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Christentum + pragmatischer Buddhismus

  • Bhavanga
  • 28. Oktober 2026 um 21:53
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  • Bhavanga
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    15. März 2020
    • 28. Oktober 2026 um 21:53
    • #1

    Ich möchte das Thema noch einmal gerne hochbringen, um kein neues bringen zu müssen. Wenn das nicht gewünscht ist, kann es ja mit ähnlichem Titel noch einmal abgetrennt werden.


    Ich bin eigentlich Christ, sehe mich aber auch als praktizierenden eines pragmatischen Buddhismus. Ich glaube dem Buddha seinen Weg der geistigen Befreiung, und praktiziere diese Form des Selbstbeherrschungstrainings regelmässig. Für mich passt es zu einem Christlichen Weg, das innere Auge erst komplett zu läutern und in die Einheit eintreten zu wollen, bevor oder aber auch wodurch ich dann vor meinen Gott treten kann, dem ich die Erschaffung der Realität und ihrer Gesetzmässigkeiten zuschreibe, also auch von Karma und Wiedergeburten.


    Das bedingt für mich natürlich Anpassungen der Lehren, vor allem aber kann ich durch meine Bindung an das Christentum nicht ernsthaft einer Buddhistischen Kultur oder Tradition folgen. Für mich ist diese Lehre, mit meinen Anpassungen basierend auf meinen eigenen Beobachtungen, ein für sich stehendes Ding an sich.


    Der Christliche Glaube hat für mich auch nicht so viel mit Tradition zu tun, er wurde halt überliefert, ist für mich aber auch ein tieferer Sinn und keine blosse Kultur. Also ist dann mein Buddhismus auch an diese Formlose Praxis angepasst, entsprechend formlos. Dabei sind beide, Christentum wie Buddhismus, für mich sich ergänzende Erklärungsschlüssel zum Sinn des Lebens. Da habe ich eigentlich nicht die Frage nach Übernatürlichem oder höheren Gewalten, die ist für mich bereits geklärt - ich habe nachgesehen, hingesehen, und dann auch zum Glück rechtzeitig wegsehen gelernt, bevor ich vollends irre daran geworden bin. Wenn man beide Schlüssel zusammen versteht, merkt man, dass es davon sowieso unabhängig ist, und mehr uns betrifft als das grosse Ganze. Die Kultur bewahrt es in meinen Augen also bloss, und es kann auch für sich stehen.


    Wie seht ihr dann diesen Zugang zum Buddhismus, also pragmatisch gelagert? Ich denke meine Form kann durchaus von Menschen geteilt werden, die übernatürliches kritisch oder Agnostisch sehen. Ich nehme durchaus Karma sowie das Weiterleben einer Seele in Wiedergeburten usw. an - also übernatürliches, aber ist das in diesem Kontext eines pragmatischen Buddhismus überhaupt üblich? Ich selbst glaube, dieses Verständnis gehört aber zum Buddhismus, sonst versteht man ihn nicht richtig oder nur teilweise, es sind ja mehr Naturgesetze, die man annimmt, als blosse Glaubensgrundsätze. Ohne diese Gesetzmässigkeiten ernst nehmen zu wollen, ist die Praxis wiederum eher sinnentleert.


    Mich würde auch interessieren, ob es Foren oder Austauschsmöglichkeiten im Deutschsprachigen oder auch internationalen Raum zu pragmatischem Buddhismus und der Praxis gibt. Also abseits von Gurus mit Gewinnabsichten, mit ernsthaftem Interesse zum Austausch über moderne Methoden zum Selbstläuterung- bzw. Selbstbefreiung.


    Noch eine letzte Frage, wie seht ihr diesen Unterschied: die traditionellen, passen oft sehr auf, dass die Schüler das Wissen der Reihe nach lernen, und nicht zu früh vorweggenommen etwas enthüllt bekommen. Jeder ist da mehr für sich in seinem eigenen Fortschritt, scheint mir manchmal. Pragmatiker hingegen reden über ihre Erfahrungen, und ein Einsteiger kann vorweg lesen, was ihn später erwartet. Die Frage nach der Verwirrung wird halt über den modernen Intellekt gelöst, der Bereit sein kann, das zu unterscheiden.


    Der Gewinn ist eben ein unabhängigeres Lernen. Statt gar nicht über die mache verwirrenden Erfahrungen zu sprechen, sprechen Pragmatiker durchaus auch vor anderen, aber so dass man es richtig versteht, modern erklärt, und halt vor Menschen, die auch die Erfahrung haben oder kurz davor sind, und es deswegen verstehen können. Eure Gedanken dazu?

  • pano
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    • 28. Oktober 2026 um 23:13
    • #2
    KarmaHausmeister:
    pano:

    Ich bin gerade über die Bezeichnung "pragmatischer buddhismus" gestolpert, die mich aufs erste Lesen direkt recht überzeugt. Denn Säkularer Buddhismus trifft für mich (studierter Physiker und fern von Glauben an übernatürliches) irgendwie ein bisschen daneben

    Spannend. Wo hast Du denn davon gelesen? Hast Du einen Link?

    Ja, „säkularer“ Buddhismus ist etwas unglücklich, hat sich aber nunmal etabliert als Opponent zu einem religiösen Buddhismus. 🤷🏻‍♂️

    habe keine Ahnung mehr wo ichs gelesen hatte :)


    Aber so mit 3 Jahren Abstand: ich glaube säkular / religiös ist halt ein bisschen eine falsche Dichotomie. Es geht ja in gewisser Weise eher um eine Entmystifizierung, vielleicht weniger um die religiöse Rolle im Allgemeinen aber das liegt vermutlich auch im Auge des Betrachters.

    Bhavanga mittlerweile ist wie gesagt etwas zeit vergangen und ich habe auch mehr über den Buddhismus gelernt. Höre ich "pragmatisch" nun im Kontext des Buddhismus denke ich an die "geschickten Mittel" die in der buddhistischen Praxis ihren Platz haben. Das heißt, wenn du als Christ Weihnachten feierst kann das eine pragmatische Übung in Nächstenliebe und Andacht sein, und damit auch wieder "geschicktes Mittel" sein Leid zu reduzieren. Selbst wenn du dann doch Christ bist, ist es eben hilfreich sich in heilsamen Praktiken zu üben.


    Eine Bewegung zum "pragmatischen Buddhismus" gibt es wohl nicht, aber in der buddhistischen Praxis ist oft platz für viel Pragmatismus.


    Bhavanga:

    Noch eine letzte Frage, wie seht ihr diesen Unterschied: die traditionellen, passen oft sehr auf, dass die Schüler das Wissen der Reihe nach lernen, und nicht zu früh vorweggenommen etwas enthüllt bekommen. Jeder ist da mehr für sich in seinem eigenen Fortschritt, scheint mir manchmal. Pragmatiker hingegen reden über ihre Erfahrungen, und ein Einsteiger kann vorweg lesen, was ihn später erwartet. Die Frage nach der Verwirrung wird halt über den modernen Intellekt gelöst, der Bereit sein kann, das zu unterscheiden.

    Es gibt ja verschiedene Definitionen von Esoterik. Eine ist die dass es Esoterik und Exoterik gibt, ersteres Lehren über das Innere, zweiteres Lehren über das Äußere. Meditation, Kontemplation, ein stilles Gebet, all das kann da unter Esoterik fallen. Rituale, Gebräuche unter Exoterik.

    Eine andere Definition trennt entlang der Frage ob es Geheimlehren gibt. Esoterik als Geheimlehre. Diese Form existiert natürlich durchaus in buddhistischen religiösen Institutionen. Auch wenn man sagen muss, im 21. Jahrhundert findet man so zu ziemlich jeder Geheimlehre auch recht schnell Informationen wenn man auf der Suche ist. Wenn man aber etwas nachdenkt sind solche "geheimen" Lehren garnicht mehr so interessant, denn entweder sind sie aus pädagogischen Gründen geheim (ggf. auch gefährlich, etwa bestimmte Meditationspraktiken können zu psychologischen Ausnahmesituationen führen, die interessieren mich dann auch nciht). Oder man hats mit Karotte-am-Stock-Taktiken der Mitgliederbindung zu tun. Auch da bin ich ziemlich uninteressiert.

  • mukti
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    • 29. Oktober 2026 um 11:00
    • #3
    Bhavanga:

    Wie seht ihr dann diesen Zugang zum Buddhismus, also pragmatisch gelagert?

    Durch die vollkommene Verwirklichung, dass Körper und Geist kein Selbst oder der Besitz eines Selbst sind, ist alles Leid für immer zu Ende. Das ist meines Erachtens die Essenz der Buddhalehre und die ganze Praxis zielt auf das Erlöschen dieser Ich- und Mein-Vorstellung ab.


    Wenn man nun die christliche Lehre so interpretiert, dass sie mit diesem Ziel zusammenpasst, mag man den Geist im Gebet auf einen ewigen Gott als Meditationsobjekt ausrichten und dadurch Sammlung, das Glück der Loslösung und Einsicht in die Vergänglichkeit erreichen. Dabei mag man alle Vorstellungen über den "unerforschlichen Gott" nach und nach fallenlassen, wie es z.B. Meister Eckhart lehrt.


    Selber habe ich den Versuch, die Praktiken des Christentums und des Buddhismus zu vereinbaren, bald aufgegeben. In der Lehre des Buddha ist alles vorhanden, was ich brauche.

    Mit Metta, mukti.


  • Igor07
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    • 29. Oktober 2026 um 11:34
    • #4
    mukti:

    mag man den Geist im Gebet auf einen ewigen Gott als Meditationsobjekt ausrichten und dadurch Sammlung, das Glück der Loslösung und Einsicht in die Vergänglichkeit erreichen.

    Das kann man dadurch nicht erreichen, also die Vergänglichkeit, aber Unio mystica, und das ist etwas anderes.


    Zitat

    (lat. mystische Einung), bezeichnet das Grundphänomen der christlichen Mystik. Die Frage nach dem Ersten als dem Einen geht auf die Ursprünge des griech.

    Unio mystica

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • mukti
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    • 29. Oktober 2026 um 11:56
    • #5
    Igor07:
    mukti:

    mag man den Geist im Gebet auf einen ewigen Gott als Meditationsobjekt ausrichten und dadurch Sammlung, das Glück der Loslösung und Einsicht in die Vergänglichkeit erreichen.

    Das kann man dadurch nicht erreichen, also die Vergänglichkeit, aber Unio mystica, und das ist etwas anderes.

    Unio Mystika ist doch jenseits der Vergänglichkeit.

    Mit Metta, mukti.


  • Matthie
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    • 29. Oktober 2026 um 12:16
    • #6
    Bhavanga:

    Dabei sind beide, Christentum wie Buddhismus, für mich sich ergänzende Erklärungsschlüssel zum Sinn des Lebens

    Schön gesagt.

    Der Buddhismus hilft schon den eigenen Geist zu analysieren und vorallem das Erkennen der 3 Geistesgifte.

    Vondem her definitiv ein heilsamer Weg.

    Mir fehlen aber manchmal das Betrachten der verschieden Prägungen, Erfahrungen ( positiv wie negativ ), Erziehung … die ja definitiv großen Einfluss haben und reflektiert werden müssen.

    Ich würde mich definitiv nicht als Christ bezeichnen und trotzdem bin ich durch Erziehung etc. Stärker damit verwurzelt wie mir manchmal recht ist.

    In schweren Zeiten finde ich dann manchmal doch noch den Weg zum Gebet und finde das sehr heilsam.

    Also warum dagegen ankämpfen?

    Beide Wege schließen sich für mich nicht aus und ich bin nunmal nicht in einer buddhistischen Tradition groß geworden.

    Bhavanga:

    Da habe ich eigentlich nicht die Frage nach Übernatürlichem oder höheren Gewalten, die ist für mich bereits geklärt - ich habe nachgesehen, hingesehen, und dann auch zum Glück rechtzeitig wegsehen gelernt, bevor ich vollends irre daran geworden bin.

    Interessante Aussage.

    Genaues hinschauen entmystifiziert doch eher.?

    Oder?

    Ich kenne es aber durchaus das man sich verlieren kann in Deutungen, Glauben und irrsinnigen Interpretationen.

  • verrückter-narr
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    • 29. Oktober 2026 um 13:08
    • #7
    Bhavanga:

    Ich möchte das Thema noch einmal gerne hochbringen, um kein neues bringen zu müssen. Wenn das nicht gewünscht ist, kann es ja mit ähnlichem Titel noch einmal abgetrennt werden.


    Ich bin eigentlich Christ, sehe mich aber auch als praktizierenden eines pragmatischen Buddhismus. Ich glaube dem Buddha seinen Weg der geistigen Befreiung, und praktiziere diese Form des Selbstbeherrschungstrainings regelmässig. Für mich passt es zu einem Christlichen Weg, das innere Auge erst komplett zu läutern und in die Einheit eintreten zu wollen, bevor oder aber auch wodurch ich dann vor meinen Gott treten kann, dem ich die Erschaffung der Realität und ihrer Gesetzmässigkeiten zuschreibe, also auch von Karma und Wiedergeburten.

    Ich sehe einige Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen Buddhismus und dem frühen Christentum, wo es auch noch Vorstellungen der Präexistenz (Vorexistenz) von Jesus und anderen Wesen und von der Wiedergeburt in der christlichen Vorstellung gab, die dann aber beim ersten Konzil von Nicäa (lat. Concilium Nicaenum) im Jahre 325 n. Chr. und folgenden Konzilen und Synoden u.a. im Jahr 543 bei der regionale Synode in Konstantinopel, durch den römischen Machthaber Flavius Valerius Constantinus und anderen innerkirchlichen Parteien aus dem offiziellen Kirchenglauben verdrängt und verbannt wurde.

    Präexistenzlehre – Wikipedia

    Präexistenz Christi – Wikipedia

    Wiedergeburt (Christentum) – Wikipedia


    Auch die Vorstellung von Gott, der früher eher mit einer Form von Licht, Klang (Logos) und Energie gleichgesetzt wurde, hat sich seitdem immer mehr verändert und wurde immer stärker als tatsächliche existierende Person gesehen und der Glaube verstaatlicht.
    (Am Anfang war der Logos (Klang oder Wort) und Logos war bei Gott, Dann erschien das Licht usw.)


    Die Vorstellung, dass unser eigentliches Wesen und die Schöpfung und beginn der Existenz auch aus Licht, Klang und Energie besteht, gibt es auch im Buddhismus und anderen Religionen und Philosophien.


    In China, Korea, Japan usw. gibt es seit Jahrhunderten eine Mischung aus christlicher Verehrung Marias und der Verehrung von Kannon (Kanzeon, Guanyin). Seit dem 7. Jahrhundert gibt es in China, Korea, Japan usw. auch die assyrische Kirche des Ostens sowie die nestorianische Kirche. Auch dort hat sich eine Vermischung der doctrinalen Ansichten entwickelt. Es gibt sogar einige christliche Texte zu diesem Thema im japanischen buddhistischen Taisho-Kanon.

    Our Lady in Japan — Seibo Maria Mission of Japan

    Church of the East in China - Wikipedia


    European Network of Buddhist Christian Studies

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    The Society of Buddhist Christian Studies supports activities related to the comparative study of, and the practical interaction between, Buddhism and…
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  • Igor07
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    • 29. Oktober 2026 um 15:38
    • #8
    mukti:

    Unio Mystika ist doch jenseits der Vergänglichkeit.

    Unio mystica ist ewig oder der Ausdruck dieser Erfahrung. Im Buddhismus geht es aber um die Vergänglichkeit, also darum, die Phänomene so wahrzunehmen, wie sie sind, und nicht so, wie sie uns erscheinen. Es geht also um diese klare Sicht, diesen klaren Blick. Das ist der Unterschied, und deswegen hatte der historische Buddha zwei ehemalige Lehrer verlassen. Er war mit Unio mystica nicht zufrieden und suchte Nibbāna. So habe ich den Buddhismus und seine Botschaft verstanden.

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  • mukti
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    • 29. Oktober 2026 um 15:56
    • #9
    Igor07:

    Unio mystica ist ewig oder der Ausdruck dieser Erfahrung. Im Buddhismus geht es aber um die Vergänglichkeit, also darum, die Phänomene so wahrzunehmen, wie sie sind, und nicht so, wie sie uns erscheinen. Es geht also um diese klare Sicht, diesen klaren Blick. Das ist der Unterschied, und deswegen hatte der historische Buddha zwei ehemalige Lehrer verlassen. Er war mit Unio mystica nicht zufrieden und suchte Nibbāna. So habe ich den Buddhismus und seine Botschaft verstanden.

    Unio mystica wird von verschiedenen christlichen Richtungen verschieden interpretiert. Jedenfalls habe ich diesen Begriff gar nicht verwendet, sondern von der Einsicht in die Vergänglichkeit gesprochen. Ich möchte mich auch nicht weiter damit auseinandersetzen.

    Mit Metta, mukti.


Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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