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Undercover in Tibet

  • Hue32
  • 16. Juli 2026 um 11:06
  • Zum letzten Beitrag
  • Hue32
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    • 16. Juli 2026 um 11:06
    • #1

    Ich habe gerade die WDR-Dokumentation „Im Land des Dalai Lama – Undercover in Tibet“ gesehen. Sie zeigt eindrücklich, wie stark Tibet heute überwacht wird und wie schwierig es für Journalisten ist, überhaupt unabhängige Einblicke in das Land zu erhalten. Thematisiert werden unter anderem die Einschränkungen der Religionsfreiheit, die Kontrolle der Klöster sowie der Druck auf Sprache und Kultur der Tibeter.

    Besonders nachdenklich gemacht hat mich die Frage, was nach dem Tod des 14. Dalai Lama geschehen wird. China beansprucht das Recht, seinen Nachfolger mitzubestimmen, während die tibetische Exilgemeinschaft und viele Buddhisten dies entschieden ablehnen. Dadurch könnte es am Ende sogar zwei Dalai Lamas geben – einen von Peking anerkannten und einen nach der traditionellen tibetisch-buddhistischen Linie.

    Mich würde interessieren, wie ihr die Dokumentation bewertet. Haltet ihr sie für ausgewogen und glaubwürdig? Und wie schätzt ihr die Zukunft des tibetischen Buddhismus nach dem Tod des Dalai Lama ein?

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  • Hue32
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    • 16. Juli 2026 um 11:10
    • #2

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  • crocus
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    • 17. Juli 2026 um 21:06
    • #3

    Dass die weltliche Macht bei der Einsetzung religiöser Würdenträger mitredet, ist übrigens keine Erfindung der KP Chinas. In Europa war das Gang und Gäbe. Jahrhundertelang musste ein neuer Papst durch den Kaiser bestätigt werden. Der Gipfel des weltlichen Eingriffs war damals Kaiser Heinrich III., der 1046 die drei konkurrierenden Päpste absetzte und statt dessen den Bischof von Bamberg zum Papst wählen ließ. Unfähigkeit, Instabilität oder gar Gegnerschaft konnten weder Papst noch Kaiser gebrauchen.
    Ähnlich war das auch in anderen Teilen der Welt. In Tibet gab es mit dem Tulku-System regelmäßig Streit konkurrierender Familien, wessen Kind der neue xy-Lama sei. Da hingen Landbesitz und Geld dran. Am Ende mussten oft die chinesischen Kaiserhöfe den Streit beilegen. Da liegt die historische Wurzel dieser Bestätigungspolitik. Unfähigkeit, Instabilität oder gar pol. Gegner kann auch die KP Chinas heute nicht gebrauchen.
    Derartige Streits gibt es auch in unseren Tagen noch. Ein aktuelles Beispiel war der Auseinandersetzung um die zwei Karmapas, den schließlich der indische Staat ausbaden musste. Der Rechtsstreit zog sich fast ein Jahrzehnt hin. Indien wollte mit dm Zwist nichts zu tun haben, musste aber den Rechtsstreit mit Richtern, Anwälten und Polizei durchziehen, weil Kloster Rumtek in Sikkim liegt. Im Hintergrund ging es wieder um Klöster, Landbesitz und Macht.
    In Europa hat sich die Kirche die Unabhängigkeit vom Kaiser übrigens lang und hart erkämpfen müssen. Das war der sogenannte Investiturstreit. In Tibet hat es diesen Kampf nie gegeben. Warum sollte es auch? Die Klöster waren weltliche und religiöse Macht in einem.

  • GermanViking
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    • 18. Juli 2026 um 07:44
    • #4
    crocus:

    In Europa hat sich die Kirche die Unabhängigkeit vom Kaiser übrigens lang und hart erkämpfen müssen. Das war der sogenannte Investiturstreit. In Tibet hat es diesen Kampf nie gegeben. Warum sollte es auch? Die Klöster waren weltliche und religiöse Macht in einem.

    Da wird mir doch der weltliche Herrschaftsanspruch der Katholiken ziemlich unter den Teppich gekehrt. Mithilfe der Fälschung der so genannten Konstantinschen Schenkung beanspruchte man die Herrschaft über ganz Westeuropa. Papst und Bischöfe waren Herrscher über große Landstriche und der politische Einfluss war enorm. Gegner wurden auch zusammen mit den weltlichen Fürsten mitunter brutal bekämpft. Man denke nur an das Ende von Bruno und anderen unbequemen Denkern und die Kreuzzüge gegen die Katharer und Muslime. Noch im 20. Jahrhundert waren einige Staaten dabei den Klerikalfaschisten das Rückgrat brechen zu müssen. Da lohnt sich mal etwa ein Blick was sich so in Irland oder Spanien abspielte.

  • Qualia
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    • 18. Juli 2026 um 08:52
    • #5

    Meine Meinung zu Tibet ist, dass es den einfachen Leuten anfangs schlechter ging: Jahrtausende ihres unerkannten Sklaventums benötigen ihre Zeit, um auch den Denkmustern zu verschwinden. Selbst die älteren werden eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen nicht wünschen, aber sie wieder einmal hinnehmen.

    Die Tibet-Romantik bezieht sich unwissend auf die tyrannische Priesterkaste, die durch Propaganda für natürlich heilig gehalten wird. (Heutiges Beispiel: Nordkorea.)


    Der Buddhismus wurde dort so konzipiert das sich kein Tibeter dagegen auflehnt, dass er nur als ein niederes Wesen geboren ist und auf seine Wiedergeburt hoffen muss. Vorteilhaft war auch das es schon immer ein abgelegenes, schwer zu erreichendes Land war.


    Der Dalai Lama hat also recht gehandelt, als er die politische Führung abgelegt hat. Ihm war bewusst geworden das er nur über die außerhalb Tibets lebenden Anhänger das religiöse Oberhaupt ist. Das muss er bleiben, denn sonst geht auch diese verloren wegen Geldmangel. Kein politischer Führer sein kann, weil es dafür ein Staatsgebiet benötigt.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Qualia ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • GermanViking
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    • 18. Juli 2026 um 09:22
    • #6
    Qualia:

    Ihm war bewusst geworden das er nur über die außerhalb Tibets lebenden Anhänger das religiöse Oberhaupt ist.

    Wie religiös sind Exiltibeter eigentlich?

  • verrückter-narr
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    • 19. Juli 2026 um 07:45
    • #7

    China engagiert sich nicht nur gegen die Position des Dalai Lama, sondern auch gegen die Stellung von Indien im Buddhismus und möchte auch hier eine Vorrangstellung erreichen und investiert deshalb massiv in den Bau von Tempeln und Klöster, auch in Indien.


    Chinas strategische Investition in den Buddhismus: Eine neue Front für Soft Power

    Chinas strategische Investition in den Buddhismus: Eine neue Front für Soft Power
    China investiert Milliarden in buddhistische Tempel, Bildungseinrichtungen und kulturelle Programme, um den Buddhismus als Instrument geopolitischer…
    www.klamm.de


    https://www.bloomberg.com/features/2026-china-india-buddhism-dalai-lama/


    Hard rivalry for Buddhism's soft power - Asia Times
    In an era of geopolitical uncertainty, punctuated by trade wars, rising costs, and fractured alliances, diplomacy is increasingly being conducted not just
    asiatimes.com


    Neue Kulturrevolution in Tibet: Die Transformation des tibetischen Buddhismus
    Auch in seiner neuen Kulturrevolution zerstört der chinesische KP-Staat in Tibet immer noch buddhistische Einrichtungen. Doch ist das nur der sichtbare Teil…
    savetibet.de


    https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/der-laechelnde-drache-chinas-soft-power-einfluss-in-suedostasien

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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