ihn später erwartet. Die Frage nach der Verwirrung wird halt über den modernen Intellekt gelöst, der Bereit sein kann, das zu unterscheiden.
Der Gewinn ist eben ein unabhängigeres Lernen. Statt gar nicht über die mache verwirrenden Erfahrungen zu sprechen, sprechen Pragmatiker durchaus auch vor anderen, aber so dass man es richtig versteht, modern erklärt, und halt vor Menschen, die auch die Erfahrung haben oder kurz davor sind, und es deswegen verstehen können. Eure Gedanken dazu?