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  1. Buddhaland Forum
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  3. Allgemeines zum Buddhismus

Wieviel Dogma mutet ihr euch zu?

  • lotusbomber
  • 11. Juli 2026 um 08:57
  • Zum letzten Beitrag
  • lotusbomber
    Themenautor
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    Buddh. Richtung
    Sutrayana
    • 11. Juli 2026 um 08:57
    • #1

    Polemisch sage ich in Anlehnung an eines meiner Lieblingszitate: „Spiritualität ohne Dogma ist eine Instagram-Kachel.“ Die sehr ernst gemeinte Frage dahinter ist: Wann habt ihr angefangen, euch selbst zu vertrauen? Wir reden über Karma, Nirvana, Leerheit(en), Sambhogakaya, etc.… Und leiten aus unserem Glauben, Erfahren, Überzeugtsein von diesen Begiffen/Konzepten unsere Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Pfaden / Schulen ab.

    Ich habe hier irgendwo einen Thread gelesen, in dem festgestellt wurde, dass der Buddha nicht lesen konnte. (Nicht, dass mich diese Frage besonders interessiert.) Der Punkt ist: Als „Mahayan(ist)“ ;) müsste ich ja davon überzeugt sein, dass Ananda und Co. es mit einem allwissenden Ausstrahlungskörper zutun gehabt haben. Bin ich wirklich davon überzeugt? Weiß nicht.

    Irgendwo hab ich gelesen, dass ein Zornanfall den Verdienst von zig Leben wegbruzelt – und wie ist mit dem Karma, wenn man sich ein leckeres Steak auf den Teller legt, wissend, dass dieses Tier nur als Mittel und nie als Zweck an sich gesehen wurde, möglicherweise in Massentierhaltung gequält wurde …?

    Wie viel „Schulterzucken“ erlaubt ihr euch? Die Frage ist etwas schwammig: Aber wie kann man sich selbst vertrauen, wenn man ja selbst nicht erleuchtet ist?

    Für mich lautet die Antwort „Kalama Sutta“, alles zu prüfen.

    Okay. Aber eines der Fünf Hindernisse ist der Zweifel.

    Ich kenne Leute, die erlauben sich, Fleisch zu essen. Immerhin, „der Buddha tat es ja auch“. Wieder andere haben es nicht so mit der „Wieder“geburt. Und sind Pretas und Höllenwesen nicht sowieso nur psychologische Figuren?

    Das Konzept der drei Arten des Vertrauens finde ich hilfreich. Aber andererseits kann es einem ja – zumindest im Vajrayana – selbst dann noch die Suppe versalzen, wenn man im Detail eine falsche Vorstellung von der Leerheit hat.

    Inzwischen komme ich zu dem Schluss, dass es 84.000 Buddhismen, bzw. so viele, wie es fühlende Wesen gibt, die die „Vier Siegel“ akzeptieren.

    Ich weiß gar nicht, welche Frage ich stellen oder vermeintliche Erkenntnis ich hier teilen möchte. Mich interessiert einfach nur, wie ihr euch in punkto „Dogmen“ positioniert, wie genau ihr euren Weg folgt. Ich bin heute nicht mehr der „Buddhist“, der ich vor 20 Jahren war und schon gar nicht der, der über Jan Willem van de Wetering und Samurai-Begeisterung zu Zen gekommen ist. Und doch gibt es Überzeugungen, die mich von Anfang an begleitet haben: dass es keinen Schöpfergott gibt, dass das Selbst ein Konstrukt ist (beides glaubt auch mein Kind und das ist kein Buddhist).

    Also ist die Frage vielleicht in Anlehnung an Herbert Grönemeyer: Wann ist ein Buddhist ein Buddhist?

    Es soll ja heiß werden, dieses Wochenende. Daher wünsche ich allen ein kühles Plätzchen.

  • void
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    Buddh. Richtung
    Zen
    • 11. Juli 2026 um 10:24
    • #2

    Eben gerade um besser definieren zu können, was für sie ein Buddhist ist, hat die DBU einmal so etwas wie ein buddhistisches Glaubensbekenntnis formuliert:


    Dieses enthält erst mal das Bekenntnis zu Buddha, Dharma und Sangha:

    DBU:

    Buddhistisches Bekenntnis

    der Deutschen Buddhistischen Union

    Ich bekenne mich zum Buddha als meinem unübertroffenen Lehrer. Er hat die Vollkommenheiten verwirklicht, und ist aus eigener Kraft den Weg zur Befreiung und Erleuchtung gegangen. Aus dieser Erfahrung hat er die Lehre dargelegt, damit auch wir endgültig frei von Leid werden.

    Ich bekenne mich zum Dharma, der Lehre des Buddha. Sie ist klar, zeitlos und lädt alle ein, sie zu prüfen, sie anzuwenden und zu verwirklichen.


    Ich bekenne mich zum Sangha, der Gemeinschaft derer, die den Weg des Buddha gehen, und die verschiedenen Stufen der inneren Erfahrung und des Erwachens verwirklichen.

    Zweitens das Vertrauen zu den vier edlen Wahrheiten:

    DBU:

    Ich habe festes Vertrauen zu den Vier Edlen Wahrheiten:
    Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.

    Ich habe festes Vertrauen in die Lehre des Buddha:
    Alles Bedingte ist unbeständig. Alles Bedingte ist leidvoll. Alles ist ohne eigenständiges Selbst. Nirvana ist Frieden.

    Und drittens das Bekenntnis zum edlen achtfachen Pfad:

    DBU:

    Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhistinnen und Buddhisten, und begegne allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft mit Achtung und Offenheit. Wir folgen dem Buddha, unserem gemeinsamen Lehrer, und sind bestrebt, seine Lehre zu verwirklichen. Ethisches Verhalten, Sammlung und Weisheit führen zur Befreiung und Erleuchtung.

    Ich übe mich darin, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen, Nichtgegebenes nicht zu nehmen, keine unheilsamen sexuellen Handlungen zu begehen, nicht unwahr oder unheilsam zu reden, und mir nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein zu trüben.

    Letztlich kommen noch die Brahmavihara dazu:

    DBU:

    Zu allen Lebewesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück.

    Ich denke, ich kann das alles unterschreiben, auch wenn ich manchem nicht gerecht werden.


    Viele andere Konzepte sehe ich nicht so sehr, als "Wahrheiten über die Welt" sondern als Mittel um die hier genannten Ziele zu erreichen. Sich eine Hölle zu vegegenwärtigen kann zu Ethik motivieren. So kann ich vieles anerkennen auch wenn es mir schwer fallen würde es wörtlich zu nehmen.


    Und ich kann die Idee eines allwissenden Ausstrahlungskörpers auch einerseits aus der Verehrung für Buddha als auch in dem nachvollziehbaren Gedanken gründen, dass man Buddha nicht einfach als Einzelperson sah sondern als Teil eines wiederkehrenden Muster in dem, wenn die Bedingungen reif waren, immer und überall Buddhas entstanden.

  • fotost
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    • 11. Juli 2026 um 11:21
    • #3
    void:

    Und ich kann die Idee eines allwissenden Ausstrahlungskörpers auch einerseits aus der Verehrung für Buddha als auch in dem nachvollziehbaren Gedanken gründen, dass man Buddha nicht einfach als Einzelperson sah sondern als Teil eines wiederkehrenden Muster in dem, wenn die Bedingungen reif waren, immer und überall Buddhas entstanden.

    Das ist so ein wenig wie der Gedanke, ob es in dem unvorstellbar großen Weltall vielleicht nur einen einzigen Platz gibt, in dem Leben existiert oder ob Leben, wenn die äußeren Bedingungen halbwegs stimmen, n vielen Orten entstanden sein kann (ist).


    Zum Begriff der Allwissenheit sollte man vielleicht hinzufügen, daß es sich hier nicht um eine Allwissenheit handelt, wie sie in verschiedenen Religionen Gottheiten zugeschrieben wurde, sondern dass Entscheidungen in Sittenfragen und Auslegungsfragen der Lehre unfehlbar und für die Gemeinde verbindlich sind - ein Problem, das sich jeder schnell wachsenden Gemeinde irgendwann stellt - wenn sich Mitglieder streiten, wer entscheidet letzlich...

  • AndreasM
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    • 11. Juli 2026 um 11:52
    • #4
    lotusbomber:

    Mich interessiert einfach nur, wie ihr euch in punkto „Dogmen“ positioniert, wie genau ihr euren Weg folgt.

    Mein Weg ist über meinen Körper. Alles, was der bezeugen kann (was ich durch ihn erfahren kann), ist wahr. So kann man durchs Zen & Mahayana insgesamt, aber auch durch die dokumentierten Worte des Buddha schneiden. Das, was übrig bleibt, ist brauchbar, so mein Resultat. Den Rest kann man getrost vergessen da man das nur glauben kann.

    Einmal editiert, zuletzt von AndreasM (11. Juli 2026 um 12:00)

  • void
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    Buddh. Richtung
    Zen
    • 11. Juli 2026 um 12:22
    • #5
    lotusbomber:

    Polemisch sage ich in Anlehnung an eines meiner Lieblingszitate: „Spiritualität ohne Dogma ist eine Instagram-Kachel.“

    Wenn ich versuche, das lustige Bild in eine Aussage zu übersetzen, dann wird da gesagt, dass das Bekenntnis zu zentralen Glaubenssätzten entscheidend dafür ist, ob eine Spiritualität ernsthaft oder oberflächlich ist.


    Prinzipiell ist da was dran. Wenn jemand auch zu Aspekten seiner Religion steht, die andere als lächerlich, überholt und bizarr sehen, dann drückt er damit sein "Commitment" aus - also dass es ihm wichtig ist. Man trägt ein Kreuz, man lässr sich beschneiden. Während eine Instagram- Beliebigkeit sich gut in Peter Lichts Worten "

    Ich war mal Cowboy, jetzt bin ich Buddhist. Morgen werd' ich vielleicht
    Beamter oder Rocker sein
    " ausdrückt.


    Aber wenn man näher drüber nachdenkt, kommen einem doch Zweifel.


    Der zentrale Punkt ist ja der Unterschied zwischen Orthodoxie ( richtig glauben) und Orthopraxie ( richtig Handel) und das ist ja klar komplex:


    In der frühen Kirche gab es ja einen Streit ob es entscheidend ist das richtige Bekenntnis zu haben ( Rechtsgläubigkeit) oder richtig zu handeln.Kommt derjenige in den Himmel der die richtigen Dogmen hat oder der, der stets gütig und liebevoll handelt. Und da würde das Primär des rechten Glaubens festgestellt.


    Im Buddhismus ist es eigentlich umgekehrt. Eine alte Frau, die in ihrem Leben den edlen achtfachen Pfad verwirklicht, die nie lügt, deren Herz voller Güte ist und die wenig Ego hat, wird als besser gesehen als jemand der all das richtige glaubt aber nicht lebt. Das krasseste Beispiel ist wohl Devadatta, der Buddha selbst vorwarf im Bezug auf die Regeln nicht streng genug zu sein.


    Natürlich gibt es auch im Buddhismus Rechte Erkenntnis (sammā diṭṭhi) aber ich denke, der zentrale Punkt hier ist, dass eine Ansicht dann "recht" ist wenn sie heilsam ist also zu rechten Handeln führt.


    Während im Christlichen das "rechte" recht ist weil es von Gott kommt und zu diesem hinführt. Für jemand wie Kardinal Ratzinger wäre Instagram das perfekte Symbol für "postmoderne Beliebigkeit" gewesen. Dafür das Pluralismus und Vielfalt nur Oberflächlichkeit, Schrein, Selbstdarstellung hervorbringen. Aber stimmt das? Darf man jemand der nicht "orthodox" ist die Ernsthaftigkeit absprechen?


    Hui Neng war ein Analphabet, ein armer Holzsammler, den ein einziges Zitat aus dem Diamantsutra so eine tiefe Einsicht vermittelte, dass er ins Kloster ging. Viele andere Mönche waren hochgebildet und wußten viel über den Buddhismus und seinen Konzepte. Polierte Hui Neng nur eine Instagram Kachel oder war er Buddhist?

  • Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 11. Juli 2026 um 15:08
    • #6
    lotusbomber:

    Wie viel „Schulterzucken“ erlaubt ihr euch? Die Frage ist etwas schwammig: Aber wie kann man sich selbst vertrauen, wenn man ja selbst nicht erleuchtet ist?

    Bevor es so etwas wie eine tiefere Selbsterfahrung gibt, ist es mehr so etwas wie eine (Vor)Ahnung oder gewisse Richtung zu haben, die man einschlägt. Ein gefühlt anderer „Weg“ und eine Abkehr von „vorherigen Wegen“.


    Die Gründe dafür können verschieden sein. Von einfach anfänglichem Interesse bis hin zu tiefer Lebenskrise.


    Persönlich habe ich irgend wann angefangen Spinnen und Fliegen mit der Hand zu fangen und nach „draußen zu befördern“. Und nicht mehr wie gewohnt einfach die Klatsche zu benutzen. Genauso aufgehört Fleisch zu essen. Eine Uhr zu tragen.

    Über Zen hatte ich zuvor nur ein Buch gelesen „Zen im Alltag“ von Joko Beck. Wo oft von Sesshin geredet wurde. Hab das dann mal ausprobiert zu meditieren. „Wie das ist“. Aber ehrlich gesagt hielten mich andere Dinge im Leben davon ab, ernsthafter zu meditieren. Bzw ich hatte auch gar nicht die Zeit und Stille dafür. Weil ich auch nicht ganz allein lebte.


    Von Buddha habe ich nur Sprüche gelesen. Das es so etwas wie „mittlere Schriften“ von ihm gibt erfuhr ich erst nach „dem Erwachen“ (Nicht Dualität, Begegnung mit der „Leerheit“).


    Für das Universum habe ich mich schon als Kind interessiert. Mitgefühl und Harmonie und „intakte Gemeinschaft“ waren mir auch an sich schon immer wichtig.

    Gestern meinte jemand zu mir: ich hätte gut zu Rainer Langhans und Uschi Obermayer reingepasst. Auf meine Frage warum kam die Antwort: der ist auch „esoterisch“ und meditiert.

    Als Esoteriker fühle ich mich jedoch nicht. Das hängt auch damit zusammen das der Begriff weitläufig ist, auch Engel und Channeln umfasst.

    Ich habe mal an „Gott“ geglaubt. Als Kind in Form von „alter Mann mit Bart“, wie er in manchen Bildern vorkam. Aber aufgehört daran zu glauben als ich entdeckte wie falsch die Kirche war, bzw Menschen die dort arbeiteten und Glauben und Position als persönliches Machtinstrument und Drohung ausnutzten.


    Also meine Meinung zu sich selbst zu vertrauen ist: ausprobieren und erfahren im Leben an sich, Lebenspraxis, und weniger einfach nur glauben oder sich (nur immer mehr Wissen) aneignen:


    Durch Zuviel Wissen kann auch Zuviel denken und Zuviel unterscheiden entstehen. Und ein: das müsste JETZT aber so und nicht so sein.

    Zu Vertrauen bedeutet auch seiner Intuition zu vertrauen. Das da „noch etwas ist“ auch wenn man es noch nicht ganz erblicken kann. Worüber man auch nicht einfach sprechen kann, das man nur selbst erfahren kann. Bis dahin ist es mehr so etwas wie glauben und Vertrauen „das es da noch was anderes gibt“. Das natürlich in gewisser Weise auch helfen kann, „als gar nichts“.

    Die „Erschreckendste“ Erkenntnis für mich war, „das da nichts ist“. Das wollte ich aber nicht erkennen. Denn dadurch wurde auch „Ich“ für Momente „zu nichts“. Und es fühlte sich an wie „jetzt schon zu sterben“.

  • Samadhi1876
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    Buddh. Richtung
    • 11. Juli 2026 um 15:19
    • #7

    Als Ergänzung zu meinem Beitrag und „Esoterik“, „Spiritualität“ und „Geheimwissen“ wie man es heute vielfältig begegnet:

    Kurzinformation Religion: Esoterik - REMID

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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